OÖ Zukunftsakademie Netzwerk Zukunft: Bezirk Grieskirchen 15. April 2013 Wie wir in Zukunft leben werden

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1 OÖ Zukunftsakademie Netzwerk Zukunft: Bezirk Grieskirchen 15. April 2013 Wie wir in Zukunft leben werden Prof. Peter Zellmann IFT Institut für Freizeit- und Tourismusforschung

2 Die Zukunft wurzelt immer in der Gegenwart Was heute ist- - wird morgen Vergangenheit sein - war gestern noch Zukunft Zukunft ist ein Prozess Je komplexer Prozesse sind, desto weniger ist Ihr Ergebnis prognostizierbar Wissenschaftliche Zukunftsforschung grenzt sich von der Trendforschung deutlich ab Man kann nicht in die Zukunft schauen, aber man kann den Grund für etwas Zukünftiges legen denn Zukunft kann man bauen. Antoine de Saint-Exupéry ( ) Große Sorgen

3 Zukunftserwartungen für Europa und Österreich Große Sorgen Von je 100 Befragten befürchten: Preisexplosion für die Güter des täglichen Lebens Österreich Europa Größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich Zunehmende Altersarmut Abhängigkeit für die meisten von Zweit- bzw. Nebenjobs Anstieg des Problems mit "Organisierter Kriminalität" Steigende Sorge um sauberes Wasser Erweiterung der Arbeitszeit (Pensionsantritt) bis 2030 auf 75 Jahre Repräsentativbefragung von Personen ab 14 Jahren in Europa (davon in Österreich ) Wenig Hoffnung

4 Zukunftserwartungen für Europa und Österreich Wenig Hoffnung Von je 100 Befragten halten für wahrscheinlich: Die Lösung des (Welt)Hungerproblems (durch genmanipulierte Lebensmittel) Österreich Europa Gleiche Bildungschancen für alle Kinder Vollbeschäftigung durch die abnehmende Bevölkerungszahl Dem Klimawandel durch verbesserte Technik entgegen wirken zu können Staatlich garantiertes Mindesteinkommen Einfachere Integration von Ausländern Repräsentativbefragung von Personen ab 14 Jahren in Europa (davon in Österreich ) Zeitenwende

5 Die Zeitenwende Der Paradigmenwechsel (Wertewandel) in Stichworten: Das Ende des Industriezeitalters ist in den Herzen der Macher (noch) nicht angekommen Leben um zu arbeiten oder: Arbeiten (auch und gerne) um zu Leben? Vom Lebensstandard zur Lebensqualität! Das Neue: Die Ganzheitlichkeit der Lebensstile Das Aufholen bisher zu wenig beachteter Werte: weiblich und männlich Ökologie und Ökonomie Emotio (Herz) und Ratio (Hirn) Spaß und Leistung Freizeit und Arbeit Familie und Beruf auch: jung und alt Das Sowohl als auch, die Harmonisierung, die Sehnsucht nach Lebensbalance ( Work-Life Balance) dominieren Lebenszeitbudget

6 Lebenszeitbudget 2012 Mittelwert aus Lebenserwartung bei der Geburt bzw. der 60jährigen: ca. 80 Jahre Lebenszeit Stunden 100% davon Schlaf Stunden 33% Beruf/Ausbildung Stunden 14% Freizeit Stunden 53% Obligationszeit Die neue Leistungszeit freie Zeit? Schlaf Beruf/Ausbildung Freizeit 60% der Freizeit verbringen wir in der Wohnung 20% im direkten Wohnumfeld. Sektoren

7 Dienstleistungsgesellschaft Entwicklung der unselbstständig Beschäftigten nach Sektoren in Prozent 80 71,8 % Prognose 73% 70 Dienstleistungen 60 in Prozent Sachgütererzeugung und Bau 25,9 % 25 % Land- und Forstwirtschaft 0,9 % 1 % Quelle: Statistik Austria 2011 Darstellung ohne die Wirtschaftsbereiche Energie- und Wasserversorgung Arbeit Freizeit

8 Freizeit: Bedeutungszunahme im Vergleich zur Arbeit Von je 100 Befragten halten diese Bereiche für wichtig (sehr wichtig oder eher wichtig): Freizeit Beruf / Arbeit Beruf / Arbeit (sehr wichtig) Freizeit (sehr wichtig) Repräsentativbefragung von je ca Personen ab 15 Jahren in Österreich, 1987, 1993, 2002, 2007, 2012; Angaben in Prozent Lebensstandard Lebensqualität

9 Lebensqualität statt Lebensstandard Das 20. Jahrhundert war geprägt vom Wachstum. Die Menschen haben danach getrachtet, einen Lebensstandard und Lebensstil zu erreichen, mit dem man in erster Linie nach außen, also seinem privaten und beruflichen Umfeld, zeigen konnte, was man sich geschaffen hat. In Zukunft wird es für die Menschen wichtiger werden, eine Lebensqualität zu erreichen, die in erster Linie für einen selbst erstrebenswert ist. Mehr denn je wird jeder für sich selbst definieren und bestimmen, welche Lebensqualität man anstrebt ohne zu sehr auf die Wirkung nach außen zu achten. Stimme gar Kann ich Stimme voll und ganz zu nicht zu nicht sagen Österreich Abweichungen vom Österreich-Schnitt: Leit. Angestellte / Beamte Matura / Uniabschluss Kärnten / Steiermark Pflichtschulabschluss Arbeiter / Facharbeiter 13 Repräsentativbefragung von Personen ab 15 Jahren in Österreich 2010; Angaben in Prozent 25 Gehaltsmodell

10 Neues Arbeitszeit/Gehaltsmodell Weniger Verdienst für mehr Freizeit? Nehmen wir einmal an, es könnte in Zukunft ein neues Arbeitszeitmodell geben, bei dem Sie um 10 % weniger Gehalt bekommen, dafür aber um 20 % weniger arbeiten müssen. Wie gut gefällt Ihnen die Idee dieses Modells, unabhängig von Ihrer persönlichen Situation? Von je 100 Berufstätigen geben an: Gefällt mir sehr Gefällt mir Teils/teils Zustimmung Gefällt mir nicht Ablehnung Gefällt mir gar nicht Unentschlossene: 15 % Repräsentativbefragung von 1001 Personen ab 15 Jahren in Österreich 2009; Angaben in Prozent Lebensqualität

11 Was den BürgerInnen für ihre Lebensqualität wichtig ist Gesundheit Intakte Familie und Partnerschaft Zufriedenheit mit der persönlichen Lebenssituation Friedliches Zusammenleben mit anderen Menschen und soziales Engagement Schutz der Umwelt Sein Leben weitgehend selbst zu bestimmen Sozialer Ausgleich in der Gesellschaft Österreich Geld und Besitz mehren Deutschland Quelle: tns emnid, Umfrage mit jeweils Befragten in Österreich und Deutschland, Juli 2010; Angaben in Prozent Dienstleistungsgesellschaft

12 Die Dienstleistungsgesellschaft Antworten auf diese Entwicklung nur ansatzweise gefunden und Aufgaben für Entscheidungsträger kaum erkannt Unterscheidung Unternehmensbezogene Dienstleistung Personenbezogene Dienstleistung Qualifizierung und Ausbildung Kooperationen Die neue Definition von Qualität Die Bedeutung von Zeit Zeitknappheit

13 Zeitknappheit bestimmt zu sehr das Leben der Menschen Von je 100 Befragten stimmen der Aussage, dass Zeitknappheit zu sehr das Leben bestimmt, zu: Stimme sehr zu Stimme gar nicht zu k.a. Österreich Niederösterreich Repräsentativbefragung von Personen ab 15 Jahren in Österreich 2007; Angaben in Prozent Arbeitsmotivation Prof. Peter Zellmann Institut für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) 2012

14 Die zukünftige Berufswelt Fortschreitender Wertewandel im Spannungsfeld zwischen Beruf und Freizeit Von je 100 Befragten nennen als persönlich größten Anreiz Arbeit muss Spaß machen und Sinn haben * Entwicklung + /- Arbeit, die Spaß macht Sinnvolle Arbeitsinhalte Leistungsprämien Aufstiegs-/Karrierechancen Kürzere Arbeitszeit Quelle: Opaschowski: Deutschland 2010 *)eigene Berechnungen 2010 Repräsentativbefragungen von Personen ab 14 Jahren 1988, 1992, 1996, 2000 und 2010 in D bzw.ö, Arbeitsstil Zukunft

15 Flexibilität, Mobilität und Individualität Der Arbeitsstil der Zukunft ist geprägt von: * einer anderen Verteilung der Lebensarbeitszeit: länger an Jahren, ev. kürzer pro Woche Das Lebensarbeitszeitkonto * dem Berufswechsel als Normalfall * einem (noch) häufigeren Wechsel des Arbeitsplatzes * flexiblen Arbeitszeitmodellen: Arbeitszeitkonten, Jahresarbeitszeit * einer Zunahme von Zeit- bzw. Leiharbeitsmodellen * einer deutlichen Zunahme an Teilzeitarbeit * einer Zunahme an Tele- und Heimarbeit * einer Internationalisierung des Arbeitsumfeldes * einer Regionalisierung des Wertschöpfungsinteresses * Nachbarschafts- und Familienhilfe, sowie Tätigkeiten in sozialen Einrichtungen * einem stetig steigenden Anteil an Eigenverantwortung und Eigenvorsorge für Pension und Rente Formel für Lebensqualität

16 Die Formel für die Lebensqualität 2030 Lohnwert. Wohnwert. Freizeitwert. Das Gehalt bleibt wichtig Wohnqualität und Freizeitangebot werden zunehmend zu Niederlassungskriterien für Familien und Singles Die Wohnung wird zum zweiten Arbeitsplatz Multifunktionalität und Rückzugsmöglichkeiten sind wichtig Der Arbeitsplatz wird zum zweiten Heim Die Büroräume bekommen Wohnzimmerqualität Die aktuellen Themen für die Zukunft: Wohnen im Grünen? Immobilie als Vorsorge? Politik

17 Vertrauen in die Politik am Tiefpunkt Von je 100 Befragten haben Vertrauen in die österreichischen Parteien und PolitikerInnen: sehr groß (1) groß (2) gering (3) sehr gering (4) k.a. Ø Österreichische Bevölkerung ,27 Männer ,15 Frauen ,37 Personen mit HH-Netto- Einkommen unter Euro ,17 Personen mit HH-Nettoeinkommen zw u Euro ,36 Personen mit HH-Netto- Einkommen über Euro ,10 WienerInnen ,44 Telefonische Repräsentativbefragung von 500 Personen ab 15 Jahren in Österreich 2012, Angaben in Prozent 5 Erkenntnisse

18 5 Erkenntnisse sonst fahren wir mit Vollgas gegen die Wand Das Wirtschaftswachstum ist Geschichte das zugehörige Lebensgefühl auch Die Normalarbeitszeit gibt es nicht mehr Flexicurity als mögliches Erfolgsrezept Das bedingungslose Grundeinkommen kommt Leistung jenseits der Existenzsorge Das Bildungssystem braucht eine Notoperation Gesamtschule und Ganztagsschule Das Demokratiebewusstsein ist unterentwickelt Subsidiarität im Alltag lernen Literatur

19 Die Zukunftsgesellschaft Die Zukunftsfallen Die Zukunft der Arbeit Weltwirtschaftskrise, Überalterung, Freizeitgesellschaft, Wohlstandswende, Pensionskrise, Bildungsreform Unsere Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Die Verunsicherung ist groß nicht zuletzt, weil unser Bild der Zukunft von zahlreichen modernen Mythen, vollmundigen Prophezeiungen und einer Unzahl von Expertenmeinungen beeinflusst wird. Diese zu relativieren und unaufgeregt auf den Boden der Tatsachen zu bringen, ist Ziel meiner Forschungsarbeit und Publikationen. Die Gestaltung der Zukunft ist dem Einzelnen zumutbar. Schluss

20 OÖ Zukunftsakademie Netzwerk Zukunft Bezirk Grieskirchen 15. April 2013 Wie wir in Zukunft leben werden......hängt in erster Linie von der individuellen Analysebereitschaft und unserer Innovationsfähigkeit ab Danke für die Aufmerksamkeit! Haben Sie noch Fragen, Widersprüche, Ergänzungen? Bleiben wir im Gespräch: Prof. Peter Zellmann IFT Institut für Freizeit- und Tourismusforschung

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