Zwischen den Stühlen? Psychische Belastungen von Führungskräften der mittleren Ebene aus arbeitsweltlicher Sicht

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1 Karoline Kleinschmidt, IG Metall Zwischen den Stühlen? Psychische Belastungen von Führungskräften der mittleren Ebene aus arbeitsweltlicher Sicht

2 Zur Relevanz des Themas 2

3 Überblick Wer gehört zur mittleren Führungsebene? Rahmenbedingungen in der Theorie Arbeitsbedingungen in der Praxis Wie handeln Gesetzgeber und Institutionen? Handlungsauftrag für Betriebsräte 3

4 Wer ist mittlere Führungsebene? Vorstand / Management Leitende Angestellte Außertariflich Beschäftigte (AT) Tarifliche Beschäftigte Laut Tätigkeitsbeschreibung in den Tarifverträgen sind Führungskräfte der mittleren Ebene fast ausschließlich tariflich Beschäftigte! 4

5 Überblick Wer gehört zur mittleren Führungsebene? Rahmenbedingungen in der Theorie Arbeitsbedingungen in der Praxis Wie handeln Gesetzgeber und Institutionen? Handlungsauftrag für Betriebsräte 5

6 Der Tarifvertrag regelt Im Tarifvertrag sind geregelt: Entgelte nach Tätigkeitsbeschreibung wöchentliche Arbeitszeit Urlaubsanspruch ggf. Leistungsbedingungen, Akkord etc. Zuständig und verantwortlich für alle Belange im Betrieb ist und bleibt die Geschäftsführung / der Vorstand. 6

7 Arbeitsschutzgesetz (seit 1996) 1: Dieses Gesetz dient dazu, Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten bei der Arbeit ( ) zu sichern und zu verbessern 2: Maßnahmen ( ) im Sinne dieses Gesetzes sind ( ) Maßnahmen der menschengerechten Gestaltung der Arbeit 3 (2): ( ) hat der Arbeitgeber für eine geeignete Organisation zu sorgen und die erforderlichen Mittel bereitzustellen ( ) 5: Der Arbeitgeber hat durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln 7

8 Arbeitszeitgesetz (seit 1994) 1: Zweck des Gesetzes: 1. die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer bei der Arbeitszeitgestaltung zu gewährleisten und die Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeiten zu verbessern sowie 2. den Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung der Arbeitnehmer zu schützen 8

9 Überblick Wer gehört zur mittleren Führungsebene? Rahmenbedingungen in der Theorie Arbeitsbedingungen in der Praxis Wie handeln Gesetzgeber und Institutionen? Handlungsauftrag für Betriebsräte 9

10 Druck auf mittlere Führungskraft Vorgesetzte eigener Anspruch Belegschaft / Team 10

11 Überblick Wer gehört zur mittleren Führungsebene? Rahmenbedingungen in der Theorie Arbeitsbedingungen in der Praxis Wie handeln Gesetzgeber und Institutionen? Handlungsauftrag für Betriebsräte 11

12 Wenn das Gesetz es verlangt... Motive für das Management aus deutschen Betrieben im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit - in %* Erfüllung gesetzlicher Verpflichtungen 90 Druck von der Arbeitsinspektion / Arbeitsschutzaufsicht Forderung der Beschäftigten oder ihrer Vertreter Forderungen von Kunden / Sorge um den Ruf der Organisation Mitarbeiterbindung und Fehlzeitenmanagement Abnehmende Produktivität / Einbußen in der Qualität 59 * Mehrfachnennungen Quelle: Survey ESENER

13 Wenn das Gesetz es verlangt... Wenn es stimmt, dass ein Management aufgrund von gesetzlichen Verpflichtung im Gesundheitsschutz handelt Arbeitszeitgesetz seit 1994 Arbeitsschutzgesetz 1996???? 13

14 Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie Gegründet 2007 vom Bund, den Bundesländern und den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung Grundlage: internationale und europäische Vorgaben Ziel: Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten durch einen abgestimmten Arbeitsschutz, ergänzt durch Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung zu erhalten Dafür soll insbesondere das Sicherheits- und Gesundheitsbewusstsein bei Arbeitgebern und Beschäftigten gestärkt werden 14

15 Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie Bei der Umsetzung des Zieles "Schutz der Gesundheit bei arbeitsbedingter psychischer Belastung" wird es zunächst darum gehen, Aktivitäten und Instrumente zu entwickeln, die ein frühzeitiges Erkennen und eine Beurteilung im Hinblick auf Gesundheitsgefährdungen ermöglichen. Im Weiteren sollen präventive, arbeitsorganisatorische sowie gesundheits- und kompetenzfördernde Maßnahmen zur Verminderung arbeitsbedingter psychischer Belastungen entwickelt und umgesetzt werden. 15

16 Berufsgenossenschaft Holz Metall Mit einem interdisziplinären Team aus Präventionsfachleuten unterstützen wir Sie durch standardisierte Beratung und Prozessbegleitung unter dem Fokus "Hilfe zur Selbsthilfe" bei der Beurteilung und Gestaltung von arbeitsbedingten psychischen Faktoren sowie dem nachhaltigen Aufbau von betrieblichen und kollektiven Bewältigungsstrategien bzw.-ressourcen. 16

17 DGB Index Gute Arbeit Seit 2007 koordiniert die DGB-Index Gute Arbeit GmbH die jährliche Repräsentativerhebung, beauftragt durch den DGB. Desweiteren begleitet sie wissenschaftlich die Umsetzung von Beschäftigtenbefragungen in Betrieben, Organisationen und Verwaltungen. Der DGB-Index Gute Arbeit stellt hierfür das Hauptinstrument für die Befragungen dar. 17

18 Forderung der IG Metall Aufgrund der Ergebnisse aus den Befragungen durch den DGB-Index Gute Arbeit und den realen betrieblichen Situationen fordert die IG Metall seit Juni 2012 eine Anti-Stress-Verordnung 18

19 Mögliche Regelungsgegenstände einer Anti-Stress-Verordnung Soziale Beziehungen Arbeitszeitgestaltung Anti-Stress- Verordnung Arbeitsaufgabe Arbeitsorganisation Arbeitsplatzund Umgebungsbedingungen Anforderungen an Gefährdungsbeurteilungen Psychischer Belastungen 19

20 Beteiligung? Alle Maßnahmen sind nur möglich, wenn Betroffene sich an Befragungen und ggf. Projekten zur Verbesserung beteiligen Das bedeutet - Bewußtsein für die Situation - Bereitschaft zur Veränderung - Zeit einbringen - ggf. gegen Arbeitgeber handeln 20

21 Bild-Zeitung, : Arbeitgeber- Chef Hundt: Arbeit hält gesund 21

22 Druck auf mittlere Führungskraft Vorgesetzte eigener Anspruch oder Genetik, Familie, Freizeitverhalten? Belegschaft / Team 22

23 Überblick Wer gehört zur mittleren Führungsebene? Rahmenbedingungen in der Theorie Arbeitsbedingungen in der Praxis Wie handeln Gesetzgeber und Institutionen? Handlungsauftrag für Betriebsräte 23

24 Arbeiten ohne Maß 24

25 Anstieg der Fehlzeiten durch psychische Störungen BGF- Institut für betriebliche Gesundheitsförderung,

26 Psychische Störungen - Hauptursache für Frühverrentung Rentenzugänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit nach Diagnosegruppen im Jahr 2010 Nerven/Sinne 6,1% Atmung 2,9% Haut 0,4% 9,6% MSE 14,7% Herz-, Kreislauf- Erkrankungen 10,0% Andere Stoffwechsel/ Verdauung 3,9% Psychische Störungen 39,2% Neubildungen 13,3% MSE Herz-, Kreislauf-Erkrankungen Stoffwechsel/Verdauung Neubildungen Psychische Störungen Atmung Nerven/Sinne Haut Andere Quelle: Deutsche Rentenversicherung

27 Rechtliche Grundlagen: Mitbestimmung BetrVG 80 (1): Der Betriebsrat hat darüber zu wachen, daß die zugunsten der Arbeitnehmer geltenden Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen durchgeführt werden BetrVG 87 (7) : Der Betriebsrat hat über Regelungen ( ) über den Gesundheitsschutz im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften oder der Unfallverhütungsvorschriften mitzubestimmen 27

28 Rechtliche Grundlagen ArbSchG 5 (seit 1996): Der Arbeitgeber hat durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind Der Betriebsrat hat auf die Einhaltung der Gesetze zu wachen 28

29 Ablaufschritte der Gefährdungsbeurteilung 1. Betriebliche Voraussetzungen schaffen 7. Gefährdungsbeurteilung an Veränderungen anpassen 2. Betriebliches Analyseteam bilden (paritätisch) 6. Vorgehen und Ergebnisse dokumentieren 3. Gefährdungen ermitteln und bewerten 5. Wirksamkeit überprüfen 4. Maßnahmen entwickeln und umsetzen 29

30 Instrumente der IG Metall zur Ermittlung psychischer Belastungen 30

31 Zwischen den Stühlen zu sitzen ist unbequem. Auch mittlere Führungskräfte haben das Recht auf einen eigenen Stuhl. Wenn ihnen dieser nicht gegeben wird sollten sie sich selber einen nehmen. 31

32 Betriebsräte und Personalräte können nicht länger wegsehen. Ihre Aufgabe ist es, das Thema zu benennen! Gesetzliche Aufträge sollten wir endlich aktiv annehmen. 32

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