Bildungsfinanzierung und soziale Verantwortung

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1 Bildungsfinanzierung und soziale Verantwortung Öffentliche Vorlesung Institut für Finanzdienstleistungen Hamburg von Prof. Dr. Udo Reifner Hamburg, 8. Juni 2005/8. Juni 2011

2 Inhalt Wer studiert? Was kostet es? Wer bezahlt? Sollen die Studierenden neben ihren eigenen Kosten auch an den Kosten der Institution beteiligt werden? Was hat das für Vorteile, was hat das für Nachteile? Wenn ja, wie soll das funktionieren? In einer Kreditgesellschaft dient das Geld der Allokation von Ressourcen dorthin, wo sie gebraucht werden von dort, wo ihr Nutzen liegt! Seite 2

3 Studierende und Studienanfänger (in Klammern: Geburten) ( ) ( ) ( ) Anfänger insges ( ) ( ) Seite 3

4 Schlusslicht Deutschland Tertiärer Abschluss in % der Bevölkerung im alter des Abschlusses im internationalen Vergleich für 2007 (OECD) Greece 17,7 Austria Germany Hungary Switzerland Spain Czech Republic Italy United States United Kingdom Japan Slovak Republic Sweden Portugal Netherlands Norway Ireland Denmark New Zealand Finland Poland Iceland 22,1 23,4 29,4 31,4 32,4 34,9 35,0 36,5 38,7 38,8 38,9 39,9 42,6 42,8 43,4 45,0 47,3 47,6 48,5 49,0 63,1 0,0 10,0 20,0 30,0 40,0 50,0 60,0 70,0 Seite 4

5 Wer studiert? Sozialgruppenspezifische Bildungsbeteiligungsquoten Arbeiter 17% Angestellte 37% Selbständige 61% Beamte 67% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% Seite 5

6 Quellen der Studienfinanzierung an Universitäten 2009 insges. 10,92 Mrd. (65% mit eigener Arbeit) Bildungskosten des Staates 103 Mrd. (4,4% zu 5,1% OECD) 1,25; 11% (6% private Kredite) BAFÖG; 1,66; 15% Eltern; 5,19; 48% 2,82 Mrd. 26% Job Seite 6

7 Ca für das Studium (Master) Ausgaben: 762 p.m. Einnahmen: 812 p.m. (20% weniger als 600, 17% mehr als ) Telefon, Internet, Rundfunk- und Fernsehgebühren; 35 ; 4% Freizeit, Kultur und Sport; 63 ; 8% Krankenversicherung, Arztkosten, Medikamente ; 59 ; 8% Auto und/oder öffentliche Verkehrsmittel; 81 ; 11% Miete einschließlich Nebenkosten; 281 ; 37% Lernmittel; 33 ; 4% Kleidung; 51 ; 7% Ernährung; 159 ; 21% Vorlesung Studienfinanzierung Prof. Reifner Seite 7

8 BAFÖG-Quote der Geförderten , , ,6 23, ,6 19, Seite 8

9 Finanzierungsmodelle mit staatlicher Unterstützung Zeitlich beschränkte Bildungskonten bzw. Bildungsgutscheine nach der Schulpflicht bzw. dem Abitur mit anschließender kostenorientierter Gebührenfinanzierung nach Verbrauch" der Bildungsgutscheine Akademischer Generationenvertrag in Form eines Fonds zwischen denen, die das Studium abgeschlossen haben und denen, die studieren (mit Staatsgarantie, Teuerungsausgleich, Versicherungsprämie für Risiken wie Tod, Erwerbsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit) InvestiF-Modell als BAföG-Ersatz mit den drei Bausteinen pauschale Sockelfinanzierung (staatliche Transferzahlung an alle Studenten), Bildungssparen (degressive staatliche Prämien; Produkte von privaten Anbietern) und Bildungsdarlehen (von staatlicher Seite Gestaltung und Förderung der Rückzahlung, zugangsbeschränkte Ausfallsicherung, Refinanzierung) Seite 9

10 Finanzierungsmodelle ohne staatliche Unterstützung Basiert auf der Human Capital Theory von Gary Becker: Investition in Humankapital als Investitionsalternative Career Concept: Bildungsfonds mit verschiedenen Hochschuleinrichtungen, auf Eliteförderung ausgerichtet Umgekehrter Generationenvertrag der Universität Witten/Herdecke Seite 10

11 Finanzierung nach Herkunft und Beruf: die USA Eigenmittel (Vermögen der Eltern bzw. der Studierenden) Stipendien Beihilfen Workstudy Kredite (Federal Stafford Loans, Federal PLUS Loans, Bankkredite) Seite 11

12 Wer soll die Bildung finanzieren? Wer? Eltern Staat/Alle Warum? Reproduktion Zukunft, Allgemeinwohl Wie? Unterhalt Steuern Studierende Nutzen aus Verwertung Kredite Arbeitgeber Unternehmen, Staat, Studierende Bürgschaften, Stipendien Seite 12

13 Vor- und Nachteile kreditfinanzierten Studiums Mehr Effizienz und Gerechtigkeit Druck auf Lehrkörper und Universität Universität als Dienstleister der Studierenden Arbeiten für die Ausbildung, nicht für die Ausbildungsfinanzierung kürzeres, effizienteres und überzeugtes Studieren Mehr Diskriminierung Studieren nach Kreditwürdigkeit (Armut der Eltern) Hochbegabtenförderung ist kein Ausweg Niedriglohnberufe (Kultur, Erziehung, Forschung) Universitäten (mit geringeren Berufschancen) Seite 13

14 Finanzierungsmix durch Kredite und Sparen Das Studium wird durch Kredite und Sparbeiträge finanziert: Sparbeiträge Eltern, Verwandtensparen Stiftungsvermögen Staatliche Fonds Unternehmenssparprozesse Kredite BAFÖG Privatkredite der Banken Bürgschaften der Eltern, Unternehmen, Universitäten und des Staates Rückzahlung aus Sparbeiträgen etc. Risikostreuung, Verbriefung und Einheitszinssatz Rückzahlung einkommensabhängig Seite 14

15 Beginn Ende Tilgungen Einzahlunge n Auszahlungen Tilgungen 6 Mo Ruhe Bildung auf Kredit Eltern/Verwandte/Stiftung/Arbeitgeber/Staat Akteure Studierende Berufstätige Studentendarlehen Aufbau Abbau Ansparvorgang Studium weiter sparen möglich Beruf Produkte Seite 15

16 Sozialökonomie der HWP war sozial kompensatorisch zog Studierende aus dem Arbeitsmilieu an (www.sozialoekonomie-hamburg.de) Praktisch 50% mit Aufnahmeprüfung Kontakt zu Gewerkschaften und Verbraucherverbänden Problemorientiert Interdisziplinär (VWL, BWL, Recht, Soziologie) Arbeitnehmer- und verbraucherorientiert Bedürfnisorientierung statt Gewinnorientierung International Hoher Ausländeranteil Vertrauenerweckend Flache Hierarchien Integrativ Sozialökonomisch Seite 16

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