Dienstleistungsmanagement Grundstudium Prof. Dr. B. Stauss. Kapitel 1 Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Dienstleistungen

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1 Dienstleistungsmanagement Grundstudium Prof. Dr. B. Stauss Kapitel 1 Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Dienstleistungen St_L_16A_ 1

2 Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Dienstleistungen 1.1 Volkswirtschaftliche Betrachtung des Dienstleistungssektors: Aktuelle Daten und Trends Kennzahlen Strukturelle Entwicklungen Dienstleistungsentwicklung im internationalen Vergleich 1.2 Theoretische Konzepte zur Dienstleistungsgesellschaft" St_L_16A_ 2

3 Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen Anteil in % Primärer Sektor Sekundärer Sektor Tertiärer Sektor Quelle: Statistisches Bundesamt 2000 St_L_16A_ 3

4 Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen (in %) Primärer Sektor 5,9 3,4 2,2 1,6 1,2 Sekundärer Sektor 53,2 51,7 44,1 40,1 30,3 Tertiärer Sektor 40,9 44,9 53,7 58,3 68,5 Quelle: Statistisches Bundesamt 1999 St_L_16A_ 4

5 Der tertiäre Sektor in der amtlichen Statistik in der BRD 0 = Land- und Forstwirtschaft, Tierhaltung und Fischerei Primärer Sektor 1 = Energiewirtschaft und Wasserversorgung, Bergbau 2 = Verarbeitendes Gewerbe Sekundärer Sektor 3 = Baugewerbe 4 = Handel 5 = Verkehrs- und Nachrichtenübermittlung 6 = Kreditinstitute und Versicherungsgewerbe 7 = Dienstleistungen von Unternehmungen und freien Berufen 8 = Organisationen ohne Erwerbscharakter und private Haushalte 9 = Gebietskörperschaften und Sozialversicherung Tertiärer Sektor Quelle: Statistisches Bundesamt (1999): Statistisches Jahrbuch 1998 für die Bundesrepublik Deutschland, Wiesbaden. St_L_16A_ 5

6 Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen in Mrd DM Sonstige Dienstleistungsunternehmen - Wohnungsvermietung - Kreditinstitute, Versicherungsunternehmen - Verkehr, Nachrichtenübermittlung - Handel Quelle: Statistisches Bundesamt 1998 St_L_16A_ 6

7 Erwerbstätige in Wirtschaftsbereichen Anteil in % Primärer Sektor Sekundärer Sektor Tertiärer Sektor Quelle: Statistisches Bundesamt 1999 St_L_16A_ 7

8 Erwerbstätige in Wirtschaftsbereichen (in %) Primärer Sektor 16,6 10,6 7,0 5,1 4,0 Sekundärer Sektor 45,1 46,8 41,6 38,2 32,2 Tertiärer Sektor 38,3 42,6 51,4 56,7 63,8 Quelle: Statistisches Bundesamt 1999 St_L_16A_ 8

9 Arbeitsplatzbilanz der deutschen Wirtschaft (Änderung der Erwerbstätigenzahlen in Tausend) Landwirtschaft -460 Industrie Dienstleistungen Davon: +910 Handel -20 Verkehr und Nachrichtenübermittlung Banken/Versicherungen Sonstige Dienstleistungen Staat -470 Private Haushalte u.a Quelle: Statistisches Bundesamt 1997 St_L_16A_ 9

10 Strukturvergleich Dienstleistungssektor - industrieller Sektor Wesentliche Dienstleistungsbranchen haben im Vergleich zur Industrie: eine höhere Wertschöpfung eine stärkere Produktivitätsdynamik eine höhere Kapitalintensität einen moderneren Kapitalstock St_L_16A_ 10

11 Funktionelles und institutionelles Dienstleistungsmanagement Funktionell Institutionell Dienstleistungen, durchgeführt von Sach- und Dienstleistungsunternehmen Dienstleistungen, durchgeführt von Dienstleistungsunternehmen St_L_16A_ 11

12 Ausgeübte Tätigkeiten im verarbeitenden Gewerbe ,8% ,4% 28,1% 23,3% 39,9% 41,5% Produzieren Produktionsnahe Dienstleistungen Übrige Dienstleistungen Quelle: Haß, H.J. (1996): Industrienahe Dienstleistungen, Motor im Strukturwandel, in: Arbeitgeber, 48. Jg., Nr. 6, S St_L_16A_ 12

13 Dienstleistungen in der deutschen Volkswirtschaft 1996 Gesamtwirtschaft - Bruttowertschöpfung - Dienstleistungen - Bruttowertschöpfung - Sonstige Dienstleistungen - Umsatz - Bruttowertschöpfungs- bzw. Umsatzanteile Landwirt. / Fischerei 1 % Industrie 34 % Dienstleistungen 65 % Verkehr, Nachrichtenübermittlung 8 % Kreditinstitute, Versicherungsunternehmen 9 % Handel 13 % Wohnungsvermietung 13 % Staat, Private Haushalte, Private Organisationen o.e. 22 % Hotels, Gaststätten 2 % Sonstige Dienstleistungen 33 % Unternehmensbezogene Dienstleistungen 77 % Personenbezogene Dienstleistungen 23 % 100 % 100 % 100 % Quelle: Krämer, H. (1996): Zur Tertiarisierung der deutschen Volkswirtschaft, in: Mangold, K. (Hrsg.): Die Zukunft der Dienstleistung, Wiesbaden, S. 174 (aktualisiert). St_L_16A_ 13

14 Struktur der sonstigen Dienstleistungen 1996 (Umsatzanteile in %) Unternehmensbezogene Dienstleistungen 77 % Immobilien 20,0 % Rechts- und Wirtschaftsberatung 14,6 % Vermögensberatung 8,0 % Architektur- und Ingenieurbüros 8,0 % weitere unternehmensbezogene Dienstleistungen 26,4 % Personenbezogene Dienstleistungen 23 % Versorgung (Krankenhäuser, Heime) 11,5 % Freizeit (Kultur, Unterhaltung, Sport) 5,5 % Persönliche Hygiene (Pflege, Reinigung) 5,0 % Bildung (Erziehung, Unterricht) 1,0 % Quelle: Krämer, H. (1996): Zur Tertiarisierung der deutschen Volkswirtschaft, in: Mangold, K. (Hrsg.): Die Zukunft der Dienstleistung, Wiesbaden, S. 184 (aktualisiert). St_L_16A_ 14

15 Prognostizierte Entwicklung der "Sonstigen Dienstleistungen" bis zum Jahre 2010 Reales Wachstum 4 % pro Jahr Anstieg der Unternehmenszahl um Zusätzliche Arbeitsplätze pro Jahr Unternehmensbezogene Dienstleistungen haben bessere Wachstumschancen als personenbezogene Dienstleistungen Quelle: Krämer, H. (1996): Zur Tertiarisierung der deutschen Volkswirtschaft, in: Mangold, K. (Hrsg.): Die Zukunft der Dienstleistung,Wiesbaden, S St_L_16A_ 15

16 Beschäftigungsentwicklung der sonstigen Dienstleistungen Vermögensberatung Medizinische Praxen Unternehmensberatung Datenverarbeitung Gebäudereinigung Architekturbüros Immobilien Kultur, Unterhaltung Sozialwesen (Heime) Steuerberatung Rechtsberatung Personalvermittlung Krankenhäuser Körperpflege, Fitneß Abfallbeseitigung Werbung Unterricht Forschung, Entwicklung Leasing, Renting Bewachung Übrige personenbez. DL Beteiligungsgesellschaften Spiel Marktforschung Veterinärwesen Chemische Reinigung Sport Erziehung Technische Untersuchungen Verlagsgewerbe Quelle: Krämer, H. (1996): Zur Tertiarisierung der deutschen Volkswirtschaft, in: Mangold, K. (Hrsg.): Die Zukunft der Dienstleistung,Wiesbaden, S St_L_16A_ 16

17 Dienstleistungswachstum durch Outsourcing Verlagerung von Dienstleistungen an externe Unternehmen mit höherer Produktivität geringeren Fixkosten geringeren Personalkosten geringeren rechtlichen Auflagen St_L_16A_ 17

18 Indikatoren einer quantitativen Dienstleistungslücke vergleichsweise geringer Erwerbstätigenanteil im Dienstleistungssektor vergleichsweise geringer Anteil am internationalen Dienstleistungshandel steigende Defizite im internationalen Dienstleistungshandel St_L_16A_ 18

19 Anteil des Dienstleistungssektors im internationalen Vergleich Quelle: Lehmann, A. (1993): Dienstleistungsmanagement, Stuttgart/Zürich, S. 5. St_L_16A_ 19

20 Erwerbstätigenanteil im Dienstleistungssektor im internationalen Vergleich Durchschnitt CDN USA GB NL S B DK F D J A I Quelle: Krämer, H. (1996): Zur Tertiarisierung der deutschen Volkswirtschaft, in: Mangold, K. (Hrsg.): Die Zukunft der Dienstleistung, Wiesbaden, S St_L_16A_ 20

21 Die zehn führenden Dienstleistungsexportländer Deutschland 5,9% Italien 6,0% Frankreich 8,1% Großbritannien 5,7% Japan 5,5% Niederlande 4,0% Spanien 3,4% U.S.A 16,1% Hongkong 3,1% Belg/Lux 3,1% Übrige Länder 39,1% Quelle: Krämer, H. (1996): Zur Tertiarisierung der deutschen Volkswirtschaft, in: Mangold, K. (Hrsg.): Die Zukunft der Dienstleistung, Wiesbaden, S St_L_16A_ 21

22 Die zehn führenden Dienstleistungsimportländer Quelle: Krämer, H. (1996): Zur Tertiarisierung der deutschen Volkswirtschaft, in: Mangold, K. (Hrsg.): Die Zukunft der Dienstleistung,Wiesbaden, S St_L_16A_ 22

23 Saldo des deutschen Dienstleistungshandels 1998 (in Mio. DM) 1998 Reiseverkehr Transportleistungen Transithandel Versicherungsdienstleistungen Finanzdienstleistungen Patente und Lizenzen Forschung und Entwicklung 762 Ingenieur- und sonstige technische Dienstleistungen EDV-Leistungen - 80 Bauleistungen, Montagen, Ausbesserungen Regiekosten Kaufmännische Dienstleistungen Werbe- und Messekosten Post- und Kurierdienste Filmgeschäft Sonstige selbständige Dienstleistungen Regierungsdienstleistungen Verschiedene Dienstleistungen Dienstleistungen insgesamt Dienstleistungen (ohne Reisen und Regierungsleistungen) Quelle: Deutsche Bundesbank 1999 (Statistischer Monatsbericht Februar 1999) St_L_16A_ 23

24 Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Dienstleistungen 1.1 Volkswirtschaftliche Betrachtung des Dienstleistungssektors: Aktuelle Daten und Trends 1.2 Theoretische Konzepte zur "Dienstleistungsgesellschaft" Jean Fourastiés "Theorie vom Wachstum des tertiären Sektors" Horst Albachs "Theorie der industriellen Dienstleistung" Zusammenfassende Erörterung der These vom "Trend zur Dienstleistungsgesellschaft" St_L_16A_ 24

25 Jean Fourastiés Theorie vom Wachstum des tertiären Sektors I Sektoreneinteilung nach der Bedeutung des technischen Fortschritts Sektor Bedeutung des technischen Fortschritts Bereiche primär mittelmäßig Landwirtschaft sekundär hoch Industrie tertiär niedrig Handel, Verwaltung, Freie Berufe St_L_16A_ 25

26 Jean Fourastiés Theorie vom Wachstum des tertiären Sektors II Technischer Fortschritt Anstieg der Arbeitsproduktivität Expansion der produktivitätsstarken Bereiche Trend zum tertiären Sektor mit geringem technischen Fortschritt Relative Marktsättigung in diesen Bereichen Nachfrageverlagerung St_L_16A_ 26

27 Jean Fourastiés Theorie vom Wachstum des tertiären Sektors III Quelle: Fourastié, J. (1952): Die große Hoffnung des zwanzigsten Jahrhunderts, 3. Aufl., Paris, S St_L_16A_ 27

28 Jean Fourastiés Theorie vom Wachstum des tertiären Sektors IV Quelle: Fourastié, J. (1952): Die große Hoffnung des zwanzigsten Jahrhunderts, 3. Aufl., Paris, S St_L_16A_ 28

29 Albachs "Theorie der industriellen Dienstleistung" I Dienstleistungsexpansion ist nicht Ergebnis eines Nachfragesogs, sondern eines verschärften Wettbewerbs im industriellen Sektor. Unternehmen weichen dem Preisdruck durch die Entwicklung von Produkten mit höherem Produktnutzen (höherem Dienstleistungsanteil) aus. Unternehmen reagieren auf Kostendruck durch Verlagerung von Dienstleistungen auf kostengünstigere Marktpartner. St_L_16A_ 29

30 Albachs "Theorie der industriellen Dienstleistung" II Auslagerungen bisher intern erstellter Dienstleistungen erfolgen aus Preis- und Kostenüberlegungen zur Umgehung staatlicher Regulierungen im nationalen Rahmen (inter-institutionelle, nationale Regulierungsarbitrage) und im internationalen Rahmen (inter-institutionelle, nationale Regulierungsarbitrage) Konsequenz Dienstleistungsexpansion ist kein Vorbote einer zukünftigen Dienstleistungsgesellschaft, sondern Folge einer Strukturkrise Dienstleistungsexpansion ist Folge des Wachstums im industriellen Bereich St_L_16A_ 30

31 Albachs "Theorie der industriellen Dienstleistung" III Industrieller Sektor Dienstleistungssektor Wettbewerbsdruck Produktivitätsfortschritte Auslagerung bisher intern erstellter Dienstleistungen Ausdehnung der Nachfrage nach unternehmensbezogenen (produktionsorientierten) Dienstleistungen Investition in Sach- und Humankapital Wachstum Kunden Kaufkraftsteigerung Ausdehnung der Nachfrage nach haushaltsbezogenen Dienstleistungen St_L_16A_ 31

32 Der Trend zur Dienstleistungsgesellschaft Einflußfaktoren Gesellschaft Demographie Konsum Nachfrage nach haushaltsbezogenen Dienstleistungen Technologie Recht Nachfrage nach unternehmensbezogenen Dienstleistungen Kosten Wettbewerb Produkt Quelle: In Anlehnung an Meffert, H./ Bruhn, M. (1997): Dienstleistungsmarketing, 2. Aufl., Wiesbaden, S. 8. St_L_16A_ 32

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