Herstellung von Mauerwerk

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1 Herstellung von Mauerwerk Handvermauerung und Mauern mit Versetzgerät Bei der Handvermauerung hebt der Maurer die einzelnen Steine von Hand in das frische Mörtelbett (Abb. KO2/1). Die Handvermauerung findet vor allem Anwendung bei der Erstellung monolithischer Außenwände mit Steinen mittlerer Formate, für Innen- und Außensichtmauerwerk aus kleinformatigen Steinen, nachträgliches Erstellen von Innenwänden, Sanierung und Umbau bestehender Gebäude sowie Arbeiten geringen Umfangs. Mauersteine mit einem Gewicht von bis zu 25 kg lassen sich noch von Hand vermauern, bei schwereren Steinen sind kleine Kräne mit einer Versetzzange zu verwenden. Mit Versetzgeräten (umgangssprachlich als Mini-Kräne bezeichnet) werden einzelne oder auch mehrere Steine angehoben und präzise in das frische Mörtelbett versetzt (Abb. KO2/2). Der Einsatz großformatiger Steine wurde durch Versetzgeräte erst möglich. Bei der Verwendung von Versetzgeräten ist deren Verfahrbarkeit während des Bauablaufs sicherzustellen. Um dies zu gewährleisten, wird vor Beginn des Mauerns ein Ablaufplan erstellt, in dem die Reihenfolge der zu erstellenden Wände festgelegt wird. Im Ablaufplan ist das Umsetzen des Versetzgerätes berücksichtigt. Gegebenenfalls sind Fahrspuren freizuhalten, um das Verfahren des Versetzgerätes zu ermöglichen. Die Verwendung des Versetzgerätes sollten für den Montagezustand ebenso berücksichtigt werden wie das Platzieren der Steinpakete auf den Rohbaudecken. Abb. KO2/2: Versetzgerät, Bild: Steinweg Mörtelauftrag Zum Auftrag des Mörtels auf die Steine wird entweder eine Kelle (Abb. KO2/3) oder ein Mörtelschlitten (Abb. K02/4) verwendet. In den Mörtelschlitten wird der frische Mauermörtel eingefüllt und der Schlitten dann von Hand über die bereits erstellte Steinreihe gezogen. Der Mörtelschlitten ist so konstruiert, dass dabei eine gleichmäßig dicke Mörtelschicht auf den Steinen verbleibt. Abb. KO2/1: Setzen eines Blockziegels in Dünnbettmörtel, aus [1]. Durch verschiedene Einstellungen des Mörtelschlittens kann die Schichtdicke des Mörtels eingestellt Beim Auftragen des Dünnbettmörtels mit dem Mörtelschlitten ist die vom Hersteller empfohlene Zahnschiene (i. d. R. auf dem Sack abgebildet) zu verwenden. Der Mörtel ist entsprechend Herstellerhinweisen (siehe Sackaufdruck) anzumischen und zu verarbeiten. Von einigen Herstellern werden auch sog. Plastikkellen zum Auftragen des Dünnbettmörtels angeboten. Schlitze Zur Erstellung haustechnischer Anlagen werden die hierfür erforderlichen Leitungen vorwiegend in nachträglich hergestellten Schlitzen und Aussparungen verlegt. Die damit einhergehende Schwächung des Mauerwerksquerschnittes hat Auswirkungen auf die Tragfähigkeit und die bauphysikalischen Eigenschaften des Mauerwerks. Dies gilt ebenso wenn die Schlitze und Aussparungen bereits bei der Erstellung der Rohbauwand durch KO2 Herstellung von Mauerwerk Seite 1/5

2 die Verwendung von Formsteinen oder Ähnliches berücksichtigt wurden In der Regel werden Schlitze geringer Tiefe (10 mm bis 30 mm) ausgeführt. Um diese Ausführung nicht durch eine Vielzahl an Nachweisen zu erschweren, finden sich in DIN für das Schlitzen einige Regeln, bei denen auf den rechnerischen Nachweis verzichtet werden darf. Werden die in Tabelle 10 der DIN (Abb. KO2/9) zulässigen Grenzmaße überschritten, so ist ein rechnerischer Nachweis erforderlich. Mauern bei niedrigen Temperaturen Das Arbeiten bei Frost ist bei allen Mauersteinsorten (Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Leichtbeton) grundsätzlich kritisch. Die kalten Temperaturen verhindern bzw. verzögern das Abbinden des Mörtels und stören somit den Haftverbund zwischen Stein und Mörtel. Wann Frost im Sinne der DIN vorliegt, lässt sich nicht durch Ablesen des Thermometers ermitteln. Folgende Kriterien sind einzuhalten: Abb. KO2/3: Mörtelauftrag mit der Kelle (hier zur Vermörtelung des Stumpfstoßes), aus [2]. - Durch Frost oder andere Einflüsse beschädigte Teile von Mauerwerk sind vor dem Weiterbau abzutragen. - Gefrorene Baustoffe dürfen nicht eingesetzt - Auf gefrorenem Untergrund darf nicht gemauert - Frisches Mauerwerk ist vor Frost zu schützen, z. B. durch Abdecken mit einer Folie (Abb. KO2/5). Von vielen Mörtelherstellern werden so genannte Wintermörtel angeboten, die sich auch bei niedrigen Temperaturen verarbeiten lassen. Schutzmaßnahmen und sonstige vorbereitende Arbeiten für das Mauerwerk und die zu verarbeitenden Mauersteine gelten auch bei Verwendung dieser Mörtel. Abb. KO2/4: Mörtelschlitten, aus [4]. Das Mauern bei Frost bedarf nach DIN grundsätzlich der Zustimmung des Auftraggebers und darf nur unter besonderen Schutzmaßnahmen durchgeführt KO2 Herstellung von Mauerwerk Seite 2/5

3 Abb. KO2/5: Frisches Mauerwerk ist vor Frost zu schützen, z. B. durch Abdecken mit Folie, aus [4]. Herstellungsprozess Abb. KO2/6: Herstellung der ersten Sicht, aus [2]. Der Herstellungsprozess von Mauerwerkswänden lässt sich in folgende Schritte gliedern: 1 - Versetzen der ersten Schicht (Kimmschicht). Das Setzen der ersten Schicht muss besonders sorgfältig ausgeführt Unebenheiten des Untergrunds (Fundament, Rohdecke) müssen ausgeglichen werden und ggf. müssen noch horizontale Abdichtungen eingebaut Auch wenn die spätere Wand mit Dünnbettmörtel hergestellt wird, so wird die erste Schicht in Normalmörtel (in der Regel MG III) versetzt um Unebenheiten besser ausgleichen zu können. Gegebenenfalls werden hierfür spezielle Kimmsteine oder Wärmedämmsteine verwendet (Abb. KO2/6). 2 - Herstellung der weiteren Schichten. Auf die erste Schicht können nun alle weiteren Schichten aufgebracht Die Handvermauerung mit Normalmörtel ist in Abbildung KO2/7 dargestellt, Abbildung KO2/8 zeigt die Verarbeitung mit Versetzgeräten. Abb. KO2/7: Verarbeitung von Hand mit Normalmörtel, aus [2]. Abb. KO2/8: Versetzen großformatiger Planelemente mit Versetzgerät, aus [3]. KO2 Herstellung von Mauerwerk Seite 3/5

4 Abb. KO2/9: Ohne Nachweis zulässige Schlitze und Aussparungen in tragenden Wänden, nach DIN : , Tabelle 10. KO2 Herstellung von Mauerwerk Seite 4/5

5 Stand: 08/2008 Quellen: [1] Wienerberger Ziegelindustrie GmbH, Technische Information Ziegelsystem, 2006 [2] Wirtschaftlich Bauen Erschienen in Fachbuch Planung,, Ausführung. Hrsg.: Bundesverband Kalksandsteinindustrie ev, Hannover [3] Bundesverband Porenbeton: Porenbeton Handbuch, 2002 [4] Rich, H.: Die Maurerfibel, Hrsg.: Bundesverband Kalksandsteinindustrie ev, Hannover 2004 [5] e.v.: Schlitze und Aussparungen, 2002 Bearbeitung: Dipl.-Ing. Heiko Koch, Prof. Dr.-Ing. Werner Seim KO2 Herstellung von Mauerwerk Seite 5/5

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