- Stellungnahme der Bundesfachschaftentagung Elektrotechnik zu Änderungen am Bundesausbildungsförderungsgesetz

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1 Bundesfachschaftentagung Elektrotechnik c/o: Fachschaft Elektrotechnik Technische Universität München D München Fachschaft Elektrotechnik // TU München // D München An das Bundesministerium für Bildung und Forschung Bundesministerin Prof. Dr. Johanna Wanka Hannoversche Straße Berlin Datum 6. September 2013 Betr.: Stellungnahme der Bundesfachschaftentagung Elektrotechnik zu Änderungen am Bundesausbildungsförderungsgesetz Sehr geehrte Frau Bundesministerin Prof. Dr. Wanka, wie kürzlich der Presse zu entnehmen war, planen Sie und Ihr Ministerium derzeit Änderungen am Bundesausbildungsförderungsgesetz. Die Bundesfachschaftentagung Elektrotechnik begrüßt dies sehr und hat sich im Rahmen ihrer 72. Versammlung mit Punkten auseinandergesetzt, die angegangen werden müssen um das BAföG zukunftsfähig zu machen. Im Rahmen einer Arbeitsgruppe wurde eine Stellungnahme zum Thema erarbeitet, welche anschließend von den 17 anwesenden studentischen Vertretungen im Plenum vom 11. Mai 2013 einstimmig beschlossen wurde. Diese Stellungnahme wird ebenfalls auf der Internetseite der Bundesfachschaftentagung veröffentlicht. Mit freundlichen Grüßen (Robert Schaller, Sekretär der Bundesfachschaftentagung Elektrotechnik) Anlagen: - Stellungnahme der Bundesfachschaftentagung Elektrotechnik zu Änderungen am Bundesausbildungsförderungsgesetz - Hintergrundinformation Die Bundesfachschaftentagung Elektrotechnik Telefon: Telefax: e Mail: HTTP:

2 6. September 2013 Seite 2 Stellungnahme der Bundesfachschaftentagung Elektrotechnik zu Änderungen am Bundesausbildungsförderungsgesetz Bachelor/Master-Problematik Bei vielen Hochschulen ist die Möglichkeit gegeben, einen Masterstudiengang zu beginnen, bevor alle Studienleistungen des dafür qualifizierenden Bachelorabschlusses korrigiert wurden. In einem weiteren Modell bleiben Studierende im Bachelor eingeschrieben, hören jedoch schon Masterveranstaltungen. Nach Abschluss des Bachelors wird die Immatrikulation entsprechend umgelegt und bereits erbrachte Master-Studienleistungen angerechnet. Eine fortlaufende Förderung für ein direkt im Anschluss begonnenes Masterstudium ist in den meisten Fällen nicht unterbrechungsfrei möglich. Das Masterstudium wird erst gefördert, wenn das Bachelorzeugnis vorliegt. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass bis zur Abgabe der Bachelorarbeit noch Klausuren geschrieben werden können, kann sich der Zeitpunkt, zu dem alle Studienleistungen korrigiert sind, weit bis ins Masterstudium hinein verzögern. Hier sind selbst im Durchschnitt einige Monate einzuplanen. Faktisch müssen Masterstudierende die ersten Monate dieses Studiums ohne finanzielle Förderung auskommen. Die Tatsache, dass die finanziellen Mittel nach Erhalt der Bachelorarbeit nachgezahlt werden, kann aufgrund der laufenden Kosten, denen Studierende regelmäßig nachkommen müssen, nicht als Option vertreten werden. Es existiert kein nachvollziehbares Argument, weshalb eine Immatrikulationsbescheinigung für den Masterstudiengang für den Erhalt der Förderung nicht ausreicht. Die Immatrikulationsbescheinigung muss zur vorläufigen Berechtigung, finanzielle Förderung weiter beziehen zu dürfen, ausreichen. Das Einreichen des Bachelorzeugnisses sollte somit auch nachträglich möglich sein. Außerdem darf die Förderung bei einem zusätzlichen Bachelorsemester in dem schon Mastervorlesungen gehört werden, nicht eingestellt werden, auch wenn dadurch die maximale Förderungszeit des Bachelorstudienganges durch BAFöG überschritten wird. Altersgrenze Personen, die bei Beginn ihrer Ausbildung ein Alter von 30 (für ein Bachelorstudium) bzw. 35 (für ein Masterstudium) Jahren erreicht haben, sind nicht berechtigt, BAföG-Unterstützung zu beantragen. Gerade in ingenieurtechnischen Studiengängen geht oft eine technische Ausbildung und even-

3 6. September 2013 Seite 3 tuell mehrjährige Berufserfahrung voraus. Diese Tatsachen verschieben den Start eines Studiums mitunter ins höhere Alter. Weiterbildungen selbst im hohen Alter sind jedoch von deutscher Wirtschaft und Arbeitsamt, um nur diese zu nennen, ausdrücklich gewünscht. Weiterhin ist durch das Bachelor/Master-System die Möglichkeit gegeben, zwischen beiden Studiengängen beruflicher Praxis nachzugehen. Alternativ schlagen wir ein anderes Konzept zur generellen Berechtigung von BAföG Bezug einer Person vor. Jede Person sollte einen festgelegten Föderungszeitraum zur Verfügung haben, welcher unabhängig vom Alter genutzt werden kann. Förderungshöchstdauer Die Förderung entfällt, wenn die angesetzte Regelstudienzeit überschritten wird. Gerade in ingenieurtechnischen Studiengängen ist es meist nicht möglich, die Regelstudienzeit einzuhalten. Den entsprechenden Statistiken ist zu entnehmen, dass die Regelstudienzeit in diesen Studiengängen im Durchschnitt überschritten wird. Besonders problematisch ist es wenn sich Studierende neben dem Studium sozial und politisch engagieren was einem ausdrücklichen Wunsch des Kultusminsteriums und Arbeitgebern entspricht. Die Förderungshöchstdauer sollte länger als die Regelstudienzeit sein. Wir schlagen drei zusätzliche Semester zur Regelstudienzeit vor. Zumindest sollten die entsprechenden Statistiken zur durchschnittlichen Studienzeit bei der notwendigen Überarbeitung berücksichtigt werden. Einkommensgrenzen der Eltern Das Einkommen der Eltern gilt als Kriterium, ob Studierende berechtigt sind, finanzielle Förderung gemäß BAföG zu erhalten. Die bisherigen Kriterien sind zu einseitig. Die finanzielle Situation rein am Einkommen festzumachen, blendet finanzielle Verpflichtungen, wie beispielsweise regelmäßig abzuzahlende Kredite, aus. So ist eine Familie mit Mittlerem Einkommen, die laufende Rückzahlungen für einen Kredit zu leisten hat, z. B. für ihren Hausbau, nicht in der Lage ihr Kind im Studium ausreichend finanziell zu unterstützen. BAföG wird trotzdem nicht gewährt. Wir schlagen eine Überarbeitung der entsprechenden Regelungen vor, unter Beachtung der Faktoren, die neben dem reinen Verdienst die finanzielle Gesamtsituation beeinflussen.

4 6. September 2013 Seite 4 Mietzuschüsse Wenn die Wohnungskosten einen festgesetzten Betrag überschreiten, wird ein entsprechender Zuschuss gewährt. Bei diesem Zuschuss handelt es sich um einen Pauschalbetrag. In Orten, in denen überdurchschnittlich hohe Mietkosten zu erwarten sind, bleiben zu wenig finanzielle Mittel übrig, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Wir schlagen einen Mietzuschuss vor, der an die lokalen Gegebenheiten angepasst wird. Ein lokaler Zuschuss, der den bundesweiten Sockelbetrag übersteigt, darf nicht auf den Förderungshöchstbetrag angerechnet werden. Einkommensfreibetrag Der Einkommensfreibetrag beläuft sich derzeit auf 406,66e. Zuletzt wurden sowohl der steuerliche Grundfreibetrag (von 8004e in 2011 auf 8350e in 2014) als auch die Grenze für Minijobs (400e auf 450e) angehoben. Der Einkommensfreibetrag wurde nicht entsprechend angepasst. Der Einkommensfreibetrag sollte sich an der Grenze für Minijobs orientieren, damit jeder BAföG Empfänger einen vollwertigen Minijob ausüben kann ohne Abstriche in Kauf nehmen zu müssen. Karlsruhe, den 11. Mai 2013

5 6. September 2013 Seite 5 Die Bundesfachschaftentagung Elektrotechnik Die Bundesfachschaftentagung Elektrotechnik ist der Zusammenschluss aller Fachschaften von Studiengängen mit elektrotechnischem Schwerpunkt aus dem deutschsprachigem Raum. Sie ist somit das oberste Gremium der Interessenvertretung für alle Studierenden dieser Fachrichtungen in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz. Ihre Ziele sind das Erreichen höchster Lehrqualität an allen Hochschulen, die Vernetzung und der Erfahrungsaustausch zwischen allen Mitgliedsfachschaften, die Repräsentation der betroffenen Fachrichtungen und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die studentischen Belange der Elektrotechnik. Hierzu erarbeitet die Fachschaftentagung zweimal jährlich auf ihren Versammlungen fundierte Standpunkte zu aktuellen bildungspolitischen Fragestellungen. Sie ist damit Ansprechpartner der Presse und der Öffentlichkeit allgemein. Ihre Struktur als von parteipolitischen Strömungen unabhängige Instanz macht sie zum einer Vertretung, die nur dem Wohl der Studierenden selbst verpflichtet ist. Ihre Mitglieder, die studentischen Vertretungen der elektrotechnischen Studiengänge an den jeweiligen Hochschulen, vereinen die direkte Erfahrung aus der Mitte der Studierenden mit der Initiative und Verantwortung von studentischer Seite Impulsen in gesellschaftliche Diskussionen einzubringen.

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