Seminar: Innovative Netztechnologien Content Distribution Networks

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1 Seminar: Innovative Netztechnologien Content Distribution Networks Ausarbeitung zum Vortrag vom 17. Juni 2002 Andreas Siemer 26. Januar 2004 Inhaltsverzeichnis 1 Content Networking Begriffe Content im Internet Content Distribution Networks Allgemeines zu CDNs Komponenten eines CDN Kunden Arten von Daten Content Delivery Auslieferung s Content Routing Globales vs. Lokales Routing Globales Routing Lokales Routing Performance Measuring Interne Performance Externe Performance Akamai Allgemeine Daten Technologie Transparenz Beispiel Literatur 11 1

2 1 Content Networking 1.1 Begriffe Information, die im Internet verfügbar ist bzw. verfügbar gemacht wird, bezeichnet man auch als Inhalt (engl. Content). Dies können z.b. Textdokumente, Webseiten, Bilder und Photos, Software usw. sein. Ein Netzwerk (also eine Kommunikationsinfrastruktur), das das Abholen und Ausliefern (engl. Retrieval and Delivery) von Inhalten unterstützt, bezeichnet man als Content Network, die zugrunde liegende Technologie als Content Networking-Technologie. 1.2 Content im Internet Inhalte - bzw. das Surfen nach Inhalten - waren nicht immer die Hauptanwendung des Internet; ursprünglich wurde es hauptsächlich von Wissenschaftlern genutzt, um Betriebsmittel auf Computern untereinander zu teilen (also gemeinsam zu nutzen), oder um miteinander zu kommunizieren. Heute ist das Internet dagegen eines der wichtigsten Systeme für den Zugriff auf Informationen, das sowohl von privaten Benutzern, als auch von Benutzern aus der akadamischen Welt, aus der Industrie und zu einem immer größeren Anteil auch für kommerzielle Zwecke verwendet wird. Es wächst dabei exponentiell an; nach wie vor gibt es eine steigende Anzahl von Nutzern, die gleichzeitig immer mehr Zeit im Internet verbringen; des weiteren werden immer mehr Breitbandinhalte ( rich content ) angeboten. Und auch wenn die Nutzer immer schnellere Zugriffsmöglichkeiten bekommen und die Internet-Backbonekapazitäten rapide verbessert werden, kann es beim Zugriff auf Webinhalte immer noch zu Flaschenhälsen und hohen Zugriffsverzögerungen kommen; Server sind teilweise überlastet oder gar nicht mehr zu erreichen und Dienstgüte (Quality of Service, QoS) ist nur begrenzt anzubieten (all diese negativen Auswirkungen haben auch zur scherzhaften Bezeichnung Weltweites Warten bzw. World Wide Waiting für das WWW geführt). Um dem entgegenzuwirken wird eine skalierbare und zuverlässige Content Networking- Technologie benötigt. Eine Lösungsmöglichkeit, die hier näher betrachtet werden soll ist es, die Inhalte einfach näher beim Endnutzer abzulegen; sie also nicht mehr nur auf zentralen Servern abzulegen, sondern zum Randbereich des Netzwerks zu bringen (engl. to the edge of the network ). Dabei werden vor allem zwei Technologien unterschieden: Caching hat zum Ziel, alle Inhalte des Internets näher zu bestimmten Nutzern (oder Nutzergruppen) zu bringen, während es bei Content Delivery and Distribution (CDD) darum geht, bestimmte Inhalte zu allen Nutzern zu bringen. CDD ist ein Oberbegriff für sogenannte Content Distribution Networks oder auch Content Delivery Networks (CDN), auf die in Kapitel 2 genauer eingegangen wird. Die beiden Technologien unterscheiden sich prinzipiell nur in ihrer Zielsetzung, greifen dabei aber auf ähnliche Verfahren zurück; insbesondere nutzen CDNs intensiv die Technik des Cachings. 2 Content Distribution Networks 2.1 Allgemeines zu CDNs In diesem Kapitel werden die Technologien und Verfahren erläutert, die von einem Content Distribution Network (CDN) verwendet werden, um eine konsistente und ro- 2

3 buste Auslieferung von Inhalten an ein geographisch verteiltes Publikum sicherzustellen. Ein CDN ist ein Dienst, der von einem Serviceprovider angeboten wird. Dies kann entweder ein etablierter Internet Service Provider (ISP) wie AT&T sein, oder ein Provider, der sich auf CDNs spezialisiert hat, wie Akamai (siehe Kapitel 3). Grundsätzlich unterhält ein CDN mehrere dedizierte Server an verschiedenen Orten, die mit Kopien derselben Inhalte ausgestattet sind und verwendet Informationen über Endnutzer und von ihnen angeforderte Inhalte, um einen Endnutzer zu einem für ihn am besten geeigneten Server umzuleiten, anstatt auf einen einzelnen zentralen Server zuzugreifen. Diese Server werden an strategisch wichtigen Punkten (Points Of Presence, POP) wie z.b. bei Netzwerkbetreibern platziert, um niedrigere Latenzzeiten, höhere Robustheit, niedrigere Kosten und höhere Kapazitäten zu erreichen Komponenten eines CDN Man kann sich ein CDN als Netzwerk, das als zusätzliche Schicht auf eine bestehende Netzwerkinfrastruktur aufgesetzt wird, vorstellen. Es besteht prinzipiell aus drei voneinander unabhängigen Kompontenten: Content Routing, Content Delivery und Performance Measurement. Content Routing umfasst verschiedene Verfahren, die einem Endnutzer den für ihn am besten geeigneten Server innerhalb des Netzwerks zuordnen, von dem er seine gewünschten Inhalte bekommt. Content Delivery ist der gesamte Arbeitsablauf, der die Inhalte betrifft; angefangen mit ihrer Kodierung, Handhabung und Speicherung bis schließlich zur eigentlichen Auslieferung sowohl an die verschiedenen Server des CDNs als auch an den Endnutzer. Die letzte Komponente, das Performance Measuring, dient vor allem dazu, dem Kunden eines CDNs Feedback über die Performance des Netzwerks zu geben und inwieweit die Nutzung Vorteile für ihn bringt. Die drei Komponenten werden im Laufe dieses Kapitels näher erläutert werden Kunden Kunden eines CDNs sind typischerweise Unternehmen, die ihre Inhalte einem geographisch weit verstreuten und möglicherweise sehr großen Publikum zur Verfügung stellen möchten. Dies können zum Beispiel große Unternehmen mit ihrer Webpräsenz, Medienunternehmen oder Broadcast-Unternehmen sein. Bei den Inhalten kann es sich praktisch um beliebige Daten handeln; zum einen normale Webseiten, Grafiken, Dokumente, aber auch Streaming Media. Prinzipiell kann es sich um beliebige digitale Inhalte handeln Arten von Daten Man unterscheidet zwei Arten von Daten: Live und On Demand. Live-Inhalte werden nach ihrer Kodierung über den Server direkt zum Client übertragen, dies wird üblicherweise bei Live-Übertragungen wie Musikkonzerten oder Sportveranstaltungen so gemacht, während On Demand-Inhalte kodiert und dann als Dateien auf dem Server ablegt werden; sie werden auf Anfrage an Clients ausgeliefert. Dies können Videound Audio-Clips sein, aber auch alle anderen Arten von Dateien. Dementsprechend kann Streaming Media sowohl live als auch on demand ausgeliefert werden, während alle anderen Inhalte on demand ausgeliefert werden. 3

4 2.2 Content Delivery Die Content Delivery-Komponente eines CDN befasst sich mit dem Arbeitsablauf rund um die Inhalte und deren Behandlung, beginnend mit der Kodierung über die Speicherung und Bereitstellung bis hin zur Auslieferung. Dieser Text beschränkt sich auf die eigentliche Auslieferung, den für ein CDN wichtigsten Teil dieser Komponente Auslieferung Wenn alle Inhalte von einem einzelnen Punkt, also einem zentralen Server, ausgeliefert würden, müssten alle Clients ihre Anfragen an diesen einen Server stellen und Daten von ihm anfordern, was große Auswirkungen sowohl auf den Server selbst, als auch auf das gesamte Netzwerk haben würde. Wenn beispielsweise mehrere tausend Clients zum selben Zeitpunkt einen Videoclip anfordern, würde die Infrastruktur zusammenbrechen und kein einziger Client die gewünschten Daten erhalten. Um dieses Szenario zu vermeiden, ist eine Caching-Struktur mit s an verschiedenen strategischen Punkten im Netzwerk (POPs) nötig, die dann die Inhalte direkt an die Clients ausliefern, den zentralen Server also entlasten. Für den Endnutzer ist dieser Vorgang vollkommen transparent; für ihn scheinen die Inhalte weiterhin vom zentralen Server ausgeliefert zu werden. zentraler Server Durch eine solche Caching-Struktur liegen die Inhalte dann sozusagen näher beim Client (man sagt, die Inhalte werden zum Rand des Netzwerks gebracht, engl. to the edge of the network ), was mehrere Vorteile für die Auslieferung mit sich bringt, wie niedrigere Latenzzeiten, eine bessere Erreichbarkeit und eine niedrigere Last in den zentralen Netzverbindungen. Des weiteren wird durch diese verteilte Infrastruktur eine Burst-Protection erreicht, da jetzt kein einzelnes Gerät eine massive Last aushalten muss (die Last wird stattdessen auf mehrere Geräte verteilt), und die Infrastruktur, wenn nötig, einfach erweitert werden kann. Im Übrigen werden so auch die Kosten für das Equipment gesenkt (obwohl auf den ersten Blick nicht direkt ersichtlich): Die Kosten eines Servers in Abhängigkeit von der Menge der auszuliefernden Daten steigt nicht linear an, sondern exponentiell je mehr Output gefordert wird. Nach Bedarf werden an einem POP ein oder mehrere Caching-Server aufgestellt; abhängig von der erwarteten Last und der Art der auszuliefernden Inhalte. 4

5 2.2.2 s Es werden drei Funktionen unterschieden, die ein erfüllen soll: statisches Caching, Streaming Media-Caching und das sogenannte Live Splitting. Statisches Caching wird von praktisch allen s erledigt und behandelt statische Webobjekte wie HTML-Seiten, Bilder, Dokument etc.. Streaming Media-Caching ist (wie der Name schon sagt) spezialisiert auf Streaming Media und das Speichern und Ausliefern solcher Objekte. Ein solcher ist im Prinzip selbst wieder ein Streaming Media- Server. Live-Splitting schließlich ist ein Verfahren, um Live-Streams von einem zentralen Server zu replizieren, so dass nur eine Kopie vom Server gezogen wird und dann vom weiter an die Clients verteilt wird. Es gibt zwei Methoden, nach denen s mit Inhalten versorgt werden, unterscheidbar als Pull- und Push-Methode. Die Push-Methode wird auch als Pre-Caching bezeichnet; hier werden die Inhalte vom zentralen Server an die s ausgeliefert, bevor Anfragen dazu vorliegen. Üblicherweise geschieht diese Verteilung zu Niedriglast- Zeiten, um die Netzwerklast zu den Hauptzeiten zu senken. Bei der Pull-Methode (oder auch Just in Time-Caching) dagegen besorgt der sich einen spezifischen Inhalt, wenn eine Anfrage von einem Client vorliegt. Das betreffende Objekt wird dann gleichzeitig zum und zum Client ausgeliefert und dann für die spätere Verwendung vom gespeichert. Mittels des Internet Protocols (ICP) können auch die s untereinander kommunizieren; erhält ein eine Anfrage für ein Objekt, das lokal nicht verfügbar ist, kann er mit Hilfe von ICP dieses Objekt in anderen s finden und von diesen erhalten, ohne den zentralen Server zu kontaktieren. Dies bringt eine zusätzliche Entlastung des Netzwerks und gleichzeitig die Möglichkeit, -Hierarchien oder auch -Cluster aufzubauen. Ein Problem in einer Caching-Umgebung ist es, sicherzustellen, dass der auch immer die aktuellste Kopie seiner Inhalte hat. Um dies zu erreichen, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder werden die Inhalte so markiert, dass der weiss, wann diese zu erneuern sind, oder die s werden so programmiert, dass sie regelmäßig die Inhalte auf dem zentralen Server auf Änderungen überprüfen. Dies erzeugt zwar eine höhere Netzlast, ist aber bei häufig geänderten Inhalten die einzige Möglichkeit. 2.3 Content Routing Das Content Routing befasst sich damit, den am besten geeigneten im Netzwerk zu finden, um Inhalte an einen anfordernden Client auszuliefern. Wenn also ein Client sich in Paris befindet und einen Inhalt anfordert, der sowohl in London als auch in New York vorhanden ist, könnte der Routing-Algorithmus nach dem Prinzip der geographischen Nähe die Anfrage nach London weiterleiten. Was aber genau einen bestgeeigneten auszeichnet, wird im weiteren Verlauf des Textes ausführlicher diskutiert, da diese Entscheidung durch mehrere Parameter beeinflusst wird Globales vs. Lokales Routing Es werden zwei Aspekte des Content Routing unterschieden: der globale und der lokale. Der globale Routing-Algorithmus entscheidet, wie ein Client an den für ihn bestgeeigneten POP weitergeleitet wird, während der lokale Algorithmus Anfragen an mehrere Server innerhalb eines POPs verteilt. 5

6 2.3.2 Globales Routing Der globale Routing-Prozess funktioniert folgendermaßen: Ein Client stellt eine Anfrage an eine Webseite auf der Site eines Content Providers - z.b. content.com. Auf dessen Server befinden sich jedoch keine Inhalte, stattdessen wird cdn.com als Provider eines CDNs verwendet; der Client muss also an cdn.com weitergeleitet werden. Mittels eines Weiterleitungs-Algorithmus (der hier später noch genauer untersucht wird) wird der Client nun an einen für ihn am besten geeigneten innerhalb des CDN weitergeleitet. Beispielsweise könnte das CDN einen direkt beim ISP des Clients positioniert haben, dann wäre dieser vermutlich das Ziel. Der des CDN gibt nun die Inhalte des Content Providers an den anfragenden Client weiter. Die einfachste Form der globalen Weiterleitung ist DNS-Weiterleitung (engl. DNS Redirection), bei der einem Domain-Namen (wie cdn.com) mehrere IP-Adressen zugeordnet sind. Wenn ein Client eine IP-Adresse dieser Domain anfordert, wird irgendeiner der Einträge zurückgegeben. Reguläre DNS-Server verwenden z.b. oft einen einfachen Round-Robin-Algorithmus, bei dem die Adressen in beliebiger Reihenfolge nacheinander zurückgegeben werden; da dieser aber die Anfragen blind weiterleitet, ist für das globale Content Routing ein komplexerer Entscheidungsprozess nötig, der den Status und die aktuelle Last eines Servers vor der Weiterleitung zu diesem überprüft. DNS Server Die Weiterleitung kann nach unterschiedlichen Gesichtspunkten geschehen. Dies kann die Netzwerknähe sein; d.h. wie viele Knoten zwischen dem Subnetzwerk des Clients und dem des s liegen (im Idealfall liegen beide im selben Subnetzwerk), was z.b. durch Netzwerk-Routing-Tabellen erkannt werden kann. Ist die geographische Nähe der vorrangige Parameter zur Weiterleitung, werden z.b. alle Nutzer in einer bestimmten (geographischen) Region an einen spezifischen POP weitergeleitet. Weitere Gesichtspunkte sind Antwortzeit (d.h. der Weiterleiter misst die Antwortzeiten der einzelnen POPs und leitet immer zu demjenigen mit der niedrigsten Latenzzeit weiter), Serverlast (Weiterleitung immer zu demjenigen Server mit der aktuell niedrigsten Last, was z.b. durch SNMP bestimmt wird) oder auch einfach die Art des Endnutzers, d.h. zahlende Nutzer bekommen einen besseren Zugriff als nicht zahlende Nutzer. 6

7 2.3.3 Lokales Routing Lokale Weiterleitung geschieht mittels des sogenannten Schicht-4-7-Switching (auch als intelligentes Switching bezeichnet) und basiert auf Informationen wie der angeforderten URL, Inhaltstypen, Nutzernamen, usw.; also Informationen, die auf den Schichten 4 (Transport) bis 7 (Anwendung) des ISO/OSI-Schichtenmodells zu finden sind. Ebenso werden Informationen über die Serverlast und -nutzung, die typischerweise mit Hilfe des SNMP-Protokolls oder spezieller Softwareagenten gesammelt werden, hinzugezogen. Die Technik der lokalen Weiterleitung wird verwendet, um auf Serverclustern mit gleichen (oder ähnlichen) Inhalten ein Load-Balancing zu erreichen; also die Last zwischen diesen Servern auszugleichen. Bei einem CDN heisst dies, dass ein POP mit mehreren Servern bzw. s ausgerüstet ist, die entweder alle mit den gleichen oder mit unterschiedlichen Inhalten ausgerüstet sind. Das Switching funktioniert dann so: ein Client fordert Inhalte von einem Hostnamen an, der zu einem Switch aufgelöst wird. Hinter diesem Switch stehen mehrere Server; der Switch fungiert dann als ein Proxy für alle Anfragen an diese Server und stellt sozusagen eine virtuelle IP-Adresse für den gesamten POP zur Verfügung. Der Switch erhält nun die Anfrage und stellt fest, dass verschiedene Objekte angefordert werden, die möglicherweise auf verschiedenen Servern liegen; fordert diese Objekte nun der Reihe nach von den Servern an und gibt sie schließlich an den anfragenden Client zurück. Falls ein spezifisches Objekt auf mehreren Servern zu finden ist, wird der Switch nach einem bestimmten Algorithmus vermutlich den am wenigsten ausgelasteten Server auswählen und von diesem das gewünschte Objekt anfordern. Die Server sind so für einen anfragenden Client unsichtbar und es erscheint für ihn so, als ob der Switch die Quelle der Inhalte ist. 2.4 Performance Measuring Performance Measuring (also Performance-Messung) ist eine Komponente des Netzwerk- Managements und dient dazu, die Ende-zu-Ende-Performance eines CDN zu beobachten, zu verstehen und zu projizieren. Dabei werden sowohl aktive - auf Hard- und Software basierende - Messungen im CDN durchgeführt (insbesondere beim Ausliefern der verschiedenen Inhalte), als auch die Log-Dateien der beteiligten Server (s) analysiert. Man unterscheidet die interne und die externe Performance; typischerweise werden Parameter wie Paketverlust, Latenzzeit oder durchschnittliche Bandbreite gemessen Interne Performance Durch Sammeln und Analysieren der Log-Dateien aller s im Netzwerk kann der Betreiber eines CDN dessen Performance gut messen. Mittels der Log-Dateien und zusätzlicher, an verschiedenen strategischen Punkten im gesamten Netzwerk durchgeführter Überprüfungen können Statistiken über das Auslieferungsverhalten und die Dienstgüte (QoS) des CDNs erstellt werden. Die Überprüfungen finden meist sinnvollerweise in den Außenbereichen des Netzwerks statt, um die Performance zu messen, wie sie von den Endnutzern des CDNs wahrgenommen wird. 7

8 2.4.2 Externe Performance Die interne Performance eines CDN misst der Betreiber selbst; für potentielle Kunden ist es aber auch wichtig, unabhängige Messungen zu sehen. Durch unabhängige Dritte wird die Performance eines CDN durch geographisch verteilte Prüfungen gemessen, die die Aktivität eines normalen Nutzers simulieren sollen. Sie sollen so die Sicht darstellen, die ein Endnutzer auf das CDN haben würde. Insbesondere kann durch solche Messungen untersucht werden, wie sich die Erreichbarkeit einer Webpräsenz vor und nach der Verwendung eines CDN unterscheidet. 3 Akamai 3.1 Allgemeine Daten Die Firma Akamai ist nach eigener Aussage der führende Anbieter von Content Delivery- Technologie [Magi01]. Sie wurde 1998 als Provider für ein Content Distribution Network gegründet, das zuvor seit 1995 am M.I.T. (zurückgehend auf eine Idee von Tim Berners-Lee: somebody should figure out how to distribute Web content on the Internet so it is always available with a minimal delay [Gree99]) entwickelt und getestet wurde; inzwischen bietet sie darüber hinaus auch weitergehende Dienste an. Von Beginn an hatte das Akamai-CDN grosse Kunden wie Yahoo, was wohl mit ein Grund für den schnellen Erfolg war. Inzwischen sind es etwa Kunden, zu denen unter anderem Apple, IBM und Microsoft, aber auch das FBI und das Weisse Haus zählen. Das Netzwerk besteht aus ca Servern in über 60 Ländern; die Server befinden sich an über Standorten [Akam02], wobei keiner dieser Standorte bemannt ist; alle Server werden über das Netzwerk gewartet. Dementsprechend ist das System komplett dezentralisiert, da die Effektivität des Systems nicht von einer zentralen Stelle (die ausfallen kann) abhängen darf. Um eine möglichst gute Anbindung an die verschiedenen Subnetze zu erhalten, sind die meisten der Server bei ISPs positioniert, so dass sie direkten Zugriff auf deren Netze haben. 3.2 Technologie Getreu der CDN-Philosophie sollen Endnutzer Inhalte nicht von zentralen Servern (wie z.b. dem Apple-Webserver) laden, sondern von einem für sie am besten geeigneten Akamai-Server, also einem möglichst nah befindlichen mit einer möglichst guten Anbindung an das Subnetz des Endnutzers. Genaue Details, wie dieser Server von Akamai bestimmt wird - wie also das Content Routing vorgenommen wird - werden nicht bekannt gegeben (als Geschäftsgeheimnis ), die ungefähre Vorgehensweise ist aber so: Durch das umfangreiche Netzwerk hat Akamai sozusagen eine verteilte Präsenz im Internet und kann es so recht gut überwachen, d.h. mehr oder weniger in Echtzeit ein ausführliches Modell der Netzzusammensetzung erstellen. Dieses Modell beinhaltet Informationen, wie die einzelnen Subnetzwerke untereinander verbunden sind und insbesondere an welchen Stellen Flaschenhälse bei den Verbindungen auftreten können; es wird mit Hilfe von Routingtabellen (insbesondere Inter Domain-Routingtabellen), soweit diese öffentlich verfügbar sind oder Verträge mit Netzbetreibern bestehen, und vor allem durch aktive Messungen erstellt. Die Erstellung dieses Modells wird als Kernkompetenz von Akamai angesehen ( know what s going on ). 8

9 Des weiteren kann über die IP-Adresse des Endnutzers festgestellt werden, in welchem Subnetz er sich befindet, wodurch wiederum seine ungefähre Position bestimmt werden kann. Mittels dieser Information und dem erstellten Internet-Modell kann nun errechnet werden, welcher Akamai-Server die beste Anbindung für den Endnutzer bietet und alle seine Zugriffe auf einen Server eines Akamai-Kunden werden auf diesen Server umgeleitet Transparenz Bei diesem Verfahren herrscht eine vollständige Transparenz für den Endnutzer vor; im Allgemeinen bemerkt er außer der Anzeige einer Akamai-URL in der Browser- Statuszeile nichts von der Umleitung (wobei inzwischen vermehrt dazu übergegangen wird, die Akamai-URL komplett zu verstecken und stattdessen Akamai-Hostnamen durch Namen des Kunden zu ersetzen). Insbesondere ist der Nutzer nicht in das Auswahlverfahren des Servers involviert, wie dies z.b. bei einigen Download-Seiten der Fall ist, bei denen der Nutzer zwischen verschiedenen Servern (mit Ortsangabe) wählen kann und meist den geographisch nächsten nimmt. Diese Auswahl wird ihm abgenommen, zumal nicht unbedingt der geographisch nächste Server auch die beste Anbindung hat. 3.3 Beispiel Der genaue Ablauf beim Zugriff auf den Webserver eines Akamai-Kunden soll abschließend an einem Beispiel genauer erläutert werden: ein Benutzer möchte in seinem Browser die Webseite von Apple (www.apple.com) anzeigen lassen. Die eigentliche HTML-Seite liegt dabei weiterhin auf dem zentralen Server von Apple, während die eingebetteten Bilddateien von den Akamai-Servern zur Verfügung gestellt werden. Zuerst müssen dazu die Bilddateien vom Apple-Server an Akamai weitergegeben bzw. auf deren Servern verteilt werden (1). Dies wird von einer speziellen (proprietären) auf dem Apple-Server installierten Software erledigt, der die betreffenden Dateien mitgeteilt werden. Stellt nun der Endnutzer mit seinem Browser eine Anfrage an apple.com (2), gibt der Apple-Server die HTML-Seite zurück (3), in der die Bilddateien mit einer Akamai- URL (z.b. a772.g.akamai.net) verlinkt sind. Um diese URL aufzulösen, wird vom Endnutzer (bzw. seinem Rechner) eine Anfrage bezüglich der Position von akamai.net an einen Root-DNS-Server gestellt (4). Dieser gibt nun die IP-Adresse des High-Level Akamai-DNS-Servers (akamai.net) zurück (5), von diesem dann wiederum die IP- Adresse von g.akamai.net erfragt wird (6/7). An diesen (Low-Level-) DNS-Server wird nun eine Anfrage bezüglich der Position von a772.g.akamai.net gestellt (8), woraufhin dieser Server den für den Endnutzer am besten geeigneten Akamai-Server berechnet und dessen IP-Adresse an den Endnutzer zurückgibt (9). Dieser kann nun die Bilddateien von dem betreffenden Akamai-Server anfordern (10) und bekommt sie schließlich von ihm geliefert (11). 9

10 apple.com Root DNS Akamai Server (1) (1) High level Akamai DNS Akamai Server (1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) Low level Akamai DNS (8) (9) (10) Akamai Server (11) 10

11 4 Literatur Hoff02: Vorlesung Content Networking, Markus Hofmann, April zuletzt besucht am List02: Content Delivery Networks (CDNs) - A Reference Guide, Matthew Liste, thrupoint.shtml zuletzt besucht am Budi01: An Interview with Bruce Maggs, Mihai Budiu, März mihaib/maggs-interview/ zuletzt besucht am Akam02: Akamai Website zuletzt besucht am Gree99: Akamai frees up your Web size, Tim Greene, zuletzt besucht am Phif99: Content Delivery Network: ISP Opportunity?, Lisa Phifer, connection.html zuletzt besucht am

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