Werte für Menschen, Tiere und Umwelt. Fachinformation. Natrium (Na + ), Chlorid (Cl - ) synlab.vet

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1 Werte für Menschen, Tiere und Umwelt Fachinformation Elektrolyte: Natrium (Na + ), Kalium (K + ) und Chlorid (Cl - ) synlab.vet

2 Elektrolyte Natrium (Na + ), Kalium (K + ) und Chlorid (Cl - ) Als Elektrolyte bezeichnet man chemische Verbindungen, die in wässrigen Lösungen zu positiv oder negativ geladenen Ionen zerfallen (Kationen, Anionen). In Körperflüssigkeiten sind Natrium, Kalium und Chlorid die wichtigsten Ionen. Sie sind eng mit der Regulation des Wasserhaushalts verbunden v. a. mit der Aufrechterhaltung des osmotischen Drucks in den verschiedenen Flüssigkeitskompartimenten des Körpers. Das Gesamt-Körperwasser des Organismus beträgt ca. 60 bis 80 %. Neugeborene haben den höchsten Wasseranteil, der mit zunehmendem Alter absinkt. Etwa 2/3 davon liegen im Intrazellularraum (IZR), 1/3 im Extrazellularraum (EZR). Der Extrazellularraum setzt sich zusammen aus Plasmawasser und dem Wasser des Interstitiums (ISR) im Verhältnis von ca. 1:4. Der Intravasalraum (IVR = ca. 7 bis 8 % des KG) repräsentiert das gesamte Blutvolumen, also Plasmawasser und darin gelöste Substanzen und zelluläre Bestandteile (Hämatokrit = ca %). In Lösungen dissoziierte Salze bestimmen maßgeblich die osmotischen Prozesse Die Abgrenzung des Interstitiums gegen den Intravasalraum erfolgt durch den kolloidosmotischen Druck, der durch das intravasal befindliche Albumin aufrecht erhalten wird. IZR 40 EZR 20 ISR 16 IVR 4 Abbildung 1: Flüssigkeitsräume des Organismus Alle genannten Flüssigkeitsräume befinden sich in einem osmotischen Gleichgewicht, das durch aktive Transportmechanismen aufrecht erhalten wird. Dabei ist zu beachten, dass sich die Elektrolytkonzentrationen im IZR und EZR erheblich unterscheiden. Die größte Bedeutung haben Natrium, Kalium und Chlorid. Die Elektrolyte des IZR entziehen sich der labordiagnostischen Untersuchung, während sich der EZR über das Blutplasma sehr gut untersuchen lässt. Allerdings erlauben die Elektrolytbefunde des Plasmas nur eingeschränkte Aussagen über den EZR.

3 Tabelle 1: Die wichtigsten Elektrolyte des EZR und IZR und ihre Konzentration unter physiologischen Bedingungen Elektrolyt EZR (incl. Blutplasma) IZR Natrium 140 mmol/l 10 mmol/l Kalium 4 mmol/l 159 mmol/l Chlorid 103 mmol/l 8 mmol/l Calcium 2,5 mmol/l 0,0001 mmol/l Bikarbonat 25 mmol/l 15 mmol/l Das Maß für den osmotischen Druck in den einzelnen Kompartimenten ist die Osmolalität bzw. die Osmolarität. Veränderungen der Plasma-Osmolalität spiegeln sich in einer gleichsinnigen Veränderung der Natriumkonzentration wieder und umgekehrt. Osmolalität = Menge gelöster Teilchen in einem Kilogramm Wasser bzw. Körperflüssigkeit (Serum, Plasma, Urin). Osmolarität = Menge gelöster Teilchen in einem Liter Wasser bzw. Körperflüssigkeit. Der Begriff Osmolalität bezieht sich also auf die Anzahl der osmotisch aktiven Partikel in einer Lösung. Eine Lösung mit der derselben Osmolalität wie Plasma wird als isoton bezeichnet, eine Lösung mit niedrigerer Osmolalität als hypoton und eine höher osmolale Lösung als hyperton. Diese sog. Tonizität beschreibt also die Osmolalität einer Lösung im Vergleich zu Plasma. Die Fähigkeit eines Moleküls onkotischen Druck auszuüben hängt u. a. vor allem davon ab, ob die Substanz eine semipermeable Membran, die Zellmembran, ungehindert passieren kann oder nicht. Harnstoff z. B. erzeugt keine Hypertonizität, wirkt also nicht hyperton, da er sehr schnell durch Zellmembranen diffundieren kann und sich so gleichmäßig in allen Körperräumen verteilt. Glukose und Natrium sind dazu nicht in der Lage. Sie bleiben auf einer Seite der Membran oder brauchen spezielle Transportmechanismen um von einer Seite der Zellmembran auf die andere Seite zu gelangen. Dadurch wirken sie hyperton und ziehen Flüssigkeit an sich. Für die Bestimmung der Osmolalität sind spezielle Messgeräte nötig, die i. d. R. routinemäßig nicht zur Verfügung stehen. Will man die Osmolalität trotzdem bestimmen, so kann mit Hilfe einer Formel zumindest ein Näherungswert ermittelt werden. Osmolalität (mosm/kg) = 1,86 (Na + + K + ) + Glukose + Harnstoff + 9 Referenzbereich Hund: mosm/kg Referenzbereich Katze: mosm/kg

4 Ursachen für eine Hyper- bzw. Hypoosmolalität Hypernatriämie, Hyperglykämie, hochgradige Azotämie und eine diabetische Ketoazidose sind die häufigsten Ursachen für eine Hyperosmolalität des Serums bzw. Plasmas. Vergiftungen mit Ehtylenglykol, Ethanol oder Methanol kommen ebenfalls in Frage. Eine Hypoosmolalität wird durch eine Hyponatriämie ausgelöst. Alle in Frage kommenden Ursachen für einer Hyper- oder Hyponatriämie werden im Abschnitt Natrium ausführlich beschrieben (s. u.). Für die klinische Beurteilung ist nicht allein die Höhe der Abweichungen entscheidend. Vor allem sehr schnelle Veränderungen der Osmolalität können zu einer klinischen Symptomatik führen (ZNS- Ausfälle, Krampfanfälle, Ataxie, Koma). In solchen Fällen ist eine rasche Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten für den Patienten wichtiger, als eine schnelle spezifische Diagnose.

5 NATRIUM (Na + ) Natrium ist das Kation mit der höchsten Konzentration im Extrazellularraum (EZR). Es bestimmt den osmotischen Druck in der extrazellulären Flüssigkeit. Im Gegensatz dazu bestimmt Kalium den osmotischen Druck im Intrazellularraum (IZR). Natrium dient im EZR der Aufrechterhaltung des Volumens während Kalium im IZR der Aufrechterhaltung des Membranpotentials dient. Beide Räume befinden sich in einem osmotischen Gleichgewicht. Konzentrationsänderungen in einem oder beiden Räumen führen zu Flüssigkeitsverschiebungen vom nieder in den höher konzentrierten Raum bis zum Ausgleich. Änderungen im Serum-/Plasma-Natrium zeigen eine Zu- oder Abnahme des osmotischen Druckes im EZR an. Ob eine Flüssigkeitsverschiebung, als Folge einer Überwässerung (Hyperhydratation) oder eines Wasserverlustes (Dehydratation) statt gefunden hat, lässt sich ablesen, wenn man neben der Natriumkonzentration den Hämatokritwert, die Hämoglobinkonzentration, die Erythrozytenzahl und den Serumeiweißgehalt ermittelt. Die Serum-Natriumkonzentration gibt keine Auskunft über die im Körper insgesamt enthaltene Natriummenge. Tiere mit einer Hypo- oder Hypernatriämie können bezogen auf den Gesamtbestand an Natrium einen erniedrigten, normalen oder erhöhten Natriumgehalt aufweisen. Hypernatriämien verursachen meist eine Hyperosmolalität, Hyponatriämien meist eine Hypoosmolalität. Wie schon erwähnt, sind die klinischen Anzeichen einer Hypo- oder Hypernatriämie stärker von der Geschwindigkeit, mit der die Veränderung eintritt, als vom Grad der Abweichung abhängig. Treten neurologische Symptome auf, hat die adäquate Korrektur des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts Priorität vor der spezifischen Diagnosestellung. Indikationen für die Natrium-Bestimmung Dehydratation, Hyperhydratation, Ödeme, Erbrechen, länger anhaltender Durchfall, Polyurie, Polydipsie, Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz, Hyperthyreose, Hypothyreose, Hyperadrenokortizismus, Diabetes mellitus, Diabetes insipidus Ursachen für eine Hypernatriämie Eine Hypernatriämie entsteht aufgrund eines Wasserverlustes und/oder übermäßiger Natrium-Aufnahme. Tiere mit normalem Durstgefühl und freiem Zugang zu Wasser zeigen selten eine Hypernatriämie, es sei denn, es bestehen Schluckstörungen. Beim Verlust von Wasser wird unterschieden zwischen sog. freien Wasser, das keine Elektrolyte enthält und hypotonem Wasserverlust, bei dem Wasser und Elektrolyte verloren gehen, allerdings relativ mehr Wasser als Natrium. Verluste von freiem Wasser (ohne ausreichenden Ersatz) Freies Wasser geht bei einem Diabetes insipidus und infolge unmerklicher Verluste verloren. Unmerkliche Verluste z. B. über die Atmung sind physiologisch. Will oder kann der Patient nicht trinken resultiert daraus eine Hypernatriämie. Dasselbe gilt für gesteigerte unmerkliche Verluste (hohe Umgebungstemperatur, Fieber, Tachypnoe, Hecheln). Veränderte Durstmechanismen, z. B. durch die primäre Hypodipsie bei den Zwergschnauzern oder durch neoplastische Veränderungen des ZNS, kommen extrem selten vor. Hypotone Wasserverluste Erbrechen, Diarrhoe oder ein Dünndarmileus können gastrointestinale hypotone Verluste bewirken. Third-Space-Verluste entstehen durch Sequestrierung v. a. bei Peritonitis oder Pankreatitis. Renale

6 Verluste werden verursacht z. B. in der polyurischen Phase der Niereninsuffizienz, durch postobstruktive Diurese oder durch osmotische Diurese (Diabetes mellitus, Mannitol/Sorbitol). Kutane Verluste werden beim Menschen nach Verbrennungen beobachtet, beim Tier spielen sie praktisch keine Rolle. Gesteigerte Natriumaufnahme Wird übermäßig viel Natrium zugeführt, entwickelt sich ohne gleichzeitige ausreichende Wasseraufnahme eine Hypernatriämie. Dabei ist eine iatrogene Überversorgung von großer Bedeutung, v. a. durch Verabreichung ungeeigneter Infusionslösungen (z. B. hypertone NaCl-Lösung, Natriumbikarbonat, natriumhaltige Lösungen im Erhaltungsbedarf) aber auch durch Natrium-Phosphat-Klistiere oder totale parenterale Ernährung. Ein Hyperadrenokortizismus (Morbus Cushing) verursacht nicht regelmäßig und dann nur geringgradige Veränderungen. Ein Hyperaldosteronismus tritt nur sehr selten auf. Ursachen für eine Hyponatriämie Um eine Hyponatriämie richtig beurteilen zu können, benötigt man einerseits eine Einschätzung der Osmolalität und andererseits den Hydratationszustand des Patienten (Normo-, Hypo- oder Hyervolämie). Meist treten eine Hyponatriämie und eine Hypoosmolalität gemeinsam auf, allerdings kann eine Hyperglykämie, z. B. infolge eines Diabetes mellitus oder einer Mannitolgabe, auch eine hyperosmolare Hyponatriämie verursachen. Eine sogenannte Pseudohyponatriämie kann bei normaler Osmolalität und Hydratation auftreten, wenn das Serum eine ausgeprägte Hyperlipidämie und/oder Hyperproteinämie aufweist (Artefakt). Hyponatriämie bei Normovolämie (keine erkennbare De- oder Hyperhydratation) Eine Infusionstherapie, z. B. mit 5 % Glukose oder 0,45 % NaCl, oder eine antidiuretische Therapie können zu einer normovolämischen Hyponatriämie führen. Primäre (sog. psychogene) Polydipsie oder das Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) treten sehr selten auf. SIADH bezeichnet eine Störung, bei der übermäßig viel ADH ohne Stimulus ausgeschüttet wird. Ursachen können maligne Neoplasien, Lungenerkrankungen oder ZNS-Störungen sein. Beim Menschen können auch Medikamente für eine SIADH verantwortlich sein. Für Hund und Katze ist dies jedoch nicht beschrieben. Hyponatriämie bei Dehydratation Diese Tiere haben neben Wasser vor allem Salze verloren. Häufige Ursachen sind Nierenerkrankungen, gastrointestinale Störungen, Sequestration in einen sog. Third-Space (Pankreatitis, Peritonitis, Pleuraerguss, Uroperitonäum), Verbrennungen, Diuretika und Hypoadrenokortizismus (nicht regelmäßig).wird verlorene Flüssigkeit durch natriumarmes Trinkwasser ersetzt, so kommt es zur Verdünnung des verbleibenden Natriums und dadurch zur Hyponatriämie. Auch eine chron. Hämorrhagie oder ein Hämoperitonäum können zu Na-Verlusten führen. Hyponatriämie bei Hyperhydratation Durch Ödeme und Aszites kann es zur Hyperhydratation kommen. Diese Patienten können trotz eines niedrigen Na-Spiegels im Serum einen erhöhten Na-Gehalt im Gesamtorganismus aufweisen. Durch die gestörte Wasserexkretion wird Wasser retiniert und das Serum-Natrium dadurch verdünnt.

7 Häufigste Ursachen hierfür sind: dekompensierte Herzinsuffizienz, schwere Leberkrankheiten, Protein- Losing-Nephropathie (PLN) oder Enteropathie (PLE) und CNI. Eine Hypervolämie muss nicht immer zwangsläufig zu klinisch relevanten Ergüssen oder Ödemen führen, da sich das Wasser auch in den Zellen oder im Interstitium befinden kann. Weiterführende Untersuchungen Fraktionelle Natriumausscheidung im Urin (FENa) Unter physiologischen Bedingungen wird das glomerulär filtrierte Serumnatrium im Tubulussystem der Nieren reabsorbiert. Eine Schädigung der epithelialen Zellen der Nephrone führt zu Störungen, die mit einem exzessiven Verlust von Natrium in den Urin einher gehen können. Mit der FENa kann einerseits eine derartige Einschränkung der Nierenfunktion abgeschätzt werden, andererseits kann im negativen Fall bezogen auf die Funktionstüchtigkeit der Niere eine prärenale von einer primär renalen Azotämie abgegrenzt werden. Außerdem kann die FENa bei dehydrierten Patienten mit Hypo- oder Hypernatriämie einen Hinweis geben, ob es sich um renale oder extrarenale Natriumverluste handelt. (Urin-Na/Serum-Na) FENa = X 100 (Urin-Kreatinin/Serum-Kreatinin) Für die Berechnung werden die Natriumkonzentrationen im Urin bzw. Serum in mmol/l, die Kreatininkonzentrationen in µmol/l oder mg/dl angegeben. Bei gesunden Hunden und Katzen sollte die FENa bei annähernd 1 % liegen. Tiere mit einer prärenalen Azotämie weisen eine FENa von deutlich unter 1 % auf. Werte über 1 % deuten auf eine primär renale Azotämie hin. Eine prärenale Azotämie mit einer FENa von > 1 % kann vorkommen, wenn Diuretika verabreicht wurden. Die Nierenfunktion ist dann physiologisch. Bei dehydrierten Tieren ist eine FENa < 1 % ein Hinweis auf das Vorliegen extrarenaler Verluste (z. B. Erbrechen, Third-Space-Verluste). FENa Werte > 1 % deuten bei ausgetrockneten Tieren auf renale Verluste hin (z. B. Nierenerkrankungen, Diuretika). Berechnung des Wasserbedarfs Für die Berechnung des Gesamtwasserdefizits in Liter wird folgende Formel verwendet: Na (Blut) Na (soll) x kg KM x 0,6 = Mangel an Gesamtwasser in l Na (soll) Berechnung des Natrium-Bedarfs Na (soll) Na (ist) x kg KM x 0,2 = mval (= mmol/l) Na-Defizit/Tier Hunde: Na (soll) = 146 mmol/l Katzen: Na (soll) = 156 mmol/l

8 KALIUM (K + ) Etwa % des Körperkaliums liegt intrazellulär, nur 1 2 % extrazellulär. Besonders kaliumreich sind Muskel- und Leberzellen aber auch Erythrozyten. Die sog. akute Regulation erfolgt über Verschiebungen von intrazellulär nach extrazellulär und umgekehrt. Die chronische Regulation übernimmt im wesentlichen die Niere, in geringem Ausmaß auch das Kolon. Indikationen für die Kalium-Bestimmung Anorexie, Erbrechen, Diarrhoe, Muskelschwäche, Bradykardie, supraventrikuläre Arrhythmien, Oligurie, Anurie und Polyurie. Bei folgende Verdachtsdiagnosen sollte ebenfalls der Kaliumspiegel untersucht werden: akutes oder chronisches Nierenversagen, diabetische Ketoazidose, Obstruktionen der Urethra, Uroperitoneum, Hypoadrenokortizismus, postobstruktive Diurese. Auch bei Verabreichung von Diuretika und ACE-Hemmern sollte Kalium im Serum kontrolliert werden. Ursachen für eine Hyperkaliämie Vier Ursachenkomplexe kommen für eine Hyperkaliämie in Frage: Pseudohyperkaliämie Verschiebung von Kalium aus dem IZR in den EZR Verringerte Ausscheidung über die Niere Gesteigerte Aufnahme von Kalium Pseudohyperkaliämie Leukozyten und Thrombozyten enthalten sehr viel mehr Kalium, als das Serum. Bei der Gerinnung wird dieses Kalium freigesetzt. Bei normalen Leukozyten- und Thrombozytenzahlen spielt dieses Phänomen keine Rolle. Bei ausgeprägten Thrombozytosen und Leukozytosen kann der Kaliumwert jedoch dadurch falsch hoch sein. Dies ist auch der Grund dafür, dass der Kaliumwert im Serum etwas höher ist als im Plasma. Auch Erythrozyten enthalten tierartlich unterschiedlich deutlich mehr Kalium als das Serum. Deshalb verursachen Hämolysen ebenfalls einen erhöhten Kaliumwert. Dies ist insbesondere dann zu bedenken, wenn Vollblutproben, einschließlich Heparin- oder EDTA-Blut, nicht oder verspätet zentrifugiert werden. Medikamente und die übermäßige Verabreichung K-haltiger Präparate (oral, parenteral) können ebenfalls eine Hyperkaliämie verursachen: Trimethoprim, Enalapril, kaliumsparende Diuretika, Digitalisüberdosierung, Betablocker, Mannitolinfusion, Heparinlösungen, kaliumhaltige Infusionslösungen Verschiebung von Kalium aus dem IZR in den EZR Massive Gewebeschäden, wie sie z. B. bei der Aortenthrombose der Katze, beim Tumorlyse-Syndrom oder bei schweren Muskeltraumen auftreten, können ebenso zu einer Hyperkaliämie führen, wie eine diabetische Ketoazidose (Insulinmangel) oder eine Hypertonizität durch Mannitolinfusion oder eine Hyperglykämie. Anorganische Säuren (HCL, NH 4 Cl) verursachen ebenfalls eine Verschiebung von Kalium aus dem IZR in den EZR. Verringerte Ausscheidung über die Niere Eine reduzierte Kaliumausscheidung ist der wichtigste Grund für eine Hyperkaliämie. Zu den häufigsten Ursachen einer Kaliumretention zählen Obstruktionen der Urethra, Blasenruptur, Anurie oder Oligurie bei CNI.

9 Beim Hypoadrenokortizismus (Morbus Addison) wird in ausgeprägten Fällen eine Hyperkaliämie bei gleichzeitiger Hyponatriämie beobachtet und ein Na:K-Verhältnis von < 27 : 1 gilt als verdächtiger Laborwert. Zu beachten ist jedoch, dass diese Elektrolytverschiebungen keinesfalls regelmäßig auftreten und auch andere Erkrankungen ähnliche Elektrolytveränderungen bewirken können (z. B. Nierenversagen, Peritoneal- und Pleuraergüsse). Daher ist ein ACTH-Test für die Diagnose eines Morbus Addison unerlässlich. Eine hyperkaliämisch periodische Paralyse wurde bisher nur für den Hund und das Pferd beschrieben (sehr selten). Gesteigerte Aufnahme von Kalium Eine übertriebene orale Kaliumzufuhr führt i. d. R. nur bei gleichzeitiger Erkrankung der Nieren oder Nebennieren zu Störungen. Im Gegensatz dazu kann die Infusion K-reicher Lösungen durchaus zu klinisch relevanten Symptomen führen. Ursachen für eine Hypokaliämie Eine Hypokaliämie kann folgende Ursachen haben: Verringerte Aufnahme Übertritt von Kalium aus dem Extrazellularraum in den Intrazellularraum Verlust über die Nieren oder den Gastrointestinaltrakt. Verringerte Aufnahme Eine zu geringe orale Zufuhr ist selten die alleinige Ursache für eine Hypokaliämie. Meist handelt es sich um eine Kombination aus geringer Zufuhr und gesteigerten Verlusten. So können kaliumfreie Infusionslösungen, insbesondere glukosehaltige Lösungen, durch Verdünnung zu einer Hypokaliämie führen. Translokation aus dem EZR in den IZR Eine Verabreichung von Bikarbonat führt ebenso wie die insulinvermittelte Aufnahme von Glukose zu einer Translokation von Kalium. Meist handelt es sich dabei um iatrogen verursachte Verschiebungen, z. B. in Folge der Behandlung einer diabetischen Ketoazidose oder bei totaler parenteraler Ernährung (TPN). Die hypokaliämische periodische Paralyse der jungen Burmakatzen kommt selten vor und ist charakterisiert durch wiederkehrende Muskelschwäche in den Beinen, Ventroflexion des Halses, erhöhte CK-Werte und Hypokaliämie. Ähnliche Symptome entstehen bei der nutritiv bedingten hypokaliämischen Nephropathie der Katze. Verluste über die Nieren oder den Gastrointestinaltrakt Hochgradige gastrointestinale und renale Verluste sind die häufigsten Ursachen für eine Hypokaliämie. So gehen z. B. beim Erbrechen von Mageninhalt Kalium und Chlorid verloren. Die daraus resultierende Hypochlorämie und metabolische Alkalose bewirken weitere Verluste von Kalium- und Wasserstoffionen über den Urin. Aldosteron, das unabhängig von der Genese bei jeder Form der Dehydratation ausgeschüttet wird, bewirkt eine Natriumretention bei gleichzeitiger erhöhter Kaliumsekretion. Medikamente, wie z. B. Furosemid, Thiazide, Acetazolamid, Laxanzien, Mineralokortikoide, Insulin und Natriumbikarbonat oder Amophoterizin B können zur Hypokaliämie führen. Katzen können bei unausgewogener Fütterung - v. a. wenn dem Futter Substanzen, die der Ansäuerung dienen, zugesetzt werden eine hypokaliämische Nephropathie in Form einer tubulointerstitiellen Nephritis entwickeln. Bei etwa 20 % bis 30 % der Katzen und 10 % der Hunde mit einer CNI (Polyurie) wird gleichzeitig eine Hypokaliämie beobachtet. Auch die postobstruktive einsetzende Diurese bewirkt eine Hypokaliämie. Ein Hyperadrenokortizismus kann, insbesondere wenn es sich um einen NNR-Tumor handelt, eine Hypokaliämie verursachen, da Steroide auch eine mineralokortikoide Wirkung haben können.

10 Weiterführende Untersuchungen Fraktionelle Kaliumausscheidung im Urin (FEK) Die FEK gibt Hinweise, ob ein Kaliumverlust renal oder extrarenal bedingt ist. Die FEK wird folgendermaßen berechnet: (Urin-K/Serum-K) FEK = X 100 (Urin-Kreatinin/Serum-Kreatinin) Beim Hund sollte die FEK zwischen 15% und 20 % liegen, bei der Katze zwischen 5 % und 24 %. Handelt es sich um einen Mangel oder Verluste, die nicht renalen Ursprungs sind, sinkt die FEK unter 15 % bzw. 5 %. FEK-Werte über 20 % bzw. 24 % deuten auf einen renalen K-Verlust hin. Berechnung des Kalium-Bedarfs K (soll) K (ist) x kg KG x 0,3 = mval (=mmol/l) K-Defizit/Tier Hunde und Katzen: K (soll) = 4,5 mmol/l (=4,5 mval/l)

11 CHLORID (Cl-) Chloride kommen überwiegend im Extrazellularraum vor. Zusammen mit Natrium sind sie für den osmotischen Druck im EZR verantwortlich. Die Resorption erfolgt hauptsächlich im Ileum, die Exkretion fast ausschließlich über die Niere. In der Magenschleimhaut liegen hohe Clorid-Konzentrationen vor, die für die Bildung des stark HCl-haltigen Magensaftes benötigt werden. Die extrazelluläre Chloridkonzentration ändert sich i. d. R. parallel zur Natriumkonzentration und dem Hydratationszustand des Körpers. Dabei folgt Chlorid dem Natrium meist passiv nach. Deshalb sollte der Chloridwert stets in Kombination mit dem Natriumwert beurteilt werden. Gleichzeitig ändert sich der Chloridspiegel gegenläufig zum Bikarbonatgehalt. Bei einem Anstieg des Bikarbonatwertes (metabolische Alkalose) muss aus Gründen der Ionenneutralität ein entsprechender Abfall anderer Anionen statt finden. Dieser Abfall betrifft meist die Chloride. Die Chloridkonzentration im Blut hängt wesentlich von der Resorption im Darm ab, weshalb eine beschleunigte oder verzögerte Passage maßgeblich Einfluss auf den Chloridbestand im Körper hat. So kann bei Kühen mit einer Labmagenverlagerung eine Hypochlorämie verbunden mit einer Alkalose oft der einzige labordiagnostische Hinweis sein. Indikationen für die Chloridbestimmung Alle systemischen Erkrankungen, die mit Vomitus, Diarrhoe, Dehydratation, Polyurie und Polydipsie einhergehen und ein Verdacht auf Veränderungen im Säure-Basen-Haushalt erfordern eine Chloridbestimmung. Ursachen für eine Hyperchlorämie Bei der Hyperchlorämie werden grundsätzlich zwei Formen unterschieden: Artefakt (Konzentration) Tatsächliche (= korrigierte) Hyperchlorämie Artefakt Eine artefizielle Erhöhung des Chlorid entsteht durch Verschiebung von ungebundenem Wasser z. B. aus dem EZR in den IZR. Dadurch kommt es zu einer Konzentrationssteigerung aller Elektrolyte im EZR, d. h. die Chlorid- und Natriumkonzentration verändern sich proportional. Dann empfiehlt es sich, primär die Ursache für die Hypernatriämie herauszufinden. Tatsächliche (= korrigierte) Hyperchlorämie Bei einer echten Hyperchlorämie handelt es sich um eine tatsächliche Veränderung der Chloridkonzentration: Cl - steigt proportional stärker als das Na +. Dies bezeichnet man als korrigierte Chloridkonzentration, die wie folgt berechnet wird: Hund: Cl - korrigiert = Cl - gemessen x Na + gemessen Referenzbereich für Cl- korrigiert: mmol/l Katze: Cl - korrigiert = Cl - gemessen x Na + gemessen Referenzbereich für Cl- korrigiert: mmol/l

12 Dabei geben die gemessenen Werte die jeweilige aktuelle Serumkonzentration an. Die Zahlen 146 und 156 beziehen sich auf den Mittelwert dieser Elektrolytkonzentrationen im Serum. Eine tatsächliche Hyperchlorämie ist auch die sog. Pseudohyperchlorämie, die in Abhängigkeit von der Analysenmethode bei stark lipämischen Proben und in Folge einer Kaliumbromid- oder Jodtherapie auftreten kann. Verhältnismäßig höhere Natrium- als Chloridverluste entstehen durch eine Dünndarmdiarrhoe. Eine höhere Chlorid- als Natriumaufnahme verursacht z. B. eine Therapie mit Chloridsalzen (NH 4 Cl, KCl) und eine parenterale Ernährung. Eine inadäquate Infusionstherapie mit isotoner oder hypertoner NaCl führt ebenso zu einer Hyperchlorämie wie eine NaCl-Vergiftung. Bei einer renale Chloridretention kommen verschiedene Ursachen in Frage: Nierenversagen, Hypoadrenokortizismus, Diabetes mellitus, Medikamente (Spironolakton, Acetazolamid). Ursachen für eine Hypochlorämie Auch hier wird zwischen einem Artefakt (Verdünnung) und einer tatsächlichen (korrigierten) Hypochlorämie unterschieden. Artefakt (Verdünnung) Durch Zustrom von freiem Wasser kommt es zur Verdünnung der vorhandenen Cl - und Na + -Ionen. In diesen Fällen ist es meist einfacher, nach den Gründen für die gleichzeitig auftretende Hyponatriämie zu forschen, die dann auch Ursache der Hypochlorämie sind. Tatsächliche (korrigierte) Hypochlorämie Eine Pseudohypochlorämie entsteht wenn lipämische Proben mit titrimetrischen Methoden ausgewertet werden. Höhere Chlorid- als Natriumverluste entstehen durch Erbrechen von Mageninhalt und wenn Schleifendiuretika oder Thiazide verabreicht werden. Eine chronische respiratorische Azidose oder ein Hyperadrenokortizismus können ebenfalls dazu führen. Eine inadäquate Infusionstherapie mit Na + -reichen Lösungen oder Natriumbikarbonat verursachen eine Hypochlorämie. In Abhängigkeit von der Grunderkrankung und dem Krankheitsverlauf müssen Elektrolytverschiebungen durch einen geeigneten Volumenersatz bzw. eine adäquate Infusionstherapie ausgeglichen werden. Ausführliche Informationen dazu enthält die Fachinformation Grundzüge der Infusionstherapie, die Sie im Internet herunterladen können unter /tierarzt_news.html Weiterführende Literatur können Sie gerne bei synlab.vet anfordern:

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