WT Wien Ticket GmbH, Prüfung der Gebarung der Jahre 2008 bis 2010

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1 TO 25 KONTROLLAMT DER STADT WIEN Rathausstraße 9 A-1082 Wien Tel.: Fax: DVR: KA IV - GU 107-8/12 WT Wien Ticket GmbH, Prüfung der Gebarung der Jahre 2008 bis 2010 Tätigkeitsbericht 2012

2 KA IV - GU 107-8/12 Seite 2 von 36 KURZFASSUNG Die WT Wien Ticket GmbH wurde im Jahr 2004 gegründet, um den Ticketvertrieb, das Callcenter sowie eine gemeinsame Systemnutzung aller im Bereich der Wien Holding GmbH zusammengeführten Kultur- und Veranstaltungsbetriebe sicherzustellen. Die Einschau in die wirtschaftliche Entwicklung der WT Wien Ticket GmbH von 2008 bis 2010 ergab, dass durch die durchgeführten Reorganisationsmaßnahmen und einen Strategiewechsel sowie die Auslagerung der Callcenteraktivitäten das Unternehmen im Jahr 2010 ein positives Ergebnis erzielten konnte. Weitere Feststellungen bzw. Empfehlungen des Kontrollamtes bezogen sich insbesondere auf interne Prozessabläufe und Dokumentationsmaßnahmen, welche von der WT Wien Ticket GmbH größtenteils bereits umgesetzt wurden.

3 KA IV - GU 107-8/12 Seite 3 von 36 INHALTSVERZEICHNIS 1. Einleitung Rechtliche Grundlagen Prüfungsgegenstand Wirtschaftliche Entwicklung 2008 bis 2010 und Erwartung Ausgewählte Kennzahlen Vermögens- und Kapitalstruktur Gewinn- und Verlustrechnung Plan-Ist-Vergleiche Zusammenfassende Feststellungen und Empfehlungen zum Rechnungswesen Details zu den durchgeführten Reorganisationsschritten Neue Unternehmensstrategie Zusammenfassende Feststellungen und Empfehlungen zur Unternehmensstrategie Outsourcing Callcenter Reduktion der Büroräumlichkeiten Neuer Kollektivvertrag Anhebung des Anteils des Onlineverkaufs Vertragsstandardisierungen, Automatisierung, Controlling Weitere Feststellungen und Empfehlungen Zuwendungen der Eigentümerinnen Ticketstornoschutz Ergebnisse der Restrukturierungsschritte Zusammenfassung und Ausblick Würdigung der Neustrukturierung Gutachten zum Unternehmenswert Gründung weiterer Gesellschaften... 36

4 KA IV - GU 107-8/12 Seite 4 von 36 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS bzgl.... bezüglich bzw.... beziehungsweise EDV... Elektronische Datenverarbeitung EGT... Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ... Elektronische Post etc.... et cetera EUR... Euro gem.... gemäß inkl.... inklusive IT... Informationstechnologie lt.... laut m 2... Quadratmeter Mio.... Millionen o.a.... oben angeführt Pkt.... Punkt rd.... rund Stadthalle... Wiener Stadthalle Betriebs- und Veranstaltungsgesellschaft m.b.h. u.a.... unter anderem URG... Unternehmensreorganisationsgesetz VBW International... VBW International GmbH Vereinigten Bühnen... Vereinigte Bühnen Wien Ges.m.b.H. Wien Holding... Wien Holding GmbH Wien Ticket... WT Wien Ticket GmbH z.b.... zum Beispiel Allfällige Rundungsdifferenzen bei der Darstellung von Berechnungen wurden nicht ausgeglichen.

5 KA IV - GU 107-8/12 Seite 5 von 36 PRÜFUNGSERGEBNIS 1. Einleitung 1.1 Rechtliche Grundlagen Mit Notariatsakt vom 17. Dezember 2004 wurde die Wien Ticket mit einem Stammkapital in der Höhe von ,-- EUR als 100%ige Tochtergesellschaft der VBW International gegründet. Zuvor wurde ein Callcenter sowie der Ticketverkauf über das Internet für die Vereinigten Bühnen mit den Spielstätten Ronacher, Raimundtheater und Theater an der Wien von der VBW International betrieben. Die VBW International ist eine Tochtergesellschaft der Vereinigten Bühnen. Mit Sacheinlage- und Einbringungsvertrag vom 22. Dezember 2004 wurde die Geschäftssparte "Wien Ticket" der VBW International als Sacheinlage in die Wien Ticket eingebracht. Mit Notariatsakt vom 22. Dezember 2004 übernahmen die Stadthalle einen Anteil von 40 % und die Wien Holding einen Anteil von 15 % des Stammkapitals der Wien Ticket. Ziel der Gründung einer eigenen Gesellschaft für den Ticketvertrieb und das Callcenter war, eine gemeinsame Systemnutzung aller im Bereich der Wien Holding zusammengeführten Kultur- und Veranstaltungsbetriebe sicherzustellen sowie den Aufbau einer neuen Vertriebs- und Akquisitionseinheit zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit des Ticketingsystems zu betreiben. Der Geschäftszweck der Wien Ticket ist lt. Gesellschaftsvertrag u.a. der Aufbau, die Lizenzierung, der Betrieb, der Vertrieb und die laufende Betreuung eines IT-unterstützten Ticketingsystems für Veranstaltungen aller Art, die Errichtung und Führung von Organisations- und Veranstaltungseinrichtungen sowie die Erbringung von Dienstleistungen für Dritte, der Verkauf, die Vermittlung des Verkaufs und die Unterstützung des Verkaufs von Eintrittskarten für Veranstaltungen.

6 KA IV - GU 107-8/12 Seite 6 von 36 In der Wien Ticket wurde ein Beirat als beratendes Organ eingerichtet. Im Frühjahr 2009 wurde ein fakultativer Aufsichtsrat für die Gesellschaft bestellt. Nach dem Ausscheiden des Gründungsgeschäftsführers am 2. März 2009 wurde die Geschäftsführung von einer Mitarbeiterin und einem Mitarbeiter der Eigentümerinnen interimistisch wahrgenommen. Seit 1. Dezember 2009 hat die Wien Ticket wieder einen hauptberuflichen Geschäftsführer. 1.2 Prüfungsgegenstand Die Prüfung betraf die wirtschaftliche Entwicklung der Wien Ticket von 2008 bis Mit dem Geschäftsjahr 2009 wurde die Buchhaltung zur Gänze an eine Steuerberatungskanzlei ausgelagert und erst mit der neuen Geschäftsführung wieder mit eigenem Personal durchgeführt. Die Bilanzierung und die Personalverrechnung erfolgen weiterhin extern. Generell war anzumerken, dass die Aufarbeitung der einzelnen Wirtschaftsjahre mit erheblichem Aufwand verbunden war, da Unterlagen nicht zur Verfügung gestellt und auch Auskünfte nur eingeschränkt erteilt werden konnten. Die Aufarbeitung von Informationen aus der Vergangenheit wurde teilweise vom Geschäftsführer mit dem Argument abgelehnt, dass dies Geschäftsfälle vor seiner Zeit betraf, und weiters, dass mit einer Systematisierung und Neustrukturierung der Geschäftsvorgänge erst im Geschäftsjahr 2010 begonnen wurde und zuvor eine Vielzahl an Geschäftsvorgängen nicht erfasst und dokumentiert wurde. Da die für das Rechnungswesen zuständigen Personen teilweise nicht mehr im Unternehmen waren, konnten von der Wien Ticket einzelne Bilanz- bzw. Gewinn- und Verlustrechnungspositionen für das Jahr 2008 und teilweise für 2009 nicht in der vom Kontrollamt als notwendig erachteten detaillierten Beschreibung dargestellt werden. 2. Wirtschaftliche Entwicklung 2008 bis 2010 und Erwartung Ausgewählte Kennzahlen Nachstehende Tabelle zeigt die Entwicklung ausgewählter Kennzahlen der Wirtschaftsjahre 2008 bis 2010:

7 KA IV - GU 107-8/12 Seite 7 von Durchschnittlicher Personalstand Anzahl der abgegebenen Tickets Anteil Onlineverkauf in % 11,0 11,6 11,8 Generell war zu den Kennzahlen anzumerken, dass diese erst ab dem Geschäftsjahr 2010 standardisiert erfasst wurden und daher die Vergleichbarkeit in den in die Einschau einbezogenen Jahren eingeschränkt war. Wie der Tabelle zu entnehmen ist, reduzierte sich der Personalstand von durchschnittlich 27 im Jahr 2008 auf 22 im Jahr Zum Prüfungszeitpunkt August 2011 waren 18 Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter in der Wien Ticket beschäftigt. Im Zuge der Geschäftsführungswechsel sowie der Umstrukturierungsmaßnahmen kam es zu einer hohen Fluktuation. So war im Geschäftsjahr 2010 eine Fluktuationsquote von rd. 60 % zu verzeichnen. Im Wirtschaftsjahr 2008 wurden mit rd. 3,13 Mio. Tickets um 6,8 % mehr Tickets als im vorangegangenen Wirtschaftsjahr abgegeben. Insbesondere zwei große Einzelveranstaltungen in diesem Geschäftsjahr (Van Gogh-Ausstellung in der Albertina und Tutanchamun-Ausstellung im Wiener Volkskundemuseum) führten zu dieser Entwicklung. Im Jahr 2009 verringerte sich die Anzahl der abgegebenen Tickets auf 3,11 Mio., was einem Rückgang gegenüber dem Jahr 2008 um 1 % entsprach. Im Jahr 2010 wurden infolge der strategischen Neuausrichtung 3,04 Mio. Tickets (um 2 % weniger als im Vorjahr) abgegeben. Laut Wien Ticket wird im Jahr 2011 mit rd. 3 Mio. abgegebenen Tickets bzw. mit einer weiteren Reduktion dieser Kennzahl um rd. 1 % gerechnet. Wie der Tabelle zu entnehmen ist, stieg der Anteil des Onlineverkaufs von 11 % im Jahr 2008 auf 11,8 % im Jahr Die Einschau des Kontrollamtes zeigte, dass auch der Relaunch der Homepage (Portal und Shop) im Jahr 2010 zu dieser Entwicklung beitrug. Mit der geplanten Einrichtung weiterer Partner-Onlineshops beabsichtigt die Wien Ticket, den Onlineverkauf weiter zu stärken. Beim Direktverkauf (unter der Marke Wien Ticket) lag Ende des 1. Halbjahres 2011 der Anteil des Onlineverkaufs bereits bei über 30 %. Im 2. Halbjahr 2011 stieg dieser Anteil weiter auf über 40 %.

8 KA IV - GU 107-8/12 Seite 8 von 36 Durch die Überarbeitung des Onlineshops konnten neue Kundinnengruppen bzw. Kundengruppen gewonnen werden, die bis dato nicht ausreichend angesprochen wurden. 2.2 Vermögens- und Kapitalstruktur Die folgende Tabelle zeigt die Vermögens- und Kapitalstruktur zu den jeweiligen Bilanzstichtagen zum 31. Dezember (Beträge in EUR): A. Anlagevermögen , , ,04 B. Umlaufvermögen , , ,49 C. Rechnungsabgrenzungsposten , ,08 Summe AKTIVA , , ,61 A. Eigenkapital , , ,57 B. Rückstellungen , , ,03 C. Verbindlichkeiten , , ,67 D. Rechnungsabgrenzungsposten , ,34 Summe PASSIVA , , ,61 Erläuterungen im Bericht Pkt Pkt Pkt Zum 31. Dezember 2008 betrug die Bilanzsumme der Wien Ticket 4,91 Mio.EUR. Das Anlagevermögen in der Höhe von 0,43 Mio.EUR setzte sich aus immateriellen Vermögensgegenständen (Systemerweiterungen der Software) von 0,28 Mio.EUR sowie Sachanlagen (Betriebs- und Geschäftsausstattung) von 0,15 Mio.EUR zusammen. Der derivative Firmenwert der Wien Ticket ging auf die Einbringung der Geschäftssparte "Wien Ticket" der VBW International zurück und basierte auf der Grundlage eines Gutachtens einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Da die im Gutachten von der Auftraggeberin abgegebenen Zukunftsprognosen der Geschäftsentwicklung jedoch nicht realisiert werden konnten, wurde im Geschäftsjahr 2008 der derivative Firmenwert in der Höhe von 0,35 Mio.EUR zur Gänze abgeschrieben. Das Umlaufvermögen in der Höhe von 4,40 Mio.EUR gliederte sich in Forderungen aus sonstigen Vermögensgegenständen (insbesondere Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) von 0,80 Mio.EUR sowie in Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten von 3,60 Mio.EUR. Diese liquiden Mittel waren durch Verzögerungen bei der Überweisung der Kartengelder an die Veranstalterinnen bzw. Veranstalter bedingt. Die

9 KA IV - GU 107-8/12 Seite 9 von 36 Rechnungsabgrenzungsposten von 0,08 Mio.EUR betrafen Lizenz- und Wartungskosten des Folgejahres. Das negative Eigenkapital in der Höhe von 0,02 Mio.EUR setzte sich zum Bilanzstichtag aus einem Stammkapital von 0,10 Mio.EUR, einer Kapitalrücklage von 1 Mio.EUR sowie dem Bilanzverlust von -1,12 Mio.EUR zusammen. Der Zugang bei den Kapitalrücklagen im Geschäftsjahr 2008 von 0,65 Mio.EUR betraf den Anteil der Stadthalle an der Kapitalerhöhung in der Höhe von 0,30 Mio.EUR infolge der Beteiligung der Stadthalle an der Wien Ticket sowie einen Forderungsverzicht einer unbaren Entnahme aus dem Jahr 2004 (zurückbehaltene Verrechnungsverbindlichkeit) infolge der Einbringung der Geschäftssparte "Wien Ticket" durch die VBW International in der Höhe von 0,35 Mio.EUR. Im Bericht der Abschlussprüferin zur Bilanz zum 31. Dezember 2008 wurde diesbezüglich unter Pkt. VI. Zusammenfassendes Prüfungsergebnis und Bestätigungsvermerk angegeben, dass "... die Eigenmittelquote gem. 23 URG sowie die fiktive Schuldentilgungsdauer gem. 24 URG negativ seien und daher die Vermutung eines Reorganisationsbedarfes vorliegt...". Eine schriftliche Fortführungsprognose bzw. die aktuelle Entwicklung berücksichtigende Unternehmensplanung war bis zum Zeitpunkt der damaligen Prüfung durch die Wirtschaftsprüferin noch nicht fertiggestellt gewesen. Die Rückstellungen in der Höhe von 0,10 Mio.EUR wurden insbesondere für noch nicht konsumierte Urlaube, Abfertigungen und Jubiläumsgelder getroffen. Die Verbindlichkeiten in der Höhe von 4,82 Mio.EUR betrafen mit 0,58 Mio.EUR die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und mit 3,18 Mio.EUR die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen aus dem Ticketvorverkauf sowie mit 1,06 Mio.EUR die sonstigen Verbindlichkeiten, welche mit 0,89 Mio.EUR aus der "Verrechnung Kartenverkauf" resultierten. Das Kontrollamt führte dazu an, dass die Buchhaltung der Wien Ticket bis Ende 2008 von den Vereinigten Bühnen durchgeführt wurde. Eine Abstimmung des Saldos der

10 KA IV - GU 107-8/12 Seite 10 von 36 Kartenverrechnung durch die Vereinigten Bühnen ergab, dass Verbindlichkeiten über 2,11 Mio.EUR keinen Veranstalterinnen bzw. Veranstaltern zugeordnet werden konnten. Laut einem Aktenvermerk der Vereinigten Bühnen konnte bis zum 31. Dezember 2008 eine automatisierte Zuordnung nicht durchgeführt werden, da verschiedene Abrechnungssysteme einzelner Veranstalterinnen bzw. Veranstalter verwendet wurden. Weitere Dokumentationslücken ergaben sich bei Stornobuchungen, der Gutschein- und Aboverwaltung und reichten bis zur Einführung des Ticketwebsystems im Jahr 2002 zurück. Eine durchgeführte manuelle Aufrollung der Daten durch die Vereinigten Bühnen bis ins Jahr 2002 zurück ergab eine Verbindlichkeit zugunsten der Vereinigten Bühnen in der Höhe von 0,69 Mio.EUR. Der offene Saldo wurde in einer Ratenvereinbarung vom 18. September 2009 in monatlichen Raten zu 0,07 Mio.EUR, beginnend mit November 2009 bis Juli 2010 sowie einer Restzahlung in der Höhe von 0,06 Mio.EUR abgetragen. In einem Aktenvermerk der Vereinigten Bühnen wurde diesbezüglich festgehalten: "... wenn nicht eine Änderung der Grundlagen für die Abstimmung erfolgt, wird es immer zu Differenzen, die nicht nachvollziehbar zu Gunsten oder Lasten einer Veranstalterin bzw. eines Veranstalters gehen, kommen..." Die in der obigen Tabelle ausgewiesene Erhöhung der Aktiva im Geschäftsjahr 2009 um 7,58 Mio.EUR bzw. 54,6 % war insbesondere auf den Anstieg der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zurückzuführen. Im Anlagevermögen wurde erstmalig das Wahlrecht für die Bilanzierung von Ingangsetzungskosten für die Erweiterung der Ticketing- und Vertriebsapplikationen in der Höhe von 0,04 Mio.EUR in Anspruch genommen. Insgesamt kam es bei den immateriellen Anlagen und der Betriebs- und Geschäftsausstattung jedoch nur zu geringen Zugängen, sodass die in diesem Geschäftsjahr erfolgte außerplanmäßige Abschreibung der Software in der Höhe von 0,21 Mio.EUR zusammen mit den planmäßigen Abschreibungen eine Verringerung des Anlagevermögens um rd. 62 % gegenüber dem Bilanzstichtag 2008 ergab.

11 KA IV - GU 107-8/12 Seite 11 von 36 Auf der Passivseite der Bilanz erhöhte sich das negative Eigenkapital infolge des Jahresverlustes um 0,09 Mio.EUR auf 0,11 Mio.EUR. Eine Überschuldung der Gesellschaft war nach Ansicht der Abschlussprüferin jedoch nicht festzustellen, da die VBW International gegenüber der Wien Ticket für ihre Forderungen in der Höhe von 0,25 Mio.EUR eine Rangrücktrittserklärung abgegeben hatte. In der Bilanz zum 31. Dezember 2009 wurde für den Ausstieg aus dem Vertrag betreffend die Telefonanlage in den Büroräumlichkeiten des damaligen Firmenstandortes, Weiterleitungskosten an das externe Callcenter, Schadenersatzansprüche für Vorbereitungsarbeiten für ein Sportevent und sonstige in diesem Zusammenhang noch erwartete Aufwendungen eine Rückstellung für Drohverluste in der Höhe von 0,08 Mio.EUR ausgewiesen. Bezüglich der drohenden Verluste aus dem Sportevent führte die Wien Ticket aus, dass von der Veranstalterin verschiedene Probleme bei der Abwicklung des Ticketverkaufs angegeben worden wären. Insbesondere hätte sich die Zusammenarbeit mit einer Veranstaltungsdienstleisterin als problematisch erwiesen. Diesbezüglich erhob das Kontrollamt weiter, dass mit Rechnung vom 4. Oktober 2010 von der Wien Ticket der Veranstalterin dieses Sportevents ,-- EUR als "Kompensationsleistung/Werbeleistung lt. Vereinbarung" bezahlt wurden. Da eine schriftliche Vereinbarung über diese Kompensationsleistung nicht vorgelegt wurde, empfahl das Kontrollamt, die diesbezügliche Dokumentation und Fakturierung zu verbessern. Stellungnahme der WT Wien Ticket GmbH: Zu den Vorkommnissen betreffend diesen Sportevent wurde ein sechsseitiger Aktenvermerk erstellt. Zusätzlich wurde seitens der Veranstalterin die Einigung per bestätigt. Die Wien Ticket hat der Empfehlung des Kontrollamtes insofern bereits Rechnung getragen, als dass die Dokumentation und Nachvollziehbarkeit von Ereignissen in den vergangenen zwei Jahren wesentlich verbessert wurde.

12 KA IV - GU 107-8/12 Seite 12 von 36 Zum Bilanzstichtag 2009 wurden weiters für offene Differenzen der Offene-Posten-Liste aus Kundinnenforderungen bzw. Kundenforderungen außerordentliche Aufwendungen von 0,24 Mio.EUR bilanziert, da die Aufarbeitung des Geschäftsjahres 2009 erst Anfang 2010 erfolgte und teilweise Forderungen und Verbindlichkeiten doppelt berücksichtigt worden waren. Die Erhöhung der Verbindlichkeiten um 2,65 Mio.EUR bzw. 55 % war insbesondere auf die Zunahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie der Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen zurückzuführen. Die sonstigen Verbindlichkeiten konnten in diesem Geschäftsjahr reduziert werden Die Reduzierung des Umlaufvermögens von 7,42 Mio.EUR zum Bilanzstichtag 2009 auf 4,76 Mio.EUR zum Bilanzstichtag 2010 war auf den Rückgang der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie der Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen zurückzuführen. Der im Jahr 2010 erzielte Gewinn von 0,20 Mio.EUR führte zu einem positiven Eigenkapital in der Höhe von 0,10 Mio.EUR. Bei den Rückstellungen kam es zur Verwendung der im Vorjahr gebildeten Drohverlustrückstellung. Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie gegenüber verbundenen Unternehmen reduzierten sich um 2,72 Mio.EUR. Die Erhöhung der passiven Rechnungsabgrenzungen auf 0,08 Mio.EUR basierte auf der Abgrenzung der Provisionsabrechnung der Versicherung für den Ticketstornoschutz. 2.3 Gewinn- und Verlustrechnung Die Gewinn- und Verlustrechnungen der Geschäftsjahre 2008 bis 2010 zeigen folgendes Bild (Beträge in EUR):

13 KA IV - GU 107-8/12 Seite 13 von Umsatzerlöse , , ,45 2. Sonstige betriebliche Erträge , , ,80 3. Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Herstellungsleistungen , , ,18 4. Personalaufwand , , ,14 5. Abschreibungen , , ,31 6. Sonstige betriebliche Aufwendungen , , ,88 7. Betriebsergebnis (Zwischensumme) , , ,74 8. Finanzergebnis , , ,52 9. EGT , , , Außerordentliches Ergebnis , , Steuern vom Einkommen , , , Jahresüberschuss/-fehlbetrag , , , Auflösung von Kapitalrücklagen , Verlustvortrag , , , Bilanzverlust , , ,43 Erläuterungen im Bericht Pkt Pkt Pkt Obwohl im Wirtschaftsjahr 2008 die Umsatzerlöse gegenüber dem Vorjahr um 66,9 % auf 3,14 Mio.EUR gesteigert werden konnten (infolge der bereits erwähnten erfolgreichen Ausstellungen und von zwei großen Konzerten), wurde von der Wien Ticket ein Jahresfehlbetrag von 0,80 Mio.EUR erzielt. Dies war auf gestiegene Personalaufwendungen (kurzfristige Aufstockung des Personalstandes von 18 auf 45 Personen) von 1,12 Mio.EUR, Abschreibungen auf immaterielle Gegenstände des Anlagevermögens (außerplanmäßige Abschreibung des derivativen Firmenwertes) von 0,63 Mio.EUR sowie auf die sonstigen betrieblichen Aufwendungen (Veranstaltergebühren, EDV-Fremdleistungen, Werbung etc.) von 2,15 Mio.EUR zurückzuführen, welche sich gegenüber dem Jahr 2007 um 0,88 Mio.EUR bzw. rd. 70 % erhöht hatten. Unter Berücksichtigung des Jahresfehlbetrages von 0,80 Mio.EUR, dem Verlustvortrag aus den Vorjahren von 0,67 Mio.EUR sowie dem Forderungsverzicht der VBW International von 0,35 Mio.EUR ergab sich für das Jahr 2008 ein Bilanzverlust von 1,12 Mio.EUR In den Gewinn- und Verlustrechnungen wurde ab dem Jahr 2009 eine geänderte Zuordnung einzelner Aufwands- und Ertragspositionen vorgenommen. Dadurch wurden die Umsatzerlöse um die Erlösberichtigungen und Kreditkartenspesen vermindert ausgewiesen. Auch die zuvor in den übrigen Erträgen erfassten Kostenersätze wurden die-

14 KA IV - GU 107-8/12 Seite 14 von 36 sen zugerechnet. Da im Wirtschaftsjahr 2010 wieder andere Zuordnungen getroffen wurden, war ein Vergleich dieser Positionen im Zeitablauf erschwert. Wie der obigen Tabelle zu entnehmen ist, konnte die Wien Ticket im Wirtschaftsjahr 2009 das negative EGT gegenüber dem Vorjahr um 64,6 % auf -0,28 Mio.EUR verringern. Diese Entwicklung war insbesondere auf die sonstigen betrieblichen Aufwendungen zurückzuführen, welche sich u.a. durch die Reduktion der Aufwendungen für Werbung und für Instandhaltung sowie der Aufwendungen für Veranstaltungsdienstleisterinnen um insgesamt 1,30 Mio.EUR auf 0,85 Mio.EUR verringerten. Die Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Herstellungsleistungen erhöhten sich um 0,51 Mio.EUR, da ab 2009 auch sonstige bezogene Leistungen im Betrag von 0,40 Mio.EUR im Zusammenhang mit dem Callcenter anfielen. Beim Personalaufwand kam es zu einer Erhöhung um 0,09 Mio.EUR, da die Aufwendungen des in der VBW International angestellten Callcenterpersonals nun diesem zugerechnet wurden. Unter der Berücksichtigung eines außerordentlichen Ergebnisses (Bereinigung von Forderungen und Verbindlichkeiten) von 0,19 Mio.EUR sowie der Mindest-Körperschaftsteuer wurde im Geschäftsjahr 2009 ein Jahresfehlbetrag von 0,09 Mio.EUR ausgewiesen, der mit dem Verlustvortrag in der Höhe von 1,12 Mio.EUR den Bilanzverlust von 1,21 Mio.EUR ergab Während im Geschäftsjahr 2010 die Umsatzerlöse und die sonstigen betrieblichen Erträge (Auflösung von Wertberichtigungen von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) um 0,15 Mio.EUR gesteigert werden konnten, erhöhten sich die Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Leistungen (Umgliederung der Honorare der Veranstaltungsdienstleisterinnen von den sonstigen betrieblichen Aufwendungen) ebenfalls um 0,15 Mio.EUR. Die Erhöhung der Umsatzerlöse war auch auf die Verlängerung des Vorverkaufszeitraums der Veranstaltungen der Vereinigten Bühnen zurückzuführen. Reduktionen gab es hingegen beim Personalaufwand (-0,19 Mio.EUR), bei den Abschreibungen durch die im Jahr 2009 erfolgte außerplanmäßige Anlagenabwertung der Software (-0,29 Mio.EUR) sowie bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen

15 KA IV - GU 107-8/12 Seite 15 von 36 (-0,21 Mio.EUR) durch geringere Beratungsleistungen und Veranstaltungsdienstleistungen (Umgliederung in die sonstigen bezogenen Leistungen). Dadurch konnte im Wesentlichen nach längerer Zeit wieder ein positives EGT von 0,41 Mio.EUR erzielt werden. Im Geschäftsjahr 2010 mussten durch die Bereinigung von Forderungen und Verbindlichkeiten außerordentliche Aufwendungen in der Höhe von 0,19 Mio.EUR verzeichnet werden, die jedoch auch unter der Berücksichtigung der Steuern vom Einkommen in der Höhe von 0,02 Mio.EUR einen Jahresüberschuss in der Höhe von 0,20 Mio.EUR ergaben. Mit dem Verlustvortrag von 1,21 Mio.EUR war im Jahr 2010 von der Wien Ticket ein Bilanzverlust in der Höhe von 1 Mio.EUR auszuweisen. 2.4 Plan-Ist-Vergleiche Die Wien Ticket erstellte neben dem jährlichen Budget für die Wirtschaftsjahre quartalsmäßig Plan-Ist-Vergleiche, die dem Beirat bzw. Aufsichtsrat in dessen Sitzung berichtet wurden. Eine Hochrechnung der Plandaten wurde jeweils zum 3. Quartal durchgeführt. Die Einschau des Kontrollamtes ergab, dass insbesondere in den Wirtschaftsjahren 2007 und 2008 während des Jahres von der Wien Ticket von einem weitaus besseren Jahresergebnis ausgegangen wurde als letztlich tatsächlich erzielt werden konnte. So wurde z.b. in der 14. Beiratssitzung vom 30. Oktober 2008 von einem voraussichtlichen Ergebnis (positives EGT von 0,25 Mio.EUR) berichtet. Gleichzeitig wurde von der Geschäftsführung auch mitgeteilt, dass "... aus heutiger Sicht es keinen Anlass gibt, nicht von einer wesentlichen Verringerung des Bilanzverlustes und einer Entschärfung des Themas einer potenziellen Überschuldung auszugehen...". Tatsächlich erzielte die Wien Ticket in diesem Jahr ein EGT in der Höhe von -0,79 Mio.EUR. Die Einschau in die Hochrechnung der Plandaten 2010 (vorgelegt in der 9. Aufsichtsratssitzung am 14. Dezember 2010) zeigte, dass die Wien Ticket mit einem

16 KA IV - GU 107-8/12 Seite 16 von 36 EGT in der Höhe von 0,20 Mio.EUR rechnete. Das tatsächliche Ergebnis war rd. doppelt so hoch. 2.5 Zusammenfassende Feststellungen und Empfehlungen zum Rechnungswesen Die Einschau des Kontrollamtes zeigte, dass die Zuordnung bzw. Gliederung von einzelnen Positionen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung in den einzelnen Geschäftsjahren und auch im Vergleich zum Bericht der Abschlussprüferin, zu den Berichten an den Aufsichtsrat der Wien Ticket sowie zum Quartalsbericht der Wien Holding abwichen und daher eine Analyse der Entwicklung dieser Positionen erschwert war. Das Kontrollamt regte diesbezüglich an, der formellen Bilanzkontinuität höheres Augenmerk zu schenken und auch eine einheitliche Gliederung bzw. Darstellung bei der Berichterstattung anzustreben. Damit könnte auch die Lesbarkeit für den Adressatinnenkreis bzw. Adressatenkreis erhöht werden. Stellungnahme der WT Wien Ticket GmbH: Im Rahmen der Restrukturierung der Buchhaltung und Standardisierung der Anlage wurde auch die Zuordnung bzw. Gliederung von einzelnen Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung an die tatsächlichen Gegebenheiten angepasst. Dies führte auch zu einer Verbesserung der Lesbarkeit für die Zukunft. Diese notwendige teilweise Umgliederung wurde dokumentiert und seit dieser wird auf Kontinuität geachtet. Die einzelnen Berichte werden gemäß den Anforderungen der Eigentümerinnen erstellt. Die teilweise Umgliederung der Gewinnund Verlustrechnung führte auch zu einer teilweisen Umgliederung der einzelnen Berichte. Grundlage für die einzelnen Berichte ist die Gewinn- und Verlustrechnung Dem Kontrollamt war bewusst, dass die Ergebnisentwicklung der Wien Ticket stark von den Verkaufszahlen ihrer volumenstärksten Großkundinnen (Vereinigten

17 KA IV - GU 107-8/12 Seite 17 von 36 Bühnen, Stadthalle, Firma A) abhängt. Wie sich in den Jahren 2008 und 2009 zeigte, blieben insbesondere die großen Musicalproduktionen der Vereinigten Bühnen hinter dem erwarteten Erfolg zurück. Weiters konnten auch durch die von der damaligen Geschäftsführung initiierten neuen Projekte (Pratercard, Sportveranstaltungen, Festivals, Konzerte) die erwarteten zusätzlichen Deckungsbeiträge nicht erwirtschaftet werden. Bei den vorne genannten Großveranstaltungen konnten zwar die Umsätze gesteigert werden, allerdings fielen in diesem Zusammenhang auch hohe Werbekostenzuschüsse und Veranstaltergebühren sowie Aufwendungen für zusätzliches Personal an, sodass die geplanten Ergebnisse auch in diesem Bereich nicht erreicht werden konnten. Laut Wien Ticket erschwerte auch die damalige Auslagerung des Rechnungswesens die Prognosequalität. Nachdem die Wien Ticket die erforderlichen Reorganisationsschritte abgeschlossen hatte und ab dem Jahr 2011 auch keine unklärbaren Differenzen das Bilanzergebnis mehr belasteten, empfahl das Kontrollamt, diese Verbesserung der Grundlagen auch zur Verbesserung der Qualität der Berichterstattung an den Aufsichtsrat bzw. die Eigentümerinnen zu nützen Da die neue Geschäftsführung auch die Kostenstellenrechnung neu strukturiert hatte, erübrigte sich eine diesbezügliche Empfehlung des Kontrollamtes. 3. Details zu den durchgeführten Reorganisationsschritten 3.1 Neue Unternehmensstrategie Im Wirtschaftsjahr 2007 wurde ein Beratungsunternehmen mit der Ausarbeitung von "... Maßnahmen und Aktivitäten, die den weiteren Erfolg des Unternehmens Wien Ticket absichern sollen..." beauftragt. Die endgültige Fassung des Beratungsauftrages wurde im Juni 2007 fertiggestellt. Die vorgelegte Studie ging von folgender generellen Zielsetzung der Wien Ticket aus: - Ein führendes IT-System bzgl. der Anzahl abgewickelter Tickets im Zielmarkt - Bevorzugte Partnerin der Veranstalterinnen bzw. Veranstalter

18 KA IV - GU 107-8/12 Seite 18 von 36 - Profitables Ergebnis Als Ergebnis dieser Studie wurde der Wien Ticket in ihrem Markt eine fundierte Ausgangsbasis bescheinigt. Um sich im Rahmen des starken Wettbewerbs im Ticketbereich auch weiterhin zu behaupten und den Marktanteil mit gezielten Vorstößen in neue Segmente auszubauen, wären lt. der Studie weitere Investitionen in Marketingmaßnahmen notwendig. Dementsprechend wurde ein Aktivitätenplan erarbeitet, welcher insbesondere die höchste Priorität auf expansive Vertriebspolitik und diverse Marketingmaßnahmen (Etablierung der Marke Wien Ticket, Management Newsletter Abonnentinnen bzw. Abonnenten, Management Wien Ticket Kundinnen- bzw. Kunden-Club etc.) legte. Weiters wurden die Themen Abrechnung mit den Verkaufsstellen sowie mit den Veranstalterinnen bzw. Veranstaltern priorisiert. Die Kosten dieser Studie konnten dem Kontrollamt nicht bekannt gegeben werden, da lt. Auskunft der Geschäftsführung der Wien Ticket "... die handelnden Personen nicht mehr im Unternehmen sind...". Da Buchhaltungsdaten gemäß Bundesabgabenordnung mindestens sieben Jahre aufzubewahren sind und die Geschäftsvorgänge gemäß der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung so zu dokumentieren sind, dass sich sachkundige Dritte innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über diese verschaffen können, empfahl das Kontrollamt, auch bei einem Geschäftsführerwechsel den diesbezüglichen Dokumentationspflichten nachzukommen. Stellungnahme der WT Wien Ticket GmbH: Seit der Restrukturierung der Buchhaltung und der Abrechnung wird dieser Notwendigkeit bereits entsprochen Nach einem internen Strategieworkshop in der Wien Ticket mit dem ausgelagerten IT-Systemadministrator fand im Februar 2008 ein weiterer Workshop in der Wien Holding mit den Eigentümerinnen statt. Ziel war die "... Erarbeitung und Diskussion von Gegebenheiten, Entwicklungen und Voraussetzungen im Markt für Ticketingdienstleistungen...".

19 KA IV - GU 107-8/12 Seite 19 von 36 Von der Wien Ticket wurden dabei vier Szenarien für die weitere strategische Ausrichtung der Wien Ticket präsentiert. Das erste Szenario "Evolution" ging von einer konstanten Entwicklung mit Verbesserung der Servicequalität aus. Im zweiten Szenario "Revolutionäre Partnerschaft" sollte mit multifunktionalen flächendeckenden Ticketautomaten sowie neuer Trägermedien der Markt verändert werden. Das dritte Szenario "Buchungszentrale" strebte eine Etablierung der Wien Ticket als "... DAS Kompetenzzentrum für Ticketing, Verbundkartensysteme und Zutrittskontrollen für alle Abteilungen des Wiener Magistrats sowie allen direkt und indirekt mit der Stadt Wien verbundenen Unternehmen..." an. Als viertes Szenario wurde ein möglicher Ausstieg aus dem Ticketbusiness mit Verkauf der Wien Ticket skizziert. Im Workshop wurde letztlich das Szenario "Buchungszentrale" ausgewählt. Die Wien Ticket sollte sich demnach zur regionalen Marktführerin und Dienstleisterin für den Kultur-, Sport-, Freizeit- und Tourismusbereich der Stadt etablieren. Die damit einhergehende Bündelung des Know-how in den Bereichen Ticketing-Infrastruktur, Kartenverkauf, Vertrieb sollte die Wien Ticket zur Spezialistin und "innovation leader zum Wohle der Stadt" machen. Abgestimmte Promotionbemühungen sollten einen gemeinsamen Außenauftritt der Partner-Veranstalterinnen sicherstellen. In diesem Zusammenhang wurde eine Vereinfachung der Eigentümerinnenstruktur überlegt und auch eine Neugründung der Gesellschaft nicht ausgeschlossen. Um das Szenario "Buchungszentrale" zu verwirklichen, wurden 34 Maßnahmen definiert, die den Bereichen Wien Holding, Umfeld der Wien Holding, diverse Magistratsabteilungen und der Wiener Bevölkerung zugeordnet wurden Im April 2009 wurde von der Wien Ticket ein weiteres Beratungsunternehmen "... um weitere Verluste zu minimieren und rasch einen Turnaround zu erreichen..." mit einem Projekt zur strategischen Neuausrichtung und operativer Restrukturierung beauftragt.

20 KA IV - GU 107-8/12 Seite 20 von 36 Im Ergebnisbericht vom 5. Juni 2009 wurde empfohlen, zuerst die Konzentration auf das Kerngeschäft vorzunehmen und eine Reduktion der Aufwendungen und Vereinfachung der Prozesse anzustreben sowie ein Outsourcing des Callcenters zu überprüfen. Weiters wären Synergiepotenziale in den Aufgaben zwischen Stadthalle, Vereinigten Bühnen und Wien Ticket zu suchen bzw. umzusetzen sowie IT-Prozesse zu optimieren und mit neuen Verantwortlichkeiten festzulegen. Danach sollte eine Erweiterung des Kerngeschäftes mittels Kooperationen mit der Wien Holding und der Stadt Wien mit Entwicklung einer "... fokussierten Vertriebsstrategie, die gezielt die im Wienumfeld liegenden Ticketpotenziale exklusiv an Wien Ticket bindet...," erfolgen. Des Weiteren wäre lt. diesem Ergebnisbericht des Beratungsunternehmens eine Kooperation mit anderen strategischen Partnerinnen bzw. Partnern voranzutreiben. Die Kosten dieser Beratungsleistungen wurden größtenteils von der Wien Holding getragen. Eine diesbezügliche schriftliche Vereinbarung darüber wurde dem Kontrollamt nicht vorgelegt. Die anderen Eigentümerinnen (Stadthalle, VBW International) hätten sich nach Auskunft der Wien Ticket nicht an den Kosten beteiligt. Das Kontrollamt empfahl, grundsätzlich auf die Nachvollziehbarkeit der Geschäftsfälle höheres Augenmerk zu legen. Stellungnahme der WT Wien Ticket GmbH: Die Eigentümerin Wien Holding hat ein Beratungsunternehmen beauftragt, Optionen für einen raschen Turnaround der Wien Ticket zu analysieren. Insofern handelte es sich in diesem Fall um keinen Geschäftsfall der Wien Ticket. Grundsätzlich legt die Wien Ticket seit Ende 2009 höheres Augenmerk auf die Dokumentation von Geschäftsfällen. 3.2 Zusammenfassende Feststellungen und Empfehlungen zur Unternehmensstrategie In der Aufbauphase der Wien Ticket bis Ende 2008 wurden das Umsatzwachstum sowie das Gewinnen von Anteilen in einem reifen Markt als erste Priorität eingestuft. Dies

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