Kinderwunschsprechstunde

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1 Kinderwunschsprechstunde

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3 Kinderwunschsprechstunde

4 Inhaltsverzeichnis Allgemeines zur ungewollten Kinderlosigkeit S. 7 Anmeldeverfahren S. 9 Zu Ihrer Information: der natürliche Zyklus der Frau S. 11 Hinweise zur reproduktiven Gesundheit S. 13 Die ungewollte Kinderlosigkeit und die seelische Verfassung der Betroffenen S. 15 Gynäkologische Infertilitätsdiagnostik (Untersuchungen bei der Frau) S. 17 Überprüfung der Gebärmutter und der Eileiter S. 19 Vorbereitung der geplanten Schwangerschaft S. 21 Ursachenbezogene Therapieverfahren bei ungewollter Kinderlosigkeit S. 27 Verfahren der assistierten Fertilisation S. 29 Das Fortpflanzungsmedizingesetz (FmedG) S. 31 Stimulation der Eierstocksfunktion S. 33 Die Nachteile der oviarellen Simulationsbehandlungen sind vielfältig S. 35 Vorbehandlung mit dem «langen Protokoll» S. 37 Behandlung mit dem «kurzen Protokoll» S. 39 Die eigentliche Stimulationsbehandlung der Eierstöcke S. 41 Die Auslösungsspritze S. 43 Follikelpunktion zur Eizellengewinnung S. 45 Spermiengewinnung und Spermienaufbereitung S. 47 Unterstützung der Einnistung durch das «assisted hatching» S. 49 Rückgabe der befruchteten Eizellen: Embryotransfer S. 51 Gelbkörper- oder Lutealphase S. 53 Kryopräservation von Eizellen im Vorkernstadium S. 55 Erfolglose Therapie S. 57 Schwangerschaft S. 59 Schlusswort S. 61 Beratung und psychologische Begleitung S. 63 Lageplan S. 66 Links für unsere Broschüre und/ oder Website S. 67 4

5 Vorwort Sehr geehrtes Paar, Die medizinische Betreuung der ungewollten Kinderlosigkeit ist ein zeitraubender und komplexer Vorgang. Er belastet sowohl den Körper als auch die Seele der Betroffenen. Ihr Wohlbefinden während der Untersuchungsphase und bei der Durchführung der Behandlungen hängt wesentlich von der Einsicht in die biologischen Vorgänge und vom Verständnis für die Durchführung der medizinischen Massnahmen ab. Es ist uns daher ein Anliegen, die medizinische Betreuung der ungewollten Kinderlosigkeit vor dem Hintergrund der biologischen Vorgänge während der Befruchtung und bei der Entstehung der Schwangerschaft zu erklären. Dieses Merkblatt ist als Leitfaden während der Diagnostik und der Therapie gedacht. Hierbei wurde speziell auf die Methodik und Abläufe in der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Universitäts-Frauenklinik Basel eingegangen. Bitte lesen Sie diese Informationen gründlich durch und besprechen Sie Fragen und Unklarheiten mit dem Arzt. Darüber hinaus ist es nützlich, sich zusätzlich bei Ihrem niedergelassenen Frauenarzt, Hausarzt oder Urologen zu informieren. Aus der unterschiedlichen Darstellung der Vorgänge können Sie ein eigenes und vollständigeres Bild der Geschehnisse gewinnen. Prof. Dr. med. h. c. mult. W. Holzgreve Vorsteher der Universitäts-Frauenklinik Basel Prof. Dr. med. Christian De Geyter Abteilungsleiter, Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin Dr. rer. nat. Maria De Geyter Laborleiterin 5

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7 Allgemeines zur ungewollten Kinderlosigkeit Bleibt ein Paar über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten ungewollt kinderlos, handelt es sich definitionsgemäss um ein infertiles Paar. In West-Europa betrifft dieses Problem etwa 12 bis 15% aller Paare. In manchen Entwicklungsländern kann dieser Prozentsatz noch wesentlich höher sein: laut Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bleiben in Zentral-Afrika etwa 30% der Frauen ungewollt kinderlos. Obwohl bei Ihnen in den letzten 12 Monaten oder länger keine Schwangerschaft eingetreten ist, sind die Chancen, dass es bei Ihnen doch noch spontan zu einer Schwangerschaft kommt, nicht gering. Man hat berechnet, dass es pro Monat in 1% bis 3% der Zyklen doch noch zu einer Schwangerschaft kommt. Allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit eines spontanen Schwangerschaftseintrittes mit zunehmender Dauer der ungewollten Kinderlosigkeit. Sie haben eine medizinische Beratung bezüglich Ihrer ungewollten Kinderlosigkeit in Anspruch genommen. Dies ist nicht die einzige Anlaufstelle, die Ihnen Hilfe bieten kann. Eine Alternative wird vom Jugendamt bereitgestellt, welches die Adoption oder die Pflege eines Kindes anderer Eltern vermittelt. Auch eine psychologische Begleitung der ungewollten Kinderlosigkeit kann zur Bewältigung der Problematik beitragen und so Ihren Leidensweg verkürzen helfen. Wenn Sie nach reiflicher Überlegung eine medizinische Betreuung zur Überwindung der ungewollten Kinderlosigkeit anstreben, ist es wichtig zu verstehen, dass es sich hier um einen manchmal langwierigen Prozess handelt. Dieser Prozess ist systematisch und logisch aufgebaut, folgt allgemeinbekannten medizinischen Prinzipien und umfasst daher mehrere Phasen: 7

8 1. Diagnostik: Ziel der Diagnostik ist die Erfassung aller zur Kinderlosigkeit beitragenden Faktoren. Wichtig ist, dass beide Partner untersucht werden, da meistens mehrere Störfaktoren gleichzeitig Ursache für die Infertilität sind. 2. Beseitigung der Sterilitätsfaktoren: Zuerst wird versucht, Störfaktoren bei der Schwangerschaftsentstehung zu beseitigen. Hierzu gehört auch die Optimierung der Voraussetzungen für das Austragen einer Schwangerschaft. Ein Beispiel dafür ist die Behandlung einer Unterfunktion der Schilddrüse. Je nach Ausmass der Schilddrüsenunterfunktion kann diese sowohl die Schwangerschaftsentstehung als auch den Verlauf der Schwangerschaft beeinträchtigen. Es ist nicht zwingend notwendig, dass alle Störfaktoren behandelt werden: manchmal genügt es, einen oder zwei Störfaktoren zu beseitigen. Anschliessend kommt es häufig zum spontanen Schwangerschaftseintritt. 3. Überwindung der ungewollten Kinderlosigkeit ohne Beseitigung der Sterilitätsursache: Wenn trotz intensiver Diagnostik die Ursache der Infertilität nicht geklärt oder diese nicht ausreichend beseitigt werden kann, wird versucht, mit dem vorhandenen Fertilitätspotential beider Partner zur Entstehung einer Schwangerschaft beizutragen. Dieses wird überwiegend durch den Einsatz verschiedener Verfahren der künstlichen Befruchtung (die sog. «assistierte Fertilisation») bewirkt. In der Universitäts-Frauenklinik Basel bestehen die erforderlichen Voraussetzungen, um kinderlose Ehepaare mit sämtlichen Formen der ursachenbezogenen sowie mit den verschiedenen Verfahren der assistierten Fertilisation erfolgreich zu behandeln. 8

9 Anmeldeverfahren Die Anmeldung zu einem ersten Beratungsgespräch und auch zu weiteren Untersuchungsterminen kann telefonisch unter der Nummer in der Kinderwunsch- Sprechstunde erfolgen. Die Kinderwunsch-Sprechstunde befindet sich in der Poliklinik in der Universitäts-Frauenklinik Basel. Vor dem Gespräch oder der Untersuchung melden Sie sich zur Registrierung bei der Anmeldung im Raum Q in der Poliklinik. Die Kinderwunsch-Sprechstunde verfügt über drei gynäkologische Untersuchungsräume sowie über drei Sprechstundenzimmer. Sie werden von fünf Krankenschwestern sowie von drei Ärzten betreut. Zusätzlich haben wir im Rahmen der Kinderwunschsprechstunde der Universitäts-Frauenklinik Basel eine andrologische Sprechstunde für die Diagnostik und Therapie des infertilen Mannes eingerichtet. Die Anmeldung und die Terminvergabe erfolgt ebenfalls unter der Telefonnummer Die Sprechstunde ist so eingerichtet, dass das erste Gespräch mit einem ungewollt kinderlosen Paar etwa eine halbe bis eine Stunde dauern kann. Dieser Zeitaufwand ist notwendig, um sich ein vollständiges Bild der Vorgeschichte (die sogenannte Anamnese) des Paares machen zu können. Wichtige Informationen werden hierbei aus der Krankheitsgeschichte der Familie des Paares, aus der allgemeingesundheitlichen und aus der gynäkologischen Vorgeschichte der Frau gewonnen. Wenn möglich, sollten beide Partner bei dem Gespräch anwesend sein. Zur Vereinfachung des Gespräches sowie zur Vermeidung von Falschinformationen und unnötigen Doppelbestimmungen von Untersuchungen bitten wir Sie daher, Kopien früherer Untersuchungsergebnisse mitzubringen. Falls möglich, bitten Sie Ihren Frauenarzt um die Zusammenfassung der bisher durchgeführten Untersuchungen und Behandlungen. Nur so können unnötige Wiederholungen von 9

10 Untersuchungen und Behandlungen und dadurch die Entstehung vermeidbarer Kosten verhindert werden. Grundsätzlich verstehen sich die Ärzte in der Kinderwunsch-Sprechstunde als vorübergehende Stellvertreter Ihres Frauenarztes. Die Ärzte in der Kinderwunsch-Sprechstunde der Universitäts-Frauenklinik Basel üben diese Funktion aus, da sie über besondere Kenntnisse und eine besondere Ausstattung verfügen, die eine spezialisierte Betreuung der ungewollten Kinderlosigkeit gewährleistet. Grosser Wert wird daher auf den steten Informationsaustausch mit Ihrem betreuenden Frauenarzt gelegt. Dieser wird durch gelegentliche Telefonate und durch einen regelmässigen Briefkontakt sichergestellt. Bei Unsicherheiten können Sie so immer wieder eine zweite Meinung bei Ihrem Frauenarzt einholen. Anmeldung der Kinderwunschsprechstunde in der Poliklinik der Universitäts-Frauenklinik Basel. 10

11 Zu Ihrer Information: der natürliche Zyklus der Frau Der natürliche Menstruationszyklus der Frau dauert normalerweise etwa 28 Tage, beginnt mit dem ersten Tag der Regelblutung und endet mit dem Tag vor der darauffolgenden Regelblutung. Schon während der Regelblutung, die etwa 5 bis 7 Tage dauern kann, beginnt das Heranwachsen eines dominanten Eibläschens (Follikel) in einem der beiden Eierstöcke (Ovarien). Durch eine genau abgestimmte Wechselwirkung zwischen Eierstock und Hirnanhangsdrüse gelingt es dem Körper, aus einer grösseren Anzahl von Eibläschen dieses einzelne Eibläschen heraus zu selektionieren. Die weibliche Fruchtbarkeit wird sehr stark von diesem Selektionsprozess geprägt: wenn in beiden Eierstöcken ein grosser Vorrat an Eibläschen zur Verfügung steht, sind die Chancen einer Schwangerschaft viel grösser, als wenn lediglich wenige Eibläschen in beiden Ovarien vorhanden sind. Mit einer Ultraschalluntersuchung von der Scheide her kann der Eierstock genau dargestellt und die Anzahl vorhandener Eibläschen gezählt werden. Aus dieser Anzahl Eibläschen kann der Arzt ableiten, wie gut die Ovarien auf eine eventuelle spätere Hormonstimulation reagieren werden. Jedes Eibläschen enthält im Inneren eine Eizelle. Durch die Hormonausschüttung aus der Hirnanhangsdrüse reift jedoch jeden Monat nur ein Eibläschen heran, dessen Eizelle sich im Inneren des Eibläschens bis zur Befruchtungsfähigkeit weiterentwickelt. Dieses eine Eibläschen kann sich dann zum richtigen Zeitpunkt öffnen (Ovulation) und den Inhalt in den Eileiter ausschütten. Der Eisprung kann ausbleiben, wenn das Eibläschen im Inneren zu schwach ausgebildet ist. Dieses ist häufig bei älteren Frauen der Fall. Umgekehrt bleibt der Eisprung auch häufig bei jungen Mädchen aus, da die Hirnanhangsdrüse noch nicht in der Lage ist, die Follikelreifung ausreichend zu unterstützen. Nach dem Eisprung wird das Eibläschen in den sogenannten Gelbkörper (Corpus luteum) umgewandelt. Die 11

12 Funktion dieses Gelbkörpers ist es, die Einnistungsbedingungen in der Gebärmutter so zu beeinflussen, dass eine Schwangerschaft entstehen kann. Bei einer gesunden Frau ist die Lebensdauer und Funktion des Gelbkörpers so ausgerichtet, dass er die ersten zwölf Tage der Schwangerschaftsentstehung unterstützt. Ist aufgrund krankhafter Umstände die Lebensdauer des Gelbkörpers verkürzt (unter zehn Tage) oder die Funktion des Gelbkörpers so beeinträchtigt, dass die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) nicht genügend auf die mögliche Einnistung eines Embryos vorbereitet werden kann, spricht man von einer Gelbkörperschwäche oder Lutealinsuffizienz. Hormone sind Signale, die von einem Organ im Körper ausgeschieden werden und ihre Signalwirkung in einem anderen Organ ausüben. Folgende Hormone spielen in der Beurteilung des Menstruationszyklus eine Rolle: Östradiol ist das wesentliche weibliche Geschlechtshormon. Es wird im heranreifenden Eibläschen produziert und in das Blut ausgeschüttet. Je grösser das Eibläschen während seiner Entwicklung heranwächst, um so mehr wird dieses Hormon in das Blut ausgeschüttet. Wenn mehrere Eibläschen in beiden Ovarien heranreifen (zum Beispiel bei einer hormonellen Stimulationsbehandlung der Eierstöcke), ist die Konzentration des Östradiols im Blut entsprechend höher. Progesteron ist das Gelbkörperhormon. Es wird überwiegend in der zweiten Hälfte des Zyklus durch den Gelbkörper produziert und regt die Freisetzung von besonderen Nährstoffen durch die Gebärmutterschleimhaut an. FSH ist das Follikel-Stimulierende Hormon. Es wird durch den vorderen Teil der Hirnanhangsdrüse produziert und bewirkt die Reifung der Eibläschen. Zum einen regt FSH die Bildung von Östrogenen im Eibläschen an, zum anderen stimuliert es die Bildung und Aktivität von Zellen im Inneren des Eibläschens (Granulosazellen), die mit der Eizelle in Verbindung stehen und diese mit Nährstoffen versorgen. LH ist das luteinisierende Hormon. Es wird, wie das FSH, durch den vorderen Teil der Hirnanhangsdrüse produziert und sorgt zum einen für die Produktion einer geringen Menge männlicher Geschlechtshormone im Inneren des Eierstockes, und zum anderen bewirkt es in der Mitte des Zyklus den Eisprung eines reifen Eibläschens. In der zweiten Zyklushälfte (Lutealphase) stimuliert es die Produktion von Progesteron durch den Gelbkörper. Prolaktin ist das Milchproduzierende Hormon. Es bewirkt nach der Geburt eines Kindes während der Stillzeit die Milchproduktion in der weiblichen Brust. Es wird wie FSH und LH in der Hirnanhangsdrüse produziert. Bei einigen infertilen Frauen und Männern wird dieses Hormon übermässig produziert und führt dann zu Unregelmässigkeiten im Zyklusablauf oder zu einer Schwäche in den Eierstöcken oder in den Hoden. Manchmal muss bei solchen Patientinnen oder Patienten ein Tumor in der Gehirnanhangsdrüse ausgeschlossen werden. Fast immer handelt es sich dabei allerdings um eine gutartige Geschwulst. Prolaktin ist auch ein Hormon, welches unter inneren oder äusseren Stressbedingungen vermehrt freigesetzt wird. HCG ist das Schwangerschaftshormon. Dieses Hormon wird durch Zellen in der Schwangerschaftshülle (nicht durch den Embryo selbst) produziert und regt die Freisetzung von Gelbkörperhormon im Gelbkörper des Eierstockes an. Nur durch einen stetigen und dynamischen Anstieg der freigesetzten Menge an hcg kann eine ausreichende Versorgung der frühen Schwangerschaft mit Gelbkörperhormon gewährleistet werden. 12

13 Hinweise zur reproduktiven Gesundheit Viele Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit entstehen bereits in der frühen Kindheit oder in der Adoleszenz und die entstandenen Schäden können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Andere wiederum sind Folge einer bewussten Verzögerung der Fortpflanzung in einen späteren Lebensabschnitt, in dem die Zeugung oder die Empfängnis naturgemäss schwieriger ist. Die Lebensqualität und die Einhaltung einiger Gesundheitsregeln tragen allerdings auch erheblich zur Erhaltung der Zeugungsfähigkeit und der Fruchtbarkeit («die reproduktive Gesundheit») bei. Um Ihnen «bei der Selbsthilfe zu helfen» haben wir Ihnen einige wissenschaftlich überprüfte Tipps zur Erhaltung oder zur Verbesserung der reproduktiven Gesundheit aufgelistet. Mangel an Bewegung und Übergewicht Während der schädliche Einfluss einer übermässigen sportlichen Betätigung auf den Zyklus der Frau gut bekannt ist, ist das Wissen um die nachteilige Wirkung einer lang anhaltenden, sitzenden Haltung auf die Hodenfunktion viel weniger vorhanden. Als einziges Organ braucht der Hoden für die Entfaltung seiner Funktion eine niedrigere Temperatur (circa 34 C) als die Kerntemperatur des Körpers. Alle Massnahmen, die die Temperatur des Hoden dauerhaft erhöhen, sind für die Spermienproduktion schädlich. Hierzu gehören: enge Unterwäsche, die die Hoden an den Körper fixieren lang anhaltende sitzende Haltung ohne Pause häufiger und anhaltender Kontakt mit grosser Hitze Mangel an Bewegung hat oft Übergewicht zur Folge. Bei der Frau kann Übergewicht zu Zyklusstörungen führen und starkes Übergewicht geht mit einer deutlich erhöhten Komplikationsrate in der Schwangerschaft einher. Beim Mann kann ein starkes Übergewicht zur Zeugungsunfähigkeit führen, da 13

14 im Fettgewebe weibliche Geschlechtshormone produziert werden können, die die Hormonproduktion für den Hoden und damit auch die Spermienproduktion unterdrücken. Starkes Rauchen Bei Frauen verursacht starkes Rauchen einen vorzeitigen Verlust von Eibläschen. Frauen, die rauchen, kommen früher in die Wechseljahre als Frauen, die nicht rauchen. Es wurde wissenschaftlich belegt, dass Kinderwunschbehandlungen bei rauchenden Frauen nur halb so effektiv sind als bei nicht rauchenden Frauen. Darüber hinaus ist die Fehlgeburtenrate erhöht. Nikotinkonsum während der Schwangerschaft geht mit einer reduzierten Funktion des Mutterkuchens einher, so dass das Geburtsgewicht des Kindes weit unter dem eines Kindes liegt, dessen Mutter während der Schwangerschaft nicht geraucht hat. Die Zeugungsfähigkeit des Mannes wird ebenfalls durch das Rauchen beeinträchtigt. Die Giftstoffe, die im Zigarettenrauch enthalten sind, gehen auf die befruchtete Eizelle über und können so im Embryo eingelagert werden. Es wurde wissenschaftlich dokumentiert, dass die Kinder von rauchenden Männern später häufiger an Krebs erkranken. Alkohol Sowohl bei Männern als auch bei Frauen erhöht Alkohol die Östrogenproduktion. Daher unterdrückt auch mässiger Alkoholgenuss die Produktion der Samenzellen, als auch die Reifung von Eibläschen. Während der Schwangerschaft beeinträchtigt auch nur ein geringgradiger Alkoholgenuss die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Ausgeprägter Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft führt beim Kind zu bleibenden Schäden und Behinderungen (das sogenannte fetale Alkoholsyndrom). Cannabis Cannabis wird als weiche Droge bezeichnet und geniesst eine zunehmende Akzeptanz in unserer Gesellschaft. Studien ergeben jedoch keineswegs ein so harmloses Bild. Der Rauch einer Marihuanazigarette enthält 50 bis 100% mehr krebsverursachende Substanzen als der einer Zigarette mit dem gleichen Gewicht. Die Cannabisstoffe verweilen sehr viel länger im Körper als die Inhaltsstoffe einer Zigarette. Die Droge Cannabis übt sowohl bei Männern als auch bei Frauen eine hemmende Wirkung auf die Hormonproduktion in der Hirnanhangsdrüse aus, so dass der normale Ablauf des Zyklus der Frau und des Eisprunges gestört werden kann. Beim Mann kann Cannabis zur Impotenz führen, ebenso wurde ein direkter schädlicher Einfluss auf das Keimepithel im Hoden nachgewiesen, welcher nach einiger Zeit dauerhaft ist. Cannabis bewirkt eine Abnahme der Hodengrösse und führt daher besonderes beim Mann zur direkten und irreversiblen Beeinträchtigung der Spermienproduktion. In der Schwangerschaft geht Cannabis durch den Mutterkuchen in den Kreislauf des ungeborenen Kindes über und hemmt das Wachstum des Feten. Nach der Geburt verursacht Cannabis Verhaltensauffälligkeiten beim Neugeborenen, ähnlich wie beim fetalen Alkoholsyndrom. 14

15 Die ungewollte Kinderlosigkeit und die seelische Verfassung der Betroffenen Die ungewollte Kinderlosigkeit wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Krankheit anerkannt, weil sie das ganze Wesen der Betroffenen (sowohl körperlich als auch seelisch) beeinträchtigen kann. Besonders die Frau ist betroffen, da sie jeden Monat auf schmerzliche Weise durch das Auftreten der Regelblutung an das Ausbleiben der Schwangerschaft erinnert wird. Die moderne Medizin kann oft, jedoch nicht immer, einen Beitrag zur Klärung der Sterilitätsursache leisten. Allein schon eine solche Aufklärung der möglichen Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit kann für viele Paare bereits eine gewisse Erleichterung bewirken. Nicht selten genügt dieses Wissen, so dass manche Paare auf weitere medizinische Massnahmen verzichten. Im Laufe der Zeit kommt es dann in einigen Fällen trotzdem zur lang ersehnten Schwangerschaft. Falls es, ohne unser Wissen, spontan zur Schwangerschaft kommen sollte, ist eine kurze Rückmeldung an die Kinderwunschsprechstunde sehr hilfreich. Diese Benachrichtigung wird dann mit der damals gestellten Diagnose und Empfehlung verglichen. Im Laufe der Zeit können so wichtige Rückschlüsse über die Wertigkeit der Untersuchungen gemacht werden, die wiederum anderen Paare helfen können. Viele Paare entscheiden sich zu einer medizinischen Behandlung. Unter diesen sind besonders jene Therapien für die seelische Verfassung belastend, in denen das Zusammentreffen der Samenzellen und Eizellen intensiv überwacht wird: z. B. die künstliche Befruchtung. Einerseits bietet diese Möglichkeit im Vergleich zu einem natürlichen Zyklus eine verhältnismässig hohe Schwangerschaftswahrscheinlichkeit, andererseits kann die intensive Auseinandersetzung mit den einzelnen Schritten der Therapie und ihrer Fehlbarkeit Depressionen verursachen. Es ist besonders das «Auf-und-Ab» von guten und schlechten Nachrichten, welches eine ständig wechselnde Belastung darstellt. Frauen, die bereits früher an Depressionen gelitten 15

16 haben, sind hier besonders gefährdet. Eine Kinderwunschbehandlung, besonders im Falle eines enttäuschenden Ergebnisses, kann eine frühere psychiatrische Erkrankung wieder aufkeimen lassen. Für die seelische Bewältigung einer eventuell geplanten Kinderwunschbehandlung ist eine umfangreiche Informationsvermittlung äusserst wichtig. Wir empfehlen Ihnen daher die Auseinandersetzung mit dem Inhalt dieser Broschüre, da sie Einsicht in die Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit sowie in die Behandlungsverfahren vermittelt. Psychologen haben Untersuchungen hinsichtlich der Bewältigungsmechanismen während einer Kinderwunschbehandlung und der erzielten Schwangerschaftschancen durchgeführt. Sie konnten feststellen, dass Paare, die die einzelnen Behandlungsschritte verstanden haben und so ein Gefühl der Kontrolle über sich und die Therapie hatten, eher eine Schwangerschaft erzielten. Während der Therapie ist ein offener Gedankenaustausch mit dem Behandlungsteams wichtig. Im Wartezimmer sind Kontakte zu anderen Patientinnen empfehlenswert, da so Erfahrungen ausgetauscht werden können. Eine Verheimlichung der ungewollten Kinderlosigkeit oder einer Therapie stellt immer eine zusätzliche Belastung dar. Parallel zur medizinischen Behandlung der ungewollten Kinderlosigkeit besteht die Möglichkeit zur psychosomatischen Beratung und Betreuung durch eine in psychosomatischer Gynäkologie spezialisierten Ärztin. Eine solche Beratung im Vorfeld einer geplanten Behandlung oder auch begleitend zur Therapie ist grundsätzlich empfehlenswert. 16

17 Gynäkologische Untersuchungen und Infertilitätsdiagnostik Ultraschallbild einer Gebärmutterschleimhaut in der sekretorischen Phase (2. Zyklushälfte nach dem Eisprung): beachten Sie die Aufhellung der Gebärmutterschleimhaut, welche der Freisetzung von Nährstoffe entspricht Ultraschallbild einer normal aufgebauten Gebärmutterschleimhaut kurz vor dem Eisprung (Ovulation). Das Ultraschallbild zeigt drei parallellinien. Im Rahmen des Erstgespräches wird Ihnen erläutert, welches die nachfolgenden diagnostischen Schritte sind. Ziel der Diagnositk ist es, die Ursachen der Infertilität zu klären, die Prognose, die möglichen Risiken der Infertilitätsbehandlung zu bestimmen und möglichen Komplikationen während der erhofften Schwangerschaft vorzubeugen. Kern der Sterilitätsdiagnostik bei der Frau ist die Beobachtung der verschiedenen Abschnitte eines natürlichen Menstruationszyklus, das sogenannte Zyklusmonitoring. Der natürliche Menstruationszyklus beginnt mit dem ersten Tag der Regelblutung an und dauert in der Regel 28 Tage. Während dieser Zeit reift ein Eibläschen (Follikel) im Eierstock heran. Dieses Eibläschen setzt beim Eisprung eine Eizelle frei und wird in der zweiten Zyklushälfte zum Gelbkörper, welcher eine mögliche Einnistung der Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut unterstützt. Ein Menstruationszyklus endet nach 28 Tagen mit dem Eintritt einer weiteren Regelblutung. Je normaler sich der Verlauf des unbehandelten Menstruationszyklus darstellt, um so erfolgversprechender sind später die Konzeptionschancen (Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft). Der Menstruationszyklus wird mit Ultraschall, sowie wiederholten Blutuntersuchungen optimal überwacht. Welche Untersuchung an welchen Tagen erfolgen muss, wird Ihnen vom behandelnden Team mitgeteilt. Der Menstruationszyklus beginnt mit dem ersten Tag, an dem Sie die Regelblutung bemerken (1. Zyklustag), hierbei spielt es keine Rolle, ob Sie die Blutung früh morgens oder spät abends beginnt. Sie sollten sich dann telefonisch mit uns in Verbindung setzen, so dass ein erster Untersuchungstermin vereinbart werden kann. Die Periode bahnt sich bei manchen Frauen mit einer Schmierblutung an. Diese sollte jedoch nicht als die richtige Menstruation angesehen werden, hierbei handelt es sich viel mehr um diskrete Hormonstörungen. Die Regelblutung ist als eine stärkere Blutung gekennzeichnet. Erst wenn 17

18 diese eintritt, sollten Sie sich telephonisch zur Terminvereinbarung melden: An diesem ersten Termin (zwischen dem dritten und fünften Tag nach Eintreten der Regelblutung) findet die Untersuchung statt, die Ihnen und uns die meisten Informationen liefert. Mittels einer Blutuntersuchung sowie auch anhand einer Ultraschalluntersuchung wird die Grösse der Eierstöcke (Ovarien) ermittelt und die Intensität, mit der die Hirnanhangsdrüse die Reifung der Eibläschen herbeiführt. Darüberhinaus wird überprüft, ob die Regelblutung tatsächlich eine Menstruation war und nicht nur eine Durchbruchsblutung, bei der lediglich ein Teil der Gebärmutterschleimhaut abblutet. Zudem wird das Verhältnis zwischen den weiblichen und männlichen Geschlechtshormonen und anderen Hormonstörungen, die die Reifung eines Eibläschens beeinträchtigen, abgeklärt. So kann zum Beispiel eine übermässige Ausscheidung des Prolaktins oder eine Unterfunktion der Schilddrüse die Reifung der Eibläschen behindern, ohne dass Sie dies bemerkt haben. Ein weiterer Termin findet kurz vor dem Zeitpunkt des Eisprunges (Ovulation) statt. Ziel der Untersuchung an diesem Tag ist die direkte Beobachtung der Schleimhaut und Bestimmung der hormonellen Voraussetzung für den Eisprung. Hier gilt die Regel: je normaler der Verlauf des Zyklus ist, desto weniger muss medikamentös behandelt werden, und desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen und komplikationsarmen Infertilitätsbehandlung. Mit dem Eisprung beginnt die Gelbkörperphase (Lutealphase). Diese kann nur mittels Blutuntersuchungen überwacht werden. Mit Ultraschall kann die Qualität des Gelbkörpers nicht beurteilt werden. Die Gelbkörperphase kann sowohl in der Dauer (mindestens 10 Tage) als auch in der Intensität (es muss mindestens eine Konzentration von 30 nmol/l des Gelbkörperhormons im Blut vorhanden sein) gestört sein. Daher sind für eine optimale Überwachung drei Blutuntersuchungen an verschiedenen Tagen erforderlich. Beim Ausbleiben einer Schwangerschaft ist die Lebensdauer eines Gelbkörpers auf 12 Tagen begrenzt. Das Erlöschen der Gelbkörperfunktion führt zur nächsten Regelblutung. Elektronenmikroskopische Aufnahme der Oberfläche der Gebärmutterschleimhaut. Sie sehen auch die Öffnung der Drüsen zur Oberfläche hin. 18

19 Überprüfung der Gebärmutter und der Eileiter Polypen der Gebärmutterschleimhaut kommen in circa 5% der Frauen mit ungewollter Kinderlosigkeit vor und sind eine eigenständige Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit. Hysterosalpingographie (HSG) einer gesunden Gebärmutter, mit einem durchgängigen rechten Eileiter, jedoch mit einem in der Nähe des Eierstockes verschlossenen Eileiters. Sollte bei der Ultraschalluntersuchung eine Unregelmässigkeit der Gebärmutterschleimhaut festgestellt werden, besteht die Möglichkeit, dass sich dort ein gutartiger Tumor befindet. Ein solcher sogenannter Corpuspolyp stellt einen eigenständigen Störfaktor bei der Einnistung eines Embryos dar. Um diese Verdachtsdiagnose zu bestätigen und die Grösse, Anzahl und Lokalisation des Polypen zu bestimmen, ist eine Zusatzuntersuchung notwendig: die Hydrosonographie. Bei der Hydrosonographie wird wie bei einer normalen frauenärztlichen Untersuchung ein dünner Schlauch durch den Gebärmutterhalskanal in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Unter Ultraschallsicht wird dann steriles Wasser in die Gebärmutterhöhle eingespritzt. Auf diese Weise kann die Form der Gebärmutterhöhle sowie eventuelle Unregelmässigkeiten der Gebärmutterschleimhaut beurteilt werden. Diese Untersuchung ist nahezu immer schmerzfrei. Polypen der Gebärmutterschleimhaut kommen bei circa 5% der Frauen mit einer ungewollten Kinderlosigkeit vor. Nachdem mittels einer solchen Ultraschalluntersuchung das Vorhandensein eines Gebärmutterschleimhautpolyps gesichert wurde, sollte dieser durch eine kleine Operation entfernt werden. Dies geschieht mittels einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie). Die Gebärmutterspiegelung ist eine Operation, die entweder in Vollnarkose oder mit einer lokalen Betäubung vorgenommen wird. Hierbei wird zuerst der Gebärmutterhalskanal erweitert, anschliessend wird die Optik, welche mit einer Kamera verbunden ist, in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Dieser Vorgang kann über einen Bildschirm verfolgt werden. Zur Darstellung der Gebärmutterhöhle wird eine klare Flüssigkeit eingespült. Über einen Arbeitskanal können feine Instrumente eingeführt werden, mit denen z.b. Polypen oder Myome entfernt werden können. Die Durchgängigkeit der Eileiter kann anhand einer Röntgenuntersuchung (Hysterosalpingographie) überprüft 19

20 werden. Diese Untersuchung wird in Zusammenarbeit mit einem Radiologen im Röntgeninstitut durchgeführt. Um die Gebärmutterhöhle und die Eileiter sichtbar zu machen, muss ein Röntgenkontrastmittel, welches Jod enthält, über eine Sonde durch den Gebärmutterhalskanal in die Gebärmutter gespritzt werden. Dieser Vorgang wird gleichzeitig über einen Bildschirm überwacht. Bei frei durchgängigen Eileitern, fliesst das Röntgenkontrastmittel in Sekundenschnelle in die Bauchhöhle. Dies kann von krampfartigen Schmerzen begleitet sein. Vorteil dieser Methode ist die schnelle und einfache Durchführung der Untersuchung sie ist weitgehend schmerzfrei, sodass keine Betäubung notwendig ist. Sie stellt zuverlässig Gebärmutterhöhlen- und Eileiterveränderungen dar. Eine Einschränkung der Aussagekraft der Hysterosalpingographie besteht bei einem einseitigen oder beidseitigen Verschluss der Eileiter, in diesem Fall ist eventuell eine weitere Diagnostik notwendig. Eine genauere Untersuchung der Eileiterfunktion ist durch die Bauchspiegelung (Laparoskopie) möglich. Hierbei wird eine Optik mit einer Kamera durch den Nabel in die Bauchhöhle eingeführt, nachdem zuvor über eine Nadel die Bauchhöhle mit Kohlensäure aufgefüllt wurde. Über zusätzliche Einstiche in der unteren Bauchdecke können zusätzliche Instrumente eingeführt werden. Diese Operation, die nur in Vollnarkose erfolgen kann, erlaubt eine direkte Betrachtung des Bauchraumes, sowie der Eileiter. Darüberhinaus bietet diese Untersuchungsmethode die Möglichkeit, gleichzeitig operative Massnahmen durchzuführen. So können Verwachsungen der Eileiter, die deren Beweglichkeit einschränken und so das Auffangen der Eizelle beim Eisprung behindern, beseitigt werden. Krankhafte Veränderungen wie eine Endometriose, können entfernt werden. In manchen Fällen kann auch ein Verschluss der Eileiter rückgängig gemacht werden. Ultraschallbild eines mit Flüssigkeit gefüllten Eileiters (Hydrosalpinx), welches ein sicheres Zeichen eines durch Entzündung beschädigten Organs darstellt. Diese Situation erfordert die operative Sanierung mittels einer Laparoskopie. 20

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