Initiative Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit im Donauraum der deutschen Industrie- und Handelskammern und Auslandshandelskammern entlang der Donau

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1 Initiative Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit im Donauraum der deutschen Industrie- und Handelskammern und Auslandshandelskammern entlang der Donau Stellungnahme zur EU-Strategie für den Donauraum Hintergrund: Der Europäische Rat hat die Europäische Kommission beauftragt, bis Ende 2010 eine EU- Strategie für den Donauraum zu präsentieren. In diesem Zusammenhang hat die Kommission einen Konsultationsprozess bis 31. März 2010 ausgerufen, um Meinungen von internationaler, staatlicher, regionaler, städtischer sowie wirtschaftlicher und sozialer Seite einzuholen. Es ist beabsichtigt, dass die EU-Strategie für den Donauraum unter der EU- Präsidentschaft von Ungarn im 1. Halbjahr 2011 verabschiedet wird. Grundsätzliche Anmerkungen: Die deutschen Industrie- und Handelskammern (IHKs) und Auslandshandelskammern (AHKs) entlang der Donau 1 begrüßen und unterstützen die Entwicklung einer EU-Strategie für den Donauraum. Damit wird der Donauraum auf gleiche Prioritätenstufe wie der Mittelmeerraum und der Ostseeraum gestellt. Aus Sicht der deutschen IHKs und AHKs entlang der Donau soll die EU-Strategie als zentrales Ziel beinhalten, die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Donauraums zu stärken. Hierzu sind folgende untergeordneten Ziele für eine positive Entwicklung der Wirtschaft im Donauraum von großer Bedeutung: 1. Die Verkehrsinfrastruktur im Donauraum muss verbessert werden. 2. Ein wettbewerbsfähiger Mittelstand muss im gesamten Donauraum aufgebaut werden. 1 Stellvertretend hierfür haben die IHK Bodensee-Oberschwaben, IHK München und Oberbayern, IHK Niederbayern, IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, IHK Ulm (Federführer), Deutsche Handelskammer Österreich, Deutsch-Kroatische Industrie- und Handelskammer die Stellungnahme entwickelt. 1

2 3. Die berufliche Aus- und Weiterbildung muss im gesamten Donauraum gefördert werden. 4. Die Selbstverwaltung der Wirtschaft sollte gestärkt werden. Bei der Umsetzung der Ziele ist zu beachten, dass der Donauraum sowie insbesondere die südosteuropäischen Donauregionen keineswegs einen einheitlichen Wirtschaftsraum bilden. Die Länder im Donauraum stehen in unterschiedlichen völkerrechtlichen Beziehungen zueinander. Einige gehören der EU bzw. Euro-Zone an, andere dem Schengen-Abkommen oder verschiedenen multi- bzw. bilateralen Abkommen. Diese heterogenen völkerrechtlichen Beziehungen werden auch durch die EU-Strategie für den Donauraum nicht beseitigt werden. Der Außenhandel der einzelnen Länder wird aber durch sie stark beeinflusst. Während einige südosteuropäische Staaten ihren Außenhandel nach Westeuropa ausrichten, bestehen bei anderen seit langem gute Handelsbeziehungen mit Russland. Deutschland, insbesondere Baden-Württemberg und Bayern, sowie Österreich unterhalten intensive Wirtschaftsbeziehungen mit den südosteuropäischen Staaten des Donauraums. Für die baden-württembergische, bayerische und österreichische Wirtschaft stellen die südosteuropäischen Länder Schlüsselmärkte dar, die ein großes Entwicklungspotenzial, gerade auch im Hinblick auf eine arbeitsteilige Produktion und Outsourcing bzw. Offshoring, besitzen. Die südosteuropäischen Staaten pflegen zum Teil gute Wirtschaftsbeziehungen zu Drittländern. Allerdings bestehen zwischen den einzelnen südosteuropäischen Staaten oft nur relativ schwache wirtschaftliche und gesellschaftliche Beziehungen, die eine Zusammenarbeit untereinander erschweren. Diese Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen den südosteuropäischen Staaten gilt es, mittels der EU-Donaustrategie zu entwickeln und zu intensivieren, um die Voraussetzungen für einen funktionierenden Markt zu schaffen. Als gutes Beispiel können hier die sehr intensiven Handelsbeziehungen zwischen Bayern und Österreich fungieren. Die EU-Donaustrategie sollte sich als Ziel setzen, die Grenzen in den Köpfen der Menschen weiter abzubauen, so dass eine dauerhafte, auf Augenhöhe angelegte Partnerschaft auf wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene zwischen den Ländern des Donauraums möglich wird. So kann die Vision der EU-Donaustrategie eine Verbesserung des Wirtschafts- und Lebensraums der Donauregion sein. In diesem Sinne möchten die deutschen IHKs und AHKs entlang der Donau ihren Beitrag für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Donauraums leisten. 2

3 Anmerkungen im Einzelnen: Der Donauraum ist eine Region mit viel Entwicklungspotenzial und großen Standortvorteilen. Es sollte deshalb das oberste Ziel der EU-Donaustrategie sein, die Wettbewerbsfähigkeit des Donauraums auszubauen und zu stärken. Hierfür sollten die vier folgenden Unterziele Eingang in die Donaustrategie finden. 1. Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur (Beitrag zu connectivity and communication systems ) Wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Donauregion ist eine gut ausgebaute Infrastruktur. Nur mit einer erweiterten und modernisierten Verkehrsinfrastruktur wird eine schnelle Anbindung sowohl in den Donauraum als auch innerhalb der Regionen und Länder des Donauraums möglich. Hierzu zählen der Ausbau der transeuropäischen Verkehrsnetze mit der Donau als Wasserstraße sowie der Magistrale für Europa (TEN-T Projekt 17) als Hochleistungsverbindung des Schienenverkehrs. Die Schienenstrecke Paris-Straßburg-Wien-Budapest bildet die zentrale West-Ost-Achse des gesamteuropäischen Schienennetzes für Passagiere und verbindet damit den Donauraum mit dem restlichen Europa. Ihr Ausbau zur Hochleistungsverbindung ist eine wesentliche Voraussetzung für die rasche ökonomische, politische und kulturelle Integration von Ost- und Westeuropa. Um eine Erschließung des gesamten Donauraums zu erleichtern, sollte die Magistrale im Sinne des Orientexpress verlängert werden. Gleichzeitig sollte das Schienennetz, gerade auch unter ökologischen Gesichtspunkten, für den Güterverkehr ausgebaut werden. Darüber hinaus ist die Erweiterung des gesamten Straßennetzes im Donauraum, vor allem der Autobahnen und Schnellstraßen, für einen flüssigeren grenzüberschreitenden Verkehr erforderlich. Die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur ist eine Voraussetzung für ein reibungslos funktionierendes Logistiksystem im Donauraum. Gerade auch innerhalb und zwischen den Ländern Südosteuropas ist eine Verbesserung der Mobilität notwendig, um Märkte zu beliefern, Dienstleistungen grenzüberschreitend anzubieten und Geschäftsbeziehungen zu pflegen. Der bisherige Bestand einer einzigen Brücke zwischen Rumänien und Bulgarien und der bisher nur zögerlich voranschreitende Bau einer zweiten zeugen von dringendem Handlungsbedarf. 3

4 Eine gut ausgebaute Infrastruktur erleichtert die wirtschaftliche und gesellschaftliche grenzüberschreitende Annäherung der Donauregionen und ist zwingende Voraussetzung für deren Vernetzung mit ganz Europa. 2. Aufbau eines wettbewerbsfähigen Mittelstands (Beitrag zu socio-economic, human and institutional development ) Der Aufbau eines wettbewerbsfähigen und funktionierenden Mittelstands, das heißt von kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs), ist Voraussetzung für eine langfristige Entwicklung und Stabilisierung der Wirtschaft im gesamten Donauraum, vor allem in den südosteuropäischen Regionen. Eine hohe Anzahl von mittelständischen Unternehmen ist die Grundlage von nachhaltigem Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Das höchste Innovationspotential stammt von kleinen und mittleren Firmen, die die Nähe zu ihren Kunden suchen sowie deren Wünsche unbürokratisch, flexibel und schnell erfüllen. Mittelständische Betriebe beschäftigen einen Großteil der Arbeitnehmerschaft und bieten sichere sowie langfristige Arbeitsplätze. Um einen leistungsfähigen Mittelstand zu entwickeln, sollten Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln geschaffen und ein besonderes Augenmerk auf die Förderung von Existenzgründungen gelegt werden. Existenzgründungen steigern den Wettbewerb, bereichern den Verbrauchermarkt mit Geschäfts- und Produktideen und vergrößern den Arbeitsmarkt. Für Arbeitssuchende bieten sie neue Möglichkeiten der Existenzsicherung. Bereits seit über 20 Jahren bestehen gute Geschäftsbeziehungen zwischen in Deutschland und Österreich ansässigen Firmen und den südosteuropäischen Donauländern. Exportorientierte mittelständische Unternehmen aus Deutschland und Österreich betrachten den Donauraum als strategischen Absatzmarkt, den sie weiter zu erschließen suchen. Für diese Firmen bieten sich die Donauregionen in Südosteuropa als Heimat- und Schlüsselmärkte an. Gerade im Umweltschutzbereich, angefangen bei Wasser- und Abwasseranlagen bis hin zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien, ergeben sich breite Betätigungsfelder für deutsche und österreichische KMUs sowie Kooperationsmöglichkeiten mit ortsansässigen Unternehmen. Darüber hinaus unterhalten zunehmend mittlere deutsche Unternehmen, insbesondere baden-württembergische und bayerische Firmen, Produktionsstätten in südosteuropäischen Ländern, was sich positiv auf deren Handelsbilanz auswirkt. Um die wirtschaftliche Vernetzung zwischen deutschen und österreichischen Unternehmen mit mittelständischen Firmen aus Südosteuropa zu 4

5 intensivieren, sollten weitere Ansiedlungen vor allem von mittelständischen Unternehmen in den südosteuropäischen Donauregionen unterstützt und Kooperationen initiiert werden. 3. Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung (Beitrag zu socio-economic, human and institutional development ) Die berufliche Aus- und Weiterbildung stellt einen zentralen Eckpfeiler für die Prosperität und Entwicklung jeder Wirtschaftsregion dar. Qualifizierte Fach- und Führungskräfte sind für jedes Unternehmen von großer Bedeutung. Ein sicherer Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften muss als zukünftige Herausforderung gerade im Hinblick auf demografische Prozesse bewerkstelligt werden. Das Ziel jedes Unternehmens ist es, Mitarbeiter zu beschäftigen, die eine gute Ausbildung haben, und gleichzeitig ihren Mitarbeitern berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten durch Weiterbildungsangebote zu ermöglichen. Die Unternehmen brauchen hierzu institutionalisierte Stellen, die eine qualifizierte berufliche Ausund Weiterbildung für Mitarbeiter und Führungskräfte anbieten. Vor allem der Mittelstand greift auf diese Angebote zurück und benötigt sie, um dauerhaft Personal halten und ausbauen zu können. Deshalb sollten gerade in den südöstlichen Donauregionen vermehrt Schwerpunkte auf die Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung gelegt werden. Die IHKs in Baden-Württemberg und Bayern haben ein erfolgreiches Aus- und Weiterbildungssystem bereits implementiert. Gerade die duale Berufsausbildung ist ein Erfolgsmodell. Das Wissen über und die Erfahrungen der IHKs mit der praxisnahen betrieblichen Ausbildung in Deutschland sollten genutzt werden, um den Aufbau eines Ausund Weiterbildungssystems im gesamten Donauraum zu erleichtern. Die deutschen IHKs und AHKs entlang der Donau sind bereit, in diesen Prozess ihr Know-how einzubringen. 4. Stärkung der Selbstverwaltung der Wirtschaft (Beitrag zu socio-economic, human and institutional development ) Die Selbstverwaltung der Wirtschaft bildet die Grundlage für eine aktive und freie Beteiligung der Wirtschaft am staatlichen und gesellschaftlichen Leben. Selbstverwaltung bedeutet, dass die Wirtschaft selbst entscheidet, aktiv Aufgaben übernimmt, Anliegen der Wirtschaft in Eigenregie regelt und diese auch selbst finanziert. Die Betroffenen wirken aktiv mit und werden zu Beteiligten. Unnötige Bürokratie kann dadurch vermieden werden, und der Staat wird entlastet. 5

6 Als zentrale Aufgaben der Selbstverwaltung der Wirtschaft im gesamten Donauraum können neben der Interessenvertretung gegenüber der Politik die berufliche Aus- und Weiterbildung (siehe 3.) sowie die Beratung und Förderung von Existenzgründungen (siehe 2.) gesehen werden. Die deutschen IHKs und AHKs entlang der Donau sind bereit, in diesen Prozess ihr Know-how einzubringen. 6

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