Einsamkeit: Ein Risikofaktor für Lebensqualität und Gesundheit?

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1 Einsamkeit: Ein Risikofaktor für Lebensqualität und Gesundheit? Prof. Dr. Gerhard W. Eschweiler Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen Gesundheitskonferenz Böblingen

2 Wunsch nach guten Altern: körperlich und geistig fit..und in Gemeinschaft?

3 Gelungenes Altern Def.: Gelungenes oder erfolgreiches Altern ist nicht äquivalent zur Erlangung von noch mehr Lebensjahren. Es beinhaltet Wohlbefinden in verschiedenen Bereichen (mental, physisch, sozial, spirituell und ökonomisch) um die Fähigkeit zu behalten, die sich wandelnden Lebensumstände zu meistern (nach Innui TS Ann. Int. Med. 2003)

4 Die Kulturgeschichte des Menschen: Verlängerte Adoleszenz, Menopause und verlängerte Lebenszeit (bis zu 120 Jahre) Die Stammesältesten als Kulturvermittler und Erzieher in vorschriftlichen Gesellschaften, starke Bindungen in überschaubaren, starke Bindungen in überschaubaren, überlebenswichtigen Gruppen

5 Multidimensionalität Lebensphasen-bezogene Einflüsse auf das individuelle Altern aus denen sich gesundheitsfördernde und präventive Angebote ableiten: Familie Soziales Umfeld Persönlichkeit Intelligenz Verhalten > Aktivität > Stimmung > Anpassung Erziehung Beruf Interessen Teilhabe Ernährung Langlebigkeit in Gesundheit u. Wohlbefinden Umwelt Bewegung Sport Gene, Erbanlagen medizinische Vorsorge Quelle: Lehr U (2003): Psychologie des Alterns. 10. Auflage. Quelle Meyer, Wiebelsheim.

6 Konsensfähige Definition für soziale Unterstützung und Teilhabe? Bereiche der Unterstützung: Emotional versus informationell Familie, Freunde versus Pflegedienste, Institutionen Direkt versus telefonisch (online) Erwartet versus erhalten 2 Hypothesen Direkte Effekte (wirken immer positiv) Puffer-Hypothese ( wirken besonders bei Stress und Krankheit) (Bucholz Editorial, Arch Int Med, June )

7 Einsamkeit Alleineleben Einsamkeit ist mehr als Alleineleben oder ein kleines soziales Netz Einsamkeit: Unangenehmes Gefühl der Verlassenheit, des Kontaktmangels oder verlusts Starke subjektive Komponente Einsamkeit: Psychologische Verkörperung von sozialer Isolation?

8 Einsamkeit und Risiko für Körperlichen Abbau und Tod in Perissinotto et al Arch Int Med Pers. 64 J. für 6 J. in USA Abbau bei Alltagsaktivität en (ADL) Abbau der Mobilität Nicht einsam einsam RR korrigiert 12,5% 24,8% 1,59 (1,23-2,07) 38,1% 29,4% 1,18 ( 0,99-1,41) Sterberisiko 14,8% 22,8% 1,45 (1,11-1,88) Einsamkeit definiert: Gefühl von Ausgeschlossenheit oder Isolation oder fehlende Gemeinschaft Korrigiert für Alter, sozioökonomischer Status, Lebensform, Depression und viele Krankheiten

9 Einsamkeit und soziale Isolation 6500 Personen 65 J. in GB für 7 Jahre und Sterberisiko in Streptoe et al PNAS 2013 Nicht einsam einsam Unterstes versus fünftes Quintil Sterberisiko 13,0% 19,2% unkorrigiert Sozial Integriert Sozial isoliert Sterberisiko unkorrigiert 12,3% 21,9% Wie ist es nach Korrektur für Alter und Krankheiten?

10 Sind Einsamkeit und soziale Isolation unabhängige Risikofaktoren? Studienlage ist nicht einheitlich (Streptoe et al 2013): Einige zeigen Unabhängigkeit Viele zeigen starke Wechselwirkungen Wichtig, da Unterstützungsbedarf mehr Psychologisch ( Akzeptanz der Verluste) Alltagspraktisch ( mehr soziale Inklusion)

11 Golden et al IJGP nicht einsam einsam schmerzhaft einsam einschiessend einsam schmerzhaft und einschiessend Depression und Einsamkeit sind stärker assoziiert als Depression und soziale Isolation

12 823 Pers. für 3 J. in Chicago Alter zu Beginn Einsamkeit und Risiko für Alzheimer-Demenz in Wilson et al. Arch Gen Psych Teilnehmer ohne spätere AD 76 Teilnehmer mit späterer AD P-Wert 80,3 85,1 < 0,01 Einsamkeit 2,2 (0,6) 2,5 (0,5) < 0,01 Soziale Netzwerk Größe Soziale Aktivität 7,0 (6,0) 6,4 (5,1) 0,41 2,6 (0,6) 2,3 (0,5) <0,01

13 Verdoppeltes Risiko für künftige AD oder geistigen Abbau (Wilson et 2007) RR 2,1 (1,45-3,06) (korrigiert für Alter, Geschlecht und Bildung) RR 1,84 (1,11-3,07) (korrigiert wie oben plus Soziales Netzwerk, körperl. Aktivität u.a.) Zusammenhang mit Depression 20 bis 50% Kein Zusammenhang mit Alzheimer Pathologie

14 Trends in der zweiten Lebenshälfte: Befunde des deutschen Alterssurvey 2008 GeroStat - Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin. DOI /GEROSTAT

15 Befunde des deutschen Alterssurvey GeroStat - Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin. DOI /GEROSTAT

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18 Ist Einsamkeit bei Älteren therapierbar? Finnische Interventionsstudie bei älteren Menschen über 75 Jahre für 2 Jahre In 7 Tagesstätten in 15 Gruppen für 3 Monate wöchentlich für 5 h unter Leitung von 2 Gerontologen

19 Therapeutisches Schreiben und Gruppenpsychotherapie Gymnastik und Gespräche Kunst und inspirierende Aktivitäten

20 Homogene Gruppe älterer einsamer Menschen Gruppeninterventionen nach Pitkala 2009 Beginn der Gruppe Formation der Gruppe Solidarität Vertrauen Konflikte besprechen Für alle: Einsamkeit teilen, interessante Erfahrungen, neue Freunde, Fortführung ausserhalb Abnahme der Einsamkeit

21 Signifikant positive Effekte der Gruppenintervention auf 2 Jahres Überleben subjektive Lebensqualität Intervention Pitkala et al 2009 Gerontology Kontrolle 0 Mon. 12 Mon.

22 Fazit Ältere Menschen sind in Deutschland tendenziell weniger depressiv und einsam als Menschen im mittleren Alter Die Einsamkeit ist im Alter zeigt z. Zeit in Deutschland eine leichte Abnahme Einsamkeit und soziale Isolation sind Risikofaktoren für nachlassende Gesundheit, Alzheimer Demenz und erhöhte Sterblichkeit im Alter Einsamkeit kann durch Interventionen und Aktivierungen überwunden werden

23 Die 4 Säulen der Gesundheit im Alter

24 Vielen Dank!

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