Symposium Arbeitszeitgestaltung zur Unterstützung der Work-Life-Balance. Lebensphasenbezogene Arbeitszeitmodelle

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1 Symposium Arbeitszeitgestaltung zur Unterstützung der Work-Life-Balance Lebensphasenbezogene Arbeitszeitmodelle 4. September 2012, KIT Karlsruhe Ulrike Hellert Geschäftsführerin Moderne Arbeitszeiten Wissenschaftliche Direktorin iap Institut für Arbeit & Personal FOM 1 Agenda - Lebensphasen - Erfolgreiche Gestaltung von Arbeitszeiten - Basis-Arbeitszeitmodelle - Lebensphasenbezogene Arbeitszeiten - Fazit 2 1

2 Was sind Lebensphasen? In der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts funktioniert der alte Deal, der simple Tausch von Arbeitszeit und Lohn, nicht mehr bedingungslos. Auch die Zeit, die mit der Arbeit verbracht wird, will als sinnvoll, erfüllend und anregend empfunden werden. (Heidelberger Leben, Trendmonitor 2011) 3 Lebensphasen Lebensphasen als evolutionärer Prozess: Entstehen, Wachsen, Verändern, Vergehen Entwicklung im Einklang mit verschiedenen Lebensrhythmen Phasenmodelle bieten Orientierung & erfordern Flexibilität 4 2

3 Menschliche Leistungskurve und Lebensphasen Über alle Lebensphasen hinweg menschengerechtes arbeiten ermöglichen Voll Energie Lebensmitte Ruhestand Geburt Lebensende In Anlehnung an Wilhelm Schmid 5 Lebensphasen heute Bedeutung Beruf, Studium & Familie Konfliktpotentiale Biosozialer Lebenszyklus Beruflicher Lebenszyklus Familiärer Lebenszyklus Lebensjahre In Anlehnung an Graf (2002): Lebenszyklusorientierte Personalentwicklung 6 3

4 Erfolgreiche Gestaltung von Arbeitszeiten Arbeitszeit Interdependenzen & Ausstrahlungseffekte Betriebliche Erfordernisse Individuelle Lebensphase 7 Rechtliche Grundlagen 1 Zweck des Gesetzes ist es, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer bei der Arbeitszeitgestaltung zu gewährleisten und die Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeiten zu verbessern. 8 4

5 Stärkste Hemmnisse zur individuellen Erholung Die stärksten Hemmnisse für die individuelle Erholung Gedanken an die Arbeit Verpflichtungen gegenüber Familie/Partnerin/Partner körperliche Verfassung (Erschöpfung, Krankheit) Betreuung von Kindern/Jugendl./pflegebedürftigen Pers. Gefühl ständig erreichbar sein zu müssen anstrengende, überflüssige Kommunikation finanzielle Lage Angst vor wirtschaftlichem Abstieg Umwelteinflüsse (bspw. Lärm) Erwartung von ständiger Aktivität zusätzliche Nebentätigkeit zum Gelderwerb ehrenamtl. Tätigkeit, z.b. soziales, kulturelles, politisches Engag. keine Erholungsflächen/-möglichkeiten in nächster Umgebung Wohnsituation Quelle: LIA.fakten (07/2012) Anteil der befragten abhängig Beschäftigten und Selbständigen mit Erholungshemmnissen (N=904) in % 9 Gestaltungselemente der Arbeitszeit - Dauer (Chronometrie) + Wie lange wird gearbeitet? - Lage (Chronologie) + Wann wird gearbeitet? - Verteilung (Chronomorphie) + Wie wird die Arbeitszeit verteilt? Belastungsdimensionen: Individuelle Ressourcen: Betriebliche Ressourcen: Intensität (Schwere der Arbeit) und Dauer Zeitkompetenz, Bewältigungsstrategie, physisch & psychisch Führung, Arbeitsumgebung, Arbeitsmerkmale, Personal, Gesundheitsmanagement, Arbeitszeit 10 5

6 Varianten der Arbeitszeitgestaltung Dauer der Arbeitszeit Mögliche Varianten: Teilzeit Altersteilzeit Job-Sharing Kurzarbeit Mehrarbeit Mini-Job Verteilung der Arbeitszeit Mögliche Varianten: Schichtsysteme Versetzte Arbeitszeiten Gleitzeit Funktionszeiten Jahresarbeitszeit Wahlarbeitszeit Vertrauensarbeitszeit Telearbeit Sabbatical Verwaltung der Arbeitszeit Mögliche Varianten: Arbeitszeitkonto (Ampelkonto) Langzeitkonto Lebensarbeitszeitkonto + Mobiler Arbeitsort = Home Office 11 3-Z-Methode Zeitrahmen Zahl der Beschäftigten Ziele (spezifisch, messbar, aktiv beeinflussbar, relevant, terminiert & positiv formuliert) (Hellert 2005) - Zeitpsychologie Umgang mit der Zeit Zeitgefühl Zeitperspektive Kairos Gott des günstigen Augenblicks und der Muße 12 6

7 Arbeitszeitbefragung Mit der folgenden Frage würden wir gerne wissen, wie sehr Sie sich für die einzelnen Arbeitszeitmodelle interessieren. [klassiert] Flexible Arbeitszeit ohne Kernzeiten [n=1213] Home Office (auch zeitweise) [n=1237] Flexible Arbeitszeit mit Kernzeiten [n=1206] Vertrauensarbeit [n=1191] Teilzeitarbeit [n=1204] Feste Arbeitszeiten mit Anwesenheitspflicht [n=1171] KCS KompetenzCentrum für Statistik und Empirie 11,1 % 11,5 % 13,3 % 17,3 % 13,8 % 18,5 % 20,2 % 26,5 % 22,6 % 12,0 % 12,5 % 15,9 % 53,2 % 69,4 % 67,7 % 65,4 % 77,3 % 71,6 % 0,0 % 20,0 % 40,0 % 60,0 % 80,0 % 100,0 % sehr großes/großes Interesse weiß nicht recht etwas/keinerlei Interesse KCS Arbeitszeitbefragung Umgang mit Zeit [Mittelwerte] Wie oft kommt es vor, dass Sie wegen zu viel Arbeit teilweise auf Erholungsurlaub verzichten müssen? [n=1241] 1,89 Wie oft kommt es vor, dass Sie ohne Erfassung von Arbeitszeit und/oder ohne Vergütung von Arbeitszeit arbeiten? [n=1240] 2,38 Wie oft kommt es vor, dass Sie wegen zu viel Arbeit auf 30 Minuten Pause verzichten? [n=1234] Wird bei Bedarf auf Ihre persönliche Situation hinsichtlich der Arbeitszeit Rücksicht genommen? [n=1237] Wie häufig stehen Sie wegen Terminvorgaben unter Zeitdruck? [n=1240] Wie oft kommt es vor, dass Sie wegen zu viel Arbeit verspätet in den Feierabend gehen können? [n=1234] 2,97 3,36 3,49 3,58 KCS KompetenzCentrum für Statistik und Empirie KCS sehr selten/ nie eher selten gelegentlich eher oft sehr oft 14 7

8 Arbeitszeitgesetz 48 Stunden > Arbeitszeitgesetz 60 Stunden max. > Ausgleich muss geschaffen werden Ausgleich in Zeit - nicht in Entgelt Zeiterfassung durch Zeit-Tool Arbeitszeitrahmen Funktionszeit Modell I-Time 7-8 Uhr Funktionszeit 8-18 Uhr Uhr Funktionszeit = Servicezeit oder Kundenzeit + Ein- und Ausgleitspanne Zahl der Mitarbeiter: je nach Projekt Ziele: vorliegende Arbeit SMART erledigen Einmal pro Woche Home Office möglich 15 Vertrauensarbeitszeit Ergebnisorientiertes, hochflexibles Arbeitszeitmodell Eigenverantwortliche Verteilung der Arbeitszeit durch die Beschäftigten Arbeitszeitnachweise ( 16 Abs. 2 ArbZG) können auf ein Mindestmaß reduziert werden Arbeitszeitnachweis wird an die Beschäftigten delegiert Es zählt vor allem die Arbeitsleistung, nicht die reine Anwesenheit Maßnahmen die vor Überlast schützen keine rund-um-die- Uhr-Erreichbarkeit! Quelle: Hollmann, Hellert, Schmidt (2005) 16 8

9 Kann so eine Balance gelingen!? 17 Acht Bausteine moderner Arbeitszeitgestaltung 1. Wahl des Arbeitszeitvolumens (z.b. vollzeitnahe Teilzeit) 2. Alternierendes Home Office 3. Selbstbestimmte Verteilung der Arbeitszeiten 4. Eigenverantwortliche Aufgabenerfüllung mit Zielvereinbarung 5. Zeit- und Handlungsspielräume 6. Förderliches Betriebsklima 7. Unterstützung durch Führungskräfte 8. Unternehmenskultur 18 9

10 Gestaltung der Nacht- und Schichtarbeit Zeitkompetenz Rechtliche Rahmenbedingungen Planentwicklung Gestaltung der Nachtund Schichtarbeit Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse Gesundheit & Ernährung Chronobiologie Partizipative Vorgehensweise 19 Lebensphasenbezogene Arbeitszeit. Es kommt darauf an: Arbeitszeitmodell + Lebensphase = Maßgeschneiderte Lösungen 20 10

11 Beispiele Arbeitszeitmodell Schichtarbeit 6-Tage-Woche Früh-Spät-Nacht Teilzeit 75% Stelle Funktionszeiten Vertrauensarbeitszeit Home Office Lebensphase Vor oder nach Familienphasen Familienphase Weiterbildungsphase Übergang ins Rentenalter Alle Lebensphasen Alle Lebensphasen, speziell Familienphasen Ergänzend in allen Lebensphasen, außer bei Berufseintritt Auf individuelle Unterschiede achten! 21 Fazit Gestaltungsansätze: strukturiertes zielorientiertes Vorgehen basierend auf rechtlichen Grundlagen umfassende Information & Erklärung konsequente Beteiligung & Zusammenarbeit mit den betreffenden Beschäftigten bedarfsorientierte Maßnahmen verlässliche Personal- und Kapazitätsplanung 22 11

12 Denn es ist nicht die Zeit, die etwas mit dem Menschen macht, sondern der Mensch macht etwas mit der Zeit. Wilhelm Revers 23 Moderne Arbeitszeiten Arbeitszeitberaterin seit 1994 Hochschullehrerin an der FOM Hochschule in Nürnberg Direktorin des iap - Institut für Arbeit und Personal Aktuelle Bundesprojekte: Zeitbüro FOM, ArbeitsZeitGewinn (RKW), Demo-Scout (EUV), Pinowa (BMBF) Moderne Arbeitszeiten Prof. Dr. Ulrike Hellert Scheinfeld

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