elearning-didaktik an Österreichs Schulen

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1 Die österreichische elearning-initiative elearning-didaktik an Österreichs Schulen Ein Überblick

2 Herausgeber: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Redaktion: Alexander Caba, Christian Dorninger Design und Layout: Karl Pusman Eigendruck, Wien 2006

3 Inhalt Christian Dorninger Anstatt eines Vorworts: Zur Systemdebatte von e-learning Ansätzen Christian Schrack Manifest elearning. Was ist gutes elearning? Helmut Caba Das Notebook zwischen Dokumentenverwaltung und Wissensmanagement Wolfgang Scharl Werkzeuge und Lernszenarien oder aller Anfang ist einfach Ulrike Wiedersich Akademielehrgang elearning-didaktik Ingrid Burger Auszug aus dem Lerntagebuch Werner Hütter elearning und Deutsch - elearning im Deutschunterricht Eva Gröstenberger Sprachunterricht mit Lernplattform und Sprachaufzeichnung Karl Josef Fuchs Zur Entwicklung mathematischer und informatischer Kompetenzen mit Neuen Medien. Über die Notwendigkeit der symbolischen Repräsentation im konstruktivistischen Lernparadigma

4 4 Inhalt Franz Embacher Lernhilfen für den Mathematikunterricht Ulrike Wiedersich Unterrichtssequenzen Wirtschaftspädagogik Uwe Gutwirth Konzept des ATS Accounting Training System Andreas Steindl Unterrichtssequenzen Informatik Technik Günter Maresch Die Cognitive Load Theory. Kriterien für multimediale Lernmaterialien Claudio Landerer Lerninhalte mit fundamentalen Charakter. Die Fundamente der Informatik als Orientierungsrahmen für die Auswahl und Präsentation von Lerninhalten Autoren

5 Christian Dorninger Anstatt eines Vorworts: Zur Systemdebatte von e-learning Ansätzen Erziehungswissenschaftler fragen beim Einsatz von Informationstechnologien im Unterricht wieder öfter: Cui bono?" oder Wird hier wieder einmal eine (informations)technische Lösung für Fragen propagiert, die sich im Unterricht oder gar im ganzen Lernprozess gar nicht stellen?" Die Autor/innen des Buches sind der festen Meinung: Unterrichtstechnologien, Schulentwicklung und Lernkultur hängen recht unmittelbar zusammen; allerdings in verkehrter Reihenfolge: Die Überlegungen zur Verbesserung der Lernkultur müssen in Schulentwicklungskonzepten münden, die auch den Einsatz von Informationstechnologien im Unterricht enthalten. I. Zur Systemdebatte zum e-learning" zwei recht unterschiedliche Ansätze 1. Im allgemein- und berufsbildenden Oberstufenschulwesen in Österreich gibt es eine breite Palette von Schulversuchen, die um e- learning-projekte angelegt sind. Erfolgreich sind diese Projekte vor allem dann, wenn ein explizites pädagogisches oder fachdidaktisches Modell, das aus einem konkreten Bedarf heraus entstanden ist, mit e-learning- Methoden in Verbindung gebracht wird. Faktisch alle diese Modelle gehen von einer Auflösung der Frontalstruktur des Unterrichts aus, die durch Arbeitsaufträge, Assignments, Fachbereichsarbeiten oder Ingenieurprojekte in offenen, projektorientierten Arbeitsformen ersetzt oder zumindest ergänzt werden. Methodisch klar dargestellter pädagogischer Konstruktivismus, fachlich umgesetzt! Hier entwickeln Informationstechnologien auch ihre Stärke: Informationen sind fast beliebig gewinnbar und bei kritischer Einschätzung unmittelbar im Projekt verwendbar; die Selbstorganisation der Schüler/innenteams wird durch die Nutzung von e-learning-plattformen erst richtig mäßig gemacht und zeitlich fast beliebig ausgedehnt. Unterrichtszeit und Arbeitszeiten außerhalb des Unterrichts verfließen, Lernen nähert sich konkreter Projektarbeit im späteren Erwerbsleben an. E- learning, Blended learning oder welche Bezeichnung auch immer die umfassende ist, steht für eine konsequente Weiterentwicklung

6 6 Anstatt eines Vorworts: Zur Systemdebatte von e-learning Ansätzen von Schul- und Unterrichtsreform mit zeitgemäßen Mitteln. Ähnlich anderen Reformprojekten gibt es Befürworter und Gegner, die eher technische Materie lässt aber einen nüchternen Umgang mit diesen Positionen zu. 2. Wim Veen von der TU-Delft hat seit 2003 vielen von uns in eindrucksvoller Weise die Arbeitsweise des Homo Zappiens" nahegebracht. Er versteht darunter die Generation von Schüler/innen, die seit frühester Kindheit drei Geräte verwenden: Die TV- Remote-Control, die PC-Maus und das Mobiltelefon. Homo Zappiens kommt bei den ersten Analyseschritten nicht gut weg: Er/sie kann sich weder auf eine Sache oder ein Gespräch wirklich konzentrieren, hört den Lehrenden nicht zu, ist hyperaktiv und undiszipliniert. Den Eltern erscheint seine Lernmotivation nur durch den Spieltrieb bestimmt, gleichgültig ob mit Gameboy, Internetsurfen oder beim Zappen zwischen vielen TV-Kanälen. Bücher werden kaum gelesen. Wenn man allerdings die Fähigkeiten für die Informationsgesellschaft in Betracht zieht, ändert sich das Bild: Unser (junger) Homo Zappiens kann mehrere Bilder oder bewegte Bilder gleichzeitig durchsuchen ( scannen") und die wesentlichen Inhalte, seien es Icons, Images, Farben, Symbole, Bewegungsformen oder Töne. Die Screenagers" sind auch im Multitasking, also der Fertigkeit, mehrere Aufgaben zur gleichen Zeit anzugehen, erfahren. Simultan angebotene Information wird zielgerichtet verarbeitet. Und schließlich geht es um die Fähigkeit, laufend Informationen zu verarbeiten. Das Zappen auf mehreren Fernsehkanälen folgt der Logik, die essentiellen Begebenheiten auf allen Kanälen gleichzeitig erfassen zu wollen. Langatmigkeiten werden ausgeblendet. Der vernetzte Inhalt der Webseiten legt auch eine nichtlineare Verhaltensweise an den Tag; sequentielles Lesen ist out, das Erfassen von vernetzter Information nach dem Versuch- und Irrtumsprinzip wird gepflegt. Botschaften werden auf die wichtigsten Bestandteile verkürzt, um als SMS transportiert werden zu können. Wim Veen geht davon aus, dass diese Eigenschaften für einen zeitgemäßen Lernprozess wichtig sind - und von der Schule aufgegriffen werden sollen. Es entwickelt sich eine Art Beweislastumkehr: Nicht die Schulen, die sich mit e-learning beschäftigen, machen zusätzlich einige nette, aber pädagogisch nicht so wichtige Angebote. Sondern die Bildungsinstitutionen und insbesondere die Schulen als Referenz der Internetgeneration müssen sich mit diesen Phänomenen, die ihre Adressaten seit frühester Kindheit mitbringen, beschäftigen - sonst sind sie in deren Augen hoffnungslos veraltet und haben wenig mit dem wahren Leben in der Informationsgesellschaft" zu tun. II. Zu den Kapiteln und Autor/innen des Buches Peter Baumgartner, Professor an der Donauuniversität Krems, skizziert in einem Interview die großen Bezüge zum Thema e-learning. Christian Schrack knüpft in seinem umfangreichen Beitrag an die Grundsatzdiskussion an und zeigt drei Entwicklungsstufen auf - von der Lernmaschine zum kollaborativen e- learning und Wissensmanagement. Dieses Stufenmodell wird zur Analyse von Lernobjekten, Lernplattformen, Formen des Community-learnings und zum Thema eportfolio und Lernen ausgeleuchtet. Helmut Caba zeigt in seinem Beitrag Das Notebook zwischen Informations- und Wissensmanagement den Weg zum persönlich nutzbaren Werkzeug und zum dauerhaften Wissenscontainer auf.

7 Anstatt eines Vorworts: Zur Systemdebatte von e-learning Ansätzen 7 Wolfgang Scharl plädiert für einfache didaktische Szenarien für EDV-Raum und Notebook-Klassen und stellt Szenarien für kollaborative Lernprozesse mit Groupware-Produkten dar. Ausgewählte Lernszenarien ergänzen den Beitrag. Ulrike Wiedersich stellt den Rahmen der Akademielehrgänge zur e-learning-didaktik dar, deren Anlass diese Publikation ist. Der Zustrom zum Lehrgang ist ungebrochen. In den nun folgenden fachdidaktischen Beiträgen beschäftigt sich Werner Hütter mit e- learning und Deutsch und sieht eine neue Qualität des lebensnahen Lernens durch Nutzung von Lernplattformen und audiovisuelle Darstellungsformen. Eva Gröstenberger sieht im der Nutzung von Lernplattformen und Sprachaufzeichnungen praxisnahe Lernszenarien für den Fremdsprachenunterricht. Die Informationstechnologie versöhnt sich mit der Sprachendidaktik. Karl Josef Fuchs sieht die Gemeinsamkeiten bei mathematischen und informatischen Kompetenzen, nicht zuletzt durch eine Symbolsprache, die gemeinsame Sachverhalte ausdrückt. Franz Embacher beschäftigt sich unter dem Titel Lernhilfen für den Mathematikunterricht" mit den weithin bekannten Entwicklungsprojekten wie Mathe-online oder Geogebra. Ulrike Wiedersich und Kolleginnen/Kollegen zeigen an Hand der Unterrichtssequenzen Wirtschaftspädagogik" eine Portfoliostruktur in der Betriebswirtschaft. Andreas Steindl zeigt in einem neuen medienpädagogischen Ansatz mit Camtasia", wie man Unterrichtsrealität nach Hause mitnehmen kann. Diese komplexe Realität zeitigt am Beginn der Ausbildung erstaunliche Lernerfolge. Uwe Gutwirth stellt Ergebnisse des Leonardoprojektes Accounting Training System" vor, die komplexe Anwendungen im Rechnungswesen gestatten. In zwei bemerkenswerten Exkursen wird von Günter Maresch auf die Cognitive Load Theory" (= kognitive Belastbarkeit) Bezug genommen, die (multimedial unterstützte) Lernprozesse und Gedächtnisleistung verbindet und entsprechende Lernmaterialien auf ihren Langzeitwirkung untersucht. In einer ähnlichen Weise beschäftigt sich Claudio Landerer mit fundamentalen Ideen und deren strukturierende und integrierende Kraft. III. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass e-learning in welcher Form auch immer, zu deutlichen Leistungssteigerungen bei den Zielpersonen, in diesem Fall von Schüler/innen beitragen muss. Dies kann, muss aber nicht sein; es gelingt umso mehr, als die kollaborativen Werkzeuge zu echten Teamarbeiten und blitzschnellen gezielten Recherchen genutzt werden können. Das Web 2.0 wird gerade im sozial bestimmten Lernprozess attraktive Anwendungen erzielen. Die Grundphilosophie der österreichischen Schulpolitik, den Schüler/innen den persönlichen Zugang zum Lernwerkzeug PDA oder Notebook-PC zu öffnen und nicht nur Klassen mit Smartboards auszustatten, wie beispielsweise in England (obwohl auch dies Fortschritte bringt!), ist ein richtiger. Wie Seymour Papert, der große Visionär am MIT bereits 1980 proklamierte, können Mindstorms and Powerful Ideas" bei Kindern und

8 8 Anstatt eines Vorworts: Zur Systemdebatte von e-learning Ansätzen Schüler/innen nur entstehen, wenn sie, wie jeder Mensch mit einem persönlichen universellen Lernwerkzeug ausgerüstet sind. Dies ist eine der ehernen Regeln dieser Art von neuer Pädagogik". Die nächsten fünf Jahre werden wie vergangenen fünf spannend sein: Herauskommen wird die Nutzung all der im Buch beschriebenen Möglichkeiten auf breiter Basis, Lernen unmittelbarer, projektbezogener, technologiebewusster und manchmal auch wirklich leistungsmäßig hoch stehender zu machen. Der Homo Zappiens Austriacus wird auf seine Rechnung kommen - und Schule und Bildung nicht als Fremdkörper, uninteressant und hoffnungslos veraltet, in seinem jungen Leben betrachten können.

9 Christian Schrack Manifest elearning Was ist gutes elearning? Themenübersicht Statt einer Einleitung: elearning mit Peter Baumgartner Unterricht mit Neuen Medien Was ist elearning? Blended Learning Unterricht mit Neuen Medien - die elearning Didaktik Didaktik I - mobiles elearning Didaktik II - kooperatives elearning Didaktik III - kollaboratives elearning Unterrichtssequenzen und Lernobjekte Lernplattformen im Unterricht Blended Learning mit Lernplattformen Wie erstellt man in kürzester Zeit ein Community Learning Modul? Aufbau eines Unterrichtskurses Interventionen in Kursen Strukturierung der Plattform elearning Schule - Organisation elearning-koordinatorin elearning-steuergruppe eportfolio und Lernen Strukturierung und Bestandteile des Portfolios Formalen Kriterien des Portfolios Datenschutzklausel

10 10 Manifest elearning - Was ist gutes elearning? Foto: Salzburg Research, eportfolio Forum Austria 2005, Paneldiskussion: Baumgartner (2ter von li) und Schrack (5ter von li) Anstatt einer Einleitung: elearning mit Peter Baumgartner Gemeinsam mit Prof. Rolf Schulmeister gilt Univ. Prof. Peter Baumgartner als Wegbereiter des modernen elearning. Nach der Leitung des Instituts für Wirtschaftspädagogik in Innsbruck erhielt Baumgartner 2003 den Ruf an die Fernuniversität Hagen und ist seit Anfang 2004 geschäftsführender Direktor des Instituts für Bildungswissenschaft und Medienforschung. Seit Mai 2006 lehrt und forscht Prof. Baumgartner wieder in Österreich und leitet das Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien an der Donau-Universität Krems. Folgendes Interview entstand im Rahmen des österreichischen elearning Cluster Projekt auf Anregung von MR Dr. Dorninger. Christian Schrack vom Pädagogischen Institut des Bundes in Wien hatte die Gelegenheit mit dem Meister des e-learning folgendes Gespräch zu führen: Wie in der Welt des kleinen e" üblich, fand dieses Gespräch im Anfang Oktober 2005 virtuell per statt. Schrack: Lernen wir an der Schwelle zum 3. Jahrtausend anders? Ist elearning Medium, Werkzeug oder gar eine neue Methode? Baumgartner: Das kommt auf den Blickwinkel an: Wenn Sie die Frage so allgemein stellen, dann würde ich elearning in erster Linie als eine (relativ neue) Methode mit neuen didaktischen Möglichkeiten (aber auch Schwierigkeiten) bezeichnen. elearning ist ein Lernen unter besonderen (mediengestützten) Bedingungen, das so wie das normale" Lernen besondere methodisch-didaktischen Gesichtspunkte berücksichtigen muss. Schrack: Welche Rolle spielt der Konstruktivismus im elearning? Oder anders gefragt, hat das elearning die Konstruktivismusdebatte in der Bildung neu belebt? Baumgartner: Ja, weil das Internet mit seiner ungeheuer vielfältigen, vernetzten Komplexität quasi den Prototyp für eine konstruktivistische Lernumgebung darstellt. Schrack: Sie haben in einem Vortrag einmal erwähnt, dass Sie ganz froh wären, dass Ihr Tauchlehrer kein Konstruktivist war". Könnten Sie das näher erklären?

11 Manifest elearning - Was ist gutes elearning? 11 Baumgartner: Konstruktivistische Lernumgebungen erfordern ein hohes Maß an Vorwissen, Fertigkeiten und Selbstverantwortung. Selbstbestimmtes Lernen ist erst ab einer gewissen Grenze sinnvoll möglich: Grundkenntnisse oder Orientierungswissen: Wo bekomme ich die notwendigen Informationen her? Wie organisiere ich mir ein geeignetes Feedback? Nach welchen Kriterien bewerte ich diese Rückmeldungen(?) etc. Wenn ich das Beispiel Tauchen lernen" heranziehe, dann möchte ich zeigen, dass bei blutigen Anfänger/innen konstruktivistische Lernumgebungen ( Na, dann tauch mal auf 30 Meter und erarbeite Dir die entsprechenden Techniken...") paradox, ja sogar lebensgefährlich sind. Schrack: Unter den radikalen KonstruktivistInnen gibt es eine ablehnende Front gegen das elearning. Wie lässt sich das interpretieren? Baumgartner: Mmmh, da wissen Sie mehr als ich. Worauf beziehen Sie sich da? Wer sagt dazu etwas in dieser Richtung? - Ich kann mir diese Auffassung aus konstruktivistischer Sichtweise nur dann vorstellen, wenn dahinter ein eingeschränktes Bild von e- Learning als Drill & Practice" bzw. starr sequentieller Kursablauf verstanden wird. Aber es gibt auch Simulationen und kooperative, über das Internet vernetzte, selbstgesteuerte Lernarrangements - zugegeben - viel zu wenige solcher Arrangement, es herrscht nach wie vor ein starres, sehr rigides instruktionales elearning vor. Aber darin drückt sich keine notwenige Beschränkung der Potentiale von elearning aus, eher eine Beschränkung der didaktischen Potentiale der Lehrenden bzw. Entwickler/innen von Lernumgebungen. Schrack: Die Lehrperson als Coach" ist eines der Schlagworte im Zusammenhang mit dem aufgeklärten" elearning (blended learning?). Sollten wir Lehrer/innen nicht generell, d.h. auch ohne elearning unsere Unterrichtsmethoden umstellen? Baumgartner: Richtig! Rein instruktivistische Lehrmethoden sind sowohl mit als auch ohne elearning in vielen (nicht allen!) Situationen nicht mehr zeitgemäß. Schrack: Lernen wir am Problemlösen...? Sollten wir uns nicht vorher Grundwissen aneignen? Baumgartner: Jede didaktische Methode erfordert ein entsprechendes Setting (Vorwissen, Zielgruppe, Zeit- und Raumbedarf, Lehr- und Lernstil etc.) und ist nicht als Allroundmethode immer und überall zu verwenden. Schrack: Setzen Sie e-portfolios als Prüfungsmethode" bei Ihren Studenten ein? Welche Vorteile/Nachteile hat diese Methode gegenüber herkömmlichen Prüfungen? Und im Zusammenhang mit dem Schulbereich: Sollten Schularbeiten durch Portfolios ersetzt werden? Baumgartner: Schularbeiten und Portfolio sind keine Begriffe auf derselben kategorialen Ebene: Ein Portfolio ist eine Sammelmappe, in der auch - wie sollte es anders sein? - Schularbeiten Eingang finden müssen (z.b. ein guter Deutschaufsatz). Natürlich ist es nicht besonders sinnvoll, wenn bei der Portfolio-Methode bloß stark vorgegebene Tests, die nur richtig oder falsch zulassen, gesammelt werden. Es geht beim Portfolio- Ansatz um die selbstgesteuerte Entwicklung des Lernprozesses, um die Auswahl geeigneter Produkte oder Schularbeiten", ihrer kritischen Kommentierung und um die Planung der nächsten eigenen Lernschritte. Wenn Sie so wollen ist ein Portfolio unter anderem auch ein metakognitives Werkzeug, leider wird es häufig bloß als Werkzeug der Leistungspräsentation gesehen.

12 12 Manifest elearning - Was ist gutes elearning? Schrack: Schule ist ein beharrliches System. Wenn man innovativ tätig ist, wird man gerne gefragt, ob man auch an die Qualität gedacht hat. Wie interpretieren Sie den Begriff Qualität für den Bildungsbereich? Woran sollte man sie messen? Baumgartner: Das ist eine sehr schwierige Frage, zu der augenblicklich viel geforscht wird. Qualität ist ein Konstrukt, eine Art Sammelbegriff und hat viele Dimensionen. Vielleicht sollte ich hier erwähnen, dass die große Bedeutung dieses Begriffes in seinem Gegensatz zur Quantität liegt: Nicht die Menge (z.b. des Wissens, der Fertigkeiten etc.) ist entscheidend, sondern wir müssen mehr auf die Struktur der Dinge achten, auf ihre Komposition, Zusammenspiel, Relationen, Balance. Ich glaube, dass diese Sichtweise von Qualität vor allem in Zeiten eines durch wirtschaftliche Überlegungen zurecht gestutzten Bildungsbegriffes - und bloß auf Quantitäten orientierten Politik (mehr, schneller, billiger etc.) - sehr wichtig ist. Welche Dimensionen konkret in welchen Ausprägungen und Verhältnissen das Konstrukt Bildungsqualität konstituieren wird nicht alleine durch die Wissenschaft entschieden, sondern ist vor allem eine Frage der gesellschaftlichen bzw. bildungspolitischen Machtverhältnisse. Schrack: Welchen Beitrag kann das elearning zur Diskussion um die Bildungsstandards" leisten? (Geht die österreichische Diskussion für Sie in die richtige Richtung?). Ab wann ist für Sie elearning qualitätsvoll"? Baumgartner: elearning erfordert eine detaillierte methodische Planung und hat die Eigenschaft, dass Lehr- und Lernarrangement (leichter) eingesehen bzw. nachvollzogen werden können. elearning ist in dieser Hinsicht in gewisser Weise global persistent", nicht lokal flüchtig", wie es ein gutes Präsenzseminar in großen Teilen doch ist. Die produzierten Produkte wie Plakate sind nur für die anwesenden Teilnehmer/innen einsehbar - außer wenn sie abfotografiert und ins Netz gestellt werden - aber dann sind wir wieder bei Methoden des elearning gelandet ;-) Wenn man es will bzw. zulässt, dann ist es beim elearning leichter, die didaktischen Interaktionen und Prozesse aufzuzeichnen (Foren, User Tracking etc.). Damit ist eine größere Transparenz gegeben, die Vergleiche erleichtert und damit die Diskussion um Standards" erst so richtig ermöglicht. Schrack: Ich bedanke mich sehr herzlich für das Gespräch! Unterricht mit Neuen Medien Was ist elearning? 1 Unter elearning versteht man Computer-begleitete Lernprozesse unter Verwendung von Lernplattformen, Internet und Online-Diensten. ELearning kann sowohl als Unterricht im Klassenzimmer (z.b. als Laptopklasse oder im EDV-Saal verwendet werden) als auch in unterrichtsfreien Zeiten eingesetzt werden. Dabei werden Lernplattformen (Learning Management Systeme) und Content-Bausteine eingesetzt und genutzt. Die Definition von elearning geht also davon aus, dass örtliche und zeitliche Räume ( Entmaterialisierung des Lernens") überbrückt werden können.

13 Manifest elearning - Was ist gutes elearning? 13 elearning muss als ein Aspekt des Wissenstransfers und damit des Wissensmanagements angesehen werden. Die traditionelle Sichtweise von elearning kommt vor allem dadurch zustande, dass man computer- bzw. netzunterstützte Aus- und Weiterbildung in der Vergangenheit in erster Linie als Ergänzung bzw. teilweisen Ersatz klassischen Frontalunterrichts gesehen hat. Immer mehr erweist es sich jedoch als sinnvoll, elearning sehr viel weiter zu sehen: als eine Methode, um jederzeit notwendiges Wissen nachschlagen bzw. erwerben zu können (learning on demand). Blended Learning 2 Das elearning im Schulbereich wird als Kombination von Präsenzphasen (Unterricht) und Onlinephase (Hausübungen) im Sinne eines einheitlichen Konzeptes verstanden: Blended Learning (gemischtes Lernen) wird dieses Konzept genannt. Es bedeutet die Vereinigung beider Ansätze, Online und Präsenz, die ineinander übergehen. Die thematisch sinnvolle Verbindung von Präsenz- und Online-Phasen im Lernprozess wird dabei angestrebt. Dabei wird im optimalen Fall eine Lernplattform genutzt, die sowohl im Unterricht als auch in der unterrichtsfreien Zeit zur Verfügung steht. Content und Aufgaben auf der Plattform unterstützen in unterschiedlicher Form das Unterrichtsgeschehen. Lehrende und Lernende können unterschiedliche und auch wechselnde Rollen einnehmen. Ziel ist, den Unterricht durch gute Vor- und Nachbereitungen auf der Plattform zu unterstützen und damit von sämtlichen organisatorischen Dingen frei zu spielen. Der Unterrichtszeit wird effizient für die Interaktion und den inhaltlichen Austausch genutzt. Damit entsteht ein Mehrwert für Lehrer/innen und Schüler/ innen. Unterricht mit Neuen Medien - die elearning Didaktik 3 Der Umstieg vom herkömmlichen Unterricht auf den technologisch gestützten Unterricht im Sinne des blended Learning erfolgt in der Regel in mehreren Stufen - Stichwort sanfter didaktischer Umbau". Um vorab zwei Beispiele anzuführen: Nicht alle Unterlagen werden auf Knopfdruck elektronisch zur Verfügung stehen; Leistungsfeststellungen werden auch nach der Umstellung z.t. auf Papier stattfinden. Wichtig bei diesem Prozess ist, dass einerseits die Bereitschaft der Lehrer/innen und Schüler/innen besteht, sich mit den technologischen Möglichkeiten - den Talenten" - der Neuen Medien aktiv auseinander zu setzen und anderseits der Wille vorhanden ist, mit der Unterrichts-/Sozialform und der Art zu Lernen in diesem Kontext zu experimentieren". Überraschender Weise reagieren sowohl Lehrende wie die Lernenden auf diese Umbruchsphase (Paradigmenwechsel) sehr positiv. Besonders gute Ergebnisse erzielt man, wenn sich die Lernenden aktiv in diesen Prozess einbringen können. Die Entwicklung der elearning Didaktik ist bei weitem noch nicht abgeschlossen. Sie befindet sich in einer Pionierphase mit täglich neuen Erfahrungen und Erkenntnissen, die in Communities wie dem elc und international bei Tagungen und Veranstaltungen ausgetauscht werden. Als gedankliche Stütze für diesen Prozess soll folgendes drei-stufen-modell dienen. Jede didaktische Stufe stellt gegenüber dem herkömmlichen Unterricht einen typischen Mehrwert dar. Im Sinne der Unterrichtsentwicklung werden alle drei Stufen durchlaufen und werden schließlich parallel eingesetzt.

14 14 Manifest elearning - Was ist gutes elearning? Abbildung Didaktik I bis III, Christian Schrack Didaktik I - mobiles elearning Den Computer im Unterricht als Büromaschine" für Schreiben, Rechnen, Darstellen, Ordnen und Präsentieren einzusetzen, ist im Grunde genommen nahe liegend. In diesem Zusammenhang kam der Wunsch aus allen Gegenstandsbereichen, Lernsoftware und Internet im Unterricht einzusetzen. Die Computersäle (Funktionsräume) waren diesem Ansturm auf Dauer nicht gewachsen. Als Ausweg boten sich die Notebookklassen an. Mit dem Einsatz schülereigener Notebooks im Klassenraum werden gleich mehrere Anforderungen erfüllt: Die Informationstechnik (IT) wird von den Funktionsräumen ins Klassenzimmer geholt, der Unterricht wird handlungsorientierter und berufsnäher. Mit einem mobilen Endgerät wie Notebooks steht dieses Werkzeug an der Schule, zu Hause und unterwegs z.b. bei Projekten zur Verfügung. Die Lerntheorien 4 Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus finden sich auch bei der elearning Didaktik wieder. Vielen Lernprogrammen (CBT Computer based Training) und einfacheren Formen des Internetlernens (WBT Web based Training) liegt der Behaviorismus zu Grunde. Hier wird den Schüler/innen mit - der letztlich nur Maschinen inne wohnenden - Engelsgeduld der Lehrstoff immer wieder präsentiert, bis dieser die schützenden Barrieren rund um das Langzeitgedächtnis" unwiderruflich durchdrungen hat, auch bekannt unter Drill & Practice Programme. Dabei wenden diese Programme allerlei Tricks" an, wie veranschaulichende Animationen (Multimedia) und Belohnungssysteme. Die selbstständige Wahl der Lerngeschwindigkeit und die folgenlose Möglichkeit in Bezug auf Benotung zum Vielfach-Self Assessment (der sog. geduldige Lehrer) stellen im Sinne der Individualisierung des Lernens die zentrale Innovation dieser Lernprogramme dar. Ziel der Didaktik I ist die Erweiterung der IT- Kenntnisse und -Fertigkeiten, die Erhöhung der Lernmotivation (eher umstritten), der Selbstorganisation, der Eigenkompetenz und der Fähigkeit zu Selbstevaluation. Die Verteilung der Rollen zwischen Lehrenden und Lernenden entspricht dem klassischen Muster ExpertIn versus RezipientIn. Durch das Notebook kommt es zu einer größeren Flexibilität in der Wahl der Lernorte, was der einer Forderung der BildungsexpertInnen entspricht.

15 Manifest elearning - Was ist gutes elearning? 15 Didaktik II - kooperatives elearning Die zweite Ebene der Didaktik setzt dort an, wo erstmals die kommunikativen Talente" der Endgeräte zum Einsatz kommen. Im Sinne des Kognitivismus stehen selbstständiges Recherchieren und Bewerten von Materialien und Quellen, entdeckendes Lernen und Problemlösung mit Unterstützung der Neuen Medien im Mittelpunkt. Zum Austausch mit anderen Schüler/innen und den Lehrer/innen kommen asynchrone Kommunikationsmittel wie , einfache Austauschplattformen, wie Netzwerklaufwerke/FTP-Server und WBT-Systeme zum Einsatz. Projekte und Lernaufgaben können auch außerhalb des Unterrichts gemeinsam bearbeitet werden, die Schüler/innen können unterstützen sich gegenseitig beim Lernen zu unterstützen und geben fachliches Feedback. Bei Unklarheiten können die Lehrer/innen auch außerhalb des Unterrichts per etc. kontaktiert werden. Neben fortgeschrittenen WBT-Systeme kann man auch der boomende Markt von Simulationen und Microworld-Systemen (CSCL Computer supported collaborative learning) zum kooperativen elearning zählen, bei denen Schüler/innen vernetzte Zusammenhänge kennen lernen und ihre Entscheidungsfreudigkeit testen können (z:b mit der BWL Software Topsim). Generell gilt, dass mit der Einführung von elektronischen Endgeräten im Unterricht ein stark Lehrer/innen-zentrierte Unterricht gleich mehrfacher zum Scheitern verurteilt ist. Um die Aufmerksamkeit der Schüler/innen nicht ganz an das Notebook zu verlieren, empfiehlt sich inputorientierte Phasen mit anderen, interaktiven Sozialformen wie Gruppenarbeit abzuwechseln. In einer fortgeschrittenen Form können Schüler/innen unter Anleitung auch die Unterrichtsstunden selbst gestalten - Stichwort: Lernen durch Lehren. Ein weiterer Punkt ist, dass den Schüler/innen mit der Einführung des Notebooks eine nahezu unbegrenzte elektronische Wissensbasis mit vielen kommunikativen Möglichkeiten zur Verfügung steht. Das Abschreiben einer Hausübung" und das Schummeln" lässt sich somit mit einem Mausklick erledigen. Obwohl es eine Reihe von technischen Möglichkeiten gibt, den Geräte ihre kommunikativen Eigenschaften wieder abzugewöhnen, wird den Beteiligten bald klar, dass der Unterricht, die Leistungsfeststellungen und Hausübungen auch im Hinblick auf das spätere Berufsleben in Zukunft anders aussehen werden. Die Wiedergabe von Faktenwissen wird in den Hintergrund treten und die Aufgaben werden zunehmend problemorientierter und nützen das kommunikative Potential der Neuen Medien (z.b. durch gemeinsam erstellte Hausübungen/Projekte). Letztlich ist der Paradigmenwechsel in der Unterrichtsform und der Rolle der Lernenden unvermeidlich. Der Einsatz der Neuen Medien wird daher auch als Katalysator für den Wechsel der Unterrichtsform und der Anpassung der Lerninhalte an die gesellschaftliche Realität gesehen. Ziel der Didaktik II ist die Erweiterung der kommunikativen Kompetenzen der Schüler/ innen mit Unterstützung der Neuen Medien und der Erwerb der Fähigkeit zur Problemlösung im Team und der Peer Evaluation. Der Lehrende kommt damit stärker in die Rolle des/r Trainers/In, der/die die Lernenden bei ihren Aufgaben unterstützt. Der Selbstorganisationsgrad der Lernenden nimmt im Rahmen der Didaktik II massiv zu. Das Notebook wird neben der Kommunikation für die Schaffung der eigenen elektronischen Wissensbasis genutzt. Die Lernarrangements werden zunehmend komplexer und wirklichkeitsnäher. Das Faktenwissen tritt zugunsten des ganzheitlichen Problemlösungswissens zurück.

16 16 Manifest elearning - Was ist gutes elearning? Tourismusschule Wien 21-4HTB Fallstudie Schottwien Didaktik III - kollaboratives elearning Die Didaktik III hat den (gemäßigten) Konstruktivismus zum Vorbild. Das Unterrichtsgeschehen zielt darauf ab, selbsttätige Learning Communities zu schaffen. In dieser Stufe gilt es, synchron zum Unterricht auf einer Lernplattform die Schaffung einer gemeinsamen Wissensbasis mit der Dokumentation der Lernprozesse (Lernpfade) durch die Lernenden zu initiieren. Das Notebook tritt als individueller Wissenspeicher" in den Hintergrund. Die Anforderungen an die eingesetzte Lernund Wissensmanagementplattform sind vielfältig: Neben der Präsentation von Content (Unterrichtsmaterial) und Groupware-Funktionen (gemeinsamen Bearbeitung von Dokumenten) muss die Lernplattform auch einen Marktplatz" für den selbstständigen Erfahrungs- und Wissensaustausch der Lernenden untereinander, also die Einrichtung thematischer Foren unterstützen. Die damit verbundene Übergabe von Verantwortungsbereichen an die Lerngruppen (Communities) ist einer der spannendsten Punkte dieser Didaktikebene. Die Lernaufgaben und Projekte werden nach Möglichkeit arbeitsteilig (kollaborativ) erledigt und in Form von tutoriellen Systemen, Präsentationen und Feedbackschleifen allen Lernenden in der Klasse nahe gebracht. Dabei übernehmen die Lernenden im Sinne des role based learning abwechselnd unterschiedlichen Rollen wie ModeratorIn, TeamleiterIn, Teammitglied, FeedbackgeberIn und PräsentatorIn ein. Diese Aufgabe im Sinne der Community übt gemeinsam mit dem situierten Ansatz den größten Lernanreiz aus. Durch die Lösung möglichst wirklichkeitsnaher Probleme und Fallstudien wird das Lernen nachhaltig. Ob es sich um klassische Unterrichtsthemen, Teamaufgaben oder Projekte handelt - die gemeinsame, weitgehend von den Lernenden betreute Plattform stellt das wichtigste Strukturelement dieser skizzierten offenen Lern- und Unterrichtsform dar. Im Sinne der Sicherung des Lernertrages kommt dem Zusammenfassen ( Verdichten") der Lernprozesse und dem damit verbundenen Archivieren der Lernpfade eine besondere Bedeutung zu. Das Know how liegt vor allem im Interventionsverhalten der Lehrenden und in der strukturellen Planung

17 Manifest elearning - Was ist gutes elearning? 17 dieses eclassroom". Bei guter Anlage entwickelt die Plattform durch das Envolvement der Lernenden hohe Selbstläufereigenschaften. Im Rahmen des Projekts neues lernen wirtschaft" wurde dafür das Schlagwort Miteinander Lernen, voneinander Lernen" geprägt. Ziel der Didaktik III ist die Anleitung der Schüler/innen zum selbstständigen, lebensbegleitenden Lernen. Dieser Unterrichtsform sind fächerübergreifende Projekte in die Wiege gelegt; über die gemeinsame Lernplattform können sich die Lehrenden und Lernenden jeweils über den Stand der Prozesse informieren. Das Rollenbild verändert sich in diesem Didaktikbereich völlig und erfordert ein hohes Maß an Flexibilität seitens der Unterrichtenden. Lernen wird zur Wissenskonstruktion. In diesem Sinne verzichtet Lehrer/ innen auf das Wissensmonopol und coachen die Lernenden bei Ihren Lernvorhaben. Dem Wesen nach entspricht es einer plattformgestützte Form des Communities of practice", das als Wissensmanagement in Betrieben und Institutionen zum Einsatz kommt. Vom Unterricht ausgehend kann die Schule zur lernenden Organisation" werden. Tourismusschule Wien 21-4HTB Fallstudie Schottwien Unterrichtssequenzen und Lernobjekte Die Basis für die konkrete Umsetzung des von Christian Dorninger/bm:bwk koordinierten elearning Cluster Projekts elc war - neben der Vernetzung von Pionierschulen und der elearning Schulentwicklung - die Entwicklung von Unterrichtssequenzen am Schulstandort. Im Vorfeld dazu wurden die didaktischen Ebenen definiert, sowie entsprechende Standards entwickelt. Diese Überlegungen flossen in Folge in den bm:bwk Content-Erlass ein. Ich beschränke mich im Folgenden auf eine grafische Darstellung zu den einzelnen Begriffsebenen, die im Zusammenhang mit der Einführung des elearning vom bm:bwk festgelegt wurden:

18 18 Manifest elearning - Was ist gutes elearning? Grafik Lernobjekte Ausgehend vom Lehrplan eines Gegenstandes (Bildungs- und Lehraufgabe, Lehrstoff) erstellt der/die Lehrer/in üblicher Weise Topdown die jeweilige Jahresplanung (Curriculum) mit thematisch abgeschlossenen Wissens- und Know-how Bereichen - in der Grafik Kurs" genannt. Buttom-up besteht jeder Kurs aus einer Reihe von Lernobjekten, die jeweils ein (elektronisches) Arbeitblatt mit Erklärungen beinhalten. Mehrere Lernobjekte (kleinste Einheiten) können gemeinsam mit einem didaktischen Konzept wie Medieneinsatz, Wahl der Sozialform etc. zu Lernmodulen zusammengefasst werden. Ein umfangreiches Webquest 6 (ein mit dem Internet alleine oder in Gruppen zu lösender Fall) würde in diese Kategorie fallen. Mehrere Lernmodule bilden zusammen eine abgeschlossene Lerneinheit (Lernsequenz), die auch unterrichtsorganisatorische Aspekte wie die zeitliche Aufteilung nach Unterrichtswochen umfasst. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Lehrer/innen die Bildungsaufgabe und den Lehrstoff durchaus differenziert interpretieren 7 und dieser Umstand - neben anderen Hemmnissen wie Copyright Fragen und der Beurteilung der eigenen Arbeit durch Dritte - dem Austausch von Unterrichtsmaterialien oft entgegensteht. Weiters ist die Dokumentation des didaktischen Konzepts und der Unterrichtsorganisation sowie die Sicherstellung der Fehlerfreiheit bei umfangreichen Lerneinheiten sehr aufwändig und fällt weniger in den Aufgabenbereich eines/einer Lehrer/in als viel mehr von Schulbuchautor/innen und Lektor/innen. In diesem Punkt setzt das Konzept der Reusable Learning Objects 8 an. Darunter versteht man rasch verfügbare (kleine) Lernobjekte, die in unterschiedlichen Lernarrangements eingesetzt werden können. Mit diesem Konzept konnte der Start ins elearning und die digitale Verfügbarkeit von Lernmaterialien beschleunigt werden. Davon zeugen auch die umfangreichen österreichischen Contentsammlungen wie z.b. auf (allgemein) und (speziell für den Einsatz in Notebookklassen).

19 Manifest elearning - Was ist gutes elearning? 19 Lernplattformen im Unterricht Die Lernplattform dient als Informationsund Dokumentationsplattform mit organisatorischem Mehrwert" 9. Die bessere Aufbereitung der Inhalte (als bei Printmedien) kann so gestaltet werden, dass diese den individuellen Bedürfnissen der Schüler/innen besser angepasst werden können. Die Lernplattform selbst dient als Interaktionsmedium, auf dem die Lernenden selbst Verantwortung für den Lernprozess übernehmen und diesen Prozess auch individuell gestalten. Die Plattform dient auch dazu, den eigenen Lernprozess sichtbar zu machen und so eine Grundlage für die Selbstund Peer-Evaluation zu schaffen. Die kommunikativen Teile der Lernplattform dienen im optimalen Fall als Ergänzung zum Präsenzunterricht im Sinne des Blended Learning. Funktionen von LMS (Learning Management System) 10 Wenn man eine Parallele zum Präsenzunterricht zieht, können Lernplattformen für folgende Funktionen von Lehrer/innen und Schüler/ innen genützt werden: Als Tafel": Präsentation von Inhalten - die von Lehrer/ innen und Schüler/innen erarbeiteten Unterlagen werden der Öffentlichkeit in der Klasse zur Verfügung gestellt. Diese stehen über einen längeren Zeitraum bereit. Als Schulbuch": Datenbasis aller Unterrichtsunterlagen - alle können jederzeit auf alle Unterlagen zugreifen. Fehlzeiten bei Schüler/innen können so leichter ausgeglichen werden. Als Schulheft": Unterrichtsdokumentationen - Die Plattform beinhaltet auch alle Unterrichtsdokumentationen (Mitschriften). Der hohe Grad an Verschriftlichung führt zu höherer Selbstwirksamkeit. Als Übungsmaschine": Aufgaben- und Übungswerkzeuge - Die Umsetzung und Abgabe" der Hausaufgaben wird auf der Lernplattform abgewickelt. Bestimmte Übungen können von den Schüler/innen, je nach Wissensstand, wiederholt angewendet werden. Als Austauschmedium": Kommunikations- und Kollaborationswerkzeug - die synchrone und asynchrone Kommunikation (synchron bedeutet die gleichzeitig stattfindende, asynchron die zeitversetzte Kommunikation) kann auf einer Lernplattform abgewickelt werden. Dabei kommunizieren Schüler/innen untereinander, Schüler/innen mit ihren Lehrer/innen, und die Einbindung von ExpertInnen wird erleichtert. Dabei werden Foren, Chats, Weblogs oder Wikis verwendet. Als Koordinationsmedium": Administration - sie dient der Abwicklung des Unterrichts (inklusive der Darstellung der Bewertung der Schüler/innen). Damit kann der Unterricht bis zu einem gewissen Grad z.b. von Prozessen der Terminkoordination oder der Gruppenteilung freigehalten werden. Als Notenbuch": Evaluation/Bewertungshilfen - die Schüler/innen erleben durch die Nutzung der Lernplattform die Möglichkeit, stän-

20 20 Manifest elearning - Was ist gutes elearning? dig über ihren eigenen Lernfortschritt Bescheid zu wissen, wenn die Lehrer/innen diese Möglichkeit der Rückmeldung nutzen. Darüber hinaus können sich auch Schüler/ innen gegenseitig Feedback geben bzw. sich selbst evaluieren. Blended Learning mit Lernplattformen Mittels der beiden Folien soll gezeigt werden, welche Aufgaben Lernplattformen bei der Unterrichtsdramaturgie" im übernehmen kann. Die erste Grafik zeigt den möglichen Handlungsbogen im herkömmlichen Unterricht mit dem Einstieg in das Thema, Erarbeitung des Stoffs, Transfer auf weitere Anwendungsbereiche und der abschließenden Evaluation. elearning in der Berufsp ädagogik Blended Learning mit Lernplattformen Unterrichtsablauf (Standard) Einstieg Erarbeiten Transfer Evaluation Folie: herkömmlicher Unterricht Setzt man ergänzend zum Präsenzunterricht elektronische Lernplattform für elearning-phasen bzw. Onlinephasen innerhalb und außerhalb des Unterrichts (blended Learning) ein, so ergeben sich spezifische Möglichkeiten im Bereich des fachlichen Austausches zwischen den Schüler/innen, in der Form der Schüler/innen-Beteiligung bzw. der Sozialform und der (Selbst-, Peer- und Fremd-) Evalution. Auch beim Einsatz von Lernplattformen folgt der Unterricht der Dramaturgie Einstieg, Erarbeitung, Transfer und Evaluation, die üblicher Weise mit der Präsentation der Unterrichtsziele und der zu erwerbenden Kompetenzen für diese Lerneinheit beginnt. Der Unterrichtseinstieg kann im Falle des elearning durch Berichte von Schüler/innen über den Arbeitsfortschritt auf der Plattform ergänzt werden. Für den Einsatz in wirtschaftlichen Gegenständen eignen sich Plattformen besonders für die Arbeit an konkreten Projekten, Fallstudien, Pro/Contra Debatten etc. an denen die Schüler/innen in den erwähnten Settings gemeinsam im Unterricht und zu Hause ar-

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