Finanzierungssituation und -bedarf der österreichischen Kultur- und Kreativwirtschaft

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1 Finanzierungssituation und -bedarf der österreichischen Kultur- und Kreativwirtschaft Mag. Aliette Dörflinger 06.März 2015 Agenda 2/25 1. Informationen zur Studie 2. Finanzierungssituation der Kultur- und Kreativwirtschaft - Status quo 3. Zugang zu externer Finanzierung 4. Zusammenfassung & Fazit

2 1. Informationen zur Studie Methodische Vorgehensweise (I) 4/25 Methodenmix: - Quantitative Online-Befragung unter österreichischen Unternehmen und Organisation der Kulturund Kreativwirtschaft im Frühjahr Qualitative ExpertInnen-Interviews unter VertreterInnen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft und Finanzinstituten - Rating-Konferenz mit VertreterInnen der Kultur- und Kreativwirtschaft Fokus Kulturwirtschaft

3 Methodische Vorgehensweise (II) 5/25 Finanzierungssituation von Unternehmen und Organisationen aus der Kultur- & Kreativwirtschaft Allgemeine Finanzierungsstruktur Art / Ausmaß des Finanzierungsbedarfs Finanzierungsbedarf wofür? Gründe Welche Finanzierungsinstrumente? Fokus: Zugang zu Bankfinanzierung Barrieren beim Zugang zu externer Finanzierung Untersuchungsgegenstand Definitorische Abgrenzung 6/25 Quelle: KMU Forschung Austria, eigene Darstellung

4 Untersuchungsgegenstand Merkmale 7/25 1 von 10 Unternehmen & rd. 4% der Beschäftigten zählen zur Kultur- und Kreativwirtschaft Kleinstrukturiert (über 60% EPU) Überdurchschnittliche Wachstumsraten & überdurchschnittliche betriebswirtschaftliche Ergebnisse Vorrangig immaterielle Vermögenswerte Aufgrund der projektbasierten Arbeitsweise: zum Teil starke Volatilität der Umsatzentwicklung Untersuchungsgegenstand Merkmale 8/25 Vorreiter im Bereich neuer Arbeits- und Clustermodelle / Vernetzung, innovativ Heterogenität des Bereichs Vielzahl an Geschäftsmodellen, unterschiedliche Produktionsbedingungen Unterschiedliche Branchen Art der Organisationen: nicht-gewinn-orientierte Organisationen bis hin zu stark wachstumsorientierte Unternehmen Auftrags- und/oder Produzentenlogik Interdisziplinarität

5 Untersuchungsgegenstand Sample: Art der Organisation 9/25 v.a. künstlerisches Schaffen Architektur Selbstständig 20% Sonstiges 1% v.a. im Bereich Museen, Bibliotheken, kulturelles Erbe Nicht-Gew innorientiertes Unternehmen 22% Gew innorientiertes Unternehmen 57% v.a. in den Branchen: Architektur Design Werbung Video & Film Überdurchschnittlich bei Musik, Buch und künstlerische Tätigkeit = Vereine Quelle: KMU Forschung Austria, Finanzierungssituation der Kultur- und Kreativwirtschaft Status quo

6 Allgemeine Finanzierungsstruktur 11/25 1. Eigenkapital 2. Kredite (Banken) 3. andere Kredite (Darlehen) 4. Öffentliche Förderungen 5. Private Zuwendungen 6. Equity Capital 7. Crowdfunding Art & Ausmaß des Finanzierungsbedarfs (I) 12/25 Zwei Drittel mit (vergangenen und/oder zukünftigen) Finanzierungsbedarf Kontinuierlicher Bedarf an kleinen Beträgen, vorrangig für kurzfristigen Finanzierungsbedarf (< 1 Jahr) rd. drei Viertel der Befragten haben einen Finanzierungsbedarf in Höhe bis zu ,-; zu rd. ein Drittel Bedarf von Beträgen unter ,-

7 Art & Ausmaß des Finanzierungsbedarfs (II) 13/25 Finanzierungsbedarf in den kommenden drei Jahren, nach Branchen Video und Film 68% 32% Werbung 37% 63% Design 71% 29% Architektur 49% 51% Museen, Bibliotheken, kulturelles Erbe 41% 59% Musik, Buch, künstl. Tätigkeiten 60% 40% % 0% 20% 40% 60% 80% 100% zukünftiger Finanzierungsbedarf keinen zukünftigen Finanzierungsbedarf Quelle: KMU Forschung Austria, Online-Befragung Frühjahr 2014, n=245 Art & Ausmaß des Finanzierungsbedarfs (III) 14/25 Finanzierungsbedarf nach Fristigkeit und Höhe des Finanzierungsbedarfs FINANZIERUNG kurzfristig mittelfristig langfristig zukünftige vergangene zukünftige vergangene zukünftige vergangene % 20% 40% 60% 80% 100% über Anmerkung: kurzfristiger Finanzierungsbedarf: weniger als 12 Monate; mittelfristiger Finanzierungsbedarf: 1 bis 3 Jahre; langfristiger Finanzierungsbedarf: 3 Jahre und mehr Quelle: KMU Forschung Austria, Online-Befragung Frühjahr 2014, n=47 bis n=68

8 Finanzierungsbedarf wofür? 15/25 Vergleich zwischen den Gründen für Finanzierungsbedarf, in den letzten 3 Jahren und in den kommenden 3 Jahren Überbrückung, Zwischenfinanzierung Kauf von Austattung für künstl./kreative Tätigkeit Personalaufwand / Management Immobilien und/oder Sachanlagen spezifisches künstl./kreatives Projekt Vertriebs- & Marketingaktivitäten Exporttätigkeiten Kauf von geistigen Eigentumsrechten Forschungs- & Entwicklungsaktivitäten 7 % zukünftiger Finanzierungsbedarf vergangener Finanzierungsbedarf Quelle: KMU Forschung Austria, Online-Befragung Frühjahr 2014, n=130 bis n=148; Mehrfachnennungen möglich Womit wird der Finanzierungsbedarf gedeckt? (I) 16/25 Kontokorrent-/ Betriebsmittelkredit bzw. Überziehungsrahmen Laufende Gewinn (Cashflow) Zuwendungen von Privatpersonen (Familie, Bekannte) 0% 0% 27% 27% 26% 55% Finanzierungsinstrumente für vergangenen und geplanten Finanzierungsbedarf zusätzlich eingebrachtes Eigenkapital 25% 23% Langfristiger Bankkredit (ab 5 Jahre) Mittelfristiger Bankkredit (2-4 Jahre) Staatliche Finanzierungsförderungen / Haftungsübernahmen Gar nicht Leasing Zuwendungen von privaten Organisationen (Stiftungen, etc.; Finanzierung durch 13% 18% 14% 16% 15% 10% 14% 8% 6% 8% 11% 6% 3% Lieferantenkredit 4% weiß nicht 13% 1% 9% Crowdfunding 1% 0% 20% 40% 60% Quelle: KMU Forschung Austria, Online-Befragung Frühjahr 2014, n=130 bis n=148, Mehrfachnennungen der drei wichtigsten Finanzierungsarten geplante Finanzierungsart in Anpruch genommene Finanzierungsart

9 Womit wird der Finanzierungsbedarf gedeckt? (II) 17/25 Kontokorrent-/ Betriebsmittelkredit bzw. Überziehungsrahmen Laufende Gewinne (Cash Flow) Zuwendungen von Privatpersonen (Familie, Bekannte) Zusätzlich eingebrachtes Eigenkapital (stille Gesellschafter, Kapitalerhöhung etc.) Finanzierungsinstrumente für Finanzierungsbedarf in den letzten drei Jahren nach Organisationsform Langfristiger Bankkredit (ab 5 Jahre) Mittelfristiger Bankkredit (2-4 Jahre) Leasing Gar nicht Staatliche Finanzierungsförderungen / Bankkredite mit staatlicher Haftungsübernahme Zuwendungen von privaten Organisationen (Stiftungen, Sponsoring, Spenden) Lieferantenkredit Crowdfunding Plattform 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% Selbstständig Nicht-Gewinn-orientiertes Unternehmen Gewinn-orientiertes Unternehmen Quelle: KMU Forschung Austria, Online- Befragung Frühjahr 2014, n=130 bis n=148; Mehrfachnennungen der drei wichtigsten Finanzierungsarten 3. Zugang zur externen Finanzierung

10 Kreditfinanzierung in der Kultur- und Kreativwirtschaft 19/25 Rd. 30% der Befragten haben einen Kreditantrag gestellt V.a. Gewinn-orientierte Unternehmen Hohe Bewilligungsrate: 70%; allerdings meist nicht zu gewünschten Konditionen Problematik der Sicherheiten Lebensversicherung, privates Bankguthaben sowie private Bürgschaften und private Immobilien/Hypotheken Keine Verhandlungen auf Augenhöhe Hemmnisse beim Zugang zu Finanzierung (I) 20/25 Sehr starke Informationsasymmetrie zwischen Banken und Zielgruppe Banken agieren traditionell konservativ/risikoavers bzw. auch bei geänderten Rahmenbedingungen (Stichwort: Basel II,III) Fehlende Expertise in Banken bei Bewertung von immateriellem Vermögen / von Projekten der KKW Ratingmodelle bevorzugen Großunternehmen, EPU=Privatkundengeschäft

11 Hemmnisse beim Zugang zu Finanzierung (II) 21/25 KKW als Zielgruppe zu heterogen Barrieren aufgrund sektorspezifischer Merkmale der KKW Mangel an materiellen Vermögenswerten, Abhängigkeit von immateriellen Vermögenswerten, Unsicherheit hinsichtlich der Marktnachfrage, besondere Marktbedingungen (z.b. Größe des Markts, Druck auf bestehende Geschäftsmodelle) starke Heterogenität hinsichtlich des Risikos und der verwertbaren Sicherheiten kleinere Produktportfolios Förderliche Faktoren beim Zugang zu Finanzierung 22/25 Entgegenkommen beider Seiten: Banken: Verständnis für Besonderheiten der KKW, nicht nur auf materielle Sicherheiten fixieren KKW: Minimum an betriebswirtschaftlichem Denken/Handeln, Stärken des eigenen Projekts kennen und aufzeigen Professionalisierung der KKW in betriebswirtschaftl. Hinsicht Spagat zwischen Rolle als UnternehmerIn und als KunstschaffendeR Projektfinanzierung vs. Unternehmensfinanzierung

12 4. Zusammenfassung & Fazit Fazit (I) 24/25 Kontinuierlicher Bedarf an kleinen Beträgen, vorrangig für kurzfristigen Finanzierungsbedarf Hoher Bedarf an Überbrückungs-/Zwischenfinanzierung Wichtigste Finanzierungsarten: Überziehungsrahmen bzw. Kontokorrentkredit laufende Gewinne Zuwendungen von Privatpersonen (Familie und Freunde) zusätzlich eingebrachtes Eigenkapital Große Unterschiede bei den Ergebnissen - je nachdem ob Unternehmen/Selbstständig oder Organisation (nichtgewinnorientiert)

13 Fazit (II) 25/25 Hohe Barrieren beim Finanzierungszugang: Sektorspezifisch: Kleinstrukturiertheit, immaterielles Vermögen, (wahrgenommener) Mangel an betriebswirtschaftlichen Know-how, Planungshorizont Bankenseite: konservativ/risikoavers, fehlendes Knowhow, Ratingmodelle Problem: Konditionen & Sicherheiten Lebensversicherung, Privatvermögen Garantiefonds setzt bei Problembereichen an Konditionen & Sicherheiten Know-how der Banken Hypothesen (I) 26/25 Informelles Kapital sowie kurzfristige Kontokorrentfinanzierung am häufigsten genutzt Bedarf an Finanzierung für projektabhängige Zwischenfinanzierung Unternehmen/Org aus der KKW benötigen kleinere Kredite bzw. kleinere Finanzierungsbeträge Volatile/unstabile Einkommenssituation erschweren die Rückzahlungen; Zugang zu Finanzierung von Umlaufvermögen wichtig KKW bieten oftmals keine klassischen Realsicherheiten

14 Hypothesen (II) 27/25 Wenig Kenntnisse der KKW-UNT/Organisationen über adäquate Bankprodukte Zu wenig Ressource (Zeitressource, Sozialkapital, etc.) sich das Wissen darüber anzueignen bzw. den Schritt zu tun Hemmnisse sich an Banken zu wenden Banken verstehen die Geschäftsmodelle nicht, KKW-UNT/Org passen nicht ins rating schema Alternative Finanzierungsformen sind attraktiv (crowdfunding) Bereiche mit großem Vorfinanzierungs-Bedarf, höhere Finanzierung erforderlich

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