Auf dem silbernen Tablet

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1 Auf dem silbernen Tablet Der Standort Blaichach, Leitwerk für die weltweite Fertigung der Sicherheitssysteme ABS/ESP, sammelt intensiv Erfahrung mit Industrie 4.0. In der neuen, vernetzten Arbeitswelt, geprägt von höchster Effizienz durch den Einsatz moderner IT, steht der Mensch im Mittelpunkt. Wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diesen Wandel erleben und gestalten? Beispielhaft kommen hier vier Beschäftigte aus unterschiedlichen Bereichen zu Wort. Sie erzählen über ihren Arbeitsalltag, was sie denken, wie sie handeln. Denn sie sind es, die die Informationen verarbeiten, die sie täglich auf dem silbernen Tablet serviert bekommen. Video GESCHAEFTSBERICHT.BOSCH.COM/INDUSTRIE4.0 27

2 MANUEL LEHMANN 34 Jahre alt Seit 1997 bei Bosch Seit drei Jahren Fertigungsplaner Wir haben 150 Maschinenbediener, ungefähr 20 Tablets sind im Einsatz. Bei Führungen durch unsere Pilothalle staunen Werkleiter von anderen Standorten immer wieder, wie das bei uns läuft. Wir sorgen mithilfe der IT für einen hohen Nutzungsgrad der Anlagen, müssen aber auch die Voraussetzungen schaffen, dass die Mitarbeiter fähig sind, die Technik zu nutzen. Durch Schulungen an Tablet, Smartphone und über Computer-Programme holen wir sie ins Boot und nehmen ihnen die Angst davor. Und an Beispielen wie dem Operator-Support-System zeigen wir ihnen, was sie von dieser Technik haben. Die Arbeit ist komplexer als früher, dafür fallen einfache Routineaufgaben weg. Früher lief morgens ein Mitarbeiter durch die Fertigung und zählte Bauteile. Das gibt es bei uns nicht mehr. Blaichach bietet Anschauungsunterricht. In der Fertigung finden sich riesige Touchscreens. Produktionsexperten, die früher an den Maschinen Bauteile kontrollierten und nachzählten, nutzen jetzt handelsübliche Tablets als gängiges Arbeitsgerät, mit dem sie die Fertigungsprozesse verfolgen und notfalls eingreifen können. Was man hier sieht, ist die neue Arbeitswelt, die als vierte industrielle Revolution bezeichnet wird: Industrie 4.0. Blaichach hat umgestellt, seine Fertigung mithilfe modernster IT komplett vernetzt, sämtliche Prozesse digitalisiert und visualisiert und damit auf Basis des Bosch Production Systems den Weg in die Zukunft eingeschlagen. Als Leitwerk für ein internationales Produktions-Netzwerk mit elf Standorten ist Blaichach bestens für diese Vorreiterrolle geeignet. Hier fertigen die rund Mitarbeiter allein von den Sicherheitssystemen ABS/ESP rund 6,7 Millionen Stück pro Jahr. Produktionsplaner, Sondermaschinenbau, Softwareabteilung und Anlagen- 28

3 SEYIT-ALI YILDIRIM 21 Jahre alt Seit 2009 bei Bosch Gelernter Industriemechaniker, jetzt Anlagenführer Wenn ich meinen Freunden erzähle, dass ich mit dem Tablet arbeite, können sie es kaum glauben. Ich musste mich ja auch umstellen, habe Schulungen gemacht, aber bald gemerkt, dass es einfacher und schneller wird. Ich betreue heute als Anlagenführer sechs Anlagen, die alle auf dem Tablet angezeigt werden. Unser Performance-Tracker bemerkt bereits Abweichungen der Taktzeit von Millisekunden. Man kann also sehr schnell reagieren. Auch die Ratschläge zur Fehlerbehebung im Operator-Support- System sind klasse. Ich kenne mich wirklich gut aus, trotzdem brauche ich sie manchmal, wenn ein Fehler auftritt. betreiber arbeiten Schulter an Schulter, tauschen sich ständig aus und treiben weitere Verbesserungen voran. Mit Industrie 4.0 bieten sich ganz neue Chancen, die Fertigung noch effizienter zu gestalten. Denn die Vernetzung sorgt für eine Fülle von Informationen und Daten, die es optimal zu nutzen gilt. Wer diese Informationen mit schnellen Computern geschickt auswertet, kann damit zum Beispiel die Qualität sichern, die Prüfung von Werkstücken beschleunigen und somit Zeit und Geld sparen. Hinzu kommen Vorteile aus der weltweiten Verknüpfung bekannter Fehlermuster in der Fertigung. In Blaichach hat man diese Muster mit den Erfahrungen über ihre erfolgreiche Behebung kombiniert und das Operator-Support-System entwickelt: Bei Bedarf werden gleich bewährte Handlungsempfehlungen angezeigt. Andere digitale Werkzeuge wie der Performance-Tracker (millisekundengenaue Taktzeitkontrolle) ermöglichen bei kleinsten Abweichungen ein frühes Eingreifen. So konnte in den vergangenen Jahren die Produktivität der weltweiten Anlagen für ABS/ESP nochmals um knapp 24 Prozent 29

4 TIMO DIVIVIER 31 Jahre alt Kam nach Ende eines Traineeprogramms mit Auslandsaufenthalt vor zwei Jahren nach Blaichach zurück Projektleiter im Bereich Industrie 4.0 Vieles funktioniert besser mit Industrie 4.0. Es kommt jetzt darauf an, die Potenziale vollständig zu nutzen. Eine der Herausforderungen ist der Umgang mit den großen Mengen von Daten. Wir versuchen, den Zeitaufwand für Beschaffung, Aufbereitung und Analyse zu minimieren, um mehr Raum für die Umsetzung möglicher Verbesserungsmaßnahmen zu haben. Sicher eine Frage der Technik. Wir testen Konzepte, um den Weg bis zur Analyse so einfach wie möglich zu machen. Die entscheidende Rolle spielt aber der Mitarbeiter. Er muss umdenken, denn der offene Umgang mit Technik erfordert auch einen offenen Umgang untereinander. Wissen aktiv zu teilen, das ist ein großer und wichtiger Schritt. gesteigert werden. Ein weiteres Plus der Vernetzung ist es, die Produktqualität auf eine neue Art steigern zu können. Dies geschieht durch die Analyse von Daten, die während der Nutzung direkt beim Kunden gewonnen und automatisch an den Hersteller übermittelt werden. Doch der Erfolg der Technik ist vom Menschen abhängig. Seine Arbeit hat sich verändert. Er muss den Umgang mit der digitalen Vernetzung annehmen, die Technik verstehen und ihre Möglichkeiten nutzen. Er muss die Rückmeldungen interpretieren und die richtigen Entscheidungen treffen. Deshalb ist in Blaichach auch viel von weichen Faktoren die Rede. Von Umdenken oder von Kulturwandel, vom Arbeiten mit der Technik, das ebenso einfach wie effektiv sein soll. Und von Begehrlichkeiten und Erwartungen, die Industrie 4.0 bei den Mitarbeitern geweckt hat und die es von allen gemeinsam zu erfüllen gilt. 30

5 HARALD WETZEL 40 Jahre alt Seit sechs Jahren Projektleiter Sondermaschinenbau Früher hatten wir für unsere Softwarelösungen oft wenig Akzeptanz bis wir anfingen, zuerst den Bedarf zu ermitteln. Dadurch findet auch durch die räumliche Nähe zur Fertigung ein reger Austausch zwischen den Disziplinen statt. Wir entwickeln sozusagen gemeinsam, als Basis immer mit Technologien, die sich im Bosch-Netz bewährt haben. Dabei ist unser Bestreben, die Anwendung und die Visualisierung der digitalen Werkzeuge so einfach wie möglich zu machen. Alles, was wir entwickeln, bekommt aber erst durch die Vernetzung der Werke wirklich Gewicht. Die Vorstellung, dass Beschäftigte, die sich nie direkt begegnen, wertvolle Erfahrungen austauschen, die jeder jederzeit abrufen kann, fasziniert nicht nur mich. Die Begeisterung für solche Themen findet sich in allen Altersgruppen. Und die Erwartungshaltung nimmt zu. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spüren, dass es vorangeht. Innnovationscluster Connected Industry Bosch hat seine Kompetenzen auf dem Gebiet der vernetzten Fertigung 2015 in einem bereichsübergreifenden Innovationscluster unter dem Namen Connected Industry gebündelt. Schon heute arbeiten hier rund 100 Experten aus allen Bereichen des Unternehmens zusammen. In vielen Werken arbeiten zusätzlich Fachgruppen, die mit mehr als 100 Pilotprojekten das Innovationscluster unterstützen. Das dadurch gebündelte Wissen nutzt Bosch nicht nur in den eigenen Werken, um die Wettbewerbsfähigkeit durch Industrie 4.0 zu stärken und neue Geschäftsfelder zu erschließen, sondern bietet auch externen Kunden entsprechende Lösungen an. Bosch ist auf dem Gebiet der vernetzten Produktion sowohl Leitanbieter als auch Leitanwender

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