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1 Vorlesung: Ideen, Interessen und Institutionen der deutschen Arbeitsgesellschaft 3. Vorlesung: Entwicklung von industrieller Arbeit: Vom Taylorismus zum Arbeitskraftunternehmer

2 Zentrale Fragen - Was sind die Grundideen des Taylorismus/Fordismus? - Was wurde unter neuen Produktionskonzepten verstanden? - Welche politische Bedeutung wurde den NPK gegeben? - In welchen Kontext war diese Debatte eingebunden? - Welche Rolle spielen Projekte zur Humanisierung der Arbeit für die deutsche Politik? - Warum spricht man heute wieder von Re-Taylorisierung? - Was versteht man unter Subjektivierung von Arbeit?

3 Taylorismus-Fordismus Wissenschaftliche Betriebsführung Systematische Zeit- und Bewegungsstudien zur Ermittlung von Planvorgaben Standardisierung von Arbeitsabläufen Trennung von Hand- und Kopfarbeit Fließband- und Maschinenarbeit

4 Historische Typen von Arbeitskraft Proletarisierter Lohnarbeiter Rohes Arbeitsvermögen Rigide, direkte Kontrolle Hohe Ausbeutung, kein sozialer Schutz Verberuflichter Arbeitnehmer Standardisierte Qualifikation Verwissenschaftlichte Kontrolle der Arbeit Regulierte Ausbeutung, hoher sozialer Schutz Verbetrieblichter Arbeitskraftunternehmer Individualisierte Qualifiaktion Systematische Selbstkontrolle Selbstausbeutung, geringer Schutz

5 Industrielle Rationalisierung Maschinengetriebene Rationalisierung von Arbeit: Mensch als Störfaktor Zunahme von Arbeitsteilung- und Leistungsverdichtung Zunahme von Entfremdung, Ab- und Dequalifizierung Wegfall von qualifizierter Arbeit/aller Arbeit Menschenleere Fabrik als Leitbild Kleine Gruppe Gewinner der Rationalisierung: Aufgabenerweiterung und mehr Einkommen Polarisierungsthese

6 Kern/Schumann: Ende der Arbeitsteilung? Kern/Schumann: Forscherteam der Universität Göttingen (Sofi) Seit Ende der 60er Jahre Studien zur industriellen Entwicklung in Deutschland 1970: Industriearbeit und Arbeiterbewußtsein 1982: Rationalisierung, Krise, Arbeiter Mainstream Anfang der 80er Jahre: Alles wird schlechter; Mehr Produktivität weniger Arbeit

7 Neue Produktionskonzepte (NPK) I: Überblick Früher: Rationalisierung als tayloristische Prozesse der Polarisierung und Entfremdung Neu: Bandbreite möglicher Rationalisierungen Formwandel Rationalisierung in Richtung ganzheitlicherer Nutzung der Arbeitskraft Potentiale der NPK für gesellschaftlichen Fortschritt nutzen

8 Neue Produktionskonzepte II: Bandbreite Grenzen der traditionellen Rationalisierung lassen Fortschreibung der Vergangenheit als nicht plausibel erscheinen Umbau der Märkte und Untenehmen Traditionalisten (technokratisch borniert) versus Modernisten (empirisch unideologisch) Vorhandensein neuer Rationalisierungsinstrumente Neues Rationalisierungsverständnis:pfleglischer Umgang mit lebendiger Arbeit Bieten den Unternehmen ökonomische Vorteile Kampf der Linien

9 Neue Produktionskonzepte III: Formwandel Markt- und Technologiewandel ermöglichen einen Formwandel in der Nutzung der Arbeitskraft Flexibilität, Produktivität und Qualität zu verbessern Verberuflichung der Produktionsarbeit Rücknahme der Arbeitsteilung Ganzheitlicher Zugriff auf die Arbeitskraft eröffnet neue Effizienz- und Qualitätspotentiale

10 Neue Produktionskonzepte III: Bündnisse Kampf um diese alternativen Rationalisierungskonzepte zu verallgemeinern Unterschiedliche Betroffenheiten in eine neue Solidaritätskonzeption bringen Gewinner Dulder Verlierer Soziale Steuerung der Innovation Ziel: Modernisierungspakt zwischen aufgeklärtem Kapital und solidaritätsorientierter Arbeit möglichst viele in NPK einbinden Abschaffung primitiver Arbeit plus Umverteilung der Arbeit Neue Leistungskomnpromisse ermöglichen

11 Kritik an der These von den NPK Repräsentativität der Studie: Inseln Kein abeitspolitischer Paradigmenwechsel, sondern einfach Formwandel kapitalistischer Rationalisierung Rigider Tayloristischer Zugriff wird auf den ganzen Menschen ausgedehnt Modernisierungspakt Ilusion

12 Arbeitspolitische Entwicklung seit den 80ern Reduktion der reinen Fließbandarbeit Ersetzung durch teilautonome Gruppen Rücknahme der Arbeitsteilung Job-Enrichment (höhere Qualifikationen) und Job- Enlargement (unterschiedliche ähnliche Tätigkeiten) Effizientere Nutzung des Faktors Arbeit durch kontinuierliche Verbesserungsprozesse

13 Deutscher Sonderweg der Rationalisierung? Teilautonome Gruppenarbeit Qualifizierte Facharbeit Duale Berufsausbildung Mitbestimmung Co-Management

14 Krise des deutschen Weges? Kostenzwänge, immer kürzere Zyklen immer neue Produkte Wirtschaftliche Wirksamkeit der teilautonomen Gruppenarbeit in Frage gestellt Flexible Standardisierung: Abbau von Autonomie; mehr Vorgaben Re-Taylorisierung

15 Arbeitskraftunternehmer Reduktion von Kontrolle: Kosten- und Motivationsproblem Förderung von Selbstorganisation Häufiger Wechsel unterschiedlicher Erwerbslagen Flexibilisierte Arbeitsverhältnisse mit aufs- und abs Neue Stufe der Ökonomisierung von Arbeitskraft Neue Stufe des Verhältnisses zwischen Arbeit und Kapital Subjektivierung von Arbeit

16 Reichweite des Arbeitskraftunternehmers Beobachtungen zum Arbeitskraftunternehmer werden seit den 80er Jahren gemacht Idealtypus normativer Leittypus: Ich AG Kommunikations- und Informationstechnologiebranche In anderen Bereichen lassen sich einzelne Elemente erkennen: Gruppen- und Projektarbeit Mehr Eigenverantwortung, Selbst-Kontrolle; Ergebnisinteresse

17 Vom Ende der Arbeit zur Hyperarbeitsgesellschaft Entgrenzung der Arbeit durch Auflösung von Raumzeitlichen Strukturen Veränderung des Verhältnisses von Arbeit und Kapital: Von Eigenständigkeit zur Scheinselbstständigkeit Subjektivierung der Arbeit

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