Evaluation Forschungskredit der Universität Zürich. Jürg Artho

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1 Evaluation Forschungskredit der Universität Zürich Jürg Artho Zürich, Januar 2014

2 Dr. Jürg Artho Sozialforschungsstelle der Universität Zürich Binzmühlestrasse 14 / Box Zürich Tel.: Fax: Der Autor hat nie ein Gesuch an den Forschungskredit der Universität Zürich gestellt oder im Rahmen eines durch den Forschungskredit der Universität Zürich unterstützten Projekts gearbeitet. 2

3 Inhaltsverzeichnis Glossar und Abkürzungen... 4 Zusammenfassung Einleitung Ausgangslage Fragestellungen Berichtaufbau Wirkungslogik Methoden Dokumente Gesuche Umfrage Ergebnisse Deskription Entwicklung des Forschungskredits Deskriptive Auswertungen auf Gesuchsebene Repräsentativität Beschreibung der Stichprobe Evaluation der Umsetzung Evaluation der Wirkung Forschungsausstieg Grundlagen für die weiteren Auswertungen Fokussierung Karriereförderung Zusammenhangsanalysen Interpretation Anhänge

4 Glossar und Abkürzungen Glossar Gesuchsprojekt: Projekt, für welches eine Person beim Forschungskredit der UZH ein Unterstützungsgesuch gestellt hat. Hauptforschungsprojekt: Die Fragen, welche für eine Vielzahl von Auswertungen verwendet wurden, waren oft auf ein konkretes Forschungsprojekt bezogen. Bei Personen mit bewilligten Gesuchen handelte es sich dabei um das Gesuchsprojekt. Bei Personen mit mehreren Gesuchen wurde als Hauptforschungsprojekt jenes Projekt verwendet, welches zeitlich am nächsten zum Umfragezeitpunkt lag. Bei Personen mit abgelehnten Gesuchen handelte es sich im Fall der Weiterverfolgung des Gesuchsprojekts mit anderer Finanzierung ebenfalls um das Gesuchsprojekt. Wenn stattdessen in einem Alternativprojekt geforscht wurde, bezogen sich die Fragen auf das Alternativprojekt. Das Projekt, auf welches sich die Fragen beziehen, wird das Hauptforschungsprojekt bezeichnet. Projekttyp: Obwohl die Gesuche erst seit 2011 formell nach solchen von Personen, welche noch nicht promoviert haben (candoc-stufe) und solchen die schon promoviert sind (postdoc-stufe) unterschieden wurden, wurden die Gesuche früherer Zeitpunkte diesen beiden Projekttypen zugeordnet. Diese Zuordnung wurde durch die Projekt- und Personenförderung der Universität Zürich vorgenommen. Projekt- und Personenförderung: Abteilung Forschung und Nachwuchsförderung, Projektund Personenförderung der Universität Zürich. Abkürzungen M MeF MNF N RWF PhF ThF UZH Mittelwert Medizinische Fakultät Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät Anzahl Personen Rechtswissenschaftlicher Fakultät Philosophische Fakultät Theologische Fakultät Universität Zürich 4

5 VSF WWF GW SW Vetsuisse Fakultät Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Fachgruppe Geisteswissenschaften innerhalb der PhF Fachgruppe Sozialwissenschaften innerhalb der PhF 5

6 Zusammenfassung Die Universität Zürich (UZH) führt seit dem Jahr 2001 einen Forschungskredit mittels dessen sie ihren akademischen Nachwuchs fördert. Die operative Umsetzung (Ausschreibung, Gesuchsentgegennahme, Unterstützung der Gesuchstellenden während der Gesuchs- und Beitragsphase) obliegt der Abteilung Forschung und Nachwuchsförderung, Projekt- und Personenförderung der Universität Zürich (i.f. Projekt- und Personenförderung ). Ausgangslage Ziele des Forschungskredits Das Ziel des Forschungskredits besteht in der Förderung hervorragender wissenschaftlicher Qualität 1, indem die Beitragsempfangenden dank der Fördergelder weniger durch Tätigkeiten ausserhalb der Forschung beansprucht werden und sich somit verstärkt auf die Arbeiten in ihren spezifischen Projekten konzentrieren können. Diese erhöhte Fokussierung auf die Forschung soll mittelfristig dazu führen, dass die Forschungsprojekte häufiger und schneller abgeschlossen werden können und somit der nächste Qualifikationsschritt schneller und/oder qualitativ besser erreicht werden kann. Durch diese quantitativen und qualitativen Erfolge soll langfristig die Karriere gefördert werden, was sich in mehr Publikationen, höheren akademischen Positionen sowie mehr und erfolgreicheren Akquisitionstätigkeiten für Drittmittel manifestieren sollte. Fragestellungen Diese Studie hatte drei Fragestellungen zu beantworten: 1. Deskriptive Beschreibung der Gesuche resp. Gesuchstellenden 2. Evaluation der Umsetzung: Ist die Umsetzung des Förderinstruments bedürfnisgerecht? 3. Evaluation der Wirkung: Inwiefern trägt der Forschungskredit zur nachhaltigen Förderung des akademischen Nachwuchses an der UZH bei? 1 Quelle: Reglement über die Verwendung des Forschungskredits der Universität Zürich vom 11. Juni

7 Methoden Die Evaluation des Forschungskredits basiert auf der Auswertung von drei Datenquellen. Zur Beschreibung der Entwicklung des Forschungskredits wurden Dokumente, welche von der Projekt- und Personenförderung zur Verfügung gestellt wurden, analysiert. Für die Beschreibung der Entwicklung der Gesuche wurde ein Datensatz, welcher alle Gesuche an den Forschungskredit über die Jahre 2001 bis 2010 beinhaltete, ausgewertet. Die Wirkung schliesslich wurde auf Basis einer Umfrage unter allen Gesuchstellenden der Jahre 2001 bis 2010 und des anschliessenden Vergleichs von Personen mit bewilligten mit Personen mit abgelehnten Gesuchen untersucht. Umfrage Für die Befragung wurden alle Gesuchstellenden mit gültiger -Adresse angeschrieben. Die Fragen konnten online in Deutsch oder Englisch beantwortet werden. Der Rücklauf betrug 62% und kann als sehr gut gewertet werden. Dadurch standen gesamthaft 883 ausgefüllte Fragebogen für die Auswertungen zur Verfügung. Ergebnisse Entwicklung Generell ist die Entwicklung der Rahmenbedingung des Forschungskredits insofern stabil, als über alles gesehen nur wenige Änderungen vorgenommen wurden. Die markantesten Änderungen betreffen das Budget, welches vom Jahr 2005 bis 2007 in zwei Stufen von CHF 4 Mio. um 40% erhöht wurde. Am meisten Änderungen, wenn auch nicht markante sind in den Zulassungsvorschriften zu finden, welche im Durchschnitt alle zwei Jahre angepasst wurden. Die gesamthaft im Verlauf der beobachteten Jahre markant gestiegene Anzahl von Gesuchen und die entsprechend gestiegene Gesamtbeitragssumme zeigen den Erfolg des Forschungskredits auf. Die Entwicklung der Gesuchszahlen, der Bewilligungsquoten, des zur Verfügung stehenden Budgets und der Zulassungsvoraussetzungen deuten allerdings darauf hin, dass der Forschungskredit einer dauernden Wechselwirkung zwischen der Steuerung des Forschungskredits und der Ergebnisse der Steuerung ausgesetzt ist. Die Zahlen implizieren, dass Steuerungsaktivitäten wie beispielsweise eine Änderung der Zulassungsbedingungen oder eine Erhöhung des Budgets zeitverzögert wirken, was eine Steuerung erschwert. 7

8 Umsetzung Die Evaluation der Umsetzung bestätigt grundsätzlich die Einschätzung des Forschungskredits als Erfolg und als attraktives Instrument. Diese Beurteilung geht beispielsweise daraus hervor, dass es deutlich mehr positive als negative Nennungen auf die offene Frage nach dem wichtigsten positiven und negativen Punkt gab. Die positiven Nennungen heben insbesondere die Tatsache hervor, dass ein Instrument zur Verfügung steht, welches auch aus Sicht der Beitragsempfangenden die Konzentration auf die Forschung und unabhängige Forschung ermöglicht. Auch wird immer wieder die Unkompliziertheit der Abwicklung positiv erwähnt. Am meisten Kritik wird bezüglich der Transparenz der Entscheidungen über die Gesuche laut. Die Entscheide würden nicht oder ungenügend begründet. Wirkung Der Fokus dieser Evaluation lag auf der Wirkung des Forschungskredits. Dabei wurde die kurzfristige Wirkung des Forschungskredits auf das Ausmass der Fokussierung, die mittelfristige Wirkung auf Erfolgskriterien während und zum Abschluss des Forschungsprojekts, sowie die langfristige Wirkung auf Kriterien der gesamten akademischen Karriere untersucht. Kurzfristige Wirkung: Es lässt sich eindeutig feststellen, dass Personen mit bewilligten Anträgen weniger grossen Belastungen ausgesetzt sind, als Personen mit abgelehnten Anträgen und sich somit besser auf die Forschung fokussieren können. Dieses Ergebnis ist praktisch flächendeckend in der ganzen Universität und über beide Projekttypen hinweg beobachtbar. Die Ergebnisse deuten klar darauf hin, dass der Forschungskredit seine kurzfristig beabsichtigte Wirkung erreicht. Mittelfristige Wirkung: Die statistisch signifikanten Ergebnisse bezüglich der mittelfristigen Wirkungen sind deutlich seltener als bei der kurzfristigen Wirkung. Die Ergebnisse zeigen auf, dass die bessere Fokussierung auf die Forschung hauptsächlich eine Verbesserung von zeitlichen Kriterien namentlich eine kürzere Projektdauer, auf candoc-stufe aber auch ein häufigeres Erreichen der nächsten Qualifikationsstufe zur Folge hat. Die Wirkung auf Qualitätskriterien (z.b. Bewertung der Promotion, Bewilligungsquoten von Anträgen zur Fortsetzung des Projekts) jedoch scheint durch den Einfluss anderer Faktoren verwässert zu werden. Langfristige Wirkung: Auf Universitätsebene ist zu beobachten, dass unterstützte Personen auf candoc-ebene mehr Publikationen als Erstautoren erreichten und eine höhere Erfolgsquote bei Drittmittelanträgen als Hauptantragsteller verzeichnen können als Personen ohne Forschungskredit-Unterstützung. Letzteres ist auch über beide Projekttypen hinweg festzustellen. Obwohl für diese Erfolge auch andere Faktoren eine Rolle spielen und obwohl keine statis- 8

9 tisch signifikanten Unterschiede bezüglich der heutigen akademischen Position vorliegen, kann dies so interpretiert werden, dass der Forschungskredit auch langfristig eine gewisse Wirkung entfaltet. Allerdings kommt diese Wirkung nicht über den Pfad der besseren Fokussierung zu Stande wie die Ergebnisse der Zusammenhangsanalysen zwischen dem Ausmass der Fokussierung und den Karrieremerkmalen nahe legen. Die Ergebnisse der Zusammenhangsanalyse lassen als mögliche Interpretation zu, dass es Personen gibt, welche dem Druck zu Publikationen und Drittmittel eher mit Quantität, d.h. möglichst vielen Publikationen und Anträgen, begegnen. Diese Personen sind gemäss dieser Interpretation durch die dadurch anfallende Arbeit so ausgelastet, dass die forschungsfremden Tätigkeiten als grosse Belastung empfunden werden. Demgegenüber scheint es Personen zu geben, welche dem entsprechenden Druck eher mit Qualität begegnen. Diese empfinden die Beanspruchung durch forschungsfremde Tätigkeiten weniger gross und haben eine höhere Erfolgsquote bei Drittmittelanträgen. Unter Annahme der Richtigkeit dieser Interpretation dürften Personen, welche vom Forschungskredit unterstützt wurden, tendenziell zur Gruppe der Personen gehören, welche auf den Publikations- und Drittmitteldruck mit Qualität reagieren. Auf diese Interpretation weist die höhere Erfolgsquote bei Drittmittelanträgen als Hauptantragsteller von Forschungskredit-Beitragsempfangenden hin. Dies ist eine mögliche Interpretation der Auswertungsergebnisse, welche aus Sicht des Autors zwar plausibel erscheint, jedoch noch mittels weiterer Untersuchungen bestätigt werden müsste. Schliesslich weisen die Ergebnisse darauf hin, dass Personen mit bewilligten Gesuchen bezüglich des Tätigkeitsorts geographisch mobiler sind als Personen mit abgelehnten Gesuchen. Fazit Alles in allem ist der Forschungskredit ein erfolgreiches Instrument, welches von den Gesuchstellenden geschätzt wird. Verbessert werden könnte bei der Umsetzung insbesondere die Transparenz der Entscheidungen. Der Forschungskredit erreicht die beabsichtigte Wirkung der besseren Fokussierung auf die Forschung vollumfänglich. Diese bessere Fokussierung führt zu schnelleren Projektabschlüssen und auf candoc-stufe häufigerem Erreichen des nächsten Qualifikationsziels. Hinsichtlich der ganzen Karriere deuten die Ergebnisse darauf hin, dass vom Forschungskredit unterstützte Personen effizienter Drittmittel akquirieren können. Andere Wirkungen des Forschungskredits auf den Erfolg der ganzen Karriere lassen sich statistisch nicht nachweisen, was angesichts der Laufzeit einer Karriere und der vielen anderen relevanten Faktoren auch nicht zu erwarten war. 9

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11 1. Einleitung 1.1. Ausgangslage Die Universität Zürich (UZH) führt einen Forschungskredit mittels dessen sie ihren akademischen Nachwuchs fördert. Unterstützt werden viel versprechende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an der Universität Zürich ein Dissertations-, Postdoc- oder Habilitationsprojekt durchführen möchten. Der Forschungskredit besteht seit dem Jahr Seither sind verschiedene organisatorische und formale Änderungen vorgenommen worden. Beispielsweise sind im Jahr 2011 die beiden Förderstufen candoc (Förderung von Doktoranden) und postdoc (Förderung promovierter Personen) mit getrennten Budgets im Verteilschlüssel eingeführt worden. Im Jahr 2013 stehen rund 8.3 Mio. CHF zur Verfügung, wobei in der Regel pro gefördertem Projekt CHF 50'000 bis CHF 100'000 Fördergelder bewilligt werden 2. Die Verteilung der zur Verfügung stehenden Gelder wird nach einem bestimmten Schlüssel auf die Fakultäten verteilt, welcher die Anzahl Gesuche aus der jeweiligen Fakultät und die Höhe der beantragten Gesamtsumme aus den Gesuchen der jeweiligen Fakultät berücksichtigt. Die operative Umsetzung (Ausschreibung, Gesuchsentgegennahme, Unterstützung der Gesuchstellenden während der Gesuchs- und Beitragsphase) obliegt der Abteilung Forschung und Nachwuchsförderung, Projekt- und Personenförderung der Universität Zürich (i.f. Projekt- und Personenförderung ). Das Ziel des Forschungskredits besteht in der Förderung hervorragender wissenschaftlicher Qualität 3, indem die Beitragsempfangenden dank der Fördergelder weniger durch Tätigkeiten ausserhalb der Forschung beansprucht werden und sich somit verstärkt auf die Arbeiten in ihren spezifischen Projekten konzentrieren können. Fördergelder werden vergeben, um Forschungsprojekte zu starten, durchzuführen oder zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Seit dem Jahr 2011 ebenfalls möglich ist die Förderung von protected time. Dabei werden Gelder für Personen freigegeben, welche als Stellvertretende Arbeiten z.b. in der Lehre oder Administration der gesuchstellenden Person übernehmen und der gesuchstellenden Person dadurch ermöglichen, sich verstärkt auf die Forschung zu konzentrieren. Die Zusprachen von Beiträgen aus dem Forschungskredit erfolgen einerseits unter strategischen Gesichtspunkten und anderseits nach dem Konkurrenzprinzip. Unter strategischen Gesichtspunkten unterstützt die Universitätsleitung interuniversitäre Kooperationsprojekte im 2 Quelle: 3 Quelle: Reglement über die Verwendung des Forschungskredits der Universität Zürich vom 11. Juni

12 Bereich der Forschung, universitäre Forschungsschwerpunkte sowie fakultätsspezifische Projekte der Forschungs- und Nachwuchsförderung Fragestellungen Die Formulierungen der Fragestellungen wurden zusammen mit der Auftraggeberin vorgenommen. Die Förderung von Forschungsprojekten unter strategischen Gesichtspunkten ist demgemäss nicht Gegenstand der Evaluation. Weil die Vergabe von protected time erst seit 2011 eingeführt wurde, ist diese Art der Förderungen ebenfalls nicht Gegenstand der Evaluation. Schliesslich sind die Auswahl der geförderten Personen und der Entscheidungsprozess, welcher zu dieser Auswahl führt, nicht Gegenstand der Evaluation. In der Folge bearbeitet die Evaluation folgende zentrale Aufgabestellungen resp. Fragestellungen: 1. Deskriptive Beschreibung der Gesuche resp. Gesuchstellenden 2. Evaluation der Umsetzung: Ist die Umsetzung des Förderinstruments bedürfnisgerecht? 3. Ergebnisevaluation: Inwiefern trägt der Forschungskredit zur nachhaltigen Förderung des akademischen Nachwuchses an der UZH bei? 1.3. Berichtaufbau Im anschliessenden zweiten Kapitel wird die theoretische Wirkungslogik des Forschungskredits dargestellt, welche die Grundlage für die Evaluation der Wirkung ist. In Kapitel 3 werden die verwendeten Methoden dargestellt. Im vierten Kapitel folgen die Ergebnisse. Die Ergebnisse sind ohne Wertungen dargestellt. Die Interpretation der Ergebnisse finden sich im abschliessenden Kapitel 5. Interpretation. Die Trennung von Ergebnissen und Interpretation ermöglicht erstens, dass bei der Interpretation alle Ergebnisse gleichzeitig berücksichtigt werden können. Zweitens können Ergebnisse grundsätzlich unterschiedlich interpretiert werden. Durch die Trennung von Ergebnissen und Interpretation wird klar gekennzeichnet, was die Interpretation der Autoren ist und was auf Daten basierende Ergebnisse sind. 4 Quelle: Reglement über die Verwendung des Forschungskredits der Universität Zürich vom 11. Juni

13 2. Wirkungslogik Die Kernidee des Forschungskredits besteht darin, durch die finanzielle Unterstützung die Beanspruchung durch forschungsfremde private und berufliche Belastungen zu minimieren und damit die Fokussierung der Beitragsempfangenden auf die wissenschaftliche Forschung zu fördern und dadurch mittel- und langfristig deren akademische Karriere zu fördern. Die im Folgenden beschriebenen Wirkungspfade sind in Abb. 1 grafisch dargestellt. Um die mögliche finanzielle Unterstützung publik zu machen und die Gesuchstellenden resp. Beitragsempfangenden während der Gesuchs- und Beitragsphase möglichst gut zu unterstützen, unternimmt die Projekt- und Personenförderung Umsetzungsarbeiten. Damit soll eine einfache und effiziente, aber auch qualitativ gute Gesuchstellung möglich sein. Der Entscheid über die Bewilligung oder Ablehnung der Gesuche führt zu einer Zweiteilung der Personen. Personen mit positivem Entscheid (i.f. Personen mit FK-Förderung) können sich stärker auf die wissenschaftliche Forschung fokussieren, während Personen mit ablehnendem Entscheid (i.f. Personen ohne FK-Förderung) einer höheren Belastung durch forschungsfremde Tätigkeiten ausgesetzt sind, und sich somit weniger gut auf die wissenschaftliche Forschung fokussieren können. Dies führt gemäss der Grundidee dazu, dass geförderte Personen eher und/oder schneller die akademische Karriereleiter emporsteigen und/oder qualitativ bessere Forschung betreiben können. Sowohl bei der Gesuchsstellung, als auch hinsichtlich des Ausmasses der Fokussierung und dem Karriereerfolg üben neben der Unterstützung durch den Forschungskredit auch andere Faktoren einen Einfluss aus. Dies gilt insbesondere für das Ausmass der Fokussierung und des Karriereerfolgs, welche beide eine Konzentration der Kräfte über eine längere Zeit bedingen als bei der Phase der Gesuchsstellung. Die nachfolgende Abbildung 1 zeigt die soeben geschilderten Zusammenhänge auf. Das Wirkungsmodell ist Ausgangspunkt für die Beantwortung der Evaluationsfragestellungen zwei und drei. 13

14 UmsetzungsA) Arbeiten) Absicht,) auf)karriere)zu)) fokussieren) GesuchsA) stellung) Entscheid) Fokussierung) Karriere) Andere)Faktoren) z.b.)unterstützung)durch)prof,)) persönliche)voraussetzung,)) KnowAHow.) Andere)Faktoren) z.b.)unterstützung)durch)prof,)) persönliche)voraussetzung,)) KnowAHow,)Persönlichkeit,) )Charakter.) Abb. 1: Wirkungsmodell als Grundlage für die Evaluation des Forschungskredits. 14

15 3. Methoden Die Evaluation des Forschungskredits basiert auf der Auswertung von drei Datenquellen. Die erste Datenquelle sind Dokumente, welche von der Projekt- und Personenförderung zur Verfügung gestellt wurden. Die zweite Datenquelle besteht aus allen Gesuchen an den Forschungskredit, über welche während der Jahre 2001 bis 2010 entschieden wurden. Die dritte Datenquelle ist eine Umfrage unter allen Gesuchstellenden, deren Gesuch während der Jahre 2001 bis 2010 behandelt wurde. Im Folgenden werden die verwendeten Methoden strukturiert nach diesen drei Datenquellen beschrieben Dokumente Von der Personen- und Projektförderung wurde eine Vielzahl an Dokumenten namentlich jährliche Dokumente zum Verteilschlüssel, Protokolle von Sitzungen der Forschungskommission und Nachwuchsförderungskommission, Ausschreibungen und Wegleitungen über alle beobachteten Jahre und die relevanten Reglemente zur Verfügung gestellt. Zusätzlich zu diesen Dokumenten wurden die Informationen der Webpage des Forschungskredits analysiert. Die Analyse mündete in der Zusammenstellung der Entwicklung des Forschungskredits (Kap ) und wird zusätzlich für die Interpretation der Ergebnisse verwendet Gesuche Daten Für die Auswertungen der Gesuche wurde von der Projekt- und Personenförderung ein Excel-File mit Angaben zu allen Erst- und Verlängerungsgesuchen zur Verfügung gestellt. Unabhängig davon, von wem das Gesuch gestellt wurde, wird darin jedes Gesuch als ein Fall behandelt. Gesamthaft wurden 2078 Gesuche gestellt. Bei einem Gesuch fehlte die Zuordnung zur Fakultät. Obwohl die Gesuche erst seit 2011 formell nach candoc und postdoc unterschieden wurden, wurden die Gesuche früherer Zeitpunkte diesen beiden Projekttypen zugeordnet. Diese Zuordnung wurde durch die Projekt- und Personenförderung vorgenommen. 15

16 Auswertung Für die statistische Auswertung des Files wurden deskriptive statistische Methoden verwendet. Die Auswertungen wurden differenziert nach Fakultäten und Projekttyp Umfrage Inhalt des Fragebogens Der Fragebogen, welcher von der Auftraggeberin mitgestaltet und freigegeben wurde, umfasste folgende Abschnitte: Fragen zur heutigen Arbeitssituation Fragen zu den Qualifikationsarbeiten Fragen zur Phase der Bearbeitung und des Abschlusses des Hauptforschungsprojekts Fragen zum Verlauf der gesamten bisherigen Karriere Fragen zur Beurteilung des Forschungskredits. Die Fragen zum Hauptforschungsprojekt waren auf ein konkretes Forschungsprojekt bezogen. Bei Personen mit bewilligten Gesuchen handelte es sich dabei um das Gesuchsprojekt. Bei Personen mit abgelehnten Gesuchen handelte es sich im Fall der Weiterverfolgung des Gesuchsprojekts mit anderer Finanzierung ebenfalls um das Gesuchsprojekt. Wenn stattdessen in einem Alternativprojekt geforscht wurde, bezogen sich die Fragen auf das Alternativprojekt. Das Projekt, auf welches sich die Fragen bezogen, wird als Hauptforschungsprojekt bezeichnet. Bei Personen mit mehreren Gesuchen wurde als Hauptforschungsprojekt jenes Projekt verwendet, welches zeitlich am nächsten zum Umfragezeitpunkt lag. Viele Fragen des Fragebogens konnten nur an bestimmte Personen gestellt werden. Beispielsweise konnte eine Frage, wie viele Drittmittelanträge seit dem Gesuchsentscheid gutgeheissen wurden, nur an Personen gestellt werden, welche auch Drittmittelanträge geschrieben haben. Diese Filterungen manifestieren sich bei den Auswertungen in je nach ausgewerteter Frage unterschiedlichen Anzahlen Personen. Die Beantwortung des Fragebogens dauerte im Schnitt rund 15 Minuten. Stichprobenziehung Bei der Umfrage handelt es sich um eine Gesamterhebung. Das heisst, dass alle Personen der Grundgesamtheit angeschrieben wurden. Dafür stand ein File der Personen- und Projektförderung zur Verfügung, welches alle Personen, von welchen im Zeitraum von 2001 bis

17 ein oder mehrere Gesuche beurteilt wurden (Grundgesamtheit), beinhaltete. Für jede Person standen personenbezogene Angaben (z.b. Geschlecht) zur Verfügung sowie für jedes Ihrer Gesuche gesuchsbezogene Angaben. Die gesuchsbezogenen Angaben des zuletzt beurteilten Gesuchs wurden im File belassen (Hauptforschungsprojekt). Die Angaben zu den restlichen Gesuchen wurden aus dem File gelöscht. Durchführung Die Umfrage wurde online durchgeführt. Personen mit zwei verfügbaren -Adressen wurden sofern die erste -Adresse nicht mehr gültig war ein zweites Mal angeschrieben. Absender des Anschreibens war die Abteilung Forschung und Nachwuchsförderung der Universität Zürich und somit die Adressinhaber. Die Gesuchstellenden wurden somit von derjenigen Instanz um eine Teilnahme an der Umfrage gebeten, bei der sie das Gesuch eingereicht hatten. Nach Ablauf einer 10-tägigen Frist wurde an jene Personen, welche den Fragebogen noch nicht ausgefüllt hatten, eine Erinnerung mit gleichem Absender geschickt. Rücklauf Von den 1702 Personen, über deren Gesuche vom Jahr 2001 bis 2010 entschieden wurde, konnten 1419 mit den verfügbaren -Adressen erreicht werden (Tab. 1). 883 (62.2%) dieser Personen haben den Fragebogen ausgefüllt. Dies ist eine ausserordentlich hohe Rücklaufquote und konnte dank der Involviertheit der Personen in das Thema und dank dem, dass der Forschungskredit direkt als Absender auftrat, erreicht werden. Tab. 1: Rücklaufquote. Anzahl Personen Prozent der Grundgesamtheit Grundgesamtheit % Rücklaufquote Erreichte Personen % 100% Beendete Fragebogen % 62.2% Auswertung Für die Auswertungen zur Prüfung der Repräsentativität (Kap ) und der Stichprobenbeschreibung (Kap ) wurden Häufigkeitsauszählungen vorgenommen. Zur Prüfung der Repräsentativität wurden den Auswertungen zur Stichprobe die entsprechenden Auswertungen zur Grundgesamtheit gegenüber gestellt und mittels statistischer Tests auf Unterschiede 17

18 geprüft. Als Kriterium für einen Unterschied wurde aufgrund der grossen Gruppen ein Wert von p < 0.01 verwendet. Um Hinweise zur Wirkung des Forschungskredits zu erhalten, wurde innerhalb der Stichprobenbeschreibung die Stichprobe differenziert nach Personen mit bewilligten und Personen mit abgelehnten Gesuchen ausgewertet. Für die Untersuchung der Wirkung des Forschungskredits wurde nach Fakultäten, Projekttyp und Gesuchsentscheid differenziert. Die Vergleiche zwischen Personen mit bewilligten Gesuchen und Personen mit abgelehnten Gesuchen wurden jeweils auf statistische Signifikanz getestet. Als statistisches Kriterium wurde ein Wert von p < 0.05 verwendet. Schliesslich wurden zur Prüfung des zentralen Wirkungspfads von der Fokussierung auf die Karriere Zusammenhangstests zwischen der Fokussierung und den einzelnen Merkmalen der Karriere durchgeführt. Als statistisches Kriterium wurde ein Wert von p < 0.05 verwendet. 18

19 4. Ergebnisse Die Ergebnisse sind gemäss den Fragestellungen in die drei Teile Deskription, Umsetzung und Wirkung gegliedert Deskription Die beschreibende Auswertung ist in vier Unterkapitel gegliedert. Als erstes wird die Entwicklung des Forschungskredits über die Zeit vom Jahr 2001 bis ins Jahr 2010 beschrieben. Im zweiten Unterkapitel folgt die Beschreibung der Gesuche, wobei ein Gesuch unabhängig von der gesuchstellenden Personen die Untersuchungseinheit bildet. Im anschliessenden Unterkapitel folgt die Beschreibung der gesuchstellenden Personen getrennt nach der Population und der aus der Umfrage erhaltenen Stichprobe anhand jener Merkmale, welche für die Population verfügbar waren. Der Vergleich zwischen der Population und der Stichprobe dient als Kontrolle der Repräsentativität der Stichprobe. Das Unterkapitel ist deshalb mit dem Titel Repräsentativität überschrieben. Im letzten Unterkapitel schliesslich folgt die Beschreibung der Personen in der Stichprobe anhand der Merkmale, welche aus der Umfrage hervor gingen und deshalb nur für die Stichprobe verfügbar sind Entwicklung des Forschungskredits Die Entwicklung des Forschungskredits ist in Tabelle 2 tabellarisch zusammengestellt. Diese Zusammenstellung zeigt, dass der Forschungskredit über die 10 beobachteten Jahre im Grossen und Ganzen stabil war. Die markantesten Änderungen sind in der zur Verfügung stehenden Gesamtbudgetsumme zu beobachten, welche von 4 Mio. im Jahr 2001 bis auf 6 Mio. im Jahr 2010 um 50% angehoben werden konnte. Die meisten Änderungen sind bei den Zulassungsvoraussetzungen festzustellen. Die Bedingungen für die Zulassung für Forschungskreditgesuche wurden nach und nach leicht gelockert. Einerseits wurden im Jahr 2002 neu Studierende zugelassen, andererseits war eine Anstellung an der UZH ab dem Jahr 2007 nicht mehr zwingende Voraussetzung für ein Gesuch. Zusätzlich wurden im Laufe der Zeit die Kriterien stärker auf Nachwuchswissenschaftler ausgerichtet formuliert. Zur Einteilung der Jahre in Zeitperioden zur Auswertung der Forschungsfrage 2 (Umsetzung) wurde zwischen den Jahren 2002 und 2003 ein erster Schnitt gemacht. Hauptsächlich deshalb, weil ab diesem Jahr der Verteilschlüssel und die Vorgaben für die Arbeitslastverteilung 19

20 zwischen Projektarbeit und Institutsarbeit bis zum Ende der beobachteten Zeitspanne konstant war, und weil im Jahr 2003 erstmals auch Studierende zugelassen wurden. Die Zulassungskriterien blieben anschliessend bis und mit dem Jahr 2006 konstant. Der zweite Schnitt wurde beim Übergang von 2006 zu 2007 vorgenommen. Auf das Jahr 2007 hin wurden wiederum Änderungen bei den Zulassungsbestimmungen wirksam. Zusätzlich sind bei diesem Zeitpunkt der Sprung im zur Verfügung stehenden Budget von 4.9 Mio. auf 5.6 Mio. sowie leichte Änderungen bei der Formulierung in der Wegleitung beobachten. Der letzte Schnitt wurde vom Jahr 2008 auf das Jahr 2009 vorgenommen, weil dann die Zulassungsbedingungen neu formuliert wurden (wenn auch nicht markant geändert), erstmals eine Online-Ausschreibung durchgeführt wurde und Referenten für alle Projektarten (nicht nur candoc) nötig wurden. 20

21 Tab. 2: Entwicklung der Rahmenbedingungen des Forschungskredits. Neuerungen sind kursiv dargestellt. Inhalt Projektarten Voraussetzungen Schlüssel Zeitpunkt Beitrags sum me ausgeschriebene Projektsumme (kchf) in WL genannte 'normale Beitragshöhe' max. Beitragsdauer (Mt.) Vorgabe Arbeitslast für Projekt Verlängerungsmöglichkeiten Hauptbudgetkategorien Sachmittelbudgetkategorien Gesuchsform Referenzen 2001 Lancierung. Offen für Doktoranden und PostDocs. Aber keine Differenzierung von Gesuchstypen und Budgets im Verteilschlüssel Informell: eigene Projekte und Pilotprojekte als Vorstufe für SNF-Projekte Angehörige UZH mit akademischem Abschluss Festlegung Verteilschlüssel: Gewichtung nach beantragten Summen pro Fakultät 30 bis max 200 keine max 24 candoc: 1 Jahr keine Anga gaben Personal- und Sachmitt el Verweis vorhanden, aber nicht im Dokument keine ReferentIn für candoc obligatorisch 2002 Differenzierung von Diss- und PostDoc- Gesuchen, aber noch keine separaten Budget im Verteilschlüssel. Informell: eigene Projekte und Pilotprojekte als Vorstufe für SNF-Projekte; candoc- und postdoc erwähnt Angehörige UZH mit akademischem Abschluss Festlegung Verteilschlüssel: Gewichtung nach Summe, Gesuchen und Dissprojekten 4.0 Mio 30 bis max 200 keine max 24 candoc: 1 Jahr gleich wie 01 Verweis vorhanden, aber nicht im Dokument candoc: mind. 80% eines 100%- Pensums; max 20% für Institutsaufgaben gleich wie Informell: eigene Projekte und Pilotprojekte als Vorstufe für SNF-Projek; candoc- und postdoc erwähnt. Erstmals Habilitierende erwähnt Angehörige des Lehrkörpers und des Mittelbaus sowie von Studierenden mit einem akademischen Abschluss. Doktorierende an UZH immatrikuliert; Habilitierende an UZH immatrikuliert oder angestellt. Fokus auf Nachwuchs analog Mio bis max 200 keine max 24 candoc: 1 Jahr gleich wie 01 Material von bleibendem Wert; Verbrauchsmaterial; Feldspesen/ Reisen gleich wie 02 gleich wie gleich wie 03 gleich wie 03 analog Mio bis max 200 keine max 24 candoc: 1 Jahr gleich wie 01 gleiche Kat. plus Verschiedenes gleich wie 02 gleich wie gleich wie 03 gleich wie 03 analog Mio bis max 200 in der Regel max. 100 max 24 candoc: 1 Jahr gleich wie 01 gleich wie 04 gleich wie 02 gleich wie gleich wie 03 gleich wie 03 analog Mio bis max 200 in der Regel max. 100 max 24 candoc: 1 Jahr gleich wie 01 gleich wie 04 gleich wie 02 gleich wie 01 21

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