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2 weitergegeben haben. Der Ingenieur war bei Scope für die Maschinenproduktion zuständig. Mitarbeiter der Firma berichten der Staatsanwaltschaft, der Schweizer habe immer sehr genau darauf geachtet, dass keine seiner Konstruktionszeichnungen in die falschen Hände gerieten. Selbst die Dateien in den Computern der Firma seien gelöscht worden. Der Schweizer habe alles versucht, um Spuren seiner Tätigkeit zu beseitigen. Tinner weiß offensichtlich, dass die in der Fabrik gefertigten Elemente für den geplanten Bau einer Atombombe in Libyen bestimmt sind. Das Netzwerk von Kadir Khan operiert jahrelang unbehelligt und macht gewaltige Umsätze. Bis heute sind die genauen Details nicht bekannt. Vor allem gibt es keine Informationen, ob der in Pakistan lebende Wissenschaftler nicht auch direkt oder indirekt Al Kaida beliefert hat. Kadir Khans Umsätze sind gewaltig, allein die Islamische Republik entlohnte seine und die Dienste seiner Mitarbeiter mit insgesamt zweihundert Millionen Dollar.

3 Halbherzige Verhandlungen der Europäer In Teheran wissen die Politiker genau, dass ihr Atomprogramm weltweit oder doch wenigstens vom Westen abgelehnt wird. Aber die islamische Führung glaubt aus zwei Gründen, ihr Projekt heimlich fortsetzen zu können. Beim Nationalen Sicherheitsrat rechnet man nicht damit, dass Iran wegen seiner Atompolitik militärisch angegriffen wird:»jetzt gibt es keine Wahrscheinlichkeit für einen Krieg, auch wenn unser Fall an den Sicherheitsrat verwiesen wird. Amerika hat noch viele Probleme im Irak. Daher ist der Beginn einer neuen Krise sehr unwahrscheinlich«, meint Rohani. 18 Gleichzeitig geht er aber auch davon aus, dass die USA auf weit mehr als die Einstellung des unterstellten iranischen Atomprogramms aus sind:»europa will nur, dass wir keinen geschlossenen Kreislauf haben, aber Amerika will uns vor den Sicherheitsrat bringen mit Atomenergie als Ausrede, und dann kommen wir da nicht mehr raus, weil sie alle Probleme, die sie mit uns haben, mit einem Mal aus der Welt schaffen wollen - Probleme wie der Nahe Osten, Terror und so weiter «So strebt die iranische Führung die atomare Schwellenfähigkeit an, um diesem Druck aus einer Position der Stärke begegnen zu können. Auch durch den Bau von Raketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können, verspricht sich die Islamische Republik eine größere Sicherheit. Doch damit werden die Verhandlungen nur erschwert. Iran zieht die Gespräche in die Länge, und auch die Europäer lassen sich Zeit. Mit dem Verzicht auf die Anreicherung von Uran scheint das Problem zunächst einmal entschärft. Dabei betonen die iranischen Unterhändler zumindest indirekt immer wieder, es handle sich um eine freiwillige, zeitlich begrenzte Aussetzung.

4 Im Frühjahr 2005 drängen die Iraner auf eine Fortsetzung der Gespräche. Rohani kritisiert die bis dahin von den Europäern ins Gespräch gebrachten Leistungen für einen iranischen Verzicht auf die Anreicherung als ungenügend. Der Sekretär des iranischen Sicherheitsrats bezeichnet die angebotene Lieferung von Ersatzteilen für gebrauchte Flugzeuge als»witz«- im Gegensatz zu den zehn Atomkraftwerken, die ihm vorschweben. 19 Dabei verweist er allerdings auch auf die Probleme seiner Forderungen. Denn die Hersteller der fortgeschrittensten Atomtechnologie kommen aus den USA, und damit würden Lieferungen unter das von den USA gegen Iran verhängte Handelsembargo fallen. Für einen Verhandlungsvorschlag, wie ihn die Iraner von den Europäern erwarten, wäre also eine Zustimmung seitens der USA erforderlich. Doch die Europäer unterbreiten gar kein Angebot. Denn sie haben es nicht eilig, weil sie lieber mit dem neuen Präsidenten, der im Juni gewählt werden wird, eine Einigung erzielen würden. Khatami, dem Reformpräsidenten, mangelt es in den Augen der westlichen Regierungen an Durchsetzungsvermögen, um die gesamte iranische Führung für ein verbindliches Abkommen gewinnen zu können. In Teheran sind die europäischen Diplomaten stolz auf ihre Idee, mit dem Nachfolger Khatamis, der in ihren Augen nur Altpräsident Hashemi Rafsanjani sein kann, das Atomproblem aus der Welt zu schaffen. Und der verspricht im Wahlkampf offen und verdeckt, Iran aus der außenpolitischen Isolierung zu führen. Als ehemaliger Oberbefehlshaber der Streitkräfte während des Krieges gegen den Irak ist er über Irans atomare Rüstungsbemühungen Ende der achtziger Jahre bestens im Bilde. Und als Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats weiß er auch, welches Doppelspiel die Islamische Republik während der Verhandlungen mit den Europäern in den Jahren zuvor betrieben hat. Zwei Wochen vor der Wahl habe ich die Gelegenheit, Rafsanjani zu interviewen. Ruhig und selbstsicher geht er

5 von einer Einigung mit den Europäern aus:»wir müssen uns bemühen, dass sie einsehen, dass unsere nukleare Technologie friedlichen Zwecken dient. Deswegen sind auch die Gespräche sehr schwierig, aber es gibt viel Verhandlungsspielraum. Im Endeffekt muss in diesen Verhandlungen eine Lösung gefunden werden, wie die Welt sicher sein kann, dass Iran diese atomare Technologie nur für friedliche Zwecken nutzt - und das ist möglich.«philippe Welti, der Schweizer Botschafter, gibt sich nach einem Treffen mit Rafsanjani vorsichtig optimistisch. Er geht davon aus, dass Rafsanjani seinen politischen Einfluss»für politische Änderungen in der Außenpolitik nutzen wird«. Welti macht jedoch eine wichtige Einschränkung:»Das setzt natürlich voraus, dass er gewählt wird.«eine mögliche Wahlniederlage wird von den EU-Staaten kaum ins Kalkül gezogen. Möglicherweise hätte ein wirklich gutes Angebot an den Iran in der Atomfrage im Wahlkampf für entsprechenden Diskussionsstoff und neuen Schwung bezüglich der außenpolitischen Öffnung des Landes sorgen können. Rafsanjani verfolgt dieses Ziel zwar auch, doch auf außenpolitische Argumente setzt er erst in der Endphase des Wahlkampfs. Stunden vor der Wahl überrascht er mich, als er in einem weiteren Interview von politischen Fehlern Irans gegenüber den USA spricht und dann fordert:»es muss Bemühungen geben, die Atmosphäre zum Nutzen beider Länder zu verbessern. Mit dem, was die USA und auch wir gegen diese schlechte Atmosphäre unternehmen, und mit besseren Kontakten müssen wir in der Praxis zeigen, dass wir unsere Probleme lösen wollen.«rafsanjani setzt darauf, dass die Mehrheit der Iraner eine Lösung der außenpolitischen Konflikte wünscht. Doch hierin täuscht er sich und muss eine bittere Niederlage einstecken. Mahmoud Ahmadinejad, der neue Präsident, verkündet noch am Tag seines Sieges, er wolle Iran zu neuer Stärke führen und einem Druck von außen nicht nachgeben.

6 »Atomenergie ist ein Ergebnis der wissenschaftlichen Entwicklung des iranischen Volkes. Und niemand kann ein Volk an der wissenschaftlichen Entwicklung hindern. Das Recht des iranischen Volkes wird bald von denen anerkannt werden, die dies bisher verweigert haben.«20 Hinter diesen Worten zeichnen sich für die Europäer kaum überbrückbare Probleme bei der diplomatischen Suche nach einer Verständigung auf einer vernünftigen Basis ab. Am 8. August legen die Europäer Iran ihr Kompromissangebot vor. Chancen für eine Einigung in letzter Minute bestehen nicht mehr, da die Offerte politisch zu spät erfolgt. Zudem enthält sie keine wirklichen Anreize für den neuen Präsidenten, seine radikale Politik in der Atomfrage zu ändern, und europäische Diplomaten verhehlen nicht, dass es sich auch nur um einen Einstieg zu weiteren Verhandlungen handelt. Prompt wird das Angebot von den Iranern denn auch als ungenügend abgelehnt. Die europäische Diplomatie wird eine Einigung mit Iran nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Irans Reformer trifft es noch schlimmer. Sie stehen vor einem politischen Scherbenhaufen. So bildet die Wahlschlappe denn auch den Endpunkt eines kontinuierlichen Niedergangs. Mohammad Khatami, der sein Amt 1997 als Hoffnungsträger angetreten hat, gilt unter Studenten in den letzten Tagen seiner Amtszeit nur noch als Symbol für das Scheitern der Reformbewegung.

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