Präanalytik Blut. Blutentnahme

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1 Entnahme Besonderheiten (Glukosebestimmung Gerinnungsanalyse) Stolperfallen Einflussgrößen Störgrößen Probengewinnung / Lagerung und Versand Vollblut / EDTA-Blut / Serum und Plasma Blutentnahme morgens zwischen 7:00 und 9:00 Uhr - viele Hormone und andere Analyten unterliegen einer ausgeprägten Tagesrhythmik (siehe Seite 48), hierauf wird im A-Z Teil im Einzelfall hingewiesen möglichst immer nüchtern - letzte Nahrungsaufnahme 2 h - Alkoholkarenz 24 h 3 Tage vor Blutentnahme keine erschöpfenden körperlichen Belastungen vor potenziell störenden diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zuvor Ruhephase von 0 - min einhalten Eindeutige Proben- und Patientenidentifikation sicherstellen immer in gleicher Körperposition (sitzend oder liegend) Ablauf der venösen Blutentnahme Hautdesinfektion Stauzeit max s»pumpen«führt zu einem Kaliumanstieg! nach Gefäßpunktion Stauung lösen erforderliche Blutmenge entnehmen - Sollfüllhöhe der Entnahmeröhrchen beachten! Probe mit gerinnungshemmenden Zusätzen sofort nach Entnahme durch Kippbewegungen (4 bis mal um 80 ) mischen»schütteln«kann zu Hämolyse führen! Abnahmereihenfolge. Blutkultur (Vollblut) 2. Nativblut (Serum) 3. Citratblut (Blut/Plasma) 4. Heparinblut (Blut/Plasma). EDTA-Blut (Blut/Plasma) 6. NaF-Blut (Glukose, Laktat) Citrat-Röhrchen nie zuerst abnehmen, um Kontakt mit Gewebsthromboplastin zu vermeiden! Röhrchen mit Additiven stets nach dem Nativröhrchen abnehmen (Kontaminationsgefahr) 2

2 Blutentnahme, kapillar Bei der Notwendigkeit häufiger Kontrolluntersuchungen (z. B. Blutzucker) sowie bei Neugeborenen und Kleinkindern (schwierige Venenverhältnisse, kleine Blutvolumina) 3 Bei Blutbild- und Gerinnungsparametern unzuverlässigere Werte durch hohe Fehlerrate bei der Entnahme Abnahmeorte Ohrläppchen: max. 3 - mm tief am unteren äußeren Rand Fingerbeere oder Zehenkuppe: maximal 2, mm tief seitlich am zweiten bis vierten Finger bzw. Zeh Ferse: maximal 2,4 mm tief am lateralen Rand (bis zum 6. Lebensmonat) Risiko der Knochenverletzung bei Punktion tiefer als 2,4 mm Abnahmetechnik. Hyperämisierung des Punktionsortes 2. Hautdesinfektion 3. Desinfektionsmittel gut trocknen lassen Alkoholreste führen zu Hämolyse! 4. kurzer Einstich mit Lanzette. ersten Tropfen abwischen Kontamination mit Gewebsflüssigkeit! 6. Kapillare an Punktionsort halten (Sollfüllhöhe beachten) 7. Kapillare in Spezialcontainer mit Lösung stecken 8. Spezialcontainer fest verschließen 9. Mischen durch Kippbewegungen (fünfmal um 80 ) Besonderheiten bei einigen Parametern: Glucosebestimmung aus NaF-Röhrchen, Besonderheiten der Gerinnungsanalyse Probengewinnung zur Blutzuckerbestimmung Die Bestimmung von Glukose (Blutzucker) bedarf größter Aufmerksamkeit in der präanalytischen Phase, da es sonst leicht zu Verfälschungen der Messwerte im Sinne falsch niedriger Ergebnisse kommen kann. Geeignete Materialien Natriumfluorid-Plasma oder Heparin-Plasma abzentrifugiert und vom Blutkuchen getrennt sofortige Zentrifugation nach der Entnahme und Abpipettieren des Plasmas in ein neutrales Probengefäß, es sei denn, die Entnahmeröhrchen enthalten ein Trenngel (siehe Serum). Kennzeichnung als Natriumfluorid- bzw. Heparin-Plasma für Blutzuckerbestimmung unbedingt erforderlich! Serum abzentrifugiert und vom Blutkuchen getrennt Zentrifugation nach min Ausgerinnungszeit Bei Verwendung eines Serumröhrchens mit Trenngel ist ein Abpipettieren in ein neutrales Probengefäß nicht notwendig Die Referenzwertangaben der Fachgesellschaften sind nur für Plasma bzw. Vollbluthämolysat definiert, nicht für Serum! Weniger geeignete Materialien (wenn vor Ort keine Möglichkeit zur Zentrifugation der Proben besteht) Natriumfluorid Vollblut unzentrifugiert Lagerung im Kühlschrank (2-8 C) bis zur Abholung, taggleicher Transport ins Labor Die Hemmung des Blutzuckerabbaus durch Fluorid setzt bei Raumtemperatur erst nach - 4 Stunden ein. Kapilläres Vollblut-Hämolysat Entnahme aus der Fingerbeere oder dem Ohrläppchen Blutzuckerwerte für ca. 2 Tage stabil Problematisch, da abnahmebedingt inkonstante Probenzusammensetzung, außerdem hohes Risiko für Verdünnungsfehler. Höchste Anforderungen an die Genauigkeit der Blutzuckerbestimmungen bestehen für die frühzeitige Erkennung von Störungen im Glukosestoffwechsel (Nüchternglukose-Screening), den oralen Glukosetoleranztest (ogtt), sowie bei der Diagnostik eines Gestationsdiabetes. Hier sollte möglichst Natriumfluoridoder Heparin-Plasma verwendet werden. 4

3 Um Ihnen und Ihren Patienten eine möglichst genaue Blutzuckeranalyse zu ermöglichen, stehen wir für ein persönliches Beratungsgespräch bezüglich der Auswahl des für Ihre Praxis am besten geeigneten Probenmaterials und der optimalen Organisation der Präanalytik gerne zur Verfügung. Citratblut für Gerinnungsuntersuchungen Hämostaseologische Proben müssen umgehend ins Labor gesendet und in der Regel innerhalb von 6 h analysiert werden (siehe einzelne Analyten im A-Z Teil). Ausnahme: Faktor VIII-Bestimmung sollte innerhalb von 2 h erfolgen Ist eine schnelle Gerinnungsanalytik nicht möglich, sollte plättchenarmes Citrat- Plasma sofort bei -20 C bzw. -70 C eingefroren werden (Lagerzeit: mehrere Wochen). Potenzielle Fehler bei der Blutentnahme für Gerinnungsanalysen Fehler Folge Stauung ist zu lang andauernd lokale Aktivierung der Fibrinolyse, Erhöhung der und zu intensiv Aktivität und Konzentration von Gerinnungsfaktoren mehrmalige Punktionsversuche Verunreinigung der Probe mit Gewebsflüssigkeit Verwendung des ersten Blutes Verunreinigung der Probe mit Gewebsflüssigkeit Blutfluss zu schnell oder zu langsam Inkomplette und zu späte Durchmischung Blut/Citrat zu schnelle Aspiration kann Thrombozyten schädigen und außerdem zu Hämolyse führen; zu langsame und stockende Aspiration führt zur Teilgerinnung des Untersuchungsmaterials; zu wenig Aspiration bedingt falsches Mischungsverhältnis Blut/Citrat Teilgerinnung Bei unvollständig gefüllten Entnahmegefäßen treten auf: verlängerte Gerinnungszeiten Verdünnung aller Plasmabestandteile einschließlich der Gerinnungsfaktoren Stolperfallen (Was bei Blutentnahmen immer wieder schiefgeht und zu falschen oder nicht verwertbaren Messwerten führt) Venöse Blutentnahme»Pumpen«führt zu einem Kaliumanstieg (Stauzeit max s)!»schütteln«kann zu Hämolyse führen (Probe mit gerinnungshemmenden Zusätzen sofort nach Entnahme durch Kippbewegungen mischen)! Gerinnungsröhrchen nie zuerst abnehmen, um Kontakt mit Gewebsthromboplastin zu vermeiden! Röhrchen mit Additiven stets nach dem Nativröhrchen abnehmen (Kontaminationsgefahr) Die Blutentnahmen niemals unterhalb von Infusionszuläufen durchführen! Nach Möglichkeit stets den Arm ohne Infusionssystem verwenden Kapillare Blutentnahme Bei Blutbild- und Gerinnungsparametern unzuverlässigere Werte durch hohe Fehlerrate bei der Entnahme Risiko der Knochenverletzung bei Fersenpunktion tiefer als 2,4 mm Alkoholreste führen zu Hämolyse Kontamination mit Gewebsflüssigkeit vermeiden ersten Tropfen abwischen Reiben oder Drücken am Entnahmeort birgt die Gefahr der Hämolyse und stärkerer Vermengung mit Interstitialflüssigkeit Ungenügendes Mischen kapillären Vollblut-Hämolysats zieht Gerinnselbildung nach sich Blutzuckerbestimmung Die Referenzwertangaben der Fachgesellschaften sind nur für Plasma bzw. Vollbluthämolysat definiert, nicht für Serum Die Hemmung des Blutzuckerabbaus durch Fluorid setzt bei Raumtemperatur erst nach - 4 Stunden ein Kapilläres Vollblut-Hämolysat ist problematisch, da abnahmebedingt inkonstante Probenzusammensetzung, außerdem hohes Risiko für Verdünnungsfehler ersten Tropfen nur bei Thrombozytenzählung und Blutzuckerbestimmung verwenden 6

4 Einflussgrößen Das Ergebnis von Laboruntersuchungen hängt von zahlreichen nicht krankheitsbedingten Einflussgrößen ab, die beeinflussbar oder nicht beeinflussbar sind. Zu den beeinflussbaren Einflussgrößen zählen: Stauzeit Seite 470 Diagnostische Maßnahmen Seite 47 Genussmittel (Koffein, Nikotin, Alkohol, Drogen...) Seite 472 Körperliche Belastung Seite 474 Ernährung Seite 474 Körpergewicht, Muskelmasse Seite 476 Körperlage Seite 476 Medikamente Seite 477 Darüber hinaus gibt es Einflussgrößen wie Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft, Schwangerschaft Seite 480 Tageszeit,Tagesrhythmik, Abnahmezeitpunkt Seite 48 Stauzeit Die venöse Stauung hat auf die Konzentration eines Analyten den gleichen Effekt wie eine Lageveränderung vom Liegen zum Stehen. Die Stauzeit sollte min nicht überschreiten, sonst verursacht die Erhöhung des effektiven Filtrationsdrucks eine Verschiebung von Wasser und niedermolekularen Substanzen vom Intravasalraum in das Interstitium (Hämokonzentration) mit der Folge eines Konzentrationsanstiegs von Blutzellen, Makromolekülen und proteingebundenen Substanzen. Eine lange Blutstauung, vorrangig in Verbindung mit kräftigem Faustschluss, führt zu einer Pseudohyperkaliämie. Beträgt die Stauzeit mehr als 3 min kommt es infolge örtlicher Hyperfibrinolyse zu Veränderungen in der Gerinnungsanalytik. Diagnostische und therapeutische Maßnahmen Maßnahmen vor Blutentnahme, die die Analysenergebnisse beeinflussen Maßnahme Abweichung / Parameter Allergietestung p eosinophile Granulozyten häufige Blutentnahmen p Retikulozyten (Blutspender) Bluttransfusion p Hämatokrit, Hämoglobin, Kalium Belastungs-EKG, i. m. -Injektionen, p Creatinkinase, Myoglobin Reanimationen Dialyse p CRP q Glukose, Leukozyten Endoskopie p Hämoglobin im Stuhl ERCP p Amylase, Lipase Infusionen p/q abhängig von Zusammensetzung ionisierende Strahlung p Harnsäure q Leukozyten,Thrombozyten Mammapalpation p Prolaktin Operationen Jodhaltige Kontrastmittel beeinflussen die laborchemische Schilddrüsendiagnostik. Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Kontamination des Blutes mit Infusionslösungen. Die Blutentnahmen niemals unterhalb von Infusionszuläufen durchführen! Nach Möglichkeit stets den Arm ohne Infusionssystem verwenden. Wartezeit bis zur nächsten Blutentnahme nach Infusion von: Fettemulsionen 8 h Kohlenhydraten, Eiweißen, Elektrolyten h p CRP, GOT, GPT, CK, Bilirubin, Fibrinogen, BSG q Albumin, Hämoglobin oraler Glukosetoleranztest p Kalium, Magnesium, Phosphat q Calcium, Natrium Prostatapalpation p PSA, saure Phosphatase 7 8

5 Genussmittel Koffein. Hemmung der Phosphodiesterase und damit des Abbaus von c-amp, welches die Glykogenolyse stimuliert 2. Zusätzliche Erhöhung der Glukosekonzentration durch die adrenalininduzierte verstärkte Glukoneogenese 3. Freisetzung freier Fettsäuren durch Aktivierung der Triglycerid-Lipase 4. Erhöhung der Plasmareninaktivität und Katecholaminkonzentrationen Nikotin Anstieg der Serumkonzentrationen h nach Genuss von - Zigaretten Adrenalin Aldosteron Cortisol freie Fettsäuren Glukose Einfluss chronischen Nikotinkonsums (20-40 Zigaretten/d) Erhöhung Verminderung α-amylase ACE-Aktivität alkalische Phosphatase Bilirubin CEA Harnstoff Cholesterin Lp (a) CRP Prolaktin Erythrozytenzahl Thrombozytenaggregation Ferritin Triglyceride Fibrinogen Vitamin B 2 Glukose Vitamin C Hämoglobin Katecholamine Kortikosteroide Leukozyten Lipase Alkohol akute Auswirkungen Hemmung der hepatischen Glukoneogenese: Blutzucker (Glukose) vermindert und Laktat (im Blut) erhöht Harnsäurekonzentration durch Alkoholabbau zu Acetat erhöht Triglyceride erhöht, da der Abbau gehemmt ist Acetat und Laktat begünstigen die Entstehung einer metabolischen Azidose chronische Auswirkungen Erhöhung der Aktivität von γ-gt, GPT, GOT Folsäure und Vitamin B 6 vermindert MCV erhöht durch toxische Wirkung und Folsäuremangel HDL-Cholesterin erhöht Gesteigerte Sekretion von Renin und Aldosteron Corstisol und Östradiol erhöht Akute und chronische Auswirkung von Alkoholkonsum auf ausgewälte Analyten Veränderung [%] Osteocalcin Prolaktin ADH Cortisol akute Effekte Cholesterin Triglyceride Aldosteron LDL-Cholesterin VMS MCV Cholesterin chronische Effekte Triglyceride Cortisol GPT Östradiol Adrenalin Noradrenalin GOT +260 γ - GT

6 Drogen Amphetamine Morphine Heroin Cannabis p freie Fettsäuren p Amylase, Lipase, GOT, GPT, alkalische Phosphate, Blirubin, Gastrin,TSH, Prolaktin q Insulin, Noradrenalin p Cholesterin,T 4, Kalium p Natrium, Kalium, Harnstoff, Chlorid, Insulin q Kreatinin, Glukose, Harnsäure Vegetarische Ernährung Eine vegetarische Ernährung führt neben einer Abnahme des Vitamins B 2 u. a. auch zu einer Senkung der Kreatininwerte. Fasten Die Beeinträchtigung verschiedener Analyte ist abhängig von der Dauer der Nahrungskarenz, dem Ausgangsgewicht und Gesundheitszustand des Patienten. Lang andauernde Nahrungskarenz verursacht Veränderungen, wie sie postoperativ oder bei Patienten mit katabolem Stoffwechsel beobachtet werden. Körperliche Belastung Körperliche Aktivität führt durch die Verschiebung der Körperflüssigkeit vom intravasalen in den interstitiellen Raum zu einer Hämokonzentration mit Zunahme der Proteine, proteingebundenen Bestandteile und Blutzellen. Aus der Muskulatur werden Enzyme (CK, LDH, GOT) freigesetzt. Je schlechter der Trainingszustand des Patienten, desto höher steigt die CK bei körperlicher Belastung an. Parallel zur körperlichen Leistung steigen Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol, Aldosteron, Angiotensin, Renin, Glucagon und Testosteron an. Ernährung Ein leichtes fettarmes Frühstück hat auf die Konzentrationen vieler Messgrößen nur einen unwesentlichen Einfluss. Nahrungskarenz (2 h) erforderlich für die Bestimmung von: GPT Eisen alkalische Phosphatase Glukose Bilirubin Harnsäure Calcium Insulin Cholesterin (Gesamt-, HDL-, LDL-) Kalium Corticotropin-Stimulationstest Phosphat Cortisol Protein Dopamin Triglyceride Veränderung der Serumkonzentration nach 4-wöchiger Hungerperiode Messgrößen Abweichung [%] Kalium q 3 Calcium p 4 Chlorid q 3 Gesamteiweiß p 3 Albumin p Glukose q 6 Harnsäure p 20 Harnstoff q 20 Creatinin Cholesterin p 8 q 0 Triglyceride q 3 alkalische Phosphatase p GPT q 0 GOT p 40 γ-gt q 47 Hämoglobin q 3 Hämatokrit q 3 Spezielle Diäthinweise müssen bei verschiedenen Untersuchungen beachtet werden. Siehe einzelne Analyten im A-Z Teil. 2

7 Körpergewicht / Muskelmasse Einfluss des Körpergewichts und der Muskelmasse auf die Serumkonzentration Adipöse Frauen und Männer: Erhöhung von Harnsäure, Cholesterin, LDH, Insulin, postprandialer Glukose Verminderung von Phosphat Adipöse Männer: Erhöhung von GOT, Creatinin, Gesamtprotein Adipöse Frauen: Verminderung von Calcium Folgende Parameter sind in Konzentration oder Aktivität der Muskelmasse proportional: GOT, CK, Creatinin Körperlage Bei Verlaufskontrollen ist die Blutentnahme stets in der gleichen Körperlage durchzuführen. Unterschiede treten besonders bei Proteinen, Blutzellen und proteingebundenen Parametern auf. Ein Lagewechsel vom Liegen zum Stehen bewirkt eine Erhöhung des effektiven Filtrationsdrucks und damit eine Flüssigkeitsverschiebung vom Intravasalraum ins Interstitium (Hämokonzentration). Ein Wechsel vom Stehen zum Liegen führt folglich zur Hämodilution. Plasmakonzentration bei Änderung der Körperlage vom Liegen zum Sitzen Messgröße Anstieg [%] Messgröße Anstieg [%] Noradrenalin Renin Adrenalin Erythrozyten Aldosteron Hämatokrit HDL-Cholesterin Gesamteiweiß Cholesterin LDL-Cholesterin Triglyceride IgA Leukozyten IgG alkalische Phosphatase IgM GOT Gesamtcalcium Hämoglobin Bei Patienten mit Ödemen ist der Einfluss der Körperlage besonders ausgeprägt. Durch Änderung der Körperlage kann es zu einer kurzfristigen und ausgeprägten Stimulation bzw. Hemmung der Freisetzung von Katecholaminen, Aldosteron, Renin und natriuretischer Peptide (BNP) kommen. Daher: 0 bis min Ruhe vor der Blutentnahme! 3 Medikamente Bestimmung des Medikamentenspiegels Die Blutentnahme für die Bestimmung eines Medikamentenspiegels im Rahmen des therapeutischen Drug Monitorings sollte in der Regel im Talspiegel, also vor der nächsten oralen Einnahme oder intravenösen Gabe, durchgeführt werden. Die Blutentnahme darf nicht in der Zeit bis zur maximalen Serumkonzentration vorgenommen werden. Bei Medikamenten mit kurzer Halbwertszeit und engem therapeutischen Bereich kann es sinnvoll sein, die minimale und maximale Serumkonzentration zu messen. Bei Verdacht auf Überdosierung oder Intoxikation muss die Blutentnahme sofort erfolgen. Arzneimittel können in vielfältiger Weise Laborwerte direkt oder indirekt beeinflussen. Die wichtigsten Störungen sind im A-Z-Teil beim jeweiligen Analyten aufgeführt. Die Angabe der Medikation des Patienten auf dem Untersuchungsauftrag kann für den Laborarzt hilfreich sein und Fehlinterpretationen vermeiden. Medikamenteneinflüsse auf Analysenergebnisse direkte Arzneimittelinterferenzen mit dem analytischen Testverfahren (in vitro-störgrößen) durch immer präzisere Messverfahren von geringer Bedeutung häufig durch Analgetika, Antiepileptika, Antibiotika, Sexualhormone, Zytostatika und Antiarrhythmika anfällige Laboranalysen: Jaffé-Reaktion (Creatinin), Peroxidasereaktion (Glukose, Cholesterin, Harnsäure), Diazoreaktion (Bilirubin) physiologische Arzneimitteleffekte (in vivo-einflussgrößen) große Bedeutung, da verschiedene Messgrößen in vivo enscheidend beeinflusst werden können Beispiele: - Enzyminduktion: Anstieg von γ GT, alkalische Phosphatase, GPT, GOT unter Phenytoin und Phenobarbital - Enzymhemmung: Cholinesterase durch Cyclophosphamid, hormonelle Kontrazeptiva, Psychopharmaka, Carbamatester - Plasmaeiweißbindung: Hormonelle Kontrazeptiva erhöhen z. B. Gesamt-Thyroxin, Cortisol, Eisen, Kupfer - Komplexbildung: Hydroxyethylstärke erhöht die Amylase im Serum - Beeinflussung der tubulären Nierenfunktion: Cotrimoxazol verursacht Hyperkaliämie und Hyponatriämie 4

8 Einfluss von Arzneimitteln auf ausgewählte Analyten Messgröße Arzneimittel alkalische Phosphatase p Allopurinol, Carbamazepin, Cyclophosphamid, Cotrimoxazol, Erythromycin, Furosemid, Methotrexat, Methyldopa, Phenobarbital, Phenytoin, Primidon, Ranitidin, Rifampicin, Valproinsäure q Clofibrat, orale Kontrazeptiva α-amylase p Hydroxyethylstärke, Opiate Bilirubin p Acetylsalicylsäure, Carbamazepin, Captopril, Ciclosporin, Cotrimoxazol, Erythromycin, Heroin, orale Kontrazeptiva, Methyldopa, Paracetamol, Phenytoin, Ranitidin, Sulfasalazin q Clofibrat, Phenobarbital Blutsenkungsgeschwindigkeit p Dextran Calcium p Thiazide, Vitamin-D-Präparate, Lithium, Östrogen q Antiepileptika, Schleifendiuretika Chlorid q Diuretika (Furosemid,Thiazide) Cholesterin p Hydrochlorothiazid, orale Kontrazeptiva, Ascorbinsäure, Furosemid, Phenytoin q Cholestyramin, Clofibrat, Cortison, Gentamicin, Kanamycin, Levodopa, Neomycin, Streptomycin Creatinkinase p Lithium, Clofibrat, Digoxin Coeruloplasmin p androgene orale Kontrazeptiva Eisen p orale Kontrazeptiva (Östrogen-Gestagen-Therapie), Corticoide γ-gt p Cyclophosphamid, orale Kontrazeptiva, Östrogene, Carbaminsäurederivate, Phenobarbital, Phenothiazine, Phenytoin, anabole Steroide, Streptokinase,Testosteron q Clofibrat, Methyldopa Glukose p Glucocorticoide q anabole Steroide (nur Diabetiker) GOT und GPT p Acetylsalicylsäure, Amiodaron, Carbaminsäurederivate, Cyclophosphamid, orale Kontrazeptiva, Östrogene, Phenothiazin, Phenytoin, anabole Steroide, Streptokinase, Testosteron, Valproinsäure Hämoglobin p Carbamazepin, Furosemid q Acetylsalicylsäure, Chinin, Chloramphenicol, Erythromycin, Methyldopa, Phenobarbital Harnsäure p Ciclosporin, Zytostatika, Diethylstilbestrol, Ethacrynsäure, Furosemid, Hydrochlorothiazid,Triamteren q Acetylsalicylsäure, Allopurinol, Clofibrat, Östrogene, Urikosurika, Levodopa Harnstoff p Clofibrat, Gentamicin, Neomycin, Kanamycin, Streptomycin Messgröße Arzneimittel Kalium p ACE-Hemmer, Cotrimoxazol, Kalium sparende Diuretika (Spironolacton, Amilorid,Triamteren), Propanolol, Cortison, anabole Steroide q Carbamazepin, Diuretika (Furosemid, Bumetanid,Thiazide), Ethacrynsäure, Laxantien, Insulin Kreatinin p Acetylsalicylsäure, Cimetidin, Cotrimoxazol, Ciclosporin, Gentamicin, Kanamycin, Neomycin, Streptomycin, Clofibrat, Methyldopa q Phenobarbital Leukozyten p Erythromycin, orale Kontrazeptiva q u.a. einige Antidepressiva, Antikonvulsiva, Aminophenazon, Aminopyrin, beta-lactam Antibiotika, Captopril, Zytostatika, Goldpräparate, H2-Blocker, Phenothiazine, Phenylbutazon, Propanolol,Thyreostatika Natrium p Anabole Steroide, Androgene, Cortison, Lithiumsalze q Antibiotika, Carbamazepin, Ethacrynsäure, Furosemid,Thiazide partielle Thromboplastinzeit p Acetylsalicylsäure, Heparin Phosphat p Propanolol q Antiepileptika, Cimetidin Retikulozyten p Methyldopa, Penicillin, Phenacetin q Chloramphenicol Thromboplastinzeit (Quick [%]) p Penicillin, Laxantien, Barbiturate, Carbamazepin, Cortison, Östrogene, orale Kontrazeptiva, Vitamin K Quick steigt, INR sinkt q Acetylsalicylsäure, Heparin, Alopurinol, Amiodaron, Anabolika, Antibiotika, Antirheumatika, Antidiabetika, orale Schilddrüsenhormone Thrombozyten p Prednisolon q Aminophenazon, Antibiotika, Carbamazepin, Chinin, Heparin, Zytostatika, Phenylbutazon, Methyldopa, Valproinsäure Thyroxin (T4) p Clofibrat, Heparin, jodhaltige Medikamente, orale Kontrazeptiva, Lithiumsalze, Östrogene,Thyroxin q Acetylsalicylsäure, Anabolika, Androgene, Carbamazepiin, Glukokortikoide, Phenytoin Thyroxinbindendes Globulin p Jodhaltige Medikamente, orale Kontrazeptiva, Lithiumsalze, (TBG) Östrogen,Thyroxin Transferrin p Orale Kontrazeptiva (Östrogen-Gestagen-Therapie) Triglyceride p Orale Kontrazeptiva, Östrogene q Ascorbinsäure, Cholestyramin, Cortison, Gentamycin, Kanamycin, Levodopa, Neomycin, Streptomycin Trijodthyronin (T3) p Jodhaltige Medikamente, orale Kontrazeptiva, Lithiumsalze, Östrogene,Thyroxin Quelle: Walser, M., Grundlagen der Präanalytik- Praxisbezogene Tipps und Hinweise, Becton Dickinson and Company,

9 Schwangerschaft Während der Schwangerschaft können sich Laborparameter ändern durch:. hormonelle Veränderungen 2. Zunahme der glomerulären Filtrationsrate (um 0 %) 3. Zunahme des mittleren Plasmavolumens (von ca. 2,6 L auf 3,9 L Hämodilution) Die Blutsenkungsgeschwindigkeit steigt im Verlauf der Schwangerschaft um das -fache an. Durch die herabgesetzte Nierenschwelle kann es zu einer leichten Glukosurie kommen. Die Transportproteine und Akute-Phase-Proteine steigen ab der 8. SSW an. In der Schwangerschaft besteht ein kontinuierlicher Zustand der Hyperkoagulabilität. Innerhalb der ersten vier Wochen nach Entbindung normalisieren sich die Werte. Veränderungen einiger Analyten in der Schwangerschaft Parameter.Trimenon 2.Trimenon 3.Trimenon Calcium q q q Magnesium q q q q Bicarbonat q q q q q q Creatinin q q q q q q Harnstoff q q q q q q q Bilirubin q q q q q q q q q Glukose (nüchtern) q q q q q q Glukose (postprandial) p p p Gesamtprotein q q q q q Albumin q q q q q IgG q q q q q q q q alkalische Phosphatase q p p p p p Amylase p p p p Cholesterin p p p Triglyceride p p p p p p p p p p p Transferrin p p p p p p p p Ferritin q q q q q q q q q Hämoglobin / Hämatokrit q q / q q q / q q Erythrozyten q q / q q q / q q Leukozyten p p p p p p p p p / q 2-0 % p p p / q q q 3-00 % p p / q q - 30 % p p p p / q q q q > 00 % Tageszeit / Tagesrhythmik / Abnahmezeitpunkt Viele Hormone und andere Analyten unterliegen einer ausgeprägten Tagesrhythmik, deshalb sollte die Blutentnahme in der Regel morgens zwischen 7 und 9 Uhr durchgeführt werden. Unter UV-Licht-Mangel werden sowohl verminderte,2-di-oh-vitamin D als auch verminderte 2-OH-Vitamin D-Konzentrationen gemessen. Tagesrhythmus ausgewählter Analyten Analyt Schwankung [%] Analyt Schwankung [%] Maximum morgens Adrenalin 0 Maximum mittags Adrenalin (im Urin) 60 Adrenocortikotropin (ACTH) 200 Eisen 00 Aldosteron 80 Eosinophile (im Blut) 30 Androstendion 60 Kalium (im Blut) Bikarbonat 0 Noradrenalin (im Urin) 00 Bilirubin 20 Vanillinmandelsäure (im Urin) 0 Calcium (im Serum) 0 Maximum abends Calcium (im Urin) 80 Somatotropin (STH, GH, hgh) 400 Cortisol (200) 0 Creatinin 00 Creatinin-Clearance Myoglobin 70 Eiweiß 20 Harnstoff 0 Hämatokrit 20 TSH 0 Hämoglobin 20 saure Phosphatase 20 Kalium (im Urin) 80 Phosphat (im Blut) 0 Leukozyten (im Blut) 20 Maximum variabel Natrium (im Urin) 80 Eisen 00 Noradrenalin 20 Phosphat (im Urin) 80 Prolaktin 00 Renin 40 Testosteron 0 Thyroxin 20 Saisonale Schwankungen Sommer: T3 bis zu 20 % niedriger Winter: T4 signifikant höher als im Sommer 2-OH-Vitamin D niedriger als im Sommer 7 8

10 Störgrößen Hämolyse Bei der Hämolyse kommt es zur Freisetzung intrazellulärer Bestandteile aus den Blutzellen (Erythrozyten, Thrombozyten, Leukozyten) ins Plasma. Mit ca. 3% aller Laborproben stellt die Hämolyse den häufigsten Störfaktor dar. Eine Hämolyse ist visuell an der rötlichen Verfärbung des Plasmas oder Serums ab einer Konzentration von mg/l freien Hämoglobins erkennbar. Geringere Hämolysen bleiben häufig unerkannt. Die Ursachen der Hämolyse sind meist präanalytische Fehler und können größten Teils vermieden werden. Die in vitro-hämolyse entsteht durch fehlerhafte Blutentnahme (starke Aspiration, zu dünne Nadel, partielle Obstruktion von Kathetern) oder unsachgerechte Probenbehandlung (Schütteln, zu starkes Abkühlen oder Erwärmen, zu lange Aufbewahrungszeiten, unvollständige Zentrifugation, Zentrifugation teils geronnener Proben). Sie führt zu falsch pathologischer Erhöhung von Analyten, die in besonders hoher Konzentration in den Erythrozyten vorliegen (z. B. Kalium, Phosphat, LDH, GOT, freies Hämoglobin, Eisen, Zink). Die in vivo-hämolyse entsteht beim Transfusionszwischenfall, durch Pharmaka, toxische Substanzen, bei Malaria, Hämoglobinopathien oder erythrozytären Enzymdefekten. Laborchemisch ist meist eine Abgrenzung zur in vitro-hämolyse möglich: Abfall von Haptoglobin bis unterhalb der Nachweisgrenze Anstieg des indirekten Bilirubins Anstieg des Retikulozyten-Indexes Hämolyse als Störfaktor Veränderung bestimmter Messwerte aufgrund des Konzentrationsgradienten zwischen Erythrozyten und Plasma Beeinflussung bestimmter chemischer Reaktionen durch aus Blutzellen freigesetzte Substanzen z. B. Bilirubinbestimmung (durch Peroxidaseaktivität des Hämoglobins) und Creatinkinase (durch freigesetzte Adenylatkinase) Optische Interferenz: im Bereich zwischen nm kommt es zu einer Extinktionserhöhung aufgrund der hohen Eigenextinktion des Hämoglobins Lipämie Lipämische Serum- oder Plasmaproben weisen eine sichtbare milchige Trübung bei einer Triglyzeridkonzentration über 300 mg/dl (3,4 mmol/l) auf, die durch Chylomikronen nach Aufnahme fettreicher Kost hervorgerufen wird. Lipämie ist meist auf präanalytische Fehler zurückzuführen und kann größten Teils vermieden werden. Häufig ist der Patient nicht nüchtern zur Blutabnahme erschienen, oder die parenterale Gabe einer Fettemulsion ist der Blutabnahme vorausgegangen. Seltener liegt eine Fettstoffwechselstörung vor. Lipide können Wasser aus den oberen Schichten einer Probe verdrängen; dies führt zu scheinbar niedrigeren Konzentrationen wasserlöslicher Komponenten z.b. Pseudohyponatriämie. Lipämische Proben beeinflussen insbesondere photometrische Messmethoden. Praktisches Vorgehen zur Vermeidung lipämischer Proben Einhaltung der 2-stündigen Nahrungskarenz vor der Blutentnahme Einhaltung eines mindestens 8-stündigen Abstands der Blutentnahme zur parenteralen Gabe von Fettemulsionen Krankheitsbedingte Hyperbilirubinämie Ikterische Seren zeigen eine intensive gelb/grüne Eigenfarbe des Serums durch das beim Ikterus vermehrt auftretende Bilirubin. Es gilt als Störfaktor für die Bestimmung u. a. von Cholesterin, Kreatinin und Harnsäure. 9 20

11 Einfluss auf das Messergebnis Analyt Hämolyse Lipämie Bilirubinämie Albumin, immunologisch alkalische Phosphatase o Ammoniak Bilirubin CDT Chlorid Cholesterin o o o Cortisol Creatinin o Eisen Eiweiß, gesamt o o Ferritin o Fibrinogen o Folsäure Glutamatdehydrogenase GOT GPT Haptoglobin Harnsäure Harnstoff Homocystein Insulin o Kalium Kupfer Laktatdehydrogenase Lipase o Magnesium Phosphat Progesteron o o PTT saure Phosphatase Somatotropin o Thromboplastinzeit o Thyreotropin Thyroxin Triglyceride Trijodthyronin Zink stört o kann stören Vorbehandlung: Gewinnung von Serum und Plasma aus Vollblut Serum Blutentnahme: Röhrchen mit gerinnungsfördernden Zusätzen (Kügelchen,...) Probe gut durchmischen: fünfmal um 80 kippen Zentrifugation: nach abgeschlossener Gerinnung (20-30 min) 0 min bei 2000 x g anschließend Trennung von zellulären Bestandteilen, wenn Röhrchen ohne Trenngel verwendet werden - Überstand ohne Gerinnungsfaktoren (außer Kalzium) Plasma Blutentnahme: Röhrchen mit gerinnungshemmenden Zusätzen (EDTA, Citrat, NaF, Na-, NH 4-, Li-Heparin,...) Probe gut durchmischen: fünfmal um 80 kippen Zentrifugation: sofort möglich; min bei 2000 x g anschließend Trennung von zellulären Bestandteilen - Überstand enthält Fibrinogen und andere Gerinnungsfaktoren Bei Plasma-Gewinnung aus Original EDTA-Röhrchen immer das benötigte Volumen aus dem EDTA-Röhrchen in separates Gefäß überführen und erst dann zentrifugieren, da sonst das Mischungsverhältnis in dem Ursprungsröhrchen nicht mehr gegeben ist und falsche Werte produziert werden. Lagerung und Versand Der Probentransport d. h. auch die Bereitstellung der Proben muss so erfolgen, dass die Analysenergebnisse nach dem Transport die gleichen sind, wie unmittelbar nach der Probengewinnung. Nutzen Sie möglichst den LADR-Labor- Kurierdienst. Die Fahrzeuge sind mit den erforderlichen Transportbehältern ausgestattet, um einen fachgerechten Transport zu gewährleisten. Wenn ein Postversand unvermeidlich ist, dann bitte nur Serum oder Plasma versenden, um eine Hämolyse zu vermeiden. 2 22

12 Vollblut Richtgrößen zur Stabilität Vollblut sollte nach dem Ausgerinnen, d. h. nach min, für die Bestimmung von Kalium, Glukose oder Phosphat zentrifugiert werden. Da ansonsten in vitro- Stoffwechselvorgänge wie z.b. Glykolyse stattfinden. Die Lagerung einer Vollblutprobe über 48h bei 23 C führt zu einem Abfall der Glukosekonzentration um 4 % und zu einem Anstieg des Phosphats um 90 %. Auch Kalium kann sich erheblich im Plasma/Serum anreichern, daher sollte das Plasma/Serum nach min von den Zellen abgetrennt werden. Durch Zusatz von Inhibitoren kann die Glykolyse unterbunden werden, so dass Glukose-, Laktatkonzentrationen und ph-wert der Probe länger stabil bleiben. Siehe Seite 467 Unzentrifugiertes Vollblut nicht im Kühlschrank aufbewahren. Aufgrund der Temperaturabhängigkeit der Na-/K-ATPase kommt es bei Temperaturen kleiner 4 C und größer 30 C zu einer Freisetzung von Kalium aus den Zellen. EDTA-Blut für die Hämatologie EDTA-Blut für das kleine Blutbild ist bei Raumtemperatur 24 h stabil Die Differenzierung mit einem Hämatologieautomaten erfordert Proben, die nicht älter als 8 h sind und bei Raumtemperatur gelagert wurden. Serum und Plasma Allgemeine Lagerungs- und Versandbedingungen Kühlung: Serum/Plasma muss unmittelbar nach der Zentrifugation gekühlt werden (4-8 C) Einfrieren: Material darf nur einmal eingefroren werden, die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden Lichtschutz: Lichteinwirkung kann u.a. zu einem Abfall von Bilirubin, Porphyrinen, Folsäure, Vitamin A, E, C, K, B, B 2 und B 6 führen Stabilität Ausnahmen Enzyme gekühlt bis zu Tage ohne LDH (Aktivität nimmt aufgrund der Kältelabilität von LDH3 und LDH4 ab) Abweichung von saure Phosphatase mehr als 0% (ist nur angesäuert stabil) Substrate gekühlt bis zu 6 Tage ohne wesentliche Triglyceride, von denen endogene Lipasen Glycerin abspalten Veränderungen Plasmaproteine, Immunglobuline und spezifische Antikörper gekühlt bis zu einer Woche Gerinnungsuntersuchungen Hormone und Tumormarker Röhrchen mit Trenngel bei Raumtemperatur über 3 Tage NSE muss gekühlt eingesandt werden wenn die Analytik für die Bestimmung von Peptidhormonen (insbesondere: ACTH, Renin, vasoaktives intestinales Peptid, Proinsulin und Calcitonin) nicht taggleich erfolgen kann, muss das Material gefroren eingesandt werden Trenngele bilden nach der Zentrifugation zwischen Serum bzw. Plasma und den Blutzellen eine stabile Trennschicht, die folgende Vorteile bietet: längere Haltbarkeit bei 4-8 C ohne störenden Einfluss durch die Zellen (wie z. B. Glukoseabbau oder Kaliumfreisetzung) höhere Materialausbeute in verbesserter Qualität verminderte Verwechslungs- und Infektionsgefahr bei korrekter Durchführung keine Nachgerinnung Serum erst nach Abseren einfrieren! Beim Einsatz von Trenngelen für klinisch-chemische Bestimmungen gelangen selbst nach Tagen keine Zellinhaltstoffe in das Serum

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