Barrelmen. Fast wie Schindlers Oskar. Auf zur Liebesquelle! on Tour. Irish Polk-Rock KALKOWSKI. Termine S. 15. von H. Syzygos S. 5 S.18 S.

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1 ERSCHEINT 6 X IM JAHR 19. AUSG./4. JAHRG. MAI/JUNI 2013 Auf zur Liebesquelle! S.18 Barrelmen Fast wie Schindlers Oskar von H. Syzygos S. 5 on Tour Termine S. 15 Irish Polk-Rock KALKOWSKI S. 14

2 Unter anderem hier erhältlich: Restaurants, Kneipen, Cafés: Bierbaum 1, Thomasstr. 9 Zur Mitte, Herrnhuter Weg Sunrise, Sonnenallee 152 Louis, Richardstr./Ecke Richardplatz Villa Rixdorf, Richardplatz 6 Kaktus, Treptower Str. malso malso Café Bar, Böhmische Str. 14 erste Sahne OTIVM, Café & Eiscafé, Kienitzer Str. 116 Atrium, Bat-Yam-Platz 1 und Kirschweg 23 Cuccuma, Zossener Str. (Kreuzberg) Sorrentina Trattoria-Pizzeria, Gustav-Müller-Str. 1 (Schöneberg) Valentin Stüberl, Donaustr. 112 Arztpraxen: Praxis Dr. Harmon, Anzengruberstr. 8 Praxis Dr. Amann/Dr. Fleischer, Hermannstr. 106 Praxis Dr. Schlüter-Block, Sonnenallee 306 Tierarztpraxis Watson-Tasdan, Altenbraker Str. 29 Tierarztpraxis Förster-Zimmermann, Johannisthaler Chaussee 311/313 Physiotherapie Joanna Kalläne, Mariendorfer Damm 423a, Berlin Läden: Döring Wohnungsauflösung, Emser Str. 42 Schlüsseldienst Heise, Emser Str. 27 Regenbogenlicht, Emser Str. 41 Blutwurstmanufaktur, Karl-Marx-Platz 9-11 Kiez Gourmet, Manitiusstr Biosphäre, Weserstr. 212 Ökotussi, Großbeerenstr. 11 (Kreuzberg) Kiez Kiosk, Hermannstr. 110 Lotto-Laden, Karl-Marx-Str. 181 Zeitungsladen, Sonnenallee 159 Zeitungsladen, Sonnenallee/Roseggerstr. Zeitungsladen Ziebandt, Lipschitzallee 72a Coiffeur Carola, Braunschweiger Str. 22 Sozialer Computerladen, Briesestr. 6 WuK DRUCK, Emser Str. 42 Werbe-Block, Mariend. Damm 419A (Mariendorf) Hanack und Hanack Friseure GbR, Lausanner Str. 79, Berlin Kulturelle Einrichtungen: Saalbau Neukölln, Karl-Marx-Str. 141 KGB 44, Hertzbergstr. 1 Neuköllner Leuchtturm, Emser Str. 117 tfk theaterforum kreuzberg, Eisenbahnstr. 21, Berlin (Kreuzberg) Fliegendes Theater, Urbanstr. 100, Berlin Außerdem: Rathaus Neukölln, Karl-Marx-Str. 83 Bürgeramt, Blaschkoallee 32, Haus 5 AOK Neukölln, Donaustr. 89 JOB Point Neukölln, Karl-Marx-Str Förderverein Gemeinschaftshaus, MORUS 14 e.v., Werbellinstr. 41 Kath. Gemeinde St. Richard, Braunschweiger Str. 18 Im Reuter-Kiez, Rund um die Schillerpromenade, Rund um den Richardplatz, Britzer Tor, Rollbergviertel, Gropiusstadt, versch. Kirchen Wollen auch Sie den Neuköllner Dschungel bei sich auslegen: WuK DRUCK, Telefon oder Frau Gerdas Rat: Mit Backpulver zu sauberen Thermoskannen. Es bleicht, es reinigt und bindet Gerüche. Zwei Esslöffel Backpulver in die Kanne geben, heißes Wasser auffüllen, zwei Stunden warten und spülen. Backpulver ist auch gut als Kalkkiller in Blumentöpfen. Diese in ein Bad (Mischung: 2 Teelöffel Pulver auf 1 Liter Wasser) stellen und ein paar Stunden einwirken lassen. Regenbogenlicht Akademie für Philosophie, Lebenshilfe und Ethik - Ausbildung u. Schulung - Rituelle Reinigungszeremonien von Multiplikatoren zur Frequenzerhöhung - Supervision u. Coaching - Hellsichtige Lebensberatung Medium: Tarot - Numerologie Dipl. Soz.-Arb. Ingrid Elisabeth Sollors Emser Straße Berlin-Neukölln Tel./Fax:

3 Editorial Als wir mit unseren Beiträgen Aus dem Umland begannen, konnten wir das große Interesse nicht fassen. Leserzuschriften und Aussagen nehmen die Reiseskizzen und Berichte gerne als Wochenendanregungen wahr; entdecken Neues, frischen Vergessenes auf und geben Tipps weiter. Große Resonanz erhalten auch die Parkvorstellungen und -beschreibungen mit Geschichte und Lage in den vergessenen Winkeln Neuköllns. Gerade ältere Bürger/innen schlagen im NEUKÖLLNER DSCHUNGEL gerne nach und schwelgen in Kindheitserinnerungen. An dieser Stelle sei den fleißigen Zustellern gedankt, die unter Einsatz ihrer Gesundheit für die pünktliche und zuverlässige Verteilung des NEUKÖLLNER DSCHUNGEL keine Mühe, noch Wetterlage scheuen, um die Anlaufstellen zu beliefern. Dieses Foto schoss ein vorübergehender Passant während der Verteilung bei Eis und Schnee in der Weserstraße. Zweimal gestürzt und trotzdem wurde weiter geliefert! Johann Leschinkohl, Herausgeber Kinder malen für den NEUKÖLLNER DSCHUNGEL Nachdem wir in der letzten Ausgabe einige Zeichnungen von kleinen Künstlern veröffentlicht haben, sind wieder einige Bilder in unserer Redaktion gelandet. Zwei zeigen wir hier. Wir freuen uns schon jetzt auf viele weitere Bilder., Mein Opa hat coole Haare und ne coole Brille! Louis, 4 Jahre AUS DEM INHALT Am Teltowkanal Fast wie Schindlers Oskar Die Geier warten schon! Es war einmal Der Alte erinnert sich / Vampireule Blockimann Mit Arta Quni im Kosovo Josef Wilms, Autor Künstler in Neukölln Barrelmen, Irish Polk-Rock Wer heilt, hat recht Grüne Straße Emser Straße Die Liebesquelle an der Schleuse Comic Rezept / Günter Bruno Fuchs Veranstaltungen Leserbriefe / Impressum Der Gehirnzellenwärmer

4 Am Teltowkanal Vom Britzer Damm aus zieht sich mit kleinen Unterbrechungen ein grünes Band am Teltowkanal entlang bis kurz vor die Stubenrauchstraße. Ca. 7 km lang, zwischen dem Kanal und Wohnanlagen bis zur Buschkrugallee und von da auch an Kleingartenanlagen vorbei, ist er besonders für Radfahrer gut geeignet. Hinter dem Vereinshaus des Rudervereins Wiking bewegt man sich auch wieder auf historischen Pfaden. Markierte doch der Teltowkanal dort die Grenze zum anderen Teil der Stadt. Man kann Anglern zuschauen oder Reiher beobachten und manchmal auch einen Lastkahn an sich vorbei ziehen lassen. Hinter der Johannisthaler Chaussee stößt man auf das Gelände des ehemaligen Kraftwerkes, dass vor einigen Jahren seinen Dienst einstellte und abgerissen wurde. Hier entstehen jetzt Eigenheime und Stadtvillen. Dann endet der Weg und wer nicht die selbe Tour zurück nehmen möchte, kann den Kanal queren. Auf der Treptower Seite kann man den Weg an der Autobahn entlang wieder Richtung Späthbrücke nehmen und wenn man Lust hat noch weiter, dann am Britzer Zweigkanal entlang, bis Baumschulenweg radeln. Am frühen Sonntagmorgen ist das besonders schön. Wäre da nicht das ständige Geräusch der Autobahn, könnte man ausrufen: Wie idyllisch hier! Text/Fotos: LA 4

5 Fast wie Schindlers Oskar: Der Spediteur Erich Scheffler und seine Frau Charlotte Der Bewahrer eines einzigen Lebens hat eine ganze Welt bewahrt (aus dem Talmud). Jaques Abraham wohnte in der Boddinstr. 9 und verdiente seine Brötchen als Angestelltenvertreter im Betriebsrat eines Kaufhauskonzerns. Vor achtzig Jahren, April 1933, geschah ihm das, was wir heute eine personenbedingte Kündigung aus wichtigem Grund nennen. Im Alltag passiert dies beispielsweise, wenn ein Lkw-Fahrer seinen Führerschein verloren hat. Nach der Machtergreifung durch die NSDAP und Ernennung des vorbestraften, im Schnellverfahren eingebürgerten Migranten Adolf Hitler zum Reichskanzler veränderten sich die Alltage allerdings erheblich. Jaques Abraham aus der Boddinstr. wurde personenbedingt fristlos entlassen aus dem wichtigen Grund, dass er Jude war. Immerhin hatte Abraham noch Glück im Unglück, weil er durch seine christliche Frau in einer Mischehe lebte und so vorm Abtransport bewahrt wurde. Trotzdem verhafteten ihn die neuen Machthaber wiederholt und sperrten ihn dann entweder im Gefängnis Rosenstr. in Mitte oder in der Schulstr. im Wedding ein. Nach Ausbruch des Krieges musste er als Zwangsarbeiter bei der Reichsbahn Zementsäcke schleppen und Straßen reinigen. Später bekam er einen Job als Möbelträger bei Spedition Scheffler. Im Januar 1945 wurde Jaques Abraham verhaftet wegen Führerbeleidigung und Defätismus. Letzteres meinte das Zweifeln am Sieg im Zweiten Weltkrieg. Frau Abraham bat seinen Chef Erich Scheffler um Hilfe. Dem Spediteur gelang es, ihren Mann mithilfe von einigen tausend Zigaretten und mehreren Flaschen Sekt und Cognac freizukaufen. Jaques Abraham versteckte sich anschließend im Keller des Hauses Boddinstraße 9. Nach Kriegsende wurde ihm die Leitung der Fahrbereitschaft des Bezirksamtes Neukölln übertragen. Erich Scheffler und seine Frau Charlotte halfen, unterstützt von ihrer Tochter Anneliese und deren Mann Johannes Draheim, von 1943 bis Kriegsende verfolgten Juden und konnten mithelfen, ihnen das Leben zu retten. Als Verstecke dienten ihnen sowohl das private Wohnhaus im damaligen Dorf Marzahn als auch das Büro ihrer Spedition im 1. Stock des Hauses Präsidentenstraße 9 in Berlin-Mitte. Im selben Haus betrieb Herr R. Kühnel eine Zigarrengroßhandlung. Er war mit einer Jüdin verheiratet. Anfang August 1944 erhielt er eine Vorladung der Gestapo zum Verhör. Vier Tage später erhielt seine Frau die Nachricht, dass ihr Mann nicht mehr am Leben war. Zu diesem schweren Schicksalsschlag kam noch hinzu, dass keine Mischehe sie mehr schützte. Sie musste mit ihren Kindern untertauchen und fand bei den Schefflers in Marzahn von August 1944 bis Februar 1945 Unterschlupf. Erich und Charlotte Scheffler gaben sie als Familienmitglied aus. Danach verhalfen sie ihr zur Flucht nach Goslar. Wie diese beiden bedrohten Personen, so unterstützte das Ehepaar auch mehrere andere, zum Beispiel indem sie als Mitarbeiter der Spedition ausgegeben und damit vor dem Abtransport geschützt wurden. Durch einen heimlichen Großtransport rettete Erich Scheffler zudem viele Thorarollen der Jüdischen Gemeinde. Wie gesagt, der Spediteur war nur fast wie Oskar Schindler. Letzterer lebte nach der Befreiung noch bis Steven Spielberg verfilmte seine Aktionen als Schindlers Liste und die Deutsche Post ehrte ihn 2008 durch eine 145-Cent-Marke. Erich Scheffler wurde nach dem Einmarsch der Roten Armee erschossen, weil er Vergewaltigungen entgegen trat. Hermann Syzygos Fotos: Gedenkstätte Deutscher Widerstand, mit freundlicher Genehmigung. Erich Scheffler, Charlotte Buxel, verw. Scheffler. 5

6 Rolf hat viele Probleme. In seiner Stammkneipe fühlt er sich wohl. Da kam Peter. Was willst du denn hier fragte Rolf. Ich habe von deinen Schwierigkeiten gehört. Peter ist sich seiner Sache sicher. Ich helfe dir aus der Scheiße. Wie willst du das machen? Rolf zweifelt, du weißt doch, was passiert ist, du warst doch dabei. Weiß ich, grinst Peter süffisant, das Leben geht weiter. Rolf erinnert sich. Fünf Jahre ist das jetzt schon her. Er war gerade ein Jahr selbstständig als Meister im Baugewerbe. Kleinaufträge hatte er mit einem Mitarbeiter erledigt, Renovierungen und so. War nicht viel, aber es war ein gutes Auskommen und das relative Risiko, dass eine Arbeit nicht bezahlt wurde, war gering. Bis ihn Peter dann in die Falle lockte: Bauvolumen , 38 Wohnungen renovieren, Treppenhaus und Fassade, alles hier in Rixdorf. Kannste hinlaufen, gleich um die Ecke. Geld ist da, ist ne Hamburger Investorengruppe, Architekten und Rechtsanwälte. Rolf war begeistert. Startkapital von hatte er auf der hohen Kante. Peter organisierte den Erstkontakt zu den Bauherren und auch gleich die Bauunterlagen. Rolf hatte noch nie ein Projekt in dieser Größenordnung zu verantworten. Könnt ihr mir helfen, ob ich das machen soll und wo der Haken ist? fragte Rolf zwei Stammgäste in seiner Hauskneipe. Klar, war die Antwort. Beide alte, erfahrene Zausel, so um die 60, der eine Architekt, der andere Bauleiter. Schließlich sind wir hier in Rixdorf. Hier wird zwar mehr gequatscht als in einem bayrischen 6 Der legalisierte Betrug DIE GEIER WARTEN SCHON! Kuhdorf, aber wir,alt-rixdorfer halten zusammen. Die Alten arbeiteten sorgfältig. Das Angebot ist gut. Pass bei den Verhandlungen auf, die werden dich im Preis drücken. Bei aussteigen. Die Verhandlungen liefen brutal und eiskalt. Das Ergebnis war: Zwei Gewerke dazu, Bauvolumen Erste Abschlagszahlung nach 6 Wochen. Am Zahltag gab s aber nur Wenn wir euch jetzt das ganze Geld geben, haut ihr ab und wir stehen alleine auf der Baustelle, war der höhnische Kommentar der Bauherren. Rolf saß in der Falle. Er hatte die Arbeiter, die er mühselig besorgt und auch Projekt bezogen angemeldet hatte, pünktlich bezahlt. So ehrlich war er immer. Ich habe keine Wahl, ich muss das hier durchziehen, dachte Rolf. Am Ende blieb er auf den Forderungen von über sitzen. Habt ihr gut hingekriegt, ihr Hamburger Investoren! Drahtzieher dieser Schweinerei war Peter. Ausgerechnet Peter, der jetzt wieder neben ihm sitzt und ihm aus der Scheiße helfen will!! Der aber weiß sehr genau, was er will. Er braucht einen Strohmann. Schließlich hat Rolf ein Handwerkskarte, eine Gewerbeschein und eine Steuernummer. Und Rolf ist in einer Notlage! Ein besseres Opfer gibt es nicht. Peter kennt sich aus. Er bleibt immer im Hintergrund. Unterschriften gibt es von ihm nicht. Zeichnungen: D. Barth

7 Du hast das falsch angefasst, Peter spielte gerne den Oberlehrer, warum hast du deine Leute angemeldet und immer gleich bezahlt? Rolf war kurz vorm Platzen. Besorg dir Arbeiter, die sollen ein Kleingewerbe anmelden. Dann gibst du denen einen Werksvertrag und bist aus dem Schneider. Du brauchst keine Lohnsteuer bezahlen, für die Sozialabgaben bist du auch nicht verantwortlich. Wenn einer Mist baut, kannst du ihn als Vertragsbrüchigen rausschmeißen. Kündigungsschutz, Prozesse beim Arbeitsgericht alles dekadenter Kram von gestern. Und bezahlt wird erst nach der Bauabnahme. Dass die letzte Bauabnahme immer Fehler findet, was kannst du dafür. Ohne Abnahme kein Geld! Du kannst nur gewinnen Wir können nur gewinnen! Das geile an der Sache: Alles ist legal, juristisch sauber!! Peters höhnischer Gesichtsausdruck war für Rolf wie ein Weckruf. Er sollte genauso ein Schwein wie Peter werden. Die Gesetzeslücken ausnutzen und seine Mitarbeiter vorsätzlich und bewusst betrügen alles ganz legal! Nur so kommt man zu Geld! Hau ab, bevor ich mich vergesse, Rolf hatte genug gehört. Lieber macht er weiter in Kleinaufträgen. Ist Rolf nun ein Ehrenmann oder ein Vollidiot?? Weiß einer das? Dann raus mit der Sprache. Le Professeur Es war einmal eine Kleingartenkolonie mit dem schönen Namen Sonnenfreude. Zugegeben, sie war nicht sehr groß. Ein kleines Dreieck an der Kreuzung Grenzallee/Neuköllnische Allee. Eine kleine Oase, in der Großstädter zwischen Gemüse, Obst und Rasenfläche, mit ihren Gartenzwergen, ein wenig Entspannung fanden und die Sonne genossen. Doch dann kamen die Bagger und bereiteten dem ein Ende. Und wofür? Vielleicht für den dringend benötigten sozialen Wohnungsbau, dem laut Senat ja durchaus auch Kleingärten zum Opfer fallen könnten? Nein, die Devise lautet Blech für Bretterbuden! Es wurde für die umstrittene Verlängerung der Stadtautobahn A 100 gebaggert. Und es wird weiter gehen. Das graue Betonband wird sich weiter in Richtung Innenstadt zur Elsenstraße fressen und noch mehr Kleingärten schlucken. Und wer nicht unmittelbar durch Abriss davon betroffen ist, kann sich freuen, die Blechlawine vor der Nase zu haben, vor dem Apfelbaum, dem Balkon oder dem Schlafzimmer. Na dann gute Nacht! Text/Fotos: Drulu 7

8 * Der Alte erinnert sich Eisiges Erlebnis mit Meyer Ursprünglich wollte ich mal Schaufensterdekorateur werden. Dazu besuchte ich eine Fachschule für Werbegestaltung. In dieser Zeit wurden die Schüler dieser Schule auch zu Praktika vermittelt. Ich hatte das zweifelhafte Glück in einem sehr kalten Winter mit Minustemperaturen von über 30 Celsius im Schaufenster herumturnen zu dürfen. Das war bei Hertie am Mehringdamm zum Winterschlussverkauf. In den Schaufenstern herrschten Temperaturen von zugigen 35 Grad, Minus! Der Innenraum der Schaufenster wurde durch Belüftungsschlitze unter den großen Fenstern der Außentemperatur angepasst, sonst würden die Scheiben beschlagen. Es war so kalt, dass wir mit Handschuhen arbeiten mussten, um nicht an den Glasscheiben und Stellagen aus Metall festzufrieren. Ich wollte das genau wissen, zog die Handschuhe aus und fror sofort an einer Stellage fest. Durch das Losreißen büßte ich ein wenig von meiner Haut an den Fingern ein. Doch da war eine nette Substitutin in der Schuhabteilung. Die kam auf die Idee, uns mit ein wenig Weinbrand aufzuwärmen. In einem Stiefelkarton schmuggelte sie ein sogenanntes Meyer-Baby (Werbeslogan: keine Feier ohne Meyer), eine riesige Weinbrandflasche mit etwa 3 Litern Inhalt, in die verhängten Schaufenster. Das wärmte uns von Innen und wir waren der Dame sehr dankbar. Doch tranken wir gegen die Kälte mehr als wir dachten und vor allem registrierten. Das ging so lange gut, bis wir zur Mittagspause gingen. Wir hatten das Meyer- Baby erheblich erleichtert. In der Kaufhauswärme verteilte sich der Alkohol sofort im Körper und wir waren nicht mehr in der Lage zu Tisch zu gehen. Zwar mussten wir die Stellung halten und versteckten uns im Dekorationsraum bis wir uns einigermaßen vom Alkohol erholt hatten. Dennoch konnte die Schaufensterdekoration erst am nächsten Morgen beendet werden. Zeichnung und Text: D. Barth Die Wörter Tomate, Kojote, Avocado und Schokolade stammen alle aus der Azteken- Sprache Nahuati. In Paris müssen jährlich durchschnittlich 12 japanische Touristen wegen eines Kulturschocks zurück nach Japan gebracht werden. Der Ausdruck Blockbuster entstand in den 1920er Jahren. Damit wurden Filme bezeichnet, bei denen sich an der Kasse eine Schlange bildete, die länger als ein Häuserblock war. Die Schimpfworte Idiot, Depp, Schwachkopf und Kretin waren einst medizinische Fachausdrücke. Das Wort Manhattan entstammt einer alten Indianersprache und bedeutet der Ort, an dem wir betrunken waren. Zusammengetragen von JL 8

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10 Dein Stift kann jemanden glücklich und kreativ machen. Die Initiative Lapsi yt (Dein Stift) begann im Oktober 2012 während einer Unterhaltung mit den Kindern und Jugendlichen im Jugendcafé LAIV, in der Auguste-Viktoria-Allee 16c, Berlin. Zwei Kinder, ein serbisches und ein kosovo-albanisches, fragten mich, wer denn den Krieg im Kosovo gewonnen habe. Ich antwortete ihnen, dass niemand in einem Krieg gewinnen kann. Alle waren Verlierer. Bei dem Gespräch entwickelte sich großes Interesse, den Kindern und Jugendlichen im Kosovo zu helfen. Spontan reichten zwei sofort ihre Federtasche herüber, um sie den Kindern im Kosovo zu spenden. Kindern, denen es materiell, finanziell und vielleicht auch psychisch nicht gut geht, weil die äußeren Umstände dies so ergeben. Das Kriegsende ist noch nicht lange her. Die Spuren sieht man heute noch überall im Land. Und die Kinder und Jugendlichen leiden noch immer unter den Nachwirkungen und sind zum Teil traumatisiert. Ein zweites Ziel hatten wir noch vorgegeben: Nämlich die Kinder und Jugendlichen zum Lernen zu motivieren und deren Kreativität zu fördern. Ich erzählte Bekim davon, der sofort bereit war, den Transport zu übernehmen (Foto: Arta und Bekim Borovci). Ich habe dann das Projekt auf Facebook unter den Titel Your pencil will make someone happy and creative veröffentlicht. Daraufhin meldeten sich enige Jugendliche aus dem Kosovo bei mir um bei dem Projekt mitzumachen und gründeten die Gruppe Creative Youth of Kosovo (CYK). So nahm Lapsi yt einen Umfang an, den wir nicht erwartet hatten. Sogar die Botschaft des Kosovo in Berlin wurde mit einbezogen. Nach kurzer Zeit schon hatten die Kinder und Jugendlichen, aber auch deren Eltern einiges Schulmaterial (Stifte, Hef te, Mäppchen usw.) vorbei- 10 gebracht, die sie nicht mehr benötigten. Der Aufruf über Facebook verbreitete sich in Windeseile und aus ganz Deutschland trafen die Spenden bei mir ein. Dann war es soweit. Das gesammelte Material wurde in den Kosovo transportiert. Ich war selbst vor Ort und verteilte die Spenden. Zunächst im SOS-Dorf. Dort leben nur Waisenkinder. Traurig war es anzusehen, dass so viele Kinder ihre Eltern durch den Krieg verloren haben. Anschließend war ich noch in vier weiteren Schulen, um dort das gespendete Schulmaterial an Schüler und Schülerinnen abzugeben. Am gab es dann ein Konzert in Prizren. Dies hatten die Jugendlichen von CYK geplant und durchgeführt. Dazu wurden Kinder aus dem Dorf Krushe e Madhe de Krushe e Vogel eingeladen. An allen Schulen bedankten sich die Kinder und malten tolle Bilder. Es war beeindruckend, wie die Gesichter der Kinder und Jugendlichen die beschenkt wurden, anfingen zu strahlen. Dieses Lächeln gibt einem mehr zurück als man denkt. Ich möchte mich bei allen Unterstützern bedanken. Ohne die ich das nicht geschafft hätte. Aufgrund des großen Erfolges werden wir in diesem Jahr das Projekt Lapsi yt weiterführen. Und vielleicht sind ja auch Sie/bist ja auch Du dann dabei! Text und Abb.: Arta Quni Info:

11 Josef Wilms, Autor Josef Wilms wurde am in Köln geboren. Die Eltern starben vor Kriegsende. Er wuchs bei einer Tante im Hause der Eltern in Köln-Vogelsang auf, wo er noch heute wohnt. Nach der Volksschule absolvierte er eine Lehre bei der Stadtverwaltung Köln und arbeitete über 7 Jahre als Verwaltungsangestellter bei der Stadt Köln. Danach wurde er stellvertretender Abteilungsleiter der Vertriebsabteilung beim Deutschen Gemeindeverlag. Ab 1961 unterhielt er einen umfangreichen Briefwechsel mit Persönlichkeiten aus Literatur und Musik. Seit 1974 ist er, bis auf zwei ABM-Stellen, arbeitslos. Er nutzte die Zeit, um sich auf Gebieten wie Literatur, Musik, Philosophie, Natur- und Tierkunde weiterzubilden. Von 1983 bis 2005 gab er eine eigene Zeitschrift heraus: Den Stallgefährten. Es erschienen 17 Ausgaben der Blätter für Literatur und anderes. Die meisten Texte stammen von ihm. Aber auch von Schriftstellern und Komponisten, deren Arbeiten ansonsten vom Kulturbetrieb nicht wahrgenommen, vergessen oder verdrängt worden wären. 8 11

12 Heidi Rosin Bilder und Objekte 1956 in Gelsenkirchen geboren Studium an der Hochschule der Künste Berlin; lebt und arbeitet seit 1975 in Berlin, seit ca. 20 Jahren in Neukölln. Ich arbeite mit Fragmenten von Gefundenem und Gesammeltem wie z.b. Buchseiten oder Einkaufszettel. Sie bilden die erste Schicht, die Grundlage und Ausgangspunkt für die Malerei. Formen werden gefunden, festgehalten, verworfen und neu gesucht. Bewusstes und Unbewusstes verbindet sich. Die Vielschichtigkeit der Malerei entspricht dabei dem Raum in seiner Vieldeutigkeit. Schwarz und Weiß, 40 x 50, 2012 Roter Mund, 40 x 50, 2012 Starker Kopf, 30 x 40,

13 Blinde Flecken, 36 x 48, 2012 Gewichtheber, 2006 Ausstellungen (Auswahl) 2012 Galerie bauchhund salonlabor, Berlin 2011 Galerie bauchhund salonlabor, Berlin 2010 Neuköllner Kunstsalon, Berlin 2009 Einzelausstellung Galerie bauchhund salonlabor, Berlin 2008 Falkenschau, Berlin 2006 Galerie twenty-four, Berlin Espai Guinovart, Agramunt, Spanien 2005 Kunstvoll Neukölln, Berlin Galerie twenty-four, Berlin 2004 Galerie Zeitzone, Berlin Rot, 40 x50, 2012 Fotos: Heidi Rosin, 13

14 Barrelmen Irish Polk-Rock Alles begann Da hießen die *BARRELMEN* noch *SEAMEN*. Unter diesem Namen segelten die 4 musikalischen Landratten mit ihrem Programm was an Künstlern wie Shane MacGowan, Pogues, Popes, Oysterband, Flogging Molly, Dropkick Murphys, Hothouse Flowers, Levellers, Bob Dylan, Johnny Cash, Fiddler's Green, Robert Johnson, Tom Waits. usw., anlehnt, quer durch Deutschland. Von kleinen Irish Pub`s (was nach Angaben der Band ihr liebstes Terrain ist) bis hin zu den großen Bühnen bei den Highland Games oder die Open Air Festivals entlang der Nord- und Ostseeküste. Auf uns aufmerksam geworden, kam für die Band im August 2009 die große Überraschung. Sie wurden zu einem der größten Folk Festivals in Canadas, zum *Festival International des Rythmes du Monde* zu einem samstagabendlichen Spektakel vor Zuschauern eingeladen. Kaum zurück in Deutschland ergab es sich so, dass die Seamen Crew zu meutern anfing, da sie mit einigen Höhenflügen ihres Captains nicht einverstanden waren, ihn kurzerhand inklusive des Bandnamens über Bord schmissen und die Band *BARRELMEN* gründete. Diese sich dann wie folgt zusammensetzt: WOLLE! der Multiinstrumentalist und der Erfahrenste unter ihnen. Ob Blues, Folk, Rock oder Musikantendampfer Wolle ist schon gut 3 Jahrzehnte auf den Bühnen des Landes unterwegs. Spielte u.a. bei KNUFF Weimar 14 experimentellen Bluesrock, Berliner Band Divine Ducks Boggie und Heatstyle (Die Band spielte u.a. mit Canned Heat und Climax Blues Band), Steinzart Irish Folk Rock und ist immer wieder gern gesehener Gastmusiker auf der Zappanale. MICHA! hat wie so viele angefangen auf einer Gitarre (75,-Mark) zu spielen und dazu zu singen und konnte seitdem nicht mehr damit aufhören. Schwer zu entscheiden, was schrecklicher klang. Mit einer gewissen Beharrlichkeit machte er weiter Musik und wandelte über die Jahre den musikalischen Höreindruck von schrecklich über erträglich bis zu hörbar. Damit wurde er endlich nach 30 Jahren Musizierens unter anderem mit: Larkin, Jack Mitchell, Klingsor, Caravan, und Steinzart würdig, bei BARRELMEN einzusteigen und behauptet seitdem die musikalische Vielfalt der Band um nichts bereichert zu haben (abgesehen vielleicht vom allgemeinen Durstquotienten). FRANK! ist Bassist und Sänger der BARRELMEN. Er ist zu 100% Niederländer und zu einem Drittel Schotte. Die Bezeichnung Käsekopf trifft grade auf ihn nicht zu, weil er wegen mangelnden Käseverbrauchs aus den Niederlanden verbannt wurde. Seine musikalischen Interessen führen ihn mal auf Blues- Session, mal zu Heavy Metal Konzerten und natürlich zu Folkmusikveranstaltungen. Nach dem Spiel singt er auch manchmal schmutzige Rugby Lieder, wenn der Bandkalender ihm Zeit für das Rugbyspielen lässt. Wenn er also mit einem Veilchen auf der Bühne steht, wisst ihr Bescheid! Er besitzt eine der größten privaten Whiskey- Sammlungen, was ihn zu einem überaus geschätzten und gern besuchten Mitmusiker macht.

15 MIK! ist Trommler aus den 60er. Aufgewachsen mit Lionel Hampton, Glenn Miller, Gene Krupa und James Last. Mit dem Verlust des Nuckels kamen dann Deep Purple, Led Zeppelin, Udo Lindenberg und Co. dazu. Trommelte Rockklassiker bei der Band BY THE WAY, avantgardistisch Rockig-Punkig bei TOXIC LIES. Er hört gern und oft Soul, Funk und lateinamerikanische Musik, was sich alles letztlich in seinem Spiel wiederfindet. Bezeichnet sich nicht als Schlagzeuger, sondern eher als funktionierender Knecht und Trommler der BARRELMEN. Des Weiteren ist er meist in der Küche des Bassisten zu finden (Grund: siehe bei Frank). Vier Männer, viele Instrumente, eine Leidenschaft. Wenn die Fassträger der BARREL- MEN Band in Eurem Hafen halt machen könnt Ihr sicher sein, dass Euch ehrliche handgemachte Musik erwartet die jede Taverne zum Platten-Crash im Valentin Jeden 1. Freitag im Monat ab ca. 23 h Schallplattenversteigerung (ab 0,50 ) im Valentin Stüberl, Donaustr. 112 Tanzen bringt. Angelehnt an klassischem Irish Folk-Rock bringen sie viele originelle Harmonien und Rhythmen aus aller Herren Länder mit sich. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen die sie in den letzten Jahrzehnten geprägt haben und sich in ihren Songs wieder spiegeln. Seit 2005 präsentieren BARRELMEN ihr umfangreiches Repertoire und um den Globus, von zotigen Saufliedern bis zur wehmütigen Ballade, nehmen sie Euch mit auf eine Reise von sturmumtosenden Schiffsplanken bis hin zur Taverne am Ende der Welt. Der innovative Klang von BARRELMEN lässt sich am besten mit den Worten: mitreißender Folk, echter Rock, druckvoller Punk und experimentell interessant beschreiben. Kurz um: Irish Polk-Rock! Zu hören sind sie wieder am 9. November 2013 beim Kneipenfest in Köpenick. Fotos: Barrelmen soundcloud.com/barrelmen KALKOWSKI Garbaty 20 h Mühlenstr. 30, Brückeneck Kiehlufer 55, Straßenfest Emser Str., h 4.8. Rickenbackers 17 h 20 h Bundesallee 194 b, Foto: Jim Rakete 15

16 Stechginster Wegwarte Holzapfel Bleiwurz Wer heilt, hat recht Bach-Blüten-Therapie: Der Schlüssel zur Seele. Der englische Arzt Dr. Eduard Bach ( ) war davon überzeugt, dass alle körperlichen Krankheiten letztendlich Ausdruck seelischer Disharmonien, verstärkt durch negative Eigenschaften und Charakterzüge der Persönlichkeiten, sind. Er betrieb von eine eigene Praxis, in der er sich der Homöopathie zuwandte. Da Disharmonien Auslöser für körperliche Krankheiten sein können oder bereits bestehende verschlimmern, wollte Bach bei seinen Patienten vor allem seelische Reaktionen hervorrufen. Ab 1930 bis zu seinem Tod widmete er sich ganz der Suche nach ebensolchen Pflanzen, die negative Charakterzüge ausbalancieren, indem sie die dahinter liegenden Tugenden stärken. In dieser Zeit entdeckte Bach 38 Pflanzen und entwickelte eine in sich geschlossene Heilmethode, die heute als Bach-Blüten-Therapie bekannt ist. Diese Heilmethode verträgt sich mit den schul- und komplementärmedizinischen Therapien zur Akutbehandlung in Stresssituationen oder auch als Begleitbehandlung bei akuten und chronischen Krankheiten. Erkenntnisse der Schulmedizin u.a. der Stressforschung und der Psycho-Neuro-Imunologie bestätigen die enormen Einflüsse der Psyche auf Abläufe im Körper. Wie überall gibt es auch bei dieser Methode Kritiker, da in Tinkturen/Verdünnungen keine Moleküle der Blüten mehr nachzuweisen seien. Vertreter halten jedoch entgegen, dass die Tinkturen die energetische, geistige Kraft der Pflanzen enthalte und Blockaden im bioenergetischen Feld lösen. Bei einer Impulsübertragung müssen also gar keine Moleküle mehr sein. Info: Bach-Blüten-Tropfen gelten in Deutschland als Import-Arznei aus England und sind nur in Apotheken erhältlich. Der Apotheker mischt die Essenz aus der stock bottle mit Wasser und 25 % Alkohol. Literatur: Eduard Bach, Heal Thyself orig. / Heile dich selbst mit..., Knaur 2000 Mechthild Scheffer, Die Original..., Hugendubel 2000 Sigrid Schmidt, Bach-Blüten..., Gräfe & Unzer Text/Bilder: I. E. Sollors 16 Es ist wieder Pflanzzeit und Bäume warten auf ihre Paten gesucht werden Baumpaten ein Baumpatenberater, -betreuer (m/w) welche offen für ungewöhnliche Aktionen sind, Lust und Mut empfinden, sich über ein Landschaftsgartenprojekt in die einfache Selbständigkeit zu begeben. Info: Regenbogenlicht, 030/

17 Die Grüne Straße Emser Straße Ein Traum wird wahr!? Die Vision einer Anwohnerin. Ich möchte weg aus Berlin. Nicht das mir Berlin nicht gefällt. Nein, ich sehne mich nach Natur, Ruhe und Gemeinschaft. Aber ich habe kein Geld, keine Ersparnisse, keinen tollen Job der mich legitimiert. Und wie soll ich das machen? Ändere das, was Dir nicht gefällt. So saß ich des einen Tages in der Küche und hatte die Vision, dass die Vögel zwitschern, das grünes Laub im Wind raschelt, dass Autolärm seine Dominanz verloren hat. Hier in dieser Straße. Ich hatte einige Tage davor in einem Vortrag gehört, dass es möglich ist vor Ort die Dinge zu ändern. Ich knüpfte beides zusammen und hatte meinen neuen Beruf gefunden. So könnte es dann aussehen: Ich sehe Karl unten auf der Bank sitzen, seine Zeitung lesend. Hildegard gesellt sich zu ihm und grüßt die vorbeilaufende kleine Leila, Achmed joggt wie jeden Morgen vorbei, im Schlepptau Ayla und Fritz. Die Sonne ist spürbar sichtbarer geworden hier in dem Grün. Alles ist vor Ort. Ich brauche nur wenige Schritte zu gehen und kann im Laden Gemüse kaufen, welches von den Nachbarn angebaut wurde, oder in einem Gemeinschaftsgarten, oder von einem Bauernhof in der Nähe, der die Straße beliefert. Im Krämerladen bekomme ich, was ich für den Haushalt brauche (die besten, ökologischsten und günstigsten Varianten), viel davon wird hier selber hergestellt. So viel wie möglich. Bürsten, Getränke, Stoffe, Schuhe, Süßigkeiten, etc. etc. Es gibt eine Senioren-WG. Auch das gehört dazu. Sie gehört hierein. Sie soll schön sein. Integriert. Die Straße ist längst schon 30er Zone geworden (als ich den Artikel schrieb hatte ich noch gar nicht gesehen, dass es schon eine solche ist. Es hält sich bloß keiner dran, da die Schilder dafür nicht sichtbar sind, nur durch Zufall habe ich sie entdeckt) und wird oft für Straßenfeste gesperrt. Die Schulen und Kindergärten machen ein großes Fest auf der Straße. Früh geh ich vielleicht zur Yogastunde oder zum Tanz. Meine Faulheit kann ich einfacher überwinden, wenn ich nicht 30 min durch die Stadt muss, sondern nur 5 min laufen muss. Ich kann, aber ich muss nicht dorthin gehen. In 1 Woche findet das Dachkonzert statt. Wie schön. In der Abenddämmerung. Ich brauche nur das Fenster zu öffnen und den Klängen zu lauschen. Jeder in der Straße ist etwas Besonderes und kann etwas. Der eine kann sooo toll Hefeteig machen, der andere quatscht sich sooo gerne den Mund fusselig, die jene redet nicht gern und hört Quatschmeister unglaublich gerne zu, die eine ist überfordert, der andere übernimmt einen Part von ihrer Last, der eine will seine Ruhe und sich verstecken, die andere will präsent sein so viel wie möglich, die eine wäscht gerne die Wäsche, der andere ist ein Genie in Astrologie. Und bisher leben wir stumm nebenaneinander. Wir haben Angst vor uns. Nur gemeinsam sind wir stark. Ich habe nur den Traum und die Vision. Ich habe nur die Lust und die Gabe mich damit zu beschäftigen. Jaaa, so richtig Lust habe ich darauf. Alleine werde ich das alles nicht erreichen. Ich fange an und schaue ob die Umgebung mich und uns unterstützt. Will die Straße und seine Anwohner so werden? Gruenestrasseemserstrasse.jimdo.com Ihr Leser dürft gespannt sein auf die nächste Ausgabe. Dort werde ich berichten was sich bis zum Sommer getan hat. Eins ist bei allen gleich. Der Einfluss der Umgebung. Alleine oder in Gesellschaft? Laut oder leise? Grün oder grau? Alice Thanninger

18 Die Liebesquelle an der Schleuse Ein Wochenendausflug mit dem Auto in Richtung Erkner, verschlug uns zufällig über Rüdersdorf, nach Woltersdorf. Rüdersdorfer Kalkstein war und ist jetzt noch ein Begriff, aber Woltersdorf? Ein einladendes Schild wies auf eine Schleuse hin und unsere Neugier war geweckt. Gut ausgewiesene Straßen mit teilweise imposanten Villen, plötzlich ersichtlichen Straßenbahnschienen und diesen folgend... die Schleuse. Die Frühlingssonne beleuchtete einen wunderschönen Ausblick auf die Schleusenanlage, die die Verbindung zwischen der Berliner Wasserstraße und den Rüdersdorfer Gewässern herstellt. Es ist kaum zu glauben, dass schon 1559 die Errichtung des ersten Stauwerkes begann und somit die Geschichte der Woltersdorfer Schleuse eingeläutet wurde. Leider verfiel die Anlage zusehends durch die Einwirkungen des Dreißigjährigen Krieges wurde endlich das Stauwerk wieder in einen betriebsfähigen Zustand versetzt und zu einer Kammerschleuse umgebaut, wobei das Rüdersdorfer Kalksteinlager von diesem Umbau profitierte. Die glückliche Lage, in der Nähe von schiffbaren Gewässern zu liegen, machte das Rüdersdorfer Kalksteinlager zum Bedeutendsten in der Mark Brandenburg. Es wurde zum Tagebau erschlossen und versorgte hauptsächlich Berlin mit dem unentbehrlichen Baustoff. 18 In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden drei Kalkbrüche mit der Wasserstraße direkt verbunden. Diese Kanäle führten teilweise durch prächtige Tunnel mit schönen Portalen, die jedoch am Ende des 19. Jahrhunderts aus Wasserhaltungsgründen zugeschüttet wurden. Zum Abtransport der Kalksteine entstand der noch heute bestehende Langerhanskanal im Strausberger Mühlenfließ. Um das Jahr 1850 wurden bis zu m³ Kalksteine durch die Woltersdorfer Schleuse transportiert, was zur damaligen Zeit einem jährlichen Schiffsaufkommen von bis Schiffen entsprach. Die Straßenbrücke vor dem Oberhaupt der Schleuse bestand bis 1959 aus einer zweiteiligen Klappkonstruktion und mechanischem Hubantrieb mit vorgelagerter Fußgängerbrücke.

19 Die Holzbrücken wurden dann durch eine einfache Klappbrücke mit hydraulischem Antrieb und eine Fußgängerbrücke in Form einer Stahlkonstruktion ersetzt. Im gleichen Jahr wurde zwischen der Schleuse und der Wehranlage eine Bootsschleppe errichtet. Sie beginnt im oberen Vorhafen und endet im unteren Wehrgraben. Auf einer Slipbahn läuft ein Bootswagen, der per Hand gezogen wird bis 1999 erfolgte die Grundinstandsetzung der Schleuse, Straßen- und Fußgängerbrücke, so wie sie heute noch vorhanden sind. Aber nun genug des Geschichtlichen und wir bekommen Hunger. Rund um die Schleusenanlage wimmelt es von Restaurants und die gutbürgerliche deutsche Küche ist unter 10, Euro zu erhalten. Namentlich möchten wir keine Gastronomie nennen (Schleichwerbung), können aber alle empfehlen! Wohlgesättigt sei eine Fahrt mit der 100jährigen Straßenbahn (Endhaltestelle Schleuse) angesagt, die vom ihr Jubiläum feiert. Ein Wasseranschluss wurde hergestellt und seit Oktober 2011 läuft die Liebequelle mit Trinkwasser. Ihre Wirkung soll mit der damaligen Quelle identisch sein... wer s glaubt! Gleich hinter der Quelle kann man in 25 min. zum Aussichtsturm auf den Kranichberg steigen. Der Turm bietet nicht nur einen herrlichen Ausblick, sondern beherbergt auch eine Ausstellung über die Geschichte der Filmarbeiten in Woltersdorf und Rüdersdorf, von den alten Stummfilmtagen bis in die 1990er Jahre. Infos unter : www. woltersdorf-schleuse.de und Text/Fotos: JL u. LA Auch an der Schleuse, einige Schritte entfernt, ist die leider 2005 versiegte Liebesquelle. August Hannemann verfasste den Text, der ab 1886 auf einer eisernen Tafel an der Quelle zu lesen ist und gab ihr damit den Namen: Aus Märk schem Sand entspring ich hell Als Labestrunk und Liebesquell. Früher pilgerten Quellwasserenthusiasten aus der weiteren Umgebung und sogar aus Berlin hierher, um das reine Quellwasser abzufüllen. Heute ziert nur noch eine Tafel die Liebesquelle: Wir schauen auf unsere geliebte Quelle und müssen leider feststellen: Es war einmal...! 19

20 Schloss- und Schlüsseldienst Walter Heise seit 1947 Inh. Friedrich Laube Telefon Telefax Emser Straße Berlin * * * * Sicherheitsschlösser für jeden Zweck Ersatzschlüssel aller Systeme Tresorschlüssel Tresore, Kassetten Türschließer Schließanlagen Neulieferungen Reparaturen 20

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