Rede von Staatssekretär Thomas Ilka. Einführungsvortrag Gesunde Arbeit, erfolgreiche Betriebe

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1 Gesperrt bis zum Beginn - Es gilt das gesprochene Wort! Rede von Staatssekretär Thomas Ilka Einführungsvortrag Gesunde Arbeit, erfolgreiche Betriebe anlässlich des vierten gemeinsamen Präventionskongresses von BMG und Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung am 05. Dezember 2011 um 10:30 Uhr in Dresden Redezeit: 20 Minuten - 2 -

2 - 2 - Sehr verehrte Frau Kühn-Mengel (Präsidentin der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung), meine sehr verehrten Damen und Herren, Entschuldigung Minister ich begrüße Sie sehr herzlich zu dieser Veranstaltung auch im Namen von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, der leider kurzfristig absagen musste und mich gebeten hat, an seiner Stelle heute zu Ihnen zu sprechen. Einleitung Diesen Auftrag habe ich sehr gern übernommen, denn das Thema der heutigen Veranstaltung geht alle an, die Tag für Tag am Arbeitsplatz ihre Aufgaben erfüllen, und zu denen gehöre ich auch und so viel anders sieht der Arbeitsalltag eines Staatssekretärs in Bezug auf Prävention und Gesundheitsförderung gar nicht aus. Genau wie viele andere Erwerbstätige in Deutschland muss auch ich Bewegung, Ernährung und Stresslevel am Arbeitsplatz im Auge behalten. Und damit sind vor auch schon mitten im Thema dieses Kongresses "Gesunde Arbeit, erfolgreiche Betriebe". Es ist dies der vierte Kongress, den das Bundesministerium für Gesundheit gemeinsam mit der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung durchführt. Wir stehen hier also in einer guten und kontinuierlichen Zusammenarbeit mit einer bewährten Institution. Diese Kontinuität braucht das Thema: Wir alle sind gemeinsam dafür verantwortlich, dass Prävention in der Mitte unserer Gesellschaft ankommt und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird. Auch der heutige Kongress ist als Baustein für dieses Ziel zu verstehen. Wir müssen die Strukturen, die wir schon haben und die gut funktionieren, weiterentwickeln. Und wir müssen unsere Anstrengungen intensivieren, um alle Bürgerinnen und Bürger damit zu erreichen. Präventionsstrategie Im Koalitionsvertrag haben wir uns verpflichtet, Prävention zielgerichtet zu gestalten. Dieses Versprechen lösen wir jetzt mit einer Präventionsstrategie ein

3 - 3 - Denn, meine Damen und Herren: Prävention kann dabei helfen, künftige Belastungen der Sozialsysteme zu verringern. Mit zielgruppenspezifischer Aufklärung tragen wir dazu bei, Eigenverantwortung und Gesundheitsbewusstsein zu stärken. Wir wollen die Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen und für Prävention zu werben, stärker nutzen. Dabei nehmen Ärztinnen und Ärzte eine Schlüsselstellung ein. Ihnen vertrauen die Menschen bei medizinischen Fragen am meisten und von Ihnen erhoffen sie sich Antworten auf Ihre gesundheitsbezogenen Fragen. Die Präventionsstrategie wird sich daher unter anderem mit den Kompetenzen von Ärztinnen und Ärzten befassen. Damit erreichen wir die Versicherten, die eine Praxis aufsuchen. Betriebliche Gesundheitsförderung aus unternehmerischer Sicht Eine ganz andere Bevölkerungsgruppe erreichen wir mit betrieblicher Gesundheitsförderung, nämlich die Erwerbstätigen in ihren Unternehmen. Eines ist klar: Alle Unternehmen wünschen sich leistungsfähige, engagierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um ihre Unternehmensziele zu erreichen. Nicht immer klar ist hingegen, dass die Voraussetzung hierfür eine gute Gesundheit ist. Ohne Gesundheit ist es für Unternehmen nicht nur erheblich schwerer, erfolgreich zu arbeiten. Es entstehen z.b. krankheitsbedingte Ausfallkosten, die zusätzlich erwirtschaftet werden müssen. Umgekehrt reduziert richtig betriebene betriebliche Gesundheitsförderung z.b. die Anzahl der Krankheitsfehltage, bindet die Beschäftigten an das Unternehmen und führt zu größerer Arbeitszufriedenheit. Studien von Unternehmensberatungen gehen von einem Return on Investment von 5 zu 1 aus. Wer also nicht nur kurzfristig kalkuliert, dem muss klar sein, dass die Gesundheit der Beschäftigten eine wichtige, wenn nicht die wichtigste betriebswirtschaftliche Ressource ist. Viele große Unternehmen haben dies begriffen und betriebliche Gesundheitsförderung erfolgreich in ihren Unternehmen eingeführt. Viele kleine und mittelständische Unternehmen dagegen das wissen wir - sind noch nicht hinreichend über die Chancen und Möglichkeiten betrieblicher Gesundheitsförderung informiert. Oft wissen Sie auch nicht, wen sie konkret ansprechen können und welche Strategie für Ihren Betrieb die richtige ist. Hier setzen wir als Gesundheitsministerium an

4 - 4 - Betriebliche Gesundheitsförderung aus politischer Sicht Meine Damen und Herren, jeder Mensch wünscht sich, gesund alt zu werden. Zu den Aufgaben eines Gesundheitsministeriums gehört es, das Gesundheitssystem so zu gestalten, dass es die Menschen in diesem Anliegen unterstützt. Nicht nur, weil Gesundheit für sich genommen zu den wichtigsten Dingen im Leben gehört. Sondern auch, weil gesunde Menschen nun einmal weniger Kosten im Gesundheitssystem verursachen. Durch ein Mehr an Gesundheit lassen sich Gesundheitsausgaben reduzieren, das ist seit langem klar. Die betriebliche Gesundheitsförderung hat hierbei einen ganz besonderen Charme: Mit ihr erreicht man zumindest theoretisch fast alle berufstätigen Menschen in Deutschland, und das sind immerhin bis zu 40 Millionen Bürgerinnen und Bürger. Aber es gibt auch noch andere Gründe, warum wir uns dringend um die Gesundheit der Beschäftigten kümmern sollten: Der demografische Wandel ist nicht nur mit einem längeren Leben für alle sondern auch mit niedrigen Geburtenraten verbunden. Schätzungen des Statistischen Bundesamtes gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 ein Rückgang der Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter um ca. 6 Millionen zu erwarten ist. Da ist die Gesundheit der erwerbstätigen Bevölkerung umso wichtiger zumal auch diese dann im Durchschnitt älter ist als heute. Es gibt daher auch eine gesetzliche Verpflichtung für die Krankenkassen, in betriebliche Gesundheitsförderung zu investieren. Hier sehe ich noch erhebliches Wachstumspotenzial, das es zu nutzen gilt. Die gesetzlichen Krankenkassen erreichen mit ihren Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung nicht einmal eine Million Menschen. Das muss sich ändern, denn es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Arbeit und Gesundheit. Psychische Aspekte betrieblicher Gesundheitsförderung Arbeitsprozesse und Arbeitsorganisation können große Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Das Gleiche gilt für den Umgang von Vorgesetzten mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder das Verhalten von Kollegen und Kolleginnen untereinander. Arbeit und Beruf sind für die meisten Menschen ganz wichtig für ihre Selbstverwirklichung. Arbeit, die in gesundem Maß herausfordert, unterstützt und stärkt auch das Selbstwertgefühl - 5 -

5 - 5 - und damit auch die Gesundheit. Dies gilt es zu berücksichtigen, wenn wir über betriebliche Gesundheitsförderung sprechen. Umgekehrt schlagen sich vermeidbare Belastungen in psychischen Störungen nieder. Allein 8.6 % der Arbeitsunfähigkeitstage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gingen im Jahr 2010 auf psychische Erkrankungen zurück. Das bedeutet, im Durchschnitt hat jeder zwölfte Fehltag in Deutschland psychische Ursachen. Die Steigerungsrate ist hoch: 93 % seit Psychische Erkrankungen gehören neben Muskel-Skelett- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Gründen für eine Frühberentung. Die Gestaltung der Arbeitsplätze im Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderung bietet die Chance, krankmachende Faktoren zu identifizieren und zu beseitigen. Gleichzeitig wird das Gesundheitsbewusstsein und die gesundheitliche Kompetenz aller Beschäftigten und das schließt auch die Führungsebene mit ein gestärkt. So wird dann aus Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz ein gesundheitsfördernder Arbeitsplatz. Davon profitieren alle: die Beschäftigten, weil sie gesünder, zufriedener und damit auch leistungsfähiger sind, die Unternehmen, weil eine gesunde und motivierte Belegschaft die Produktivität steigert und nicht zuletzt die ganze Gesellschaft, weil die Sozialsysteme entlastet werden. Verhaltens- und Verhältnisprävention Eine gute betriebliche Gesundheitsförderung ist eine Kombination aus Verhaltens- und Verhältnisprävention: Die Gestaltung und Organisation der Arbeit können beispielsweise durch betriebliche Gesundheitsförderung so optimiert werden, dass sie sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Über- und Unterforderung können vermieden und Führungsverhalten im Hinblick auf seine gesundheitsförderliche Wirkung verbessert werden. Gleichzeitig geht es um die Stärkung der persönlichen Ressourcen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, damit diese alltäglichen Belastungen besser begegnen können. Hier können wir in den Unternehmen mit Verhaltensprävention ansetzen. Unternehmen als Ansatzpunkt für Gesundheitsförderung zu nehmen, bietet noch einen weiteren Vorteil: Wir erreichen mit den Maßnahmen am Arbeitsplatz Menschen, die hohe - 6 -

6 - 6 - Gesundheitsrisiken haben, die sich dieser Risiken aber nicht bewusst sind und daher keine Präventionsangebote nachfragen oder in Anspruch nehmen. Eine gesundheitsgerechte Gestaltung der Arbeit und die Unterstützung gesunder Lebensweisen finden daher immer mehr Eingang in unternehmerisches Handeln, denn beide Aspekte Verhaltens- wie Verhältnisprävention - tragen dazu bei, die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu verbessern und den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken. Und hier müssen wir uns weniger um die großen Unternehmen kümmern. Es sind die kleinen und mittelständischen Unternehmen, bei denen wir momentan große Potenziale sehen. Ich sagte es bereits: Vielen Unternehmen dieser Größe fehlt es an Informationen und Hilfestellung. Das Kompendium vorbildhafter Projekte Wir haben daher mit Hilfe von Krankenkassen sowie Fachexpertinnen und -experten vorbildhafte Projekte in einem Kompendium zusammengestellt, das Bundesgesundheitsminister Bahr persönlich vor fünf Tagen der Öffentlichkeit in Berlin vorgestellt hat. Es soll besonders kleinen und mittelständischen Betrieben Anregungen bieten, wie betriebliche Gesundheitsförderung auch für sie aussehen könnte und wer sie dabei unterstützen kann. Das Kompendium deckt dabei folgende Handlungsfelder ab: Bewegung und Ernährung; Stressbewältigung und psychische Belastungen; Vorsorge und Aufklärung; Sucht sowie Gesundheitsmanagement und demografischer Wandel. Die Inhalte können Sie im Internetauftritt des Bundesministeriums für Gesundheit einsehen. Suchtprävention Sucht und Suchprävention in Unternehmen sind dabei Themenkomplexe, die uns besonders am Herzen liegen. Schätzungen gehen beispielsweise von bis zu 10 % Beschäftigten aus, die ein Alkoholproblem haben. Hier, aber auch bei anderen Suchtproblematiken wissen wir noch zu wenig darüber, wie Sucht mit dem jeweiligen Arbeitsplatz zusammenhängt, insbesondere, wenn es sich um kleine Betriebe handelt. Das BMG wird daher eine Studie fördern, die spezifisch die hemmenden und fördernden Faktoren zur Umsetzung von suchtpräventiven Ansätzen in Klein- und Kleinstbetrieben untersucht

7 - 7 - Forschung, Weitergabe von Wissen und Vernetzung Wir gehen also in drei Richtungen: Wir fördern Projekte, die unser Wissen über Prävention vergrößern, wir haben bekanntes Wissen bewertet und zusammengestellt und veranstalten Kongresse wie den heutigen oder den vom 1. Dezember in Berlin, um das Wissen mit Ihnen zu teilen und Ihnen ein Forum zu bieten, auf dem sie sich vernetzen können. Mit dem heutigen Kongress wollen wir zeigen, dass Arbeit gesund ist und was wir tun können, damit das so bleibt und den Betrieben auch zu wirtschaftlichem Erfolg verhilft. Dazu ist es erforderlich, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren einerseits und Dachorganisationen von kleinen und mittleren Betrieben andererseits zusammenzubringen. Wir informieren Sie über Chancen und Vorteile der betrieblichen Gesundheitsförderung und über die Unterstützung, die sie von den gesetzlichen Krankenkassen bekommen können. Dabei sind die Themen Bewegung, psychische Gesundheit und Substanzmissbrauch die Schwerpunkte des heutigen Tages. Wir sind froh über die Kooperation mit der Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung. Diese verfügt über gute Strukturen, um die Maßnahmen und Aktivitäten in die Fläche zu bringen. Für viele ihrer 130 Mitgliedsorganisationen ist betriebliche Gesundheitsförderung auch heute schon ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit. Schluss Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen an dieser Stelle für das Engagement, das sie bisher für die betriebliche Gesundheitsförderung aufgebracht haben. Wir brauchen auch weiterhin Ihre tatkräftige Unterstützung. Die Präventionslandschaft kann sich nur entwickeln, wachsen und gedeihen, wenn sich viele dafür verantwortlich fühlen und sich vor Ort engagieren. Der heutige Tag soll Ihnen hierbei Anregung sein, aber auch die Möglichkeit bieten, sich zu vernetzen und Chancen zu ergreifen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, anregende Diskussionen und gute Ideen, die sie mit nach Hause nehmen können.

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