Informationsveranstaltung der Agentur für Arbeit München. 13. Mai Hartmut Drexel

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1 Informationsveranstaltung der Agentur für Arbeit München 13. Mai 2016 Hartmut Drexel

2 Inhalt Die Handwerkskammer für München und Oberbayern stellt sich vor Dienstleister für Handwerksbetriebe Sozialversicherungen was bedeutet der Schritt in die Selbständigkeit? Ein Überblick: Pflichtmitgliedschaften, Wahlrechte, Beitragshöhe Wie hoch muss eigentlich mein Umsatz sein? Ist dieser Mindestumsatz auch erreichbar? Kosten der Lebenshaltung, Steuern, Sozialversicherungen, Betriebsausgaben 2

3 Ihre Ansprechpartner in München Betriebswirtschaft Peter Badmann Eva Maria Beck Michael Hadersdorfer Michaela Stoiber Gründeragentur Manfred Goß Klaus Niedermeier Nils Schubert 3

4 Das Handwerk in München und Oberbayern Vielfalt in Zahlen (per ) Kennzahl Wert Veränderung gegenüber Vorjahr Betriebe im zulassungspflichtigen Handwerk ,1 % Betriebe im zulassungsfreien Handwerk ,7 % Betriebe im handwerksähnlichen Gewerbe ,6 % Betriebszugänge ,3 % Auszubildende ( ) ,5 % Neu abgeschlossene Lehrverträge (2014) ,7 % Gesellen- und Abschlussprüfungen (2014) ,1 % Bestandene Meisterprüfungen (2014) ,1 % Anteil wirtschaftlich aktiver Betriebe fünf Jahre nach Gründung in Meisterbetrieben 68 % in Betrieben der Anlage B der HwO 39 % 4

5 Ihre Handwerkskammer Handwerksförderung (wirtschaftliche Förderung des Handwerks auf allen Gebieten) Interessenvertretung des gesamten Handwerks Selbstverwaltung (Gesetzesvollzug und Erfüllung von Selbstverwaltungsaufgaben des Handwerks) Gründung Sicherung Nachfolge Unser Angebot an Existenzgründer: Rechtliche und persönliche Voraussetzungen Businessplan (Umsatz- und Rentabilitätsvorschau, Liquiditätsplanung, Finanzierung Betriebsvergleiche Sozialversicherung Kalkulation Anmeldungen 5

6 Welcher Art von Gewerbe ist Handwerk? Anlage A HwO zulassungspflichtig z. B. Maurer und Betonbauer, Maler und Lackierer Meisterpflicht (bzw. gleichwertige Qualifikation) Anlage B I / II HwO zulassungsfrei / handwerksähnlich z. B. Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Gold- und Silberschmied, Raumausstatter Für die gewerbliche Ausübung aller Handwerke der Anlage A und B muss neben der Gewerbeanmeldung auch die Eintragung bei der Handwerkskammer erfolgt sein! Gerne beraten wir Sie. Ihr Gewerbe können Sie direkt in unserer Gründeragentur anmelden. 6

7 Altersvorsorge für Selbständige gesetzlich Deutsche Rentenversicherung Berufsständische Einrichtungen & Landwirtschaftliche Alterskassen privat Banken (Sparpläne, Wertpapiere), Versicherungen, Immobilien Pflicht Antragspflichtversicherung freiwillige Versicherung Aufgrund der Komplexität des Themas und der Tragweite Ihrer Entscheidung empfehlen wir Ihnen eine Beratung durch den Rentenversicherungsträger oder Ihre Handwerkskammer. 7

8 Altersvorsorge für Selbständige Es besteht Versicherungspflicht für bestimmte Berufsgruppen (vgl. Befreiungsmöglichkeiten wie etwa Geringfügigkeit): 2 SGB VI Selbständig Tätige Versicherungspflichtig sind selbständig tätige 1. Lehrer und Erzieher, die im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen, 2. Pflegepersonen, die in der Kranken-, Wochen-, Säuglings- oder Kinderpflege tätig sind und im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Tätigkeit regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen, 8. Gewerbetreibende, die in die Handwerksrolle eingetragen sind und in ihrer Person die für die Eintragung in die Handwerksrolle erforderlichen Voraussetzungen erfüllen, wobei Handwerksbetriebe im Sinne der 2 und 3 der Handwerksordnung sowie Betriebsfortführungen auf Grund von 4 der Handwerksordnung außer Betracht bleiben; ist eine Personengesellschaft in die Handwerksrolle eingetragen, gilt als Gewerbetreibender, wer als Gesellschafter in seiner Person die Voraussetzungen für die Eintragung in die Handwerksrolle erfüllt, Für andere Berufsgruppen bzw. ergänzend zur Versicherungspflicht ist eine private Altersvorsorge grundsätzlich zu empfehlen. Für die Freien Berufe (z. B. Ingenieure, Anwälte) bestehen i. d. R. berufsständische Versorgungswerke; eine Übersicht finden Sie unter Auch für selbständige Landwirte gelten Besonderheiten. 8

9 Gesetzliche Rentenversicherung für Handwerker Anlage A der HwO zulassungspflichtige Handwerke Einzelunternehmen Personengesellschaften Kapitalgesellschaften monatlicher Gewinn < 450 EUR Versicherungspflicht des Inhabers, wenn er die Voraussetzungen zur Eintragung in die Handwerksrolle erfüllt* Versicherungspflicht für alle Gesellschafter, die die Eintragungsvoraussetzungen erfüllen Differenzierung nach dem Gesellschaftsverhältnis (Beispiel: keine Versicherungspflicht bei geschäftsführendem Alleingesellschafter) keine Versicherungspflicht (Befreiungsantrag möglich) Anlage B1 und B2 der HwO zulassungsfreie Handwerke und handwerksähnliches Gewerbe Anlage B1 keine Versicherungspflicht bei Eintragung ab dem Anlage B2 keine Versicherungspflicht * Beschäftigung eines qualifizierten Betriebsleiters erforderlich, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt werden. 9

10 Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung* Bis zum Ablauf von drei Kalenderjahren nach dem Jahr der Aufnahme der selbständigen Tätigkeit kann der halbe Regelbeitrag entrichtet werden (alternativ der Regelbeitrag oder der einkommensgerechte Beitrag). Halber Regelbeitrag 2016: Regelbeitrag 2016: Einkommensgerechter Beitrag: Mindestbeitrag 2016: 271,62 monatlich 543,24 monatlich 18,7 % monatlich 84,15 monatlich Selbständig tätige Handwerker, deren Handwerk der Anlage A der HwO zuzuordnen ist, können sich auf Antrag von der Versicherungspflicht befreien lassen, wenn sie mindestens 216 Monate Pflichtbeiträge geleistet haben. Handwerker, deren Tätigkeit der Anlage B der HwO zuzuordnen ist, bzw. nach Befreiungsantrag: Antragspflichtversicherung (Frist! Bindung!) oder freiwillige Versicherung in gesetzlichen Rentenversicherung möglich. Alternativ unbedingt anderweitig Vorsorge für Krankheit und Alter treffen (nicht auf Veräußerungsgewinn aus späterem Unternehmensverkauf setzen!). * Für Pflichtversicherte (Sonderregelung für Künstler und Publizisten beachten) und Antragspflichtversicherte. 10

11 Gesetzliche Rentenversicherung Umfang* Pflichtversicherung Antragspflichtversicherung freiwillige Versicherung Anrechnung auf die Wartezeit** von 45 Jahren ja ja nur, wenn bereits 18 Jahre Pflichtbeiträge entrichtet wurden Anrechnung auf die Wartezeit** von 35 Jahren Erwerbsminderungsrente (i. d. R. gilt die 3/5 Jahresregelung) ja ja ja ja ja nur, wenn vor dem bereits 60 Monate Pflichtbeiträge entrichtet wurden und danach durchgehend Anwartschaftserhaltungszeiten bestehen Berufsunfähigkeitsrente (i. d. R. gilt die 3/5 Jahresregelung) nur bei Gründern, die vor dem geboren sind nur bei Gründern, die vor dem geboren sind nur bei Gründern, die vor dem geboren sind und vor dem bereits 60 Monate Pflichtbeiträge entrichtet haben und danach durchgehend Anwartschaftserhaltungszeiten bestehen * Dieser Überblick ersetzt keine ausführliche Rentenberatung. ** Renteneintritt vor Erreichen der Regelaltersgrenze möglich, bei einer Wartezeit von nur 35 Jahren aber mit Abschlag. Existenzgründung im Handwerk 17. Mai

12 Gesetzliche Krankenversicherung Wahlmöglichkeit für hauptberuflich Selbständige: GKV oder PKV Freiwillige Mitgliedschaft in GKV, wenn Sie in den letzten 5 Jahren vor Ausscheiden aus der Versicherungspflicht mind. 24 Monate oder unmittelbar vor dem Ausscheiden ununterbrochen mind. 12 Monate Mitglied der GKV waren Bemessungsgrundlage: gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit (also nicht nur die Einkünfte aus Gewerbe!). Beitragshöhe: Mindestbeitrag (ohne Krankengeldanspruch, aber mit Zusatzbeitrag 1,1 %) 324,63 Euro Reduzierung des Mindestbeitrags bei Gewährung des Gründungszuschusses ein etwaiger Zusatzbeitrag wird von jeder Krankenkasse individuell festgesetzt; derzeit beträgt er im Durchschnitt ca. 1,1 % Der Antrag muss innerhalb von 3 Monaten nach Ende des versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis gestellt werden (Ausschlussfrist!). 12

13 Krankengeld Krankengeld als Entgeltersatzleistung für Verdienstausfall aufgrund Arbeitsunfähigkeit oder Krankenhausaufenthalt Für 0,6 Beitragssatzpunkte Krankengeldanspruch ab der siebten Woche Arbeitsunfähigkeit Teilweise unterschiedliche Wahltarife (vorzeitiger Leistungsbeginn) bei den Krankenkassen Je früher Krankengeld ausgezahlt werden soll, desto höher ist der Beitrag Selbständige können (auch) private Krankentagegeldversicherung nutzen 13

14 Private Krankenversicherung und Krankentagegeld Prämienberechnung nach dem Risiko (u. a. Eintrittsalter, Gesundheitszustand bei Beginn, Versicherungsumfang) Gesundheitsprüfung und etwaige Leistungsausschlüsse Für Gutverdiener meistens günstiger als GKV, da Beiträge unabhängig vom Einkommen Risiken: Beitragshöhe im Alter, kaum Rückkehrmöglichkeit, ab 55 Jahren generell keine Rückkehr möglich Alternative: Kombination aus GKV und privaten Zusatzversicherungen (Zahnersatz, Krankenhausaufenthalt, Krankentagegeld) 14

15 Pflegeversicherung Freiwillig Versicherte (GKV) sind pflegeversicherungspflichtig entsprechend ihrer krankenversicherungsrechtlichen Absicherung. Auch privat Versicherte (PKV) unterliegen der Versicherungspflicht private Pflegeversicherung abschließen! Freiwillige Mitglieder der GKV können sich bei Nachweis einer ausreichenden privaten Pflegeversicherung zugunsten dieser befreien lassen (Antragsfrist: drei Monate). 15

16 Arbeitslosenversicherung Bis : Anspruch blieb innerhalb von bis zu 5 Jahren ab Gewerbeanmeldung automatisch erhalten Aktuell: freiwillige Versicherung möglich, um sich Anspruch zu erhalten Voraussetzung: in den letzten 24 Monaten vor Tätigkeitsaufnahme mind. 12 Monate Versicherungsverhältnis in ALV (Entgelt > 450 ) Tätigkeit muss mind. 15 Std./Woche umfassen und unmittelbar an beendetes Versicherungsverhältnis (Leistungsbezug) anschließen innerhalb von drei Monaten ab Gewerbeanmeldung bei Agentur für Arbeit beantragen Beachten Sie folgenden Praxishinweis: Bitte erkundigen Sie sich unbedingt bei Ihrer Agentur für Arbeit, ob der Versicherungsschutz bei Ihnen aufgrund 142 SGB III bzw. 161 SGB III fortbesteht. Beachten Sie aber auch, dass es sich dann um einen befristeten Versicherungsschutz handelt und anschließend eine freiwillige Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung mit Blick auf die o. g. Drei-Monats-Frist nicht möglich ist. 16

17 Mindestumsatzberechnung Umsatz- und Rentabilitätsvorschau (ohne MwSt.) (auf der Basis der Mindestumsatzplanung des 1. Jahres) 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr Umsatz Handwerk 0 Handel 0./. Materialeinsatz Handwerk 0 Handel 0 = Rohgewinn I 0./. Personalkosten (Löhne und Gehälter einschl. Sozialabgaben) 0./. Geschäftsführer- Gehalt bei GmbH 0 = Rohgewinn II 0./. Sonstige Kosten Miete / Pacht 0 Heizung / Strom / Wasser 0 Werbung 0 Telefon, Fax, Internet 0 Kraftfahrzeugkosten 0 Bürobedarf 0 Leasingraten 0 Betriebssteuern (Körperschaftsteuer + Soli) Betriebliche Versicherungen 0 Reparaturen / Instandhaltung 0 Steuerberatung Beiträge ( z.b. HWK, Innung, Verbände) 0 Sonstiges 0 = Erweiterter Cash- Flow 0 Das Excel-Arbeitsblatt finden Sie im Download- Bereich Ihrer Handwerkskammer für München und Oberbayern../. Zinsen 0 = Cash- Flow 0./. Abschreibungen 0 = Gewinn (Betriebsergebnis) 0./. Tilgung betriebliche Darlehen 0./. Saldo (Private Ausgaben Private Einnahmen) 0 = Über- / Unterdeckung 0 17

18 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen eine gute Entscheidung. Kontakt: 18

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