Evaluation der Nachbetreuung 2007/2008

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1 Evaluation der Nachbetreuung 2007/2008 Die Nachbetreuung der Schülerinnen und Schüler ist Teil des Gesamtkonzeptes Leuphana Sommerakademie. Im Sinne der nachhaltigen Förderung und zur langfristigen Stabilisierung, wurden die Schüler, die an der Leuphana Sommerakademie 2007 teilnahmen, im Anschluss an das Camp ein Jahr lang weiter begleitet. Studierende trafen sich regelmäßig mit den Jugendlichen und halfen ihnen bei anfallenden Problemen schulischer und privater Art sowie bei der Lehrstellensuche. Das Betreuungsangebot fand in enger Zusammenarbeit mit den erfahrenen Berufsberatern der Arbeitsagenturen statt. Obwohl die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler auf freiwilliger Basis erfolgte, erschien mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler (28 der 50 Jugendlichen) regelmäßig zu den Treffen mit den Studenten der Leuphana Universität Lüneburg. Für die Lüneburger Studenten aus den Bereichen Lehramt, Erziehungswissenschaften, Sozial- sowie Wirtschaftpädagogik, ist diese Form der Betreuungstätigkeit eine großartige Gelegenheit Erfahrungen im späteren Berufsfeld zu sammeln und ihr Wissen aus der Universität in der Praxis anzuwenden. Die Nachbetreuer arbeiteten eng mit der Schule und den Klassenlehrerinnen und -lehrern der Jugendlichen zusammen und nahmen, wenn es erforderlich war, auch Kontakt zu den Eltern auf, um die Schülerinnen und Schüler optimal unterstützen zu können. 1

2 Insgesamt 40 der 54 (N = 54 1 ) Jugendlichen schlossen die Nachbetreuung erfolgreich ab und erhielten ein Zertifikat für die Teilnahme, das ihnen ihre persönliche Weiterentwicklung und ihr Durchhaltevermögen bestätigt. Die Anschlussstationen konnten von 54 der 58 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Leupha- na Sommerakademie 2007 ermittelt werden. Drei Jugendliche hatten die Sommerakademie vorzeitig abbrechen müssen und ein Schüler besuchte zum Zeitpunkt des Camps erst die siebte Schulklasse und wechselte somit zum Zeitpunkt der Befragung in die neunte Klasse der Hauptschule. Zum Ende des neunten Schuljahres wurde das Projekt Nachbetreuung evaluiert. Die Ergebnisse sind sehr erfreulich und sprechen für einen positiven Effekt der langfristigen Betreuung. Die Einschätzungen der Schüler sowie die Beobachtungen von Lehrern und Nachbetreuern ergaben, dass sich 69% der Jugendlichen persönlich in besonderem Maße weiterentwickelt haben und bei 61% der Schülerinnen und Schüler eine schulische Verbesserung anhand von Schulnoten und Unterrichtsbeteiligung festzustellen ist. 1 N = Gesamtpopulation; n = Teilmenge der Gesamtpopulation 2 Die neunte Schulklasse schließen 93% der Schülerinnen und Schüler (N = 50) erfolgreich ab, wodurch nur drei Teilnehmer die neunte Klasse in der Hauptschule und eine Schülerin in der BEK (Berufseinstiegsklasse) wiederholt. Besonders auf das große Bemühen der überwiegenden Mehrheit der Jugendlichen, den erweiterten Hauptschulabschluss oder sogar den Realschulabschluss zu erreichen ist hin-

3 zudeuten. Dementsprechend besuchen ab dem Schuljahr 2008/ % der Schülerinnen und Schüler (n = 33) die 10. Klasse. Eine betriebliche Ausbildung werden mit dem Start des Ausbildungsjahres 2008/2009 sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Leuphana Sommerakademie 2007 beginnen. Eine Schülerin bemühte sich aus eigener Kraft intensiv um eine Ausbildung als Werbefotografin. Ihr Traum verwirklichte sich als sie einen der begehrten Ausbildungsplätze bei der Hamburger Otto GmbH erhielt. Ein Schüler erarbeitete sich eine Ausbildung zum Bäcker und eine weitere Schülerin bewarb sich erfolgreich als Auszubildende im Hotelfach in einem Hotelbetrieb in Bad Bevensen. Ein Schüler wird im Schuljahr 2008/2009 das BVJ (Berufsvorbereitendes Jahr) absolvieren und neun Schülerinnen und Schüler werden eine Berufsbildende Schule besuchen. Dabei wird zwischen drei Formen der Berufsorientierung unterschieden: BBS I mit der Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung (n = 1), BBS II für die Bereiche Technik (z.b. Holztechnik oder Textiltechnik) und Körperpflege (n = 4) sowie die BBS III, die in den Gebieten Ernährung, Haus- und Agrarwirtschaft (n = 4) ausbildet. Die dargestellten Ergebnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerakademie 2007 sind für sich genommen bereits positiv zu bewerten und können ihre Aussagekraft noch steigern, wenn sie mit ähnlichen bundesweiten Ergebnissen verglichen werden. 3 Diese Vergleichsdaten sind allerdings schwer zu finden, da Bildung Ländersache ist und die Verhältnisse der Bundesländer nicht ohne weiteres vergleichbar sind. Gegenwärtig ist eine Studie des BMBF zur beruflichen Bildung erschienen, die auch Jugendliche mit schlechteren Startchancen in den Blick nimmt (Bonn,

4 Berlin 2008). Hier sind vor allem die Ergebnisse des DJI-Übergangspanels: Von der Hauptschule in Ausbildung und Erwerbsarbeit interessant. Auch die Veröffentlichung der KMK zur Bildung in Deutschland 2008, eine Analyse zu Übergängen im Anschluss an den Sekundarbereich, lässt Vergleichsdaten gewinnen. Somit wäre zunächst festzustellen, dass von unserer Teilnehmergruppe nur ein Schüler ohne Abschluss die öffentliche Schule verlässt (<2%, im Vergleich zu bundesweiten 8% für den gesamten Jahrgang; auf die Hauptschule bezogen über 25%. KMK 2008, S. 89). Dieser Schüler der Sommerakademie wird den Hauptschulabschluss in einer berufsbildenden Schule (BVJ) nachholen. Folglich fällt kein Schüler aus dem Bildungsprozess heraus, um etwa einer ungelernten Erwerbsarbeit nachzugehen. In die Berufsausbildung gehen 2006 nach BMBF (2008) im Panel 26%, bei uns sind es 30%. Besonders bemerkenswert ist die Quote der Schüler, die nach dem 9. Schuljahr noch die Klasse 10 besucht und bei uns 61% ausmacht. Im DJI-Panel sind dies 2004 nur 35% (BMBF, S. 20). Die Forscher des Deutschen Jugendinstituts berichten, dass der weitere Besuch der Schule nur in seltenen Fällen eine Notlösung darstellt. Besonders Mädchen streben immer häufiger einen mittleren Bildungsabschluss an, der sich in der Regel auch in einer früheren und längeren Berufstätigkeit auszahlt. Der weitere Schulbesuch zeigt sich dementsprechend als Bildungsinvestition, da dieser Zwischenschritt vor einer Berufsausbil- 4

5 dung meist den gewünschten Erfolg mit sich bringt (BMBF 2008, S. 28 ff.). Viele Jugendliche setzen den Schulbesuch auch nach der 10. Klasse länger fort und streben höhere Schulabschlüsse an, wodurch sie eine wesentliche Verbesserung ihrer Ausbildungsplatz- und Berufschancen erreichen. (Kurt Czerwenka/ Julia Graetsch) Bezugsdaten aus: Bundesministerium für Bildung und Forschung: Von der Hauptschule in Ausbildung und Erwerbsarbeit: Ergebnisse des DJI- Übergangspanels. Bonn, Berlin Kultusministerkonferenz: Bildung in Deutschland Reißig, B./ Gaupp, N./ Lex, T. (Hrsg.): Hauptschüler auf dem Weg von der Schule in die Arbeitswelt. München

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