Volksschule: Aufwertung naturwissenschaftlicher

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1 Gewerbeverband des Kantons Luzern, Mitteilungsmagazin 01 / 15 Regierungsratswahlen: Diese Kandidaten unterstützen wir 8 Kantonsratswahlen: Drei Parteipräsidenten im Kreu zverhör 10 Volksschule: Aufwertung naturwissenschaftlicher Fächer 16

2 Verkauf von Büro-, Bankett- und Festmobiliar z.b. Besprechungszimmer, Seminarräume, Kantinen und Terrassenbestuhlungen. Ausstellung und Lager in Neuenkirch Mehr Infos auf: Event-Service Zentralschweiz Der Profi für Ihren Anlass von A Z Vermietung von Festmobiliar für Bankette, Geschäftsanlässe oder private Partys. Mobiliar, Getränke, Catering u.v.m. alles aus einer Hand. ESZ Maiengrün 3, 6206 Neuenkirch Mehr Infos auf: eszgmbh.ch EVENTS mit FELDER Felder Felder AG Hauptstrasse Altwis Tel Fax Tribünen,Bühnen,Zelthallen,Mobiliar Immer auch temporäre Lager-und Arbeitshallen und Verkauf von Occasionsmaterial auf Anfrage Unsinnig und teuer! Felix Graf, CEO CKW / Vorstand IHZ, Luzern Sinkt der Energieverbrauch, was der Bundesrat mit der Energiestrategie 2050 anstrebt, muss die Energie-Steuer immer weiter angehoben werden. NEIN zu dieser gefährlichen Steuerspirale. Energie-Steuer NEIN kompetent. diskret. persönlich. Ihre Spezialisten für Steuerberatung Treuhand Steuern und Recht Rechnungswesen Unternehmensberatung Immobilien Fritz Suter Mario Gander dipl. Steuerexperte dipl. Steuerexperte Inhaber Gemeindeschreiber- und Notariatspatent Paula Zemp-Wermelinger Inhaberin Gemeindeschreiberpatent FA für luzernische Steuerfachleute Georges Felder dipl. Treuhandexperte Inhaber Gemeindeschreiberpatent Bewirtschaftung Vermarktung Immobilienberatung Die grösste Stärke unseres Unternehmens liegt in der Vernetzung von Kompetenzen. Sie erhalten dadurch umfassende Beratung aus einer Hand. Dank eingespielten Schnittstellen unter unseren Fachspezialisten profitieren Sie von effizienten und fundierten Lösungen. Nutzen Sie unsere erfahrenen, leistungsfähigen Teams in Sursee, Luzern, Reiden und Willisau. Telefon

3 150013_Gewerbe_Luzern_Jan_Feb.qxp :54 Seite 3 Editorial Politische Mitbestimmung Initiatives Handeln: Wir haben es in der Hand Rolf Bossart, Mitglied Zentralvorstand Gewerbeverband Kanton Luzern Unter «Initiative» versteht man im politischen Jargon einen Vorstoss. Allgemein meint man damit aber auch das Sich-Engagieren. Beides bewirkt immer wieder Veränderungen und neue Herausforderungen. Das zeigte sich im vergangenen Jahr auf eindrückliche Art und Weise. Zahlreiche brisante Vorlagen kamen vors Volk, die uns Gewerbetreibenden aktives Handeln abverlangten. Die Initiativen «Finanzierung und Ausbau der Eisenbahninfrastruktur (FABI)», «Abschaffung der Liegenschaftssteuer» und die Masseneinwanderungs-Initiative fanden beim Volk ihre Zustimmung, während die Mindestlohn-Initiative, die Abschaffung der Pauschalbesteuerung, die Einheitskrankenkasse und Ecopop bachab gingen. Erfreulich daran ist, dass diese Resultate mehrheitlich die Empfehlungen des Gewerbeverbandes und die Parolen der Gewerbekammer widerspiegelten. Trotz dieser Erfolge dürfen wir uns keinesfalls auf den Lorbeeren ausruhen. Wir sind unablässig zum Handeln aufgerufen, denn es stehen bereits neue wichtige Entscheidungen an. Voraussichtlich im Juni soll das Volk über die neue BillagMediensteuer befinden. Diese sieht vor, dass umsatzstarke Gewerbebetriebe künftig hohe Empfangsgebühren entrichten müssen. Unabhängig davon, ob die Mitarbeitenden Radio hören oder fernsehen. Offensichtlich vergessen die verantwortlichen Schreibtischtäter in Bern, dass die Unternehmer und ihre Angestellten bereits in ihrem Privathaushalt zur Kasse gebeten werden. Ich habe den Eindruck, dass mit Hilfe von Verordnungen und Erlassen vieles zentralisiert werden soll. Zentralismus heisst aber Abkehr vom Föderalismus. Und die Auswirkungen daraus bedeuten Gift für uns eigenständige Gewerbetreibende. «Es gibt keine Zufälle, es fällt einem zu, was fällig ist.» Dieser Ausspruch einer unbekannten Persönlichkeit aus vergangener Zeit trifft auch bei den Ende März anstehenden Kantons- und Regierungsratswahlen wieder den Nagel auf den Kopf. Mit anderen Worten: Wir haben es selber in der Hand und tun gut daran, unternehmerisch Denkende und freie Gewerbetreibende zu wählen. Solche, die auch nach den Wahlen noch für das Gewerbe die Initiative ergreifen und sich einsetzen. Zudem soll sich jeder einzelne von uns immer wieder initiativ zeigen und so zum Erfolg der gewerblichen Tätigkeit beitragen. 3

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5 Gewerbeverband des Kantons Luzern, Mitteilungsmagazin 01/02 / 15 Regierungsrat: Wahlen: Bildung: Diese Kandidaten Drei Parteipräsidenten Aufwertung MINTunterstützen wir im Kreuzverhör Fächer in Volksschule Impressum Inhalt Ausgabe 6. Februar 100. Jahrgang Herausgeber Gewerbeverband des Kantons Luzern Redaktion apimedia ag, Gisikon Korrespondenzadresse Gewerbe Luzern, Eichwaldstrasse 15, Postfach, 6002 Luzern Telefon , Telefax , Abonnemente Einzelexemplare CHF 5., Jahresabonnement Kt. Luzern CHF 25., Jahresabonnement Schweiz CHF 35., Jahresabonnement Ausland CHF 55. Für Verbandsmitglieder obligatorisch und im Jahresbeitrag inbegriffen. Auflage 7300 Exemplare Inserateverwaltung Wallimann Druck und Verlag AG, 6215 Beromünster Telefon , Telefax Inseratespiegel und -preis auf Anfrage Gestaltung Hilfikergrafik, 6002 Luzern Layout und Druck Wallimann Druck und Verlag AG, 6215 Beromünster Inserate- und Redaktionsschluss, Erscheinungsdatum März-Ausgabe: 4. März 2015 (Red.- /Ins.-Schluss), erscheint am 20. März 2015 April-Ausgabe: 1. April 2015 (Red.- /Ins.-Schluss), erscheint am 17. April 2015 Mai-Ausgabe: 29. April 2015 (Red.- /Ins.-Schluss), erscheint am 15. Mai 2015 Erscheint 10-mal jährlich Der Inhalt der Artikel widerspiegelt die Auffassung der Autoren und deckt sich nicht notwendigerweise mit der Meinung der Redaktion. Nachdruck unter Quellenangabe gestattet, Belegexemplare erwünscht. Für ungebeten eingesandte Artikel und Fotos übernimmt die Redaktion keine Haftung. Editorial Initiatives Handeln 3 Brennpunkt «Wir müssen wissen, wohin wir wollen» 6 Wahlen 2015 Fünf bürgerliche Regierungsratskandidaten 8 Wahlen 2015 Drei Parteipräsidenten im Kreuzverhör 10 Abstimmung Gefährliche Energiesteuer 13 Impressionen Unternehmer im Kantonsrat 14 Bildung MINT-Förderung in der Volksschule 16 Brief aus Bern FDP-Ständerat Georges Theiler 17 Ratgeber Generation 50 plus 18 Kündigung vor Stellenantritt? 20 Kurzmeldungen Aus den Sektionen 19 Gewerbekalender 27 Die Tochter- und Partnergesellschaften des Gewerbeverbands des Kantons Luzern: Gewerbe-Treuhand, Dacor-Informatik, Lufida-Revision. Titelbild Am 29. März werden die Sitze im Kantonsratssaal neu besetzt. Für den Gewerbeverband des Kantons Luzern ist es ausserordentlich wichtig, dass möglichst viele Gewerbler Einsitz im Parlament erhalten. Deshalb unterstützt er alle bürgerlichen Kandidatinnen und Kandidaten, die sich in der Vergangenheit aktiv für die Anliegen des Gewerbes eingesetzt haben. (Bild Daniel Schwab) 5

6 Brennpunkt Strategie Gewerbeverband «Wir müssen genau wissen, wohin wir wollen» Der Zentralvorstand des Kantonalen Gewerbeverbandes hat den Entwurf einer neuen Strategie genehmigt. Der Entwurf geht nun in die Vernehmlassung bei allen Präsidenten der Mitgliedvereine und -verbände. An der Delegiertenversammlung vom 6. Mai soll dann die bereinigte Version verabschiedet werden. Direktor Gaudenz Zemp nimmt Stellung. Gaudenz Zemp, weshalb braucht der Verband eine neue Strategie? Der Kantonale Gewerbeverband überprüft alle fünf Jahre seine Strategie und stimmt diese auf jene des Schweizerischen Gewerbeverbandes ab. Das lohnt sich. Denn das wirtschaftliche und politische Umfeld ist zunehmend komplex und das Tempo hoch. Man läuft schnell Gefahr, im Tagesgeschäft vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen. Woran hat man sich bei der Strategieentwicklung orientiert? Der Gewerbeverband ist die einzige Institution im Kanton, die ausschliesslich dem Erfolg der Luzerner KMU verpflichtet ist. Wir müssen niemandem Rechenschaft ablegen, weder inhaltlich noch finanziell. Das macht uns zu einer starken Kraft. Wir können sagen, was wir denken und gezielt Einfluss nehmen. Der strategische Fixpunkt bei allen Tätigkeiten ist der nachhaltige Nutzen für die Luzerner KMU. Deren Umfeld wandelt sich aber permanent. Woran denken Sie da in erster Linie? Wie schnell sich Rahmenbedingungen ändern können, zeigt der aktuelle Erdölpreis. Wer hätte vor vier Jahren gedacht, dass man für einen Liter Benzin jemals wieder nur Fr. 1,40 zahlen muss. Oder wer hätte gedacht, dass Russland einen konventionellen Krieg im Osten von Europa führt. Oder dass Deutschland CO 2 -schleudernde Kohlekraftwerke hochfährt? Entwicklungen verlaufen also nicht einfach linear. Welche Konsequenzen hat dies auf die Strategieentwicklung? Wir gehen davon aus, dass der Erdölpreis wieder steigt, Russland sein Verhältnis zur EU normalisiert und die Klimastrategie Deutschlands die Kohle mittelfristig weghaben will. Die angesprochenen überraschenden Ausschläge in der langfristigen Entwicklung führen aber dazu, dass dem Aspekt der Sicherheit mehr Rechnung getragen werden muss. Die Versorgungssicherheit zum Beispiel im Bereich der Energie rückt plötzlich wieder ins Zentrum. Ist diese nicht gegeben? Im Gespräch mit Exponenten der Energiewirtschaft wird immer wieder deutlich, wie rasch es hier zu einem Kollaps kommen kann und wie stark abhängig wir vom Ausland sind. Gleichzeitig fühlt man in der Bevölkerung eine Stimmung, die den Anspruch an eine eigentliche Selbstversorgung wieder mehrheitsfähig macht. Übrigens nicht nur bei der Energie, sondern auch bei der Landwirtschaft. Die Spannung zwischen der fortschreitenden Globalisierung und dem Bedürfnis nach Sicherheit innerhalb der Landesgrenzen ist herausfordernd. Hier öffnet sich immer mehr ein Graben zwischen der Wirtschaft und der Bevölkerung. Ja, das ist tatsächlich so. Das zeigte sich bei der Masseneinwanderungsinitiative. Die Wirtschaft war klar dafür, das Volk wenn auch hauchdünn dagegen. Hier spielen unterschiedliche Interessen: der Bedarf an ausländischen Fachkräfte bei der Wirtschaft einerseits und der Wunsch nach Arbeitsplatzsicherheit sowie der Respekt vor einer Überfremdung bei den Leuten andererseits. Allerdings muss man hier ein Stück weit unterscheiden zwischen Grossbetrieben und KMU. Inwiefern? Diverse Grossbetriebe haben sich über die letzten Jahre ein Image-Problem eingebrockt. Einerseits durch die Management-Kultur mit exorbitanten Löhnen und Personalverantwortlichen, die das duale Bildungssystem nicht kennen. Andererseits durch eine Abkopplung vom politischen System. Früher waren CEOs dieser Unternehmen auch in den Parlamenten aktiv und in der Armee. Heute lassen dies die Karrierebedürfnisse kaum mehr zu. Die Nähe zur Bevölkerung und damit die Akzeptanz der sogenannten Wirtschaft haben gelitten. Und das gilt nicht für die KMU? Nein. Wir haben bei den Leuten eine hohe Glaubwürdigkeit und Akzeptanz. Man nimmt zur Kenntnis, dass hier die Chefs bescheidener sind und dafür näher bei den Mitarbeitenden und insbesondere den Lehrlingen sind. Deshalb können wir noch selbstbewusster auftreten. Wir dürfen erwarten, dass die Politik die Bedürfnisse der KMU noch stärker ins Zentrum stellt. 6

7 Brennpunkt «Das wirtschaftliche und politische Umfeld ist zunehmend komplex und das Tempo hoch», begründet Gaudenz Zemp die Überarbeitung der Verbandsstrategie. (Bild Alex Piazza) In der heutigen Mediengesellschaft kommt der Kommunikation grösste Bedeutung zu. Wo sehen Sie hier Handlungsbedarf? Wir müssen noch stärker den Nutzen herausarbeiten, den wir jedem einzelnen Mitglieds-KMU bringen. Die 70 Franken Jahresbeitrag für den kantonalen Verband sind extrem gut investiert, wenn man bedenkt, wie viele hundert Franken eingespart werden, wenn wir bei der Gesetzgebung frühzeitig Einfluss nehmen und KMUfreundliche Lösungen erzielen können. Dazu müssen wir aber verständlich und kontinuierlich kommunizieren. Hier wollen wir weitere Fortschritte machen. Zur Kommunikation gehört wohl auch der Name. Der Begriff «Gewerbe» spricht viele junge Dienstleistungsunternehmer nicht besonders an Es gibt eine Diskussion, ob man nicht von «Gewerbe» auf «KMU» wechseln soll. Denn in der Kommunikation müssen wir sicherstellen, dass wir auch Unternehmer in den Dienstleistungsund Beratungsbranchen ansprechen. Wir wollen für alle Unternehmen bis rund 250 Mitarbeitenden der führende und stärkste Verband im Kanton sein. Die Geschäftsstellen der Gewerbeverbände in anderen Kantonen haben teils wesentlich mehr Mandate. Wie wichtig ist Ihnen dieser Bereich? Sehr wichtig. Wir haben zurzeit mit dem Kompetenzzentrum für das Qualifikationsverfahren ein sehr wichtiges und grosses Mandat vom Kanton. Zusätzlich führen wir die Geschäftsstelle der Luzerner Bauwirtschaftskonferenz. Ich bin aber sicher, dass diverse Verbände und Organisationen ihre Sekretariate und Geschäftsstellen sinnvollerweise auslagern könnten. Die bestehenden Milizsysteme kommen nämlich zunehmend an Grenzen. Wir streben hier zusätzliche Mandate an. Wir haben die Leute, das Knowhow und die Infrastruktur. Erwarten Sie an der Delegiertenversammlung grössere Diskussionen bezüglich der Strategie? Eine solche Versammlung ist ungeeignet für Detailbesprechungen. Wir wollen deshalb die Diskussionen vorgängig in den kommenden Monaten intensiv führen. An der Delegiertenversammlung sollte dann eine gut verankerte Version verabschiedet werden können. Interview Daniel Schwab 7

8 Wahlen 2015 Regierungsratswahlen Fünf Kandidaten aus dem gewerblichen Umfeld Die Luzerner KMU wünschen sich Politiker, die eine gewerbefreundliche Politik machen. Deshalb unterstützt der Gewerbeverband entsprechende Kandidierende im Rahmen seiner Möglichkeiten aktiv im Wahlkampf. Der Zentralvorstand hat die Luzerner Regierungsratskandidaten geprüft und entschieden, alle fünf bürgerlichen Politiker zu unterstützen. Die fünf Persönlichkeiten, die auf die Unterstützung des Gewerbeverbandes zählen dürfen, sind die Kandidaten der CVP (Guido Graf und Reto Wyss), der FDP (Robert Küng) und der SVP (Paul Winiker) sowie der parteilose Finanzdirektor Marcel Schwerzmann. Der Verband anerkennt dessen bisherige Leistungen und attestiert ihm eine klar bürgerliche Haltung. Die Wahlunterstützung seitens des Gewerbeverbands erfolgt hauptsächlich über eine eigene Wahlzeitung, die an alle Haushalte des Kantons verschickt wird, sowie über eine ergänzende Website, erklärt Direktor Gaudenz Zemp. Zusätzlich sollen in den Luzerner Regionalzeitungen Inserate geschaltet werden. Mit der Wahlunterstützung ist laut Zemp auch die Erwartung verbunden, dass alle unterstützten Kandidaten in der kommenden Legislatur ihre gewerbenahe Politik fortsetzen. Dazu gehört, neben dem Schaffen wirtschaftsfreundlicher allgemeiner Rahmenbedingungen, auch das konsequente Verfolgen der bisherigen Steuerpolitik. Zudem geht der Gewerbeverband davon aus, dass sich die unterstützten Kandidaten für eine Verwaltung einsetzen, die sich auf ihre Kernaufgaben fokussiert und den Rest der Privatwirtschaft überlässt. Die fünf Kandidaten im Kurzporträt: Paul Winiker (SVP) Paul Winiker (58) aus Kriens arbeitete als Auditor, Controller und Finanzchef bei diversen internationalen Firmen. Von 1991 bis 2002 übte er leitende Funktionen in der Telekommunikations- Industrie aus, danach war er als selbständiger Wirtschaftsberater tätig. Seit 2007 sitzt Winiker für die SVP im Kantonsrat, seit 2012 ist er Gemeindepräsident von Kriens. Guido Graf (CVP) Guido Graf (56) aus Pfaffnau gründete 1991 die Firma Graf und Partner in Luzern, der er fortan als Verwaltungspräsident und Geschäftsführer vorstand wurde er für die CVP in den Kantonsrat gewählt, 2009 als Nachfolger des zurücktretenden Markus Dürr in den Regierungsrat. Seit 2010 leitet er die Gesundheits- und Sozialdirektion. Robert Küng (FDP) Robert Küng (58) aus Willisau war 24 Jahre lang geschäftsführender Inhaber der Küng Haustechnik AG. Von 1993 bis 1997 präsidierte er den kantonalen Spenglermeister- und Installateurverband. Seit 2007 vertritt er die FDP im Kantonsrat schaffte er den Sprung in den Regierungsrat und leitet seither das Bau-, Umweltund Wirtschaftsdepartement. Marcel Schwerzmann (parteilos) Marcel Schwerzmann (50) aus Luzern arbeitete nach seinem Betriebswirtschaftsstudium und einer Tätigkeit als Prozessberater und IT-Projektleiter einer Grossbank während drei Jahren als Steuerverwalter im Kanton Luzern wurde er als Parteiloser in den Regierungsrat gewählt, wo er seither das Amt des Finanzdirektors ausübt. Paul Winiker aus Kriens ist der einzige Neue unter den fünf vom Gewerbeverband unterstützten bürgerlichen Regierungsratskandidaten. (Bild Alex Piazza) Reto Wyss (CVP) Reto Wyss (49) aus Rothenburg war zwischen 2003 und 2011 Geschäftsführer und Mitinhaber der Wyss & Partner Bauingenieure AG wurde er zum Gemeindepräsidenten von Rothenburg gewählt. Seit 2011 ist er im Regierungsrat und leitet das Bildungs- und Kulturdepartement. Text Alex Piazza 8

9 Wahlen 2015 Guido Graf aus Pfaffnau ist seit 2010 Vorsteher der Gesundheits- und Sozialdirektion. Robert Küng aus Willisau leitet seit vier Jahren das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement. Marcel Schwerzmann aus Luzern übt seit acht Jahren das Amt des Finanzdirektors aus. Reto Wyss aus Rothenburg ist seit vier Jahren Bildungsund Kulturdirektor. 9

10 Wahlen 2015 Kantonsratswahlen «Eine Verschlechterung der Steuersituation wäre fatal» Im Vorfeld der Kantonsratswahlen vom 29. März haben wir die Präsidenten der drei bürgerlichen Parteien an einen runden Tisch gebeten. Pirmin Jung von der CVP, Peter Schilliger von der FDP und Franz Grüter von der SVP nehmen Stellung zu aktuellen steuer-, wirtschafts- und bildungspolitischen Themen, die die Luzerner Stimmberechtigten bewegen. Peter Schilliger, SP und Grüne wollen im Kanton Luzern die Gewinnsteuer für Unternehmen erhöhen. Was halten Sie davon? Peter Schilliger: Gar nichts. Vor allem nicht in der jetzigen Situation, wo wir vom Bund her steuertechnisch massiv unter Druck geraten werden. Mit der Umsetzung der Unternehmenssteuerreform III werden Holdinggesellschaften in Zukunft stärker belastet. In jenen Kantonen, in denen grosse Gesellschaften ansässig sind Basel, Genf und Zürich zum Beispiel wird man die Steuern senken müssen, damit die Unternehmen nicht davonlaufen. Wir im Kanton Luzern haben mit den gezielten Steuersenkungen des vergangenen Jahrzehnts vorgesorgt und sind jetzt in einer guten Position, um die Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform III aufzufangen. Eine Verschlechterung unserer Position, wie sie die Initiative der Linken fordert, wäre fatal. Wir kämen im interkantonalen Wettbewerb unter die Räder. Sehen Sie das auch so, Franz Grüter? Franz Grüter: Das sehen alle Bürgerlichen so. Aber es sind nicht nur die Unternehmenssteuern, die unter Druck geraten sind. Denken Sie an die Erbschaftssteuer, über die das Schweizer Volk im Juni abstimmt. Deren Einführung würde nicht nur die Steuerlast erhöhen, sondern auch die Nachfolgeregelung im Betrieb extrem erschweren. Oder die Energiesteuer, die die Grünliberalen einführen wollen, und über die wir am 8. März abstimmen. Wenn wir zu all diesen neuen Steuern Ja sagen, dann werden wir die wirtschaftliche Stärke von Gewerbe und Industrie klar schwächen. Tiefe Steuern sind für die Unternehmen in unserem Kanton ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Attraktive Steuern sind das eine. Was braucht es sonst noch, damit Unternehmen im Kanton Luzern investieren und Arbeitsplätze schaffen, Pirmin Jung? Pirmin Jung: Wir müssen sicher darauf achten, dass im Gegenzug zu den Steuersenkungen nicht die indirekten Steuern, also die Gebühren und Abgaben, erhöht werden. Auch das belastet uns Unternehmer. Daneben brauchen wir natürlich eine gute Verkehrserschliessung und ein wirksames Energiegesetz. Vor allem sollte der Kanton die Energieeffizienz fördern. Davon profitieren all die vielen Gewerbler, die in diesem Bereich tätig sind, vom Elektriker über den Dachdecker bis hin zum Spengler. Franz Grüter: Wichtig ist auch der Abbau der Bürokratie. Wenn ein Unternehmer etwas Neues auf die Beine stellen will, dann sollen die Behörden kein Klotz am Bein sein, sondern eine schnelle Unterstützung garantieren. Pirmin Jung: Unser schlankes Arbeitsgesetz ist ein Trumpf im internationalen Wettbewerb. Der Staat soll die Unternehmen nicht mit weiteren Auflagen belasten. Sonst haben wir bald Verhältnisse wie in Deutschland, wo der Jahresabschluss einer Firma mit 10 Mitarbeitern 70 bis 80 A4-Seiten lang wird. Zum Vergleich: Für meinen 30-Mann-Betrieb in der Schweiz brauche ich lediglich 10 Seiten. Peter Schilliger: Sicherheit und Verlässlichkeit sind für Unternehmen wie für Private zentral. Wenn sich jemand sicher fühlt, ist er bereit zu investieren. Und wenn der Bürger konsum- und investitionswillig ist, dann läuft die Wirtschaft. Wenn das Gesamtgefüge des Kantons funktioniert, dann haben wir auch die nötigen Arbeitsplätze. Wo sehen Sie weiteren Handlungsbedarf für den Kanton, Franz Grüter? Franz Grüter: Bei der Berufsbildung. Immer mehr KMU haben Mühe, ihre Lehrstellen zu besetzen. Vor allem im handwerklichen Bereich. Noch immer setzen zu viele Jugendliche oft auf Druck ihrer Eltern auf die akademische Laufbahn. Dabei bietet eine Lehre ausgezeichnete Perspektiven und Karrieremöglichkeiten. Peter Schilliger: Den Wert unseres dualen Bildungssystems kann man nicht genug hervorstreichen. Es gibt viele erfolgreiche Geschäftsleute, die ihre Karriere mit einer Lehre gestartet haben. Das sollte man der breiten Bevölkerung besser kommunizieren. Da ist der Kanton gefordert. Pirmin Jung: Gerade Leute mit Migrationshintergrund kennen die vielfältigen Möglichkeiten unseres dualen Bildungssystems zu wenig. Ich 10

11 Wahlen 2015 Die Präsidenten der drei bürgerlichen Parteien im angeregten Gespräch: (von links) Pirmin Jung (CVP), Peter Schilliger (FDP) und Franz Grüter (SVP). (Bild Daniel Schwab) kenne Deutsche, die nicht wissen, dass man mit einem Zimmermann-Abschluss ein Ingenieurbüro eröffnen kann. Die Vorzüge einer Berufslehre sollten bereits in der Primarschule kommuniziert werden, bevor die Jungen ins Gymnasium abwandern. Sonst haben wir bald Zustände wie in der Stadt Zürich, wo über 60 Prozent der Sechstklässler am Mittwochnachmittag einen Weiterbildungskurs belegen, damit sie den Übertritt ins Gymnasium schaffen. So etwas macht mir Mühe. Oft hört man auch den Vorwurf der Akademisierung der Berufsbildung. Ist diese Gefahr Ihrer Meinung nach real, Peter Schilliger? Peter Schilliger: Ja, diese Gefahr besteht. Der schulische Anteil der Ausbildung darf nicht erhöht werden. Und die Behörden sollen nicht immer mehr normieren. Die Branchen müssen die Bildungshoheit behalten. Denn wir kennen die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter besser als der Staat. Pirmin Jung: Ein weiteres Problem ist die immer stärkere Durchmischung auf Tertiärstufe. Das merkt man nur schon an der Namensgebung: Unsere «Hochschule Luzern» ist nicht eine Hochschule, sondern eine Fachhochschule. Die Eintrittshürde für den Quereinstieg aus dem Gymnasium sollten erhöht werden. Sonst hat man an der Fachhochschule immer mehr Leute, die überhaupt keine Praxiserfahrung haben. Peter Schilliger: Dem pflichte ich voll und ganz bei. Wenn ein Berufsmaturand an die Universität will, muss er mit der Passerelle ein Jahr lang zurück auf die Schulbank und büffeln. Wenn im Gegenzug ein Maturand in die Fachhochschule übertreten will, braucht er keinen Berufsnachweis zu erbringen. Da stimmt doch etwas im System nicht. Am 29. März wird der Luzerner Kantonsrat erneuert. Bei der SVP ist der Anteil an gewerblichen Kandidaten am grössten. Ist es Ihnen leicht gefallen, Franz Grüter, Unternehmer zu einer Kandidatur zu bewegen? Franz Grüter: Nein. Es wird auch für uns immer schwieriger, Unternehmer zu finden, die bereit sind, sich erstens politisch zu engagieren und sich zweitens zu einer Partei zu bekennen. Peter Schilliger: Unternehmer oder Angestellte mit Leitungsfunktion sind heute immer stärker im Geschäft eingebunden. Das gilt es zu akzeptieren. Deshalb müsste man das politische Milizsystem vereinfachen. Ein Kantonsrat übernimmt heute immer mehr auch überflüssige Aufgaben, 11

12 Wahlen 2015 und hat dadurch immer mehr Kommissionssitzungen, so dass ihm schliesslich immer weniger Zeit bleibt, um echte Politik zu betreiben. Was bringt es denn einem Unternehmer, wenn er sich in der Politik engagiert, Pirmin Jung? Pirmin Jung: Sehr viel. Ich selber bin zwar nicht Parlamentarier, aber ich kann Ihnen sagen: Das Mitmachen in der Politik bringt mir mehr als jedes MBA, das ich in dieser Zeit hätte machen können. Ich habe die Abläufe im politischen Prozess kennengelernt, ich habe mein Netzwerk ausgebaut. Von einem politischen Amt kann jeder Unternehmer profitieren. Peter Schilliger: Ein Unternehmer ist den politischen Entscheiden doppelt ausgesetzt: erstens beruflich, zweitens als Privatperson. Deshalb müsste er auch doppelt daran interessiert sein, diese Entscheide mitzubeeinflussen. Franz Grüter: Das sehe ich genau so. Wir Unternehmer dürfen das Feld nicht den Berufspolitikern überlassen, die Anliegen vertreten, die dem Gewerbe und der Wirtschaft nicht förderlich sind. Der Gewerbeverband des Kantons Luzern hat eine parlamentarische Gewerbegruppe. Franz Grüter, finden Sie, dass diese Institution Sinn macht? Franz Grüter: Ich freue mich über eine aktive Gewerbegruppe. Im Rahmen der Gewerbepolitik gibt es für SVP, FDP und CVP oft die Möglichkeit, einen bürgerlichen Schulterschluss zu realisieren. Mich stört aber, dass teilweise Politiker in dieser Gruppe Einsitz haben, die die Anliegen des Gewerbes nur dann vertreten, wenn es darum geht, für die nächsten Wahlen empfohlen zu werden. Pirmin Jung: Wichtig ist, dass wir Leute in dieser Gruppe haben, die die Interessen der Gewerbler aufnehmen und anschliessend in den Parteigremien und im Rat vertreten. Aber wir müssen akzeptieren, dass jeder Kantonsrat bildlich gesprochen mehrere Hüte auf dem Kopf hat und bei seinen Entscheiden nicht immer nur die Sicht des Gewerbes berücksichtigen kann. Peter Schilliger: Die Gewerbegruppe ist eine wichtige Institution. Um schlagkräftig zu sein, sollte sie sich auf wenige Themen konzentrieren und dort dafür versuchen, mehr Leute ins Boot zu holen. Schliesslich geht es in der Politik darum, Lösungen durchzubringen und nicht Polemik der Polemik willen zu machen. Interview Alex Piazza 12

13 Abstimmung Energie- statt Mehrwertsteuer? «Energiesteuer könnte KMU ins Wanken bringen» Pius Müller, Vorstandsmitglied des Kantonalen Gewerbeverbandes, führt in Ruswil ein Bauspenglerei-Unternehmen mit fünf Mitarbeitenden. In seinen Augen könnte die Vorlage «Energiestatt Mehrwertsteuer» der Grünliberalen zahlreiche KMU in den Ruin treiben. Deshalb empfiehlt er, am 8. März ein deutliches Nein in die Urne zu legen. Pius Müller, die Grünliberalen wollen die Mehrwertsteuer abschaffen und stattdessen eine Energiesteuer einführen. Was halten Sie davon? Das ist eine gefährliche Idee. Die Initianten wollen eine hohe Steuer auf Benzin, Diesel, Öl, Gas und Strom aus nicht erneuerbaren Quellen. Dies würde zu einer gewaltigen Preissteigerung führen. Es ist davon auszugehen, dass beispielsweise ein Liter Benzin 3 Franken und eine Kilowattstunde Strom 33 Rappen mehr kosten würde. Pius Müller, hier in seiner Bauspenglerei in Ruswil, bevorzugt die Mehrwertsteuer gegenüber der von den Grünliberalen geforderten Energiesteuer. (Bild Daniel Schwab) Eine Gefahr für KMU-Betriebe also? Auf jeden Fall. Die Betriebe sind auf Energiepreise angewiesen, die moderat und einigermassen verlässlich sind. Der Energiebedarf der Betriebe, der zum Beispiel durch die Produktion oder den Fahrzeugpark verursacht wird, lässt sich ja nicht einfach beseitigen. Würden nun die entsprechenden Kosten durch eine Annahme der Initiative in die Höhe schnellen, wäre das für viele KMU kaum noch tragbar. Das System der Mehrwertsteuer dagegen hat sich bewährt und ist eine wichtige Einnahmequelle des Bundes. Die Mehrwertsteuer ist zudem verlässlich, mit ihr lässt sich gut planen. Ganz im Gegensatz zur Energiesteuer. Wie meinen Sie das? Die Initiative hat einen grundlegenden Überlegungsfehler. Bei steigenden Preisen würde der Energieverbrauch sinken und damit auch die Steuereinnahmen. Damit der Bund den nötigen Ertrag sicherstellen kann, müsste er erneut die Steuer erhöhen, was wiederum die Preise für den Endkonsumenten in die Höhe treibt. Ein Teufelskreis. Wie konnte es zu diesem Überlegungsfehler in der Initiative kommen? Die Initiative vermischt zwei Anliegen in einem Paket. Auf der einen Seite soll die Energienachfrage gelenkt werden, auf der anderen Seite will man die notwendigen Einnahmen für den Staat sicherstellen. Das geht nicht auf. Wer wäre von der Energieinitiative sonst noch stark betroffen? Einerseits die Hauseigentümer, andererseits die Mieter. Die Kosten für Heizung und Strom würden deutlich verteuert. Nicht jeder hat die Möglichkeit, grosse Summen in die Renovation des Hauses oder in den Ersatz der Heizung zu investieren. Des Weiteren würde es jeden treffen, der auf ein Auto angewiesen ist. Ich wohne zum Beispiel in Ruswil und bin privat wie auch beruflich viel unterwegs. Ein Benzinpreis von gegen fünf Franken ist für mich unvorstellbar. Zudem darf nicht vergessen werden, dass man beim öffentlichen Verkehr ebenfalls mit deutlich höheren Preisen rechnen müsste. Ihr Fazit ist klar: Die Initiative «Energiestatt Mehrwertsteuer» ist abzulehnen. So ist es. Ich sehe kaum Gewinner bei einer Annahme der Initiative. Gewerbler wie auch Privatpersonen würden durch die Energiesteuer nachhaltig belastet und eingeschränkt. Es gilt den Werkplatz Schweiz zu schützen und im Hinblick auf den internationalen Wettbewerb nicht zu schwächen. Schweizer Produkte sollen im Ausland nicht noch teurer werden. Ich werde daher am 8. März ein überzeugtes Nein zur Volksinitiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» in die Urne legen. Interview Philipp Scharpf 13

14 Impressionen 26. Januar 2015 Unternehmer im Luzerner Kantonsrat Franz Wüest (CVP Ettiswil), Mitinhaber der Rekag AG in Nebikon, bei seiner Antrittsrede als Kantonsratspräsident Urs Kunz (CVP), Bäckermeister mit eigenem Betrieb in Luthern. Urs Marti (CVP Zell), Mitinhaber der Makies AG in Gettnau. Hans Aregger (CVP), Bauunternehmer aus Buttisholz. Daniel Keller (SVP Udligenswil), Inhaber der Gedacolor AG in Emmen. Hildegard Meier (FDP), Mitinhaberin der Textilreinigungsfirma Büsi in Willisau. 14

15 Impressionen Hanspeter Bucher (SVP Hochdorf), Transportunternehmer in Emmen. Armin Hartmann (SVP), Gemeindeammann und Inhaber der IMC Hartmann AG Schlierbach. Damian Hunkeler (FDP Luzern), Inhaber Waser.Die Küche AG in Kriens. Angela Lüthold, Holzbauunternehmerin aus Nottwil, und Ruedi Stöckli, Gastronom aus Meierskappel (beide SVP). Angela Pfäffli (FDP), Physiotherapeutin FA mit eigener Praxis in Grosswangen. (Bilder Daniel Schwab) 15

16 Bildung MINT-Förderung «Müssen den Hebel in der Volksschule ansetzen» Die Nachfrage nach Fachkräften in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik steigt. Das Interesse der Jugendlichen an den sogenannten MINT-Berufen nimmt hingegen ab. Bildungsdirektor Reto Wyss ist überzeugt, dass sich dies mit dem Lehrplan 21, der am 12. Januar vom Regierungsrat vorgestellt wurde, ändern wird. Reto Wyss, in den MINT-Berufen herrscht ein akuter Fachkräftemangel. Wie erklären Sie sich das? Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften gelten als schwierige Fächer, die sich viele Jugendliche nicht zutrauen. Kommt hinzu, dass MINT-Berufe an Prestige verloren haben. Immer wieder trifft man bei Jugendlichen auf veraltete Vorstellungen über die einzelnen Berufsfelder. Dass MINT-Berufe sehr vielfältig sind und ausgezeichnete Jobaussichten wie auch Karrieremöglichkeiten bieten, wird oft ausgeblendet. Was lässt sich dagegen unternehmen? Wir müssen den Hebel bereits in der Volksschule ansetzen. Dazu braucht es kompetente und motivierte Lehrpersonen, die in der Lage sind, bei Primarschulkindern das Verständnis für mathematisch-naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu fördern und ihr Selbstvertrauen zu stärken. Wie soll denn die MINT-Förderung im Unterricht konkret aussehen? Reto Wyss, Bildungs- und Kulturdirektor des Kantons Luzern, hier bei einem Schulbesuch in Ebikon. (Bild Daniel Schwab) Der Lehrplan 21, dessen Einführung im Dezember 2014 vom Regierungsrat beschlossen wurde, sieht von der 3. bis 6. Klasse eine zusätzliche Lektion im Fach «Natur Mensch Gesellschaft» vor. Darin enthalten ist auch der Unterricht in den Bereichen Medien und Informatik. Auf der Sekundarstufe wird die bisherige Lektionenzahl im selben Fach von 8 auf 9 erhöht, wobei in der 1. und 2. Sek je eine Lektion hinzukommt, in der 3. Sek eine wegfällt. Stattdessen wird im letzten Schuljahr das Wahlpflichtfach «MINT» eingeführt, das eine praxisnahe Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Themen beinhaltet. Eine bedeutende Neuerung im Rahmen des Lehrplans 21 betrifft auch die Orientierung an aufbauenden Kompetenzen. Was heisst das genau? Im Vordergrund steht nicht mehr die Vermittlung von möglichst viel Wissen, sondern eine koordinierte Anwendung von Fachwissen und Fertigkeiten. Ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts sind dabei Projektarbeiten und Exkursionen. Erste Schritte in diese Richtung wurden bereits erfolgreich umgesetzt. In der Lernwerkstatt Robotik der Pädagogischen Hochschule Luzern haben letztes Jahr 660 Kinder vom Kindergarten bis zur 9. Klasse erste Erfahrungen mit dem Programmieren gesammelt. Und die Ausstellung «Mathematik zum Anfassen» vor drei Jahren wurde von 1500 Lernenden aus 87 Klassen besucht. Die Dienststelle Volksschulbildung beteiligt sich seit drei Jahren am Pilotprojekt Swiss Science Education, kurz SWiSE. Was bezwecken Sie damit? Die vier involvierten Schulen Emmen, Kriens, Malters und Reiden haben in den letzten drei Jahren eine gezielte MINT-Förderung umgesetzt. In den Emmer Schulen Gersag und Erlen beispielsweise wurden Experimentierkästen erstellt, die alle Lehrpersonen des Fachs Naturlehre für ihren Unterricht nutzen können. In Malters bereiten Lernende der 1. und 2. Sek technische, physikalische oder chemische Experimente vor, die sie anschliessend den Kindergarten- und Unterstufenkindern vorführen. Das Projekt SWiSE- Schulen Luzern läuft im Sommer 2015 aus. Aufgrund der positiven Rückmeldungen seitens der Lehrpersonen wie auch der Lernenden scheint einer Fortsetzung aber nichts im Wege zu stehen. Interview Alex Piazza 16

17 Brief aus Bern Zweite Gotthard-Röhre Sicherer, günstiger, nachhaltiger Georges Theiler, FDP-Ständerat, Luzern Dass der Gotthard-Tunnel saniert werden muss, ist unbestritten. Das Referendum gegen den Vorschlag des Bundesrates zum Bau einer zweiten Röhre wurde aber nur deshalb ergriffen, weil die Gegner befürchten, dass der Alpenschutzartikel der Bundesverfassung durchlöchert wird. Dieser schreibt vor, dass die Transitstrassen-Kapazität im Alpengebiet nicht erhöht werden darf. Die Angst der Gegner ist aber unbegründet. Die Einhaltung des Alpenschutzartikels ist sichergestellt. Nachdem die Sanierungsröhre gebaut und der bestehende Tunnel saniert ist, wird der Verkehr in beiden Röhren einspurig geführt. Das ist im Gesetz so vorgeschrieben, damit der Alpenschutz gewährleistet bleibt. Eine zweispurige Öffnung beider Röhren wäre nur möglich, wenn Volk und Stände den Alpenschutzartikel aus der Bundesverfassung kippen würden. Daran glaubt niemand. Die Vorteile der Variante Sanierungsröhre sind offensichtlich. Zum einen wird der Kanton Tessin nicht drei Jahre lang vom Rest der Schweiz abgenabelt. Zum anderen erhöht sie die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden massiv. Wenn sich ein Unfall ereignet und auch bei einer nächsten Sanierung kann eine Röhre geschlossen und die zweite zweispurig geführt werden. Kommt hinzu, dass die vorgeschlagene Lösung auch aus finanzieller Sicht überzeugt. Sie ist zwar mit 2,8 Milliarden Franken teurer als die Variante mit dem Bahnverlad, die mit 1,8 Milliarden veranschlagt ist. Aber die Lösung mit der zweiten Röhre ist bedeutend nachhaltiger. Bei der Variante Bahnverlad müssten Provisorien im Wert von 1 Milliarde zurückgebaut werden. Diese Investitionen würden nutzlos verpuffen. Auch Befürchtungen, dass die Finanzierung anderer Projekte beispielsweise der Durchgangsbahnhof Luzern oder der Bypass gefährdet wäre, sind unbegründet. Die während 10 Jahren jährlich anfallenden 280 Millionen sind tragbar und werden über das Sanierungsbudget für Nationalstrassen finanziert. Der Bypass wird dereinst aus dem Topf Engpassbeseitigung, der Luzerner Durchgangsbahnhof über FABI finanziert. 17

18 Fachbeitrag Arbeitslosigkeit Generation 50 plus: Silberstreifen am Horizont Ältere Arbeitnehmer haben oft Mühe, eine neue Stelle zu finden. Auch wenn die Schweiz international eine hohe Beschäftigungsquote der über 50-Jährigen aufweist, stehen zahlreiche Herausforderungen an. Viele Unternehmen haben bereits ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Auch die Arbeitnehmer müssen ihre Hausaufgaben machen. Peter Weibel, Leiter Human Resources, Hochschule Luzern Brigitte Studer, Head Human Resources, Schurter AG, Luzern Haben es Personen über 50 Jahre wirklich schwieriger auf dem Arbeitsmarkt? Fakt ist, dass die Schweiz mit einer Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen von 70,5 Prozent rund 17 Prozent über dem Durchschnitt der OECD-Länder liegt. Im Kanton Luzern waren im November Personen der Altersgruppe 50 Jahre und älter arbeitslos gemeldet. Dies entspricht einem Anteil von 25 Prozent der Arbeitslosen im Kanton Luzern oder einer Arbeitslosenquote von 1,8 Prozent bei der entsprechenden Altersgruppe. Die gesamten Arbeitslosenzahlen nehmen seit dem Jahr 2009 sowohl bei den Frauen wie auch bei den Männern ab. Hingegen hat der Anteil der über 50-Jährigen im Vorjahresvergleich leicht zugenommen. Am meisten betroffen sind Fachkräfte. Mindestens die Hälfte der Arbeitslosen in der Kategorie 50 plus hat die Sekundarstufe abgeschlossen und immer mehr verfügen über eine abgeschlossene Ausbildung auf Hochschulniveau. Mit Zuversicht auf Stellensuche Wie stehen die Chancen älterer Mitarbeitender, nach dem Verlust einer Anstellung eine neue Arbeitsstelle zu finden? Berater der regionalen Arbeitsvermittlung bestätigen, dass es im Alter etwas länger dauern könne, eine neue Stelle zu finden. Der Vermittlungserfolg hänge vielfach von der Einstellung der betroffenen Person ab. Wer überzeugt sei, bald wieder Arbeit zu finden, komme schnell wieder im Arbeitsmarkt unter. Das zeigen Beispiele aller Alterskategorien, selbst bei den über 60-jährigen Stellensuchenden. Selbstverständlich stellen das Ausbildungsniveau, die berufsbezogene Erfahrung sowie eine seriöse Standortbestimmung ebenfalls wichtige Faktoren dar. lange im Arbeitsprozess zu halten. Aus unternehmerischer Sicht sprechen viele Gründe für die Beschäftigung von Mitarbeitenden der Kategorie 50 plus. Der Erfahrungsschatz, das Knowhow, die Routine, die Fach- und Sozialkompetenz, das Spezialwissen, die sehr hohe Loyalität gegenüber dem Unternehmen sowie die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Es gibt aber auch Gründe, die eine Beschäftigung von älteren Mitarbeitenden für Unternehmen zu einer Herausforderung machen. Hingegen steigt mit zunehmendem Alter das Gesundheitsrisiko. Die Belastbarkeit sowie die Leistungsfähigkeit nehmen in der Regel ab. Kommt hinzu, dass die Lohn- und Sozialkosten bei der Generation 50 plus höher sind, so dass viele Unternehmen der Verlockung eines Ersatzes durch jüngere Mitarbeitende erliegen. Unternehmen machen sich fit Zahlreiche Unternehmen haben die Wichtigkeit und den Wert der Generation 50 plus sowie die Problematik des demografischen Wandels erkannt und Massnahmen für eine langfristig erfolgreiche Zusammenarbeit getroffen. Betriebliches Gesundheitsmanagement, Teilzeit- und Job- Sharing-Konzepte werden zentral für eine gute Work-Life-Balance, die die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden sicherstellt. Weitere Aktivitäten wie der Wechsel in eine Spezialisten- oder Beratungsfunktion führen zu Vorteilen für beide Seiten. Während Mitarbeitende in Zukunft gefordert sind, ihre Arbeitsmarktfähigkeit und Flexibilität frühzeitig und langfristig sicherzustellen, sollten Unternehmen weitere Programme für ältere Mitarbeitende initialisieren. Gespräche mit Zentralschweizer Industrieunternehmen zeigen, dass nachhaltige Konzepte in Arbeit sind. Die beiden Autoren sind Teilnehmende des Executive MBA der Hochschule Luzern Wirtschaft. Erfahrung, Fachkompetenz, Loyalität In vielen Zentralschweizer Unternehmen ist ein Drittel der Belegschaft älter als 50 Jahre. Neben dem demografischen Wandel trägt der Fachkräftemangel dazu bei, dass die Unternehmungen gefordert sind, ältere Mitarbeitende möglichst 18

19 Kurzmeldungen Im Andenken an Helen Leumann Grosses Engagement im Dienste der Luzerner Gewerbler Am 31. Dezember 2014 ist Helen Leumann-Würsch aus Meggen im Alter von 71 Jahren verstorben. Von 1983 bis 1995 war sie Grossrätin im Kanton Luzern. Zwischen 1989 und 2001 amtierte sie zudem als Vizepräsidentin der kantonalen FDP. Nachdem sie 1995 in den Ständerat gewählt wurde, nahm sie unter anderem Einsitz in die Geschäftsprüfungskommission (GPK), die Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) sowie die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur. Politische Schwerpunkte setzte Helen Leumann vor allem in der Wirtschafts-, Kulturund Bildungspolitik. Besonders her- vorzuheben ist ihr Mitwirken bei der Gründung und beim Aufbau der Universität Luzern. Neben ihrer bedeutenden politischen Arbeit zum Wohle der Luzerner KMU war die Mutter von drei Kindern mit Herzblut für das familieneigene Unternehmen Collano tätig und engagierte sich zudem in verschiedenen Verwaltungsräten und Stiftungen. Im Frühjahr 2011 trat Helen Leumann krankheitsbedingt von allen politischen Ämtern zurück. Wir werden Helen Leumann stets in dankbarer Erinnerung behalten. Zentralvorstand Gewerbeverband Kanton Luzern Alt-Ständerätin Helen Leumann-Würsch setzte sich in Bern stets für die Anliegen der Gewerbler ein. (Bild pd) Ausgleichskasse Luzern Sinkende Beiträge dank Optimierungen in der Verwaltung Urs Hofstetter (rechts), Direktor der Ausgleichskasse Luzern, zusammen mit Guido Graf, Regierungsrat und Präsident des Aufsichtsrates. (Bild apimedia) Die Ausgleichskasse Luzern blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Seit Jahren wird angeschlossenen Mitgliedern für die AHV-Abrechnung ein elektronisches Hilfsmittel zur Verfügung gestellt, mit dem sie ihre Lohndaten übermitteln können. Im vergangenen Jahr reichten auf diese Weise gesamthaft über 2100 Arbeitgeber, allen voran die 200 grössten Mitglieder der Ausgleichskasse Luzern, die Lohnmeldung elektronisch ein, wie Direktor Urs Hofstetter mit Freude festhält. Durch diese moderne Form der Datenübermittlung konnten die Verwaltungskosten auf das neue Jahr um einen Drittel gesenkt werden. Die Verwaltungskosten werden auf den AHV-Beiträgen erhoben und stellen die Finanzierung der Dienstleistungen der Ausgleichskasse sicher. Um die Beitragszahler auch bei der Finanzierung der Familienausgleichskasse zu entlasten, hat der Aufsichtsrat beschlossen, den Beitragssatz für die Finanzierung der Familienzulagen per 1. Januar 2015 um einen Zwanzigstel auf 1,45 Prozent zu senken. Der Familienausgleichskasse des Kantons Luzern sind Arbeitgeber sowie Selbständigerwerbende angeschlossen. api Schweizerischer Gewerbeverband Unterschriften gegen die neue Billag-Mediensteuer Die Schweizer Bevölkerung hat die Nase voll von ständig neuen Steuern. Und sie will sich nicht abzocken lassen. Deshalb hat der Schweizerische Gewerbeverband gegen das von National- und Ständerat beschlossene neue Radiound Fernsehgesetz Unterschriften gesammelt. «Die darin enthaltene Billag-Mediensteuer ist ungerecht, weil Selbständigerwerbende, die bereits als Privatpersonen bezahlen, doppelt zur Kasse gebeten würden», sagt FDP-Nationalrat Peter Schilliger. Er ist verärgert, dass der Bundesrat die neue Billag-Mediensteuer am Volk vorbeischummeln wollte, obwohl gemäss Verfassung zwingend das Volk über neue Steuern entscheiden muss. Das ist nun auch der Fall. Denn bereits nach wenigen Wochen waren die benötigten Unterschriften unter Dach und Fach. Am 12. Januar schliesslich konnten verschiedene Kantonsvertreter der Bundeskanzlei in Bern Unterschriften einreichen. Damit ist das Referendum zustande gekommen. Die Volksabstimmung dazu findet voraussichtlich am 14. Juni dieses Jahres statt. api Gegen die neue Billag-Mediensteuer: FDP-Nationalrat Peter Schilliger bei der Übergabe der Unterschriften vor dem Bundeshaus in Bern. (Bild sgv) 19

20 Ratgeber Arbeitsrecht Kann ich dem Neuen vor Stellenantritt kündigen? Kündigungen gehören in der heutigen Arbeitswelt zur Tagesordnung, seitens des Arbeitgebers wie auch seitens des Arbeitnehmers. Ungewöhnlich ist hingegen der Fall, dass ein Arbeitgeber noch vor dem Stellenantritt des neuen Mitarbeitenden seine Meinung ändert und ihm deshalb kündigen möchte. Ist dies überhaupt möglich? Claudio Fanger, Jurist MLaw, Gewerbe-Treuhand AG, Luzern Ein KMU-Betrieb hat per 1. Februar 2015 einen jungen Mitarbeiter zur Leitung eines in Aussicht stehenden Grossprojekts angestellt. Die Parteien unterzeichneten einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Für das ausgeschriebene Projekt erhielt das Unternehmen keinen Zuschlag, so dass für den neuen Projektleiter keine Verwendung besteht. Kann das Arbeitsverhältnis bereits vor Stellenantritt gekündigt werden? Unbefristete Arbeitsverträge sind kündbar. Für gewöhnlich wird die Kündigung nach Antritt der Stelle ausgesprochen. Dennoch kann es vorkommen, dass eine der Vertragsparteien noch vor Stellenantritt kündigt. Nach aktueller Rechtsprechung und Rechtslehre ist unbestritten, dass bereits vor Stellenantritt gekündigt werden darf. Im schweizerischen Kündigungsrecht gilt der Grundsatz, dass Kündigungen auch ohne Grund ausgesprochen werden dürfen. Auf Verlangen des Arbeitnehmers ist die Kündigung aber zu begründen. Lohn während der Kündigungsfrist Ob während der Kündigungsfrist Lohn bezahlt werden muss, hängt insbesondere von der Beantwortung der vorstehenden Frage ab. Soll die Kündigungsfrist erst ab dem vereinbarten Antrittstermin zu laufen beginnen, so ist unter der Voraussetzung, dass der Arbeitnehmende die Stelle antritt, Lohn während der Kündigungsfrist geschuldet. Lohn ist auch dann geschuldet, wenn der Arbeitnehmende seine Arbeit angeboten hat, der Arbeitgeber aber auf die angebotene Arbeitsleistung verzichtet. Soll die Kündigungsfrist bereits mit Empfang der Kündigung, also vor dem Antrittstermin, zu laufen beginnen, so besteht für den Arbeitnehmenden keine Möglichkeit zu arbeiten. Folglich besteht auch kein Lohnanspruch, sofern die 7-tägige Kündigungsfrist vor Stellenantritt endet. Alternative: Aufhebungsvertrag Mittels Aufhebungsvertrag vereinbaren die Parteien einvernehmlich, dass sie das Arbeitsverhältnis auf einen bestimmten Termin beenden wollen. Ein solcher Auflösungsvertrag, der das Arbeitsverhältnis vor Ablauf der gesetzlichen oder vertraglichen Frist auflöst, ist allerdings nur gültig, wenn beide Parteien sich der damit verbundenen Konsequenzen bewusst sind. Welche Kündigungsfrist gilt? Gemäss Art. 335b Abs. 1 OR gilt während der Probezeit eine Kündigungsfrist von 7 Tagen. Nach Ablauf der Probezeit gilt die ordentliche Kündigungsfrist von einem Monat während des ersten Dienstjahres. Wird das Arbeitsverhältnis noch vor dem ersten Arbeitstag wieder aufgelöst, fragt sich, welche Kündigungsfrist gilt. Nach verlässlicher Praxis und Lehrmeinung kann davon ausgegangen werden, dass bei vorzeitiger Kündigung die während der Probezeit geltende Kündigungsfrist von 7 Tagen gilt. Unklar ist, wann die Kündigungsfrist beginnen soll. Je nach Lehrmeinung endet das Arbeitsverhältnis 7 Tage nach Stellenantritt oder 7 Tage nach Empfang der Kündigung und somit unter Umständen schon vor Stellenantritt. 20

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