Mit der WebQuest-Methode zu handlungsorientierten E-Learning- Arrangements (in einer Lernplattform) Sonja Gerber 2008

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1 Mit der WebQuest-Methode zu handlungsorientierten E-Learning- Arrangements (in einer Lernplattform) Sonja Gerber 2008 E-Learning ganz einfach?! Bis vor wenigen Jahren waren Lernplattformen mit ausgereifter Funktionalität eigentlich nur im Rahmen der Hochschullehre verbreitet, da einerseits die Lizenzierung sehr teuer war und andererseits die technische Betreuung so komplex, dass dies nur von einem (universitären) Rechenzentrum übernommen werden konnte. Schulen konnten sich dies schlicht und ergreifend nicht leisten. Mittlerweile gibt es jedoch einige Lernplattformen, die (für Schulen) nicht kostenpflichtig sind und auch ohne größeren Aufwand durch Schulen selbst administriert werden können. In einigen Bundesländern werden auf Wunsch Lernplattformen zentral für Schulen gehostet. Dadurch wird es für den einzelnen Lehrer bzw. die einzelne Lehrerin immer leichter, als Kursersteller Zugang zu einer Lernplattform zu erhalten. Viele dieser Lernplattformen sind sehr intuitiv zu nutzen und machen es dem Kursersteller sehr leicht, Inhalte einzustellen. Dies führt u.u. dazu, dass alte Arbeitsblätter aus dem Frontalunterricht als E-Learning-Inhalte in die Lernplattform eingestellt werden. Automatisch werden damit auch die didaktischen und methodischen Vorstellungen des bisherigen Unterrichts übernommen. E-Learning beschränkt sich dann ggf. auf das Öffnen und Ausdrucken von Arbeitsblättern. Tipp: Stellen Sie keine alten Arbeitsblätter in Ihre Lernplattform ein. Sie vermeiden damit eine Todsünde ;-): Verwendung vorhandener Lehrmaterialien für E-Learning. Vorüberlegung für ein E-Learning-Arrangement innerhalb einer Lernplattform: Was benötigen Schülerinnen und Schüler zum Lernen? Wenn Schülerinnen und Schüler zum Lernen angeregt werden sollen, dann benötigen sie mindestens Informationen darüber, was sie lernen sollen, wozu sie 1

2 lernen sollen, womit sie lernen sollen und wie ggf. das Gelernte überprüft / bewertet wird. Geht man davon aus, dass Lernen ein sozialer Prozess ist, dann muss auch Gelegenheit zur Kommunikation und Kooperation gegeben werden. Wie kann dies in einer Lernplattform umgesetzt werden? Tipp: Stellen Sie sich vor, Ihre Schülerinnen und Schüler würden (sollen) ganz ohne Sie lernen. Sie treffen zunächst nur alle Vorbereitungen für das Lernen und verschriftlichen Ihren Unterricht anhand der Strukturelemente, die Sie in der Tabelle finden: Strukturelement Inhalt Umsetzung Einführung Kurze Hinführung zum Thema Schreiben Sie einen Knüpft bereits an einleitenden Text für Ihre Erfahrungswelt der Lernenden an Weckt das Interesse am Problem bzw. einer Situation Lernenden und stellen Sie ihn an den Anfang Ihres Lernarrangements ( Datei 1) Bezug zu curricularen Bildungsinhalten Aufgabenstellung Klare und präzise Aufgabenformulierung und / oder Problemstellung Berücksichtigung authentischer Aspekte, evtl. fallbasiert Formulieren Sie ansprechende und herausfordernde Fragen und Arbeitsaufträge. Fragestellungen sollten nicht zu linear formuliert werden und sollten eigene Aktivitäten ermöglichen. Vermeiden Sie Aufgaben, die lediglich Wissen reproduzieren sollen ( Datei 2) 2

3 Hinweise zum Ablauf, Prozessbeschreibung Materialien Informationen über Arbeitsorganisation Vorschläge für einzelne Arbeitsschritte Sozialform evtl. Aufteilung der Gesamtaufgabe in einzelne Gruppenaufgaben grundsätzliche Regeln Verteilung einzelner Rollen Vorauswahl von Links z.b. auf Texte, Audios, Videos Literaturhinweise (z.b. auf Schulbuch) sonstige Materialien bzw. Tools, die zur Verfügung stehen Überlegen Sie sich, wie Ihre Schülerinnen und Schüler die Arbeit organisieren können. Falls die Bearbeitung Ihrer Aufgaben nicht ausschließlich in Ihrem Unterricht erfolgen soll, werden z.b. Foren und ggf. Chat zum kommunikativen Austausch benötigt. ( Datei 3) Erstellen Sie keine Arbeitsblätter, sondern stellen Sie eine Linkliste auf Materialien im www zur Verfügung. Geben Sie Hinweise, wo andere Materialien gefunden werden können. ( Datei 4) Präsentation Vorstellung der Arbeitsergebnisse Ihre Schülerinnen und Schüler präsentieren die Arbeitsergebnisse entweder im Unterricht oder digital in der Lernplattform. Sie haben die entsprechenden Informationen bereits in Ihren Hinweisen zum Prozessablauf formuliert. 3

4 Evaluation Kriterien für Produkt- und oder Prozessevaluation Reflexion des eigenen Lernund Arbeitsprozesses Feedback Die Kriterien für die Evaluation stellen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern von Beginn an schriftlich zur Verfügung. Geben Sie am Ende der Unterrichtseinheit auch Raum zur Reflexion was u.u. wichtiger ist als eine perfekte Präsentation ( Datei 5) Sie haben nun 5 Dateien, die Sie in Ihre Lernplattform einstellen können. Zudem könnten Sie Tools für die E-Kommunikation bereitstellen. Dies könnte wie folgt aussehen: 4

5 Mit Ihren Dateien haben Sie jetzt ein E-Learning-Arrangement auf Grundlage der WebQuest-Methode erstellt, das technisch vollständig umgesetzt ist. Aber: Technik ist nicht alles. Sie sollten noch einige weitere Überlegungen anstellen: Fragen zu Ihren Schülerinnen und Schülern: Haben (alle) Ihre Schülerinnen und Schüler außerhalb der institutionellen Lehr (Lern)veranstaltungen überhaupt Gelegenheit, auf das Lernarrangement zuzugreifen und die Kommunikationstools zu nutzen? Über welche / wie viel Medienkompetenz verfügen Ihre Schülerinnen und Schüler hinsichtlich der Nutzung von Internet, Diskussionsforen und Chat? Ist eine Einführung in die E-Kommunikation erforderlich? Welche Maßnahmen können bzw. müssen ergriffen werden, um die Medienkompetenz im Einzelfall oder insgesamt zu steigern? Sollte eine Netikette ein Knigge für die virtuelle Kommunikation - vereinbart werden? Ist selbstorganisiertes Lernen von der individuellen Lernbiographie Ihrer Schülerinnen und Schüler gesehen, überhaupt (schon) möglich? Fragen zur Betreuung Können Sie damit umgehen, dass Ihre Schülerinnen und Schüler selbstverantwortlich arbeiten und lernen? Was machen Sie während der regulären Unterrichtsstunden? Welche grundsätzliche Rolle nehmen Sie ein? Ist die konstruktivistische Ausrichtung des Lernprozesses mit WebQuests auch mit Ihrer eigenen (Lehrer-) Persönlichkeit vereinbar? Wie viel Lenkung bzw. Zurückhaltung im Moderationsablauf ist erforderlich? Wer kann, darf, soll die Kommunikation strukturieren? Soll überhaupt strukturiert werden? Wie wird die Moderation bzw. Betreuung durch Sie zeitlich sichergestellt? Ist sie aus zeitökonomischen Gründen für Sie überhaupt machbar? Erfahrungsgemäß bereitet das Einstellen von Dateien in eine Lernplattform nach etwas Übung keine Probleme. Bedenken Sie insbesondere am Anfang Ihrer Kurserstellerkarriere ;-), dass weniger mehr ist. Lassen Sie sich und ihren 5

6 Schülerinnen und Schülern Zeit, um Erfahrungen mit kleineren E-Learning- Arrangements zu sammeln. Wenn Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler mit dieser Form des Lehrens und Lernens vertraut sind und zu Recht kommen, können sie mit Hilfe der WebQuest-Methode weitere Themeneinheiten in die Lernplattform einstellen: Das Erstellen von E-Learning-Arrangements erfordert meist mehr Arbeit als die Unterrichtsvorbereitung für einen konventionellen Unterricht. Tipp: Suchen Sie sich Kolleginnen und Kollegen, mit denen Sie gemeinsam an Lernarrangements arbeiten oder mit denen Sie Themeneinheiten tauschen können. In digitaler Form ist dies auch dann möglich, wenn Sie nicht an der gleichen Schule arbeiten. 6

7 Literatur: Beuschlein, Heike: Informationstechnologien und Montessori-Pädagogik. Die Implementierung des Internets als Informationsmedium in Montessori-Schulen der USA. Dissertation 2003, ( ) Blumstengel, Astrid: Entwicklung hypermedialer Lernsysteme, Wissenschaftlicher Verlag, Berlin, 1998 Lehmann, Burkhard und Bloh, Egon (Hrsg.): Online-Pädagogik Band 2, Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2005 Sonja Gerber unterrichtet an der Käthe-Kollwitz-Schule in Bruchsal. Im Rahmen einer Sonderpädagogischen Konzeptionsgruppe ist sie an der Entwicklung und Umsetzung von E-Learning-Modulen für BVJ-Lehrerinnen und BVJ-Lehrer in Baden- Württemberg beteiligt. Hierfür bildet sie auch Teletutorinnen und Teletutoren aus. Für den Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz betreut sie regelmäßig als Teletutorin Onlinekurse mit didaktischen Fragestellungen. 7

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