Praxis GIS II: Dialekträume erfassen und modellieren

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1 GEO FS 2016 Einführung in die Raumanalyse mit GIS Vorlesung 10 Praxis GIS II: Dialekträume erfassen und modellieren Robert Weibel Geographisches Institut

2 2 Einführung Letzte Woche haben wir uns mit Eignungsanalysen zur Standortwahl beschäftigt, welche in GIS mit Multikriterien-Evaluation (MCE) unterstützt werden können, einige Grundlagen von Multikriterien-Evaluation eingeführt und danach zwei wesentliche Methoden genauer betrachtet, welche für die Definition und Verschneidung von räumlich expliziten Kriterien verwendet werden können: Boolsche (oder logische) Verschneidung gewichtete Verschneidung Für die gewichtete Verschneidung haben wir abschliessend zwei einfache Methoden zur Bestimmung der Gewichte diskutiert. Wie schon mehrfach gesagt: Fortsetzung zu MCE folgt in GEO 372

3 3 Heute werden wir eine etwas spezielle Lektion abhalten. Wir starten mit einem witzigen (so finde ich) Experiment (aus einer Studie des Deutschen Seminars UZH sowie Uni Basel): Sie füllen eine Karte und einen kurzen Fragebogen aus. (! Es dürfen auch Leute mitmachen, die nicht in der Deutschschweiz aufgewachsen sind.) Danach werden Sie in kleinen Gruppen nach Lösungswegen suchen, wie man in einem GIS Dialekträume modellieren könnte.! Ich werde dazu konkrete Fragen stellen. Ziel: Sie wenden das Wissen, das Sie über GIS bisher erworben haben, auf ein konkretes Problem an.

4 4 Inhalt 1. Experiment: Dialekträume auf der Karte einzeichnen 2. Gruppenarbeit: Mögliche Lösungen zur Modellierung von Dialekträumen aus den Einzelkarten? 3. Im Plenum: Elemente einer Lösung Nach Pause: Einführung in Übung 5 (Habitatsmodellierung)

5 5 Einführung Lernziele (Sie wenden Ihr Wissen und Ihre Eindrücke über Dialekte der Deutschen Schweiz an und liefern damit Daten für die germanistische Forschung.) Sie erarbeiten in einer kleinen Gruppe mögliche Lösungswege für ein gestelltes Problem: Auf welche Art(en) kann man die einzelnen Karten von Dialekten in einem GIS zusammenbringen, damit danach die Räume bestimmter Dialekte entstehen? Sie wenden dazu Ihr Wissen aus den vorhergehenden Lektionen von GEO 243 an. Es wird keine neue Theorie eingeführt.

6 6 1. Experiment Hintergrund: Dialekt-Wahrnehmung (perceptual dialectology) Wie verorten unterschiedliche Personen ihnen bekannte Dialekte? Wie bewerten sie diese Dialekte? Studie von Dr. Christian Schwarz, Deutsches Seminar Uni Basel Dr. Philipp Stoeckle, Deutsches Seminar Uni Zürich Aufgabe Kartieraufgabe Fragebogen Der Fragebogen enthält alle nötigen Instruktionen! zuerst lesen! WICHTIG: Fragebogen und Karte mit Kürzel beschriften!!

7 V10 Praxis GIS II: Dialekträume erfassen und modellieren 7 Personen, die nicht in der Deutschschweiz aufgewachsen sind, dürfen auch mitmachen.! Herkunftsgebiet einzeichnen und mit 1 markieren (z.b. Kanton Schaffhausen, Kanton Tessin usw.)! Falls Herkunftsgebiet nicht auf der Karte (z.b. UK): auf Fragebogen vermerken 20 Minuten Zeit! (Nicht vergessen: Kürzel auf den Fragebogen und die Karte schreiben!!)

8 V10 Praxis GIS II: Dialekträume erfassen und modellieren 8 2. Gruppenarbeit (je 4-5 Personen) Hauptfrage: Wie kann man mit GIS viele einzelne perceptual dialect maps zu einer Gesamtkarte mit Dialekträumen aggregieren? Beispiel: Wie kann man aus Einzelkarten den Dialektraum von Geordie (Newcastle) aggregieren? Montgomery (2011)

9 9 Gruppenarbeit Annahme: Die einzelnen Flächen, die gezeichnet wurden, sind schon ins GIS übertragen worden (= digitalisiert). Ziel, Endprodukt: Wir müssen nur noch die Einzelflächen der verschiedenen Probanden zu einem aggregierten Dialektraum zusammenfügen. Beispielsweise alle Flächen, die von Probanden mit Berndeutsch beschrifte wurden, zu einem Dialektraum Berndeutsch. Endprodukt: Karte mit Grad der Übereinstimmung (Agreement) Agreement = vergrössert 1

10 10 Gruppenarbeit: Aufgaben, Fragen 1. Entwerfen Sie einen Lösungsweg, um das geforderte Endprodukt zu erzeugen. 2. Für jeden Schritt! GIScience Denkprozess Welches konzeptionelle Datenmodell verwenden Sie für das Real- Phänomen Dialektraum?! Einzelkarte vs. aggregierte Karte? Welche Datenstruktur (Vektor, Raster)? Bei Vektor: Polygon oder Linien? Gibt es Übergänge Ra!Ve oder Ve!Ra? Welches Skalenniveau haben die Attribute? Welche GIS-Operation(en) werden durchgeführt? 3. Halten Sie Ihre Lösung auf einer (oder mehr) Folien fest. 4. Wir werden danach 2-3 Gruppen auslosen, welche ihre Lösung kurz präsentieren. 5. Zeit: 20 Minuten

11 11 Gruppenarbeit: fakultativ Fakultativ 1: Wir haben vorhin angenommen, dass die gezeichneten Karten schon digitialisiert wurden. Was aber, wenn wir diese Zeichnungen zuerst digitalisieren müssen? Welche Schritte sind dazu nötig? Welche Datenstrukturen (Vektor, Raster)? Bedienen Sie sich dabei auch bei den Fernerkundungsvorlesungen. Fakultativ 2: Hätte man die Karten auch gleich direkt digital produzieren können statt mittels Zeichnen auf einer Papierkarte? Was hätte es dazu benötigt?

12 12 3a. Mögliche Lösungswege: Ihre Lösungen Kurzpräsentationen Ihrer Lösungen Diskussion

13 13 3b. Eine mögliche Lösung aus der Literatur Montgomery, C. and Stoeckle, P. (2013): Geographic Informations Systems and Perceptual Dialectology: A Method for Processing Draw-a-Map Data. Journal of Linguistic Geography, 1, Schritt-für-Schritt Lösungsweg aus der Literatur der kognitiven Dialektologie! daher viele Hintergrundinformationen zu GIS Es lohnt sich, den Artikel zu lesen! easy reading, gute Story

14 14 Flussdiagramm

15 15 Ausgangspunkt: Handgezeichnete Karte(n)

16 16 Georeferenzierung

17 V10 Praxis GIS II: Dialekträume erfassen und modellieren 17 Digitalisieren der einzelnen Polygone

18 18 Attributierung der digitalisierten Polygone

19 19 Mehrere Dialektwahrnehmungen in einem Datensatz

20 20 Nach Union: Grad der Übereinstimmung

21 V10 Praxis GIS II: Dialekträume erfassen und modellieren 21 Nach Union: Grad der Übereinstimmung (Agreement)

22 V10 Praxis GIS II: Dialekträume erfassen und modellieren 22 Rasterisierte Übereinstimmung (Agreement)

23 V10 Praxis GIS II: Dialekträume erfassen und modellieren 23 Rasterisierte Übereinstimmung (in %, transparent)

24 24 Zusammenfassung: Flussdiagramm

25 V10 Praxis GIS II: Dialekträume erfassen und modellieren 25 Vergleich mit anderen Datensätzen Vergleich mit topographischen Objekten Vergleich unterschiedlicher Klassen von Probanden

26 V10 Praxis GIS II: Dialekträume erfassen und modellieren 26 Konzentration auf die Linien statt Polygone Alle Umrisslinien der wahrgenommenen Dialektgebiete aller Probanden (Vektor) Ermittlung der Dichte von Umrisslinien mittels line density zeigt Hauptgrenzen

27 27 Wrap-up Literatur Montgomery, C. (2011): Perceptual Dialectology, Bespoke Methods and the Future for Data Processing. 8 th United Kingdom Language Variation and Change Conference (UKLVC8), Edge Hill University. Montgomery, C. and Stoeckle, P. (2013): Geographic Informations Systems and Perceptual Dialectology: A Method for Processing Draw-a-Map Data. Journal of Linguistic Geography, 1,

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