Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf

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1 Wolfgang Urban, fib e.v., Marburg Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf ZPE Fachtagung Wie betreut man Wohnen? Perspektiven der Unterstützung von Menschen mit Behinderung im Alltag Universität Siegen, 3. März 2009 Forum 1: Unterstützung für Menschen mit Lernschwierigkeiten 1

2 1. Ambulante Hilfen des fib e.v. Marburg 2. Individuelle Lebensentwürfe 3. Fachliche Grundsätze und Anforderungen 4. Strukturelle Herausforderungen Anerkennung und Finanzierung Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 2

3 1. Organisationsstrukturen des fib e.v. Arbeitsbereiche: Außenstelle Gladenbach Geschäftsstelle Marburg Außenstelle Stadtallendorf Beratung Peer counseling Familienunterstützung Integrationshilfe Schule angepasste Hilfen für Menschen mit Behinderung nach individuellem Bedarf Unterstütztes Wohnen Persönliche Assistenz Hilfen im Alltag Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 3

4 2. Lebensentwürfe Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 4

5 ... Realitäten Mit den gegebenen Voraussetzungen des Betreuten Wohnen ist das selbstbestimmte Wohnen von Menschen mit hohem Bedarf nicht zu realisieren. Ausnahmen bestätigen diese Regel. Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 5

6 Die Beispiele stehen für Die Wiederherstellung eines würdigen Lebensrahmens 2. Gemeinschaftliches Wohnen mit Nicht- Behinderten 3. Zeitintensive Hilfen im sozialen Kontext Übergänge aus der Familie (Beispiele siehe Dokument Lebensentwürfe ) Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 6

7 Wiedergewinnung eines würdigen Lebensrahmens... Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 7

8 Gemeinschaftliches Wohnen mit Nicht-Behinderten... Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 8

9 Preis der DHG 2008 für den fib e.v. Zeitintensive ambulante Hilfe im sozialen Kontext - Übergänge aus der Familie... Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 9

10 3. Fachliche Grundsätze und Anforderungen Wir brauchen keine neuen Wohn- Modelle, sofern es uns gelingt, Hilfen beim Wohnen nach dem folgenden Grundsätzen zu organisieren: 1. Leben und Wohnen darf sich nicht aufgrund einer Beeinträchtigung vom Wohnen und Leben aller anderen Bürger unterscheiden. 2. Menschen mit Behinderung brauchen die Freiheit der Wahl für ihre Wohnform anstelle der wohlmeinenden Fürsorge anderer, die das vermeintlich Beste für sie organisieren. Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 10

11 Fachliche Grundsätze Das selbständige und selbstbestimmte Leben ist entgegen aller Annahmen nicht abhängig vom Fitness- oder Beeinträchtigungsgrad behinderter Menschen. Erst wenn es gelingt, auch dem sogenannt schwerst behinderten Menschen ein normales Wohn- und Lebensumfeld zu erschließen, ist Selbstbestimmung real. 4. Wohnformen sind einrichtungsunabhängig die Hilfe ist jederzeit kündbar, ohne den Wohnraum aufzugeben Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 11

12 Fachliche Grundsätze Betreuung beim Wohnen ist ein unzulängliches Mittel. Es muss ergänzt werden durch Hilfen zur sozialen Einbindung - die Anbieter der Hilfen haben auch die Verantwortung, einen angemessenen Lebensrahmen zu sichern. Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 12

13 ... und Anforderungen 1. Sicherung des Übergangs aus der Familie in die Selbstständigkeit 2. Individuell passende Hilfearrangements 3. Anforderungen an die Leistungsanbieter 4. Umfeldarbeit 5. Selbsthilfe und peer counseling 6. Sozialpolitische Absicherung Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 13

14 ... Anforderungen 1. Sicherung des Übergangs aus der Familie in die Selbstständigkeit Ein fließender Übergang aus dem ursprünglichen Lebenszusammenhang ohne falsche Umwege über Einrichtungen. Ein fließender Übergang der Hilfen aus der Beratung oder Familienunterstützung in die eigene Wohnform. Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 14

15 ... Anforderungen 2. Individuell passende Hilfearrangements Pflege, Assistenz und psychosoziale Unterstützung als einheitliches Konzept Respekt vor gewachsenen Lebenszusammenhängen (z.b. Einbeziehung v. Eltern) Eigene Wahl der Wohnsituation und Mitbewohner durch Nutzer bzw. ihre Vertreter Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 15

16 ... Anforderungen 3. Anforderungen an die Leistungsanbieter Unterstützung durch Übergangshilfen wie z.b. Probewohnen Unabhängigkeit des Wohnens vom Anbieter der Hilfen Vielfalt der Wohnformen ermöglichen - insbesondere auch integrative Respekt vor extremen Lebensentwürfen Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 16

17 ... Anforderungen Nähe und Distanz zu Mitarbeitern nach Bedarf (z.b. geplante Nachbarschaften) Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 17

18 ... Anforderungen 4. Umfeldarbeit Aktive Werbung um Akzeptanz im Umfeld Aktivierung u. Begleitung v. Nachbarschaftshilfe Nutzung informeller Hilfepotentiale insbes. von Angehörigen Unterstützung von Netzwerken Einsatz von Freiwilligenarbeit für besondere Aufgaben Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 18

19 ... Anforderungen 5. Selbsthilfe und peer counselinng Nutzung und Respektierung des Peer - Aspekts Patenschaften Schulung zur Selbstbehauptung Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 19

20 ... Anforderungen 6. Sozialpolitische Absicherung Sozialraumorientierung: Aktive Beteiligung in Stadt(teil)-Netzwerken und Projekten zur Sozialen Stadt Sicherung barrierefreien Wohnraums für die Nutzer Initiativen zur Barrierefreiheit in der Kommune. Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 20

21 4. Strukturelle Herausforderungen Anerkennung und Finanzierung Wünschen der Leistungsberechtigten soll entsprochen werden, soweit sie angemessen sind.... Der Träger der Sozialhilfe soll in der Regel Wünschen nicht entsprechen, deren Erfüllung mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden wäre ( 9 SGB XII). Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 21

22 Vorrang haben ambulante Leistungen vor teilstationären und stationären Leistungen... Der Vorrang der ambulanten Leistungen gilt nicht, wenn eine Leistung für eine stationäre Einrichtung zumutbar und eine ambulante Leistung mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden ist. Bei der Entscheidung ist zunächst die Zumutbarkeit zu prüfen. Dabei sind die persönlichen, familiären und örtlichen Umstände angemessen zu berücksichtigen. Bei Unzumutbarkeit ist ein Kostenvergleich nicht vorzunehmen. ( 13 SGB XII) Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 22

23 Problematik des Vergleichs... Erhöhte Rehabilitationschancen im ambulanten Bereich reduzieren Hilfebedarfe Äpfel werden mit Birnen verglichen pauschale Durchschnittskosten mit individuellen Kosten Der Erhalt von Netzwerken und Ressourcen verringert professionelle Bedarfe Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 23

24 These: Wenige teure Einzelfallhilfen werden durch viele billige auf der anderen Seite kompensiert. These: Insgesamt haben wir es mit einer Kostenentsprechung zwischen ambulant und stationär zu tun. Konsequenz: wir brauchen eine weitere Klärung der Rechtsgrundlagen auch im Gefolge der UN- Konvention Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 24

25 Fazit: Selbstständiges und selbstbestimmtes Wohnen mit hohem Hilfebedarf wird bei den engen finanziellen und strukturellen Vorgaben der Leistungsträger nur in wenigen Ausnahmefällen gelingen. Ohne Anpassung der Gesetze wird sich das nicht ändern Das Fazit für Pessimisten Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 25

26 Fazit für Optimisten Das selbstständige und selbstbestimmte Wohnen von Menschen mit hohem Hilfebedarf kann eigentlich nur aus Mangel an Kreativität und Phantasie scheitern die rechtlichen und formalen Möglichkeiten dazu stehen jedenfalls bereit. Perspektiven von Menschen mit hohem Hilfebedarf 26

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