Kindeswohlgefährdung 8a SGB VIII

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1 Kindeswohlgefährdung 8a SGB VIII Du bist nicht schuld daran, dass die Welt so ist wie sie ist, du bist nur daran Schuld, wenn sie so bleibt. Kornelia Lundßien

2 Kindeswohlgefährdung erkennen und handeln 1. Gesetzliche Rahmenbedingungen 2. Definition Kindeswohlgefährdung 3. Formen der Kindeswohlgefährdung 4. Indikatoren 5. Risikofaktoren Kornelia Lundßien 2

3 1. Gesetzliche Rahmenbedingungen - Elternrechte / Elternpflichten - Kornelia Lundßien 3

4 8a SGB VIII: Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung (1) Werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugendlichen bekannt, so hat es das Gefährdungsrisiko im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte abzuschätzen. Dabei sind die Personensorgeberechtigten sowie das Kind oder der Jugendliche einzubeziehen, soweit hierbei der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird. Hält das Jugendamt zur Abwendung der Gefährdung die Gewährung von Hilfen für geeignet und notwendig, so hat es diese den Personensorgeberechtigten oder den Erziehungsberechtigten anzubieten Netzwerkkonferenz Kindeswohlgefahr Kornelia Lundßien 4

5 8a SGB VIII: Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung (2) In der Vereinbarung mit den Trägern von Einrichtungen und Diensten, die Leistungen nach diesem Buch erbringen, ist sicherzustellen, dass deren Fachkräfte den Schutzauftrag nach Absatz 1 in entsprechender Weise wahrnehmen und bei der Abschätzung des Gefährdungsrisikos eine insoweit erfahrene Fachkraft hinzuziehen. Insbesondere ist diese Verpflichtung aufzunehmen, dass die Fachkräfte bei den Personensorgeberechtigten oder den Erziehungsberechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, wenn sie diese für erforderlich halten, und das Jugendamt informieren, falls die angenommenen Hilfen nicht ausreichend erscheinen, um die Gefährdung abzuwenden Netzwerkkonferenz Kindeswohlgefahr Kornelia Lundßien 5

6 1631 BGB: Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung (2) Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Erziehungsmaßnahmen sind unzulässig Fachtagung Kindeswohlgefahr Kornelia Lundßien

7 1666 BGB: Gefährdung des Kindeswohls (1) Wird das körperliche, geistige und seelische Wohl eines Kindes durch missbräuchliche Ausübung der elterlichen Sorge, durch Vernachlässigung des Kindes, durch unverschuldetes Versagen der Eltern oder durch das Verhalten eines Dritten gefährdet, so hat das Familiengericht, wenn die Eltern nicht gewillt oder nicht in der Lage sind, die Gefahr abzuwenden, die zur Abwendung der Gefahr erforderlichen Maßnahmen zu treffen Fachtagung Kindeswohlgefahr Kornelia Lundßien 7

8 2. Definition Kindeswohlgefährdung Kornelia Lundßien 8

9 Definition nach 1666 BGB Das Kindeswohl ist in dem Maße gegeben, in dem das Kind einen Lebensraum zur Verfügung gestellt bekommt, in dem es die körperlichen, gefühlsmäßigen, geistigen, personalen, sozialen, praktischen und sonstigen Eigenschaften, Fähigkeiten und Beziehungen entwickeln kann, die es zunehmend stärker befähigen, für das eigene Wohlergehen im Einklang mit den Rechtsnormen und der Realität sorgen zu können. Kornelia Lundßien 9

10 3. Formen der Kindeswohlgefährdung Kornelia Lundßien 10

11 Psychische / emotionale Kindeswohlgefährdung = wiederholte Verhaltensmuster der Betreuungsperson, die Kindern zu verstehen geben Sie seien wertlos voller Fehler ungeliebt ungewollt sehr in Gefahr nur zur Erfüllung der Bedürfnisse von Anderer nütze Kornelia Lundßien 11

12 Psychische / emotionale Kindeswohlgefährdung Beispiele: Demütigung, Terrorisieren, Isolieren, Hausarrest, Liebesentzug, Schimpfen, Anhaltspunkte: Angst, Zurückziehen, offene Ablehnung, kein Vertrauen zu Anderen, Überforderung, Schuldgefühle, Einnässen, plötzlicher Zensurenabfall, oft krank, Kornelia Lundßien 12

13 Körperliche Misshandlungen meist gemeinsam mit psych. Misshandlungen umfasst alle Arten bewusster oder unbewusster Handlungen, die nicht zufällig zu körperlichen Schmerzen, Verletzungen oder sogar zum Tode führen können meist in Stresssituationen, bei Kontrollverlust als Folge einer affektiven Krise Kornelia Lundßien 13

14 Körperliche Misshandlungen Beispiele: Schlagen mit der Hand, Prügeln, Festhalten, Verbrühungen, Verbrennungen, hungern oder dursten lassen, Beißen, Würgen, Unterkühlen, gewaltsamer Angriff mit Gegenständen, Anhaltspunkte: Verletzungen an den Körperteilen, Angst, Scham, Veränderung des gesamten Verhaltens, eigene Konflikte nur durch Gewalt und lautem Schreien lösen, Kornelia Lundßien 14

15 Vernachlässigung = andauernde oder wiederholte Unterlassung fürsorglichen Handelns = Unkenntnis oder Unfähigkeit die körperlichen, seelischen, geistigen und materiellen Grundbedürfnisse eines Kindes zu befriedigen es angemessen zu ernähren, zu pflegen, zu kleiden, zu beherbergen, für seine Gesundheit zu sorgen, es emotional, intellektuell, beziehungsmäßig und erzieherisch zu fördern. Kornelia Lundßien 15

16 Vernachlässigung Beispiele: -keine alterstypische oder witterungsgerechte Kleidung -nur Süßes oder ungesundes Essen - Nichtbeachten des Kindes auf den verschiedenen Ebenen (Emotionen, Sprache,.) Anhaltspunkte: Unterernährung, Überfütterung, ständiges Essen suchen, zurückziehen, starke Zuwendung bei Fremden einfordern, altersuntypisches Verhalten, psychische Auffälligkeiten, sprechen über existenzielle Ängste, Kornelia Lundßien 16

17 Sexuelle Misshandlung meist gemeinsam mit anderen Misshandlungen Ausnutzung durch eine Macht-und Autoritätsperson grenzüberschreitende sexuelle Handlung eines Erwachsenen oder Jugendlichen Kornelia Lundßien 17

18 Sexuelle Misshandlung Beispiele: Belästigung, Masturbation, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, oraler, analer oder genitaler Verkehr, Anhaltspunkte: selten medizinisch eindeutige Hinweise, dramatische Verhaltensveränderung, plötzlich einfordernder Körperkontakt, unangebrachtes altersuntypisches Sexualverhalten, zurückziehen, sich nicht mehr anfassen lassen, Kornelia Lundßien 18

19 4. Indikatoren bei Kindeswohlgefährdung Kornelia Lundßien 19

20 Äußeres Erscheinungsbild des Kindes/Jugendlichen massive oder wiederholte Zeichen von Verletzungen ohne erklärbare Ursache häufige Krankenhausaufenthalte aufgrund von angeblichen Unfällen starke Unter- oder Überernährung desolate Körperhygiene unangemessene, schmutzige Kleidung Kornelia Lundßien 20

21 Verhalten des Kindes/Jugendlichen völlige Distanzlosigkeit und/oder Aggressivität selbst-und fremdgefährdendes Verhalten, Kind begeht Straftaten, Übergriffe auch auf andere Kinder wiederholtes apathisches oder verängstigtes Verhalten Äußerungen des Kindes, die auf Misshandlungen, Vernachlässigungen oder Missbrauch hinweisen wirkt benommen und handelt unkoordiniert (Hinweis auf Alkohol, Drogen) Zu altersunangemessenen Zeiten und ohne Erziehungsperson in der Öffentlichkeit Kornelia Lundßien 21

22 Verhalten der Erziehungspersonen der häuslichen Gemeinschaft wiederholte Hinweise auf schwere Gewalt zwischen den Erziehungspersonen nicht ausreichende oder unzureichende Bereitstellung von Nahrung massive Beschimpfungen, Ängstigen und Erniedrigen des Kindes massive Gewalt gegenüber dem Kind z. B. Schütteln, Einsperren Verweigerung der Krankheitsbehandlung Isolierung der Kinder, Kontaktverbote zu Gleichaltrigen Verweigerung von Liebe, Trost, Körperkontakt, häufiges Alleinlassen Gewährung des uneingeschränkten Zugangs zu Gewalt verherrlichenden oder pornographischen Medien Netzwerkkonferenz Kindeswohlgefahr Kornelia Lundßien

23 Wohnsituation der häuslichen Gemeinschaft Obdachlosigkeit Wohnung = verdreckt, vermüllt, verschimmelt oder weist Spuren von äußerer Gewaltanwendung auf nicht beseitigte Gefahren im Wohnraum (defekte Stromkabel, Herumliegendes Spritzbesteck, Medikamente, Drogen ) fehlender Schlafplatz oder Spielzeug für das Kind Kornelia Lundßien 23

24 Soziale Situation des Kindes Isolierung der Familie im Wohnumfeld Desintegration in der eigenen Familie Keine Abgrenzung zu anderen Menschen > Dauerbelagerung von Besuchern existenzielle Notlagen, Verschuldungen, fehlende Krankenversicherung, fehlende/unzureichende Tagesstruktur (fehlender Schulbesuch) Kornelia Lundßien 24

25 5. Risikofaktoren Kornelia Lundßien 25

26 je geringer die finanziellen und materiellen Ressourcen UND je schwieriger die soziale Situation UND je desorganisierter die Familiensituation UND je belasteter und defizitärer die persönliche Situation der erziehenden Eltern UND je herausfordernder die Situation und das Verhalten des Kindes von den Eltern erlebt wird, desto höher ist das Risiko einer Kindeswohlgefährdung! Kornelia Lundßien 26

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