M I N I S T E R I U M F Ü R K U L T U S, J U G E N D U N D S P O R T B A D E N - W Ü R T T E M B E R G

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1 M I N I S T E R I U M F Ü R K U L T U S, J U G E N D U N D S P O R T B A D E N - W Ü R T T E M B E R G Postfach Stuttgart An den Präsidenten des Landtags von Baden-Württemberg Herrn Guido Wolf MdL Haus des Landtags Konrad-Adenauer-Straße Stuttgart Stuttgart 27. Oktober 2014 Durchwahl Telefax Name Carmen Vollrath Gebäude Thouretstr. 6 (Postquartier) Aktenzeichen /371/86 (Bitte bei Antwort angeben) nachrichtlich Staatsministerium Antrag der Abg. Georg Wacker u.a. CDU - Informationstechnische Grundbildung an den baden-württembergischen Schulen - Drucksache 15/5814 Ihr Schreiben vom 06. Oktober 2014 Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport nimmt zu dem Antrag wie folgt Stellung: Der Landtag wolle beschließen, die Landesregierung zu ersuchen zu berichten,

2 inwieweit aus ihrer Sicht der Bildungsplan 2016 dazu geeignet ist, zu einer nachhaltigen Verbesserung der Informationstechnischen Grundbildung (ITG) an den badenwürttembergischen Schulen beizutragen; In den neuen Bildungsplänen wird die informationstechnische Grundbildung zukünftig als ein Kompetenzbereich im Rahmen der Leitperspektive Medienbildung in allen Schularten und Schulstufen spiralcurricular und fächerintegrativ verankert. Diese erstmals durchgängige Verankerung informatischer Bildung in allen Klassenstufen und Fächern bildet eine Aufwertung gegenüber separaten, punktuell unterrichteten ITG- Standards ohne Verankerung in den Kontingentstundentafeln der Schularten. Durch die fächerintegrative Verankerung ist zudem gewährleistet, dass die spezifischen Bereiche der ITG in einem thematischen Kontext und nicht isoliert ohne die notwendige inhaltliche Anbindung behandelt werden. Die Kompetenzen und Inhalte der aktuell geltenden Bildungspläne zum Fach ITG werden aufgenommen, aktualisiert und während des gesamten schulischen Bildungsweges vermittelt. Im Rahmen der Bildungsplanreform 2016 ist die erstmalige Einführung eines Basiskurses Medienbildung in der Klasse 5 aller weiterführenden allgemein bildenden Schulen (35 Wochenstunden aus der Kontingentstundentafel) vorgesehen. Dieser Basiskurs Medienbildung geht über den bisherigen ITG-Unterricht hinaus und berücksichtigt angemessen "Lernen mit Medien" und "Lernen über Medien". Dieser Kurs führt die unterschiedlichen Vorkenntnisse zusammen und gewährleistet eine einheitliche Ausgangsbasis in Bezug auf die vorhandenen Medienbildungskompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Er übernimmt so in Klasse 5 eine Brückenfunktion an der Schnittstelle zwischen Grundschule und weiterführender Schule. 2. wie viele Lehrerinnen und Lehrer in den vergangenen fünf Schuljahren jeweils ITG an den jeweiligen Schularten im Land unterrichtet haben und wie viele davon fachfremd eingesetzt waren; Der fachspezifische Unterrichtseinsatz der Lehrkräfte wird im Rahmen der amtlichen Schulstatistik nicht erhoben. In der amtlichen Schulstatistik wird die von den Lehrkräften erworbene Lehrbefähigung nach Lehrbereichen erfasst.

3 - 3 - Im Schuljahr 2013/2014 hatten über alle Schularten hinweg Lehrkräfte an den öffentlichen Schulen im Geschäftsbereich des Kultusministeriums (ohne Sonderschulen) eine Lehrbefähigung für den Lehrbereich Datenverarbeitung / Computertechnik. Nach Schularten stellte sich die Situation wie folgt dar: Lehrkräfte an öffentlichen Schulen im Geschäftsbereich des Kultusministeriums mit der Lehrbefähigung 1) für den Lehrbereich "Datenverarbeitung / Computertechnik" im Schuljahr 2013/2014 Schulart 2) Zahl der Lehrkräfte (Personen) Grund-, Werkreal- und Hauptschulen 3) 432 Realschulen 266 Gymnasien 175 Gemeinschaftsschulen 4) 27 Schulen besonderer Art / Orientierungsstufen 3 Berufliche Schulen 870 1) Es w ird nur die höchste Lehrbefähigung berücksichtigt. 2) Die Schulartzuordnung erfolgt auf Basis des überw iegenden Unterrichtseinsatzes. 3) Ohne Grundschulen im Verbund mit einer Gemeinschaftsschule. 4) Inklusive Grundschulen im Verbund mit einer Gemeinschaftsschule. Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 3. wie sie die Qualität des Unterrichts der Informationstechnischen Grundbildung (ITG) an den baden-württembergischen Schulen bewertet; Die Qualität des Unterrichts an den Schulen ist Bestandteil des Qualitätsrahmens zur Fremdevaluation an allgemein bildenden Schulen in Baden-Württemberg. Aus Sicht des Kultusministeriums ist der Unterricht im Bereich der ITG von hoher Qualität. Die informationstechnische Grundbildung wird aktuell in allen allgemein bildenden Schularten integrativ mit ansteigender Progression unterrichtet. In den Klassen 5 und 6 der Realschule beispielsweise werden die Schülerinnen und Schüler an den Computer als Arbeits- und Hilfsmittel herangeführt. Anschließend, in Klasse 7 bis 10, vertiefen und erweitern Schülerinnen und Schüler ihre Kenntnisse und erstellen eigenständige Produkte. Der anwendungsbezogene integrative Ansatz vermittelt den Schülerinnen und Schülern die erforderlichen Kompetenzen sowie Handlungskompetenz für Alltag und Beruf. Daneben sind informatorische Bildungsplaninhalte beispielsweise im naturwissenschaftlichen Kernfach Naturwissenschaft und Technik an den allgemein bildenden Gymnasien

4 - 4 - enthalten. In diesem ab Klasse 8 einsetzenden naturwissenschaftlichen Kernfach spielen sowohl bei den Prinzipien als auch bei den Betrachtungsbereichen des Fachs Aspekte der Informatik eine deutliche Rolle und werden in hoher Qualität vermittelt. In der Kursstufe des allgemein bildenden Gymnasiums gibt es traditionell ein eigenständiges Informatikangebot in Form von zweistündigen Informatikkursen. Dieses Angebot wird auch in Zukunft bestehen bleiben. Obwohl diese Kurse ein Unterrichtsfach des sogenannten Wahlbereichs sind, sind sie nahezu flächendeckend eingerichtet. Darüber hinaus wurde der Informatikunterricht in der gymnasialen Oberstufe in den vergangenen Jahren gestärkt, indem als Schulversuch auch vierstündige Informatikkurse an interessierten Schulen eingerichtet und von den Schülerinnen und Schülern belegt werden können.. An den beruflichen Gymnasien ist Informatik weitgehend verpflichtend zu besuchen. Ein besonderer Schwerpunkt wird an Technischen Gymnasien im Profil Informationstechnik gelegt, das mit einem sechsstündigen Profilfach Informationstechnik seit dem Schuljahr 2000/2001 erfolgreich angeboten wird. (vgl. Drucksache 15/3792) Darüber hinaus wird auf die Beantwortung von Ziffer 1 verwiesen. 4. wie sie der Forderung des Verbands der Informatiklehrerinnen und -lehrer hinsichtlich eines verbindlichen Informatikunterrichts in einem Pflichtfach gegenübersteht; Wie unter Ziffer 1 ausgeführt, werden im Rahmen der Bildungsplanreform 2016 Medienbildung und Informatik durch die Verankerung eines Basiskurses Medienbildung und der Leitperspektive Medienbildung deutlich gestärkt. Ziel ist dabei, durch eine fächerübergreifende und durchgängige Verankerung dieser Bildungsplaninhalte eine Stärkung der informatischen Grundbildung sowie der Medienbildung zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund ist die Ausweisung eines eigenständigen Unterrichtsfaches nicht angezeigt. 5. worin sich die Informationstechnische Grundbildung (ITG) nach dem Bildungsplan 2016 im Vergleich zum jetzigen ITG-Unterricht an den baden-württembergischen Schulen konkret unterscheiden wird; Hier wird auf die Beantwortung der vorangegangenen Ziffern verwiesen.

5 welchen Stellenwert sie dem Elternwunsch nach einem Pflichtfach Informatik beimisst; Der diesbezügliche Elternwille zeigt die Bedeutung informationstechnischer Inhalte für den Unterricht an allgemein bildenden Schulen. Die Integration dieser Inhalte in einzelne Fächer ermöglicht in diesem Feld wichtige Zugänge für die Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus wird auf die Beantwortung von Ziffer 4 verwiesen. 7. inwiefern das Thema Medienbildung im Bildungsplan 2016 abgedeckt sein soll und welche spezifischen Themenfelder bezüglich dem Umgang [sic] und der Nutzung von Medien dies umfassen wird; Im Bildungsplan 2016 der allgemein bildenden Schulen wird Medienbildung als eine von sechs Leitperspektiven verankert werden und im Kerncurriculum als durchgehendes integratives Prinzip in allen Fächern bereits ab der Grundschule enthalten sein. Grundsätzlich gilt, dass Medienkompetenz nur vermittelt werden kann, wenn in allen Fächern und über alle Jahrgangsstufen hinweg Medienbildung stattfindet. Die Bildungsstandards zur Medienbildung werden aufeinander abgestimmt und spiralförmig aufgebaut. Sie werden auf der Grundlage der Medienbildungsaspekte, die von der Länderkonferenz Medienbildung (LKM) in einem Papier zusammengefasst wurden, mit den Kompetenzbereichen Information, Kommunikation, Produktion, Präsentation, Analyse Mediengesellschaft, Urheber-, Lizenz- und Persönlichkeitsrechte erstellt. Ein Basiskurs Medienbildung in Klasse 5 soll die Grundlage legen, auf der alle weiteren Klassen aufbauen können. Im Übrigen wird auf die Beantwortung von Ziffer 1 verwiesen. 8. inwiefern sie sämtliche für das Fach Datenvereinbarung [sic] ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer darauf vorbereitet sieht, fächerübergreifend, jahrgangsspezifisch und fachdidaktisch die Inhalte von ITG und Medienbildung zu vermitteln, wie es der Bildungsplan 2016 mit seiner themenspezifischen Leitperspektive Medienbildung vorsieht (mit Angabe, welche diesbezüglichen Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte vorgesehen sind);

6 - 6 - Bei der Implementierung des Bildungsplans im Rahmen der Lehrkräftefortbildung findet die fachintegrativ angelegte Leitperspektive Medienbildung an zwei Stellen des Unterstützungskonzeptes Berücksichtigung: Im Rahmen einer Fortbildung an den Schulen werden die Lehrkräfte u.a. über den Ansatz aller Leitperspektiven informiert. Ziel ist der intensive Austausch auch über diese Grundlagen des Bildungsplans. Die Fachfortbildungen greifen den Austausch auf und den Lehrkräften wird aufgezeigt, wie die Leitperspektiven im Unterricht umgesetzt werden können. Es wird davon ausgegangen, dass mit dieser doppelten Verankerung, neben den bereits vorhandenen Fortbildungen im Medienbereich, die Voraussetzungen für eine gelingende Umsetzung geschaffen sind. 9. inwieweit der Informatiklehrer-Verband in die Bildungsplanarbeit zur Informationstechnischen Grundbildung (ITG) eingebunden ist und in welchem Umfang seine Vorschläge Eingang in die Bildungsplanarbeit fanden. Bei der Weiterentwicklung der Bildungspläne ist der Landesregierung die Beteiligung ein wichtiges Anliegen. Anregungen und Rückmeldungen der interessierten Öffentlichkeit werden unter Mitwirkung der zuständigen Schul- und Fachreferate des Kultusministeriums in einem sorgfältigen Auswertungs- und Abwägungsverfahren in den Reformprozess einbezogen und den Bildungsplankommissionen mit Hinweisen zur Verfügung gestellt. Im Zuge dessen wurden auch Schreiben der Fachgruppe der Informatiklehrerinnen und -lehrer in Baden-Württemberg (ILL-BW) sorgfältig bearbeitet und in den Reformprozess eingespeist. Darüber hinaus fanden mehrere Fachgespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der ILL-BW statt, in denen sie ausführlich ihre Position darlegen konnten. Mit freundlichen Grüßen In Vertretung Andreas Stoch MdL Minister Gez. Dr. Jörg Schmidt Ministerialdirektor

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