Gesundheitsförderung im und durch Hochschulsport: Herausforderungen auf dem Weg zu einer gesundheitsfördernden Hochschulorganisation

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1 Gesundheitsförderung im und durch Hochschulsport: Herausforderungen auf dem Weg zu einer gesundheitsfördernden Hochschulorganisation Arne Göring Zentrale Einrichtung Hochschulsport Institut für Sportwissenschaften

2 Gesundheitsfördernde Wirkungsmechanismen von Sport und Bewegung

3 Sport und Studium konzeptioneller Bezugsrahmen Starkes Stresserleben bedingt durch Leistungsdruck, Zukunftsängste, Prüfungsangst (Turiaux & Krinner 2014) Hohe Anonymität und fehlende soziale Unterstützung (Bachmann 1999) Zum Teil gesundheits-gefährdender Lebensstil (Substanzkonsum, Ernährungsverhalten) (HISBUS) Hochschulbildung als adoleszente Transitionsphase

4 Fragestellung Welche Gesundheitspotenziale offerieren sportliche Aktivitäten im Rahmen des Studiums? Welche studienspezifischen Ressourcen können durch sportliche Aktivitäten gefördert werden? Wie kann der Hochschulsport die Gesundheit von Studierenden systematisch fördern?

5 Eigene Studien Bezeichnung Studiendesign Befragungsinhalte Statistische Merkmale Sport und Studium Online-Studie in Kooperation mit HIS (Hannover) zum allgemeinen Sportverhalten und zur Nutzung des Hochschulsports (2010) Umfang und Intensität der Sportaktivität (Sporttyp); Organisationsform; Sportarten und Bewegungsformen; Motivations- und Anreizstruktur; subjektive Bedeutungszuweisung der sportlichen Aktivität. N=7080 Repräsentativ für Deutschland in Bezug auf Hochschulform, Fachzugehörigkeit, Geschlecht. Sport als gesundheitsfördernde Ressource im Setting der Hochschule (2010 & 2014) Online-Studie an den Universitäten Göttingen und Braunschweig zum Zusammenhang von Sport und gesundheitsförderlichen Ressourcen und Belastungen. Umfang und Intensität der Sportaktivität (Sporttyp); wahrgenommene Stressbelastung; Gesundheitskompetenz; Studienzufriedenheit; soziale Unterstützung; Beschwerdewahrnehmung; Gesundheits-verhalten N=2984 (Göttingen) N=1026 (Braunschweig) Repräsentativ für die beiden Hochschulen in Bezug auf Fakultätszugehörigkeit, Geschlecht, Studiengang

6 Ergebnisse: Sportliche Aktivität von Studierenden Datensatz: Sport und Studium (in Kooperation mit HIS) Berechnung des Sporttyps auf der Basis selbstberichteter Angaben zu Umfang, Intensität und Regelmäßigkeit der sportlichen Aktivität Sporttyp in Anlehnung an BÄSSLER (1988, 194) sowie WOLL (1996): Nichtsportler Urlaubssportler Gelegenheitssportler Regelmäßiger Sportler kein Sport <1x/ Woche <60Min./ Woche 60Min./ Woche Intensivsportler 3x40 Min = 120Min./ Woche bei mind. Mittlerer Intensität, 2x mehr als 40 harte Intensität

7 Sport in Prüfungsphasen Der Einfluss von Lern- und Prüfungsphasen auf die Sportausübung 1 "höre dann ganz damit auf" Hinweise aus Problemzentrierten Interviews Sport in Konkurrenz zur Lernphasen Effizienz-Streben nimmt zu "reduziere meine Sportaktivitäten" Unverbindliche Sportengagements werden bevorzugt Zitat einer Studentin: "mache genauso viel wie bisher" "mache mehr als sonst" Auch gerade in der Lernphase habe ich fast gar keinen Sport gemacht. Weil ich das Gefühl hatte, die Zeit muss ich dann nutzen, um zu kochen und um einzukaufen und jetzt nicht auch noch Sport zu machen (Katharina, Diplom Psychologie, Uni Göttingen, 8.Semester) Männlich Weiblich (1) Datensatz: Sport als gesundheitsfördernde Ressource ; N= 2775

8 Sporttreiben von Studierenden ein institutionelles Problem? Nicht-Sportler: Ein Vergleich mit Nicht-Studierenden 1,2 Datensatz: Sport und Studium (in Kooperation mit HIS); Repräsentative Bevölkerungsbefragung durch RKI (2010) Relativer Anteil an Nicht-Sportlern Studierende im Vergleich Studierende an Fachhochschulen sind sportlich weniger aktiv als Studierende von Universitäten (p<0,05) Dieser Unterschied bleibt auch statistisch signifikant, wenn das Alter kontrolliert wird. 36,1% 31,1 % Fachhochschulen Universitäten (1) Verwendung unterschiedlicher Erhebungsinstrumente (2) RKI: Telefonische Interviews; Uni-Göttingen: Online-Erhebung

9 Angaben in % Organisationsformen des Sporttreibens Datensatz: Sport und Studium (in Kooperation mit HIS); Frage: In welchen Organisationsformen üben Sie Ihre Aktivitäten aus? (Mehrfachantworten möglich) Universitäten Fachhochschulen ,4 62, , ,4 34,3 30, ,1 22, Turn- oder Sportverein Hochschulsport Kommerzielle Anbietern Andere Organisationen Privat, unabhängig von Organisationen 3,9 6,1 3 Sonstiges 2,9

10 Angaben in % Aktivitätspräferenzen von Studierenden Datensatz: Sport und Studium (in Kooperation mit HIS); Frage: Welche der folgenden Sportarten üben Sie regelmäßig aus? (Mehrfachantworten möglich) Weiblich 41 Männlich Fitnesskurse Fitnessstudio Joggen Mannschaftssport Rückschlagssport Schwimmen

11 Wirkungen: Sportliche Aktivität und subjektive Gesundheit bei Studierenden Mittelwerte subjektiver Gesundheitszustand nach habituellem Sporttyp 1,2 19,00 Mittelwert Subjektiver Gesundheitszustand 18,22 18,00 17,00 16,90 16,00 15,98 16,21 15,00 14,93 14,75 14,83 14,00 13,00 Überzeugte Nichtsportler Abbrecher Hab. Urlaubssportler Hab. Einsteiger Hab. regelmäßige Habituelle Gelegenheitssportler Sportler Intensivsportler (1) Skala Subjektiver Gesundheitszustand nach WOLL et al. (2004); Fragen zur globalen Einschätzung, der Leistungsfähigkeit, Einschränkungen, zur Gesundheit im Vergleich zu anderen Studierenden, Entwicklung der Gesundheit in der Vergangenheit, Relevanz der Gesundheit. (2) Datensatz: Sport, Studium und Gesundheit - Onlinebefragung an der Universität Göttingen, N= 2775

12 Sportliche Aktivität und Beschwerdeerleben Mittelwerte subjektive Beschwerdewahrnehmung nach habituellem Sporttyp 1,2 19,00 18,50 18,00 17,20 17,00 16,44 16,00 15,77 15,00 14,00 13,00 12,00 11,62 11,00 Nichtsportler Urlaubssportler Gelegenheitssportler Regelmäßiger Sportler Habituelle Intensivsportler (1) Skala Subjektiver Beschwerdewahrnehmung nach HURRELMANN & KOLIP (1994); Liste mit 17 Items zu physischen und psychosomatischen Schmerzen und Beschwerden bzw. Beschwerdefreiheit im letzten Jahr (2) Datensatz: Sport als gesundheitsfördernde Ressource ; N = 2775

13 Summenscore (10 50) Sport als Vermittler für soziale Unterstützung Soziale Unterstützung: Auswertung über aktuellen Sporttyp 1,2 46,00 45,00 44,36 44,98 45,14 44,00 43,00 42,00 42,32 42,20 41,00 40,00 Nichtsportler Urlaubssportler Gelegenheitssportler Regelmäßiger Sportler Habituelle Intensivsportler (1) Verwendete Instrumente: F-SoZu, Instrument mit 10 Items, Summenscore gebildet über alle Items (2) Datensatz: Sport als gesundheitsfördernde Ressource - Onlinebefragung an der Universität Göttingen. N 2775

14 Stressempfinden Sport und studienspezifisches Stressempfinden Studienspezifisches Stressempfinden: Auswertung über aktuellen Sporttyp 1,2 27,50 27,00 26,50 26,00 25,50 25,00 24,50 24,00 26,74 26,52 25,88 25,30 Nicht-Sportler Gelegenheitssportler Regelmäßiger Sportler Intensivsportler Sportttyp (1) Verwendete Instrumente: Sporttypen (s.o.) & studienspezifisches Stressempfinden (Jantowski 2008), Instrument aus 8 Items, 8 max. 40 Punkte auf einer 5-stufigen Likert Skala (2) Datensatz: Sport, Studium und Gesundheit - Onlinebefragung an der Universität Göttingen, N= 2775

15 Summenscore (9 45) Sport und Studienzufriedenheit? Mittelwerte Studienzufriedenheit nach habituellem Sporttyp 1,2 35,00 34,00 Studienzufriedenheit in Abhängigkeit von sportlicher Aktivität 33,00 32,30 32,00 31,20 31,00 30,00 29,00 29,90 29,10 29,10 28,00 27,00 26,00 25,00 Nichtsportler Urlaubssportler Gelegenheitssportler Regelmäßiger Sportler Habituelle Intensivsportler (1) Verwendete Instrumente: Skala zur Studienzufriedenheit, Instrument mit 9 Items, Summenscore (9 45) gebildet über alle Items (2) Datensatz: Sport als gesundheitsfördernde Ressource - Onlinebefragung an der Universität Göttingen. N 2775

16 Angaben in % Gesundheitsveränderungen im Studium Auswertung über habituellen Sporttyp 1,2 70 Nichtsportler Abbrecher Einsteiger Hab. regelmäßige Sportler Hab. Intensivsportler (sehr) verschlechtert gleich (sehr) verbessert (1) Verwendete Instrumente: eigene Frage zur subjektiven Wahrnehmung der Gesundheitsveränderung (2) Datensatz: Sport, Studium und Gesundheit - Onlinebefragung an der Universität Göttingen, N= 2775

17 Welcher Sport wirkt wie? Sport mit inhärenten sozialen Interaktionsstrukturen mit größten Effekten auf Wohlbefinden, Stressempfinden, Studienzufriedenheit, Kohärenzgefühl (z.b. Mannschaftssport, Klettern, feste Gruppen) Männer profitieren mehr von sportlichen Aktivitäten als Frauen Junge Studierende (Studieneingangsphase) profitieren mehr von sportlichen Aktivitäten als ältere Studierende Fachkultur / Habitus mit großem Einfluss auf die Sportaktivitäten

18 Ambivalenzen der Gesundheitsförderung durch Sport Zwischen Legitimationsanspruch und Bildungsauftrag Dominante Fitnessaktivitäten fördern instrumentelles Körperverständnis Flexibilität und Effizienz als Leistungsansprüche an Sportangebote nehmen deutlich zu Legitimationsorientierung des Hochschulsports an quantitativen Werten (v.a. Nutzerzahlen) Derzeitige Sportangebote der Hochschulsport-Einrichtungen fördern das bestehende System Ressourcenproblematik mit Blick auf marktgerechte Dienstleistungen

19 Quo vadis Hochschulsport? Auf dem Weg zu einer gesundheitsfördernden Hochschulorganisation Inszenierung des Hochschulsports als hochschulspezifischen Interaktionsanlass Fokussierung auf soziale Gelegenheitsstrukturen zur Förderung sozialer Unterstützungsprozesse Spezifische Konzeptentwicklung für Studieneingangsphase / Studienabschluss Konzeptionelle Vernetzung mit anderen gesundheitsfördernden Hochschulorganisationen (Studentenwerke, Beratungsstellen)

20 Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! Dr. Arne Göring Universität Göttingen

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