Nachhaltige Qualitätsentwicklung 10 Jahre LQW

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1 Nachhaltige Qualitätsentwicklung 10 Jahre LQW Im Oktober feierte die Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung (LQW) ihren 10. Geburtstag, denn im Oktober 2000 fiel der Startschuss für das erste Bund-Länder-Kommissions-Projekt, mit den Auftrag die inhaltlichen Voraussetzungen und den prozeduralen Rahmen eines bundesweiten, einheitlichen und trägerübergreifenden Qualitätsentwicklungs- und Testierungsverfahrens zu schaffen. Dieses Ziel ist erreicht. Mit mittlerweile 600 Anwendern ist die Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung (LQW) das marktführende pädagogische Qualitätsmodell in der Weiterbildung. Die ersten Anwenderorganisationen durchlaufen gerade ihre dritte Testierung. Ein guter Zeitpunkt, um die Entwicklung noch einmal Revue passieren zu lassen. Sarah Jander eine Pädagogik-Studentin an der Philipps-Universität Marburg, die im Rahmen ihrer Diplomarbeit nach den Bedingungen und Erfolgsfaktoren nachhaltiger Qualitätsentwicklung fragt ist auf Spurensuche gegangen. Dafür befragte sie relevante Protagonisten. Herr Dr. Heinen-Tenrich, der Erfolg hat bekanntlich viele Väter. Die Entwicklung von LQW ist ja zweifellos eine Erfolgsgeschichte. Sie waren von Anfang an dabei, gewissermaßen sogar der Initiator; schildern Sie uns doch bitte, wie es dazu gekommen ist. Jürgen Heinen-Tenrich: Gründe und Voraussetzungen für Qualitätsentwicklung gab es viele, so zum Beispiel neue Anforderungen an das Personal der Volkshochschulen und neue Herausforderungen an die VHS-Arbeit. Dies bereitete den Boden, sich systematischer mit dem Thema Organisationsentwicklung zu beschäftigen. Als Landesverband der Volkshochschulen in Niedersachsen haben wir das Thema aufgegriffen und 1997 ein VHS-spezifisches Konzept der Selbstevaluation erstellt.

2 Entscheidend befördert wurde die Arbeit durch die Einrichtung des Qualitätsrings Niedersächsischer Volkshochschulen. Der Qualitätsring war ein Ort des Austausches, der kollegialen Beratung und der gegenseitigen Unterstützung bei der gemeinsamen Arbeit in der Anwendung des Fragenkatalogs der Selbstevaluation, ein erstes Qualitätsnetzwerk war entstanden. Hier setzte dann das erste Projekt mit Art- Set an. In den Jahren 1998 bis 2000 wurden ausgewählte Einrichtungen aus dem Qualitätsring in ihrem Entwicklungsprozess beraten. Der Wunsch nach stärkerer Verbindlichkeit, nach Formalisierung, nach Standards und nach Vergleichbarkeit und auch das Interesse nach einer externen Bestätigung dieser Veränderungserfolge wurden immer deutlicher artikuliert und gaben den Anstoß über eine Testierung nachzudenken. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Art- Set führte dann zur Beantragung des Projektes Lernerorientierte Qualitätstestierung in Weiterbildungsnetzwerken im Rahmen des BLK-Modellprogramms Lebenslanges Lernen, das im Oktober 2000 starten konnte. Hier wurde LQW geboren! Herr Prof. Dr. Zech, Sie sind der wissenschaftliche Modellentwickler von LQW. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an diesem Qualitätsmodell? Und wie und durch was unterscheidet es sich von den anderen Qualitätsmodellen für die Weiterbildung? Rainer Zech: Nun das Besondere ist zweifellos die Lernerorientierung. LQW war das erste Qualitätsmodell, das sich aus der Logik des Bildungsprozesses begründet. Wir sind von Anfang an davon ausgegangen, dass man die Qualitätsentwicklung der Organisationen nicht von ihrem eigentlichen Zweck, der Verbesserung des Lernens der Teilnehmenden trennen darf. Deshalb müssen bei LQW alle Qualitätsmaßnahmen darauf hin begründet werden, was sie für die Verbesserung des Lernens bedeuten. Neben der Lernerorientierung steht dann vor allem im Vordergrund, dass LQW kein reines Prüfverfahren ist, sondern dass es uns darum geht, die Qualität der Weiterbildung zu fördern. Dafür bieten wir unsere umfangreichen Arbeitshilfen und Qualitätswerkzeuge und wir unterstützen die Organisationen bei der Strategieentwicklung. Wichtig ist uns, dass die Organisationen nicht unsere Qualitätsanforderungen formal abarbeiten, sondern dass sie die Interpretationsfähigkeit und die Flexibilität von LQW nutzen, um ihre Organisationsentwicklung voranzubringen, dass sie also mit Hilfe von LQW an ihren eigenen Themen arbeiten, die sowieso anliegen.

3 Frau Erhart, als Geschäftsführerin der LQW-Testierungsstelle betreuen und begleiten Sie die Weiterbildungsorganisationen bei der Einführung und der Anwendung von LQW. Wie haben Organisationen Ihrer Erfahrung nach das Verfahren optimal für sich nutzen können und welche Faktoren waren für eine nachhaltige Qualitätsentwicklung ausschlaggebend? Friederike Erhart: Am besten können Weiterbildungsorganisationen LQW für sich nutzen, wenn es ihnen gelingt, die Qualitätsentwicklung als Organisationsentwicklung zu gestalten. So konnten zum Beispiel viele Volkshochschulen die LQW-Testierung für ihren Fusionsprozess nutzen. Oder eine PE-Abteilung nutzte LQW, um sich gemäß der strategischen Orientierung des Unternehmens grundsätzlich neu auszurichten. Die Anforderungen von LQW haben eine Struktur gegeben, die für die Organisationsentwicklung hilfreich war. Wenn es gelingt, LQW nicht als Extra-Arbeit zu sehen, sondern als Instrument für die kontinuierliche Verbesserung der alltäglichen Arbeit, dann kann der Qualitätsprozess nachhaltig in die Organisation wirken. Einflussfaktoren für einen gelingenden LQW-Prozess sind unserer Erfahrung nach die Motivation und Überzeugungskraft der Führung und die Partizipation der Mitarbeitenden am Qualitätsentwicklungsprozess. Nur wenn Leitung und Mitarbeitende an einem Strang ziehen ist eine optimale Basis für die Umsetzung und Anwendung von LQW gegeben. Und natürlich muss es einen Qualitätsbeauftragten geben, der den Prozess im Sinne eines Projektmanagements organisiert. Womit Organisationen ebenfalls positive Erfahrungen gemacht haben, ist die Erstellung eines Organisationshandbuchs auf Grundlage des Selbstreports, welches die Prozesse der Organisation für alle transparent macht. Mit LQW ist so vieles möglich, die Ressourcen sind von den meisten Einrichtungen noch gar nicht ausgeschöpft. Aber man kann uns ja anrufen; wir helfen gern. Herr Dr. Südbeck, als einer der LQW-Anwender der ersten Generation befinden Sie sich mit der Historisch-Ökologischen Bildungsstätten Emsland schon im dritten Qualitätskreislauf nach LQW. Was hat LQW in langer Sicht für Ihre Einrichtung gebracht? Thomas Südbeck:

4 Durch LQW konnten wir alle Mitarbeiter/innen unserer Bildungsstätte für ein gemeinsames Ziel gewinnen und uns im ständigen Dialog gemeinsam weiter entwickeln. So war es uns z.b. möglich, die Zusammenarbeit an den Schnittstellen der verschiedenen Arbeitsbereiche zu optimieren und durch eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit eine besondere Lernatmosphäre zu schaffen. Es ist uns gelungen, uns in einer sich ständig verändernden Weiterbildungslandschaft immer wieder neu gut zu positionieren. Frau Rohling, als Verbandsdirektorin des Landesverband der Volkshochschulen Rheinland-Pfalz haben Sie sich entschlossen, den Landesverband nach LQW testieren zu lassen. Warum war für Sie eine Testierung nach LQW wichtig? Steffi Rohling: Zunächst finde ich, dass das Thema Qualitätsentwicklung für Organisationen der Erwachsenenbildung grundsätzlich wichtig ist. Die Entscheidung für eine Testierung nach LQW haben wir getroffen, um unsere Dienstleistungen und damit unsere Arbeit selbst zu überprüfen und anschließend von einer externen Institution überprüfen zu lassen. Als Landesverband sind wir Servicestelle für unsere Einrichtungen, daher sollte unser Ziel sein, die Qualität unserer Arbeit stets im Blick zu haben und sie kontinuierlich zu verbessern. Die Entscheidung für eine Qualitätstestierung im Landesverband hatte sowohl Gründe der Organisationsentwicklung als auch öffentlichkeitswirksame Gründe. Zum einen ging es darum, die Organisationsstruktur der gesamten Einrichtung unter Einbeziehung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu analysieren und zu reflektieren. Zum anderen sollte auf diese Weise die Qualität der Arbeit des Landesverbandes nach außen dokumentiert werden. Das übergeordnete Ziel des Qualitätstestierungsprozesses war die Schaffung bestmöglicher Bedingungen für die Umsetzungen unserer Dienstleistungen. Zudem unterstützen wir als Landesverband auch unsere Mitglieder in der Qualitätsentwicklung. Zahlreiche rheinland-pfälzische Volkshochschulen sind bereits qualitätstestiert und somit nachweislich auf die Bedürfnisse der Lernenden ausgerichtet. Von daher bestand auch die berechtigte Erwartung unserer Mitgliedseinrichtungen, dass ihr Dachverband den gleichen Schritt tun würde. Diesem richtigen Gedanken wollten wir ebenfalls nachkommen.

5 Herr Rädiker, als Mitarbeiter an der Philipps-Universität Marburg haben Sie schon zum zweiten Mal eine unabhängige Evaluation der Wirkungen einer Qualitätsentwicklung mit LQW vorgenommen. Die letzte Studie ist gerade erst abgeschlossen worden. Was sind die Ergebnisse? Stefan Rädiker: Im Wesentlichen zeigen die Studien drei wichtige Dinge. Erstens können die Organisationen, die das LQW-Verfahren anwenden, vor allem in punkto Strukturgebung, Strategiebildung und Zuständigkeitsklärung profitieren. Die Organisationen legen dadurch insbesondere bei der Ersttestierung den Grundstein für ein gelungenes Lernen ihrer Teilnehmenden. Zweitens bewegen sich die Organisationen in Entwicklungsschleifen auf der Qualitätsskala nach oben. Die Organisationen, die LQW bereits einige Jahre anwenden und eine Retestierung durchlaufen, verzeichnen zwar etwas geringere Verbesserungen als die Ersttestierer, agieren aber auf einem höheren Qualitätsniveau. Sie liegen bezüglich der untersuchten Qualitätsaspekte auch dichter beisammen. Übrigens können kleine Organisationen bei der Fortsetzung der Qualitätsarbeit bessere Fortschritte verzeichnen als größere. Ja und drittens bleibt die Netzwerkarbeit, die bei LQW ja betont wird, also zum Beispiel der organisationsübergreifende Austausch und die gegenseitige Unterstützung, noch weiter entwicklungsfähig. Eine ganze Reihe von Organisationen tut sich auch immer noch ein wenig schwer mit dem Marketing. Das wichtigste Ergebnis dieser zweiten Studie ist allerdings die extrem hohe Kundenzufriedenheit: mehr als 95% der Ersttestierer und mehr als 93% der Retestierer würden sich erneut für die Einführung von LQW entscheiden, und knapp 98% der Ersttestierung und über 93% der Retestierer würden LQW weiterempfehlen. Ein besseres Zeugnis können die Kunden einem Qualitätsmanagementsystem gar nicht ausstellen.

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