Leseprobe aus: Markway, Markway, Frei von Angst und Schüchternheit, ISBN Beltz Verlag, Weinheim Basel

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1 2013 Betz Verag, Weinheim Base

2 2013 Betz Verag, Weinheim Base Kapite 4 Zur Veränderung entschossen aber immer ein Schritt nach dem anderen Fürchte dich nicht, angsam zu gehen, doch fürchte den Stistand. Chinesisches Sprichwort As Jonas, ein Student von einundzwanzig Jahren, zum ersten Ma in meine Sprechstunde kam, war er aes andere as begeistert. Er saß mit verschränkten Armen da, hiet den Kopf gesenkt, und auf meine anfängichen Fragen antwortete er nur knapp. Das ist zwar oft ein für schüchterne Menschen typisches Verhaten, doch ich spürte, dass bei Jonas mehr dahinter steckte. Ich fogte meiner Intuition und brach meine übiche Befragung ab. Stattdessen sagte ich:»jonas, ich würde gerne wissen, ob Sie aus eigenem Entschuss hergekommen sind oder ob Sie jemand dazu gedrängt hat.«ich gaubte, den Ansatz eines Schmunzens zu sehen, as er zum ersten Ma seinen Kopf hob und mich anschaute.»woher wissen Sie das?«, fragte er.»einfach geraten«, sagte ich.»es ist nämich so, dass ziemich viee Leute ieber zum Zahnarzt gehen, um sich die Zähne bohren zu assen, as mit einem Psychoogen zu reden.genau so geht es mir auch. Meine Etern woten, dass ich herkomme«, gestand er. Jonas wurde danach etwas offener. Er sagte, dass er auf einem Coege in der Nähe studiere und immer noch zu Hause bei seinen Etern wohne. Er brauchte recht ange, um durch das Coege zu kommen, wei es ihm schwer fie, die voe Kurszah zu beegen. Er begründete das damit, dass er»mit Stress nicht umgehen«könne. Er hatte keinen Job, außer dass er bei ein paar Nachbarn den Rasen mähte. Er hatte keine Freunde. Wenn er nicht im Coege war oder ernte, bieb er in seinem Zimmer 94

3 2013 Betz Verag, Weinheim Base und hörte Musik oder spiete Computerspiee. Jonas wusste nicht, warum seine Etern sich um ihn Sorgen machten er wote, dass sie ihn einfach in Ruhe ießen. Da Jonas sich nicht erkären konnte, warum seine Etern ihn zu mir schickten, machte ich den Vorschag, dass sie ihn das nächste Ma begeiten soten. Widerstrebend stimmte er zu. Bei der nächsten Sitzung bekam ich sehr vie mehr Aufschüsse. Jonas saß sti da, während seine Etern redeten. Mrs. Baxter begann.»ich mache mir große Sorgen um Jonas«, sagte sie.»er geht kaum aus dem Haus, außer wenn er zur Schue geht. Er hat keinen einzigen Freund mehr, denn die paar, die er hatte, besuchen Coeges weiter weg. Er geht noch nicht einma neue Keidung oder Schuhe kaufen. Ich muss in den Laden gehen und Sachen kaufen, von denen ich gaube, dass sie ihm passen könnten, sie nach Hause bringen und er probiert sie dann an. Er geht auch nicht zum Friseur. Deswegen trägt er einen Pferdeschwanz.«Jonas mischte sich ein:»ich mag mein Haar so.«mr. Baxter fügte seinen Eindruck hinzu:»ich gaube, wir verhätschen Jonas zu sehr. Wir müssten ihn zwingen, mehr zu tun. Zum Beispie hift er nie Besorgungen machen. Meine Frau und ich, wir arbeiten beide ganztags. Es wäre schön, wenn Jonas manchma die Lebensmitte einkaufen gehen könnte.«am Ende der Sitzung war ich mir ziemich sicher, dass Jonas an Soziaangst itt. Ich fragte mich, ob vieeicht eine gewisse Famiiendynamik die Situation noch kompizierte, aber da musste ich abwarten. In den etzten Minuten informierte ich Jonas und seine Etern über Phänomen und Therapie der soziaen Angststörung. Bei Mr. und Mrs. Baxter rannte ich offene Türen ein.»wie oft kann Jonas zu Ihnen kommen?«, fragten sie.»wir woen, dass er geich anfängt.«im Gegensatz zum Enthusiasmus seiner Etern wirkte Jonas zurückhatend, vieeicht sogar wütend. Auch wenn Mr. und Mrs. Baxter wirkich besorgt waren, musste ich sie etwas bremsen. Wir wussten nicht, ob Jonas meine Diagnose akzeptieren würde, und noch weniger, ob er sich 95

4 2013 Betz Verag, Weinheim Base auf meine Therapie einassen wote. Schießich war es seine Entscheidung, ob er sein Leben verändern wote. Bei gewissen Dingen konnten sie ihm hefen, aber die eigentiche Arbeit musste er sebst eisten niemand konnte sie ihm abnehmen. Ich bat Mr. und Mrs. Baxter, im Wartezimmer Patz zu nehmen. Ich wote mit Jonas unter vier Augen sprechen. Es war eine schwierige Situation. Seine Etern machten sich Sorgen und woten, dass er mit der Therapie begann, aber zugeich hatte ich den Eindruck, dass Jonas für eine grundegende Veränderung nicht bereit war. Ich musste zuerst eine Beziehung zu ihm aufbauen und ihm zeigen, dass ich ihm etwas anzubieten hatte etwas, von dem er sebst profitierte und nicht seine Etern. Ich bot Jonas eine Option an. Wir konnten eine begrenzte Anzah von Stunden ausmachen, vieeicht zwei oder drei. Dies würde seine Etern ereichtern und ihm zu Hause ein wenig Luft verschaffen. Während dieser Sitzungen könnten wir dann über aes sprechen, was ihm am Herzen ag. Ich versprach, dass ich ihn zu nichts zwingen würde. Jonas war einverstanden. Er sah ein, dass er nichts zu verieren hatte, wenn er noch ein paar Ma zu mir käme. Die Geschichte von Jonas ist noch nicht zu Ende, aber bevor wir mit ihr fortfahren, möchten wir den Prozess der Veränderung ins Auge fassen. Wie Sie wahrscheinich schon aus eigener Erfahrung wissen, findet Veränderung nicht in einem pötzichen Rutsch statt, sondern eher in einzenen Stufen. Im Fogenden woen wir diese Schritte beschreiben und ihre Wichtigkeit hervorkehren. Sie werden sehen, auf wecher Stufe sich Jonas befand und weche Roe dies für seine Behandung spiete. Die Stufen der Veränderung Drei Psychoogen James Prochaska, John Norcross und Caro DiCemente haben sich in ihrer Arbeit hauptsächich mit dem Prozess der Veränderung beschäftigt. Zusammen haben sie auf 96

5 2013 Betz Verag, Weinheim Base diesem Gebiet mehr as fünfzig Jahre kinischer Erfahrung. Ihre Forschung umfasst Tausende von Menschen, die mit unterschiedichem Erfog versucht haben, ae mögichen Veränderungen in ihrem Leben vorzunehmen angefangen von der Gewichtsabnahme über das Aufhören mit dem Rauchen bis zur Überwindung psychischer Störungen. Im Verauf ihrer Forschungen erkannten Prochaska, Norcross und DiCemente, dass die Menschen während des Veränderungsprozesses sechs Stufen durchaufen: vor der Bewusstwerdung; Bewusstwerdung; Vorbereitung (Panung); Durchführung: Stabiisierung; Abschuss. Wie bei jedem anderen Prozess investieren Menschen verschieden vie Zeit in die unterschiedichen Stufen. Doch jeder, der eine grundegende Veränderung in seinem Leben unternimmt, wird sie durchaufen. Das geiche Wissenschafterteam hat auch ein vorzügiches Buch für Menschen geschrieben, die ihr Leben verändern woen: Changing for Good (Endgütige Veränderung). Außerdem wurden die sechs Stufen, die von ihnen festgestet wurden, in Programme aufgenommen, die von Organisationen wie dem Nationa Cancer Institute und dem Institute of Drug Abuse unterstützt werden. Stufe 1: Vor der Bewusstwerdung Die erste Stufe im Veränderungszykus wird»vor der Bewusstwerdung«genannt. Wie der Name schon sagt, haben die Menschen auf dieser Stufe noch nicht damit begonnen, über eine Veränderung nachzudenken. Sie nehmen mögicherweise noch nicht wahr, dass sie ein Probem haben, sie wissen vieeicht nicht, dass Veränderung mögich ist, oder sie haben die Hoff- 97

6 2013 Betz Verag, Weinheim Base nung bereits aufgegeben. Fogich können sie ihre Notage nicht überwinden. Für jemanden, der sich vor der Bewusstwerdung befindet, sind typische ¾ußerungen:»Ich bin einfach so.ich habe kein Probem.Es bringt sowieso nichts.«viee Menschen mit soziaer Angststörung schagen sich schon so ange mit dem Probem herum, dass sie sich ihr Leben nicht mehr anders vorsteen können. Sie finden ihre Angst und ihr Vermeidungsverhaten fast norma. Die Mögichkeit eines erfüten und befriedigenden Lebens frei von Furcht und Angst kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Menschen vor der Bewusstwerdung kommen einem manchma vor, as verdrängten sie etwas.»warum gibt er nicht einfach zu, dass er ein Probem hat?«, kagen Famiienangehörige. Es stimmt, Verdrängung kann auf dieser Stufe eine Roe spieen, doch oft beruht sie auf einem Mange an Kenntnis oder Information. Viee Menschen wissen nicht, dass sie an einer Angststörung eiden an einer ernsten Störung, die sich aber behanden ässt. Wenn Menschen, die sich auf der Stufe vor der Bewusstwerdung befinden, Hife suchen, dann geschieht dies oft aufgrund des Drucks von außen so wie es bei Jonas der Fa war. Zwar wünschte er sich manchma ein sozia abwechsungsreicheres Leben, doch zugeich sah er in seiner Einsamkeit kein Probem, das einer Lösung bedurfte. Auch wei seine Etern ihm so vie abnahmen, wurde er nie dazu gezwungen, eine Veränderung ins Auge zu fassen. Erinnern Sie sich, dass seine Mutter die ganze Keidung für ihn kaufte? Sie fuhr tanken für ihn, kaufte in der Buchhandung seine Lehrbücher und sorgte dafür, dass genug zu essen im Haus war. Außerdem verangten seine Etern keine Miete von ihm, sodass er nicht arbeiten gehen musste. Dank seiner Umwet brauchte er die quavoen Auswirkungen seiner Störung nicht wahrzunehmen. Ein weiteres Merkma der Stufe vor der Bewusstwerdung ist 98

7 2013 Betz Verag, Weinheim Base das Gefüh der Entmutigung. Jonas fühte sich so. Seine ätere Schwester hatte das Coege abgeschossen, einen guten Job gefunden und würde bad heiraten. Was stimmte bei ihm nicht, so fragte er sich oft, dass sein Leben so schief ief? Er fühte sich zutiefst hoffnungsos. Es war sogar undenkbar für ihn, von zu Hause fortzuziehen. Menschen vor der Bewusstwerdung müssen mehrere Schritte tun, bevor sie zur nächsten Stufe geangen können. Erstens müssen sie eine genauere Sebstwahrnehmung entwicken. Zu häufig verdeckt das, was auf der Oberfäche sichtbar ist, das wahre Probem. Zum Beispie sah der Vater von Jonas nur, dass sein Sohn»fau«war und nicht richtig mithefen wote. Jonas wiederum akzeptierte diese Deutung seines Vaters und fand sich sebst fau und zu wenig hifsbereit. In Wahrheit trafen diese Vorwürfe aber nicht zu. Jonas war nicht fau oder zu wenig hifsbereit, sondern er itt an Soziaangst und war deprimiert. Jonas spiete sein Probem herunter und fand Ausreden dafür.»ich erne zu vie, um Freunde zu haben«, erkärte er seiner Mutter, as sie sich besorgt äußerte. Kehren wir zu meiner Arbeit mit Jonas zurück. Ich hiet mein Wort und überieß ihm die Gestatung unserer Sitzungen. Zunächst sprach er hauptsächich über die Musik, die er mochte, und über die Kurse, die er beegt hatte. Es dauerte jedoch nicht ange, bis er auf andere Themen zu sprechen kam. Dass er mit seiner Schwester vergichen wurde und dass dies in ihm Schmerz und Wut ausöste, war ein großes Probem. Er gaubte, dass er es sowieso nie mit den Leistungen seiner Schwester aufnehmen könnte, warum sote er es aso versuchen? Er hatte das Gefüh, dass die Etern seine Schwester vorzogen und in ihm ihr»probemkind«sahen. As Jonas und ich über dieses und andere Themen sprachen, konnte ich darauf hinweisen, wie viee seiner Angstreaktionen und seines daraus fogenden Vermeidungsverhatens mit der Diagnose der soziaen Angststörung übereinstimmten. Bad erkärte er sich bereit, eine Broschüre dazu zu esen und sich ein Video darüber anzuschauen. Er begann zu erkennen, dass ein großer 99

8 2013 Betz Verag, Weinheim Base Tei seines Lebens von seiner extremen Schüchternheit beherrscht wurde, und er war traurig über die vieen verpassten Erfahrungen und Erebnisse. Wir besprachen auch, was es für ihn heißen würde, Veränderungen in seinem Leben vorzunehmen weniger Angst zu haben, mehr Verantwortung zu übernehmen und nicht änger das»probemkind«zu sein. Was für Fogen würden diese Veränderungen für ihn haben? Und für seine Famiie? Zusätzich zu der verbesserten Sebstwahrnehmung musste Jonas wie jeder auf der Stufe vor der Bewusstwerdung Hoffnung entwicken. Denn ohne Hoffnung gibt es keinen Grund, über eine Veränderung nachzudenken. Warum sote sich jemand den Risiken und Mühen einer Veränderung unterziehen, wenn damit nicht das Versprechen einer besseren Zukunft verbunden ist? Für Jonas führte bereits die boße Erkenntnis, dass die Stufe vor der Bewusstwerdung ein übicher Tei des Veränderungszykus ist, zu einer Lockerung seiner verzweifeten Sebstbockade. Er stete nun Fragen, was eine Therapie seiner soziaen Angststörung konkret bedeute. Er begann über seine Ziee für die Zukunft zu sprechen und seine Stimmung besserte sich. Er hatte den aes entscheidenden Schritt getan, daran zu gauben, dass sein Leben besser werden konnte. Dieser Hoffnungsschimmer bezeichnete einen Neuanfang für unsere gemeinsame Arbeit und Jonas betrat die Stufe der Bewusstwerdung. Stufe 2: Bewusstwerdung Im Gegensatz zu der vorhergehenden Stufe erkennen Menschen auf der Stufe der Bewusstwerdung an, dass sie ein Probem haben. Doch haben sie noch damit zu kämpfen, ihre neue Sebstwahrnehmung zu integrieren, und sie sind sich unsicher, wechen Weg sie einschagen soen. Für die Stufe der Bewusstwerdung sind Sebstaussagen typisch wie:»ich möchte mich ändern, aber ich weiß nicht, wie.«100

9 2013 Betz Verag, Weinheim Base»Ich weiß nicht, ob ich schon bereit bin.ich komme irgendwie nicht vorwärts.«ich erinnere mich an eine Frau, die sich eindeutig auf der Stufe der Bewusstwerdung befand. Sie rief mich an, wei sie mich im Lokafernsehen in einem Interview über soziae Angststörungen gesehen hatte, und fragte, ob sie mit mir am Teefon sprechen könnte. As ich ihr sagte, dass ich ein paar Minuten Zeit hätte, überschüttete sie mich mit Fragen. Gab es bei den meisten meiner Kienten eine Besserung? Gaubte ich, dass eine kognitive Verhatenstherapie für sie das Richtige sei? Was ich von Medikamenten hiete? Sote sie zuerst zu einem Psychiater gehen? Ich beantwortete ihre Fragen, so gut ich konnte, und sagte, dass wir diese Dinge ausführicher bei unserer ersten Sitzung besprechen würden. Sie sagte, sie müsse erst noch ihren Terminkaender durchsehen und würde sich dann wieder meden. Sie rief tatsächich wieder an, aber nicht, um einen Termin mit mir zu vereinbaren. Sie hatte weitere Fragen, auf die sie erst eine Antwort wote. Sie erkärte, sie habe noch Kontakt zu einem anderen Speziaisten für Angststörungen. Was ich von seiner Methode hiete? War ich mir sicher, ihr hefen zu können? Sie wote kein Risiko eingehen, sagte sie. Die Anrufe gingen noch einige Tage so weiter, bis sie sich endich dazu durchrang, für die nächste Woche einen Termin zu vereinbaren. Erraten Sie, was dann geschah? Sie hinterieß auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht, worin sie den Termin absagte. Sie entschudigte sich umständich dafür, mir so vie Zeit gestohen zu haben, aber sie sei noch nicht bereit.»ich muss mehr darüber nachdenken«, sagte sie. Ich hätte eicht verärgert sein können, doch ich verstand, dass sie einer Veränderung noch ambivaent gegenüberstand. Sie war woh in die Fae geraten, so etwas wie eine Erfogsgarantie zu erwarten. Haben wir nicht ae gegenüber Veränderungen große Vorbehate? Schießich können sie einem Furcht einjagen. Veränderungen führen uns auf unbekanntes Terrain, sie zwingen uns fogich, über uns sebst und über unsere Überzeugungen neu 101

10 2013 Betz Verag, Weinheim Base nachzudenken. Es wäre eichter, wenn man die Zeit überspringen und im Voraus wissen könnte, wie sich aes entwicket. Doch eider bietet uns das Leben soche Sicherheiten nicht. Geichwoh ist die Stufe der Bewusstwerdung notwendig. Man braucht Zeit, um nachzudenken, bevor man sich auf eine Veränderung vorbereiten kann. Das Probem iegt nur darin, dass man zu vie anaysiert und am Ende den Schritt vom Denken zum Handen nicht vozieht. Ich konnte nur hoffen, dass dies auf die oben erwähnte Frau nicht zutreffen würde. Stufe 3: Vorbereitung (Panung) Auf der Vorbereitungsstufe haben die Menschen die Entscheidung für eine Veränderung getroffen, aber sie haben sich noch keine genauen Vorsteungen davon gemacht. Sie sind zuversichticher as auf den beiden vorhergehenden Stufen und können etwa Dinge sagen wie:»ich werde nicht zuassen, dass die Angst mich weiterhin beherrscht.ich weiß, dass ich meine ¾ngste überwinden kann.ich werde gegen meine Probeme etwas unternehmen.«die Hauptaufgabe auf dieser Stufe ist, wie der Begriff es sebst sagt, sich auf die Durchführung vorzubereiten. Wir woen dies anhand von Juias Geschichte zeigen. Juia kehrte von ihrem ersten Coegesemester nach Hause zurück und war entschossen, einige Veränderungen vorzunehmen. Das Herbstsemester war hart für sie gewesen. Sie hatte sich mit ihrer Zimmerkameradin Vicky nicht gut verstanden, die kontaktfreudig war und öfter Leute auf das Zimmer einud. Vicky schoss sie keineswegs aus, aber Juia fühte sich trotzdem unwoh und ihr fie nie etwas zu sagen ein. Juia hatte das Gefüh, ae hieten sie für eine Streberin, wei sie nicht mitachte und an den Späßen nicht teinahm. Manchma hätte sie gerne das Zimmer für sich aein gehabt, statt immerzu zur Bibiothek gehen 102

11 2013 Betz Verag, Weinheim Base zu müssen, um Ruhe zum Lernen zu haben. Sie gaubte nicht, dass Vicky sie verstehen würde, und deshab sagte sie nichts. Juia vermisste ihre Famiie sehr und fuhr jedes Wochenende nach Hause. Doch zugeich wusste sie, dass ihr deswegen manches entging, was auf dem Campus geschah. As dann die Semesterferien begannen, hatte Juia keine einzige neue Freundin gewonnen. Sich an das Coegeeben an der Universität zu gewöhnen ist für viee schwierig, aber für Juia ergab sich daraus kein neues Probem. Schon während ihrer ganzen Schuzeit war es ihr schwer gefaen, sich anderen anzuschießen. Dazu kam noch, dass ihre extreme Schüchternheit sie davon abhiet, an Schuaktivitäten außerhab des Unterrichts teizunehmen, die ihr wahrscheinich Spaß gemacht hätten. Zum Beispie iebte sie Musik und wäre gern in der High Schoo der Schuband beigetreten, aber dazu konnte sie sich nicht überwinden. Sie gaubte, dass sie nicht vor anderen musizieren könne, insbesondere wenn sie dabei auch noch unter dem Druck einer Beurteiung stand. Sie schwor sich, im Coege einen neuen Anfang zu wagen, aber es geang ihr wieder nicht und sie zog sich nur immer weiter in ihr Schneckenhaus zurück. Zum Gück hatte Juia ein warmherziges, offenes Verhätnis zu ihrer Mutter und sie sprachen während der Ferien vie über ihre Situation. Juias Mutter hatte sie schon zuvor ermuntert, therapeutische Hife aufzusuchen, doch Juia hatte immer gesagt, sie würde schon aein damit fertig werden. Doch spürte ihre Mutter jetzt eine größere Bereitschaft und zusammen entwicketen sie einen Pan. Juia versprach, in der ersten Woche, wenn sie zurück im Coege war, zur psychoogischen Beratungsstee zu gehen. Sie hatte ein paar andere Mädchen darüber reden hören, die aus verschiedenen Gründen hingegangen waren, und offenbar hatten sie gute Erfahrungen gemacht. Juia wusste auch, dass sie nie jemanden kennen ernen würde, wenn sie bei jeder Geegenheit nach Hause fuhr, aso nahm sie sich vor, ein paar Wochenenden im Monat auf dem Campus zu beiben. Sie und ihre Mutter übten, 103

12 2013 Betz Verag, Weinheim Base wie sie mit Vicky reden könnte. Juia brauchte Zeiten, in denen ihr gemeinsames Zimmer keine Partyzone war. Sie war sich immer noch unsicher, ob sie sich durchsetzen könnte, aber sie versprach ihrer Mutter, es auf ae Fäe zu versuchen. As die Semesterferien dem Ende zugingen, fühte Juia sich zuversichticher und besser as seit Monaten. Sie hatte die Aufgaben der Vorbereitungsstufe erfogreich gemeistert; jetzt war sie so weit, ihren Pan in die Tat umzusetzen. Die späteren Stufen der Veränderung Bisher haben wir in diesem Kapite die ersten drei Stufen des Veränderungsprozesses betrachtet. Sie werden meist übersehen und für Sie as Leser ist es am wichtigsten, gerade über sie richtig informiert zu sein. Es ist aber nötig, ein Bid des gesamten Prozesses zu haben, und so beschreiben wir im Fogenden kurz die Stufen 4, 5 und 6. Stufe 4: Durchführung. Für die meisten Menschen ist Veränderung geichbedeutend damit, dass sie etwas tun, und genau davon so jetzt die Rede sein. Dazu gehört die ganze praktische Arbeit, mit der man ein Probem meistert. Die fogenden Kapite zeigen Methoden, mit denen man Soziaangst überwinden kann, und biden den»durchführungstei«. Wenn Sie die Übungen in diesen Kapiten esen und befogen, werden Sie einen Riesenschritt tun, um Ihrer Soziaangst Herr zu werden. Stufe 5: Stabiisierung. Bei der Stabiisierung geht es darum, die Veränderungen, die man auf der Durchführungsstufe erreicht hat, zu konsoidieren. Auf dieser Stufe müssen die Veränderungen dauerhaft gefestigt werden. Stufe 6: Abschuss. Auf der etzten Stufe gibt es im Grunde kein Probem mehr. Die Veränderungen sind voständig in Ihr Leben integriert. Viee Menschen erreichen diese Stufe nie, und das ist auch nicht schimm, denn manche Probeme entziehen sich ei- 104

13 2013 Betz Verag, Weinheim Base ner vokommenen»lösung«. Zum Beispie bezweifen viee Therapeuten, die mit Suchtprobemen zu tun haben, dass ein Akohoiker je voständig geheit werden kann. Im Fa der soziaen Angststörung machen anscheinend verschiedene Menschen unterschiediche Erfahrungen. Manchen geingt ein voständiger»abschuss«, während andere in Abständen die Stufen neu durchaufen. Auf wecher Stufe der Veränderung befinden Sie sich? Jetzt haben wir die Stufen der Veränderung beschrieben und können herausfinden, an wechem Ort Sie sich in diesem Prozess befinden. In ihrem Buch Changing for Good steen Prochaska, Norcross und DiCemente drei einfache Fragen, die man sich steen kann. Wir haben sie etwas umformuiert, um sie der soziaen Angststörung anzupassen. Lesen Sie jede Frage durch und kreuzen Sie dann Ja oder Nein an. 1. Haben Sie ernsthaft vor, in den nächsten sechs Monaten damit anzufangen, Ihre Soziaangst zu überwinden? Ja r oder Nein r 2. Haben Sie ernsthaft vor, Ihre Soziaangst in den nächsten dreißig Tagen anzugehen (vieeicht sogar schon erste keine Schritte zu unternehmen)? Ja r oder Nein r 3. Sind Sie zurzeit aktiv dabei, Ihre Soziaangst zu überwinden? Ja r oder Nein r Nun betrachten Sie die fogende Tabee, um Ihre gegenwärtige Stufe der Veränderung zu bestimmen. 105

14 2013 Betz Verag, Weinheim Base Frage 1 Nein Ja Ja Ja Frage 2 Nein Nein Ja Ja Frage 3 Nein Nein Nein Ja Veränderungsstufe Vor der Bewusstwerdung Bewusstwerdung Vorbereitung (Panung) Durchführung Bedenken Sie, dass jede Stufe ihren Sinn hat und dass die Durchführung nicht die einzige Stufe ist, auf der Fortschritte erziet werden. Vor dem Schuss dieses Kapites werden wir Ihnen spezifische Vorschäge machen, was Sie auf jeder Stufe tun können. Doch zuvor müssen wir noch das wichtige Thema des Timings besprechen. Timing ist aes Prochaska und seine Koegen haben nicht nur die sechs Stufen der Veränderung unterschieden, sie haben auch gezeigt, wie wichtig es ist, dass man den Anforderungen jeder dieser Stufen gerecht wird. Steen Sie sich zum Beispie vor, ein Arzt sagt seinem Patienten während der jährichen Untersuchung, er soe das Rauchen aufgeben. Er zäht ae Gründe auf, die dafür sprechen, und verschreibt ein neues Medikament, weches das Bedürfnis nach Zigaretten reduziert. Er rät ihm, an den regemäßigen Gruppensitzungen einer Stop-Smoking-Gruppe in einem nahe geegenen Krankenhaus teizunehmen. Der Patient geht nach Hause, ohne das Medikament zu kaufen und ohne je an einer der Gruppensitzungen teizunehmen. Der Arzt hat eine vokommen egitime und oft wirkungsvoe Hifsstrategie angeboten, doch der Patient war nicht bereit. Er befand sich nicht auf der entsprechenden Veränderungsstufe, auf der diese Strategie zum Erfog hätte führen können. Menschen, die wegen ihrer Angststörungen Hife suchen, befinden sich in der geichen Situation. Wenn sie zur Veränderung nicht bereit sind, ist auch mit den besten Absichten nichts zu erreichen. 106

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