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1 Bauen ist Dialog Building is Dialogue Aktuelle Beispiele Berliner Bauprojekte im Prozess Recent Samples of Berlin Building Projects in Process

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3 Bauen ist Dialog Aktuelle Beispiele Berliner Bauprojekte im Prozess Building is Dialogue Recent Samples of Berlin Building Projects in Process 2

4 Inhaltsverzeichnis Contents 18 Wettbewerb Dialog der Ideen Competition Dialogue of Ideas 46 Baukollegium Berlin Dialog der Positionen Baukollegium Berlin Dialogue between Positions 68 Bauen im Bestand Dialog der Zeitschichten Building with the Existing Dialogue between Time Layers 94 Parklandschaft Tempelhof Bauen als Impuls Tempelhof Parkland Dialogue as Impulse 3

5 Als vor über 50 Jahren der spätere Senator für Wissenschaft und Kunst in Berlin, Adolf Arndt, erstmals von der Demo kratie als Bauherr sprach, war dies ein mutiges Votum für die Befreiung des Bauens von historisch belasteter Bevor mundung durch Staat und Obrigkeit. Seither ist die Kultur der öffentlichen Auseinandersetzung um Stadtentwicklung und Baukultur mehr und mehr zu einem Kennzeichen demokra tischer Planung geworden und hat im Laufe der Zeit zu sehr unterschiedlichen Formen des Dialogs geführt. Die Überlegung, diesen öffentlichen Dialog um das Bauen zum Thema einer Ausstellung zu machen, war vor allem davon bestimmt, die unterschiedlichen Formen des Dialogs näher darzustellen. Dabei geht es jenseits der immer wieder heftig diskutierten Frage, welche öffentliche Beteiligung in Bau- und Planungsprozessen generell eingeräumt werden soll, vor allem um die spezifischen Formen des Dialogs, wie sie sich abhän gig von den konkreten Aufgabenstellungen entwickelt haben. Die Ausstellung zeigt in vier Handlungsfeldern Wettbewerb, Baukollegium, Bauen im Bestand und am Beispiel der Park landschaft Tempelhof, welche Vorgehensweisen in den ver gangenen vier Jahren geplant, entwickelt und realisiert wurden und welches die unterschiedlichen Instrumentarien eines ernsthaften, offenen und schließlich erfolgreichen Dialogs sind, ohne den qualitätvolle Architektur und Stadtgestalt nicht zu erreichen sind. Vorwort Preface Ingeborg Junge-Reyer Senatorin für Stadtentwickling, Berlin Senator of Berlin Senate for Urban Development When, over fifty years ago, Adolf Arndt, who would later become Senator for Science and the Arts in Berlin, first spoke of democracy as building client, it represented a courageous vote to liberate building from the historically freighted tute lage of the state and its authorities. Since then, public debate on issues of urban development and building culture has more and more become an identifying feature of democratic planning, and over the course of time has led to widely-ranging forms of dialogue. The idea of using this public dialogue on building as the theme for an exhibition, was based mainly on a desire to explain in more detail the various forms such a dialogue can take. Beyond the perennially controversial question of how much public participation should be generally permitted in building and planning processes, the focus here is mainly on the specific forms of dialogue that have developed out of the concrete tasks at hand. In four fields of action competitions, the Baukollegium, building with the existing and the example of the Tempelhof Parkland the exhibition demonstrates which procedures have been planned, developed and realised during the past four years and what tools are employed in the kind of earnest, open and ultimately successful dialogue without which high-quality architecture and urban design cannot be achieved. 4

6 Städtebau ist ein vielschichtiger und langwieriger Prozess. Dabei geht es darum, Veränderungsprozesse zu steuern und zu begleiten, verschiedenste Akteure zusammenzubringen, Entwicklungsvisionen miteinander zu festigen, mit städtebau lichen oder architektonischen Entwürfen Vertrauen zu bilden und die Stadt ausgehend von der Unterschiedlichkeit ihrer Quartiere zu profilieren. Dies bedeutet, dass Aushandlungs- und Diskussionsprozesse mit Architektinnen und Stadtplanern, Akteuren aus Politik und Verwaltung, Denkmalpflege, Bezirke, Investoren, Experten und Nutzer ebenso wie mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern geführt werden müssen. Dieser Aushandlungsprozess muss anhand konkreter Entwürfe und Bilder geführt werden. Anhand der Diskussion von Entwürfen können Investoren, Nutzer und Bürger ihre eigenen Wünsche prüfen, reflektieren, Lösungen vorantreiben oder auch verwerfen. Dabei bereichern gerade die unterschiedlichen Sichtweisen der Beteiligten, wodurch der Entscheid ausgewogener und fundierter wird. Die Teilhabe an solchen Diskussionsprozessen schafft Vertrauen, ein offenes Streiten erhöht die Transparenz, macht Positionen nachvollziehbarer, was leichter zu gemeinsam getragenen Lösungen führt. Die Motivation für diese Ausstellung ist es, allen an Stadt machen Interessierten anhand konkreter Beispiele zu zeigen, dass die Wahl des richtigen Dialogs die entscheidende Vor aussetzung für eine erfolgreiche Stadtentwicklung ist. Erfolg reiche Stadtentwicklung ist eben in hohem Maße von der Qualität der Gestaltungs- und Mitwirkungsprozesse abhängig. Die Bevölkerung hat nicht nur einen Anspruch auf Information, als Stadtbenutzer hat sie auch das Recht innerhalb der Planungsprozesse ihre Ansprüche und Ideen zu beschreiben und nachhaltig einzubringen. Es gilt daher, diesen Dialogprozess im richtigen Moment und mit relevanten Partnern, die ihr Wissen und ihre Interessen authentisch einbringen, zu organisieren und zu gestalten. Wie vielfältig die jeweiligen Partner sind, dokumentieren die vielen Interviews. Der Katalog zur Ausstellung demonstriert in vier Handlungsfeldern zur Baukultur mit exemplarischen Projekten, unter schiedliche Ebenen des Dialogs. Einführung Introduction Regula Lüscher Senatsbaudirektorin, Berlin Head of Berlin Senate for Urban Development Urban planning is a complex and drawn-out process. It s all about steering and accompanying processes of change, bringing together diverse stakeholders in order to consolidate everyone s visions of where the development should go; it s about instilling trust based on sound urban-development or architectural plans, and building an image for the city based on the diversity of its many districts. This means that negotiation and discussion processes have to be conducted with architects and city planners, policy-makers and public administrators, monument conservators, districts, investors, experts and users, as well as with committed citizens. This negotiation process must be carried out based on concrete plans and images. In discussing the plans and designs, investors, users and citizens can examine their own needs and desires, reflect on them, and drive forward solutions or reject those proffered. The very disparities between the different points of view prove to be enriching, and lead to a decision that is more balanced and well grounded. Participating in such discussion processes builds trust; open debate increases transparency, making positions more understandable, which in turns makes it easier to reach mutu ally agreeable solutions. The motivation behind this exhibition is to show all those inter ested in city-making based on actual examples that the choice of the right form of dialogue is the decisive prerequisite for successful urban development. In other words, successful urban planning is dependent to a great degree on the quality of the creative and cooperation processes. The citizens are not only entitled to information; as the users of the city they also have a right to describe their visions and ideas and to have them lastingly taken into account in the planning processes. It is therefore important to organise and shape this dialogue process at the right moment and with relevant partners who can authentically bring to bear their knowledge and their 5

7 Wettbewerb Dialog der Ideen Berlin ist eine Stadt der Vielfalt, jede Aufgabe sucht seine spezifische Lösung. Die Spurensuche und die Frage nach dem Genius Loci ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich Neues in seinen Kontext gut einbindet. Diese Suche bedeutet offen auf eine neue Aufgabe zuzugehen ohne vorgefasste Bilder oder gar Rezepte. Ein Wettbewerbesverfahren bietet die Möglichkeit anhand unterschiedlichster Entwürfe die tragfähigste und beste Lösung zu finden. Die Konkurrenz der Ideen spornt die Pro jektteams an. Die Bauherrenschaft kann sich durch Fachleute, Architekten, Ingenieure und Kostenplaner bei der Auswahl der besten Arbeit beraten lassen. Während eines Preisgerich tes entsteht ein gemeinsames Lernen unter allen Beteiligten. In mehreren Rundgängen werden durch die wiederholte Ver tiefung der Argumente Vor- und Nachteile eines Entwurfes beschrieben und diskutiert. Die Fachpreisrichter bringen ihre fachliche Sicht ein, indem sie städtebauliche und architekto nische Vorzüge und Mängel benennen. Bauherrenschaft und Nutzer lernen und profitieren als Sachpreisrichter von diesem Fachwissen. Die Fachpreisrichter profitieren umgekehrt vom innerbetrieblichen Wissen der Nutzer. Gerade im vergleichen den Diskurs kann aus der Vielfalt der Ideen die beste Lösung sowohl in städtebaulicher, architektonischer, funktionaler und wirtschaftlicher Hinsicht ausgewählt werden. Zur Siche rung höchster Qualität sind dazu Wettbewerbe das wichtigste Instrument. interests. The disparate backgrounds from which the various partners come are documented by the many interviews. In four fields for action in building culture, including exemplary projects, the exhibition demonstrates various levels of dialogue. Competition Dialogue of Ideas Berlin is a city of diversity each task seeks its own specific solution. The search for traces and the question as to the genius loci are key to ensuring that what is newly built is well integrated into its context. This search means addressing a new building project with an open mind and without precon ceived notions or, even worse, formulas. A competitive procedure offers a way of finding the most viable and best solution by comparing a wide variety of designs. The rivalry between various ideas spurs on the project teams. The builders can draw on the advice of specialists, architects, engineers and cost planners in selecting the best work. Those sitting on the prize jury share a mutual learning experience. In various rounds, during which arguments are repeatedly examined in more detail, the pros and cons of a design are worked out and discussed. The expert judges bring their pro fessional experience to bear on the project, citing advantages and shortcomings in terms of urban planning and architec ture. Builders and users learn and benefit as judges from this specialist knowledge. And the professional judges benefit for their part from the expertise of the users in their own fields of endeavour. In a comparative discourse, the best solution with respect to urban planning, architecture, function and eco nomic aspects can be selected from a multitude of different ideas. Competitions are the prime instrument for ensuring the highest quality. 6

8 Baukollegium Dialog der Positionen Nicht immer können Wettbewerbe durchgeführt werden und dennoch bleibt der Anspruch für herausragende Orte beste Qualität zu erreichen. Daher habe ich vor rund drei Jahren das Baukollegium Berlin ins Leben gerufen, um Bauvorhaben architektonisch zu begleiten. Unter meinem Vorsitz werden alle an einem Bauvorhaben Beteiligte Architekten, Investoren, Bezirks- und Senatsverwaltungen sowie die politisch Verant wortlichen auf Bezirks- und Senatsebene zusammen mit fünf externen Experten um einen Tisch versammelt. Die Bauherren präsentieren ihre Pläne, die externen Fachleute und die Behörden diskutieren die Projekte und ein Baukollegiumsmitglied übermittelt und fasst die Überarbeitungsempfehlun gen für den Bauherren zusammen. Der Vorteil ist, dass die Bauherren und ihre Architekten nicht in einem Einzelgespräch der alleinigen Meinung eines einzelnen Behördenmitgliedes ausgesetzt sind, sondern durch den Dia log zwischen unterschiedlichen Positionen eine differenzierte Beurteilung erfahren. Durch einen möglichst frühen Kontakt kann steuernd in die Projektentwicklung eingegriffen werden und somit Vertrauen und Verbindlichkeit für den gemeinsamen Planungsprozess geschaffen werden. Obwohl das Baukollegium Berlin, wie die meisten Gestaltungsbeiräte, nur beratend tätig ist, entsteht trotzdem zwischen Senat, Bezirk und Entwickler eine hohe Verbindlichkeit. Gerade im zweistufigen Verwaltungssystem in Berlin ist diese Bündelungs funktion im Vorfeld eines Genehmigungsprozesses nicht zu unterschätzen. Ziel ist die Qualitätssicherung eines Projektes durch diskursive Einflussnahme mit Anregungen und konst ruktiver Kritik in einem frühen Entwicklungsstadium. Baukollegium Dialogue between Positions It is not always possible to conduct a competition, and yet exceptional settings still call for the very best in quality. For this reason, I established the Baukollegium Berlin about three years ago as a way of providing architectural support for building projects. Under my chairmanship, all those involved in a project architects, investors, district and senate adminis trations, as well as political leaders on the district and senate levels, together with five external experts are gathered around the table. The builders present their plans, the external experts and the authorities discuss the projects, and a mem ber of the Baukollegium presents the suggestions for revision to the builders in summarised form. The advantage is that the builders and their architects are not at the mercy of the sole opinion of a single representative of one of the authorities in charge, but rather can experience a differentiated assessment through the dialogue between different positions. When clients contact us early on, we can help steer project development, thus building trust and a sense of commitment to the joint planning process. Although, like most design councils, the Baukollegium Berlin only acts in an advisory capacity, a high degree of commitment is nevertheless achieved between the senate, the district and the developer. Particularly in Berlin s two-stage administrative system, this bundling function in advance of the approvals process is not to be underestimated. The aim is quality assur ance for a project through discursive influence, with sugges tions and constructive criticism provided at an early develop ment stage. Building with the Existing Dialogue between Time Layers Every place has its own urban planning canon, made up of both hidden traces of the past and the existing buildings. Reshaping or augmenting what is there is a demanding and important task. Building in existing fabric and making previ ously built structures fit for the future is a major challenge. The focus of public building in Berlin today no longer lies on large new public projects, but rather on the creative treatment of the building fabric. Additions, alterations, extensions and Einführung Introduction 7

9 Bauen im Bestand Dialog der Zeitschichten Jeder Ort hat seinen eigenen städtebaulichen Kanon, der sowohl aus verborgenen Spuren der Vergangenheit, als auch aus vorhandenen Bauten besteht. Das Vorhandene zu über formen oder zu ergänzen ist eine anspruchsvolle und wichtige Aufgabe. Bauen im Bestand und dessen Ertüchtigung für die Zukunft ist die große Herausforderung. Der Schwerpunkt des öffentlichen Bauens in Berlin liegt heute nicht mehr bei großen öffentlichen Neubauprojekten sondern eher im kreativen Umgang mit dem baulichen Bestand. Gerade durch das Weiterbauen, das Verändern, das Ergänzen und das Umnutzen wird nicht nur ökologischen Ansprüchen Rechnung getragen, sondern die Geschichte der Stadt fortgeschrieben und für spätere Generationen lesbar gemacht. Dem Dialog unterschiedlicher Zeitschichten ist daher ein wichtiger Teil des Katalogs wie der Ausstellung gewidmet. Bauen im Bestand ist eine anspruchsvolle baukünstlerische Aufgabe deren Stellenwert oftmals unterschätzt wird. Herausragende Beispiele zeigen unterschiedliche Formen des Dialogs zwischen Alt und Neu auf. Dabei geht es mir darum aufzuzeigen, dass es zwi schen der reinen Rekonstruktion und dem programmatischen Entgegensetzten von Alt und Neu noch etwas anderes gibt, die behutsamen, gestalterisch wie technisch zeitgenössischen Ergänzungen und Neuinterpretationen. Eine ganz große Herausforderung ist und bleibt die Anpassung des Bestandes auf die Erfordernisse des Klimawandels. Wie viel Identität bleibt, wenn ein großer Teil unserer gebauten Umwelt mit Wärmedämmung verpackt wird und dadurch Zeit geist und die Lesbarkeit von Zeitschichten verunklärt wer den? Der Dialog der Zeitschichten ist ein wichtiges kulturelles Kapital der Städte und ihm gilt deshalb meine besondere Aufmerksamkeit. Tempelhof Parkland Dialogue as Impulse conversions in particular not only fulfill ecological demands, but also continue to write the history of the city and make it legible for future generations. An important part of the exhi bition is therefore devoted to the dialogue between various layers of time. Building with the existing is an aesthetic architectural challenge whose value is often underestimated. Outstanding examples demonstrate various forms of dialogue between old and new. What I want to do here is to show that, between pure reconstruction and the programmatic contrast ing of old and new, there is something else: careful supple mentation and reinterpretation that is contemporary in both design and technology. An overwhelming challenge is to adapt the existing building stock to the demands of climate change. How much identity remains when a large portion of our built environment is wrapped in thermal insulation, obscur ing its zeitgeist and the legibility of time layers? The dialogue between time layers is an important part of the cultural capital of our cities and it therefore deserves my special attention. The last section of the exhibition looks at the dialogue with the population from the broad evaluation of user wishes to temporary collaborative design and planning work by pioneers and interim users. We hence lay claim to participation that goes far beyond mere verbal statements. Particularly when it comes to designing public spaces, the participation processes are extremely sophisticated. On the airfield of the former Tempelhof Airport, an innovative, resource-saving parkland is being developed that will make room for our multicultural society as well as activating and incorporating Berlin s creative forces. The design that was selected took up key impulses from the citizens referendum and is conceived in an extremely process-oriented manner. The awakening park will experience its first step-by-step formulation in 2017 with the major event of the International Horticultural Exhibition in Berlin and thereafter be transformed into its final incarnation. Aside from the phase-based development of the park, pioneers and interim users are providing 8

10 Parklandschaft Tempelhof Dialog als Impuls Im letzten Kapitel geht es um den Dialog mit der Bevölkerung durch die breite Evaluation von Nutzerwünschen bis hin zum temporären Mitgestalten durch Pionier- und Zwischennutzer. Wir erheben damit den Anspruch an eine Beteiligung, die weit über verbale Äußerungen hinausgeht. Gerade wenn es um die Gestaltung von öffentlichen Räumen geht, sind die Beteiligungsprozesse anspruchsvoll. Auf dem ehemaligen Flugfeld soll eine innovative, Ressourcen scho nende Parklandschaft entwickelt werden, die Raum für unsere multikulturelle Gesellschaft schafft sowie die kreativen Kräfte Berlins aktivieren und einbeziehen kann. Der ausgewählte Entwurf hat wichtige Impulse aus dem Bürgerbeteiligungsverfahren aufgenommen und ist äußerst prozesshaft konzipiert. Die Parklandschaft wird seine erste stufenweise Ausformulierung 2017 mit dem Großereignis der Internationalen Gartenbauausstellung in Berlin erlangen und sich danach nochmals in seine endgültige Form t r a n s f o r m i e r e n. Neben der phasenweisen Entwicklung des Parks sorgen Pionier- und Zwischennutzer als Impulsgeber für das Entwick lungskonzept. Dabei ist der Dialog zwischen dem bewussten Gestalten von Landschaft top down und der gestalterisch schwer kontrollierbaren Ansiedlung von Pioniernutzern eine Herausforderung, welche der Parkentwurf bewältigen wird. Letztlich geht es im Städtebau um den ewigen Dialog zwischen dem Allgemeinen und dem Individuellen und der Betreuung der Veränderung. further inspiration for the development concept. The dialogue here between the deliberate top-down design of the landscape and the difficult-to-control shaping of the park through its settling by pioneer users is a challenge that will be mastered by the park design. Urban planning is ultimately all about the never-ending dialogue between the general and the individual, and about the supervision of change. Einführung Introduction 9

11 Die folgenden Doppelseiten zeigen Eindrücke aus der Ausstellung vom 25. Juni bis 8. August 2011, Alte Zollgarage des ehemaligen Flughafen Tempelhof. The following spreads give impressions of the exhibition held from June 25 to August 8, 2011, Alte Zollgarage at former Tempelhof Airport.

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19 Wettbewerb Dialog der Ideen Competition Dialogue of Ideas Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Ernst Busch Academy of Dramatic Art Modezentrum Osthafen Labels II Labels II East Harbour Fashion Centre Wohn- und Geschäftshaus am Hausvogteiplatz Residential and Commercial Building on Hausvogteiplatz Campus Rütli Temporäre Freiraumgestaltung Schlossareal Temporary Open Space Design for the Palace Site Bürogebäude Kubus im Lehrter Stadtquartier Kubus Office Building in the Lehrter Quarter 18

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21 Berlin verzeichnet nach einem gewaltigen Aufholprozess der zurückliegenden Jahre seit der Wiedervereinigung der Stadt heute einen rückläufigen Bedarf an großen öffentlichen Neubauten für Infrastruktur, Kultur, Bildung und auch Büround Wohnungsbau. Die raumgreifenden Brachflächen, insbesondere entlang des Grenzverlaufes, sind bebaut oder beplant. Damit ist die Zeit spektakulärer Wettbewerbe, die in öffentlichen Ausschreibungsverfahren europaweit durchgeführt werden, weitgehend vorbei. In den Fokus der baukulturellen Diskussion und Qualitätsbewertung rücken neben öffentlichen Sanierungs- und Erweiterungsprojekten zunehmend temporäre Projekte und ebenso deutlich auch immer mehr private Bauprojekte (Beispiele: Freiraumgestaltung Schlossareal, Hochschule für Schauspielkunst). Private Investoren und Bauherren sind nicht verpflichtet, Wettbewerbe durchzuführen oder ihre Planungsvorhaben öffentlich auszuschreiben. Da die privaten aber ebenso wie die öffentlichen Bauten Stadtgestalt und Qualität des öffentlichen Raumes prägen, besteht die Aufgabe darin, auch private Bauherren zu motivieren und mit guten Argumenten davon zu überzeugen, dass ein Wettbewerb die geeignete und beste Form ist, um architektonische und städtebauliche Qualität zu erreichen und wirtschaftliche Lösungen zu erzielen. Eine präzise Beschreibung von Rahmenbedingung, Aufgabe und Zielsetzung des Wettbewerbs setzt Kreativität bei der konzeptionellen Lösungsentwicklung in der Planungsphase frei. Jüngste Berliner Beispiele zeigen, dass über ein vergleichendes Wettbewerbsverfahren nicht nur gestalterisch herausragende Lösungen gefunden werden, sondern auch zeitliche und finanzielle Einsparungen möglich sind. Eine Besonderheit Berlins besteht darin, dass Berlin in der Öffentlichkeit als Gesamtstadt wahrgenommen wird, mit der Annahme, dass planungshoheitliche und ordnungsrechtliche Entscheidungen von zentraler Stelle getroffen werden. In der Praxis liegen Entscheidungs- und Genehmigungskompetenz jedoch bei den Stadtbezirken, also polyzentral und räumlich gesehen an 12 verschiedenen Orten. Durch die Zuständigkeit der Berliner Bezirke in Planungs- und Genehmigungsprozessen wird auch über die baukulturellen Belange auf bezirklicher Ebene diskutiert, wodurch zum Teil sehr verschiedene Standards und Maßstäbe zur Anwendung kommen. Dies bedeutet für Berlin als Stadt, die von außen als ganzheitliche Metropole wahrgenommen wird, dass sie nur in intensivem Dialog mit den Bezirken die Möglichkeit hat, ganzheitliche Konzepte zu entwickeln und vergleichbare, einheitliche Standards und Qualitätskriterien anzuwenden. Das ist einer der Gründe, warum der Fokus stadtgestaltender Arbeit weniger in übergeordneten Leitbildern liegen kann, sondern in der konzeptionellen Arbeit in konkreten Arealen Einführung Dialog der Ideen Introduction Dialogue of Ideas Regula Lüscher After doing a tremendous amount of catching up in the years after the two halves of the city were reunited, Berlin today has declining needs for large new public buildings for infrastructure, culture or education, as well as for office and residential buildings. The huge fallow areas, in particular along the former border, have now been developed, or their development is in planning. The era of spectacular competitions, of public bidding procedures conducted Europe-wide, has largely come to an end. At the focal point of today s discussions of building culture and assessments of quality, along with public modernisation and extension projects, are increasingly temporary projects and, just as notably, more and more private undertakings (Example: Palace Site, Academy of Dramatic Art). Private investors and builders are not obligated to hold competitions or publicly announce their plans. However, as both private and public buildings shape the cityscape and the quality of its public spaces, the task is to motivate private builders to also hold competitions, persuading them based on sound arguments that this is the most suitable and best way to achieve a high quality of the architecture and urban design, aiming at the most economic solutions. A precise description of the framework conditions, aim and objectives of the 20

22 oder auf der Ebene konkreter Objekte liegt (Beispiele: Campus Rütli, Modezentrum Osthafen Labels II ). Auf diese Weise lassen sich Partner verbindlich im Prozess beteiligen. Auch standortbezogen angepasste Lösungen lassen sich so entwickeln. Die Vielzahl der dabei entstehenden Ideen entspricht der städtebaulichen und architektonischen Vielfalt der Berliner Stadtgestalt. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher setzen an Stelle vorgegebener Gestaltungsregeln bei jedem einzelnen Bauvorhaben auf die individuelle Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Kontext, dem Bauplatz und der spezifischen Aufgabenstellung. Auf diese Weise entsteht im Dialog zwischen dem zuständigen Bezirk, dem Investor und externen Experten sowie Fachleuten unterschiedlicher Bereiche die beste Lösung für den jeweiligen Ort. Die optimale Form für diesen Prozess, der immer auf freiwilliger Basis der Beteiligten beruht, ist ein konkurrierendes Verfahren unter Einbeziehung verschiedener Büros. Die vorgestellten Beispiele zeigen ein breites Spektrum an architektonischen und städtebaulichen Lösungen, die aus Wettbewerben hervorgegangen sind. In Interviews mit am Gestaltungs- und Entscheidungsprozess Beteiligten wird deutlich, welche Rolle Wettbewerben und ihrer baulichen Umsetzung bei der Gestaltung Berlins als Gesamtstadt und ihrer Lebensqualität zukommt. competition unleashes creativity for the development of conceptual solutions during the planning phase. Recent examples in Berlin show that a competition that enables the comparison of various proposals can not only lead to outstanding solutions, but can also save time and money. A characteristic of Berlin is the public perception of the city as a whole, with the assumption that planning and organisational decisions are made by a central authority. In practice, however, decision-making and approval authority are vested in the city districts, hence polycentrically located in twelve different places. Since the city districts are in charge of planning and approval processes, issues of building culture are naturally also discussed at the district level, partially resulting in the application of very different standards and criteria. For Berlin as a city, perceived from the outside as holistic metropolis, this means that developing integral concepts and applying comparable, uniform standards and quality criteria is only possible in an intense dialogue with the districts. This is one of the reasons for urban design work to focus on the conceptual projects in concrete areas or concrete objects, rather than being based on a superordinate general principle (Example: Campus Rütli, East Harbour Fashion Centre Label II). In this way, partners are mutually committed to the process. Site-specific solutions can also be developed in this manner. The diversity of the ideas that thus arise echoes the versatile urban design and architecture of Berlin s cityscape. Individual attention paid to the respective context of each building project, to its site and its specific objectives, rather than dictating prescriptive design rules, is the basis for every professional exchange. Crystallising out of the dialogue between the district in charge, the investor, external experts and specialists in various fields, is the best solution for each particular setting. The optimal form taken by this process, which is always based on voluntary participation, is a procedure with multiple phases in which several architectural design ideas and several authors can be considered and compared. The examples presented here display a broad spectrum of architectural and urbandesign solutions that have resulted from diverse competitions. In the interviews with those involved in the design and decision-making process, it is clear to see that competitions and the realisation of the winning designs play a vital role in the in the design of the city of Berlin as a whole and the quality of life within it. Einführung Dialog der Ideen Introduction Dialogue of Ideas 21

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