Arbeitsräume im Internet für Schulen Bericht Nr. 1

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1 Arbeitsräume im Internet für Schulen Bericht Nr. 1 E-Learning mit Lernplattformen Landesinstitut für Schulentwicklung Hinweise zur Einführung Qualitätsentwicklung und Evaluation Schulentwicklung und empirische Bildungsforschung Bildungspläne Stuttgart 2010 ARIMIS 1

2 Redaktionelle Bearbeitung Redaktion: Autor: Layout: Hans Zaoral, LS Stuttgart Andreas Stöffer Hans Zaoral, LS Stuttgart Stand: Oktober 2008 Impressum Herausgeber: Druck und Vertrieb: Urheberrecht: Herausgeber: Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) Heilbronner Str. 172, Stuttgart Fon: Internet: Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) Heilbronner Str. 172, Stuttgart Fax: Fon: oder Inhalte dieses Heftes dürfen für unterrichtliche Zwecke in den Schulen und Hochschulen des Landes Baden-Württemberg vervielfältigt werden. Jede darüber hinausgehende fotomechanische oder anderweitig technisch mögliche Reproduktion ist nur mit Genehmigung des Herausgebers möglich. Soweit die vorliegende Publikation Nachdrucke enthält, wurden dafür nach bestem Wissen und Gewissen Lizenzen eingeholt. Die Urheberrechte der Copyrightinhaber werden ausdrücklich anerkannt. Sollten dennoch in einzelnen Fällen Urheberrechte nicht berücksichtigt worden sein, wenden Sie sich bitte an den Herausgeber. Bei weiteren Vervielfältigungen müssen die Rechte der Urheber beachtet bzw. deren Genehmigung eingeholt werden. Landesinstitut für Schulentwicklung, Stuttgart 2010

3 1. Einführung Allgemeine Arbeitsvoraussetzungen Historie von LMS Entwicklung von LMS allgemein Entwicklung von Moodle Moodle.org Moodle.de Ist Moodle für meine Schule das richtige System? Vor- und Nachteile Auswirkungen auf den Schulbetrieb Installationsvoraussetzungen Moodle in Baden-Württemberg Landesbildungsserver kostenlose Kursräume in Moodle Lehrerfortbildungsserver Landesmedienzentrum - Moodle in der Musterlösung BelWü (wissenschaftliches Hochschulnetz) Weitere Möglichkeiten für den Moodle Betrieb Kommerzielles Hosting Eledia und1.de Erste Schritte Installationsszenarien PaedML (Linux/Novell) Was bedeutet Integration in die PaedML? Vorteile und Nachteile PaedML Windows Belwü Vorteile und Nachteile Rootserver Warum überhaupt ein Rootserver? Keine Freiheiten ohne Verpflichtungen Seite 1

4 Providervergleichstabelle AGB 1und Mandantisieren von Moodle Fazit Moodle im Praxiseinsatz Konfiguration und Administration Auswirkungen auf den Schulbetrieb Verantwortung der Schulleitung Rechtliche Aspekte Budget Sicherheitsaspekte Zugriffsberechtigungen Datenschutz in Moodle Zusammenfassung Seite 2

5 Seite 3

6 1. Einführung Die Erfindung des Computers hat unser Leben in sehr kurzer Zeit stark verändert. Es gibt kaum noch Bereiche in denen der Computer nicht zu einem Hilfswerkzeug geworden ist. Das Internet beschleunigt diese Entwicklung noch und schafft gleichzeitig vielfältige neue Anwendungen, die es angemessen zu nutzen gilt. Eine Gruppe dieser Anwendungen sind Lernplattformen, bzw. Learning Management Systeme (LMS), die uns im (schul)internen Computernetzwerk und im Internet zur Verfügung stehen. Für die Nutzung wird lediglich ein Webbrowser benötigt, der auf allen gängigen Betriebssystemen zur Verfügung steht. Internettechnologien dieser Art gibt es erst seit einigen Jahren und schon ist die Nachfolgegeneration Web am Zug und begeistert vorwiegend Jugendliche Benutzer mit Anwendungen wie myspace.com 2 YouTube 3 oder studivz 4 und schuelervz 5 boomen zur Zeit, und Web 3.0, das semantische Web 6 steht schon in den Startlöchern. In den Schulen allerdings beginnt eine Nutzung des Internet, von Lernplattformen im Unterricht und die Integration der Technologien gerade erst. Die oben beschriebene rasche Entwicklung muss von Schulen als Lernort aufgegriffen und richtig verarbeitet werden, so dass Schule auch morgen noch dem Anspruch an eine qualifizierte Unterrichtsvermittlung von Schülerinnen und Schülern gerecht werden kann und diese eine gute Grundbildung für die Erfordernisse von Studium und Berufsleben erhalten. Teil I der ARIMIS-Projektdokumentation beleuchtet aus dieser Perspektive die technischen Rahmenbedingungen, die an einer Schule für den Betrieb von Lernplattformen geschaffen werden müssen und gibt im Hauptteil einen Überblick über allgemein notwendige Voraussetzungen. Nach einem Ausflug in die Historie von Lernplattformen, geht es detailliert um Aspekte, die im Projekt betrachtet wurden, und die eine gute Ausgangsbasis sind, wenn die Ausstattung mit IT-Systemen und der notwendigen technischen Infrastruktur geplant ist Seite 4

7 Folgend wird die Konfiguration sicherer Server für den Betrieb von Lernplattformen besprochen. Dort findet sich eine komplette Anleitung für den Aufbau eines Rootservers auf Basis von Open Source Systemen, die frei verfügbar sind. Zusätzlich werden einzelne Dienste detailliert besprochen und sind mit Hintergrundinformationen versehen. Der Hauptteil der Dokumentation richtet sich an Schulleitungen und Entscheider bei Schulträgern, Regierungspräsidien und den Ministerien. Dabei wurde darauf geachtet den Sachverhalt allgemein verständlich zu formulieren, so dass keine tieferen technischen Fachkenntisse erforderlich sind. Tabellen und Checklisten geben eine praktische Hilfe für die Konzeptionierung technischer Systeme. Teil II richtet sich an technisch versierte Administratoren, die mit der Installation und Konfiguration von Linux Servern vertraut sind. Auf Basis der freien Linux Distribution Debian 7 wird die Konfiguration ausführlich beschrieben. Mit Screenshots und Code Listings sowie weiteren Hintergrundinformationen wird ein Server aufgebaut, der über eine sichere Implementierung notwendiger Software verfügt und für den Betrieb mehrerer unabhängiger Webseiten mit Lernplattformen ausgelegt ist. Dadurch ist es möglich, dass sich regionale Schulen einen Server teilen, der durch eine Schule mit entsprechenden Kapazitäten und dem notwendigen Know-how betreut wird. Wir hoffen, dass der interessierte Leser sich wiederfindet und spannende sowie verwertbare Informationen findet. 1.1 Allgemeine Arbeitsvoraussetzungen Für den reibungslosen Betrieb eines Learning Management Systems (i. F. LMS) sind verschiedene Aspekte zu beachten 8. LMS sind i. d. R. web- bzw. internetbasierende Softwareprodukte, die mit Benutzung eines Internet Browsers, z. B. Internet Explorer 9 oder Firefox 10, angezeigt und bedient werden. Ein eigenständiges Softwareprogramm auf dem eigenen Computer wird nicht benötigt. LMS werden auf speziellen Computern, sogenannten Servern, 7 8 S. auch Kapitel und Seite 5

8 ausgeführt. Server befinden sich immer im Verbund (i. F. Netzwerk) mit weiteren Computern (i. F. Clients), die auf Dienste des Servers zugreifen und von Lehrkräften und Schülern (i. F. Nutzern) bedient werden. Ein LMS ist so ein Dienst. Weitere Dienste von Servern sind z. B. die Bereitstellung von Druckern und Speicherplatz im Netzwerk oder der Betrieb der schuleigenen Webseite im Internet. Server haben aufgrund ihrer Aufgaben spezifische Anforderungen an die Hardware, z. B. die Menge an Arbeitsspeicher oder die Geschwindigkeit des Prozessors. Wird das LMS im Internet betrieben, spielt auch der vorhandene Internetzugang eine wesentliche Rolle, und wenn multimediale Elemente, wie Filme, Animationen oder dreidimensionale Modelle im LMS genutzt werden, müssen auch die Clients leistungsfähig genug sein, diese Elemente auszuführen 11. Für die Integration in die schulische Infrastruktur (i. F. IT-Infrastruktur) ist eine sorgfältige Planung notwendig, zahlt sich aber sicher aus. Investitionen in diese IT- Infrastruktur sind langfristig und sollten zukünftige Entwicklungen in Unterricht, Schulorganisation, Entwicklung von schuleigenen Curricula und die Berücksichtigung des Medienentwicklungsplans antizipieren. Für einen umfassenden Einstieg in die Thematik sind in den folgenden Kapiteln detaillierte Informationen und Erfahrungswerte aus dem Projekt ARIMIS zu den technischen Voraussetzungen für den Betrieb von LMS in der Schule zusammengefasst. 1.2 Historie von LMS Entwicklung von LMS allgemein Die Idee hinter Learning Management Systemen (LMS), Lernen unabhängig von Ort und Zeit zu ermöglichen, gibt es schon lange. So gab es bereits 1728 in der Boston- Gazette ein Angebot, Lerneinheiten wöchentlich per Post zu beziehen, was genauso perfekt funktionieren sollte als wäre man am Unterrichtsort wurde von der Universität von Wisconsin-Madison 12 der Begriff Distance Education geprägt. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden dann private und öffentliche 11 S. auch Kapitel Seite 6

9 Bildungseinrichtungen gegründet, die von Beginn an auf Fernlehrgänge und -studien spezialisiert waren zum Beispiel die Universität Wisconsin-Extension" als Erweiterung der o. g. Universität Wisconsin-Madison. Ziel war und ist es, möglichst viele interessierte Bürger mit Wissen zu versorgen. Für weitere Informationen finden Sie einen interessanten Artikel in der englischsprachigen Wikipedia. 13. Die wohl bekannteste universitäre Einrichtung in Deutschland ist die Fernuniversität Hagen in Nordrhein-Westfalen, die im Jahr 1974 gegründet wurde und 1975 Ihren Betrieb aufnahm. Im Jahr 2007 waren ca Studenten eingeschrieben. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Anbieter aus der privaten Wirtschaft. Parallel dazu entwickelten Wissenschaftler seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sogenannte Lehr- und Lernmaschinen für verschiedene Zwecke entwickelte der bekannte Psychologe B.F. Skinner eine solche Lehrmaschine. 14 Allerdings ist der Begriff der Lehr-/Lernmaschine schon viel älter. Bereits im 17. Jahrhundert wurde in Deutschland eine solche Maschine vorgestellt entwickelte Athanasius Kircher das Organum Mathematicus, eine Lehrmaschine in Form eines Holzschreins für den Mathematikunterricht 15. Das Lernen auf Entfernung spielt also bereits seit über 300 Jahren eine Rolle in der Bildung und hat durch die moderne Computertechnologie eine ganz neue Dimension gewonnen. In den 60er und 70er Jahren entwickelten sich mit den Computersystemen und den ersten wissenschaftlichen Computernetzwerken die ersten Anwendungen für Lehr- und Lernzwecke wurde das Unternehmen asymetrix gegründet, das Toolbook eines der ersten Autorensysteme für Lernprogramme entwickelte. Heute bietet das Unternehmen unter dem Namen SumTotal Systems 16 komplette LMS Lösungen für Unternehmen an (Dieser Hinweis stellt ausdrücklich keine Empfehlung für ein System dar, sondern nur ein Beispiel für ein Unternehmen, das bereits sehr lang mit virtuellem Lernen beschäftigt ist) Seite 7

10 Auf Basis dieser Entwicklungen ist ein Trend von Hochschulen und Bildungseinrichtungen in Richtung Lernen über das Internet zu verzeichnen. Spätestens mit dem Einzug der Computer und der intensiven Nutzung des Internets in unserem Leben und der Bildung, spielt, neben den methodisch/didaktischen Modellen, die dahinter stehende Technik eine immer größere Rolle. Finanzielle Erwägungen und die Auswahl verfügbarer Technologien müssen gut überlegt sein, damit der Einsatz von Erfolg gekrönt ist und sich die Anwendung der Systeme im Unterricht bei Schülern und Lehrkräften durchsetzt. Dazu finden Sie in den weiteren Kapiteln Informationen und Ansätze als Entscheidungsgrundlage für eine stabile und performante technologische Infrastruktur, um LMS zu betreiben. Zuerst aber ein Überblick über die Entwicklung von LMS allgemein, was sie heute leisten und worauf es ankommt. Einzelne Funktionalitäten werden dann am Beispiel von Moodle 17 besprochen. Bei Moodle handelt es sich um eine freie LMS-Software, die ohne Lizenzgebühren genutzt werden kann und in Baden-Württemberg vielfach eingesetzt wird 18. In Europa startet die 1959 gegründete norwegische Bildungseinrichtung NKI Distance Education mit einem selbst entwickelten LMS erste Online Kurse. Das System basierte noch auf einem Konferenzsystem und hieß EKKO. Die eigentliche Entwicklung komplexer LMS, wie wir Sie heute vorfinden, beginnt Anfang der 90er Jahre. Ein erstes System war HyperCourseware. Es wurde 1990 an der Universität von Maryland als Prototyp für ein elektronisches Klassenzimmer, Teaching Theatre genannt, entwickelt. Ziel war dabei eine nahtlose und hoch integrierte virtuelle Umgebung zu schaffen, die die Lehrkraft im Unterricht voll unterstützen kann. Programmiert wurde das LMS mit ObjectPlus, einer Programmiersprache, die die Entwicklung von Software sowohl für Computer mit Windows, wie auch Apple Macintosh Computer erlaubt wurde das System dann für den Einsatz im Internet optimiert. Funktionen, die auch heute Kernelemente von LMS darstellen, waren bereits integriert: Dazu gehören unter anderem: S. auch Kapitel Seite 8

11 Werkzeuge zur Zusammenarbeit, z. B. o Ein elektronisches Forum zur Kommunikation von Schülern und Lehrern o Das Versenden von s Hoch- und Herunterladen von Dokumenten Online-Tests Feedbackmöglichkeiten Lerntagebücher In der Folge entstanden immer mehr Unternehmen, die kommerzielle Lösungen für LMS entwickelten und vertrieben. Davon sind heute noch einige am Markt, wie z. B. BlackBoard 20 und Fronter 21. Weitere Informationen zu den verschiedenen Systemen finden Sie auch auf dem E-Learning Portal Baden-Württemberg 22. Technologisch sind LMS auf den Einsatz im Intranet 23 und Internet 24 ausgerichtet. Die oben beschriebenen Funktionselemente lassen sich in folgende Funktionskategorien zusammenfassen: Kollaboration Werkzeugen für die Zusammenarbeit, z. B.: Kalender Interaktion Umgang mit komplexen Computersystemen Lernorganisation z. B. Dateiablage und Lerntagebücher Kompetenzentwicklung z. B. Selbstlernen und Gruppenarbeit Test und Auswertung Lernstandskontrollen durchführen. Damit das LMS alle diese Funktionen ausführen kann, wird ein entsprechend vorkonfigurierter Server benötigt, auf den das LMS installiert wird 25. Auch Moodle erblickte Ende der Neunziger das Licht der virtuellen Welt. Der Erfinder und Kopf von Moodle, Martin Dougiamas, experimentierte 1998/1999 mit Prototypen des heutigen Systems. Auch wenn sich diese Dokumentation auf die technischen Aspekte von LMS konzentriert, sei an dieser Stelle noch auf einen ausführlichen Artikel zu den pädagogischen und methodisch/didaktischen S. Kapitel und Seite 9

12 Grundlagen auf denen Moodle aufbaut hingewiesen, der im Jahr 2000 veröffentlicht wurde Entwicklung von Moodle In den weiteren Kapiteln wird zentral auf Moodle als LMS eingegangen. Moodle ist eine Abkürzung für Modular Object Oriented Dynamic Learning Environment bzw. Modulare Objekt-Orientierte Dynamische Lernumgebung. Objektorientierung bezieht sich in diesem Zusammenhang auf den Aufbau von Moodle. Moodle besteht aus vielen einzelnen Komponenten oder Objekten, die durch die anwendenden Lehrkräfte zu einem Kursarrangement zusammengesetzt werden. Die Idee ist dabei, ein hohes Maß an Individualität in den Moodle Kursen zu ermöglichen, so dass sehr flexibel auf die jeweilige Klassensituation eingegangen werden kann 27. Das Land Baden-Württemberg setzt bei dem Einsatz von LMS an Schulen bereits seit ca. 3 Jahren auf Moodle, z. B. wurde das LMS in der Version in die Linux Musterlösung des Landes integriert. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Angeboten rund um den Betrieb von Moodle bis hin zur Qualifikation von Anwendern und Administratoren Moodle begann 1999 als ein Projekt an der Curtin University 32 in Australien. Martin Dougiamas, der Erfinder und Kernentwickler von Moodle, war zu der Zeit Administrator des kommerziellen Lernsystems WebCT, dass heute von Blackboard 33 vertrieben wird. Er war aber mit den Möglichkeiten des Systems nicht zufrieden und begann eine Eigenentwicklung eines LMS und nahm zusätzlich zu seinem Informatikstudium ein Studium der Erziehungswissenschaften auf, um die verschiedenen Lerntheorien in die Entwicklung einfließen zu lassen. Nach seinen Überzeugungen sieht er Moodle im Kontext des Konstruktivismus 34, worüber er S. auch Kapitel Seite 10

13 einen Artikel verfasste 35. Nach einigen Prototypen wurde 2002 die erste stabile Version Moodle 1.0 veröffentlicht. Bei der Entwicklung wurde von Beginn an das Feedback der Anwender berücksichtigt. Mit der iterativen Programmierung von Prototypen die schrittweise Entwicklung des Programms unter Berücksichtigung des Anwender Feedbacks - entstand die Funktionalität und das Layout von Moodle. Auch heute wird weiterhin iterativ programmiert. Nach der Veröffentlichung einer Version gibt es täglich weitere Versionen, die entweder Fehlerbereinigungen beinhalten oder Sicherheitslücken schließen, die sonst die Funktionalität des LMS oder des Servers beeinträchtigen können. Wenn neue Funktionalitäten hinzugefügt (implementiert) werden, gibt es eine nächste Version (Release). Zum Zeitpunkt dieser Dokumentation ist die Version des LMS aktuell. Zwischen der Version 1.0 und liegen also ca. 5 Jahre Entwicklungszeit mit vielen Zwischenschritten 36. Das liegt unter anderem auch an der Komplexität von Moodle, das aus vielen Zeilen Programmcode besteht. Zur Zeit sind es ca. 1,5 Millionen Zeilen, die von vielen freiwilligen und engagierten Entwicklern beigetragen werden. Für größere Softwareanwendungen keine ungewöhnliche Zahl. Die Version 2.0 ist Ende 2008 vorgesehen. Ob sich ein Umstieg, bzw. Upgrade auf eine neuere Version lohnt, liegt in erster Linie am Mehrwert den diese bringt. Als Entscheidungsgrundlage dient die sogenannte Roadmap 37, die vorgesehene oder bereits realisierte Neuerungen erfasst. In der folgenden Abbildung ist das typische dreispaltige Layout von Moodle zu sehen. In der linken und rechten Spalte sind die kursrelevanten Themen und Funktionen zusammengefasst. Über den Block Personen können z. B. alle Kursteilnehmer aufgerufen werden, über den Block Kalender alle Kurstermine. In der mittleren Spalte sind die lernrelevanten Inhalte gelistet. Für die Organisation der Inhalte stellt Moodle verschiedene Kursformate zur Verfügung. Im Beispiel ist das Themenformat, erkennbar an der Überschrift Themen dieses Kurses, ausgewählt. Die einzelnen Lernabschnitte werden den Schülern blockweise nach Themen zugeordnet, zur Bearbeitung bereitgestellt: Seite 11

14 Abbildung 0-1 Moodle Kursansicht Das verbessert die Übersichtlichkeit für den Anwender und organisiert von Beginn an die Einteilung in Lernabschnitte. Das LMS war von Beginn an freie Software 38 39, was häufig mit dem Begriff Freeware 40 verwechselt wird, und Open Source 41 (die Quellcodes des LMS sind frei verfügbar), Einem Programmierer wird dadurch ermöglicht, die gesamte Logik der Programmierung einzusehen und nachzuvollziehen. Das Gegenteil ist die so genannte propritäre Software, bei der durch den Vorgang des Kompilierens der Quellcode in ein ausführbares Programm umgewandelt wird. Eine Einsicht in den Quellcode ist dann nicht mehr möglich, es sei den der Hersteller oder Programmierer gewährt Einblick. Das wohl berühmteste Beispiel dafür ist das Betriebssystem Windows von Microsoft. Bei Moodle fallen auch keinerlei Lizenzkosten an, das LMS darf privat, im schulischen Umfeld und kommerziell uneingeschränkt genutzt werden. Aus technischer Sicht sind diese Lizenzbedingungen wichtig. Für Moodle gilt salopp gesagt Ich kann damit machen, was ich will. Ein Anwender kann Moodle kopieren, weitergeben und kommerziell verwenden. Ein Softwareentwickler darf den Quellcode von Moodle einsehen, umprogrammieren und erweitern, entweder durch den direkten Eingriff in den Quellcode oder durch Plug-ins Seite 12

15 Plug-ins sind spezielle Erweiterungen, die ein LMS wie Moodle um Funktionen anreichern, die in der Grundausführung nicht vorhanden sind, z. B. Multimedia Plugins, die es ermöglichen innerhalb von Moodle Videos oder Musik abspielen zu können, oder das Verhalten von Moodle zu beeinflussen, z. B. Änderungen bei der Auswertung von Tests im LMS. Das stellt einen enormen Vorteil von Open Source / Free Software Programmen dar und ermöglicht, dass viele Menschen die Entwicklung dieser Programme vorantreiben können, ohne dass eine Softwareentwicklungsfirma dahinter steht. Rund um Moodle hat sich seit 2002 aus diesem Umstand heraus eine große Anwenderund Entwicklergemeinde gebildet, die das LMS stets erweitert und verbessert. Die wichtigsten Aufgaben dabei sind: Fehlerbehebung im Quellcode. Funktionserweiterungen der Software. Lokalisierung (Übersetzung in andere Sprachen als Englisch). Dokumentation für Anwender und Administratoren. Anwendersupport in der Regel über Foren oder Listen. Aufbau einer Organisation, die die Weiterentwicklung koordiniert. Insbesondere der letzte Punkt ist essenziell für die verlässliche und dauerhafte Verfügbarkeit aktueller Versionen, denn: Open Source Projekte scheitern, wenn es keine Organisation gibt. Weitere mögliche Gründe für das Scheitern von Open Source Projekten sind: Keine Weiterentwicklung, weil die Entwickler kein Interesse mehr haben. Interessenkonflikte der beteiligten Personen wirken sich negativ aus, die Software wird Ihren ursprünglichen Aufgaben nicht mehr gerecht. Es gibt zu wenig Anwender und die Motivation reißt ab, denn viele Open Source Entwickler schöpfen Ihr Engagement aus der Anerkennung der Anwender. Das Projekt wird zu groß und es fehlen Entwickler. Tipp: Wenn eine Entscheidung für den Einsatz einer Open Source Software getroffen werden soll, kann das Projekt nach den o.g. Kriterien im Vorfeld geprüft werden. Seite 13

16 Bei Moodle sind diese Gefahren aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht gegeben. Es gibt ein Headquarter 42, dass aus mehreren hauptamtlich tätigen Mitarbeitern besteht, die für die koordinativen Aufgaben rund um Moodle verantwortlich sind. Als Einkommensquelle dienen in erster Linie Dienstleistungen für das LMS und Spenden. Einige beeindruckende Zahlen zu Moodle: registrierte User und ca Installationen weltweit Übersetzt in 70 Sprachen. Einsatz in 192 Ländern der Erde in Schulen, Universitäten und Unternehmen Allein in den letzten 2 Jahren sind ca registrierte Installationen hinzugekommen. Universitäten, wie die Fernuniversität Hagen 43 oder die Humboldt Universität in Berlin 44 sind von anderen LMS auf Moodle umgestiegen. Einer der größten Player ist die Open University 45, die auch Plug-ins (s. oben) beisteuert. Mit ca eingetragenen Studenten eine der größten Moodle Installationen. In Baden-Württemberg arbeiten ebenfalls viele Akteure 46 mit und an Moodle. Eines der verfolgten Ziele ist es dabei, allen allgemein- und berufsbildenden Schulen eine aktuelle, sichere und stabile Plattform im Internet aufzubauen und zur Verfügung zu stellen, die sich aus 2 wesentlichen Komponenten zusammensetzt: 1. Eine angepasste Moodle-Version, die den Bedürfnissen der Schulen entspricht. 2. Ausfallsichere Server mit professioneller Betreuung und professionellem Support Diese Aktivitäten stärken eine Open-Source Software wie Moodle, denn wenn der Einsatz von Moodle gesteigert wird, motiviert das auch die dauerhafte und S. Kapitel 1.4 Seite 14

17 konsequente Weiterentwicklung des LMS, was die vielleicht wichtigste Voraussetzung für die Investitionen der Schule in ein LMS darstellt. Die zweitwichtigste Voraussetzung ist guter Support, per und Telefon und kurzen Reaktionszeiten. Wenn Probleme im Betrieb auftreten, müssen diese schnell und kompetent behoben werden, damit lange Systemstörungen vermieden werden. Unterrichtsunterbrechungen müssen so gut es geht verhindert werden, um die Frustrationsschwelle bei den Lehrkräften niedrig zu halten. Innerhalb der Entwicklungen in Baden-Württemberg wurde in den vergangenen Jahren einiges Know-how zum Thema aufgebaut, das, wenn es richtig gebündelt wird, diesen Support bieten kann. Im nächsten Kapitel werden einzelne Dienstleistungen, die Baden-Württemberg für den Einsatz von Moodle an Schulen bereitstellt, näher besprochen Moodle.org Moodle.org 47 ist die zentrale Anlaufstelle im Internet, wenn es um Moodle geht. Abbildung 0-2 Moodle Portal - Moodle.org Hier werden die aktuellen Versionen und Plug-ins zum Download angeboten, sowie ausführliche Informationen für den Betrieb des LMS bereitgestellt. 47 Seite 15

18 Information: Wie in Abb. 2 dargestellt kann Moodle auch als Homepage verwendet werden. Die mit Inhalten gefüllte mittlere Spalte kann dabei ohne Programmierkenntnisse von verantwortlichen Personen gepflegt werden. Das LMS kann zwischen geschützten und öffentlichen Bereichen unterschieden. Das steigert zwar den Administrationsaufwand, spart aber den Einsatz eines Content Management Systems (CMS) 48 für den Betrieb der Schulhomepage. Unter Punkt wurde bereits auf die Roadmap hingewiesen, die neue Funktionen in zukünftige Versionen beschreibt. In diesem Bereich von Moodle.org befindet sich auch die gesamte Dokumentation 49. Moodle gilt als eines der besten dokumentierten Open Source Projekte überhaupt. Auch dieser Bereich wird von vielen freiwilligen Moodle Anwendern gepflegt und ist aus jeder Moodle Installation direkt erreichbar. Ein deutschsprachiger Bereich 50 befindet sich derzeit im Aufbau. Abbildung 0-3 Einleitung deutscher Moodle Support Im Laufe der Entwicklung von Moodle ist eine Vielzahl von Foren entstanden, die über die Webseite erreichbar sind. Es findet ein reger Austausch von Anwendern und Administratoren und Entwicklern statt. Das Wichtigste für den Einstieg ist das deutschsprachige Forum: Seite 16

19 Um an diesem Forum teilzunehmen, müssen Sie sich auf der, in Abb. 2 dargestellten, Startseite zuerst registrieren, da die Foren in einem geschützten Bereich liegen Moodle.de Moodle wird in ca. 192 Ländern der Erde eingesetzt. Um Anfragen und bestimmte Aufgaben dezentral zu organisieren, gibt es die Moodle-Partner, die national in ihren jeweiligen Heimatländern agieren. Registriert sind über 30 Partnerorganisationen 51. In Deutschland gibt es derzeit 2 Partner: 1. Die Dialoge 52 Beratungsgesellschaft 2. Das Unternehmen Unodo 53 Beide Unternehmen bieten Dienstleistungen zu Moodle an und beteiligen sich an der Weiterentwicklung des LMS. Das Angebot reicht von Hosting bis zur Entwicklung individueller Designs. Dabei sind alle Moodle-Partner weltweit vernetzt und nutzen die daraus entstehenden Synergieeffekte. Diese Entwicklungen sprechen auch für eine gewisse Zukunftssicherheit was die Verfügbarkeit und Weiterentwicklung von Moodle betrifft. Ein ebenfalls sehr erfolgreiches Projekt ist Typo3 54. Auch hier wurden Partner einbezogen. Seit ca. 2 Jahren gibt es eine Association, die die Weiterentwicklung der Software koordiniert. Die Verbreitung und das Interesse von Partnern am kommerziellen Erfolg sorgt zusätzlich für einen Wettbewerb und damit auch günstigere Preise, z. B. beim Hosting von Moodle für Bildungseinrichtungen oder die individuelle Anpassung des Designs für die Corporate Identity (CI) der Schule. Wenn Sie feststellen, dass Ihnen Funktionen fehlen, die nicht von der Stange zu bekommen sind, können Moodle Partner eine erste Anlaufstelle für Programmieraufträge sein. Die Schulen Baden-Württembergs finden zum Zeitpunkt der Dokumentationserstellung Partner, die sich in den vergangenen Jahren intensiv mit Moodle beschäftigt haben 55. Die meisten Dienstleistungen sind für Schulen zur Zeit S. Kapitel 2.5 Seite 17

20 kostenlos. Dabei handelt es sich in erster Linie um Dienste die die technische Bereitstellung und die optimale Verfügbarkeit des LMS für den Unterricht zum Inhalt haben. ein Fortbildungsangebot für Anwender und Administratoren anbieten. 1.3 Ist Moodle für meine Schule das richtige System? Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Der wichtigste Aspekt in diesem Zusammenhang ist sicher das Lehrerkollegium, das die Nutzung des LMS im Unterricht adaptieren muss und ein entsprechendes Qualifikationsprogramm, das das notwendige Know-how für den Unterrichtseinsatz vermittelt 56. Der dritte Aspekt, der hier ausführlich besprochen wird, ist der Technische. Im Kapitel Arbeitsvoraussetzungen wurden bereits einige Begriffe aus der Welt der Computer eingeführt, die hier näher beleuchtet werden. In den meisten Schulen sind Computer verfügbar. Diese Aussage sagt natürlich nichts darüber aus, ob Sie den Mindestanforderungen, die ein LMS an die IT-Infrastruktur einer Schule stellt, entspricht. 56 Seite 18

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