Gesünder? Bewegter? Besseres Klima? Gesundheitsfördernde Schulen am Prüfstand

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1 Gesünder? Bewegter? Besseres Klima? Gesundheitsfördernde Schulen am Prüfstand Institut für Medizin- und Gesundheitssoziologie Ludwig Boltzmann Gesellschaft ExpertInnenworkshop Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien, 11. Dezember 2006 Universität Wien Wolfgang Dür, Univ.-Lektor Mag. Dr.

2 Ausgangsfragen 1. Was haben die Gesundheitsförderungsprojekte an den Schulen des Österreichischen Netzwerks bewirkt? 2. Welche Maßnahmen wurden umgesetzt? 3. Welche intermediären Effekte Veränderungen in der Organisation und im Schulklima - sind mit diesen Maßnahmen verbunden? 4. Wie haben sich diese Veränderungen auf die Gesundheit der SchülerInnen und der LehrerInnen ausgewirkt? Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

3 Modell der Gesundheitsföderung nach Don Nutbeam; Geschlecht, Schicht, social capital, Organisationskultur, Kommunikationsstrukturen, Bildung, Staub, Lärm etc... Faktoren, die die Determinanten verändern können; z.b. Weiterbildung, baubiologische Gegebenheiten, Netzwerk, OE Gesundheit Determinanten Einflussfaktoren Maßnahmen Projekte sind auf Einflussoder Wirkfaktoren gerichtet Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

4 Problem Es gab im ÖNGFS keine systematische Evaluation Daher Mangel an Daten über: Ausgangssituation Es ist unklar, ob und wenn ja: inwieweit die ÖNGF-Schulen eine über- oder unterdurchschnittliche Ausgangslage in Hinblick auf Gesundheit, Schulstruktur, Schulklima etc. aufwiesen Ziele, Einzelziele in den Schulen Damit verbundene Maßnahmen Mögliche zweitbeste Lösung einer retrospektiven Selbstevaluation fand keine Finanzierung Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

5 Annahmen und Prämissen 1. Die ÖNGF-Schulen waren bei Eintritt ins Netzwerk durchschnittliche Schulen in Hinblick auf die Gesundheit von SchülerInnen und LehrerInnen, Schulklima, gesundheitsrelevante Einrichtungen etc.. 2. Die ÖNGF-Schulen haben wenn auch mit unterschiedlicher Dauer und Intensität an der Entwicklung von gesundheitsrelevanten Einflussfaktoren gearbeitet 3. Die Weiterentwicklung solcher Einflussfaktoren hat zur Verbesserung von Gesundheitsdeterminanten und in der Folge der Gesundheit bei SchülerInnen und LehrerInnen geführt 4. Die anderen österreichischen Schulen haben im Durchschnitt solche Entwicklungen nicht mitgemacht. Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

6 Hypothesen Unter den genannten Prämissen können die ÖNGF-Schulen mit allen anderen österreichischen Schulen verglichen werden: Die ÖNGF-Schulen weisen im Vergleich zu allen anderen österreichischen Schulen ein durchschnittlich höheres Niveau auf bezüglich: gesundheitsrelevanter Strukturen und Prozesse (Schulebene) Schulklima, Lehrende-SchülerInnen-Beziehungen, Beziehungen unter SchülerInnen (Interaktionsebene) relevanter Indikatoren des Gesundheitsverhaltens und der Gesundheit Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

7 Es wird angenommen, dass die GF-Schulen in Bezug auf ausgewählte Indikatoren zum Zeitpunkt t 0 etwa dasselbe Niveau aufgewiesen haben, wie es dem Durchschnitt der anderen Schulen (RS) entsprach, und dass dieses Niveau in den GFS-Schulen bis zum Zeitpunkt t 1 im Gegensatz zu den anderen Schulen durch Maßnahmen gesteigert werden konnte. hohes Niveau mittleres Niveau GFS RS GFS RS erwarteter Unterschied niedriges Niveau t 0 t 1 Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

8 Dimensionen des Unterschieds nach WHO-12 Individuelle Ebene 1. Die Förderung des Selbstwertgefühls der Schüler/Schülerinnen 8. Die Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens (SchülerInnen, Schulpersonal) Interaktionsebene 2. Entwicklung guter Beziehungen 4. Aktivierung aller Schüler/Schülerinnen 9. Entwicklung des Schulpersonals als gesundheitliche Vorbilder Schulebene 3. gesellschaftlicher Auftrag und Ziele der Schule 5. Verbesserung der physischen Umwelt der Schule 10. Schulmahlzeiten (falls angeboten) 12. Schulgesundheitsdienste und Vorsorgeuntersuchungen Umweltbeziehungen 6. Kontakte zwischen der Schule, dem Elternhaus und dem kommunalen Umfeld. 7. Aufstellung eines kohärenten Lehrplanes zur Gesundheitserziehung 11. Nutzung der kommunalen Dienste zur Beratung und Unterstützung der Gesundheitsbildung und Gesundheitserziehung Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

9 Indikatoren des Vergleichs 28 Einzelfragen 16 Einzelfragen 63 Einzelfragen Individuelle Ebene Schulebene Interaktionsebene SchülerInnen LehrerInnen SchulleiterInnen subjektive Gesundheit subjektive Gesundheit psychosomatische Beschwerden psychosomatische Beschwerden Lebensqualität BMI, Übergewicht Rauchen Rauchen beobachtetes Rauchen Alkoholkonsum Ernährung (Gemüse) Bewegung Gewaltverhalten beobachtetes Gewaltverhalten S-S disziplinäre Probleme Beziehungen SchülerIn-SchülerIn beobachtetes Gewaltverhalten L-S Beziehungen SchülerIn-SchülerIn beobachtetes Gewaltverhalten S-L LehrerInnen-Unterstützung Beziehungen zwischen LehrerInnen Qualität der Führung Qualitätsentwicklung Weiterbildung LehrerInnen Evaluation LehrerInnen Klima L-S Klima L-L Infrastruktur Gesundheit Projekte zur Gesundheit Programme und Policies Gesundheit Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

10 Daten und Analysen der HBSC Studie Health Behaviour in Schoolaged Children Forschernetzwerk in 41 Ländern enge Partnerschaft mit WHO/Euro Alle 4 Jahre Surveys (zuletzt: 2001/02, 2005/06) 11-, 13 und 15-jährige Schüler/innen, n = ca Repräsentatives Cluster-Sample auf Klassenebene Anonymer Selbstausfüllerfragebogen Auftraggeber: BMGF mit Unterstützung BMBWK Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

11 Methoden HBSC 250 Schulen 2500 LehrerInnen 4,500 SchülerInnen Befragung von SchulleiterInnen LehrerInnen SchülerInnen ÖNGF-Schulen 39 Schulen Rücklauf = ca 67% 400 LehrerInnen SchülerInnen Mittelwertvergleiche Signifikanz mittels T-Test P <.05 Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

12 Ergebnisse der Befragung der SchulleiterInnen GF-Schulen haben mehr Aktivitäten zum Ernährungsverhalten gesetzt Projekte Ernährungsberaterinnen in der Schule Eigenes Programm oder Regel zu Ernährung in der Schule häufiger Bewegungsprogramme Häufiger Programme zur Integration von Migrantenkinder häufiger eine fest etablierte Qualitätsgruppe (64% zu 46%) In GF-Schulen werden die LehrerIn-LehrerIn-Verhältnisse besser beurteilt Vorschläge von SchülerInnen häufiger angenommen Probleme von SchülerInnen werden häufiger ernst genommen Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

13 Ergebnisse der Befragung der LehrerInnen Die positiven Ergebnisse der Schulleiterbefragung können auf der Ebene der LehrerInnenbefragung nicht nachvollzogen werden. Einzig signifikanter Unterschied: Die LehrerInnen in den GF-Schulen beurteilen den/die Schulleiter/in häufiger als Autorität denn als Kollege/in Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

14 Ergebnisse der Befragung der SchülerInnen (1) Signifikanztest (p-werte) T-Test HS AHS BMS/BHS 11u13 11u m w m w m w m w Gesundheit subjektive Gesundheit.054 Kidscreen-Index Index Beschwerden.028 Übergewicht u. Adipositas Gesundheits/Risikoverhalten Rauchen Anzahl Zigaretten.000 Bier Wein Alcopops Obst.027 Gemüse.006 Bewegung Been Bullied.004 Bullied Others.003 Rauferein Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

15 Ergebnisse Gesundheit und Gesundheitsverhalten Gesundheit kaum signifikante Unterschiede nur für Mädchen, aber in günstiger Richtung Gesundheitsverhalten Tendenzielle Verbesserungen bei Rauchen, Alkoholkonsum bei beiden Geschlechtern und allen Altersgruppen Verbesserungen im Ernährungsverhalten bei 15-jährigen Mädchen Verbesserungen für Bullying bei Mädchen Ergebnisse decken sich mit den Aussagen/Eindrücken der SchulleiterInnen Keine Unterschiede für den BMS/BHS-Bereich Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

16 Ergebnisse der Befragung der SchülerInnen (2) Signifikanztest (p-werte) HS AHS BMS/BHS T-Test 11u13 11u m w m w m w m w Schule Schulzufriedenheit Belastung Schüler-Schüler-Beziehung SchülerInnen gern zusammen SchülerInnen nett u. hilfsbereit SchülerInnen akzeptieren mich.029 Fühle mich in Klasse wohl SchülerInnen gehen respektvoll miteinander um.019 Umgangston SchülerInnen freundlich Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

17 Ergebnisse Interaktionsebene, Unterricht In AHS (11, 13 Jahre) und BMS/BHS (15 Jahre) Reduktion der Belastungen durch die Schule Erhöhung der Schulzufriedenheit Kaum signifikante Unterschiede in den Schüler- Schüler-Beziehungen Jedoch Hinweise auf einzlne Verbesserungen Die Aussagen der SchulleiterInnen hätte stärkere Effekte erwarten lassen Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

18 Ergebnisse der Befragung der SchülerInnen (3) Signifikanztest (p-werte) HS AHS BMS/BHS T-Test 11u13 11u m w m w m w m w Schüler-Lehrer-Beziehung Lehrer behandelt fair zusätzliche Hilfe LehrerInnen, wenn nötig.002 LehrerInnen nett LehrerInnen respektieren Rechte der SchülerInnen.000 SchülerInnen mögen LehrerInnen Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

19 Ergebnisse Schüler-Lehrer-Beziehung Systematische Unterschiede bei den jährigen Knaben in der AHS Einige Unterschiede auch für die BMS-BHS- Mädchen Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

20 Resümee Die GF-Schulen weisen in der Tendenz günstigere Gesundheitsergebnisse auf als der Durchschnitt der anderen Schulen Diese Ergebnisse sind allerdings noch immer schmal und unsystematisch Grund: noch immer zu unsystematisches Vorgehen, zu viel Projekt, zu wenig Schulentwicklung Die Ergebnisse sind aber für die weitere Arbeit durchaus ermutigend! Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

21 Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

22 Seelische Gesundheit im schulischen Setting Wien,

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