Elektronische Patientenakte

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1 Systematische Erhebung der Informationsbedürfnisse von Ärzten bei der Behandlung von Diabetes mellitus Patienten (Hübner-Bloder G, Duftschmid G, Kohler M, Rinner C, Saboor S, Ammenwerth E) Elske Ammenwerth Elektronische Patientenakte 1

2 Elektronische Gesundheitsakte (Einrichtungsübergreifende) Elektronische Gesundheitsakte (egk, ELGA) Forschungsfragen 1. Was sind die Informationsbedürfnisse von Ärzten? Wie kann man sie erheben? 2. Wie können diese möglichst effizient in einer elektronischen Gesundheitsakte erfüllt werden? Fallbeispiel: Patienten mit Diabetes-Mellitus Kontext: FWF-Projekt EHR-ARCHE Archtetypen- Basierte Elektronische Gesundheitsakten 2

3 Studienmethodik Triangulativer Ansatz: 1. Teilstandardisierte Interviews mit 10 Ärzten (Diabetologen, andere Fachärzte, niedergelassene Ärzte) 2. Teilnehmende offene Beobachtung von > 20 Arzt- Patienten-Kontakten 3. Analyse von Diabetes-Leitlinien von 6 Fachgesellschaften 4. Analyse von Dokumentationssystemen in drei Diabetesambulanzen (Innsbruck, Wien, Hall) Auswertung: Induktiv, qualitativ-quantitativ Studiendesign (1) Befragung: Studienart: Sampling: Mündliche teil-standardisierte, systematisierende Experteninterviews (Bogner A, Menz A. Das theoriegenerierende Experteninterview. In: Bogner A, Littig B, Menz W, editors. Das Experteninterview - Theorie, Methode, Anwendung. 2 ed. Wiesbaden, Germany: Verlag für Sozialwissenschaften; 2005.) 6 Diabetologen der Diabetesambulanzen -der Universitätsklinik für Innere Medizin Innsbruck -weiteren 3 Landeskrankenhäusern -Arzt des Reformpoolprojekts Therapie Aktiv Das Tiroler Diabeteskonzept Datenerhebung: Interviews mithilfe eines teil-standardisierten Interviewleitfadens Datenauswertung: Zusammenfassende qualitative Inhaltsanalyse mit induktiver Kategorienbildung nach Mayring (Auswertungstool: MAXQDA 2007) 3

4 Studiendesign (2) Beobachtung Studienart: Teilnehmende, offene Beobachtung Sampling: Diabetesambulanz der Universitätsklinik für Innere Medizin Innsbruck Datenerhebung: 1 Vormittag in der Diabetesambulanz 22 Patienten Datenauswertung: Grounded theory Methode. Dieses Auswertungsverfahren lässt bereits während der Datenerhebung induktive Konzept- und Theoriebildung zu. (Auswertungstool: MAXQDA 2007) Studiendesign (3) Evidenzbasierter Leitlinien bei der Diagnostik bzw. Behandlung von Diabetes mellitus Studienart: Literaturrecherche Sampling: 6 Internationale Diabetesgesellschaften (ÖDG,DDG,ADA,IDF,WHO) Datenauswertung:Zusammenfassende qualitative Inhaltsanalyse mit induktiver Kategorienbildung nach Mayring (Auswertungstool: MAXQDA 2007) 4

5 Studiendesign (4) Datenbestandsanalyse Studienart: Sampling: Analyse der in vorhandenen Werkzeugen dokumentierten Informationen. Diabetesambulanz der Inneren Medizin der Universitätsklinik von Innsbruck Diabetesambulanz des BK Hall in Tirol Diabetesambulanz des AKH Wien Datenauswertung:Zusammenfassende qualitative Inhaltsanalyse mit induktiver Kategorienbildung nach Mayring (Auswertungstool: MAXQDA 2007) Ergebnisse: Information Items Insgesamt 446 Information Items Beschreiben benötigte Informationen bei der Behandlung von Diabetes mellitus Patienten (1) Patientenstammdaten (2) Diabetes-Klassifikation (Typ1, Typ2, andere spez. Typen ) (3) Allgemeine Anamneseparameter (Allgemeinzustand,Familienanamnese, Gewicht/Größe) (4) Diagnosen/Erkrankungen (Glukosestatur, Fettstoffwechselstatus, Diab. Micro/Macroangiopathie ) (5) Durchgeführte Untersuchungen (Neuro-, Nephro-, Dermatologische Untersuchung..) (6) Stattgefundenen Operationen (Angioplastie/Stent/Bypass, Amputation ) (7) Laborparameter (8) Therapie/Medikation 5

6 Ergebnisse: Information Items Ergebnisse: Information Items Häufigst genannte Information Items pro Kategorie (1) Patientenstammdaten Erstdiagnose Diabetes mellitus (n=11) (2) Diabetes Klassifikation Typ 1/Typ 2 Diabetes (n=11) (3)Allgemeine Anamneseparameter Lebensstil o Rauchen (n=9) o Alkohol (n=6) o Ernährung (n=7) Gewicht/Größe Status o Gewicht (n=13) o Body mass index (n=12) Herzfrequenz/Blutdruck o Blutdruck (n=15) 6

7 Ergebnisse Häufigst genannte Information Items pro Kategorie (4) Diagnosen/Erkrankungen Glukosetoleranz o Gestörte Glukosetoleranz - IGT (n=8) o Gestörte Nüchternglukose IFG (n=7) Diabetische Dermatologie o Diabetischer Fuss/Fussinspektion (n=13) Kardiovaskuläre Erkrankungen o Arterielle Hypertonie (n=9) Diabetische Ophthalmologie o Diabetische Retinopathie (n=11) Diabetische Neuropathie(n=17) Diabetische Nephropathie(n=9) Ergebnisse Häufigst genannte Information Items pro Kategorie (7) Laborparameter Glukosestatus o Blut Glukosewert (n=18) o HbA1c - glykosyliertes Hämoglobin A1C (n=15) Lipidstatus (n=16) Harnstatus Microalbuminurie (n=11) (8) Therapie/Medikation (n=14) 7

8 Ergebnisse: Zeitfenster 9 typische Zeitfenster bei den Informationsbedürfnissen: Aktuelle Daten 3-Monats-Intervall-Daten 6-Monats-Intervall-Daten 9-Monats-Intervall-Daten 12-Monats-Intervall-Daten 2-Jahres-Intervall-Daten 3-Jahres-Intervall-Daten 5-Jahres-Intervall-Daten Alle verfügbaren Daten Ergebnisse: Situationen Klinische Situationen mit unterschiedlichen Informationsbedarf bei der Behandlung von Diabetes mellitus Patienten: Erstgespräch Kontrolle o Kontrolle normal o Kontrolle nach glykämischen Zwischenfall bzw. instabilen DM o Kontrolle bei Patient mit Fettstoffwechselproblemen o Kontrolle bei Patient mit Neuropathie o Kontrolle bei einem multimorbiden Patient o. o Notfall o Forschungsfrage 8

9 Ergebnisse: Informationsbedarf Klinische Situation X Information Item X Zeitfenster Ergebnisse: Informationsbedarf Situation: Routinekontrolle normal 3-Monats-Datenzu Gewicht/Größe Parameter, Blutdruck, Glukosestatus (BZ nü, BZ pp, HbA1c), Harnstatus (Glucosurie, Mikroalbuminurie, Makroalbuminurie., Therapie/Medikation Situation: Kontrolle bei Patient mit Fettstoffwechselstörung 3-Monats-Datenzu Gewicht/Größe Parameter, Blutdruck, Glukosestatus (BZ nü, BZ pp, HbA1c) Harnstatus (Glucosurie, Mikroalbuminurie, Makroalbuminurie., Therapie/Medikation 5-Jahres-Datenzu Fettstoffwechselstatus (Dislipidämie, Hypercholesterinämie ), Lipidstatus-Laborparameter (z. B. alle pathologischen LDL, HDL, Gesamtcholesterin, Triglycerid Werte) 9

10 Diskussion Systematisch erhobene, triangulative und detaillierte Daten zu Informationsbedürfnissen Informationsbedarf beschrieben als Kombination aus Klinischer Situation, Information Item und Zeitfenster Methodik auch auf andere Fachbereiche übertragbar Ausblick Ergebnisse fließen in vordefinierte Suchanfragen in einer elektronischen Gesundheitsakte ein Teile überlappende, teils verschiedene Informationsbedürfnisse je Arzt Daher auch frei definierbare Suchanfragen notwendig Prototypische Implementierung und Evaluation

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