Die Wirtschaft. Social Media in Marketing und E-Commerce. zwischen Alb und Bodensee. Steuerpolitik Bundestagsparteien im IHK-Check

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1 September 2013 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee Steuerpolitik Bundestagsparteien im IHK-Check Seite 69 Versorgungssicherheit Schutz des Unternehmens vor Stromausfällen Seite 52 Biotechnologie IHK Ulm fördert Stiftungsprofessur Seite 57 TRENDS UND STRATEGIEN Social Media in Marketing und E-Commerce Seite 15

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3 Editorial Standort Deutschland: Wir haben die Wahl Dr. Peter Kulitz, Präsident IHK Ulm Wir dürfen, brauchen nicht, sollen doch nein, wir müssen wählen gehen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Um uns herum tobt in Europa eine ausgewachsene Wirtschafts- und Finanzkrise. Deutschland ist mitten drin, spürt davon dank seiner weltweit hoch wettbewerbsfähigen und diversifizierten Wirtschaft bislang wenig. Ob dies so bleiben kann, ist allerdings fraglich, wenn ich mir die Orientierungslosigkeit um nicht zu sagen Ratlosigkeit unserer politischen Institutionen anschaue. Wir müssen unsere Wahlentscheidung danach ausrichten, mit welchen Maßnahmen welche politischen Kräfte die zukünftigen sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland prägen wollen. Wahlprüfsteine nutzen Politische Entscheidungen im Glauben, mit noch mehr schuldenbzw. steuerfinanzierten Staatsausgaben und weiteren Eingriffen in die marktwirtschaftliche Ordnung à la EEG bei gleichzeitigem Versagen vorhandener Kontrollorgane das Schiff Europa wieder flott zu bekommen, führen unmittelbar zu einer massiven Schwächung unserer erstaunlich robusten Volkswirtschaft. Um es klar zu sagen: Basis unseres Wohlstandes und der Versorgungsfähigkeit im Rahmen des Generationenvertrages ist die Wettbewerbs- und Inno vationsstärke unserer Unternehmen. Diesen Maßstab gilt es anzulegen und die Wahlprogramme der einzelnen Parteien daraufhin genau zu scannen. Wir haben Ihnen hierzu eine Checkliste in Form von thematisch geordneten Wahlprüfsteinen erarbeitet (Trends & Hintergründe, Seite 69). Nutzen Sie diese Wahlprüfsteine und geben danach Ihre Stimme ab, denn sie zählt und wird gebraucht. Dr. Peter Kulitz, Präsident IHK Ulm Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

4 Titelthema Social Media: Trends in Marketing und E-Commerce Seite 15 Trends und Hintergründe Bürokratieabbau: Rettung aus dem Datenmeer Seite 70 3 Editorial Panorama 6 Netzwerk Energieeffizienz Unternehmen senken Energieverbrauch 7 Energieforum von EnBW und IHKs Die Netze neu denken 8 Hidden Champions Kässbohrer Geländefahrzeug 9 L-Bank Erweiterte Fördermöglichkeiten für den Mittelstand 10 Work-Life-Balance Den Ausstieg aus dem Hamsterrad schaffen 11 Weiterbildung Top für den Handel 12 Ausland Japanischer Markt bietet Chancen 12 Berufswahl-Siegel Von der Schule in den Beruf 13 TV-Tipps Wirtschaft zum Anschauen 13 Arbeitsmarkt Region liegt vorn Titelthema Social Media 15 Social Media in Marketing und E-Commerce 19 Tognum Im Social Web kein weißer Fleck sein 20 Erfolgsmesssung Über den Nutzen von Social Media 22 Donau 3 FM Unverzichtbare Chancen für jede Firma Neues aus den Unternehmen 24 Q3 Energieelektronik / Arbeitsplattformnetz / Socialbit Schwäbische Zeitung verleiht Gründerpreis 26 Rafi Eltec Neue Firmengebäude 26 Volksbank Bad Saulgau Positive Bilanz, neue Vorstände 27 Zoller + Fröhlich 50 Jahre Elektrotechnik 28 Messe Friedrichshafen Neuer Umsatzrekord 29 Winterhalter Gastronom Neubau bezogen 30 Futronic Auf Wachstumskurs 31 Grunwald Neubau fertiggestellt 31 Regionalwerk Bodensee Am Markt etabliert 32 Trumpf Hochmoderne Produktion 33 Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch feiert 150. Geburtstag 34 Trotec Laser Automation Laser-Spezialist wird Teva GmbH / Ratiopharm Investition in Sterilfertigung 36 Fritz & Macziol Ulmer IT-Konzern legt 30 Prozent zu 36 Ehinger Volksbank / Raiffeisenbank Donau-Iller Zusammenschluss geplant 36 Volksbank Laupheim / Raiffeisenbank Illertal Fusion 37 Ingenics Beratungsunternehmen legt beim Umsatz kräftig zu 38 Raiffeisenbank Niedere Alb Kreditvolumen wächst 38 Volksbank Laichinger Alb Unternehmen investieren mehr 38 Raiffeisenbank Donau-Iller Ergebnis stagniert 38 VR-Bank Langenau-Ulmer Alb Erwartungen übertroffen 39 LexMedicus Erfolg mit medizinischen Gutachten 39 Studio zwei Firma produziert Stars 39 Volksbank-Raiffeisenbank Riedlingen Geld für 35 Vereine 40 Boehringer Ingelheim Weiter auf Wachstumskurs 41 Stegmaier Großaufträge: Bedachungen für Kreuzfahrtschiffe 41 Galaxy Energy Bestes Solarprojekt Europas 42 Uhlmann Pac-Systeme Bilanz und Investition 43 Ott cucina Neues Event-Gewölbe in Ulmer City 43 E. Ott Trainer Association Erfolg bei Personalentwicklung 44 Federseebank Bilanz 44 Radio 7 Hörfunk Sender steigert Reichweite Region Bodensee-Oberschwaben 45 Heinrich Grieshaber als IHK-Präsident wiedergewählt 46 Jubiläumsjahr 175 Jahre Zeppelin 48 Tour d Innovation Innovationsprozessen auf der Spur 49 B 30-Verlegung Ravensburg atmet auf 50 IHK-Unternehmerforum 51 Frauenwirtschaftstage Versorgungssicherheit Auf Nummer sicher gehen 54 Wirtschaftsjunioren Joey Kelly bei den Salemer Gesprächen Fotos: tonovan/fotolia.com; Nomad_Soul/Fotolia.com; Stadt Friedrichshafen; xy/fotolia.com 4 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

5 Region Bodensee-Oberschwaben 175 Jahre Graf Zeppelin: Friedrichshafen feiert den Luftfahrtpionier Seite 46 Region Ulm Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl: Politiker stellen sich Fragen der Unternehmer Seite 62 Region Ulm 56 Faszination Technik Lehrerfortbildung in der Werkstatt 57 Fachkräftenachwuchs IHK Ulm fördert Stiftungsprofessur 58 Berufswahl Schulen und Unternehmen wachsen zusammen 58 Talentförderung IHK-Preis für beste Abiturleistungen 59 Kreativwirtschaft Unterstützer für Filmproduktion gesucht 59 Veranstaltung Einkauf in Osteuropa und Asien 60 Vollversammlung Ehrenamtliches Engagement gewürdigt 60 Marketing Transportgewerbe Leidenschaft für Logistik 61 Veranstaltung Cluster-Forum Donau-Iller 62 Regional Forum Wirtschaft Diskussionsabend zur Wahl 63 Veranstaltung Marktplatz für Gute Geschäfte 64 Vollversammlung Ehemalige Mitglieder verabschiedet 65 Veranstaltung Familie, Beruf und Kinderbetreuung Trends & Hintergründe 66 Finanzierung Geld für die Kultur- und Kreativwirtschaft 68 Urheberrecht im Internet Vorsicht Falle: Nutzungsrechte 69 Bundestagswahl Steuerpolitik der Parteien im IHK-Check 70 Bürokratieabbau Rettung aus dem Datenmeer 71 Energie- und Stromsteuer Spitzenausgleich beantragen IHK Service Bodensee-Oberschwaben Ulm 76 Basistraining für die Selbstständigkeit / Ulmer Kreative präsentieren sich bei 7 x 7 / Informationen zur Künstlersozialversicherung / Aktionstag für Mädchen / Sprechtag der L-Bank und Bürgschaftsbank / Monex-Sprechtag Handelsregister Aus dem Bezirk der IHK Bodensee-Oberschwaben 82 Bodenseekreis 90 Kreis Ravensburg 99 Kreis Sigmaringen Aus dem Bezirk der IHK Ulm 102 Alb-Donau-Kreis 108 Kreis Biberach 113 Kreis Ulm 120 Kultur & Freizeit 122 Vorschau, Impressum 74 Erfinder- und Patentberatung / Finanzierungssprechtage / RKW-Sprechtage / Netzwerk junger Unternehmer / Technologietransfer / Marketing 75 Infoabende zu Fortbildungsprüfungen und Lehrgängen Diese Ausgabe enthält das Verlagsspecial Marketing, Werbung, PR und Druck Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

6 Panorama Die Ausbildungsbotschafter Waldemar Kirschenmann ist Ausbildungsbotschafter: Er besucht Schulklassen und informiert dort über seinen Ausbildungsberuf. Der 24-Jährige lernt im zweiten Lehrjahr Zerspanungsmechaniker bei der ZF Friedrichshafen AG. Für seinen Einsatz wurde er in einem Kurs der IHK Bodensee-Oberschwaben qualifiziert. Warum sind Sie Ausbildungsbotschafter geworden? Weil ich es wichtig finde, den Schülern zu helfen, sich für den richtigen Beruf zu entscheiden. Wenn ich zurückblicke, ist mir diese Entscheidung selbst auch nicht leicht gefallen. Schließlich muss einem der gewählte Beruf ja Spaß machen, damit man später auch erfolgreich im Berufsleben durchstarten kann. Foto: Rolf Schultes/Drumlin Photos Wie kommen Sie als Ausbildungsbotschafter bei den Schülern an? Einen Schuleinsatz hatte ich noch nicht, aber ich habe meinen Beruf auf der Langen Nacht der Technik und Innovation in Friedrichshafen vorgestellt. Besonders gut kam an, dass ich von meinen Erfahrungen berichten und auf Fragen eingehen konnte. Würden Sie sich wieder als Ausbildungsbotschafter schulen lassen? Auf jeden Fall, denn es macht mir Spaß, jungen Leuten Einblicke in den Beruf des Zerspanungsmechanikers zu geben. Interessieren sich Ihre Azubis auch für den Einsatz als Ausbildungsbotschafter? Die Infos dazu gibt s bei Ihrer IHK. O Info: IHK Bodensee- Oberschwaben, Sabine Angerer, Tel / , IHK Ulm, Suzan Ulucer, Tel / , NETZWERK ENERGIEEFFIZIENZ Unternehmen senken Energieverbrauch Eine erfolgreiche Abschlussbilanz seiner mehr als dreijährigen Arbeit zog das EnBW Netzwerk Energieeffizienz Alb-Schwarzwald-Bodensee in Ulm. 6 Foto: Ralph Eckhardt 15 Industriebetriebe aus der Region haben sich 2010 im Netzwerk Energieeffizienz zusammengeschlossen, um mit der EnBW Energie Baden- Württemberg AG, der IHK Bodensee-Oberschwaben und der IHK Ulm neue Wege zu gehen. Ihre Ziele: Energie effizienter nutzen, Kosten reduzieren, die Umwelt entlasten. Die Abschlussbilanz zeigt deutliche Resultate. Die bis jetzt umgesetzten 173 Maßnahmen führen dazu, dass die Unternehmen jährlich insgesamt fast 19 Gigawattstunden weniger Energie verbrauchen. Zur Umsetzung der Maßnahmen wurden von den Unternehmen bisher rund 5 Millionen Euro investiert. Dies führt zu einer jährlichen Energiekosteneinsparung von etwa 1,5 Millionen Euro. Darüber hinaus wurden die jährlichen CO 2 -Emissionen um Tonnen reduziert. Das Netzwerk wird seine Zusammenarbeit fortführen und weitere geplante Maßnahmen umsetzen. WAB Das Energieeinsparpotenzial der Unternehmen des Netzwerks entspricht dem Energieverbrauch von etwa 959 Privathaushalten. O Hier finden Sie eine Liste der beteiligten Betriebe: Dokument-Nr Dokument-Nr Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

7 ENERGIEFORUM VON ENBW UND IHKS Die Netze neu denken Mit den Herausforderungen der Energiewende befasste sich das neunte Energieforum der EnBW sowie der IHKs Bodensee-Oberschwaben und Ulm in Bad Waldsee. Sieben Punkte, die aus Sicht der Wirtschaft für eine erfolgreiche Energiewende wichtig sind, benannte IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Jany neben der Sicherung der Grundlast unter anderem die Eingrenzung der Strompreiserhöhungen sowie die Förderung der Energieeffizienz. Über die Herausforderungen der immer dezentraler werdenden Stromerzeugung sprach Oliver Deuschle von der EnBW Regional AG: Die Versorgungsnetze müssten der neuen Situation angepasst werden, damit der Strom dorthin transportiert werden könne, wo er gebraucht werde, oder gespeichert werden könne. Wir müssen die Netze neu denken, so Deuschle. Foto: Derek Schuh Beim Energieforum in Bad Waldsee (von links): Oliver Deuschle, EnBW Regional; Thomas Steffan, EnBW Vertrieb; Anja-Tatjana Braun, Fraunhofer-Institut; Werner Kühl, IHK Ulm, und Peter Jany, IHK Bodensee-Oberschwaben. Stephan Rieke von der Etogas GmbH in Stuttgart berichtete über ein Pilotprojekt in Sachen Speichertechnologie, mit dem Strom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff oder synthetisches Erdgas umgewandelt und im Erdgasnetz gespeichert werden kann. Anja-Tatjana Braun vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart forderte, in der Produktion auf eine Energieeffizienz-Optimierung zu achten und Fertigungsabläufe zu optimieren. WAB Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

8 Panorama KÄSSBOHRER GELÄNDEFAHRZEUG AG, LAUPHEIM Marktführer auf der Piste Die Laupheimer Firma Kässbohrer produziert rund zwei Drittel aller weltweit für den Wintersport eingesetzten Pistenraupen. Neben dem Pistenbully ist die Firma auch mit Strandreinigungsfahrzeugen erfolgeich. BP bestellte wegen der Deepwater-Horizon-Ölkatastrophe 30 Beachtech -Fahrzeuge in die USA. Hidden Champions In unserer Serie Hidden Champions stellen wir Ihnen die heimlichen Weltmarktführer aus der Region zwischen Alb und Bodensee vor diesmal die Kässbohrer Geländefahrzeug AG aus Laupheim. Das Spezialfahrzeug zum Präparieren von Schneepisten, der Pistenbully, hat sich zu einem globalen Exportschlager entwickelt. Seit der Markteinführung 1969 hat die Laupheimer Kässbohrer Geländefahrzeug AG rund Fahrzeuge in 68 verschiedene Länder verkauft. Die Olympischen Winterspiele 1972 waren der Durchbruch, sagt Kässbohrer-Vorstandssprecher Jens Rottmair. Der Einsatz des Spezialfahrzeugs hatte im japanischen Sapporo überzeugt. Die Serienproduktion des Pistenbully begann. Mit 200 Millionen Euro Umsatz und einem Weltmarktanteil von über 60 Prozent ist das Unternehmen die unangefochtene Nummer eins. Kässbohrer-Vorstandssprecher Jens Rottmair. 130 Servicestationen weltweit Die Erfolgsgeschichte des Pistenbully beginnt mit einer Idee im Winterurlaub. Der Ulmer Unternehmer Karl Kässbohrer ( ) fragte sich, wie man Schneepisten und Loipen professionell präparieren könne. Er war ein leidenschaftlicher Skifahrer, sagt Jens Rottmair. Kässbohrer kam deshalb auf die Idee, ein Pistenpräparierfahrzeug auf den Markt zu bringen eine Innovation, die weniger bekannt ist. Kässbohrer hat sich nämlich vor allem mit der Entwicklung des ersten Omnibusses mit selbsttragender Karosserie (Setra) und der Einführung einer Luftfederung für Nutzfahrzeuge einen Namen gemacht. Die Kässbohrer Geländefahrzeug AG entstand 1994 durch ein Management-Buy-out und beschäftigt heute weltweit 500 Mitarbeiter übernahm die Firma den finnischen Mitbewerber Formatic. Kässbohrer exportiert in 102 Länder. Als Abnehmer sind zuletzt Aserbaidschan und Brasilien hinzugekommen. 80 Prozent des Gesamtumsatzes macht die Laupheimer Spezialfirma jedoch mit den Alpenländern und Nordamerika. Von den Pistenraupen, Foto: Käassbohrer AG die Kässbohrer produziert hat, sind noch im Einsatz. Die Fahrzeuge sind robust und langlebig, so Firmenchef Rottmair. Die Hauptabnehmer, Skigebiete und Kommunen, seien mit der Neuanschaffung allerdings auch zurückhaltend. Für Reparaturen hat das Unternehmen 130 Servicestationen auf der ganzen Welt aufgebaut. Auf die hohe Verfügbarkeit der Ersatzteile ist Jens Rottmair besonders stolz. In 96 Prozent der Fälle können wir innerhalb von 24 Stunden liefern, sagt der 45-Jährige, der selbst regelmäßig Ski fährt. Der Ersatzteilumsatz macht inzwischen ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. Der Pistenbully wird nicht nur für den Wintersport eingesetzt. Er dient auch als Transportfahrzeug, zum Beispiel für Forschungsstationen in der Antarktis. Die stärkste Raupe trotzt mit 510 PS Schnee und Eis. Zweites Standbein: Strandreiniger Mit dem Pistenbully ist man in Laupheim abhängig vom Winter. Deshalb führte das Unternehmen 1992 das Strandreinigungsfahrzeug Beachtech ein. Seither wurden Strandreiniger ausgeliefert. Auch in diesem Segment ist die Kässbohrer Geländefahrzeug AG Weltmarktführer. Hauptabsatzmärkte waren die Mittel meer anrainerstaaten. Seit der Finanzkrise 2008 sind die Verkäufe in diesen Ländern eingebrochen. 50 Prozent des Umsatzes werden nun in den USA und am Persischen Golf gemacht. Auslöser für den Erfolg in den USA war die durch die Explosion der Deepwater Horizon ausgelöste Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010: British Petroleum (BP) bestellte zur Reinigung der Strände in Laupheim 30 Beachtech - Fahrzeuge. Stefan Drößler O 8 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

9 Panorama L-BANK Erweiterte Fördermöglichkeiten für den Mittelstand Seit Juli bietet die L-Bank mit den Programmen Gründungsfinanzierung 50, Wachstumsfinanzierung 50 und Energieeffizienzfinanzierung 50 auch bei Krediten über 2,5 Millionen Euro eine Kombination aus Darlehen und 50 Prozent Bürgschaft an. Bisher konnten Kredite zur Finanzierung von Energieeffizienzund Wachstumsinvestitionen ebenso wie die Gründungsfinanzierung bei Darlehensbeträgen über 2,5 Millionen Euro nur mit individuellen Bürgschaftsvereinbarungen abgesichert werden. Für kleinere Beträge dagegen bieten L-Bank und Bürgschaftsbank Baden-Württemberg bereits seit 2004 im Rahmen eines vereinfachten Verfahrens eine Kombination aus zinsverbilligtem Darlehen und 50 Prozent Bürgschaft an. Vorteil dieser Kombi-Bürgschaften ist, dass die Provision für die Bürgschaft anhand der Bonität des Kunden und den vom Kunden gestellten Sicherheiten ermittelt werden kann. Die Hausbank ermittelt aus Bonität und Besicherung eine Preisklasse. Für jede Preisklasse ist ein Provisionssatz festgelegt. Dadurch wird bei der Hausbank die Vorbereitung des Kundentermins einfacher. Die L-Bank führt die so bepreiste Kombi-Bürgschaft nun auch bei Förderkrediten über 2,5 Millionen Euro ein. Damit wird neben der Bürgschaft mit individueller Festlegung der Bürgschaftsprovision eine in den Konditionen standardisierte Bürgschaft mit am risikogerechten Zinssystem orientierten Bürgschaftsprovisionssätzen angeboten. Das L-Bank-Bürgschaftsangebot ist in beiden Varianten auf ein Bürgschaftsvolumen bis zu 5 Millionen Euro, Laufzeiten bis 15 Jahre und eine Bürgschaftsquote von bis zu 50 Prozent ausgerichtet. WAB O Info: oder bei den IHK-Finanzierungssprechtagen (siehe Seiten 74 und 76). Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

10 Panorama WORK-LIFE-BALANCE Den Ausstieg aus dem Hamsterrad schaffen Wettbewerbsdruck, Arbeitsverdichtung und Überlastung bringen viele Fach- und Führungskräfte an ihre Leistungsgrenze. Warum das für Betriebe zum Risiko werden kann, darüber sprachen wir mit der promovierten Organisationspsychologin Petra Hoffmann, Autorin des Buchs Auf Leistung getrimmt: Dem Hamsterrad entkommen und Dozentin der IHK- Unternehmerakademie. Ist in den Unternehmen die Erkenntnis von Leistungsgrenzen der Beschäftigten schon angekommen? Obwohl immer mehr Leistungsträger an der kollektiven Beschleunigung leiden und psychische Krankheiten am Arbeitsplatz zunehmen, ist es in den meisten Unternehmen nach wie vor ein Tabu zu bekennen: Ich fühle mich überfordert. Der Effizienzgedanke hat immer noch ausschließliche Priorität. Dabei darf man aber nicht vergessen, wie teuer der Ausfall eines Leistungsträgers ist, wenn er dem Druck nicht mehr Stand hält und krank wird. Was wäre dann konkret zu tun? Wir benötigen in Unternehmen zunächst ein stärkeres Bewusstsein, welches Arbeitsschutz nicht nur unter dem Aspekt der körperlichen, sondern auch unter dem der psychischen Unversehrtheit berücksichtigt. Die Mitarbeiter sollten nicht auf ein reines Funktionieren reduziert werden, sondern auch mit ihren Grenzen, Schwächen und Bedürfnissen wahrgenommen werden. Es ist wichtig, die Gesamtthematik im Unternehmen offen und konstruktiv zu kommunizieren und Burn-out nicht zu einem Tabuthema zu machen. Gleichzeitig sollten Petra Hoffmann hilft Fach- und Führungskräften, dem Burn-out vorzubeugen. Foto: privat wir uns davon verabschieden, Personen mit unangemessen hohen Anwesenheitszeiten besonders hervorzuheben, denn Anwesenheitszeit ist nicht gleich Leistungszeit. Wie kann ein Unternehmen diese Leistungszeit optimaler gestalten? Es ist die Bringschuld eines Unternehmens, fördernde Rahmenbedingungen zu schaffen. Zum einen kommt es darauf an, das berufliche Umfeld so zu gestalten, dass die Arbeit als motivierend erlebt werden kann. Eine einfache, aber effektive Möglichkeit wäre es, die Beschäftigten stärker nach ihren Talenten, Fähig- und Fertigkeiten einzusetzen, sofern dies betrieblich möglich ist. Zum anderen ist es aber auch wichtig, dem Thema Führung einen hohen Stellenwert im Unternehmen zu geben, was bedeutet, den Mitarbeitern mit Wertschätzung, Klarheit und Konsequenz zu begegnen. Ein bewährtes Instrument, diese Forderungen im Firmenalltag umzusetzen, wären regelmäßige Mitarbeitergespräche. In einem solchen Gespräch könnten dann auch Stressoren der Betroffenen erkannt werden, die nicht zwangsläufig nur dem beruflichen Umfeld zuzuordnen sind. Kann ein Unternehmen auf unternehmensferne Stressoren denn Einfluss nehmen? Das Unternehmen ist nicht allein verantwortlich, auch die Fach- und Führungskräfte spielen hier eine wesentliche Rolle. Allen Lösungsansätzen sollte das Differenzieren gemeinsam sein: Wo steht das Unternehmen in der Pflicht, und wo ist der betroffene Mitarbeiter gefordert, selbst zur Lösung beizutragen eventuell auch mithilfe professioneller Unterstützung. In diesem Prozess gilt es, genau hinzuschauen: Wo steht ein Unternehmen in der Pflicht und sozialen Verantwortung, und wo versucht ein Mitarbeiter beispielsweise mit geringer Frustrationstoleranz, einer idealisierten Erwartungshaltung oder fehlender Bereitschaft zur Eigeninitiative die Hilfestellungen des Unternehmens auszunutzen? Was kann der Einzelne und was das Unternehmen tun, um gemeinsam die Leistungsfähigkeit zu erhalten und zu fördern? Das gemeinsame Ziel sollte es sein, mehr Balance und Lebensqualität zu erreichen. Hierfür gibt es Instrumente, die geschult werden können; sie müssen danach aber auch umgesetzt werden. Deshalb steht vor den Instrumenten und Methoden die Schaffung von Sensibilität und Verständnis für Verhaltensänderungen sowohl im Unternehmen als auch den Einzelnen betreffend. Dann kann das Unternehmen ergänzend zu fördernden Arbeitsbedingungen sowohl Trainings als auch Coaching-Prozesse anbieten. Interview: Jürgen Schatz Hier finden Sie Infos zu dem Seminar mit Petra Hoffmann Wie gelingt der Ausstieg aus dem Hamsterrad? am 16. Oktober 2013 in Kloster Irsee: Rubrik Veranstaltungen 10 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

11 Panorama Seada Aljosevic hat dank der Weiterbildung zur Handelsfachwirtin ihren Traumjob bekommen. Foto: Rolf Schultes/Drumlin Photos WEITERBILDUNG Top für den Handel Die Anforderungen an Fach- und Führungskräfte im Handel steigen ständig. Die Fortbildung zum Handelsfachwirt vermittelt das nötige Know-how. Der Geprüfte Handelsfachwirt ist die ideale Weiterbildung für den Handel. Seada Aljosevic, Teamleiterin beim Modehaus Reischmann in Ravensburg, hatte eine klare Motivation, warum sie sich für diese Weiterbildung entschied: Ich wollte mich persönlich wie fachlich weiterbilden und auch meine Grenzen austesten und erweitern. Natürlich ist es nicht immer ganz einfach, sich rund 18 Monate lang parallel zur Berufstätigkeit auf eine Weiterbildungsprüfung auf Meisterniveau vorzubereiten, aber es lohnt sich. Zumal sich alle Inhalte sogar die Volkswirtschaft immer an den Erfordernissen des Handels orientieren, und das auch in den vier Wahlbereichen: Handelsmarketing und Vertrieb, Handelslogistik, Außenhandel oder Mitarbeiterführung und Qualifizierung. Durch die Weiterbildung zur Handelsfachwirtin bin ich in meiner derzeitigen Position als Teamleiterin bei Reischmann angekommen, so Seada Aljosevic. Es hat mir auch mehr Selbstvertrauen und Mut gegeben, und ich habe gelernt, dass man alles schaffen kann, wenn man will!. Und Maria Wenzler-Voigt, Ausbildungsleiterin bei Reischmann, ergänzt: Für uns als Unternehmen ist es wichtig, Nachwuchskräfte zu generieren, vor allem für den Bereich der Flächenverantwortlichkeit. Für diese anspruchsvolle Aufgabe der Team- oder Abteilungsleiter bietet die Handelsfachwirte-Weiterbildung eine gute Basis. Oft sind es ehemalige Auszubildende mit guten Leistungen und Engagement, die diesen Weg mit uns gehen ein Gewinn für beide Seiten! Die nächsten Vorbereitungslehrgänge auf die Weiterbildungsprüfung zum Geprüften Handelsfachwirt starten am 8. Oktober in Ulm und am 13. November in Weingarten. WAB O Info zum Lehrgang: IHK Bodensee-Oberschwaben, Marion Pollini, Tel / , IHK Ulm, Monika Riepl, Tel / Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

12 Panorama AUSLAND Japanischer Markt bietet Chancen für baden-württembergischen Mittelstand Die Themen Energiewende und Mittelstand standen im Fokus einer Wirtschaftsdelegationsreise nach Japan und Südkorea. Wir dürfen das Land der aufgehenden Sonne nicht unterschätzen. Zu oft ist unser Blick nur auf China gerichtet, doch der asiatische Raum hat noch viel mehr zu bieten, so das Fazit von Peter Kulitz, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK), nach einer elftägigen gemeinsamen Delegationsreise mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann nach Japan und Südkorea. Im Zentrum der Gespräche standen in Südkorea die Themen Energieeffizienz und Mittelstand, in Japan der Ausbau der erneuerbaren Energien. Bei allen Zusammentreffen habe man eine enorme Sympathie gegenüber Deutschland verspürt, die eine gute Basis und Chance für die baden-württembergische Wirtschaft sein könne. Hieran müsse man anknüpfen, so Kulitz. In Japan verwurzelt Auf dem Delegationsprogramm stand auch ein Besuch bei Bosch. Der Stuttgarter Konzern ist bereits seit 102 Jahren in Japan präsent. Zu erleben und zu spüren, dass sich ein durch und durch baden-württembergisches Unternehmen aufgrund seiner langen Tradition in Japan dort primär als einheimisches Unternehmen sieht und etabliert hat, war bemerkenswert, so Kulitz. Patrizia Förg Foto: Bosch Von links: Herbert Hemming, President and Representative Director, Bosch Corporation (Japan); Europaminister Peter Friedrich; Peter Kulitz, BWIHK-Präsident; Peter Biesenbach, Direktor, Leiter Zentralabteilung Außenangelegenheiten, Regierungs- und Politikbeziehungen Robert Bosch GmbH bei Bosch Engineering K.K. in Yokohama (Japan). BERUFSWAHL-SIEGEL Von der Schule in den Beruf 21 Schulen zwischen Alb und Bodensee erhielten das Boris-Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg. Mit dem Boris-Berufswahl-Siegel Baden- Württemberg wurden zum sechsten Mal Schulen ausgezeichnet, die ihre Schüler in besonderer Weise bei der Wahl eines Berufs oder Studiums unterstützen. Eine unabhängige Jury mit Vertretern aus Unternehmen, Schulen und Kammern hat die Bewerbungen anhand eines einheitlichen Kriterienkatalogs bewertet. Bei den gewürdigten Projekten steht der Austausch zwischen Schule und Wirtschaft im Vordergrund. Dabei reicht das Spektrum von Schülerfirmen über schulisch organisierte Berufsinformationstage bis hin zu gewachsenen Bildungspartnerschaften. Das Berufswahl-Siegel ist drei Jahre lang gültig. Danach kann sich eine Schule für weitere fünf Jahre rezertifizieren lassen. Ausgezeichnete Schulen in der IHK- Region Bodensee-Oberschwaben Diese Schulen aus der IHK-Region Bodensee-Oberschwaben wurden 2013 zertifiziert oder rezertifiziert: Brechenmacher- Schule Bad Saulgau, Realschule Mengen, Ludwig-Dürr-Schule Friedrichshafen, Werkrealschule Markdorf, Bildungszentrum Meckenbeuren, Manzenbergschule Tettnang, Werkrealschule Kißlegg, Werk realschule und Realschule Aulendorf und Werkrealschule Wuchzenhofen. Ausgezeichnete Schulen in der IHK-Region Ulm Diese Schulen aus der IHK-Region Ulm wurden 2013 zertifiziert oder rezertifiziert: Albert-Schweitzer-Gymnasium Laichingen, Wieland-Gymnasium Biberach, St. Hildegard Gymnasium Ulm, Werkrealschule Dietenheim-Illerrieden, Adalbert-Stifter Schule Ulm, Hermann-Gmeiner-Schule Ehingen, Albert-Einstein-Realschule Ulm, Donau-Bussen-Schule Ehingen, Elly-Heuss-Realschule Ulm, Längenfeldschule Ehingen, Michel-Buck-Schule Ehingen und Ulrich-von-Ensingen-Realschule. Träger der Initiative ist die Boris-Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg GbR, Partner sind der Baden-Württembergische IHK-Tag, der Baden-Württembergische Handwerkstag und die Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände. WAB 12 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

13 Panorama TV-TIPPS Wirtschaft zum Anschauen Das müssen Sie sehen: interessante Wirtschaftssendungen der nächsten Wochen. Freitag, 13. September Makro: Auslaufmodell Auto? Das Autofahren stößt weltweit an seine Grenzen. Umweltfreundliche Antriebstechniken warten noch immer auf den erhofften Durchbruch, gleichzeitig wendet sich die Generation Facebook vom Auto ab. Zudem führen die Folgen der Schuldenkrise zu einem regelrechten Käuferstreik in Europa. 3sat, 21 bis 21:30 Uhr Samstag, 14. September Übermorgen: Goodbye Bargeld! Droht das Ende des Bargelds? Beim Bezahlen werden zunehmend elektronische Bezahlsysteme genutzt, immer seltener gehen Scheine und Münzen über den Ladentisch. Welche Technologien werden in Zukunft den Handel bestimmen? Welche Vorteile bringen digitale Transaktionen, und was ist ihr Preis? 3sat, 18 bis 18:30 Uhr Freitag, 27. September Makro: Angriffe aus dem Netz Längst dürfte durch die neusten Enthüllungen des ehemaligen US-Geheimdienst-Mitarbeiters Edward Snowden klar sein: Ziel von Spionage ist nicht nur die Terrorabwehr. Es geht auch um Unternehmensgeheimnisse, neue Techniken und Patente. 3sat, 21 bis 21:30 Uhr Dienstag, 1. Oktober Durchgecheckt! Wachstum um jeden Preis? Durchgecheckt! ist ein neues Wirtschaftsmagazin im Doku- Format. Ob Wachstum, Arbeitslosigkeit oder Zuwanderung: Sämtliche Themen rund um die Welt der Wirtschaft werden auf den Punkt gebracht, historisch abgeklopft und auf den Prüfstand gestellt. Arte, 22 bis 23:35 Uhr In eigener Sache Redaktion warnt vor dubiosen Rechnungen Die Redaktion des IHK-Magazins Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee (WAB) warnt vor dubiosen Rechnungen. Ein Mitgliedsunternehmen erhielt eine Rechnung über 580 Euro für eine redaktionelle Meldung in den Unternehmensnachrichten der April-Ausgabe. Die rechnungsstellende Firma mit angeblichem Sitz in den Niederlanden forderte das IHK-Mitgliedsunternehmen in englischer Sprache auf, innerhalb einer Frist von zehn Tagen zu zahlen. Als Leistung wurde die Veröffentlichung einer Pressemitteilung angegeben. Als Beleg wurden die ersten Zeilen der Veröffentlichung in der WAB zitiert. Die Redaktion stellt klar: Die Rechnung stammt nicht von der IHK Ulm und wurde auch nicht von ihr veranlasst. Alle redaktionellen Meldungen sind für die Unternehmen kostenfrei. Unternehmen, die kostenpflichtige Anzeigen schalten, müssen sich an die von der Redaktion unabhängige Anzeigenagentur in Baden-Baden wenden. Die IHKs raten, sich bei dubiosen Rechnungen, die das IHK-Magazin betreffen, mit der Redaktion in Verbindung zu setzen und keine Zahlungsanweisungen vorzunehmen. O Info: IHK Bodensee-Oberschwaben, Gudrun Hölz, Tel / , IHK Ulm, Stefan Drößler, Tel / , ARBEITSMARKT Region liegt vorn Beim Anstieg der Erwerbstätigen in Baden- Württemberg steht der Bodenseekreis an erster Stelle, der Landkreis Biberach folgt auf Platz zwei. Haupteinfallstor für Industriespionage ist mittlerweile das Internet. Eine Makro-Reportage beleuchtet die Hintergründe. Foto: crimson/fotolia.com zusätzliche Arbeitsplätze wurden in den letzten elf Jahren im Bodenseekreis geschaffen, so das Statistische Landesamt. Damit liegt der Kreis mit 17,6 Prozent Arbeitsplatzwachstum auf Platz eins in Baden-Württemberg. Der Landesschnitt liegt bei nur 5,5 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen im Bodenseekreis ist von im Jahr 2000 auf im Jahr 2011 gestiegen. Auch hier belegt der Bodenseekreis den ersten Platz im Land. Auf Platz zwei liegt der Kreis Biberach. Landesweit sind knapp neue Arbeitsplätze entstanden. Im Bodenseekreis und den anderen Top 10 wuchs dabei nicht nur die Zahl der Teilzeit-, sondern auch die der Vollzeitstellen. WAB O Info: Pressemitt/ asp Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

14 Titelthema Social Media in Marketing und E-Commerce 14 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

15 Titelthema Social Media in Marketing und E-Commerce SOCIAL MEDIA IN MARKETING UND E-COMMERCE Mit Social Media erfolgreich werben Von großen Marken bis zu Bauunternehmen die unterschiedlichsten Firmen sind inzwischen bei Facebook präsent. Manche nutzen das soziale Netzwerk als Dialogplattform, um Kunden zusätzliche Informationen zu bieten. Andere beobachten Trends und greifen kritische Rückmeldungen für die Verbesserung von Produkten auf oder werben geschickt Fachkräfte an. Social Media ist allerdings mehr als nur Facebook. Marketing-Unternehmen aus der Region empfehlen zum Beispiel den Einsatz von Google+, um sich im Netz zu profilieren. Doch Vorsicht ist geboten: Wer Beiträge veröffentlicht, sollte einige Regeln beachten. Social Media sollte Chef-Sache sein. Stefan Drößler* Im Unterschied zu den klassischen Massenmedien ermöglichen die Sozialen Medien den gegenseitigen und interaktiven Informationsaustausch. Das macht sie auch für Unternehmen interessant, erfahren Sie doch auf diese Weise von den Kunden, was sie über Produkte und Marken denken. Zum Teil lassen sich neue Zielgruppen gewinnen. Kunden können mit zusätzlichen Informationen versorgt werden, für die die klassischen Medien ungeeignet oder zu teuer sind. Das Potenzial ist groß, wie zwei einfache Zahlen zeigen: Der Spitzenreiter Twitter hat inzwischen 1,5 Milliarden Nutzer weltweit, gefolgt von Facebook mit 1,1 Milliarden Nutzern. Ideen für neue Apps Wie kommuniziert die nächste Generation? Was erwartet sie zukünftig in der Arbeitswelt?, fragt Mark Joachim, Geschäftsführer der Tarienna GmbH, und findet Antworten auf Facebook. Mit seiner in Friedrichshafen ansässigen Firma ist er Spezialist für die Vereinfachung von Prozessen in Unternehmen durch mobile Applikationen (Apps). Joachim ist an neuen Ideen interes siert, um hochkomplexe Abläufe so aufzubereiten, dass Tätigkeiten auch von Nicht-Fachleuten per Fingertipp sicher und schnell ausgeführt werden können. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist Condition-based Maintenance (CBM): Ein Fahrzeug oder eine Maschine kommuniziert direkt oder über eine App mit dem Hersteller Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee Foto: Felix Kästle Mark Joachim, Geschäftsführer der Tarienna GmbH in Friedrichshafen, nutzt Facebook, um Trends aufzuspüren. und übermittelt ihren Status oder Fehler. Falls nötig wird direkt ein Service- Prozess ausgelöst oder ein Termin mit der Werkstatt vereinbart. Notwendige Ersatzteile werden im Vorfeld bestellt und verkürzen so die Servicezeit. Negative Facebook-Kommentare sind interes sant, weil sie Verbesserungspotenziale bergen. Wir greifen die Kritik konstruktiv für die Verbesserung des Bedienkomforts unserer Software auf, sagt Joachim. Auch werden ältere Mitarbeiter länger für komplexe Aufgaben eingesetzt, wovon die Unternehmen profitieren. Schulungen sind nicht nötig, weil sich die Software intuitiv bedienen lässt, so Joachim. Er sieht darin auch seinen Beitrag zum Thema Fachkräftesicherung. Zu den Tarienna-Kunden gehören große Konzerne wie Rewe und Volkswagen, aber auch regionale Firmen wie Winterhalter in Meckenbeuren. Facebook als Dialogplattform Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH (SWU) hat vor zweieinhalb Jahren eine 15

16 Titelthema Social Media in Marketing und E-Commerce Sebastian Koch sorgt mit einem vierköpfigen Team bei der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH für schnelle Antworten auf Facebook. Facebook-Seite eingerichtet, die vor allem von den Nahverkehrskunden stark genutzt wird. Wenn man an der Bushaltestelle steht und es kommt kein Bus, dann will man gleich wissen, warum und nicht erst am Montag, sagt Sebastian Koch von der Marketingabteilung der SWU. Er antwortet oft ad hoc auf Facebook-Anfragen. Das hat sich bei den Kunden inzwischen herumgesprochen, die die SWU-Fanpage vermehrt weiterempfehlen. Dabei wird das klassische Beschwerdemanagement per Telefon oder entlastet. Von uns gibt es innerhalb von drei Stunden das erste Feedback, am Wochenende innerhalb von 24 Stunden, sagt Koch, der die Social-Media-Kanäle Facebook, Twitter, Xing und Youtube mit einem vierköpfigen Team betreut. Neben aktuellen Informationen zum Nahverkehr erteilt er auch Auskünfte zum Stromnetz und vermittelt Anfragen an die entsprechenden Fachabteilungen weiter, wenn es ins Detail geht. Koch sieht Facebook vor allem als Dialogplattform und nicht als Instrument für die Produktwerbung. Transparenz ist uns wichtig. Auch kritische Kommentare werden nicht gelöscht, so Koch. Der Erfolg zeigt, dass die Kunden dieses offene Angebot schätzen. Eine Besonderheit sind die tagesaktuellen Kurzinfos per Twitter. Die Ulmer Studenten scheinen unseren Twitter-Kanal für sich entdeckt zu haben, sagt Sebastian Koch. Foto: Felix Kästle Foto: Martina Dach Sichtbarkeit im Netz erhöhen Die in Wangen ansässige Werbeagentur Kaos Werkstatt für Kreative pflegt soziale Netzwerke vor allem, um als kompetenter Partner für Firmenkunden wahrgenommen zu werden. Es geht nicht um die Kommunikation mit einer breiten Masse an Privatkunden, wie bei der SWU, sondern um die Darstellung der Agentur im Netz. Man muss präsent sein, sagt Dennis Hüttner. Der Werbefachmann ist bei Kaos Experte für Online-Marketing und alles, was mit Suchmaschinen-Optimierung zu tun hat. Er berät Firmen, die eine Facebook-Seite oder einen Blog einrichten wollen. Im Internet geht es nach Hüttners Meinung darum, einen Mehrwert zu schaffen. Postings, also Beiträge, sollten Aufforderungscharakter haben, damit die Nutzer auch Rückmeldungen geben. Social Media ist kein Selbstläufer, der erste Stein muss immer geworfen werden, um zu Interaktionen zu kommen, sagt Hüttner. Er empfiehlt den Unternehmen, die einen Auftritt planen, das Thema nicht stiefmütterlich zu behandeln, sondern richtig zu investieren. Und er hat noch einen besonderen Tipp parat: Wenn ich eine Facebook-Seite habe, dann sollte ich auch eine Google+-Seite haben, empfiehlt der Experte. Für bekannte Marken ist Facebook ein Muss Der Ulmer Trockenfrüchtehersteller Seeberger kommuniziert über eine Facebook-Seite viel mit den Endverbrauchern. Ein Markenzuhause, das ist nicht nur die Homepage. Wenn Sie keine Facebook- Präsenz haben, dann sind Sie praktisch nicht erreichbar für immer mehr Menschen, sagt Joachim Mann, Leiter der Marketing-Abteilung bei Seeberger, zum Thema Social Media. Gerade bei Premiummarken sei das ein Muss, denn es gebe den Trend, mehr über die Produkte erfahren zu wollen. Deshalb finden die Dennis Hüttner ist bei der Agentur Kaos - Werkstatt für Kreative in Wangen Spezialist für Social Media und Suchmaschinenmarketing. 16 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

17 Titelthema Social Media in Marketing und E-Commerce Kunden auf der Facebook-Seite des Traditionsunternehmens viele kleine Geschichten, zum Beispiel über den Anbau von Cashewnüssen, die Herkunft von Ananas, die Herstellung von Trockentomaten und Antworten auf Fragen zum Thema Nachhaltigkeit. Das Unternehmen erreicht damit auch sein älteres und kaufkräftiges Publikum. Das zeigt, dass Facebook inzwischen nicht mehr nur von Jugendlichen genutzt wird. Seeberger lässt die Facebook-Seite von seiner langjährigen PR-Agentur pflegen, die somit bereits viel Erfahrung mit den Produkten mitbringt. Damit ist gewährleistet, dass die Facebook-Nutzer am gleichen Tag Antworten auf ihre Beiträge erhalten. Eine Mitarbeiterin kümmert sich intern um das Facebook-Marketing und steht als Ansprechpartnerin für die Agentur zur Verfügung. Die Inhalte werden nach dem Prinzip Content geht vor Regelmäßigkeit veröffentlicht. Seeberger setzt damit auch im Online-Bereich auf Qualität. Wir wollen die User informieren und dadurch für unsere Marke begeistern, jedoch keinen Marken-Spam erzeugen, sagt Joachim Mann. Fachkräftegewinnung: Dialog mit potenziellen Arbeitnehmern Für viele Unternehmen spielt die Gewinung von Nachwuchskräften eine wichtige Rolle, um erfolgreich zu bleiben und weiter zu wachsen. Dabei sind soziale Oliver Belikan, Geschäftsführer der Doubleslash Net-Business GmbH, Friedrichshafen, nutzt soziale Medien zur Fachkräftegewinnung. Foto: Martina Dach Joachim Mann, Marketing-Chef bei der Seeberger GmbH in Ulm, achtet bei den Facebook-Einträgen auf Qualität. Netzwerke inzwischen wichtige Kanäle, um mit Bewerbern ins Gespräch zu kommen. Für die Doubleslash Net-Business GmbH in Friedrichshafen ist es deshalb wichtig, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Das macht 70 Prozent unserer Social-Media-Aktivitäten aus, sagt Doubleslash-Geschäftsführer Oliver Belikan. Das mittelständische Beratungs- Foto: Felix Kästle und Softwareunternehmen entwickelt für starke Marken wie Kyocera, Siemens, BMW und Hugo Boss technische Lösungen für die Vermarktung von Produkten. Bekannte Beispiele sind größere Anwendungen wie der Postfinder und der Online Car Configurator, so genannte Touch Points, die viele schon einmal im Internet angeklickt haben. Für die Gewinnung von Fachkräften nutzt Doubleslash darüber hinaus die Online-Plattform Xing. Stellenausschreibungen werden in Verbindung mit Unternehmensnachrichten, kleinen Geschichten oder Angeboten veröffentlicht. So wurden Bewerber auch schon mit einem Jahresabo für den Firmenfrisör gelockt. Die Nachricht wurde stark verbreitet. Die Viralität ist erfolgreicher, als wenn wir nur einen Link zur Stellenausschreibung veröffentlicht hätten, sagt Belikan. Erfolgreiches Employer-Branding, nennen das Marketingexperten. Auch die Max Wild GmbH in Berkheim nutzt Social Media für die Gewinnung von Nachwuchskräften. Das Transportund Bauunternehmen schreibt regelmäßig Stellen für Maschinisten, LKW-Fahrer und Bauleiter aus. Gute Leute werden immer gesucht, sagt Susanne Fischer, zuständig für das Marketing. Seit sie 1997 in das Unternehmen eintrat, ist Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

18 Titelthema Social Media in Marketing und E-Commerce Susanne Fischer, bei der Max Wild GmbH in Berkheim zuständig für Marketing, erreicht einfach und in kurzer Zeit viele Facebook-Nutzer. Max Wild von 70 auf heute 400 Mitarbeiter gewachsen. Besonders erfolgreich bewirbt die Firma seit zwei Jahren ihre Ausbildungsplätze auf Facebook. Ursprünglich war das als Test gedacht. Inzwischen kümmert sich ein Mitarbeiter regelmäßig um die Pflege der Seite, sagt Fischer. Veröffentlicht werden zum Beispiel Fotos von Baustellen und von Ausflügen der Auszubildenden, die sonst nicht auf der Firmen-Website gelandet wären. Sie sind dann stolz darauf und informieren auch Freunde, die die Einträge kommentieren, weiß die Marketing-Frau. Aber auch ungewöhnliche Perspektiven auf Baustellen, wie zum Bei spiel Luftbilder vom Abriss der Sedelhöfe in Ulm, sind bei Max Wild zu sehen. Geplant ist, neben Facebook einen Youtube-Kanal zu etablieren, auf dem demnächst Firmenvideos von Baustellen und Imagefilme präsentiert werden sollen. anonyme Artikel. Qualität spricht sich herum. Auf diese Weise können sich Firmen zusätzlich profilieren, wenn Mitarbeiter als kompetente Autoren für bestimmte Themen im Netz erkennbar sind, so Belikan. Regeln beachten: Social Media ist Chefsache Dass auf einer Facebook-Seite das Impressum richtig platziert und vollständig sein muss, hat sich inzwischen herumgesprochen. Doch die Behörden legen auch Foto: Rolf Schultes/Drumlin Photos mehr Wert auf den Datenschutz als früher. Der Einsatz von Like-Buttons auf der Firmenwebsite stellt ohne die notwendigen rechtlichen Vorkehrungen eine bußgeldbewehrte Ordnungswidrigkeit dar, sagt Florian Deusch, Fachanwalt für IT-Recht bei der Anwaltskanzlei Dr. Gretter in Ravensburg. Der badenwürttembergische Landesdatenschutzbeauftragte verfolge den rechtswidrigen Einsatz von Like-Buttons bei Webseiten- Betreibern inzwischen verstärkt. Der Inhaber einer Firma oder der leitende Angestellte haftet unter Umständen sogar persönlich, sagt Deusch. Er empfiehlt deshalb die so genannte Zwei- Klick-Lösung für die Verwendung von Like-Buttons, bei der die Internet-Nutzer erst einer Datenschutzerklärung zustimmen müssen. Unternehmen, die Facebook-Seiten anbieten, sollten auch ein paar einfache Regeln zum Marken-, Wettbewerbs- und Urheberrecht kennen (siehe auch Seite 68). Die ungefragte Verwendung fremder Logos und Fotos kann ebenfalls geahndet werden. Mitarbeiter, die Social-Media-Kanäle pflegen, sollten deshalb am besten schriftliche Handlungsanweisungen erhalten. IT-Anweisungen, auch für den rechtskonformen Versand von s, gehören zur sorgfältigen Unternehmensführung einfach dazu, sagt der Fachanwalt. * Stefan Drößler ist Redakteur bei der IHK Ulm Profilierung mit Namensbeiträgen Bilder mit kurzen Texten erhalten im Netz die meisten Kommentare, weiß Dennis Hüttner von der Werbeagentur Kaos. Oliver Belikan rät, wie auch Hüttner, dringend zum Einsatz von Google+, um Artikel mit Autoreninformationen zu verknüpfen. Suchergebnisse werden bei Google dann mit dem Namen und dem Bild des Autors angezeigt. Die Nutzer neigen dazu, die Suchergebnisse eher anzuklicken, weil ihnen die Namensbeiträge vertrauenswürdiger erscheinen als Foto: Felix Kästle Florian Deusch arbeitet als promovierter Fachanwalt für IT-Recht bei der Anwaltskanzlei Dr. Gretter in Ravensburg. 18 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

19 Titelthema Social Media in Marketing und E-Commerce TOGNUM AG, FRIEDRICHSHAFEN Im Social Web sollten Unternehmen kein weißer Fleck sein Anika Kannler ist Social Media & Internet Manager bei der Tognum AG in Friedrichshafen. Wir sprachen mit ihr über die Umsetzung von Social Media in einem Unternehmen mit breit gemischter Altersstruktur. Die heutigen Berufseinsteiger und jungen Führungskräfte sind großteils mit sozialen Online-Netzwerken aufgewachsen. Entstehen für Unternehmen Vorteile aus diesen Erfahrungswerten? Social Media wird in der Onlinekommunikation von Unternehmen im B2B-Bereich immer wichtiger. Da ist es von Vorteil, wenn die Mitarbeiter das Bild des Unternehmens im Social Web als Unternehmens- oder Markenbotschafter mitprägen. Wie können die eigenen Mitarbeiter beruflich oder privat zum Social-Media-Marketing eines Unternehmens beitragen? Mitarbeiter sind Multiplikatoren, indem sie zum Beispiel Fans der Unternehmensseite in Facebook werden. Damit dabei nicht mehrere tausend Pressesprecher unserer Firma entstehen, haben wir Guidelines als Rahmen und Hilfe für Mitarbeiter gesetzt. Darin wird erklärt, welche Informationen für extern gedacht sind, welche Gesetze im Social Web gelten und welche Unternehmensinterna nicht ins Internet gehören. Wie kann ein Unternehmen die eigenen Mitarbeiter insbesondere auch die älteren an das Thema Social Media heranführen und dafür begeistern? Bei Tognum haben wir vor eineinhalb Jahren einen internen Corporate Blog gestartet, an dem bisher knapp 250 Mitarbeiter mitgeschrieben oder kommentiert haben. Ihnen wurde eine geschützte Atmosphäre im Unternehmen geboten, Social Media auszuprobieren. Macht es den Kollegen intern Spaß, an Social Media mitzuwirken, werden sie leichter Markenbotschafter für Tognum in Facebook, Twitter oder Google+. Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee In einem Großunternehmen wie Tognum ist aufgrund der Mitarbeiterzahl sicher die erforderliche Breitenwirkung möglich. Lassen sich die Kon zepte auch auf kleinere Unternehmen übertragen? Ein klares Ja! Ein Großunternehmen hat es durch die Mitarbeiteranzahl leichter als ein Kleinunternehmen. Aber das gilt für die Breitenwirkung jeder Kommunikation. Eignen sich Social-Media-Aktivitäten aus Ihrer Sicht auch für konkrete Vertriebsaktivitäten oder lässt sich mit ihnen nur abstrakt die Reputation eines Unternehmens beeinflussen? Ob sich Social Media für den Vertrieb eignet, ist je nach Branche unterschiedlich. Im B2B-Bereich sind die Ziele eher, zu informieren, Reputation zu schaffen und Reaktionen auf Anfragen zu ermöglichen. Eine wichtige Zielgruppe für unser Unternehmen sind auf Social-Media- Plattformen beispielsweise künftige Mitarbeiter oder Bewerber, die sich selbstverständlich im Social Web über unser Unternehmen informieren. Da sollten wir kein weißer Fleck sein. Wie kann das Thema Social Media effizient in die Gesamt-Marketingstrategie integriert werden? Bei Tognum wirkt Social Media gemeinsam mit anderen Instrumenten der Marketingkommunikation. Wir haben in unsere Webauftritte einen Social-Media- Newsroom eingebaut, versenden Pressemitteilungen mit einem Hinweis auf Tognums Social-Media-Kanäle oder weisen im Kundennewsletter und in Produktbroschüren darauf hin. Social Media ist integraler Bestandteil der Kommunikationsstrategie von Tognum. Foto: Tognum Anika Kannler ist überzeugt davon, dass auch kleine Unternehmen von Social Media profitieren können. Man hört immer wieder von Shitstorms, also Wellen der Empörung über einzelne Unternehmen, die sich quasi über Nacht im Internet entladen. Wie kann ein Unternehmen darauf reagieren oder sich darauf vorbereiten? Ich würde eine Reaktion auf eine Empörungswelle nicht nach Schema bearbeiten, sondern fallbezogen betrachten. Auch hier gibt es sicherlich Unterschiede zwischen dem B2B-Bereich und dem Endkundenbereich. Wichtig ist jedoch, bei einer Reaktion die Gesetzmäßigkeiten des Social Web zu beachten, den Dialog zu suchen und möglichst rasch zu reagieren. Wer sich erst damit befasst, wenn der Shitstorm lostobt, der ist sicherlich zu spät dran. Interview: Sönke Voss O 19

20 Titelthema Social Media in Marketing und E-Commerce ERFOLGSMESSSUNG Über den Nutzen von Social Media Bela Mutschler* Eines der derzeit am heißesten diskutierten Themen im Bereich Social Media ist ihr konkreter Nutzen. Viele Unternehmen fragen sich: Was bringt mir Social Media am Ende des Tages tatsächlich? Wie zahlt sich ein Engagement in Social Media aus? Und wie kann man den Erfolg von Social-Media-Aktivitäten messen? Online vernetzt Viele Unternehmen geraten bei Nachfragen zum Erfolg von Social Media schnell in Bedrängnis. Grundsätzlich wird die Messung des Erfolgs von Marketingmaßnahmen zwar bereits in vielen Unternehmen vom Management erwartet. Gerade die Darstellung des Erfolgs von Social- Media-Aktivitäten ist aber für viele Marketingverantwortliche schwierig. Das Problem: Klassische betriebswirtschaftliche Kennzahlen, wie zum Beispiel der Return on Investment (ROI), lassen sich nicht direkt auf Social Media-Aktivitäten anwenden. Aber woran liegt das? Das Problem liegt vor allem in der Ermittlung der fü r die Berechnung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen benötigten Größen. Ein Beispiel: Bei der Berechnung des ROI müssen sowohl der Nutzen als auch die Kosten der untersuchten Investition quantifiziert und gegenübergestellt werden. Genau diese Quantifizierung fällt aber schwer. Werfen wir zunächst einen Blick auf den Nutzen: Die Rückführung von monetär spürbaren Verkäufen auf Social-Media- Aktivitäten ist oft schwierig. Denn im Social-Media-Bereich stehen oft immaterielle Erfolge im Vordergrund. Beispiele sind positive Kommentare bei Facebook, ein Anstieg der Follower bei Twitter oder die Anzahl von Likes oder Shares fü r ein bestimmtes Posting. Zwar beeinflussen solche Ergebnisse den Bekanntheitsgrad eines Unternehmens, stärken das Markenbewusstsein (potenzieller) Kunden und liefern wertvolle Informationen hinsichtlich der Zufriedenheit eigener Kunden. Aber: Ein finanzieller Nutzen ist oft nur sehr selten sofort zu erkennen. Oder anders gesagt: Ein unmittelbarer Einfluss auf den ROI ist nicht messbar. Grundsätzlich ist aber nicht nur die Quantifizierung des Nutzens schwierig, sondern auch die Berechnung der mit Social-Media-Aktivitäten verbundenen Kosten. Insbesondere dann, wenn für entsprechende Aktivitäten keine neuen Ressourcen geschaffen werden, sondern nur intern verfügbare Kapazitäten eingesetzt oder umverteilt werden. Nicht jedes Unternehmen stellt gleich (s)einen eigenen Social-Media-Manager ein, dessen Aufwände sich vergleichsweise genau quantifizieren lassen. 38,6 Millionen Internet-Nutzer besuchten im Dezember 2012 die Seiten von Facebook. Damit war Facebook das mit Abstand am meisten genutzte soziale Netzwerk in Deutschland. Was besagen Studien? Fällt die Berechnung klassischer betriebswirtschaftlicher Kennzahlen schwer, können Studienergebnisse zur Diskussion beitragen. So bestätigt eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey: Social Media lohnt sich für Unternehmen (siehe J. Bughin,M. Chui: The rise of the networked enterprise: Web 2.0 finds its payday, McKinsey Global Institute, 2010). In besagter Studie wurden knapp Unternehmen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen ihrer Social-Media-Aktivitäten befragt. Das Ergebnis: Social-Media- Aktivitäten lohnen sich für die meisten Unternehmen auf vielfältige Art und 20 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

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