OpenCourseWare Klagenfurt: Ziele, Erfahrungen, Ausblicke

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1 Text erscheint in: Hornung-Prähauser, Veronika / Luckmann, Michaela / Kalz, Marco (eds.) (2008) Selbstorganisiertes Lernen im Internet. Einblicke in die Landschaft der webbasierten Bildungsinnovation. Innsbruck (Studienverlag), pp Thomas Pfeffer, Institut für Wissenschaftskommunikation und Hochschulforschung, Universität Klagenfurt OpenCourseWare Klagenfurt: Ziele, Erfahrungen, Ausblicke Communicate and community have the same root, communicare, which means to share. Linda Harasim, Simon Fraser University Abstract Ausgehend von der Zielsetzung, mit der Publikation von Lehrmaterialien sowohl die interne Kommunikation, als auch die Außenwirkung der Universität Klagenfurt zu erhöhen und zur aktiven Teilnahme der Universitätsangehörigen am Internet beizutragen, wurden zwei Softwarepakete getestet, die in der Praxis eher aufwändige Publikationsprozesse erforderlich machen. Es wird daher der Vorschlag gemacht, Lehrmanagementsysteme dahingehend weiterzuentwickeln, dass sie die einfache Publikation von Lehrmaterialien in semitransparenten Kursen ermöglichen. Kontext der OCW-Initiative an der Universität Klagenfurt Bevor ich auf die Erfahrungen der OpenCourseWare (OCW) Initiative an der Universität Klagenfurt eingehe, möchte ich kurz die Ausgangslage und den institutionellen Kontext beschreiben. Bei der Universität Klagenfurt handelt es sich um eine kleine Regionaluniversität in der Alpen-Adria Region. Die Schwerpunkte der Universität liegen in der klassischen Präsenzlehre, aber auch in einem hohen Anteil an Universitätslehrgängen. Konkreter Anlass für die Entwicklung der OCW Initiative war die Ausschreibung des bm:bwk für die Entwicklung und Umsetzung von e-learning/e-teaching-strategien an Universitäten und Fachhochschulen. Interne Analysen durch die Gruppe E-Learning Strategie Entwicklung (GELSE) ergaben, dass die Universität Klagenfurt zwar über einige sehr profilierte elearning-expertinnen verfügte, aber gleichzeitig noch Maßnahmen zur stärkeren institutionellen Verankerung von elearning benötigt wurden

2 Auf struktureller Ebene wurde angeregt, das Lehrmanagementsystem (LMS) Moodle in das Anmeldesystem der Universität zu integrieren, und Dienststellen für die Lehrunterstützung zu schaffen. In Kenntnis der zunehmenden Bedeutung der Open Educational Resources (OER) Bewegung wurde auf der inhaltlichen Ebene vorgeschlagen, Angehörige der Universität beim elektronischen Publizieren zu unterstützen. Ziele: Warum OpenCourseWare? Eine Reihe von Gründen sprach dafür, die Publikation von Materialien, im Speziellen die Produktion von OpenCourseWare als Teil einer institutionellen Strategie vorzuschlagen: Materialbereitstellung als Grundfunktion von elearning Materialbereitstellung kann als eine ganz wesentliche, aber häufig unterschätzte Grundfunktion von elearning betrachtet werden. Ohne ein Mindestmaß an elektronischen Materialien ist elearning kaum vorstellbar. Das gilt umso mehr im Kontext der Präsenzlehre, da hier die meiste Interaktion in der face-to-face Situation des physischen Klassenzimmers stattfindet, und die elektronische Verbreitung von Materialien am ehesten Zusatznutzen verspricht. Kurse als literarische Form Eine bestechende Eigenheit des am MIT entwickelten OpenCourseWare Konzepts ist es, dass der gesamte Kurs als eigenständige, literarische Form betrachtet werden kann, dessen konsistente Gestaltung und Beschreibung damit an Bedeutung gewinnt. Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich von der häufig zu bebachtenden Praxis, dass Kurse in Lernmanagementsystemen nur als schlecht dokumentierte Ordnerstrukturen verwendet werden und bewusste Gestaltung erst auf der Ebene einzelner Ressourcen oder Aktivitäten stattfindet. Publikation als Empowerment In der Vergangenheit wurde die Teilhabe am Internet vor allem konsumentenseitig betrachtet, und der Digital Divide als ein Problem des Zugangs zu Wissensbeständen formuliert. Viele Projekte im Rahmen der Open Access Bewegung, gerade auch viele Open Educational Resource (OER) Initiativen, argumentieren daher vor allem mit dem Nutzen für die potentiellen Konsumenten ihrer Produkte. Doch gerade die Entwicklung von Web 2.0 macht deutlich, dass für die Teilhabe am Internet nicht nur der passive Konsum, sondern auch die aktive Produktion bedeutsam ist. Personen und Institutionen Möglichkeiten zur Publikation zu bieten, bedeutet also eine Form des Empowerment, die dazu beitragen kann, die Trennung in Konsumenten und Produzenten zu überwinden, oder zumindest abzuschwächen. Publikation zur Verbesserung der internen Kommunikation Die Publikation von Kursunterlagen und Kursbeschreibungen kann auf mindestens zwei Arten zur Verbesserung der internen Kommunikation einer Hochschule beitragen. Zum einen kann sie Vorbildwirkung für die Gestaltung von Kursen entfalten und auf diese Weise ganz allgemein die Verbreitung und Qualitätssicherung von elearning fördern. Zum anderen kann die erhöhte Transparenz von Kursen die Kommunikation zwischen Lehrenden und damit die Koordination von Studiengängen erleichtern

3 Publikation zur Verbesserung der Außenwirkung Die Publikation von Lehrmaterialien kann Studierenden die informierte Entscheidung bei der Wahl von Lehrveranstaltungen erleichtern und der interessierten Öffentlichkeit einen besseren Eindruck über das Angebot von Universitäten bieten. Sowohl der/die einzelne Lehrende, als auch die gesamte Institution kann durch Publikation die eigene Außenwirkung steigern und an Reputation gewinnen. Erfahrungen in der Umsetzung des OCW-Ansatzes Von den oben angeführten Überlegungen ausgehend, machte sich die Universität Klagenfurt an die Umsetzung des OCW-Ansatzes und versuchte, das Modell auf die lokalen Gegebenheiten einer europäischen Universität zu übertragen. Dabei spielte die Suche nach geeigneter Software eine wesentliche Rolle. EduCommons und das MIT Modell Nachforschungen auf der OCW-Website des MIT ergaben, dass die dort gewählte Softwarelösung aus mehreren kommerziellen Softwarepakten für die Universität Klagenfurt nicht in Frage kam. Durch Zufall erfuhren wir von der Entwicklung von EduCommons, einem Plone-basiertem Open Source Produkt. Gefördert von der Hewlett Foundation und entwickelt an der Utah State University, ist EduCommons ein Content Management System (CMS), dass den Publikationsprozess von OpenCourseWare unterstützt. Obwohl wir von den Entwicklern von EduCommons 1 großzügige Unterstützung erhielten, konnte EduCommons nicht an der Universität Klagenfurt etabliert werden. Zum einen hätte die Installation eines zusätzlichen CMS schon auf der technischen Ebene erhöhten Wartungsaufwand bedeutet. Zum anderen, und viel schwerwiegender, erwies sich der dieser Software eingeschriebene, organisatorische Ablauf als nicht übertragbar. In Anlehnung an den Ansatz des MIT war ein 4-stufiger Publikationsprozess mit dazugehörigen Rollen entwickelt worden, der den Aufbau eines arbeitsteiligen Redaktionsteams voraussetzen würde, ein Aufwand, der von europäischen Universitäten kaum zu leisten ist. Die wertvollen Erfahrungen in der praktischen Erprobung von EduCommons ließen aber noch allgemeinere Erkenntnisse bezüglich der häufig beobachtbaren Trennung von Lehrmangementsystemen (LMS) und Contentmangementsystemen (CMS) reifen. CMS, vor allem wenn sie zur Publikation eingesetzt werden, erfordern häufig zentralisierte Strukturen, die mehr dem Modell einer Kathedrale (statt eines Bazars ) entsprechen. Praktisch erfordern sie die Duplikation (2nd storage) von Unterlagen außerhalb des LMS, zusätzliche Arbeitsschritte und eine De-Kontextualisierung von Materialien. Moodle als Publikationsplattform für OCW In einem nächsten Schritt erprobten wir Möglichkeiten, das an der Universität Klagenfurt eingesetzte LMS Moodle als Publikationsplattform für OCW zu verwenden, ein Ansatz, den übrigens auch die Open University London bei der Umsetzung ihrer OpenLearn Initiative verfolgt. 1 Dem Center for Open and Sustainable Learning (OSCL) an der Utah State University, im Speziellen John Dehlin, dem damaligen Director of Outreach, denen wir zu großen Dank verpflichtet sind

4 Schnell wurde klar, dass Moodle durchaus dafür geeignet ist, Kurse in ihrer Gesamtheit als literarische Form zu behandeln, da es nicht nur Ordnerstrukturen, sondern auch die inhaltliche Strukturierungen ermöglicht. Besonders hilfreich hat sich hier die Funktion in Moodle erwiesen, die Kursstruktur an zentraler Stelle sichtbar zu machen (Themenformat, Wochenformat). Mehrere Musterkurse, sowie ein Manual zur Materialbereitstellung nach dem OCW Konzept wurden erstellt. Doch auch Moodle hat noch erhebliche Einschränkungen für die Publikation von Lehrmaterialien. Das System ermöglicht zwar die Einrichtung von Gastzugängen ohne Login, und damit den freien Zugang zu Materialien. Doch ist dies eine entweder/oder Entscheidung, die den gesamten Kurs betrifft. Möchte man einen Kurs zur geschützten Interaktion mit Studierenden nutzen, kann die Publikation durch Öffnung des Gastzugangs nicht gleichzeitig, sondern erst nach Beendigung der Lehrveranstaltung stattfinden. Das Ergebnis ist eine nachträgliche, post-teaching Publikation, die zum einen zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeuetet, und zum anderen mögliche Varianten der Publikation (Vorankündigung, begleitende Publikation, etc.) unmöglich macht. Entwicklungsbedarf Die genannten Erfahrungen machen es möglich, den Bedarf für künftige technologische und logistische Weiterentwicklungen genauer zu bestimmen. Geht man davon aus, dass die oben angeführten Gründe für die Publikation von Lehrmaterialien weiter bestehen, dann müssen die dafür notwendigen Produktionsprozesse folgendermaßen verändert werden: Radikale Vereinfachung des Workflows Um die Publikation von Lehrmaterialien auf breiter Basis auch für Europäische Hochschulen möglich zu machen, ist eine radikale Vereinfachung des Workflows notwendig. Vor allem die derzeit übliche Trennung zwischen Produktion in LMS und der Publikation in CMS muss überwunden werden, um den hohen Aufwand für Duplikation und 2nd Storage zu vermeiden. Integration der Prozesse Lehren und Publizieren Überwindet man die Trennung zwischen LMS und CMS, dann sollte auch eine stärke Integration der Prozesse Lehren und Publizieren möglich werden. Dies reduziert auch die Gefahr einer De-Kontextualisierung von Lehrmaterialien, erhöht ihren didaktischen Nutzen und steigert vermutlich auch das Interesse von Lehrenden an fremden Materialien. Selektive Publikation einzelner Elemente Wenn die Aktivitäten Lehren und Publizieren zeitlich integriert und aufeinander abgestimmt werden sollen, muss genauer unterschieden werden, welche Anteile eines Kurses öffentlich zugänglich sind, und welche nur für ausgewählte Personen zugänglich sind. Diese Entscheidung muss auf der Ebene einzelner Elemente stattfinden. Publikation als individuelle Entscheidung Wenn der Workflows vereinfacht, Lehren und Publizieren stärker integriert, sowie die selektive Publikation von Einzelelementen ermöglicht werden soll, bedeutet dies auch, dass die Verantwortung für Publikationen zur individuellen Entscheidung von Lehrenden gemacht werden muss

5 Semi-transparente Kurse als mögliche Lösung Eine mögliche Lösung, die den oben genannten Entwicklungsbedarf erfüllen könnte, wäre es, die konzeptionelle Trennung von LMS und CMS (bzw. von Lehre und Publikation ) dadurch zu überwinden, dass in LMS die Möglichkeit für semi-transparente Kurse geschaffen wird. Die Funktionalität von LMS sollte dahingehend erweitert werden, dass Publikation möglich wird. Jeder Kurs könnte dann so gestaltet werden, dass in seinem offenen Teil bestimmte Elemente frei zugänglich gemacht werden, und gleichzeitig sein geschlossener Teil nur für eingetragene Kursmitglieder erreichbar ist. Semi-transparenter Kurs Offener Teil Zielsetzung Kursstruktur Eigene Materialien Literaturliste Etc. Geschlossener Teil Private Interaktion Unfertige Materialien Proprietäre Materialien Persönliche Daten Etc. Login Wie eine solche Funktionalität in der Praxis aussehen könnte, demonstriert ein Plug-in für Moodle, das OCW MetaMod. Leider handelt es sich bei diesem Plug-in derzeit erst um eine Beta-Version, die noch nicht zum Moodle Standard gehört und nur mit Moodle 1.6 kompatibel ist. Weitere Schritte Um die Schaffung von semi-transparenten Kursen auf breiter Basis möglich zu machen, sind die folgenden Entwicklungsschritte notwendig: Das OCW MetaMod muss weiter entwickelt und in den Moodle-Standard integriert werden, um eine dauerhafte Implementierung an Bildungseinrichtungen zu ermöglichen. Das OCW MetaMod sollte mit verschiedenen OER-Initiativen und Brokerage Plattformen in Verbindung gebracht werden, um (z.b. via Harvesting) die Suche nach individuell publizierten Materialien zu erleichtern. Das Konzept der semi-transparenten Kurse sollte auch auf andere LMS übertragen werden, um Plattformunabhängigkeit zu gewährleisten. Ähnliche Tools, wie das OCW MetaMod sollten daher auch für andere LMS entwickelt werden. Förderung für die Entwicklung und Erprobung der beschriebenen Tools wird derzeit gerade beantragt

6 Quellen Pfeffer, Thomas (2006) Materialbereitstellung mit Moodle. Manual, Universität Klagenfurt. https://elearning.uni-klu.ac.at/moodle/course/view.php?id=280 Pfeffer, Thomas (2006) Contentmanagement and Blended Learning: Beyond the Boarders of the Classroom. In: Zeitschrift für Hochschulentwicklung, Vol. 1, Nr. 3. MIT Open Course Ware: educommons: OCW Klagenfurt: OCW MetaMod:

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