Der Begriff stammt aus dem Toyota-Produktionsprozess und wird in 7+1 Kategorien der Verschwendung unterteilt.

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1 Konzept Muda (Verschwendung) Eva Hollenstein, Alfred Angerer Einleitung Muda (jap. 無 駄 ) ist das japanische Wort für Verschwendung und wird als jede Aktivität verstanden, die Ressourcen verbraucht, also Kosten verursacht, aber keinen Wert erzeugt (nonvalue-adding-activities). Die Verschwendung ist die offensichtlichste Ursache für die Entstehung von Verlusten und tritt überall im Unternehmen auf. Diese unproduktiven Anteile gilt es zu erfassen und nach Möglichkeit zu eliminieren. Muda wird zusammen mit Mura (Unausgeglichenheit) und Mudi (Überlastung) auch als Hemmnis bezeichnet, da es den Prozess verlangsamen, behindern oder gänzlich blockieren kann (Hauschildt-Gemünden, 1998). Durch die Eliminierung dieser Hemmnisse soll zur kontinuierlichen Verbesserung (Kaizen) der Produkt-, Prozess- und Servicequalität beigetragen werden. Daraus wird ersichtlich, dass Muda nicht als ein isoliertes Konzept betrachtet werden kann. Es handelt sich dabei vielmehr um einen Leitgedanken des Lean-Managements, der als integraler Bestandteil des Arbeitsalltags und der Unternehmenskultur eine zentrale Rolle spielt. Leitfragen für die Praxis Das Konzept befasst sich grundsätzlich mit der Frage, wie der Anteil an wertschöpfenden Aktivitäten erhöht werden kann, um die Effizienz der Organisation zu verbessern. Ebenfalls hilft es aufzudecken, an welchen Stellen Prozessblockaden vorliegen. Mögliche Praxisfragen wären: Wie können Doppelarbeiten vermieden werden? Wie kann sichergestellt werden, dass der Arbeitsalltag der Mitarbeitenden nicht durch Wartezeiten/Suchvorgänge unterbrochen wird? Wofür wäre der Kunde bereit zu zahlen (=Wert) und wofür nicht (=Muda)? Detailbeschreibung des Konzepts Der Begriff stammt aus dem Toyota-Produktionsprozess und wird in 7+1 Kategorien der Verschwendung unterteilt. Überproduktion Fehler und Korrekturen Lagerbestände Wartezeiten Laufwege/Bewegungen Transport Verarbeitung Nicht genutztes Mitarbeiterpotential In Anlehnung an Scholz (2014) zeigt die nachfolgende Tabelle, in welcher Form diese Verschwendungsarten im Spital auftreten können.

2 Die schlimmste Art der Verschwendung ist gemäss Ohno (1993), Entwickler des Toyota- Produktionssystems, die Überproduktion, da sie weitere Verschwendung nach sich zieht. In der aktuellen Literatur werden die 7 traditionellen Faktoren um einen achten Faktor Nicht genutztes Mitarbeiterpotential erweitert, da dieser Bereich zunehmend an Bedeutung gewinnt.

3 Tabelle 1: Die 7+1 Kategorien der Verschwendung (in Anlehnung an Scholz, 2014, S. 19) Muda Definition Praxisbeispiel im Spital Überproduktion (Over-Production) Fehler & Korrekturen (Defects) Mehr produzieren als Kunden sowie Patientinnen und Patienten gerade benötigen Produktion von ungewollten Produkten Fehlende oder unvollständige Information, fehlendes Equipment Fehlerfolgen: Nacharbeit, Ausschuss oder Reparaturen Diagnostik durchführen, die für das Krankheitsbild nicht notwendig ist Überflüssige Dokumentationen Medikationsfehler Falsche Patientin bzw. falscher Patient/ falsche Behandlung Erneute Blutabnahme, fehlgeleitete Befunde Lagerbestände (Inventory) Wartezeit (Waiting) Laufwege/Bewegungen (Motion) Durch hohe Lagerbestände werden Kapitalbindungs- und Lagerbewirtschaftungskosten verursacht Wartezeiten durch Leerlauf (Maschinenstillstand), lange Rüstzeiten Unnötige Hol- und Suchvorgänge Unnötige Laufwege zwischen den einzelnen Arbeitsorten bzw. Prozessschritten Verbrauchsmaterial, Medikamentenbestand, Testkits (Labormaterial wird z.b. im Pflegendenzimmer gelagert) Abgelaufenes Verbrauchsmaterial wurde nicht entsorgt Visitenbeginn verzögert sich weil Ärztin/Arzt fehlt Patientin/ Patient wartet auf Rezept, Entlassung, Termin oder Spitalbett Personal wartet auf Medikamente, Blutabnahme, Transport oder Reinigung Suchen von Verbrauchsmaterial, Medikamenten, Instrumenten, Patientinnen/ Patienten etc. Arbeitsplatzlayout: fünf Meter Weg zwischen Untersuchungsliege und Sonographiegerät Untersuchungsraum muss verlassen werden, um Verbrauchsmaterial zu holen Transport (Transportation) Überarbeitung (Over-Processing) Unnötige und lange Transportwege: Teile, Materialien oder Produkte zwischen den einzelnen Arbeitsorten / Prozessschritten transportieren Mangelhafte Prozessorganisation: unnötige oder falsche Prozessschritte Überdimensionierter Prozesse Transport der Patientinnen und Patienten von Stockwerk zu Stockwerk, um verschiedene Untersuchungen durchzuführen Wiederholtes Einholen von Patienteninformationen Redundante Untersuchungen

4 Nicht genutztes Mitarbeiterpotential Mitarbeiterwissen, das dem Unternehmen nicht zur Verfügung steht, da es nicht bekannt ist oder nicht abgefragt wird Ideen werden keine/zu wenig Beachtung geschenkt

5 Praxisempfehlungen Muda erkennen Developing eyes for waste In fast jeder Organisation gibt es ein zum Teil hohes Mass an nicht offensichtlicher Verschwendung, die im Arbeitsalltag nicht wahrgenommen wird. Am Anfang jeder Lean-Management-Massnahme muss identifiziert werden, wo im Prozess Verschwendung vorliegt. Das erfordert jedoch auch eine gewisse Distanz bzw. die Fähigkeit, den Prozess aus der Vogelperspektive beurteilen zu können. Je länger eine Person Teil dieses Prozesses ist, desto schwieriger kann das Aufdecken von Muda werden. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, diesem Problem zu begegnen: Die Mitarbeitenden können beispielsweise im Rahmen eines Workshops für das Thema sensibilisiert werden. Eine weitere Option ist der sogenannte Waste Walk, der zum Ziel hat, am Arbeitsplatz gezielt und strukturiert nach Verschwendung zu suchen. Stets hilfreich ist die Frage: Wäre meine Patientin/mein Patient bereit, für diese Aktivität Geld zu bezahlen? Wenn die Antwort Nein lautet, ist das ein Zeichen für Verschwendung. Die Absicht, nicht wertschöpfende Aktivitäten zu suchen und zu eliminieren bzw. stark zu reduzieren, erfordert in vielen Fällen einen Paradigmenwechsel. Der Gebrauch des Begriffs Verschwendung kann bei den Mitarbeitenden zu negativen Assoziationen führen. Aus diesem Grund ist unbedingt darauf zu achten, dass beim Aufdecken von Muda keine Beschuldigungen oder sogar Sanktionen zu befürchten sind (Dickmann, 2009). Bitte zitieren Sie diese Quelle wie folgt: Hollenstein, E. & Angerer, A. (2016). Muda (Verschwendung). In: A. Angerer (Hrsg.): LHT-BOK Lean Healthcare Transformation Body of Knowledge, Version 1.0. Winterthur. Abgerufen von Literatur Hauschildt-Gemünden, J. (1998). Promotoren Champions der Innovation. Wiesbaden: Gabler. Ōno, T. (1988). Toyota production system: beyond large-scale production. Cambridge, Mass: Productivity Press. Dickmann, P. (2009). Schlanker Materialfluss mit Lean Production, Kanban und Innovationen. 2. Auflage. Berlin: Springer.

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