Die soziale und wirtschaftliche Lage chinesischer Studierender in Berlin 2010

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1 Die soziale und wirtschaftliche Lage chinesischer Studierender in Berlin 20 Umfrage durchgeführt von Xueqin Mao im Auftrag des Studentenwerks Berlin

2 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung 2. Persönliche Merkmale 2.1 Geschlecht und Alter 2.2 Familienstand und Kinder 3. Studiendaten 3.1 Angestrebter Abschluss 3.2 Fachsemester und Zeitaufwand für das Studium 3.3 Deutsche Sprachkenntnisse 4. Wohnsituation und Ernährung 4.1 Wohnsituation 4.2 Mensa und Ernährung 5. Studienfinanzierung und wirtschaftliche Situation 5.1 Einnahmen der Studierenden 5.2 Ausgaben für die Lebenshaltung 6. Leben in Deutschland 6.1 Mitgliedschaft in Vereinen 6.2 Wahrnehmung der Beratungsangebote des Studentenwerks 6.3 im Alltag 2 2

3 1. Einleitung Chinesische Studierende bildeten 2009 mit Studierenden die größte Ausländergruppe in Deutschland. Das macht,3% aller ausländischen Studierenden aus. 1 An Berliner Hochschulen waren chinesische Studierende immatrikuliert. Das sind 6,7% aller ausländischen Studierenden in Berlin. 2 Wie sieht das Profil der drittgrößten Ausländergruppe an Berliner Hochschulen aus? Wie sind die Lebens- und Studienbedingungen für die Studierenden aus dem größten Schwellenland? Um dem Studentenwerk wichtige Hinweise für zukünftiges Handeln und zur Qualitätsentwicklung der Service- und Beratungsangebote rund um das Studium zu liefern, wurde eine Online-Umfrage vom 29. November bis 5. Dezember 20 vom Studentenwerk Berlin durchgeführt. Die Zielgruppe wurde per sowie mit Flyern auf diese Umfrage aufmerksam gemacht. Der Fragebogen wurde auf Deutsch und Chinesisch formuliert, damit keine chinesischen Studierenden wegen ihrer schlechten deutschen Sprachkenntnisse ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse basieren auf 154 verwertbaren Rückläufern. Das sind.6% der chinesischen Studierenden in Berlin. Im vorliegenden Bericht werden die Ergebnisse dieser Auswertung dargestellt. 2. Persönliche Merkmale 2.1 Geschlecht und Alter 59% der chinesischen Studierenden in Berlin sind männlich, 41% sind weiblich. Unter den Doktoranden ist die Frauenquote zwei Prozent höher. Gut ein Drittel (35%) der chinesischen Studierenden befindet sich in der jüngsten Altersgruppe (bis 24 Jahre). Jeder Zweite (53%) ist in der Altersgruppe von Jahren vertreten. Nur 12% der Studierenden sind 30 Jahre oder älter. Abb. 1: Altersstruktur der Studierenden (in %) bis 24 Jahre Jahre Jahre und älter

4 2.2 Familienstand und Kinder Ein Fünftel (20%) der chinesischen Studierenden ist verheiratet. Acht Prozent der chinesischen Studierenden haben wenigstens ein Kind. Die Hälfte (54%) von den chinesischen studierenden Eltern lebt mit ihren Kindern in Berlin zusammen. 3. Studiendaten 3.1 Angestrebter Abschluss Mit 58% (11% für Bachelor und 47% für Master) fällt der Anteil der chinesischen Studierenden in Berlin aus, die in einem der neuen Studiengänge eingeschrieben sind. Der Anteil, der einen traditionellen Abschluss (Diplom und Magister) anstrebt, macht 17% aus. Jeder Vierte (25%) der chinesischen Studierenden in Berlin strebt eine Promotion an. Abb. 2: Studierende nach dem angestrebten Abschluss (in %) Bachelor Master Diplom/ Magister 25 Promotion Trotz großer Unterschiede zwischen dem chinesischen und deutschen Studiensystem haben nach eigener Einschätzung nur 14% der chinesischen Studierenden bei der Orientierung im deutschen Studiensystem große. Abb. 3: Einschätzung der Orientierung im Studiensystem (in %) überhaupt kei Schwierigkeit überhaupt keine Fachsemester und Zeitaufwand für das Studium Ein Großteil der chinesischen Studierenden (72%) befindet sich zwischen dem ersten und sechsten Fachsemester. Ein Fünftel (20%) hat 7 bis Fachsemester hinter sich. Der Anteil der Studierenden mit 11 und mehr Fachsemestern liegt bei 8%. 4

5 Die Studierenden wurden nach Ihrem Zeitaufwand für das Studium gefragt. Mit diesem Begriff ist der Zeitaufwand in einer typischen Semesterwoche gemeint. Durchschnittlich wenden die chinesischen Studierenden 31,5 Stunden für ihr Studium auf. Der Wert von Doktoranten liegt bei 35,5 Stunden. 3.3 Deutsche Sprachkenntnisse Die Mehrheit (56%) hat in China Deutsch gelernt. Die Übrigen haben erst in Deutschland begonnen, sich mit der deutschen Sprache zu beschäftigen. Diese Fremdsprache haben 52% an der Hochschule und 47% außerhalb der Hochschule gelernt, nur 1% hatte Chancen, in der Schule Deutsch zu lernen. 29% der chinesischen Studierenden bezeichnen ihre deutschen Sprachkenntnisse als schlecht oder sehr schlecht, 44% als mittel und 27% als gut oder sehr gut. Entsprechend geben 30% der Gefragten an, dass sie Probleme mit der Verständigung in deutscher Sprache haben. Das bildet eine der größten für chinesische Studierende in Berlin. Abb. 4: Einschätzung von deutschen Sprachkenntnissen (in %) sehr gut sehr schlecht Wohnsituation und Ernährung 4.1 Wohnsituation Zwei Fünftel (40%) der chinesischen Studierenden wohnen in einem 3 Studentenwohnheim. Darunter sind 314 Männer und 268 Frauen. Die Wohnungssuche gilt als die größte Schwierigkeit für chinesische Studierende in Berlin. 38% der Befragten gaben an, Probleme bei der Wohnungssuche zu haben. Die Befragten wurden gebeten, ihre Zufriedenheit mit der aktuellen Wohnsituation auf einer Skala von sehr unzufrieden bis sehr zufrieden anzugeben. 46% sind zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrer derzeitigen Wohnsituation, während % unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden sind. 3 Statistik von der Wohnheimverwaltung des Studentenwerks. 5 5

6 Was die in den Studentenwohnheimen wohnenden chinesischen Studierenden angeht, sind 38% zufrieden und sogar 4% sehr zufrieden. Dagegen sind % unzufrieden. Die Übrigen (48%) halten ihre Wohnsituation für normal. Abb. 5: Wohnzufriedenheit im Studentenwohnheim (in %) sehr zufrieden 4 zufrieden 38 normal 48 unzufrieden Für die Zufriedenheit wurden günstige Miete und gute Umgebung als wichtigste Gründe benannt. Für die Unzufriedenheit steht dagegen teure Miete mit Abstand an der ersten Stelle. Darüber hinaus stellt die weite Entfernung von der Hochschule auch einen wichtigen Grund dar. 4.2 Mensa und Ernährung Stammgäste, die im Laufe der Woche mindestens dreimal das Mittagessen in der Mensa einnehmen, machen 44% aus. 46% zählen zu den sporadischen Nutzern, die im Laufe der Woche ein- bis zweimal das Mittagessen in der Mensa einnehmen. Und % sind Nichtnutzer. Abb. 6: Häufigkeit der Mittagessens in der Mensa 12% % 32% 46% nie ein - zweimal drei - viermal täglich 6 6

7 Mit dem Essenangebot sind 19% zufrieden, 54% hält es für normal. Abb. 7: Einschätzung zum Essenangebot (in %) sehr zufrieden sehr unzufrieden Mit den Essenspreisen sind 26% zufrieden, 59% bezeichnen sie als normal. Abb. 8: Einschätzung zu den Essenspreisen (in %) sehr zufrieden sehr unzufrieden % der Befragten geben an, dass sie oft selbst kochen. Was den Grund betrifft, haben 57% davon einen chinesischen Magen, und 31% halten Selbstkochen für preisgünstig. Weitere 8% bezeichnen Kochen als Hobby. 5. Studienfinanzierung und wirtschaftliche Situation 5.1 Einnahmen der Studierenden Knapp der Hälfte (46%) der chinesischen Studierenden in Berlin stehen monatlich zwischen 400 und 600 zur Verfügung. 16% verfügen über 600 bis 800 im Monat und 7% über 800 bis 00. Die beiden Extremgruppen der Verteilung bilden einerseits die 16%, denen zur Bestreitung des Lebensunterhalts lediglich bis zu 400 pro Monat zur Verfügung stehen, und andererseits die 15%, die über mehr als verfügen. Hervorzuheben ist, dass alle Spitzenverdiener Doktoranden sind, die ein Stipendium von mehr als erhalten. In der Gruppe mit den zweithöchsten Einnahmen sind ebenfalls 82% Doktoranden, denen ein Stipendium über 800 bis 00 zur Verfügung steht. 7 7

8 Abb. 9: Studierende nach der Höhe der monatlichen Einnahmen Einnahmen in 15% 16% 7% 16% 46% bis über Die drei wichtigsten Finanzierungsquellen sind der eigene Verdienst, die finanzielle Unterstützung durch das Elternhaus und das Stipendium. Der eigene Verdienst ist die wichtigste Finanzierungsquelle von chinesischen Studierenden in Berlin: 64% jobben zur Bestreitung des Lebensunterhalts. 53% der chinesischen Studierenden werden durch das Elternhaus gefördert. Mit Abstand folgt an dritter Stelle das Stipendium. Der Anteil der über ein Stipendium verfügenden Befragten beläuft sich auf 30%. Unter allen Stipendien werden 63% von China und 37% von Deutschland angeboten. Auffallend ist, dass 72% aller Stipendiaten eine Promotion machen. Abb. : Studierende nach Finanzierungsquellen (in %) eigener Verdienst Eltern Stipendium/ BAföG andere Quelle Anhand einer Fünfer-Skala wurde den Befragten die Möglichkeit gegeben, ihre subjektive Sicht bezüglich ihrer finanziellen Situation zu vermitteln. Gut ein Drittel (36%) gibt an, keine (29%) oder sogar überhaupt keine (7%) mit der Finanzierung zu haben. Das heißt, fast alle chinesischen Studierenden, die monatlich über 600 Euro verfügen, sehen keine in ihrer finanziellen Situation. Im Gegenzug bezeichnen % der Befragten ihre wirtschaftliche Lage als schwierig, weitere 2% sogar als sehr schwierig. Das macht zusammen 12% aus. 8 8

9 Abb. 11: Einschätzung der finanziellen Situation (in %) überhaupt keine überhaupt keine Ausgaben für die Lebenshaltung Von mehr als der Hälfte (53%) der chinesischen Studierenden in Berlin werden 400 bis 600 für den Lebensunterhalt aufgewandt. Die zweitgrößte Gruppe (22%) gibt im Monat 600 bis 800 aus. 8% der Gefragten geben mehr als 800 Euro aus, während 17% weniger als 400 Euro aufwenden. Abb. 12: Studierende nach Lebenshaltungskosten (in %) Ausgaben in bis über

10 Die Warmmiete bildet mit durchschnittlich 235 die wichtigste Ausgabenposition. Die Durchschnittsmiete der chinesischen Studierenden im Studentenwohnheim ist mit 201 niedriger. Hinter dem Durchschnittswert verbirgt sich eine nicht unbeträchtliche Streuung: 45% der chinesischen Studierenden geben bis zu 200 im Monat für ihre Miete aus, 40% zwischen 201 und 300 und 9% mehr als 300, 6% sogar mehr als 400. Doktoranden geben überdurchschnittliche 280 Euro im Monat für die Miete aus. Abb. 13: Studierende nach monatlicher Warmmiete (in %) Ausgaben in bis über Leben in Deutschland 6.1 Mitgliedschaft in Vereinen Vereine spielen eine relativ niedrige Rolle im Leben von chinesischen Studierenden in Berlin. Nur 18% der Befragten nehmen an Aktivitäten eines Vereins teil. Die am meisten genannte Organisation ist die Gesellschaft für chinesische Studierende an der TU. 6.2 Wahrnehmung der Beratungsangebote des Studentenwerks 53% der chinesischen Studierenden kennen die Sozialberatung und 16% haben sie auch selbst genutzt. 52% der Befragten kennen die psychologischpsychotherapeutische Beratung, jedoch hat nur ein Prozent sie auch genutzt. Die Beratung für behinderte und chronische kranke Studierende kennen nur 29% der chinesischen Studierenden und keiner der Befragten hat dieses Angebot wahrgenommen. Die Arbeitsvermittlung Heinzelmännchen ist erwartungsgemäß bekannt. 68% kennen sie und 27% der chinesischen Studierenden haben durch sie einen Job bekommen.

11 Abb. 14: Wahrnehmung der Sozialberatung (in %) kenne und nutze ich 16 kenne ich, nutze ich aber nicht 37 kenne ich nicht Abb. 15: Wahrnehmung der psychologisch-psychotherapeutischen Beratung (in %) kenne und nutze ich 1 kenne ich, nutze ich aber nicht 51 kenne ich nicht Abb. 16: Wahrnehmung der Beratung für Behinderte und chronische Kranke (in %) kenne und nutze ich 0 kenne ich, nutze ich aber nicht 29 kenne ich nicht Abb. 17: Wahrnehmung der Arbeitsvermittlung Heinzelmännchen (in %) kenne und nutze ich 27 kenne ich, nutze ich aber nicht 41 kenne ich nicht

12 6.3 im Alltag Die Wohnungssuche bildet die größte Schwierigkeit für chinesische Studierende. Ein wichtiger Grund dafür kann sein, dass chinesische Studierende selten Erfahrungen in ihrer Heimat gesammelt haben. Zwei Fünftel der Gefragten haben dabei große (30%) und sogar (9%). Abb. 18: Schwierigkeit bei der Wohnungssuche (in %) überhaupt keine Kontakt mit der Bevölkerung gilt als die zweitgrößte Schwierigkeit für chinesische Studierende in Berlin. Nahezu ein Drittel haben dabei große (23%) und sogar sehr große (9%). Abb. 19: Schwierigkeit beim Kontakt zur Bevölkerung (in %) überhaupt keine Verständigung in der deutschen Sprache und Kontakt mit deutschen Studierenden stehen generell an der dritten Stelle auf der Liste der

13 Abb. 20: Schwierigkeit bei der Verständigung in der deutschen Sprache (in %) überhaupt keine Abb. 21: Schwierigkeit beim Kontakt mit deutschen Studierenden (in %) überhaupt keine Fazit Trotz aller geben 58% der chinesischen Studierenden an, sich in Berlin wohl zu fühlen. 38% der Befragten würden ihren Freunden in China gern empfehlen, in Deutschland zu studieren. Die Hälfte der Befragten würde ein Studium in Deutschland vielleicht empfehlen. Lediglich 12 % der Befragten würden keine Empfehlung für Deutschland als Studienland geben

14 Anstalt des öffentlichen Rechts Die soziale und wirtschaftliche Lage chinesischer Studierender in Berlin 20 Herausgeber: Studentenwerk Berlin, Hardenbergstr. 34, 623 Berlin Verantwortlich: Xueqin Mao (Teilnehmerin am China-Trainee-Programm der Robert-Bosch-Stiftung und des Deutschen Studentenwerks) Redaktion: Constanze Keiderling Mit freundlicher Unterstützung der Robert Bosch-Stiftung und des Deutschen Studentenwerkes 14

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