Gezielte Aminosäuretherapie

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1 Gezielte Aminosäuretherapie Die Neuroendokrine Stressachse des Menschen dient der Bewältigung aller physischen, mentalen, emotionalen oder psychischen Belastungen, die akut, vorübergehend oder länger anhaltend auf den Organismus entwickeln. Körperliche und psychische Überforderung führt zu tiefgreifenden neuroendokrinen, hormonellen und immunologischen Anpassungsreaktionen. Diese Anpassungsprozesse werden gemeinsam durch das zentrale hormonelle Stresssystem und durch das Zentralnervensystem gesteuert, die beide intensiv miteinander vernetzt sind. Akuter, vorübergehender Stress wird normalerweise ohne bleibende Folgen bewältigt. Anhaltende Belastungen können jedoch zu erheblichen dauerhaften Veränderungen auf physischer, psychischer, mentaler und emotionaler Ebene führen. Die Reaktionsschwelle für die Entwicklung bleibender Störungen ist individuell sehr unterschiedlich. Sie hängt von vorangegangenen prägenden Erlebnisse ab, von der Intensität und Dauer der Belastung sowie zahlreichen genetischen Variablen, die dazu führen können, dass ein Idividuum bereits bei geringen Belastungen Krankheitssymptome entwickelt, die von anderen problemlos kompensiert werden. Gentische Unterschiede bestimmen die individuelle Anpassungsfähigkeit durch Unterschiede in der Neurotransmitterproduktion, der Wirksamkeit von Hormonen und Nuerotransmittern auf Rezeptorebene, die Turnoverrate von Neuromediatoren, Rezeptoren, Transportern etc. Eine enorm große, stetig wachsende Zahl gesundheitlicher Störungen basieren auf erworbenen Defiziten der neurohormonellen Regulation (Hypothalamus-Hypophysen- Nebennierenrinden-Achse) und der Dysbalance von Neurotransmittersystemen, bei denen die Balance exzitatorischer (anregender, aktivierender) und inhibitorischer(dämpfender, hemmender) Signalsysteme verloren gegangen ist. Die Neuroendokrine Funktionsachse hat vorrangig die Aufgabe der Stressbewältigung, d.h. der Anpassung des gesamten Organismus an physische oder psychische Belastungssituationen. Sie umfasst einerseits die Stresshormone CRH, Cortisol (DHEAS) und Adrenalin, die allesamt beide in den Nebennieren gebildet werden, Cortisol in der Nebennierenrinde(NNR), Adrenalin im Mark der Nebenniere. Darüber hinaus die in den nervenzellen produzierten Neurotransmitter Noradrenalin, Dopamin, Serotonin, GABA, Glutamat sowie weitere Aminosäureabkömmlinge. Stresshormone und Neurotransmitter wirken eng zusammen.

2

3 Bei bis zu 50 % der Patienten, die heute eine Arztpraxis aufsuchen, stehen solche Gesundheitsstörungen im Vordergrund. Verantwortlich sind fundamentale Veränderungen der Lebensweise, zunehmend komplexe Umweltbedingungen, falsche und zu energiereiche Ernährung, Fernseh/EDV-Konsum, Arbeitsintensität, Konkurrenzdruck und wachsende schulische, berufliche und Freizeit-Belastungen. Die Folgen sind offenkundig: - Stress-Syndrome bis zum Burn-Out, - Konzentrationsschwäche, - - kognitive Blockaden, Leistungsabfall, Motivationsverlust, - Antriebsschwäche, - Unruhe, - Essstörungen, - Schlafprobleme, Ängste und Depressionen - unterschiedliche Schmerzen Dazu kommen individuell disponierende Faktoren (genetische Varianten, SNPs), die in vielen Fällen die individuelle Toleranzschwelle gegenüber Belastungen limitieren.

4 Die wichtigsten Erkrankungen, die auf anhaltenden Störungen des neuroendokrinimmunologischen Netzwerks basieren. (Haufigkeit der Erkrankungen in %) ADS/ADHS (bei Kindern) % CFS/Chronisches Müdigkeitssyndrom 1-5 % Fatigu(Müdigkeit/Erschöpfbarkeit) % MCS/Multiple Chemische Sensitivität 5-15 % Fibromyalgie 5-10 % Migräne 6-8 % Übergewicht/Adipositas % Kohlehydrat-Heißhunger 5-20 % Appetitstörungen % Depressionen % Schlafstörungen > 10 % Angstsyndrome % Nahrungsmittelunverträglichkeiten % Prämenstruelles Syndrom % Perimenopause Beschwerden % Irritables Kolon(Reizdarm) % Die gezielte Aminosäuretherapie basiert auf vier Stufen. 1. Basistestung Es wird ein Basisprogramm durchgeführt, wie der Neurostress Profil oder der kleine Neurostressbasis Profil oder die diagnosebezogene Spezialprofile, die die Messung der Stresshormone im Speichel(Cortisol, DEAHS) und der Neurotransmitter in zweiten Morgenurin.. Das Testergebnis wird erläutert und die Behandlung wird geplant. 2. Initialbehandlung In der zweiten Stufe wird der festgestellte Mangel an Neurotransmitter substituiert. Hier wird zunächst die inhibitorische, dämpfende Achse des Neurotransmitter-Netzwerks gestärkt und in erster Linie der fast immer feststellbare Serotininmangel angegangen. Bei gravierenderen inhibitorisch/ excitatorischen Gleichgewichtsstörungen wird zusätzlich zu Serotonin auch die GABA-Komponente substituiert. Seltener steht zu Beginn der Mangel inhibitorischer und excitatorischer NT`s im Vordergrund. Dann kommen kombinierte Präparate zur Stärkung der

5 Nebennierenrindefunktion zum Einsatz. Die Stresssteroide, insbesondere Cortisol, sind erst über einen längeren Behandlungszeitraum nachhaltig beeinflussbar. 3. Herstellung der Neurotransmitter-Balance: Nach der Anhebung von Serotonin(und GABA) wird auf eine Kombinationsbehandlung umgestellt, die einen höheren Anteil an Vorstufen excitatorisch wirkender Neurotransmitter aufweisst, um das Neurotransmitternetzwerk auf höherem Niveau zu optimieren. 4. Dauertherapie: In der letzten Stufe ist es das vorrangige Ziel, die Dosierung der Aminosäuren langsam zu reduzieren oder auf eine minimale Erhaltungsdosis einzustellen. Eine Kontrolle der Neurotransmitter- und /oder Stresshormonwerte wird alle drei bis sechs Monate empfohlen. Die Dauer der Substitutionsbehandlung kann von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren andauern, abhängig von der Ausgangssituation und der zugrunde liegenden Störung. Eine Balance zwischen inhibitorischem und excitatorischem Neurotransmittersystem sowie Neuroendokrinium / Stressachse und Nervensystem ist notwendig für eine optimales körperliches und psychisches Wohlbefinden. Bei nachgewiesenem Ungleichgewicht mit entsprechender klinischer Problematik hat sich gezeigt, dass die Korrektur durch Behandlung mit Aminosäurevorstufen zu signifikanter Verbesserung der Beschwerden bis zur völligen Gesundung führt. Das Verständnis der inhibitorischen und excitatorischen Balance der Neurotransmitter ist der Schlüssel zur optimalen kalkulierten Anwendung einer zielgerichteten Aminosäuretherapie.

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