Sicht ZUM MITNEHMEN. Von und für Seniorinnen und Senioren der Stadt Arnsberg. Ausgabe 36. Genussmittel Alkohol? Interview mit Dennis Große-Plankermann

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1 ZUM MITNEHMEN Sicht Ausgabe 36 Juni bis August 2008 Von und für Seniorinnen und Senioren der Stadt Arnsberg In unserer Stadt gibt es viele schöne und originelle Sehenswürdigkeiten aus alten und neuen Zeiten. Wie heißt das Bauwerk auf unserem Foto? Genussmittel Alkohol? Interview mit Dennis Große-Plankermann Spuren des Lebens Die Möhnekatastrophe Und ab geht die Post! Früher bei uns im Dorf! Durchreisende Geschichte eines Traums, der Wirklichkeit wurde Foto: Bernd Kipper Der Gewinner erhält zwei Gutscheine vom Wildwald Voßwinkel. Einsendeschluss 30. Juni 2008 Lösung an die Redaktion der SICHT, Lange Wende 16a, Arnsberg oder an eines der Stadtbüros

2 INHALT Keine Angst vor wilden Tieren 2 Auflösung zum Bildrätsel Sicht Nr Titelseite 2 Genussmittel Alkohol? 3 Schlüsseldienste 4 Hauptsache gesund 5 Spülen bitte!!! 6 Interview der SICHT mit Dennis Große-Plankermann 7 Wenn Eine eine Reise tut 8 Ferien 8 Spuren des Lebens 9 Der alte Tisch 10 Lust und Frust 10 Nicht rennen, aber auch nicht pennen! 10 Die Möhnekatastrophe 11 Ach du liebe Zeit! 12 Zeit 13 Alte Menschen sollen tätig sein...14 Ein Gewinn für alle - Engagiert im Ehrenamt 14 Tag des Buches 15 Alle Jahre wieder Ein toller Tag im Wildwald Voßwinkel! 17? bunt gemischt! 17 Und ab geht die Post! 18 Die Senioritas 19 Lösungen zu? bunt gemischt! 19 Früher bei uns im Dorf! 20 Der Seniorenteller 21 In eigener Sache 21 Geschichte eines Traumes, der Wirklichkeit wurde 22 Weiter. Denken? 23 Informationen 24 Sicht ist eine Informationszeitung von und für Seniorinnen und Senioren der Stadt Arnsberg. Die abgedruckten Beiträge geben die Meinung eines Verfassers, einer Gruppe oder einer Institution wieder. Diese muss nicht der des Herausgebers entsprechen. Redaktionsteam: Anni Bauerdick-Lattrich, Marita Gerwin, Sigrid Grobe, Otto Hesse, Bernd Kipper, Herbert Kramer, Uwe Künkenrenken, Helmut Plaß, Martin Polenz, Anneliese Welling, Waltraud Ypersiel Bürgermeisteramt -Pressestelle-: Elmar Kettler Layout: Petra Krutmann Herausgeber: Stadt Arnsberg, Der Bürgermeister, Rathausplatz 1, Arnsberg, Zukunftsagentur Fachstelle Zukunft Alter : Marita Gerwin Im Internet unter: Auflage: Expl. Keine Angst vor wilden Tieren Herbert Kramer Alleine geht sie oft spazieren in den stillen tiefen Tann und denkt, was kann denn schon passieren. Wie man sich doch irren kann. Plötzlich vor ihr, das gibt Ärger, steht im Weg ein Leonberger, braun gefleckt und riesig groß. Ach, mein Gott, was mach ich bloß? Große Augen, nasse Lefzen, leises Knurren, Zähnefletschen. Will die Bestie sie vernichten? Da hilft nur eins, und das ist flüchten. Die Rettung ist, so sagt ihr Glaube, der Sprung auf eine Motorhaube. Und wenn das immer noch nicht reicht, hinauf aufs Dach, das hilft vielleicht. Der braun gefleckte Riese denkt, was hat sie nur, dass sie so rennt. Ich wollt nur sagen Guten Tag. Jetzt liegt sie auf dem Autodach. Merk dir eins, nicht jeder beißt. Und die Erfahrung hat gezeigt: Vorsicht ist gut, jedoch nicht immer steckt in jedem Hund ein schlimmer. Nr. 36 Seite 2 Hinweis Die im Gedicht geschilderte Begebenheit hat sich tatsächlich zugetragen. Eine Mitarbeiterin aus dem Redaktionsteam der SICHT besuchte ihren Ehemann, der sich zur Kur aufhielt. Da ihr Mann an einer Beratung teilnehmen musste, nahm sie das zum Anlass, ein wenig spazieren zu gehen. Auflösung zum Bildrätsel der SICHT Nr Titelseite: Schloss Höllinghofen in Arnsberg, Ortsteil Voßwinkel urkundlich erstmalig erwähnt 1036 Gewinnerin ist Frau Ines Heckmann Wir gratulieren zu einem Gutschein der Fleischerei Geue.

3 Bernd Kipper Genussmittel Alkohol? Nr. 36 Seite 3 Die Medien berichten fast täglich von Schlägereien, Sachbeschädigungen, Überfälle auf Unbeteiligte und ähnliche Auswüchse, die durch Alkohol verursacht werden. Daher ist der Missbrauch von Alkohol ein immer wiederkehrendes Thema. Erschreckt haben mich vor allem die Zahlen über Jugendliche und deren Alkoholkonsum. Das Statistische Bundesamt gab bekannt: Immer mehr Kinder und Jugendliche (Altersgruppe zwischen zehn und zwanzig Jahren) werden wegen Alkoholmissbrauchs stationär im Krankenhaus behandelt. Im Jahre 2000 waren es bundesweit junge Patienten, die wegen einer Alkoholvergiftung behandelt wurden. In 2005 aber schon fast junge Menschen. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nehmen 12- bis 17- Jährige in Deutschland pro Woche durchschnittlich 50,4 Gramm reinen Alkohol zu sich. nicht nach der Begrüßung des Gastes was willst du trinken? Meistens ist aber wohl nicht das alkoholfreie Getränk gemeint. Medizinisch ist erwiesen: Alkohol ist ein Gift, welches den gesamten Körper schädigt. Alkohol wirkt wie ein Betäubungsmittel. Am empfindlichsten reagieren Gehirn und Nervensystem. Die Reiz- und Leitfähigkeit der Nervenzellen sinkt schon bei einem Blutalkoholwert von 0,2 Promille. Es kommt zu Bewegungs-, Sprach- und Konzentrationsstörungen. Durch langjährigen Alkoholkonsum kann es zu bleibenden Hirnschäden kommen, Gedächtnisverlust und auch zu Veränderungen der Persönlichkeit. Auch andere Organe werden geschädigt: Im Mund- und Rachenraum, in der Leber und im Darm können Krebsgeschwüre entstehen. Neueste Forschungen haben ergeben, dass Alkohol das Risiko für Brustkrebs stark erhöht. Wie viel Alkohol ist tolerierbar? Männer vertragen etwas mehr als Frauen, weil sie mehr Körpermasse haben. Die deutsche Hauptstelle für Suchtfragen stellt fest: Männer riskieren ihre Gesundheit, sobald sie mehr als 24 Gramm pro Tag reinen Alkohol zu sich nehmen. Bei Frauen ist bereits bei 12 Gramm pro Tag die Grenze erreicht. Das entspricht bei Männern rund einem halben Liter Bier oder einem Viertelliter Wein, bei Frauen ist es entsprechend die Hälfte. Auch wenn die empfohlenen Richtwerte eingehalten werden, sollten mindestens zwei alkoholfreie Tage in der Woche einlegt werden. Je größer die Menge, desto schlimmer die Folgen für die Gesundheit. Laut einer Studie der Bundesärztekammer trinken in Deutschland rund 8,3 Millionen Menschen so viel, dass sie mit gesundheitlichen Schäden rechnen müssen. Ich möchte nicht verallgemeinern und die Jugendlichen generell anklagen, sondern auch uns Erwachsene in die Pflicht nehmen. Die Probleme der jungen Leute sind sicher auch in der Gesellschaftsstruktur zu sehen. Wie gehen wir Erwachsenen mit dem Alkohol um? So gibt es doch eine gewohnheitsmäßige Trinkkultur, in der das eine oder andere Glas Sekt, Bier, Wein oder Schnaps bei Feiern oder zu einem guten Essen dazugehören. Genuss ja, aber wie weit ziehen wir die Grenze? Heißt es Raubspinne in Aktion Foto: Herbert Kramer

4 Nr. 36 Seite 4 Schlüsseldienste Tipps gegen teure Retter in der Not Die Tür achtlos zugezogen, und der Schlüssel steckt von innen das kann jedem mal passieren, oftmals mit teuren Konsequenzen. Als Retter in der Not bieten zwar Schlüsseldienste rund um die Uhr ihre Dienste an. Doch eine auffällige Anzeige im Branchenbuch führt nicht immer zu einer seriösen und preisgünstigen Firma. Viele hilfreiche Türöffner leisten zwar rasche Abhilfe, nutzen im Gegenzug jedoch die Notlage der Kunden mit überteuerten Preisen schamlos aus, warnt Marlies Albus, Leiterin der Verbraucherzentrale NRW Arnsberg. Wer trotz Stresssituation die Kosten vor dem Anrücken einer Firma vergleicht und die einzelnen Rechnungsposten anschließend kritisch prüft, ist vor bösen Überraschungen sicher. Dabei helfen folgende Tipps: Akute Notlage Schon beim ersten Anruf sollten Ausgesperrte immer nach der genauen Anschrift der Firma und einem verbindlichen Festpreis in der Regel zwischen 50 und 75 Euro fragen. Nutzen Schlüsselnotdienste die Bedrängnis von Kunden aus und verlangen mehrere Hundert Euro fürs Türöffnen, ist es ratsam, auch in einer akuten Notlage mehrere Anbieter anzurufen und deren Leistungen miteinander zu vergleichen. Auf keinen Fall sollten Firmen einen Auftrag erhalten, die sich im Telefon- oder Branchenbuch durch die Aneinanderreihung des Buchstabens A an vorderster Stelle einen Vorteil verschaffen. Oft sind solche Dienste weder seriös noch ortsansässig. Sachgerechte Leistungen Firmen vor Ort dürfen nur Fahrtkosten innerhalb der Ortsgrenzen berechnen. Ist eine Tür bloß zugefallen, muss sie weder aufgebrochen noch das Schloss ausgebaut werden. Beides ist aber häufige Praxis, um die Kosten in die Höhe zu treiben. Kosten für Spezialwerkzeuge fallen jedoch nur an, wenn die Geräte tatsächlich eingesetzt wurden. Unverschlossene Türen lassen sich in der Regel ohne Beschädigung in kürzester Zeit vom Fachmann öffnen. Für diese Leistung kann nur ein angemessener Betrag und nicht ein Fantasiepreis verlangt werden. Korrekte Rechnungsposten Schlüsseldienste dürfen nur die konkrete Arbeitszeit - in der Regel wenige Minuten - und die entstandenen Fahrtkosten in Rechnung stellen. Rückt der Notdienst außerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeiten an, kommen allerdings zur reinen Arbeitszeit Nacht- und Feiertagszuschläge hinzu. Extraposten wie Sofortdienstzulage oder Spezialwerkzeug dürfen nicht berechnet werden. Erlaubt sind allerdings Zuschläge von 25 bis 100 Prozent auf Arbeiten außerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeiten. Rechnung prüfen Eine Rechnung sollte nur dann vollständig bezahlt werden, wenn die Arbeiten korrekt ausgeführt wurden und jede Position nachvollziehbar ist. Kunden, die eine ungewöhnlich hohe Rechnung bekommen, sollten eine Anzahlung nur unter Vorbehalt leisten und die Rechnung lieber prüfen lassen. Vorsorge für alle Fälle Wer einen Schlüssel beim Nachbarn deponiert, ist auf den Einsatz eines Notdienstes oftmals nicht angewiesen. Auch ein vorsorglicher Preisvergleich bei der Konkurrenz kann sich lohnen. Und wer sich zusätzlich im Vorfeld nach Preisen und Leistungen eines seriösen Schlüsseldienstes erkundigt und dessen Rufnummer parat hat, ist für den Notfall bestens gewappnet. Rechtlichen Rat bei überhöhten Rechnungen gibt s in der örtlichen Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW Burgstraße Arnsberg

5 Marita Gerwin Gestern war es. Ein Tag, den ich so schnell nicht wieder vergessen werde. Ich sitze in der Eisdiele und bekomme zufällig am Nachbartisch ein Gespräch zwischen zwei Schulfreundinnen mit. Lange haben sie sich anscheinend nicht mehr gesehen. Freudenstrahlend begrüßen sie sich. Oh, Susanne, wie schön, du bekommst ein Baby! Ich wusste gar nicht, dass du schwanger bist. Wann ist es denn so weit? Was wird es denn? Ein Mädchen oder ein Junge? Susanne antwortet lächelnd Ach, das ist uns eigentlich egal - Hauptsache gesund!. Ja, denke ich, recht hat sie - Hauptsache gesund. Zwei Stunden später. Unsere Nachbarin Anna May feiert ihren 90sten Geburtstag. Ich bin auch eingeladen. Viele Gäste gratulieren ihr: Wir wünschen dir alles Liebe, vor allem aber Gesundheit. Glückstrahlend lächelt sie: Ja, das höchste Gut ist doch die Gesundheit. Auch unser Nachbar Manfred ist zur Geburtstagsfeier gekommen. Er ist körperlich behindert. Steht mitten im Leben, obwohl er in vielen Bereichen des Alltags einge- Hauptsache gesund schränkt ist. Eigentlich macht er immer einen ausgeglichenen und zufriedenen Eindruck. Er beobachtet still die Schar der Gratulanten. Ich spüre, dass irgend etwas in ihm brodelt. Da passiert es auch schon: Völlig genervt platzt es aus ihm heraus: Hauptsache gesund - wie sehr ich diesen Satz hasse! Wenn das die Hauptsache im Leben wäre, müsste ich jeden Tag Trübsal blasen und mein Leben hätte keinen Sinn, keine Hauptsache mehr. Oder noch nie gehabt! Ich habe gleichzeitig noch einen angeborenen Herzfehler. Da bleibt von Gesundheit als Hauptsache nicht viel übrig. Und trotzdem freue ich mich des Lebens. Hauptsache gesund immer wieder höre ich das, ob nun eine Geburt kurz bevor steht oder ein runder Geburtstag gefeiert wird. Ist euch eigentlich klar, was ihr da sagt? Wie ich mich als behinderter Mensch dabei fühle? Ein Gedanke schießt mir durch den Kopf. Hauptsache gesund wie oft sind mir diese Worte schon über die Lippen gekommen. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, dass sie jemanden verletzen könnten. Es ist Gebet eines Pfarrers der Lamberti-Gemeinde in Münster aus dem Jahre 1883 Nr. 36 Seite 5 mucksmäuschenstill. Betroffenheit macht sich breit. Lange hat Manfred diese Gedanken wahrscheinlich schon mit sich herumgetragen. Jetzt ist es endlich heraus. Er fühlt sich befreit. Eine Last fällt von ihm ab. Ein lebhaftes Gespräch entwikkelt sich. Manfred hat mit seinen Gedanken die Tür zu einem hochsensiblen Thema geöffnet. Recht hat er! Die meisten Menschen müssen sich im Laufe ihres Lebens auch mit Krankheiten und Gebrechen auseinandersetzen und schließlich auch lernen, ihr Altern mit all seinen Einschränkungen anzunehmen, und nach Wegen suchen, das Leben sinnvoll zu gestalten. Andere wurden bereits mit einer chronischen Erkrankung oder Behinderung geboren. Sie können Beispiel dafür sein, dass ein sinnerfülltes Leben trotz Beeinträchtigungen gelingen kann. Manfred hat mir an diesem Nachmittag deutlich gemacht, dass Gesundheit zwar ein kostbares, aber nicht das höchste Gut ist. In Anlehnung an das Buch Von der Lust am Leben - wider den Diät-Sadismus von Manfred Lutz Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden. Lass die Leute kein falsches Geld machen und auch das Geld keine falschen Leute. Nimm den Ehefrauen das letzte Wort und erinnere die Männer an ihr erstes. Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde. Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind. Gib den Regierenden ein gutes Deutsch und den Deutschen eine gute Regierung. Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen, aber nicht sofort.

6 Heinz Dröge Spülen bitte!!! Nr. 36 Seite 6 Wer kennt es nicht das große Bangen vor den zahnärztlichen Zangen? Wer setzt sich nicht mit Leidensmiene unter eine Bohrmaschine? Dringt obendrein dann noch Gewimmer aus dem Sprech- ins Wartezimmer, dann hält sich jeder seine Backe erfüllt von diesem Vorgeschmacke. Ist es schließlich dann soweit, strotzt man schier von Höflichkeit, und müht sich, alle die Insassen des Wartezimmers vorzulassen. Der Zahnarzt wäscht am Wasserhahn in Unschuld und in Sagrotan seine wohlgeübten Hände. Die Instrumente sprechen Bände. Diesem Herrn im weißen Kittel, ob mit, ob ohne Doktortitel, wird man nun trotz einer feigen Anwandlung die Zähne zeigen. Nun wo fehlt s, Herr Patient! Die Assistentin schabt Zement von einer trüben Milchglasplatte, zu Boden schwebt ein Bäuschlein Watte. Dann beginnt in seiner kühlen Art er auf den Zahn zu fühlen. Und wählt zum vorgenannten Zwecke ein Spiegelchen aus dem Bestecke. Noch während er sich mundwärts bückt, geschieht, dass er ein Söndlein zückt, um mit diesem zu sondieren. Die Angst lässt einen transpirieren. Undurchdringlichen Gesichts sagt ein Zahnarzt anfangs nichts. Will man gold ne Brücken bauen, wirbt man schweigend um Vertrauen. Doch bald wird hin und her erwogen, wo gefüllt wird und gezogen. Entgeht man einer Extraktion, tritt der Bohrer in Aktion. Um zur Wurzel vorzudringen, wer hört da nicht die Engel singen? Auch führt man fortgesetzten Kampf gegen einen Kieferkrampf. Dann folgt ein letztliches Befühlen. Erlöst vernimmt man Bitte Spülen! Und träumt seitdem, das ist gewiss, von einem künstlichen Gebiss. Bild: Kunstantiquariat Detlef Reitzuch Im Alter bereut man vor allem die Sünden, die man nicht begangen hat! William Somerset Maugham Alter ist eine herrliche Sache, wenn man nicht verlernt hat, was Anfangen heißt! Martin Huber

7 INTERVIEW mit Dennis Große-Plankermann Nr. 36 Seite 7 Anni Bauerdick-Lattrich und Anneliese Welling SICHT: Wir haben Sie zum ersten Mal kennen gelernt, als Sie im Sauerland-Theater in einem Konzert des Mariengymnasiums mitgewirkt haben. Dennis Große-Plankermann (DGP): Das kann gut sein. Ich war von 1996 bis zum Abitur 2005 auf dem Mariengymnasium und in diesem Zeitraum habe ich dort häufig bei Konzerten mitgewirkt. Sie haben einen Song gesungen und gespielt, den Sie auch selbst geschrieben haben. Das hat uns sehr beeindruckt. Da liegt ja die Vermutung nahe, dass Ihnen die Musik bereits in die Wiege gelegt wurde. DGP: Ich weiß nicht, ob in die Wiege gelegt der richtige Begriff ist. Aber als ich sechs war, wollte ich auf einmal Klavier spielen, ohne dass ich erklären könnte, warum. Irgendwann hatte ich dann meinen ersten klassischen Unterricht. Und mittlerweile studiere ich an der Kölner Musikhochschule. Offensichtlich interessieren Sie sich auch für die Popmusik. DGP: Das stimmt, mit der Zeit wurde die Popmusik immer wichtiger für mich. Ich glaube, dass es viel damit zu tun hat, dass ich in diesem Bereich mehrere Interessen miteinander verbinden kann: ich komponiere und texte meine Songs, spiele dazu Klavier und vor allem singe ich sie auch. Auch wenn ich bis zu meinem Studium nie Gesangsunterricht hatte, war das Singen immer schon wichtig für mich. Und es wird immer wichtiger. In meinem Studium habe ich nun Jazzgesangsunterricht und das ist sehr spannend. Sie sind noch sehr jung und trotzdem ist Ihr Engagement auch für Senioren z. B. im Caritas Seniorenzentrum beachtlich, ganz nach dem Motto: Jung für Alt, eine sehr gute Idee. DGP: Nach meinem Abitur habe ich meinen Zivildienst im Caritas Seniorenzentrum in der Ringlebstraße gemacht. In den neun Monaten hatte ich natürlich sehr viel Umgang mit Senioren und auch mit Pflegebedürftigen. Aber schon vor dem Zivildienst habe ich regelmäßig in den Messen in der St. Anna-Kapelle des Seniorenzentrums gespielt. Das tue ich auch immer noch, wenn ich am Wochenende hin und wieder von Köln nach Arnsberg fahre. Was beflügelt Sie bei Ihrem Musikstudium am meisten? Klassik, Schlager oder Popmusik? Gab es ein musikalisches Schüsselerlebnis? DGP: Es gab schon ein paar besonders wichtige Dinge. Als ich in der fünften Klasse den Oliver im Musical Oliver Twist im Sauerland-Theater spielte, merkte ich, wie gerne ich auf der Bühne stehe. Ein weiteres für mich wichtiges Erlebnis war ein Klavierkonzert von Mozart, das ich begleitet von einem Orchester aufführen durfte. Aber etwas, was zunächst ganz nebensächlich schien, entpuppte sich als riesiger Einschnitt in meine Auffassung von Musik. Von meiner damaligen Saxophonlehrerin bekam ich vor etwa drei Jahren eine CD geschenkt, auf der ein Pianist, Sänger und Songwriter Jazz mit verschiedenen Bereichen der Popmusik kombiniert hatte. Ich hörte immer mehr in der Richtung und wusste, dass ich selbst Songs schreiben muss. Hier in Köln fange ich jetzt langsam an, die Sachen auch mit einer Band zu erarbeiten. Was sind Ihre Pläne nach dem Studium? Bleiben Sie dem Sauerland treu? DGP: Was ich dann genau beruflich tun werde, kann ich noch nicht eindeutig sagen. Natürlich sind im Sauerland meine Wurzeln: ich habe die ersten zwanzig Jahre meines Lebens in Arnsberg gelebt. Aber ich wusste schon vor dem Umzug nach Köln, dass ich ein Stadtmensch bin und ich fühle mich dort sehr wohl.

8 Marlene Böke Darum berichte ich hier von meiner Reise als Vertreterin der Projektgruppe Patenschaften von Mensch zu Mensch nach Mikkeli/Finnland Mitte Februar dieses Jahres: Zusammen mit einer Kollegin vom Sozialdienst katholischer Frauen und drei Lehrerinnen der Ruth-Cohn- Schule reiste ich zu einem Treffen einer internationalen Lehrergruppe. Diese Lehrerinnen und Lehrer aus England, Belgien, Ungarn, Finnland und Deutschland arbeiten in einem EU geförderten Projekt an der Optimierung Herbert Kramer Die Schule schließt heut ihre Pforten, Ferien sind angesagt. Große Freude allerorten. Tornister weg, genug geplagt. Wenn Eine eine Reise tut ihrer Arbeit mit verhaltensproblematischen Schülern (meistens Jungen!). Ich wurde als Vertreterin des Kooperationspartners Zukunft Alter der Stadt Arnsberg vorgestellt als jemand, der von außen kommt und sich freiwillig, den aktuellen Bedürfnissen der Schule entsprechend, einbringt. Das Gebäude der Vanamon-Schule, dort fand das Treffen statt, lag in einem sehr großen Komplex mit noch weiteren Bildungseinrichtungen. Die Klassenräume sahen nicht wesentlich anders aus als hierzulande. Die Katheder allerdings glichen Minicockpits mit allen IT- Claudia Brozio, Leiterin d. Ruth- Cohn-Schule und Marlene Böke Patenschaften von Mensch zu Mensch Angeboten, die es gibt. Unsere Lehrerinnen waren entzückt von diesen Möglichkeiten (und vielleicht auch etwas neidisch?). Bei der gemeinsamen Arbeit wurde von mehreren Teilnehmern aus anderen Ländern berichtet, dass es in ihren Schulklassen Schulassistenten gibt, Erwachsene, Ferien Nr. 36 Seite 8 die den Lehrern und Schülern zur Seite stehen. Es ist nie eine Lehrperson allein in der Klasse! Die gemeinsame Arbeit sah für mich so aus: Jede Schule stellte ihre Aktivitäten vor und zwar unter dem Thema Teamwork, welches man beim ersten Treffen der fünf europäischen Städte in Eger/Ungarn verabredet hatte. Für mich hörte sich das so an: Das machen wir. Was macht Ihr? Was können wir voneinander lernen? Die gemeinsame Arbeit, der Gedankenaustausch hin und her, kreuz und quer, rauf und runter hat großen Spaß gemacht. Hier waren Praktiker am Werk aus Ländern in Europa. Sie haben miteinander voneinander gelernt. Hier, in wenig spektakulären Treffen, wird meiner Ansicht nach der Kitt produziert, der letztlich Europas Einheit fördert. Dazu gehörte auch, dass meine Ersatzhandschuhe in diesen Tagen belgische Finger wärmten. Zum Möhnesee, da ging es zu Fuß, mit dem Pengel zurück, welch ein Genuss. In Hüsten Ost stieg man dann aus, müde vom Ausflug, endlich zu Haus. In der guten alten Zeit, reiste man noch nicht sehr weit. Verschlossen blieb uns diese Welt, dazu fehlte schlicht das Geld. Stattdessen baden in der Ruhr, Pilze sammeln in der Natur. Für zwanzig Pfennig ins Kino gehen, um den neuen Hans Albers zu sehn. Der Anspruch ist enorm gestiegen, man bucht vier Sterne, Vollpension, mit Airline zu den Malediven. Paris und Mallorca kennt man schon. Egal, wie es ist, und die Wünsche sprießen, man sollte sie alle mit Freuden genießen. Sind die Ferien erst mal vorbei, geht s wieder los mit der Plackerei.

9 Sigrid Grobe Spuren eines Lebens Residenz-Kinocenter Arnsberg - Senioren-Kino am 29. März 2008 Seit ca. drei Jahren laufen im Arnsberger Residenz-Kinocenter die beliebten Senioren- Filmvorführungen. Dieses Angebot findet sehr großen Zuspruch und ist eine Gemeinschaftsinitiative der Stadt Arnsberg und des Seniorenbeirats. Alle acht Wochen Samstag nachmittags werden aktuelle Filme gezeigt. Hubert Nieuwdorp, der Besitzer des Kinos, trifft die sorgfältige Auswahl und ist bemüht, besonders zeitnahe Themen auf die Leinwand zu bringen. Damit die Vorführungen gut ablaufen, steht ihm Karola Hilborne-Clarke und Erika Hahnwald vom Seniorenbeirat zur Seite. Um einen guten Sitzplatz zu bekommen, stelle ich mich bereits vor Einlass um 14 Uhr in die Reihe der wartenden Besucher aus Arnsberg und den Nachbarorten. Viele kommen aus den naheliegenden Seniorenwohnheimen und einige sind auf die Hilfe ihrer Betreuer angewiesen. Bis auf die vorderste Stuhlreihe sind alle 284 Sitzplätzen belegt. Es ist also ratsam, sich bereits im Vorverkauf Karten zu besorgen, die in den vier Gebietsdirektionen der Sparkassen Arnsberg - Sundern zum Preis von 4,50 E angeboten werden. Darin enthalten sind Kaffee und Kuchen, gestiftet vom Marienhospital und vom Lions- Club. Die Kosten der Plakate übernimmt die Sparkasse Arnsberg. Ich schließe die Augen, genieße die Musik, höre hier und da ein frohes Lachen und tauche ein in das Gewirr der unzähligen Stimmen. Das Licht wird abgedämpft und nach der Programmvorschau beginnt der heutige Film Spuren eines Lebens... (Plakatbild). Im Nu verschwindet die Wirklichkeit um mich und ich schlüpfe in die Rolle der Hauptdarstellerin Ann. Ann reist nach Newport, um als Brautjungfer bei der Hochzeit ihrer besten College-Freundin Lila zu sein. Dort trifft sie Harris, die große Liebe ihres Lebens. Die Nacht mit ihm endet mit einem tragischen Unfall des gemeinsamen Freundes. Dieses schicksalhafte Ereignis, für das sie sich mitverantwortlich fühlt, lässt Ann zeitlebens nicht los. Die Wege der beiden Liebenden trennen sich. Und dann, 50 Jahre später, durchlebt Ann auf dem Sterbebett erneut dieses Nr. 36 Seite 9 schicksalhafte Wochenende. Die Erinnerungen daran und die nie erwähnte Liebesgeschichte haben sie ein Leben lang begleitet. Dieser Film, sehr spannend dargestellt, schildert kein ungewöhnliches Schicksal. Es sind die unterschiedlichen Spuren des Lebens, die sich jedem Menschen offenbaren, der sich rückblikkend damit auseinander setzt. Noch ganz und gar im Filmgeschehen versunken, bemerke ich kaum, dass es langsam wieder hell wird und mir ein junges Mädchen ein Stück Kuchen reicht und Kaffee einschenkt. - Pause - innerhalb weniger Minuten können nun alle Besucher die Kaffeepause genießen. Das Servieren läuft zügig ab, dank der fantastischen Teamarbeit einiger junger Mädchen. Alle Achtung! Nach ca. 20 Minuten tauche ich wieder ein in die Welt der Ann. Dieses Gefühl des unmittelbaren Erlebens empfinde ich nicht am Fernseher, egal, welch spannender Film abläuft. Der Blick auf die Großleinwand und die Atmosphäre rundherum lässt den Film zu einem echten Erlebnis werden - heute genauso wie schon vor Jahrzehnten. In zwei Monaten, und darauf freue ich mich schon, werde ich das Vergnügen wieder haben.

10 Waltraud Ypersiel Der alte Tisch aus Eichenholz zeigt Spuren des Lebens, Spuren von Menschen, die daran gesessen haben, um zu arbeiten, zu spielen oder um zu essen. An seiner Längsseite sind Blumenbögen eingeschnitzt. Ich kann nicht sagen, wie alt er ist, habe ihn vor vielen Jahren bei einer Haushaltsauflösung erstanden. So nackt, wie er jetzt da steht, habe ich ihn mir noch nie so richtig angesehen. So natürlich. Habe ihn ganz Der alte Tisch ausgezogen, um seine Schönheit voll genießen zu können, wenn ich an ihm sitze. Wenn ich die Kerzen darauf anzünde, gibt ihr Schein die schönen sanften Farben und die Maserung des Holzes wider. Ich liebe alte Gegenstände und denke dabei an die Menschen, die sie besessen haben. Wer wohl alles schon an diesem Tisch gesessen hat? Warum habe ich ihn verdeckt, versteckt, verhüllt mit den verschiedensten Decken, weiß Nr. 36 Seite 10 oder bunt bestickt, umhäkelt? Ein gedeckter Tisch mit einer schönen Decke kann einen alten, hässlichen Tisch verhüllen, einen neuen schonen.wenn ich ihn mir lange genug angesehen habe, so natürlich, wie er ist, werde ich auch wieder eine schöne Decke auflegen, aber erst einmal möchte ich mich an dem schönen Holz erfreuen. Wie viele Jahre muss ein Baum wohl wachsen, bevor er sein Holz für einen Tisch hergeben kann? Ornamente nachgezeichnet von Waltraud Ypersiel Lust und Frust Waltraud Ypersiel Raus aus dem Haus. Nicht allein sein, sich etwas gutes tun. Warum? Lust! Frust, Unzufriedenheit Einsamkeit? Was ist es, was mich treibt. Unruhe, nicht still sitzen können. Immer in Bewegung. Unter Leute, und doch allein. Ein Eis auf die Hand, nicht setzen, zu viele Menschen. Angst vor der Menge? Was ist los mit mir? Bin allein, möchte es nicht sein und laufe davon. Herbert Kramer Nicht rennen, aber auch nicht pennen! Dieses Motto haben sich die Seniorinnen und Senioren auf ihre Schuhsohlen geschrieben, wenn sie sich jeden ersten Donnerstag eines Monats auf der Neheimer Marktplatte treffen. Kleine zweistündige Wanderungen in der näheren Umgebung, die bei jeder Witterung durchgeführt werden, tragen dazu bei, dass sowohl die Bewegung als auch die Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Alle Akteure sind sich darin einig, dass ihnen mit den Spaziergängen mindestens ein Gang zum Doktor erspart würde. Nach getaner Arbeit ist gegen eine Einkehr nichts einzuwenden. In geselliger Runde kann der Flüssigkeitsverlust wieder ausgeglichen werden. Wer an diesen Wanderungen teilnehmen möchte, ist immer herzlich willkommen. Auskunft erteilt: Paul Seim,

11 Anni Bauerdick-Lattrich 1943 war ich 17 Jahre alt. Von meinem Elternhaus auf Bergheim aus musste ich durch das Katastrophengebiet in Neheim gehen. Zum täglichen Bild gehörten über Monate hinweg die Bergung der Toten aus Schlamm- und Wassermassen. Die Möhnekatastrophe Nr. 36 Seite 11 Das Katastrophenbüro war zunächst auf dem offenen Kirchplatz eingerichtet, nach wenigen Tagen in die RMW- Motorradwerke verlegt und von den Herren Schnier und Klein geleitet. Dort arbeitete ich über Monate mit. Von hier aus erfolgte der Einsatz einer Vielzahl von LKWs, wovon vier oder fünf täglich als Leichentransporter benutzt wurden. Außerdem standen Wasserwagen aus den verschiedensten Teilen Deutschlands für die Trinkwasserversorgung zur Verfügung, da die Gebiete Mendener Straße hinter der Ruhrbrücke wochenlang ohne Leitungswasser waren. Wasser für andere Zwecke holte man aus einem Bach zwischen Bergheim und Bachum. Die Wassermassen hatten die Häuser in der Trift (heute Jahnallee und Umgebung) im Erdgeschoss total verschlammt und die Möbel unbrauchbar gemacht. Die Wasserstandshöhe ließ sich noch jahrelang am Mauerwerk der Häuser erkennen. Wenn die Möhne mal kommt war ein gängiges Thema. Aber dass die Wasserkatastrophe so verlief, das hatte niemand geahnt. Die allgemeine Meinung war ja, dass die Innenstadt mit Kirche hoch im Wasser stehen würde. Daher lief man aus sicheren Gebieten, z. B. Mendener Straße, in die Fluten, was auch die hohe Zahl der aus der Innenstadt Neheims stammenden Toten erklärt. Wenn die Möhne mal kommt, ist nur noch der Kirchturm zu sehen kostete vielen Menschen das Leben. Bedauerlich war auch, dass es nach dem Fliegeralarm keine Entwarnung gab; Geräusche, ähnlich denen von Fliegern erfüllten noch immer die Luft. Das waren aber schon die Wasserfluten und viele Menschen, z. B. in der Möhnestraße, ertranken in ihren Kellern. Soweit einige meiner Erinnerungen zur Möhnekatastrophe. Unter dem Titel Das waren noch Zeiten... hat der Diözesanverband Paderborn eine Broschüre herausgegeben: Frauen aus dem Erzählcafé der kdf Neheim haben Geschichten über die Zeit von 1939 bis 1945 zusammengetragen. Viele Erinnerungen beziehen sich auf den Arnsberger Raum. Die Broschüre kann auch bei der kfd bezogen werden. Die verschiedenen Berichte rufen Erinnerungen wach, an die man selten noch denkt, die aber niemals vergessen werden können. Für das Verteilungsgebiet der SICHT dürften u. a. die Artikel Möhnekatastrophe am , Kristallnacht, Lebensmittelmarken, Zwangsarbeiter von besonderem Interesse sein.

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