Vorlesung IT-Sicherheit FH Frankfurt Sommersemester 2007

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1 Vorlesung IT-Sicherheit FH Frankfurt Sommersemester 2007 Dr. Volker Scheidemann

2 Schadsoftware (Malware) Viren, Würmer, Trojanische Pferde

3 Seite: 3

4 Viren Definition: Ein Computer-Virus ist eine nicht selbständige Programmroutine, die sich selbst reproduziert und dadurch vom Anwender nicht kontrollierbare Manipulationen in Systembereichen, an anderen Programmen oder deren Umgebung vornimmt. Seite: 4

5 Viren: Eigenschaften Kein eigenständiges Programm Benötigt Wirtsprogramm Fähigkeit zur Reproduktion Keine selbsttätige Verbreitung Teilen sich meistens in zwei Teile auf Die Reproduktionsroutine Das Schadensroutine ( Payload ) Seite: 5

6 Viren-Typen (Ausschnitt) Bootsektor-Viren Nisten sich in MBR ein Starten sich beim Hochfahren des Computers Bleibt im Arbeitsspeicher, solange Rechner läuft Infiziert Bootsektoren aller angeschlossenen Laufwerke Vermehren sich hauptsächlich über externe Datenträger Seite: 6

7 Viren-Typen (Ausschnitt) Makro-Viren Nutzen Makros in MS Office und befallen MS Office- Anwendungen Sind meist in Visual Basic (.vbs) oder Visual Basic for Applications (.vba) programmiert Weite Verbreitung, da VB einfach zu erlernen ist Seite: 7

8 Viren-Typen (Ausschnitt) Polymorphe Viren Ändern ihr Aussehen mit jeder Reproduktion Sind schwer von Virenscannern zu entdecken TSR-Viren Terminate and stay resident Nisten sich im Speicher ein Sind aktiv, solange Rechner läuft Seite: 8

9 Viren-Typen (Ausschnitt) Stealth-Viren Benutzen gezielt Mechanismen, ihre Existenz vor Virenscannern zu verheimlichen Trigger-Viren Benutzen Zeitzünder, die die Aktivierung des Virus an bestimmte Ereignisse koppeln. Beispiel: Michelangelo Aktiviert sich nur am 6.März (Geburtstag Michelangelos) Bootsektorvirus Zerstört Hauptpartition der Festplatte Seite: 9

10 Viren-Typen (Ausschnitt) Hoaxes (schlechte Scherze) Keine echten Viren Gefälschte s, welche die Empfänger zum Weitersenden der im Schneeballsystem verleiten sollen. Typische Inhalte Fake-Virenwarnungen ( Neuer Virus zerstört Hardware ) Rührselige Geschichten ( Hilfe für krebskrankes Kind ) Siehe auch Seite: 10

11 Beispiel Hoax WARNING If you receive an titled "It Takes Guts to Say 'Jesus' DO NOT OPEN IT. It will erase everything on your hard drive. This information was announced yesterday morning from IBM; AOL states that this is a very dangerous virus, much worse than "Melissa", and that there is NO remedy for it at this time. Some very sick individual has succeeded in using the re-format function from Norton Utilities causing it to completely erase all documents on the hard drive.it has been designed to work with Netscape Navigator and Microsoft Internet Explorer.It destroys MacIntosh and IBM compatible computers. This is a new, very malicious virus and not many people know about it. Pass this warning along to EVERYONE in your address book and please share it with all your online friends ASAP so that this threat may be stopped. Please practice cautionary measures and tell anyone that may have access to your computer. Forward this warning to everyone that might access the internet. Seite: 11

12 Würmer Sind eigenständige Programme Fähigkeit zur Reproduktion Einmal aktiviert verbreiten sie sich selbsttätig über alle Arten von Netzwerkverbindungen ( , WWW, ) Besitzen sonstige Eigenschaften von Viren Seite: 12

13 Würmer: typische Verbreitungsroutine Seite: 13

14 Würmer Hall of Fame Wann Name Verbreitung Auswirkung März 1999 "Melissa" -Wurm DoS durch - Überlastung Mai 2000 I love you Internet-Wurm über and mirc Netzwerküberlastung, Änderung von Dateien Juli/August 2001 Code Red Internet-Wurm DDoS auf Webserver des Weißen Hauses September 2001 Nimda Internet-Wurm Öffnet Sicherheitssystem des PCs für Zugriffe außen Januar 2003 SQLSlammer Internet-Wurm Netzüberlastung durch Senden beliebiger Daten August 2003 Lovesan/Blaster Internet-Wurm PC-Abstürze, Zugriffe von außen möglich August 2003 Sobig.F -Wurm Spam Januar 2004 MyDoom -Wurm Spam Februar 2004 Bagle -Wurm Spam November 2004 Sober.I -Wurm Spam Quelle: ZDF Seite: 14

15 Trojanische Pferde Werden meist kurz aber falsch Trojaner genannt Gaukeln dem Benutzer meist vor, nützlich zu sein Bestehen aus Server- und Clientkomponente Öffnen Ports auf dem Opfer-PC und lassen Fernsteuerung des Opfer-PCs zu Vermehren sich nicht selbsttätig Häufigstes Hilfsmittel von Script Kiddies Seite: 15

16 Trojanische Pferde Typische Bestandteile Key Logger FTP-Server zur Datenübertragung TCP/IP-Sniffer Übermittlung von Bildschirminhalten Möglichkeit zur Programmausführung Aktivierung von PC-Komponenten (CD-Laufwerk, Webcam, ) Fun Stuff (Bildschirm auf den Kopf stellen etc.) Seite: 16

17 Trojanische Pferde Beispiele Back Orifice Netbus SubSeven Seite: 17

18 Trojanische Pferde Seite: 18

19 Bot-Netze Ein Bot-Netz (von Robot-Netz) ist ein Netzwerk fernsteuerbarer Rechner im Internet Infizierung von Rechnern durch spezielle Viren/Würmer mit Bot-Trojanern Infizierte Rechner heißen auch Zombies oder Leaf-Bots Seite: 19

20 Bot-Netze Bot-Netze werden von einem oder mehreren Master-Bots (oder Hub-Bot) kontrolliert Bot-Trojaner schädigen i.a. nicht die infizierten Rechner Bot-Netze werden meist für DDoS-Attacken oder Spamversand benutzt Seite: 20

21 Bot-Netze Es gibt inzwischen regelrechte Bot-Netz- Betreiber, die ihre Netze zur Miete anbieten Organisierte Kriminelle greifen auf Bot-Netze zurück Oft: moderne Form der Schutzgelderpressung Seite: 21

22 Virenscanner Bestehen meist aus zwei Komponenten Hintergrundwächter Neue Downloads aus dem WWW Besuchte Webseiten On-Demand Scanner Festplatte/andere Datenträger MBR Systemdateien Speicher Seite: 22

23 Arbeitsweise von Virenscannern Suche nach Virensignaturen Statische Analyse nach Bytefolgen bekannter Malware Signaturdateien müssen regelmäßig aktualisiert werden Versagt bei polymorphen Viren Seite: 23

24 Arbeitsweise von Virenscannern Sandboxing Aufbauen streng abgeschotteter Speicherbereiche Speicherzugriff unter der Kontrolle des Scanners Starten der verdächtigen Programme Signaturscanner Seite: 24

25 Arbeitsweise von Virenscannern Heuristische Analyse Suche nach typischen Verhaltensmustern, z.b. Anhängen an Wirtsprogramm Verändern des MBR Verändern von Makros Selbsttätiges Versenden per Öffnen von Ports Heuristische Suche kann Fehlalarme produzieren Seite: 25

26 Aktive Inhalte im WWW Active X, JavaScript, Java Applets

27 Aktive Inhalte Nahezu alle Browser erlauben die Einbindung sog. aktiver Inhalte in Webseiten Aktive Inhalte können auf Systemressourcen der lokalen Rechner zu greifen Aktive Inhalte besitzen die lokalen Rechte der angemeldeten Benutzer Aktive Inhalte erweitern die Funktionen des Browsers Seite: 27

28 Active X Entwicklung von Microsoft Integration in Internet Explorer Active X Controls sind im Browser ausführbare Programme Missbrauchspotenzial: Verbreitung von Viren, Trojanischen Pferden, Dialern Ausspähung von Daten Zerstörung von Daten Seite: 28

29 Active X Seite: 29

30 JavaScript Entwicklung von Netscape Programmiersprache, unabhängig von Java Kann direkt in HTML-Seite eingebettet werden Benötigt aktiven Scripting Host Missbrauchspotenzial: wie Active X Seite: 30

31 Java Applets Basieren auf der Programmiersprache Java Java Applets sind im Browser ablauffähige Programme Benötigen Java Virtual Machine Plattformunabhängig Java Applets haben per Default keinen Zugriff auf Systemressourcen Missbrauchspotenzial: DoS durch Ausführen von Endlosschleifen Ausspähen von Systeminformationen Seite: 31

32 Sicherheitsmodelle für aktive Inhalte Signierter Code ( digitale Signatur) Sandboxing (Java Applets) Seite: 32

33 Spam

34 Seite: 34

35 Spam Spam bezeichnet jede Form von unverlangt zugesandter (i.a. Werbung) Der Ausdruck Spam für die Flut von (Werbe-) s geht zurück auf einen TV-Sketch der britischen Comedyserie Monty Python s Flying Circus : Seite: 35

36 Spam: Anteil am -Verkehr Seite: 36

37 Spam: Wo kommt er her? Seite: 37

38 Spam: Inhalte Seite: 38

39 Spamfilter Spamfilter filtern eingehenden verkehr Ansätze: Black List White List Textfilter Hash-Filter Statistische Verfahren Seite: 39

40 Spamfilter Black List: s, die mit den in der schwarzen Liste gespeicherten Merkmalen übereinstimmen, werden als Spam gekennzeichnet. Merkmale können entweder eindeutige Absender oder Adressen von sog. Offenen Relay-Mailservern sein, die benutzt werden, um Spam anonym zu verschicken Seite: 40

41 Spamfilter White List: Speichert die Adressen von erwünschten Mail-Partnern. Der Einsatz von solchen Listen eignet sich am besten für Anwender, die vorwiegend von einem gleichen Personenkreis s erhalten. Seite: 41

42 Spamfilter Textfilter: Eingehende Mails werden nach bestimmten Texten (häufig benutzte Wörter wie sex, viagra, money, cash usw.) durchsucht. Um solche Text-Filter zu umgehen, benutzen die Absender dabei nicht immer die gleichen Wörter, sondern verwenden immer wieder neue Texte. Darum müssen solche Filter-Programme ständig nachgebessert werden. Seite: 42

43 Spamfilter Hash-Wert Verfahren: Diese Verfahren erstellen aus Spam-Mails charakteristische Kennwerte (Hash-Werte), die benutzt werden, um textlich leicht veränderte Spam-Mails zu erkennen. Diese Kennwerte werden in Datenbanken gespeichert und Anwendern zur Verfügung gestellt. Die Datenbasis für solche Kennwerte muss regelmäßig aktualisiert werden. Seite: 43

44 Spamfilter Statistische Methoden: Dieses Verfahren geht von der Annahme aus, dass Spam-Mails statistisch immer die gleichen Wörtern enthalten (müssen). Darum werden aus einer großen Anzahl von Mail-Texten Statistiken erstellt, durch die entschieden wird, mit welcher Wahrscheinlichkeit es sich bei einem Text um eine Werbe- handelt. Seite: 44

45 Verhalten bei Spam-Empfang Wenn möglich, Absender auf schwarze Liste setzen Keinesfalls beantworten Löschen Vorbeugend: -Adresse nur dort angeben, wo wirklich notwendig Falls echter Absender bekannt: rechtliche Schritte Gerichtsurteile gegen Spammer siehe z.b. Seite: 45

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