Ihr Auftritt, bitte! Von der ersten Sekunde an überzeugen

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1 Ihr Auftritt, bitte! Von der ersten Sekunde an überzeugen Das richtige Auftreten wird für eine berufliche Weiterentwicklung zunehmend wichtiger. Besonders im heutigen medialen Zeitalter müssen sich Fach- und Führungskräfte verstärkt bei Vorträgen und Interviews, zum Teil auch vor der Kamera oder im Radio, präsentieren und überzeugen. Wie man diese Situationen erfolgreich meistert, verrät der bekannte Schauspieler und Management-Trainer der Deutschen Experten-Akademie (DEAK) Lutz Herkenrath. Frage: Herr Herkenrath, Sie sind bereits seit über 20 Jahren als Schauspieler aktiv. Seit einiger Zeit sind Sie auch als Management-Trainer tätig, wie sind Sie zu dieser neuen Aufgabe gekommen und was reizt Sie daran? Lutz Herkenrath: Zum Beruf des Management-Trainers bin ich durch Professor Dr. Jens Weidner gekommen, der schon seit vielen Jahren als Trainer arbeitet und die so genannte Peperoni-Strategie entwickelt hat, die zu mehr Durchsetzungsstärke verhilft. Er hat mich bereits vor einigen Jahren darauf angesprochen, ob ich ebenfalls ein Seminar als Trainer übernehmen möchte, da ich mich durch meine schauspielerische Tätigkeit sehr gut auf diesem Gebiet auskenne. Ich war zuerst sehr skeptisch, was sich allerdings geändert hat, als ich gesehen habe, dass die Teilnehmer in diesen Seminaren wirklich an sich arbeiten wollen. Und das ist es auch, was mich an dem Beruf des Management-Trainers bis heute fasziniert und reizt: Zu sehen, dass Menschen wirklich bereit sind an sich und ihren Fähigkeiten zu arbeiten. Inzwischen ist für mich die Tätigkeit des Trainers zu meinem zweiten Beruf geworden. Frage: Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass für eine berufliche Weiterentwicklung vor allem das richtige Auftreten eine entscheidende Rolle spielt, wieso vernachlässigen Ihrer Meinung nach immer noch so viele Fach- und Führungskräfte diesen Aspekt? Herkenrath: Im Beruf wird das professionelle Auftreten vor allem in Vorträgen und Präsentationen verlangt. Viele Fach- und Führungskräfte haben dies in ihrer Ausbildung einfach nicht gelernt und deshalb kaum Praxiserfahrung auf diesem Gebiet. Zum anderen ist vielen überhaupt nicht bewusst, wie sie wirklich auf andere wirken, weil es ihnen bisher

2 keiner direkt gesagt hat. Ich habe schon viele Vorträge gehört, die vom Inhalt her brillant waren, aber zu langweilig oder so unverständlich vorgetragen wurden, dass die Botschaft bzw. der Inhalt überhaupt nicht beim Publikum ankam. Frage: Wie können Sie diesen Menschen in Ihrem Seminar helfen? Herkenrath: Ich lege großen Wert auf praxisorientiertes Arbeiten. Zum Beispiel stellen sich die Teilnehmer gleich zu Beginn der Gruppe vor und werden dabei gefilmt. Das dient dazu, bestimmte Verhaltensweisen zu erkennen und auch konkret zu benennen. Die Teilnehmer lernen sich gegenseitig offen zu kritisieren, aber auch selbst beurteilen zu lassen. Das hilft ihnen dabei, mehr über sich selbst und ihre Wirkung auf andere zu erfahren. Für viele ist das am Anfang sehr ungewohnt und zum Teil auch schockierend. Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass die Seminare in kleinen Gruppen mit maximal zwölf Personen stattfinden. So entsteht eine Arbeitsatmosphäre in der es möglich ist, offen und konstruktiv miteinander umzugehen. Bei mir wird nicht gewertet nach moralischen Kategorien in gut und schlecht ; es gibt nur Dinge, an denen man arbeiten kann. Frage: Sie trainieren mit Managern den richtigen Auftritt vor Publikum sowie vor der Kamera, welche Methoden und Strategien wenden Sie dabei an? Herkenrath: Ich greife dabei auf meine über 20-jährige Schauspielerfahrung zurück. Als Schauspieler muss ich Menschen beobachten, sie analysieren und mich in sie hineinversetzen, um eine Rolle auch überzeugend spielen zu können. Zum anderen musste ich zum Teil auch sehr hart an mir und meinen Arbeitstechniken arbeiten. Das hat mir geholfen, meine eigene Strategie zu entwickelt. Frage: Worauf müssen vor allem Führungskräfte bei einem öffentlichen Auftritt achten? Herkenrath: Das die Angst sie nicht beherrscht. Das passiert vor allem dann schnell, wenn man versucht sie zu unterdrücken. Dabei verschwendet man viel zu viel Energie auf die unwesentlichen Dinge. Besser ist es, wenn man gleich von Anfang an zu seiner Nervosität und seinen Schwächen steht und damit offensiv umgeht. Frage: Was genau ist eigentlich Präsenz und wie kann man sie steigern?

3 Herkenrath: Präsenz ist für mich das vollkommene Anwesendsein, also zu 100 Prozent auf die Aufgabe konzentriert sein und die eigene Energie voll einbringen. Es ist schwer, das theoretisch zu erklären: In der praktischen Übung fällt es jedem sofort auf. Frage: Sie beschreiben, dass man eigene Lieblingsgewohnheiten sinnvoll nutzen kann, inwiefern sind es nicht genau diese Angewohnheiten, die von einer guten Präsentation ablenken? Herkenrath: Indem man einerseits genau ergründet, welche Macken oder um es liebevoller auszudrücken welche Lieblingsgewohnheiten man hat, wie zum Beispiel Verlegenheitsgesten, Stottern, Verwendung von zu vielen Füllwörtern etc. Wenn man weiß, aus welchem Grund man diese Gesten und Fehler macht, ist es leichter daran zu arbeiten und sie abzustellen. Auf der anderen Seite kann man sie auch für sich nutzen. Ich habe z. B. einmal einen Vortrag von einem Molekularbiologen in Helsinki gehört, der eine Koryphäe auf seinem Gebiet ist, aber ein Stotter-Problem hat. Doch anstatt zu versuchen seinen Sprachfehler zu vertuschen, ging er ganz offensiv damit um. Gleich zu Anfang teilte er dem Publikum mit: Wie Sie merken, haben ich ein Sprech-Problem. Ich möchte Sie trotzdem bitten, nicht auf das Stottern, sondern auf den Inhalt meines Vortrags zu achten. So zog er gleich zu Beginn die gesamte Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Der Vortrag war übrigens hervorragend. Frage: Inwieweit ist Lampenfieber für den Auftritt förderlich? Herkenrath: Lampenfieber hat fast jeder Mensch. Mir geht bis heute nach zwanzig Jahren Berufserfahrung immer noch vor jedem Auftritt die Muffe. Aber das vergeht sehr schnell, wenn ich auf der Bühne stehe. Lampenfieber ist insoweit förderlich, dass man sich dadurch ganz auf die bevorstehende Aufgabe konzentriert und dann auch voll da ist solange die Angst nicht die Überhand gewinnt, denn das kann zum so genannten Black out führen. Frage: Sie helfen Managern ihr Potenzial zu erkennen und ihre persönlichen Ressourcen zu entdecken. Wie viel Potenzial schlummert durchschnittlich in einer Führungskraft, dass er oder sie gar nicht nutzt? Herkenrath: Das kommt immer darauf an, inwieweit derjenige bereit ist an sich zu arbeiten. Der eine nutzt sein Potenzial mehr, der andere weniger. Entscheidend ist, ob ich den Willen

4 habe, etwas an mir zu ändern. Oder um es anders auszudrücken: Ob ich Talent dazu habe. Für mich bedeutet Talent eine innere Notwendigkeit. Wenn ich eine innere Notwendigkeit verspüre an meinem Auftreten, meinen rhetorischen Fähigkeiten und an meinen Fehlern zu arbeiten, dann nutze ich mein Potenzial besser als jemand dem dies egal ist. Allgemein kann man sagen, dass in jedem Menschen noch ungenutzte Ressourcen stecken. Auf der anderen Seite bin ich aber auch davon überzeugt, dass jeder Mensch diese Ressourcen nutzen kann. Frage: Wieso wirken manche Menschen in der Öffentlichkeit authentisch und glaubhaft und andere nicht? Herkenrath: Authentisch wirken Menschen, die mit sich im Reinen sind. Der Gesprächspartner merkt sofort, wenn man sich verstellt oder eine Maske aufsetzt. Bei jeder Präsentation oder jedem Gespräch gibt man mehr von sich preis, als nur das Gesagte: Man wirkt immer als ganze Person, also auch durch die Körpersprache und das ganze Auftreten. Nur wenn man selbst hinter dem Gesagten steht, wirkt man authentisch. Frage: Wie kann man sein Image positiv verändern, ohne sich dabei zu verbiegen? Herkenrath: Viele Menschen scheinen Angst zu haben, sie müssten sich Verhaltensweisen aufdrücken lassen, die überhaupt nicht ihre Persönlichkeit widerspiegeln oder ihnen zuwider sind. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Wer sich künstlich Verhaltensweisen aneignet, wirkt nicht authentisch. Um sein Image positiv zu verändern, muss man erst einmal wissen, wer man ist und wie man auf andere wirkt. Erst dann kann man an den eigenen Schwächen arbeiten, sie verbessern und sich dabei selbst treu bleiben. Das ist zum Teil ein hartes Stück Arbeit und nicht immer sehr angenehm. Frage: Mit welchen Methoden kann man die Sympathie seines Gegenübers gewinnen, ohne anbiedernd zu wirken? Herkenrath: Indem man direkt und offen kommuniziert. Das bedeutet auch, dass man auch mal Druck ablassen kann oder sagen, was einem nicht passt. Menschen die sich verstellen, um besser zu wirken, erreichen meistens genau das Gegenteil: Ihr Verhalten wirkt aufgesetzt, unehrlich und das Gegenüber spürt, dass sie etwas verbergen. Wir sollten unsere Gesprächspartner nie unterschätzen.

5 Frage: Welche Unterschiede gibt es zwischen einem Auftritt im Fernsehen und einem Vortrag vor Publikum? Herkenrath: Der Auftritt im Fernsehen erfordert eine besondere Kommunikation. Stellen Sie sich einfach vor, sie würden mit einem vierjährigen Kind sprechen: Verwenden Sie kurze Hauptsätze mit nur maximal zehn Worten. Packen Sie das, was Sie sagen möchten, in kurze und knackige Formulierungen der Rest wird sowieso geschnitten. Frage: Unangenehme Fragen während eines Interviews können einen schnell aus dem Konzept bringen, wie reagiert man in dieser Situation am besten? Herkenrath: Indem man ganz offen und ehrlich damit umgeht. Zum Beispiel, dass man direkt zugibt, wenn man von der Frage überrascht ist. Vermeintliche Schwächen kann man so in Stärken umwandeln. Zum anderen kann man auch ganz direkt sagen, wenn man auf eine Frage nicht antworten möchte man ist schließlich nicht dazu verpflichtet. Eine andere Möglichkeit ist auch, den Interviewer zu konfrontieren bzw. die Motivation hinter seiner Frage anzusprechen, so behält man im Interview den Spielball selbst in der Hand. Frage: Kann man sich auf solche unangenehme Überraschungen auch vorbereiten? Herkenrath: Selbstverständlich. Als erstes sollte man sich bereits vor dem Interview überlegen, über welche Dinge man sprechen und welche Botschaft man vermitteln möchte. Man sollte sich nicht zu sehr auf die Fragen verlassen, sondern ganz klar seine Informationen weitergeben. Außerdem sollte man sich schon vorher ca. zehn bis fünfzehn Stardard-Abwehrsätze überlegen, die man in so einem Fall anbringen kann. In dieser Situation aus dem Stehgreif schlagfertig zu sein und eine passende Antwort zu finden, ist für die meisten Menschen sehr schwierig, deshalb ist es empfehlenswert, im Vorfeld gewappnet zu sein. Frage: Wie stark ist die Veränderung bzw. der Erfolg ihrer Teilnehmer beim Seminar: Gibt es so etwas wie das typische Vorher-Nacher-Bild? Herkenrath: Das kommt, wie bereits erwähnt, ganz auf die Person und ihre Bereitschaft an sich zu arbeiten an. Bei manchen ist ein vollkommener Wechsel zu spüren: Sie kommen

6 sozusagen mit Krücken in das Seminar und verlassen es fliegend. Bei diesen Teilnehmern bin ich mir sicher, dass sie die gelernten Tipps und Methoden auch langfristig im Alltag anwenden. Frage: Für Sie gehören öffentliche Auftritte und Präsentationen ja zum Daily Business welche Tipps für ein überzeugendes Auftreten können Sie unseren Lesern mitgeben? Herkenrath: Nur ein Tipp: Werde, was du bist! Frage: Herr Herkenrath, vielen Dank für das Gespräch! Zum Experten: Lutz Herkenrath ist Schauspieler und Managementtrainer. Nach seiner Schauspielausbildung in München spielte er sieben Jahre Theater im festen Engagement, unter anderem in Münster und Bremen. Seit 1992 arbeitet Lutz Herkenrath als freier Schauspieler hauptsächlich fürs Fernsehen; in den Serien Sonntag & Partner und Ritas Welt ist er einem breiterem Publikum bekannt geworden erhielt er den Deutschen Comedy Preis. Auch in einigen Kinofilmen, im Tatort, bei Anwalt Abel, Polizeiruf 110 und vielen anderen TV-Produktionen ist der Schauspieler zu sehen. In der Theaterarbeit konzentriert sich Herkenrath seit vielen Jahren auf Hamburg, seine Wahlheimat. In diesem Jahr erhielt er den Rolf Mares Preis der Hamburger Theater für besondere Leistungen als Darsteller. Neben der Fernseh- und Theaterarbeit spielt er in zahlreichen Hörspielen mit. In den letzten Jahren sind so weit über 200 Hörspiele mit seiner Beteiligung entstanden. Zudem ist Lutz Herkenrath als Experte für die Deutsche Experten-Akademie (DEAK) tätig und leitet unter anderem das Seminar Ihr Auftritt, bitte!, nähere Infos unter: Ausführliche Informationen zum Seminar: Deutsche Experten-Akademie (DEAK) Lothstraße München Tel: 0 89/

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