Das Filmerbe stärken, die Kulturschätze für die Nachwelt bewahren und im digitalen Zeitalter zugänglich machen

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1 Deutscher Bundestag Drucksache 17/ Wahlperiode Antrag der Abgeordneten Wolfgang Börnsen (Bönstrup), Johannes Selle, Dorothee Bär, Dr. Reinhard Brandl, Gitta Connemann, Michael Frieser, Reinhard Grindel, Michael Grosse-Brömer, Monika Grütters, Ansgar Heveling, Michael Kretschmer, Dr. Günter Krings, Maria Michalk, Stefan Müller (Erlangen), Beatrix Philipp, Christoph Poland, Erika Steinbach, Thomas Strobl (Heilbronn), Marco Wanderwitz, Dagmar G. Wöhrl, Volker Kauder, Gerda Hasselfeldt und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Dr. Claudia Winterstein, Burkhardt Müller-Sönksen, Reiner Deutschmann, Sebastian Blumenthal, Patrick Kurth (Kyffhäuser), Helga Daub, Lars Lindemann, Jimmy Schulz, Rainer Brüderle und der Fraktion der FDP Das Filmerbe stärken, die Kulturschätze für die Nachwelt bewahren und im digitalen Zeitalter zugänglich machen Der Bundestag wolle beschließen: I. Der Deutsche Bundestag stellt fest: SeitdemEndedes19.JahrhundertshatdieFilmgeschichteeinumfangreiches Werkgeschaffen,daseinSpiegelbildderzeitgeschichtlichenästhetischen, sozialensowieökonomischenentwicklungendarstellt.dieerhaltungdes nationalenfilmerbesistdahereineaufgabevongesamtgesellschaftlichem Interesse.DeutschlandreagiertdaraufmitderöffentlichenFinanzierungderim KinematheksverbundzusammengeschlossenenHauptmitglieder Bundesarchiv/ Filmarchiv,StiftungDeutscheKinemathekundDeutschesFilminstitut DIFe.V. DurchdiefortschreitendeDigitalisierungverändertsichdieMedienlandschaft ineinerartundweise,dieauchdieerhaltungdesfilmerbesvorneueherausforderungenstellt.zielesinddiedauerhaftesicherungundöffentlichezugänglichmachung des Filmerbes. DiebisherigenMaßnahmenzueinerumfassendenSicherungdesfilmischenErbesDeutschlandsreichenangesichtsdersichrasantveränderndenSituation nichtmehraus.mitderimjahr2004eingeführtenpflichthinterlegungfür öffentlichgefördertekinofilmewurdeeinebasisgeschaffen,umdieerhaltung desfilmerbeszuverbessern.nachgeschätztenangabendesbeauftragtender BundesregierungfürKulturundMedien (BKM)ausdemJahr2009betrifftdie Pflichthinterlegungbisher80bis90ProzentderjährlichinDeutschlandproduziertenKinofilme.DieErfahrungausderbisherigenHinterlegungspraxishat allerdingsgezeigt,dassdurchdieunterschiedlichenabgabepraxenderländerförderer,voneinanderabweichendetechnischeprüfungsvorgängesowieeine unterschiedlichestatistischeerfassungderbelegkopieneinestärkerevereinheitlichungdersicherungs-underfassungsmethodenerfolgensollte.imderzeitigen,dezentralenverfahrenwirdeineungeklärteanzahldeutscherfilme, die für eine Archivierung in Frage kommen, nicht berücksichtigt.

2 Drucksache 17/ Deutscher Bundestag 17. Wahlperiode WirbegrüßeneineimBundesarchivgesetzzuverankerndePflichtregistrierung. DieseschafftdieVoraussetzungfüreinespätereEntscheidungübereinemöglicheallgemeinePflichthinterlegung.MitihrerEinführungsollenProduzenten künftigverpflichtetwerden,angabenzuihrenaktuellenfilmenandasbundesarchivzuübermitteln.invorbereitungdaraufhatderdeutschebundestagdem Bundesarchiv/Filmarchiv350000EurofürdasHaushaltsjahr2012für Maßnahmen zum Erhalt des Filmerbes bewilligt. DurchdieEinführungeinerPflichtregistrierungwürdenalleneuproduzierten deutschenkinofilmeerfasst.momentangeltenzahlreichefilmwerkealsfür immerverlorenundeinigefilmepochenweisennachauskunftderarchive deutlichebestandslückenauf.diepflichtregistrierungistdahereininstrument, um solche Bestandslücken im Filmerbe in der Zukunft zu verhindern. PerspektivischsollteimAnschlussdieEinführungeinerallgemeinenPflichthinterlegungallerdeutschenFilmegeprüftwerden.Dafürdiesebishernur SchätzungenüberdieAnzahlderinDeutschlandproduziertenFilmevorliegen, könntediezunächsteinzuführendepflichtregistrierungauskunftüberdasjährlicheproduktionsvolumengeben,umeineverlässlicheberechnungderkosten einerspäterggf.einzuführendenallgemeinenpflichthinterlegungallerdeutschen Filme zu ermöglichen. AllerdingsgarantiertdiePflichthinterlegungeinerFilmkopienichtpersedie dauerhaftesicherungeinesfilmwerkes.vielmehrbedarfesfürdiearchivalischesicherungeinesfilmwerkesidealerweisedeszugriffesaufausgangsmaterial (z.b.dasoriginalnegativ).aufeinerfreiwilligengrundlagewäreüber diepflichthinterlegunghinauseinehinterlegungvonunbenutztemausgangsmaterial wünschenswert. DerzeitliegensowohlbeimDeutschenFilminstitutalsauchbeiderStiftung DeutscheKinemathek,demBundesarchiv/Filmarchivsowieeinigenweiteren EinrichtungenKopienundMaterialienvonFilmwerkenvor.ZurSicherungdes FilmerbeswäreeinzentralesVerzeichnisvonVorteil,dasüberdenjeweiligen Standort,dasFormatunddenphysischenZustandeinesneuenoderälteren deutschen Films Auskunft gibt. DieimKinematheksverbundzusammengeschlossenenEinrichtungenstreben fürdieseaufgabezunächsteinebishernochnichtexistierendebestandsaufnahmenochvorhandenerdeutscherfilmean.seit2005istüberdiezentraleinternetplattformwww.filmportal.dedesdeutschenfilminstitutsdiedeutsche Filmografieonlineverfügbar,d.h.diesystematischerfasstenDatenallerdeutschenKinoproduktionenvon1895bisheute.DiedurchdasFilmportalfortlaufendergänzteundrecherchierbaredeutscheFilmografiestelltdiedatentechnischeBasisdar,umzukünftig nebendenfilmwissenschaftlichendaten auch diedezentraldurchdiejeweiligenarchivezuerfassendenangabenzudentatsächlichnochvorhandenenbeständenzentralvorzuhalten.mitdemjüngsterfolgtenausbaudertechnischeninfrastrukturvonfilmportal.de,derdurchdie InitiativeKultur-undKreativwirtschaftderBundesregierunggefördertwurde, istderkollaborativeaufbaueineszentralenbestandsverzeichnissesnuntechnisch grundsätzlich möglich. DerZustanddergelagertenFilmmaterialienoffenbartnichtnurbeidenStummfilmenausderFrühzeitdesFilmschaffensHandlungsbedarf;dieseristzumTeil auchschonbeidokumentar-undexperimentalfilmender60er-bis90er-jahre undauchbeidenfarbfilmenzwischen1939undden90er-jahrenfeststellbar. ZahlreicheFilmwerkederVergangenheitgelten trotzsämtlicherbemühungen zumerhaltdesfilmerbes bereitsalsverloren.diesembereichwidmetsich insbesonderediedeutschekinemathekmitderwebsitewww.lost-films.eu. HierwerdeninZusammenarbeitmitmehrereneuropäischenArchivenalsverlorengeltendeFilmedurchdieindenArchivenüberliefertenfilmbegleitenden

3 Deutscher Bundestag 17. Wahlperiode 3 Drucksache 17/11006 Materialien z.b.drehbücher,fotos,architekturskizzenoderrezensionen dokumentiert.mitdiesendokumentenkönnenverschollenefilmewiederin dasbewusstseinderforschungundderinteressiertenöffentlichkeitgebracht werden. DieSicherungdesFilmerbeskannnurinengerZusammenarbeitmitderFilmwirtschaftgelingen.DabeisolltendieInteressenderFilmwirtschaftangemessenberücksichtigtwerden.Programmewie ImagesfortheFuture inden NiederlandenkönntenVorbildeinerbeispielgebendenZusammenarbeitzwischenFilmarchivenundFilmwirtschaftsein.ZudemhobenmehrereSachverständigebeimExpertengesprächimAusschussfürKulturundMediendes DeutschenBundestagesam9.November2011hervor,dassein Paradigmenwechsel notwendigsei.beiderfilmförderungmusszukünftigderspätereerhalt des zu fördernden Films von Anbeginn an mit bedacht werden. DieimFilmbereichtätigenArchive,Museen,StiftungenundsonstigenEinrichtungen,insbesonderedieStiftungDeutscheKinemathekunddasDeutsche Filminstitut,stehenbeiderZugänglichmachungdesFilmerbesvorneuenHerausforderungen.AnalogeKopienkönneninmitdigitalerProjektionausgestattetenKinosnichtmehrfürdasöffentlicheAbspielgenutztwerden.DieDigitalisierungderKinosschreitetauchdurchdieDigitalisierungsförderungvon FilmtheaterndurchdenBKM,dieFilmförderungsanstalt (FFA)unddieLänder erfreulichraschvoran.hierdurchsindjedochimmerwenigerkinosinder Lage,analogeMaterialienwiedie35-mm-Kinokopieabzuspielen.Langfristig wirdalsonurdasdigitalisiertefilmerbefüreinbreitespublikumzugänglich sein.wirbegrüßendaher,dassdiebundesregierungindenreferentenentwurf zursechstennovellierungdesfilmförderungsgesetzes (FFG)alsneueAufgabe derffaaufgenommenhat, MaßnahmenzurFörderungderDigitalisierung undderzugänglichmachungdesdeutschenfilmerbesdurchzuführen ( 2Absatz 1 Nummer 3). DarüberhinausveränderndiedigitalenTechnologiengrundlegenddieArtund Weise,wiedasFilmerbelangfristiggesammelt,wiederhergestelltunderhalten werdenkann.dazunotwendigedigitalespeichermedienmacheneineturnusmäßigemigrationderdatenaufneueträgererforderlich,umeinesicherung zugewährleisten.zwarwerdenindennächstenjahrenüberwiegendnurnoch digitalefilmkopienerstelltwerden,sodassdiedigitalisierungskostenfürneue Filmenichtmehrbzw.nurnochingeringerHöheanfallenwerden.DieFrage derdigitalenlangzeitarchivierungundderfinanzierungderzusätzlichenkostenpositionenfürdiemigrationundspeicherungderdigitalenbeständemuss jedochvordemhintergrundderdigitalisierungsoffensivelangfristiggelöst werden. ÄhnlichwiebeiderBestandsaufnahmederbereitsproduziertenFilmebrauchenwirauchbeiderDigitalisierungeinenÜberblicküberbereitsdigitalisierte Filme,umDoppelkostenzuvermeiden.DasichinDeutschlanddieGesamtheit allerfilmeüberzahlreichearchiveverteilt,kannhierderangestrebtebestandskatalogdeutscherfilme erweitertumangabenvonverleihern,produzentenundauswertern diegrundlagefürdiestatistischeerfassungsein.nebeneinerbestandsaufnahmedererhaltenenfilmemussaucheineverständigungdarübererfolgen,welchefilmefürdiegegebenheitendesdigitalenzeitalters aufbereitet werden müssen. WirbraucheneineDigitalisierungsstrategiedesFilmerbes,dasonstmittelfristig erheblicheteiledesdeutschenfilmerbesnichtmehrfüröffentlichekinovorführungenoderandereverbreitungswegebereitgestelltwerdenkönnenund somitfürzukünftigegenerationennichtmehrzugänglichsind.mitblickauf dieanzustrebende,retrospektivedigitalisierunghistorischrelevanterteiledes Filmerbesistzuprüfen,welcheFinanzierungs-undKooperationsmodelleeine möglichstbreitezugänglichmachungermöglichen.imbereichöffentlich

4 Drucksache 17/ Deutscher Bundestag 17. Wahlperiode finanzierterbzw.kofinanzierterdigitalisierungensindzudeminsbesonderedie FilmerbeinstitutionendesdeutschenKinematheksverbunds,dieseitJahrzehntenfürdenErhaltunddieVermittlungdesFilmerbesarbeiten,indieÜberlegungenmiteinzubeziehen.EinKriteriumsolltedabeidiemöglicheZugänglichmachungmittelsöffentlicherdigitalerPlattformensein.Dazuzählenneben filmportal.deauchdienationalenbzw.europäischenspartenübergreifenden NetzinitiativenDeutscheDigitaleBibliothekundEuropeana.NebenderZugänglichmachunggemeinfreierWerkesindhierauchKooperationenzwischen RechteinhabernundöffentlichenInstitutionenzubefördern,etwaimRahmen vonpublicprivatepartnerships,umgangbarewegefüreinemöglichstumfassendeöffentlicheverfügbarkeitdesdeutschenfilmerbeszuentwickelnundzu implementieren. II. Der Deutsche Bundestag begrüßt, 1.dassdieBundesregierungdieEinführungderPflichtregistrierungimBundesarchivgesetz zügig umsetzen wird; 2.dassdasonlinezugänglicheFilmportal (www.filmportal.de)mitunterstützung der Bundesregierung fortgeführt und ausgebaut wird; 3.dassdieDeutscheKinemathekdieInitiativeergriffenhat,verschollenedeutscheFilmedurchfilmbegleitendeMaterialienaufeinerWebsitezudokumentieren; 4.dassdieFilmförderungsanstaltalsRepräsentantinderFilmbrancheseit Oktober2012dieDigitalisierungdesFilmerbesfördertunddafürinihrem Haushalt 1 Mio. Euro bereitgestellt hat; 5.dassdieBundesregierungdieFriedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftungunddie DEFA-Stiftung bei der Digitalisierung von Filmerbeklassikern unterstützt. III. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel 1.eineKostenschätzungeinerallgemeinenPflichthinterlegungallerdeutschen FilmeaufBasisderPflichtregistrierung (jährlicheproduktionsvolumen) durchzuführen; 2.diePrüfungkostengünstigerundtransparenterHinterlegungsmodellevoranzutreiben; 3.unterFederführungdesKinematheksverbundseinenkollaborativenBestandskatalogaufzubauen,derklärt,anwelchemOrtinDeutschlandFilmkopieneinesWerkesinwelchemFormatvorliegenundvoralleminwelchem Zustand diese dort archiviert sind; 4.einKonzeptzurDigitalisierungdesFilmerbeszuerarbeitenundaufdieser Basis eine Kostenschätzung vorzunehmen; 5.zuprüfen,inwieweitimHaushaltdesBKMFinanzmittelfürdenAufbau einesbestandskatalogsdeutscherfilme,fürdiedigitalisierungdesfilmerbessowiefürdessenöffentlichezugänglichmachungbereitgestelltwerden können; 6.dieAuswahldeszudigitalisierendenundrestaurierendenMaterials,die FestlegungvonPrioritätenunddieBestimmungdesUmfangsderMetadaten,diezurLangzeitarchivierungsinnvollerweiseaufzunehmensind,vorzubereiten; 7.zuprüfen,obweitereAnreizmöglichkeitenindasFFGaufgenommenwerdenkönnen.IndieFilmförderungsolltedieDigitalisierungdesdeutschen

5 Deutscher Bundestag 17. Wahlperiode 5 Drucksache 17/11006 Filmerbeseingeschlossenwerden,diesunterBeteiligungderPrivatwirtschaft; 8.zuprüfen,welcheErfahrungenbeiderDigitalisierungvonFilmerbe,dieandere Länder gemacht haben, in Deutschland berücksichtigt werden sollten; 9.imRahmenderForschungsförderungzuklären,mitwelchemtechnischen StandardaufinternationalerEbenedieLangzeitarchivierungbegonnenwerden kann. Berlin, den 16. Oktober 2012 Volker Kauder, Gerda Hasselfeldt und Fraktion Rainer Brüderle und Fraktion

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8 Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83 91, Berlin, Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbh, Postfach , Köln, Telefon (02 21) , Fax (02 21) , ISSN

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