Ohne Energie keine Prosperität Strategien für die Zeit nach dem Öl. Dr. Josef Auer Branchenanalyse Oktober 2005

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1 Ohne Energie keine Prosperität Strategien für die Zeit nach dem Öl Dr. Josef Auer Branchenanalyse Oktober 2005

2 Mehr Beachtung für Sicherheit im Zieldreieck Umwelt u. Wirtschaftlichkeit im Zieldreieck der Energiepolitik in 90er Jahren übergewichtet Sicherheit entpuppt sich nun als Illusion Blackouts in Nordamerika und Europa offenbaren Schwachstellen Energieinfrastruktur weltweit veraltet Aktueller Preisschub bei Öl ist nur ein Vorspiel Renaissance des Sicherheitsziels ist geboten 2

3 Ende des Ölzeitalter naht Neue Preissphären absehbar Nachfrage-Boom durch Energiehunger in China/Indien Gleichzeitig Angebot zunehmend unsicher Nur geringe Investitionen in Ölförderanlagen Mangel an Transport- und Raffineriekapazitäten Anhaltende Unruhen im Nahen Osten Politische Probleme in Förderländern Reserven gehen zur Neige erst Öl, später auch Gas Ressourcen bei Öl niedriger als bei Gas, Kohle Statische Reichweiten u. Förder-Peak aus Sicht von Ökonomen wenig relevant Wichtiger: Nachfrage-Angebots-Schere! Öffnen der Schere verheißt neue Preissphären 3

4 Die Zeiten dauerhaft billigen Öls sind vorbei Realer und nominaler Rohölpreis 90 USD/Barrel 80 real Preise für Normalbenzin in Deutschland, Cent pro Liter real nom inal nom inal Quellen: HWWA, MWV, OECD, eigene Berechnungen 4

5 Bedeutung regionaler Abhängigkeiten nimmt zu Ölproduktion Mio. Fass pro Tag Region OECD 21,1 12,7 Russland 7,7 10,8 Kaspische Region* 1,9 5,2 China 3,4 2,2 OPEC 28,2 64,8 Golf-OPEC** 19,0 51,8 Welt 77,0 121,3 Anteil OPEC 37% 53% Anteil Golf-OPEC 25% 43% *plus andere Transformationsländer **Iran, Irak, Katar, Kuw eit, SA, VAE Quelle: IEA, World Energy Outlook, 2004 Produktion der OECD-Länder sinkt Marktanteil der (Golf-)OPEC steigt wieder deutlich an Macht wird erneut ein Preisfaktor 5

6 Neue Importeure Regionale Nähe von Vorteil Erdgas-Importabhängigkeit Region Nordamerika OECD Europa OECD Asien China Indien Quelle: IEA, World Energy Outlook, Netto-Importe (Mrd. m³) Anteil am Verbrauch in % 6

7 Mehr Erneuerbare Energien unumgänglich Ressourceneigenschaften von Energieträgern erneuerbar erschöpfbar Erdgas Erdöl Kohle Uran nichterneuerbar nichterschöpfbar Biologische Energieressourcen Gezeitenkraft Solarenergie Wasserkraft Windenergie Günstige Ressourceneigenschaften, aber Nachteil Wirtschaftlichkeit; deshalb Subventionen notwendig Chancen für Massenmarkt in der Zeit nach Öl Anteil Erneuerbare Energien an Stromverbrauch bis 2010: EU-25: 21% (1997: 12,9%) DE: 12,5% (4,5%) Quelle: eigene Darstellung 7

8 Bio-Energien hängen Öl und Gas bei 100 USD/Barrel ab Bio-Sprit ist ab einem dauerhaften Ölpreis von 100 USD bereits jetzt mit heutiger Technik konkurrenzfähig. Im Wärmemarkt sind Öl- und Gasheizungen bei 100 USD gegen Pelletsheizungen kostenmäßig unterlegen. In der Stromerzeugung konkurriert Biomasse in Deutschland nicht direkt mit Öl. Bis zur betriebswirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit gegenüber den fossilen Energien wird es noch einige Zeit dauern. 8

9 Einsparanstrengungen u. Effizienz forcieren Schont knappe Energieressourcen u. Umwelt Entkoppelung von Wachstum u. Energieverbrauch Industrie hebt Effizienzpotenziale wg. Wettbewerb Immer noch Vergeudung in privaten Haushalten Breite Palette von Instrumenten/Strategien Steuerliche Innovationen wie Ökosteuer Wirkungsgrade von Kraftwerken bis Least-Cost-Planning Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen Hohe Potenziale im Verkehrssektor (Motoren bis ÖPNV) Staatliche Vorgaben (Wärmeschutzverordnung bis Energiepass für Immobilien) 9

10 Moderne Geopolitik geboten Strategische Ellipsen Öl Gas Stabilisierung der Lieferländer in der strategischen Ellipse u. Nordafrika von großer Bedeutung Auf-, Ausbau, Sicherung der Energieinfrastruktur z.b. gemeinsame Projekte: Bau von Pipelines/Häfen Hat Kampf um knappe Energieressourcen bereits begonnen? Quelle: BGR, Rohstoffwirtschaftliche Länderstudien, aktual

11 Neue Generation von Kraftwerken notwendig Nutzung fossiler Energien (v.a. Kohle) in alten Kraftwerken ist ineffizient und umweltschädlich, aber CO 2 -freie Kohlekraftwerke haben Chancen, aber nicht vor 2020 Interessant auch für Volumenmärkte China/Indien Aber Effizienzsteigerung konventioneller Kohlekraftwerkstechnik zunächst wichtiger Kernenergie international wieder stärker beachtet Finnland/Frankreich planen Bau von Druckwasserreaktoren (ERP) Renaissance (auch in D) längerfristig denkbar (neue KKW mit verbesserter Sicherheit u. weniger radioaktivem Abfall) Problem: Entsorgung? Kernfusion: Backstop-Technologie, aber nicht vor

12 Dezentrale Energieversorgung birgt Chancen Umstrukturierung traditioneller Energieversorgung Produktion von Strom mittels Brennstoffzellen dort, wo auch die Wärme genutzt werden kann Regulierer sollte faire Rahmenbedingungen schaffen (Netzzugang, Einspeisevergütungen) Entstehen virtueller Kraftwerke denkbar, wenn Interessengegensatz aufgehoben wird Dezentralisierung mindert Gefahr von Blackouts Umbau der Strukturen erfordert Jahrzehnte 12

13 Hohe Investitionen erforderlich Bis 2030 weltweiter Investitionsbedarf für Modernisierung u. Erweiterung der Energieinfrastruktur von USD 16 Bill. (IEA) Elektrizitätswirtschaft USD 10 Bill. (davon China: über 2 Bill.) Öl u. Gas je USD 3 Bill.; Kohle: USD 0,4 Bill. Hoher Investitionsbedarf im Kraftwerkssektor auch in Europa Sonderfall D: bis 2030 sind 2/3 der Kraftwerksleistung ( MW) zu ersetzen/modernisieren Blackouts erfordern Verbesserung des Stromnetzes Weltweit gestiegene Risiken gegeben 13

14 Einstieg in solare Wasserstoffwirtschaft beginnen Zukunftspotenziale von H 2 als Energieträger enorm Brennstoffzellen (BZ) kommt eine Schlüsselrolle zu Mobile BZ: 2020 bis 2030 Anteil an Gesamtproduktion im niedrigen zweistelligen Bereich (z.b. U-Boote, städtische Busse, Handelsschiffe) Stationäre BZ: Anteil in 10 Jahren im niedr. einstelligen Bereich Portable BZ: früher, aber aus Versorgungssicht wenig relevant (z.b. Laptops, Camcorder, Fernsehkameras) Mit Silizium möglicherweise missing-link gefunden Optimales Speicher- und Transportmedium Mobilisierung eines ungenutzten Weges Energieverlust etwa 20% aber nur Überschussenergie 14

15 Das Ölzeitalter in langfristiger Perspektive!? Fördermenge

16 Fazit: Zeit zum Handeln gekommen Ölzeitalter läuft nach Boomphase allmählich aus Preisanstieg für Energie programmiert Werden intelligente Zukunftsstrategien umgesetzt, sind Energieperspektiven auch nach Öl günstig Hohe Investitionen erforderlich 16

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