Junge. Wünsche. das sagt die Jugend! DAS MAGAZIN, DAS FEHLT DAS MAGAZIN, DAS FEHLT DAS MAGAZIN, DAS FEHLT

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1 Ausgabe Junge Wünsche Die Kindercharta und die Jugendcharta des Österreichischen Jugendrotkreuzes Sponsoring-Post, Verlagspostamt 1040 Wien, 03Z S. p Wie viel Computer braucht das Kind? p Mehrsprachigkeit: Generation Deutsch plus p Verkehr: Der erste Schulweg p Die kindliche Arbeitswoche p Facebook: Digitale Nachbarn p Fehler sind Rohstoffe! p ProjektXchange p Jugendservice p Letzter Ausweg Jugendheim p Dilemmageschichte Interviews: Andrea Gerstenberger Christina Hager Philipp Ikrath Belinda Mikosz Bettina Weidinger Manfred Zentner das sagt die Jugend!

2 vielseitig + aktuell Schülerzeitschriften für den Unterricht ent m e n n o len im Ab u h c S n a onatlich m JÖ- KLEINES VOLK TOPIC Jugendmagazin SPATZENPOST MiniSPATZENPOST 1. Schulstufe 2. Schulstufe Schulstufe ab der 5. Schulst. Bestellmöglichkeit und Unterrichtsmaterialien zu den Zeitschriften ab der 7. Schulst.

3 Mit den Jungen! Die Jugend ist die Zukunft, heißt es in den Sonntagsreden. Für uns ist sie vor allem die Gegenwart. Deshalb muss sich ihr auch das Rote Kreuz stärker öffnen. Weniger, um im Sinne des allgegenwärtigen Jugendkults jünger zu werden, sondern weil Jugendliche Teil des Roten Kreuzes sind. Nur wenn sie in der Gegenwart des Roten Kreuzes vertreten sind und mitbestimmen, können sie ihm eine Zukunft geben: als Sanitäter, Pfleger, internationaler Helfer, Ortsstellenleiter, Labormit arbeiter, als Entwickler neuer Dienstleistungen. Mit allen ihren Talenten, ihren Erfahrungen und immer öfter mit der Kompetenz, schon als Kinder mehrere Sprachen zu sprechen. Humanitäre Werte werden am besten by doing vermittelt. Schon ab dem Kindergarten. Kinder und Jugendliche wollen und sollen mitmachen: altersgerecht, wo sie es können. Deshalb arbeiten wir jetzt an mehr Angeboten für Kinder und Jugendliche. Deshalb unterziehen wir jede Aktivität des Roten Kreuzes und des Jugendrotkreuzes einer Jugendverträglichkeitsprüfung. Deshalb ist dieser henri den Interessen der Kinder und Jugendli chen gewidmet und das Interesse ist groß: Exem plare dieser Ausgabe werden verschickt. Die Jugend ist die Zukunft, heißt es in den Sonntagsreden. Für mich ist sie vor allem die Gegenwart Kinder und Jugendliche sind aber auch Adressaten von Rotkreuz-Leistungen. Wir wollen für sie da sein: mit Angeboten wie der Jugendhotline time4friends, mit bewährten und neuen Medien für den Einsatz im Unterricht, mit Sommer camps und Kursen wie Erste Hilfe, Babyfit und Pflegefit aber auch bei der Gestaltung der gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, unter denen Kinder und Jugendliche künftig leben werden. Gemeinsam mit ihnen haben wir die Kinder- und die Jugendcharta entwickelt. Aus Respekt für die Jungen, als Erinnerung für die Erwachsenen und aus Liebe zum Menschen. editorial Fredy Mayer Präsident Willi Wolf Bundesvorsitzender ÖJRK

4 inhalt 6 GesPol Gesellschaftspolitik im Österreichischen Roten Kreuz Neue Website: 8 Lasst uns Kinder sein! Die 10 Wünsche der Kindercharta 10 Selbstwert (Art. 1 Kindercharta) 11 Einem Kind Möglichkeiten geben: Die Fragen der Eltern 15 Ressourcenorientierung (Art. 2 Kindercharta) 16 Ich gehe in die Schule allein oder begleitet? 18 Zuwendung (Art. 3 Kindercharta) 19 Connected: Wie viel Computer braucht das Kind? 21 Beziehungen (Art. 4 Kindercharta) 22 Letzter Ausweg Jugendheim: Ein Erfahrungsbericht 24 Juniorcamp: Wo Kinder Kinder bleiben dürfen 25 Bildung/Leistung (Art. 5 Kindercharta) 26 Montessoripädagogik: Lernen ist ein Kinderspiel 30 Zeit (Art. 6 Kindercharta) 31 Der wahre Stundenplan der Kinder 32 Ernährung (Art. 7 Kindercharta) 33 Gesund sein ist kein Thema : Interview mit ÖJRK-Generalsekretärin Andrea Gerstenberger 36 Gewalt (Art. 8 Kindercharta) 37 Ohrfeigen sind kein gesundes Obst! Interview mit der Kinderpsychologin Belinda Mikosz 39 Mehrsprachigkeit (Art. 9 Kindercharta) 40 Generation Deutsch plus: Mehrsprachigkeit im Schulalltag 42 Umwelt (Art. 10 Kindercharta) 43 Alina und die Meerschweinchen eine Dilemmageschichte für Kinder 4 Impressum Herausgeber, Medieninhaber, Verleger: Österrei chi sches Rotes Kreuz, Wiedner Hauptstraße 32, A-1041 Wien. Verlagsort: Wien. henri informiert Entscheidungsträger, Mei nungs füh rer und andere Interessierte über Aktivitäten, Neuerungen, Ereignisse und Hintergründe im humanitären Geschehen. Gesamtleitung: Mag. Andrea Winter. Chefredaktion: Mag. Robert Demp fer, Tel.: , Fax: -159, Redak tion: Thomas Aistleitner. Autoren und Mitarbeiter: siehe S. 82. Praktikum: Melanie Unterer. Website: Produktion: Wortbild Medien produk tion, Wien, Tel.: , Info-Media, Wien. P r o d u k t i o n s l e i t u n g : Dr. Gottfried Fritzl. Grafische Gestaltung: Mag. Andrea Chadt. Bild redaktion: Mag. Nicole Rennhofer. Titelfoto: istockphoto.com/thomas Gordon. Fotos: Nadja Meister (S. 11, 14, 24, 33, 35, 40, 41, 47, 53, 54, 55, 69, 72 73, 76/2, 77); ÖJRK/Nadja Meister (S. 69, 80); Michael Rausch-Schott (S. 12, 26, 27 29); Kreamont (S. 13); Foto Wilke/Mediendienst.com (S. 60, 61); Rotes Kreuz OÖ (S. 38); ARS Electronica/Rotes Kreuz OÖ (S. 74); ÖRK/Anna Stöcher (S. 3, 69); ÖRK/Markus Hechenberger (S. 77); ÖRK/Gert Eggenberger (S. 80); ÖRK/LV Steiermark/Valentin Krause (S. 74); ÖJRK/Peter Müller (S. 79, 80); ÖJRK/Neumayr (S. 24); WJRK (S. 76); ÖRK/LV Salzburg (S. 80); ÖRK (S. 3, 76); ÖJRK (S. 26, 43); Foto Göderle (S. 37); DAK-Pressestelle (S. 16); Fotolia.com (S. 19, 67; 83); istockphoto.com (S. 4 5, 6, 8 9, 10, 11, 12, 13, 15, 17, 18, 19, 20 22, 24, 25, 30, 32, 35, 36, 37, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 46, 47, 48, 49 52, 54, 55, 56 59, 60, 62 66, 67, 68, 71, 75, 78). Lektorat: Karin Flunger, Mag. Sabine Wawerda. Druck: Ueberreuter. Hinweis: Personenbezoge ne Bezeichnungen gelten glei cher maßen für weibliche und männliche Personen. Bild

5 44 Das sagt die Jugend Die 10 Statements der Jugendcharta 46 Identität (Art. 1 Jugendcharta) 47 Helpstars: Online-Plattform mit neuen Möglichkeiten für Jugendliche 49 Familie und Freunde (Art. 2 Jugendcharta) 50 We are Family die neuen Familienformen 52 Beziehungen (Art. 3 Jugendcharta) 53 Sex oder Sauberkeit? Sexualerziehung beginnt in der Kindheit, sagt die Sexualpädagogin Bettina Weidinger 56 Digitale Nachbarn: Die Facebook-Generation 59 Lernen und Ausbildung (Art. 4 Jugendcharta) 60 Fehler sind Rohstoffe. Der Soziologe Philipp Ikrath über Erfolgsdruck und Überforderung 62 Arbeit (Art. 5 Jugendcharta) 63 Kampfplatz Zukunft: Die Jagd auf die Praktika 65 Freizeit (Art. 6 Jugendcharta) 66 Zeit der Eulen: Verschiebt den Schulbeginn! 68 Gesundheit (Art. 7 Jugendcharta) 69 Body Feelings: Der junge Körper wird optimiert 71 Mitsprache (Art. 8 Jugendcharta) 72 Die Stimmen der Jugend: Der Jugendforscher Manfred Zentner über die Beteiligung Jugendlicher an der Jugendcharta 75 Migration (Art. 9 Jugendcharta) 76 Don t dream it, do it : Migranten besuchen Schulklassen 78 Zusammenleben (Art. 10 Jugendcharta) 79 Das Jugendservice, vorgestellt von Markus Bankhofer und Christine Keplinger 81 Leserbriefe 82 Back Issues 82 Autoren 83 Junge Welt in Zahlen Angebote ROKO 14 Helfi 14 Radfahrprüfung 17 Helping Hands 17 Zeitschriften 20 Juniorcamp 24 Schulstartpakete 26 Unsere Klasse schwimmt! 29 Unsere Schule unsere Zukunft 31 GIVE 34 Unser Schulbuffet 34 Ich und meine Welt 34 Peer-Mediation 38 Lernhilfe Tirol 40 Dilemmageschichten 43 Helpstars.at 48 Pflegefit 51 HIV-Peers in Oberösterreich und der Steiermark 55 Babyfit 55 Sommercamps 69 Youngblood 69 Gruppe Projekt Zivilcourage 74 Jugendsprecher 74 Ferienkurse in Wien 76 Jugendservice 79 Friendship-Camp Langenlois 80 Erste-Hilfe-Teams an der Schule in Kärnten 80 Jugendgruppen in Salzburg 80 5

6 Was geht es mich persönlich an? Bevölkerungsalterung. Niedrige Geburtenraten. Bildungsmisere. Zuwanderung und Integration. Was bedeuten verschiedene gesellschaftspolitische Trends und Entwicklungen für jeden persönlich? henri fragt Experten des Österreichischen Roten Kreuzes antworten im Video. GesPol im ÖRK Gesellschaftspolitik. Wir sagen nicht, was ankommt. Sondern worauf es ankommt. Die Stabsstelle für Gesellschaftspolitik im Österreichischen Roten Kreuz analysiert gesellschaftliche Trends und Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Arbeit sozialer und humanitärer Organisationen. Mit dem Ziel, die Lebensbedingungen von Menschen in Not und sozial Schwachen zu verbessern, arbeitet sie an der aktiven Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse, die sich nicht mit Korrekturen im Nachhinein zufriedengibt. Die gesellschaftspolitischen Inhalte des ÖRK gibt es jetzt auch im Internet unter Hier sehen Sie, wie die Site aufgebaut ist und wo welche Inhalte zu finden sind. 6 Das Magazin, das fehlt Henri das Magazin, das fehlt ist die Flagship- Publikation des ÖRK für gesellschaftspolitische Themen. Sie richtet sich an Entscheider und Meinungsführer. Alle Ausgaben gibt es als E-Paper und als pdf zum Download: Wozu Ausländer? Zuwanderung und Integration zählen zu den wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen in Österreich. Von den Potenzialen der Zuwanderer ist selten die Rede. Wir werfen einen frischen und realistischen Blick auf das Thema. Plus: die Migrations- und Integrationscharta des Österreichischen Roten Kreuzes.

7 Österreich 2050: Was bringt die Zukunft? Können künftig auch weniger Erwerbstätige die Wirtschaftsleistung erbringen, die notwendig ist, um den Wohlstand zu erhalten und den Sozialstaat zu finanzieren? Was ist zu tun, um Wirtschaft und Sozialstaat demografiefest zu machen? Der future.monitor liefert die Antworten für vier zentrale Themenbereiche: Bildung, Erwerbstätigkeit, Pflege & Betreuung sowie Migration. governmentwatch: Wie gut ist die Regierung? Jedes Regierungsprogramm enthält Vorhaben in den Bereichen Soziales, Humanitäres, Demografie und Entwicklungspolitik. Welche davon sind bereits umgesetzt? Welche sind in Arbeit? Und welche wurden liegen gelassen? governmentwatch ist eine Soll-Ist- Analyse. governmentwatch verfolgt die Umsetzung des aktuellen Regierungsprogramms und veröffentlicht das Ergebnis in regelmäßigen Berichten. Wozu mehr als Soforthilfe? Führungskräfte des ÖRK erklären, warum das Rote Kreuz die gesellschaftlichen Verhältnisse mitgestalten will. Sozialpolitiker anderer Organisationen kommentieren die Zusammenarbeit mit der Gesellschaftspolitik des ÖRK. Jede Woche neue Daten Überraschende, interessante und skurrile statis tische Daten, die gesellschaftlich relevant sind. Jede Woche neu. Was fordert das Rote Kreuz? Was sagt das Rote Kreuz zu Pflege & Betreuung, Armut, Bildungsbenachteiligung, Zuwanderung und Integration, Liberalisierung der Daseinsvorsorge, abnehmender Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung? Was muss sich ändern, damit es besser wird? Hier finden Sie alle Rotkreuz-Positionen plus die To-do- Liste für Österreich. Was gibt es Neues? Neue gesellschaftspolitische Trends und sozialpolitische Entwicklungen, informativ und kurz: Trends, der vierteljährliche Newsletter der Stabsstelle Gesellschaftspolitik, informiert Entscheider und Meinungsführer. Was meint das Rote Kreuz? Ein Kommentar, der in einer renommierten Tageszeitung veröffentlicht wird und dort eine Debatte unter fünf klugen Köpfen auslöst, ist noch immer ein wichtigeres Ereignis für die Etablierung eines politischöffentlichen Diskurses als irgendwo verstreute Postings (Konrad Paul Liessmann). Hier finden Sie alle Gastkommentare von Vertretern des Österreichischen Roten Kreuzes. 7

8 8 Die 10 Wunsche der Kindercharta

9 Lasst uns Kinder sein Die KinDercharta. 10 Wünsche, die uns wichtig sind. 1 So wie ich bin, bin ich gut. Kinder brauchen Vertrauen in die eigene Person und in die eigenen Fähigkeiten. Dann sind sie stark und selbstbewusst. 2 Jedes Kind will sich entwickeln und etwas leisten. Wer bei Kindern nur nach Fehlern sucht, hindert sie daran, ihre Stärken zu finden. 3 Schenk mir deine Zeit! nicht nur dein Geld. Kinder brauchen Zeit und Aufmerksamkeit. Wer Kinder sich selbst, dem Fernseher oder dem Computer überlässt, behindert ihre Entwicklung. 4 ich brauche eltern, die wissen, was sie tun. Kinder zu erziehen ist keine einfache Aufgabe. Eltern sind manchmal überfordert. Sie brauchen Bildungsangebote und Unterstützung in schwierigen Situationen. 5 Lernen macht mir Spaß. Verdirb ihn mir nicht! Die Schulzeit kann eine schöne Zeit sein. Lernen bedeutet, gemeinsam zu neuem Wissen und neuen Kompetenzen zu finden. 6 Zeig mir meine Stärken! hilf mir, wo ich schwach bin! ich habe einen traum: die 35-Stunden-Woche für Kinder. Kinder brauchen Freizeit, die sie selbst gestalten. Schule, Aufgaben, Lernen und andere angeleitete Bildungsaktivitäten sollen nicht mehr als 35 Stunden in der Woche einnehmen. 7 ich will essen, was gut für mich ist. Kinder haben das Recht auf Zugang zu gesunder Ernährung in jeder Lebenssituation. So können Essstörungen und die Vorliebe für ungesundes Essen vermieden werden. 8 ich will nicht schlagen. Und nicht geschlagen werden! Jedes Kind kennt Gewalt. Jedes Kind kennt Mobbing. Jedes Kind soll andere Lösungen für Konflikte finden können. 9 ich will Deutsch sprechen! Und meine erste Sprache! Jede Sprache ist ein Gewinn. Kinder sollen sowohl in Deutsch als auch in ihrer Erstsprache unterrichtet werden. 10 Diese Welt gehört mir. Und allen anderen! Jeder von uns ist ein Teil dieser Welt. Gemeinsam können wir sie erhalten. Dazu gehört der Respekt vor der Natur und allen Lebewesen. Impressum: 2012 ÖJRK, 1040 Wien Produktion: Info-Media, 1010 Wien Foto: Fotolia.com 9

10 Impressum: 2012 ÖJRK, 1040 Wien Produktion: Info-Media, 1010 Wien Foto: Nadja Meister KiNDER BRAUChEN VERTRAUEN 1. Selbstwert So wie ich bin, bin ich gut. Die Kindercharta So wie ich bin, des Österreichischen Jugendrotkreuzes bin ich gut. in die eigene Person und in die eigenen Fähigkeiten. Dann sind sie stark und selbstbewusst. Kinder brauchen Vertrauen in die eigene Person und in die eigenen Fähigkeiten. Dann sind sie stark und selbstbewusst. Kinder sollen Vertrauen in die eigene Person entwickeln und ihren Möglichkeiten selbstständig nachgehen können. Der Selbstwert kann durch Eltern und Lehrer gefördert werden, indem die Selbstwirksamkeitsüberzeugung von Kindern gestärkt wird; also der Glaube daran, dass man fähig ist, so zu agieren, dass bestimmte Effekte entstehen bzw. verhindert werden (indem man Selbstregulation ermöglicht, Selbstständigkeit lobt). 10

11 Lasst uns Kinder sein und keine kleinen Erwachsenen! Aber wie? Wie gebe ich meinem Kind die Möglichkeiten, die es braucht? Die häufigsten Elternfragen und die Antworten darauf. Fragen: Thomas Aistleitner Antworten: Christina Hager 1. Ich will, dass mein Kind stark und selbstständig wird. Was muss ich tun? Wann fange ich damit an? Es beginnt, genau genommen, im ersten Moment des Lebens. Ein Kind erfährt etwas über sich selbst aus der Art und Weise, wie andere Menschen und zuallererst seine engsten Bezugspersonen mit ihm umgehen. Liebevoller Umgang sagt dem Kind: Ich bin liebenswert. Ermutigung sagt ihm: Ich kann mir etwas zutrauen. Zuwendung und Interesse sagen ihm: Ich bin jemandem wichtig. Vertrauen bedeutet: Mir kann man trauen. Und Freiraum heißt: Ich kann gestalten. Es ist also nicht nötig, eigens etwas zu tun es sind die konkreten Erfahrungen in seinen sozialen Beziehungen, die das Kind stark machen oder eben nicht. 2. Soll ein Elternteil bis zur Kindergartenzeit zu Hause bleiben? Oder dürfen Kinder mit einem Jahr schon in die Krippe? Ist das vielleicht sogar besser für sie? Jedes Kind braucht Bezugspersonen. Es braucht stabile Beziehungen, auf die es sich verlassen kann. Solche Beziehungen bestehen naturgemäß sehr oft zu den Eltern. Es ist aber nicht so, dass Mütter und Väter mit dem Kind besondere Fähigkeiten mitgeliefert bekommen, die aus ihnen die einzig geeigneten Bezugspersonen machen. Andere Menschen können dafür genauso und manchmal besser geeignet sein. Es kommt nicht darauf an, ob das Kindermädchen, Großeltern, Pflege eltern oder Tagesmütter sind. Die Anzahl der Bezugspersonen sollte sich an der Entwicklung der Kinder orientieren und umso geringer sein, je jünger das Kind ist. Ein häufiger Personalwechsel in einer Krippe wird einem Kleinkind nicht guttun dauerhafte respekt- und liebevolle Beziehungen zu Personen, die nicht die Eltern sind, werden ihm jedoch helfen. Die Qualität der Beziehungen, in denen ein Kind aufwächst, ist wichtiger als die Frage, in welchem Verhältnis die Bezugspersonen zu ihm stehen. 3. Mein Kind soll vieles lernen und vieles können. Welche Angebote kann ich ihm machen? Kinder lernen die Welt kennen, indem sie in ihr und mit ihr Erfahrungen sammeln. Je mehr Gelegenheiten es findet, desto mehr lernt das Kind. Die Art und Weise, in der Kinder lernen, ist zuerst das Spiel. Notwendige Angebote sind daher: im Alltag Erfahrungen machen lassen das Kind mit(er)leben lassen, was sich tut, es in den Alltag einbinden, es dabei sein lassen. Zeit und Raum fürs Spielen geben, mit dem Kind spielen. Geschichten erzählen und vorlesen. Dabei macht das Kind indirekte Erfahrungen auch solche, die in der Realität gar nicht möglich wären. Respekt haben vor den kindlichen Aktivitäten es spielt nicht nur, es arbeitet an seiner Entwicklung. Was kein Kind vor dem Schulalter braucht: Training, Unterricht und Ähnliches. 11

12 4. Was ist, wenn das Kind nicht trainieren oder kein Instrument lernen will? Im Sport und in der Musik ist es doch wichtig, früh anzufangen! Nur wenn aus ihm ein professioneller Pianist oder Sportprofi werden soll. Kinder können alles lernen und sollen auch alles lernen dürfen aber nicht, weil sie etwas Bestimmtes können sollen, sondern im Kleinkindalter nur, wenn es für sie ein Spiel ist, das sie gerne spielen wollen. Wenn ein Klavier im Wohnzimmer steht, Familienmitglieder darauf spielen und offensichtlich Freude daran haben, wird das Kind irgendwann auch darauf spielen wollen. Es will dann aber nicht Klavier spielen, sondern es will mit dem Klavier spielen. Wenn es das darf, ist die Chance, dass daraus später ernsthaftes Klavierspielen wird, wesentlich größer, als wenn es das von Anfang an muss und das Spiel damit zum Training wird. Respekt vor den kindlichen Aktivitäten: Wenn ein Kind spielt, dann arbeitet es dabei an seiner Entwicklung 5. Wie mache ich das in der Volksschule mit den Hausaufgaben? Kann ein sechsjähriges Kind seine Aufgaben wirklich selbstständig erledigen? Hausaufgaben sind Teil des Unterrichts. Deshalb müssen sie wie jeder Arbeitsauftrag im Unterricht so gestellt sein, dass das Kind sie selbstständig erledigen kann. Das bedeutet auch, dass nicht alle Hausübungen für alle Kinder immer dieselben sein können. Es spricht nichts dagegen, dass ein Schulkind fallweise Hilfe bekommt, wenn es sie braucht (die bekommt es hoffentlich auch in der Schule!), aber alles spricht dagegen, dass Eltern im Nebenberuf Lehrer sein müssen. Lehrer und Lehrerinnen haben eine pro - fes sionel le Ausbildung genossen, die sie befähigt, schuli sche Lernprozesse der Kinder zu gestalten und zu begleiten. Könnte das von allen Eltern selbstverständlich erwartet werden wozu müssten dann Lehrer für ihren Beruf sechs Semester und länger studieren? 6. Was tue ich, wenn die Lehrerin sagt, sie erwartet richtige Hausaufgaben und dass die Eltern dafür zuständig sind? Gemeinsam mit anderen Eltern argumentieren! Arbeiten von Kindern sind Stationen auf ihren Lernwegen dass sie richtig sind, kann (wenn überhaupt) nur im Zusammenhang von Lernzielüberprüfungen erwartet werden; dann heißt es: Lernziel erreicht. Falsche Hausübungen sind eine wichtige Rückmeldung an die Lehrpersonen sie zeigen auf, was ein Kind noch nicht kann, nicht verstanden hat. Damit sollten sie Basis für den weiteren Unterricht sein. Die Sorge, dass das Kind es ausbaden könnte, wenn Eltern sich solchen Ansprüchen verweigern, trägt dazu bei, dass sie gestellt werden. Genau genommen fallen Eltern damit ihren Kindern in den Rücken, anstatt sie zu unterstützen. Sie machen es möglich, dass das Kind weiterhin Anforderungen erfüllen muss, denen es nicht (allein) gerecht werden kann, und Angebote nicht bekommt, die es bräuchte. Irgendwann ist dann elterliche Hilfe nicht mehr möglich und das Kind bleibt mit den Schwierigkeiten im wahrsten Sinn des Wortes hilf-los zurück. 12

13 7. In der Kindercharta ist von der Selbstwirksamkeitsüberzeugung die Rede, die von Eltern und Lehrern zu stärken ist. Was genau ist das und wie geht das? Selbstwirksamkeit bedeutet, dass ein Mensch etwas bewirken kann also wirksam ist. Sie ist ein wichtiger Aspekt für das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen. Wer sich dauerhaft als nicht wirksam erlebt, entwickelt Gefühle von Hilflosigkeit, Handlungs unfähig keit und Ausgeliefertsein. Selbstwirksamkeit zeigt den eigenen Handlungsspielraum auf und gibt Auskunft darüber, welche Fähigkeiten und Kompetenzen jemand hat. Kinder erleben ihre Selbstwirksamkeit immer dann, wenn sie etwas bewirken können. Das Wort ist Programm: Lassen wir Kinder etwas bewirken, geben wir ihnen Gelegenheit, mitzureden und mitzugestalten, wo das möglich ist, lassen wir sie experimentieren. Wer eine Pflanze pflegt, die blüht, wer ein Tier betreut, das wächst, oder Freude bereitet, indem er beim Tischdecken hilft der erlebt Selbstwirksamkeit (das eventuell zerbrochene Glas muss es wert sein!) Mein Kind tut sich bei allem schwer und ist immer langsamer als seine Freunde. Wie kann es da Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten entwickeln? Indem es erlebt, dass sein Wert nicht davon abhängt, was es kann oder wie schnell es ist, sondern dass seine bloße Existenz Grund genug ist, es zu schätzen und zu lieben. Dass es Fähigkeiten und Eigenschaften hat, die für es selbst und für andere wichtig sind und die es einzigartig machen. Außerdem haben Können, Die Maßstäbe, nach denen ein Kind sich Fähigkeiten und Tempo unterschiedliche Bedeutungen: Wer bewertet, sind die, nach denen es sich von beim Essen der Langsamste ist, seinen Bezugspersonen lebt gesünder als der schnellste bewertet fühlt Schlinger. Wichtig: Die Maßstäbe, nach denen ein Kind sich selbst bewertet, sind zunächst die, nach denen es sich von den Bezugspersonen bewertet fühlt. Wie ist mein eigenes Verhalten einzuschätzen? Muss ich meinem Kind alles vorleben oder darf ich auch ein schlechtes Beispiel sein? Ob wir es wollen oder nicht: Bezugspersonen sind Modelle, an denen sich Kinder orientieren. Das bedeutet nicht, dass sie fehlerlos sein müssen. Es ist ganz im Gegenteil wichtig, dass Kinder sehen: Menschen machen Fehler. Fehler kann man wiedergutmachen. Deshalb sollte es selbstverständlich sein, dass sich Eltern und Lehrpersonen bei einem Kind entschuldigen, wenn sie ihm Unrecht getan oder es gekränkt haben. Kinder dürfen auch wissen, dass es Erwachsenen manchmal schwerfällt, das Richtige zu tun oder Falsches zu lassen und dass es ihnen damit genauso ergeht wie ihnen selbst. So lernen sie, was Menschsein bedeutet. Vermeiden Sie Doppelmoral: Was das Kind als Regel oder Norm erlernen soll, muss auch für Erwachsene gelten. Wenn ein Kind den Eindruck gewinnt, dass Richtig oder Falsch eine Frage der Macht position ist, wird es danach trachten, so schnell wie möglich Macht über andere zu bekommen, um seinerseits Willkür walten zu lassen. So erzieht man Kinder zur Amoralität. 13

14 HEFT 01 MIT DEM ROTEN KREUZ Wie viele Kinder brauchen Kinder? Wenn ich nur ein oder zwei Kinder habe, sind sie mit meiner Gesellschaft zufrieden oder brauchen sie Freunde und wie oft? Kinder brauchen andere Kinder, weil sie manches nur untereinander lernen und ausprobieren können. Nur Kinder verhalten sich wie Kinder. Geschwister lernen zu teilen, zu streiten, Konflikte zu lösen, sich umeinander zu sorgen, mit Eifersucht und Neid umzugehen und vieles mehr, in einer geschützten Situation. Kein Elternteil kann je mit einem Kind in derselben Weise auf Augenhöhe umgehen. Auch Einzelkinder brauchen deshalb andere Kinder. Wie viele und wie oft, dafür gibt es keine absoluten Werte. Am besten so viele und so oft, wie das Kind es gerne möchte. Will ein Kind gar nicht mit anderen Kindern zusammen sein, sollte das zum Nachdenken anregen. So wie ich bin, bin ich gut dieser Punkt der Kindercharta klingt ja sehr schön. Aber ist es nicht so, dass auch die meisten Erwachsenen von so einem selbstbestimmten Leben nur träumen können? C Hier geht es um Selbstannahme, um ein Ja zu mir selbst. Dieses Ja ist die Basis dafür, dass wir andere annehmen können. Wer sich selbst nicht akzeptieren kann, kann das auch nicht anderen gegenüber. Selbstannahme ist die Voraussetzung für alles: Nur wer so sein darf, wie er ist, gesteht das auch anderen zu. Vielleicht besteht das Problem vieler Erwachsener ja gerade darin, dass sie das nie durften? Selbstbestimmtheit bedeutet nicht, alles machen zu können, was man will und wann man es will. Es bedeutet vielmehr, selbst zu entscheiden, ob, wann und wem gegenüber man eigene Wünsche und Bedürfnisse zurückstellt oder durchsetzt. Diese Entscheidung können und müssen wir immer treffen und wir tun gut daran, unsere Kinder darauf vorzubereiten. Zur Person Christina Hager Prof. Dr. Christina Hager lehrt an der Pädagogischen Hochschule Wien. Sie hat ihre Berufslaufbahn im Jahr 1973 als Volksschullehrerin begonnen und eine Ausbildung zur Montessori-Pädagogin absolviert. Neben ihrer Berufstätigkeit studierte sie Pädagogik und Psychologie und ist seit 1987 in verschiedenen Funktionen in der Aus- und Fortbildung der Pflichtschullehrer tätig. Viele Jahre lang war sie Lektorin an der Universität Wien und an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Sie ist pädagogische Beraterin für die mehrsprachige Volksschulzeitschrift Trio und Autorin mehrerer Publikationen des ÖJRK. Kinder richtig begleiten 10 Dos + Don ts für die Eltern. DO! D Gib deinem Kind die Sicherheit, dass du bedingungslos auf seiner Seite stehst egal, in welcher Situation. D Lass dein Kind spüren, dass es geliebt wird unabhängig davon, was es kann und weiß. D Gib deinem Kind nur so viel Hilfe, wie es braucht die aber jederzeit. D Lass deinem Kind die Chance, Fehler zu machen und daraus zu lernen. D Beobachte dein Kind aufmerksam auf der Suche nach seinen Möglichkeiten. DON T! C Vergleiche dein Kind, seine Leistungen und Fähigkeiten nie mit anderen es ist einzigartig. C Beschäme dein Kind niemals es verliert dabei sein Vertrauen in dich und in sich selbst. C Fälle nie ein Urteil, das endgültig klingt: Das kannst du nicht! ist vernichtend. Das kannst du jetzt noch nicht! ist ein Ausblick. C Bewerte das Verhalten deines Kindes aber niemals seine Person, die verdient vorbehaltlose Achtung. Verhalten kann unerwünscht sein das Kind nicht. Geh nicht davon aus, dass dein Kind denkt und fühlt wie du die Dinge haben für Kinder andere Bedeutungen. programme ROKO Das Kindergarten-Programm. Helfen welches Kind will das nicht gerne? Sich in der Welt der Erwachsenen beweisen, etwas so tun wie die Großen. ROKO mit dem Roten Kreuz, das neue Projekt des Österreichischen Jugendrotkreuzes mit der AUVA als Partner, spricht Kinder im Kindergartenalter an. Das ROKO-Programm besteht aus einer Pädagogenmappe, einer CD mit dem ROKO-Song und einem Kinderheft. ROKO ist für alle Kindergärten bestellbar. Helfi hilft dir helfen! Das Erste-Hilfe-Programm für die Volksschule. Helfi hilft dir helfen ist ein Programm, das Schülerinnen und Schülern der Schulstufe einfache Erste-Hilfe-Maßnahmen und Tipps zur Unfallverhütung nahebringt. In 16 Unterrichtseinheiten erleben die Kinder mit Helfi, dem guten Geist, Geschichten mit all täglichen Gefahrensituationen. Sie lernen, wie sie Hilfe holen und auch selber helfen können. Außerdem gibt es Tipps, die helfen, solche Gefahrensituationen zu vermeiden. R O KO Geschichten zum Mitmachen Für den Kindergarten Heft 1: Erste Hilfe + Gefahrensensibilisierung 14

15 JedeS kind will Sich entwickeln und etwas leisten. Impressum: 2012 ÖJRK, 1040 Wien Produktion: Info-Media, 1010 Wien Foto: Nadja Meister 2. Zeig mir meine Stärken! Hilf mir, wo ich schwach bin! die Kindercharta des Österreichischen Jugendrotkreuzes Jedes Kind will sich entwickeln und etwas leisten. Wer bei Kindern zeig mir meine Stärken! Hilf mir, wo ich schwach bin! nur nach Fehlern sucht, hindert sie daran, ihre Stärken zu finden. Wer bei Kindern nur nach Fehlern sucht, hindert sie daran, ihre Stärken zu finden. Es ist die Aufgabe von Eltern und Schule, Kindern zu helfen, ihre Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen und zu nützen, statt nach Defiziten zu suchen. Dieser in der Wissenschaft längst vollzogene Perspektivenwechsel des Lernens soll jedem Kind zugute kommen. Der Wille zur Leistung kommt von innen aus der Lust, etwas zu (er)schaffen. Das Aufzeigen von Schwächen ist dann eine wichtige Lernerfahrung für Kinder, wenn ein fehlertoleranter Erziehungsstil gelebt wird. Ressourcenorientierung 15

16 Von Thomas Aistleitner Zu Fuß in die Schule? Oder im Elterntaxi? Kinder im Straßenverkehr brauchen Schutz, Sicherheit und vor allem Eigenkompetenz. Soll mein Kind selbstständig sein und allein zur Schule gehen? Oder ist es nur dann wirklich sicher, wenn ich dabei bin? Keine Checkliste kann diese entscheidende Frage beantworten, denn die Antwort hängt so sehr an den Eltern wie am Kind. Sie hängt vom Vertrauen ab, das Eltern in ihr Kind haben. Betrachte ich mein Kind als Person, deren Schutz meine erste Aufgabe ist? Oder lasse ich es seine Welt erkunden, auch allein? Die Kindercharta fordert von Eltern, Kinder ihre Stärken finden zu lassen, anstatt ihre Fehler zu suchen. Dazu gehören Vertrauen und Ermutigung. Eltern unter Druck Ich gehe in die Schule Doch die Sorgfalt, die von Eltern dabei erwartet wird, hat sich geändert. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren selbst Volksschulkinder oft nachmittagelang allein oder mit Freunden, auf jeden Fall aber selbstbestimmt unterwegs. Heute bleiben sie kaum eine Stunde unbeaufsichtigt, und manche sind schon als Taferlklassler Handybesitzer. Das steigende Aufsichts- und Verantwortungsniveau bringt Eltern zusätzlich unter Druck. Die Kehrseite ist die totale Kontrolle, die im Extremfall Kinder heranwachsen lässt, die keine Entscheidungen treffen und keine Verantwortung übernehmen im Straßenverkehr eine unglückliche Kombination! Der Schulanfang ist eine enorme Umstellung. Von Sechsjährigen wird viel erwartet. Der Schulweg ist da noch eine zusätzliche Herausforderung. Ein Kind, das allein zur Schule geht, braucht Verantwortungsbe- 16

17 Version August Kritisieren Sie das Kind nicht, achten Sie lieber auf Ihr eigenes Verhalten! wusstsein, Merkfähig keit und Orientierung. Finden Sie heraus, was für ein Verkehrstyp Ihr Kind ist! Machen Sie einen Spaziergang mit dem Kind am besten noch bevor der Schulweg ein Thema wird. Schauen Sie, wie es sich verhält. Kritisieren Sie das Kind nicht, achten Sie lieber auf Ihr eigenes Verhalten! Kinder lernen am meisten durch Nachahmung. Wer bei Rot über die Straße geht, darf sich nicht wundern, wenn das Kind, das ihn begleitet, auch nicht auf die Ampel schaut. Der Schulweg Es ist in allen Lebenssituationen sinnvoll, Kinder etwas ausprobieren zu lassen. Das fängt schon am Kletterturm an. Wir sagen selten: Du kletterst super! Viel öfter kommentieren wir negativ: Pass auf, dass du nicht runterfällst. Da steckt das Scheitern schon drin. Gehen Sie mit dem Kind den Schulweg ab. Geben Sie ihm nicht die Hand, lassen Sie es den Weg selbst ergehen. Gehen Sie den Weg öfter, das gibt dem Kind die Sicher heit, die es braucht, wenn es allein unterwegs ist. Verkehrserziehung ist keineswegs nur Elternsache. Für die Volksschule gibt es eine Vielzahl von Angeboten des Bildungsministeriums (siehe Kasten). Lehrerinnen und Lehrer entwickeln Angebote, die Kinder und Eltern für den Verkehr sensibilisieren. Immer mehr Schulen Kinder mit verantwortung Freiwillige Radfahrprüfung Sicher mit dem Fahrrad unterwegs. Die Radfahrprüfung, ein Angebot des Jugendrotkreuzes für Kinder ab zehn Jahren, ist ein Fixpunkt im letzten Volksschuljahr. Kinder müssen auf echten Straßen ihre Verkehrstauglichkeit auf dem Fahrrad unter Beweis stellen. Im Theorieteil lernen sie ihre Rechte und Pflichten im Straßenverkehr kennen. Helping Hands Die junge Erste Hilfe. Selina kommt dazu, als Jakob einen Unfall hat. Soll sie ihm den Sturzhelm abnehmen? Selina tut das Richtige: Sie rettet Jakobs Leben. Die beiden schließen Freundschaft und erleben als Helping Hands viele Abenteuer, in Helping Hands die junge erste Hilfe denen sie Erste Hilfe leisten müssen. Helping Hands baut auf realen Fällen aus der Lebenswirklichkeit von Teenagern auf. Jede Hilfeleistung wird mit Fotos dargestellt. Jedem Abenteuer folgt ein Infoteil mit allen Tipps und Tatsachen zur Ersten Hilfe. Helping Hands ist das Schülerbuch des ÖJRK für den Erste- Hilfe-Unterricht an Schulen. leben retten ist ganz einfach! nehmen das Thema Schulweg in die Hand und erstellen Schulmobilitätspläne. Schon die gemeinsame Erstellung eines solchen Plans schärft das Bewusstsein für Verkehrssicherheit und gibt dem Kind ein Stück Verantwortung für die eigene Sicher heit. Sicher unterwegs Infos zum Schulweg. Die Website für Unterrichtende und interessierte Eltern. Artikel zu allen Verkehrsthemen, die Kinder betreffen. Schulwegtipps für Eltern. 0 17

18 Impressum: 2012 ÖJRK, 1040 Wien Produktion: Info-Media, 1010 Wien Foto: Nadja Meister 3. Zuwendung Schenk mir deine Zeit! Nicht nur dein Geld. die Kindercharta des Österreichischen Jugendrotkreuzes Schenk mir deine Zeit! Nicht nur dein Geld. kinder brauchen zeit und aufmerksamkeit. Wer Kinder sich selbst, dem Fernseher oder dem Computer überlässt, behindert ihre Entwicklung. Kinder brauchen Zeit und Aufmerksamkeit. Wer Kinder sich selbst, dem Fernseher oder dem Computer überlässt, behindert ihre Entwicklung. Kinder brauchen Zuwendung in Form von Zeit und Aufmerksamkeit. Computerspiele, auch solche mit realen Partnern, sind kein Ersatz für direkte Kommunikation. Damit Kinder sich entwickeln können, brauchen sie Ansprache und gemeinsames Tun. Sie müssen dabei ernst genommen und respektiert werden. 18

19 Connected Computer und Smartphone sind Familienalltag und wecken das Interesse der Kinder. Wie viel Computer braucht das Kind? Ein Ratgeber. F Von Paul Hafner ernsehen seit Jahrzehnten der Dauerbrenner als Streitpunkt zwischen Eltern und Kind. Unterschiedliche Vorstellungen von sinnvollem Konsum und angemessener Dauer sorgen verlässlich für Spannungen. Fortgeschrittene Kinder streiten schon lieber über Handys. Krisen rund um (aus Elternsicht) zu hohe Handyrechnungen haben sich mit den Flatrate-Tarifen entspannt. Aber inzwischen sind aus Handys Smartphones geworden, also kleine Computer. Seither geht es um die Inhalte. Internet, Games oder soziale Netzwerke ein Smartphone eröffnet seinem Besitzer eine Vielfalt Kinder und Handys: Die Kostenfalle ist überwunden, jetzt geht es direkt ins Internet an Möglichkeiten, die Kinder schwer überblicken ihre Eltern oft noch weniger. Sie stehen vor der Aufgabe, einen vernünftigen Mittelweg zwischen Ablehnung und Laisser-faire zu finden. Wie viel Elektronik, wie viel Computer braucht das Kind? Fernsehen Kinder müssen wissen, Experten sind sich dass die Welt hinter einig: Teletubbies dem Monitor keine ist. hin, Spongebob her, Das Leben spielt sich vor dem dritten Geburtstag sollten immer noch hier Kinder gar nicht bei mir ab fernsehen. Danach gilt: Fast alles geht, aber nicht allein. Es bietet sich an, gemeinsam altersgerechte Sendungen anzuschauen, deren Handlung nachvollziehbar ist und Spaß vermittelt. Kinderfernsehen zielt oft auf Lerneffekte ab sollte sich das Kind aber langweilen oder sich desinteressiert zeigen, so macht das gar nichts: einfach abschalten! Ein Unterschied zwischen Fernsehen und Internet besteht darin, dass Letzteres eine Aktivität im wörtlichen Sinn darstellt der Computergebrauch fordert mehr Teilnahme. Dadurch eignet er sich auch viel eher als Lernmedium der Markt für altersgerechte Lernsoftware für jedes Alter ist groß und es gibt etablierte Zertifikate für den pädagogischen Wert von Lernsoftware. Digital Natives Die Begegnung mit Computer und Internet ist gerade für die Generation der Digital Natives von enormer Bedeutung. Dennoch ist der Computer noch länger zu meiden als der Fernseher. Erst ab dem Volksschulalter sollte man Kinder mit dem Medium vertraut machen u 19

20 AB DER 7. SCHULSTUFE 23. Jahrgang P.b.b. Verlagspostamt 6022 Innsbruck, 02Z031646M Fotos: Sony Pictures, TOPIC Heft 242 Juli/August 2012 Solange ein Kind das Lesen nicht beherrscht, kann es sich nicht im Internet zurechtfinden und braucht es nicht u zunächst gemeinsam mit einem Erwachsenen. Wenn man Interesse an Lernspielen wecken kann und Kinder Gefallen daran finden, schafft man eine hervorragende Grundlage. Wichtig ist es, dem Kind vorzuführen, dass die Welt hinter dem Monitor keine echte ist das Leben spielt sich immer noch hier bei mir ab. Ein gewisses Pensum darf nicht überschritten werden: Eine Stunde täglich reicht für Kinder unter zehn Jahren, gerne auch weniger. Je nach Reifegrad kann man Kinder mit PC oder Laptop dann auch schon einmal alleine lassen aber erst, wenn man das Gefühl hat, dass das Kind bereit dafür ist. Zurechtfinden im World Wide Web Das Leben im 21. Jahrhundert ist ohne WWW undenkbar inzwischen auch für Kinder. Deshalb ist es notwendig, Kinder sensibel an die virtuelle Welt heranzuführen aus Angst vor Onlinesucht und Realitätsflucht wilde Verbote auszusprechen ist sicher nicht der richtige Weg. Aber wann können Kinder den Weg ins Web gehen? Die Faustregel: Solange ein Kind das Lesen nicht beherrscht, kann es sich nicht im Internet zurechtfinden und braucht es daher auch nicht. Kinder und Handys Das erste Handy eines Kindes sollte kein Smartphone sein so lautet die Empfehlung der Pädagogen. Hauptfunktionen eines Handys sind immer noch Telefonieren und SMSen (aus Kindersicht) und Erreichbarkeit (aus Elternsicht). Das wird auch von Erwachsenen gerne vergessen. Der Hamburger Pädagoge Peter Struck verweist auf vertragsfreie Handys und bietet eine altmodische, aber nützliche Empfehlung: Eine 12-Euro-Karte pro Monat sollte bis zum 12. Lebensjahr ausreichen. Wem das altmodisch erscheint, dem sei ein Vergleich mit Taschengeld vor Augen geführt: Ist keines mehr da, ist eben keines mehr da. So lernen Kinder, konsequent mit (sinnvoll) begrenzten Mitteln umzugehen. Ob dem Pädagogen bewusst ist, dass dieses Budget mit den aktuellen Flatrate-Tarifen locker für 1000 Minuten und 1000 SMS reicht? Solche Maßnahmen sind umso glaubwürdiger, wenn die Eltern sie vorleben. Wenn Mama und Papa schon beim Frühstück s checken, Tag und Nacht auf SMS reagieren und dreimal am Tag das Wetter im Internet nachschauen, werden die Kinder den Schluss ziehen, dass ohne Internet nichts im Leben geht. Jeder ist connected, warum ich noch nicht? Die Kindercharta erwähnt Me dien nur in den Subtexten, nie in den Forderungen. Es geht Eine Stunde Computer täglich reicht für Kinder unter zehn Jahren gerne auch weniger weniger um die Medien, sondern um die Zeit, die Eltern ihren Kindern widmen, sagt Andrea Gerstenberger, Generalsekretärin des ÖJRK. Kinder brauchen Menschen, nicht Medien. Wer mit seinen Kindern viel Zeit verbringt, braucht sich nicht zu fürchten, dass sie den Einstieg in die Medienwelt nicht schaffen. Kinder, die sich als Person wahrnehmen und schätzen, Kinder, die von ihren Eltern erfahren, dass auch die Offline-Welt nicht,disconnected ist, solche Kinder werden Medien, gedruckt oder gesendet, zu ihrem Vorteil nützen. ojrk-zeitschriften Lesespaß mit Niveau Die ÖJRK-Kinder- und Jugendzeitschriften Mini-Spatzenpost, Spatzenpost, Kleines Volk, JÖ und TOPIC sollen Lust auf Lesen machen und die Neugier auf humanitäre und gesellschaftspolitische Themen wecken. Monat für Monat arbeitet ein ambitioniertes Team von Redakteurinnen und Redakteuren sowie Pädagoginnen und Pädagogen an den Inhalten und dem Online-Lehrerservice, das regelmäßig zu jedem Heft Ideen bietet, wie die aktuellen Ausgaben im Unterricht eingesetzt werden können. Die älteren Leserinnen und Leser werden von JÖ und TOPIC auch im Web mit Angeboten versorgt. das junge Magazin 7 mit starken PosterN Superhelden retten die Welt 0 20

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