Schule im Spannungsfeld von Chancengerechtigkeit, Exzellenz und Wohlbefinden:

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1 Schule im Spannungsfeld von Chancengerechtigkeit, Exzellenz und Wohlbefinden: Sieben Thesen zur Veränderung der Lernkultur Prof. Dr. Anne Sliwka IBW, Universität Heidelberg

2 Zieldimensionen von Schule und Herausforderungen, vor denen wir jetzt stehen

3 Drei gleichwertige Ziele des Schulsystems Chancengerechtigkeit (Equity) anspruchsvolle Leistungen (Excellence) Wohlbefinden (Well-Being)

4 Herausforderung: Chancengerechtigkeit Risikogruppe auf Kompetenzstufe I in allen PISA Literacies bei ca. 16 % starker Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg Zum Beispiel: PISA 2000, 2003, 2006, 2009, 2012; IGLU 2006 und 2009

5 Herausforderung: Exzellenz Im internationalen Vergleich schmale Spitzengruppe auf Kompetenzstufe 5 und 6, keine Entwicklung in der Spitzengruppe seit 2000 E. Klieme: nach einem Jahrzehnt PISA sind keine Verbesserungen in der Leistungsspitze erkennbar. Gerade in den Gymnasien mangelt es an individueller Förderung.

6 Herausforderung: Wohlbefinden subjektiv wahrgenommenes Stress-Erleben im Bezug auf Schule mangelnde Möglichkeiten der Teilhabe geringe Förderung von intrinsischer Lernmotivation Zum Beispiel: IEA Civic Education Studie (2000), Eltern unter Druck (KAS 2008), Deutscher Kinderschutzbund (2012), UNICEF Studie (2013) zum objektiven und subjektiven Wohl von 11 bis 15-Jährigen

7 Was wir heute über wirksames Lernen wissen OECD (2010): The Nature of Learning. Using Research to Inspire Practice. Paris: OECD.

8 OECD Learning Principles Wirksame Lernumgebungen: gehen sensibel mit menschlicher Individualität um und nehmen Vorerfahrungen und Vorwissen von Lernenden ernst aktivieren die Lernenden und entwickeln in ihnen eine Verständnis des eigenen Lernprozesses erkennen Motivation und Emotion als treibende Kräfte von Lernprozessen verstehen Lernen als sozialen Prozess und organisieren eine Vielfalt an lernförderlichen Sozialsituationen

9 OECD Learning Principles Wirksame Lernumgebungen: bieten Lernenden Herausforderungen und erwarten von ihnen Leistung in ihrer jeweils nächsten Zone der Entwicklung schaffen Transparenz in Bewertungskriterien und sehen Leistungsrückmeldung im Dienste der Lernund Entwicklungsförderung schaffen horizontale Vernetzungen zwischen Wissensgebieten und zur Lebenswelt

10 Lernprinzip 1 (OECD, 2010) Wirksame Lernumgebungen gehen sensibel mit menschlicher Individualität um und nehmen Vorerfahrungen und Vorwissen von Lernenden ernst.

11 Homogenität Heterogenität Diversität Von der Homogenität zu Diversität (Sliwka, 2010: OECD) Die Lernenden werden als vergleichbar betrachtet und erhalten daher die selbe Behandlung Unterschiede werden nicht anerkannt. Die Lernenden werden als unterschiedlich betrachtet. Es werden kleinere Modifikationen vorgenommen, um ihren unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Unterschiedlichkeit wird als Herausforderung gesehen, der man sich stellen muss. Die Lernenden werden als unterschiedlich gesehen. Ihre Unterschiedlichkeit dient als Ressource für individuelles und wechselseitiges Lernen und Entwicklung. Unterschiede werden als Gewinn und als Lernchance gesehen.

12 Beispiele Innere Differenzierung Aufgabendifferenzierung in der Klasse Flexible Grouping Kurssystem Kompetenzentwicklung motiviert durch eigene Interessen z.b. Wir schreiben Bücher

13 Kooperatives Lernen Methoden des kooperativen Lernens zur Differenzierung nach Interesse Leistungsniveau/ Schwierigkeitsgrad Beispiel: Placemat-Methode: strategischer Einsatz in homogenen und heterogenen Gruppen

14 Flexible Grouping Tagesablauf (Montag bis Donnerstag): 90 Minuten Literacy für alle 70 Minuten Mathematik für alle Schüler der Klassen 5-7 in flexiblen und wechselnden Gruppierungen (Lern- und Leistungsstand und/oder Interesse) Jeden Freitag: Projekttag mit jeweils achtwöchigen Projektphasen in altersgemischten Gruppen

15 Individuelle Lern- bzw. Programmpläne Alle Schüler mit besonderen Förderbedarfen haben ILPs, auch Schüler mit besonderen Begabungen Reihenfolge: 1. Ausgangsdiagnostik 2. ILP-Planungsgespräch (mit Schüler und ggf. Eltern) 3. Individualisierung während der Laufzeit des ILP 4. Nach ca. 4 Monaten Abschlußgespräch bzw. Fortschreibung des ILP Umsetzung: Inklusion/Begabtenförderung in Kanada, Australien, USA, Neuseeland

16 Lernprinzip 2 (OECD 2010) Wirksame Lernumgebungen aktivieren die Lernenden und entwickeln in ihnen ein Verständnis des eigenen Lernprozesses.

17 Beispiele Zeit für kognitive Aktivierung und eine Balance von Instruktion und Konstruktion längere Lernblöcke (90 Minuten) Lernen in längeren Projekten z.b. Projekt Herausforderung Erkunden und Verstehen des eigenen Entwicklungsprozesses Entwicklungsportfolio

18 Lernprinzip 3 (OECD 2010) Wirksame Lernumgebungen erkennen Motivation und Emotion als treibende Kräfte von Lernprozessen.

19 Selbstbestimmungstheorie der Motivation (Deci & Ryan) Ich erlebe mich als kompetentes Individuum. Ich darf bestimmte Dinge über mein Lernen selbst entscheiden. Ich gehöre dazu und fühle mich wohl in meiner Schule.

20 Kultivierung eines growth mindset Zusammenhang zwischen Leistung und Selbstkonzept Fixed Mindset : Ich bin halt nicht so intelligent, da bringt auch Üben nichts. Growth Mindset : Wenn ich mich anstrenge, kann ich mich verbessern! Forschungen von Carol Dweck (Stanford)

21 Beispiele Schülerrückmeldung über Qualität und Relevanz von Unterricht Tell them about me! What did you do in school today?

22 Lernprinzip 4 (OECD 2010) Wirksame Lernumgebungen verstehen Lernen als sozialen Prozess und organisieren eine Vielfalt an lernförderlichen Sozialsituationen.

23 Beispiele Balance zwischen Lehrervortrag einerseits und individuellem, kooperativen und kompetitiven Lernen andererseits - Individuell: Freiarbeit, Wochenplan - Kooperativ: kooperative Methoden, Buddy-System, Klassenrat, Projekt - Kompetitiv: Wettbewerbe in oder zwischen Schulen

24 Lernprinzip 5 (OECD 2010) Wirksame Lernumgebungen bieten Lernenden Herausforderungen und erwarten von ihnen Leistung in ihrer individuellen Zone der nächsten Entwicklung.

25 Zone der nächsten Entwicklung zwischen Unterforderung und Überforderung (Vygotsky)

26 Haltungen Überzeugung: Jedes Kind kann lernen und Leistungen zeigen Nutzung der Bildungsstandards zur formativen Rückmeldung (Hattie, Black & Wiliam) pluralistischer Leistungsanspruch

27 Lernprinzip 6 (OECD 2010) Wirksame Lernumgebungen schaffen Transparenz in Bewertungskriterien und sehen Leistungsrückmeldung im Dienste der Lern- und Entwicklungsförderung.

28 Assessment is for Learning : Leistungsbewertung dient der Lernförderung Soziale Bezugsnorm Die Leistung des Lernenden wird mit der Leistung anderer Lerner verglichen. Individuelle Bezugsnorm Die Leistung des Lernenden wird mit den eigenen Vorleistungen verglichen. Kriteriale Bezugsnorm Die Leistung des Lernenden wird mit gestuften Bildungsstandards verglichen.

29 Beispiele Formative Rückmeldung Authentische Prüfungsformen Projektprüfung Selbst- und Fremdeinschätzung Kompetenzraster, Entwicklungs- und Präsentationsportfolios

30 Lernprinzip 7 (OECD 2010) Wirksame Lernumgebungen schaffen horizontale Vernetzungen zwischen Wissensgebieten und zur Lebenswelt.

31 Beispiele Lernen an außerschulischen Lernorten und mit außerschulischen Partnern Ko-operative Bildung Vernetzte Schule Lernen durch Engagement

32 Professionelle Lerngemeinschaften Schulen können heute nur noch erfolgreich sein, wenn sie als professionelle Lerngemeinschaften organisiert sind und arbeiten. Kooperationszeit, Arbeit in multi- professionellen Teams

33 In Heddesheim werden die Segel gesetzt! We cannot command the wind, but we can set the sails (Leitbild des Durham Board of Education)

34 Wir freuen uns die Karl-Drais-Schule in ihrer Entwicklung begleiten zu dürfen! Kontakt: Prof. Dr. Anne Sliwka Institut für Bildungswissenschaft (IBW) Universität Heidelberg

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