Finanzierung Teil 1. Wie wird ein Finanzplan aufgestellt?

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1 Finanzierung Teil 1 Ein Unternehmen muss nicht nur Gewinne erwirtschaften und rentabel sein. Ebenso wichtig ist die finanzielle Gesundheit". Ein Finanzplan sorgt für Überblick und zeigt, ob immer genügend Liquidität vorhanden ist. Regelmäßig stellt sich dann die Frage, wie eine notwendige Finanzierung vorgenommen werden soll: Aus Mitteln von außen, möglicherweise über einen Kredit, oder aus eigenen Mitteln. Finanz- und Liquiditätsplanung Die Finanzplanung stellt sicher, dass immer ausreichend Liquidität vorhanden ist, sei es, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten oder neue Investitionen oder andere Aktivitäten des Unternehmens (beispielsweise die Erschließung neuer Märkte) zu finanzieren. Finanzengpässe sollen so erkannt rechtzeitig beziehungsweise verhindert werden. Darüber hinaus soll aber auch die Ansammlung zu hoher liquider Mittel vermindert werden, die eventuell zu geringe Zinsen bringen. Es werden alle Zahlungsströme des Unternehmens erfasst: Einnahmen aus Verkäufen und sonstigen Leistungen und die Ausgaben, zum Beispiel für Personal, Material, Investitionen, Kredite, Gewinnausschüttungen oder Privatentnahmen. Dabei werden drei Hauptkategorien der Finanzplanung unterschieden: kurzfristig: bis zu etwa drei Monate mittelfristig: bis zu einem Jahr langfristig: von einem Jahr bis hin zur Langzeitplanung über mehrere Jahre Wie wird ein Finanzplan aufgestellt? Die Grundlage der Finanzplanung sind die Unternehmensplanung und die verschiedenen Teilplanungen, wie die Umsatz-/ Kostenplanung oder die Investitionsplanung. Die voraussichtlichen Ein- und Ausgaben aus diesen Teilplänen werden in die Finanzplanung übernommen. Wichtig ist die Monatsaufteilung: Der Jahresfinanzplan sollte auf die einzelnen Monate heruntergebrochen" werden, damit während des Jahres auftretende Finanzlücken sichtbar werden. Häufig findet man in der Praxis einen rollierenden Finanzplan": Dieser geht vom aktuellen Monat aus und zeigt jeweils die geplanten nächsten zwölf Monate, beispielsweise von März 2007 bis März 2008, also insgesamt 13 Monate. Nicht immer ist die erste Fassung" der Finanzplanung zufriedenstellend, zum Beispiel, wenn Finanzlücken festgestellt werden oder Geld zu lange zinslos auf den Konten geparkt" ist. Dann gilt es, den Finanzplan zu kneten".

2 Die klassischen Finanzierungsformen Unter Finanzierung versteht man die Beschaffung und Disposition von Finanzmitteln. Dabei sollen die Ziele Kapitalbereitstellung, Sicherung der Liquidität und finanzielle Unabhängigkeit unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sichergestellt werden. Außenfinanzierung Hier fließt dem Unternehmen Geld von außen zu, beispielsweise vom Kapitalmarkt. Dabei stehen dem Unternehmer folgende Möglichkeiten offen: Beteiligungs- oder Einlagenfinanzierung: Zum einen können bereits vorhandene Anteilseigner ihre Kapitaleinlage erhöhen, zum anderen können neue Anteilseigner aufgenommen werden. Kreditfinanzierung: Die Kreditfinanzierung ist eine der gängigsten Finanzierungsformen. Im Wesentlichen unterscheidet man kurzfristige, mittelfristige und langfristige Kredite. Kurzfristige Kredite haben eine Laufzeit von bis zu einem Jahr, mittelfristige Kredite zwischen drei und vier Jahren. Darlehensarten: Es gibt viele Methoden, ein Darlehen zu berechnen. Weit verbreitet sind das Abzahlungsdarlehen: Es wird ein gleichbleibender Betrag getilgt. So sinken im Zeitablauf die Zinsen. das Annuitätendarlehen: Es wird ein gleichbleibender Jahresbetrag (Annuität) errechnet. Der Zinssatz verringert sich tilgungsbedingt von Jahr zu Jahr. Da aber die Annuität konstant bleibt, steigert sich so der jährliche Tilgungsbetrag. Festdarlehen: Während der Laufzeit werden lediglich Zinsen gezahlt. Getilgt wird am Ende der Darlehensdauer in einer Summe. Neben diesen klassischen Bankkrediten gibt es eine Reihe von anderen Kreditfinanzierungsformen. Allerdings stehen einige dieser Möglichkeiten nur großen Unternehmen zur Verfügung: Industrieschuldverschreibung: Auch Anleihe oder Obligationen genannt. Dies ist ein langfristiges Darlehen, welches ein großes Unternehmen an der Börse aufnimmt. Zu diesem Zweck erfolgt eine Aufteilung in Teilschuldverschreibungen. So können private und institutionelle Kapitalgeber gewonnen werden, die jeweils eine Verzinsung erhalten. Gewinnschuldverschreibung: Neben dem Zins erhält hier der Gläubiger noch eine Beteiligung am Gewinn des Unternehmens. Wandelschuldverschreibung: Hierwird neben den Rechten aus der normalen" Schuldverschreibung verbrieft, dass der Inhaber ein Umtauschrecht in Aktien hat (Wandelanleihe) oder Bezugsrechte für Aktien erhält (Optionsanleihe). Wechselkredit: Beim Wechselkredit kann ebenfalls später bezahlt werden. Drei Monate und länger sind nicht selten. Kontokorrentkredit: Hier kann ohne Formalitäten eine Kreditlinie ausgeschöpft werden. Vorsicht: Kontokorrentkredite sind meist teure Kredite.

3 Lombardkredit: Dies ist ein Beleihungskredit, die Bank wird quasi zum Pfandhaus. Bewegliche, marktgängige Vermögensgegenstände wie Schmuck werden verpfändet. Gängig ist auch der Warenlombard, die Überlassung gekaufter Waren. Die Zinsen orientieren sich am Lombardsatz der Deutschen Bundesbank. Diskontkredit: Hier erfolgt der Verkauf von Wechseln vor Fälligkeit an eine Bank. Die Zinsen orientieren sich am Diskontsatz der Deutschen Bundesbank. Avalkredit: Die Bank gibt eine Bürgschaft für eine Verpflichtung des Bankkunden gegenüber Dritten und erhält dafür eine Avalprovision. Zero-Bonds: Hier gibt es keine laufende Zinszahlung, sondern die Zero-Bonds werden mit einem Disagio (Abschlag) ausgegeben, aber dann am Ende der Laufzeit zum Nennwert, also zum vollen Wert, getilgt. Die Differenz zwischen Rückgabe- und Ausgabewert ist der Ertrag für den Anleger. Schuldscheindarlehen: Dies ist eine Kreditform, die ohne Zwischenschaltung der Börse durch einen individuellen Vertrag zustande kommt. Alternativen zum klassischen Darlehen: Insbesondere für kleine Unternehmen kommen auch folgende Finanzierungsformen in Frage: Kundenanzahlung: Vor allem bei Auftragsfertigung kann eine Anzahlung durch den Kunden plausibel begründet werden. Lieferantenkredit: Die empfangene Leistung wird mit einem Zahlungsziel bezahlt, im Gegenzug verzichtet der Unternehmer auf die Skontonutzung. Innenfinanzierung Bei dieser Finanzierungsform werden interne Finanzmittel genutzt, die sich aus dem Gewinn oder aus dem Vermögen des Unternehmens ergeben. Überschussfinanzierung Selbstfinanzierung: Bei dieser Finanzierungsart wird der entstandene Gewinn als Geldzufluss zur Finanzierung genutzt, beispielsweise um Investitionen zu tätigen. Die Idee dabei ist, dass der Gewinn oder Teile davon nicht an die Anteilseigner des Unternehmens ausgeschüttet werden, sondern dem Unternehmen zu Finanzierungszwecken erhalten bleiben. Finanzierung aus Abschreibungen: Werden die in die Preise einkalkulierten Abschreibungen durch den Verkaufspreis erlöst, fließt Geld in das Unternehmen, dem keine Ausgaben gegenüberstehen. Die so verdienten" Abschreibungen stehen dann als Finanzierungspotenzial zur Verfugung. So kann eine neue Anlage bis zum Ende der Abschreibungsdauer der alten Anlage durch die Abschreibungen der Vergangenheit finanziert werden.

4 Innenfinanzierung aus Abschreibungen Jahr (31.12.) Investitionen Abschreibungen pro Jahr Abschreibung kumuliert Nach 5 Jahren ist die neue Investition finanziert (verdient) Finanzierung aus Rückstellungen: Die in die Preise einkalkulierten Rückstellungen stehen bis zur Auflösung beziehungsweise Zahlung der Rückstellung als Finanzpotenzial zur Verfugung. Vermögensumschichtung: Hierbei wird ein Teil des Vermögens des Unternehmens verkauft (beispielsweise durch den Verkauf von Grundstücken, Maschinen oder Aktien). Welche Form der Finanzierung sollte gewählt werden: Bietet die Rechtsform Möglichkeiten zur Aufnahme von Gesellschaftern? Sind überhaupt weitere Gesellschafter erwünscht? Besteht die Möglichkeit, eine der vielfältigen Kreditmöglichkeiten auszuschöpfen? Gibt es Sicherheiten, ist die Zinsbelastung wirtschaftlich akzeptabel? Ist eine Finanzierung aus eigener Kraft" möglich, beispielsweise über erwirtschaftete Gewinne? Ist es günstig, Vermögen zu verkaufen (zum Beispiel bei hohen Immobilienpreisen)?

5 Checkliste Finanzplanung ja teils/ teils nein 1. Gibt es in Ihrem Unternehmen eine aktuelle Finanzplanung, die einen Überblick über die finanzielle Zukunft des Betriebes gibt? 2. Wird ein Finanzplan regelmäßig aktualisiert, werden also neue Entwicklungen eingearbeitet? 3. Haben Sie bei Ihrem Finanzplan eine realistische Geschaftsentwicklung unterstellt? Ist Ihr Finanzplan realistisch? 4. Ist Ihr Finanzplan mit allen anderen Teilplänen abgestimmt (Umsatz, Kosten, Investitionsplan usw.)? 5. Machen Sie bei der Finanzplanung eine Risikoabschätzung, z.b. für geplante Finanzierungen? _ lnnen /Außenfinanzierung 6. Sind im Unternehmen alle Methoden der Innen und Außenfinanzierung bekannt und geprüft (berechnet!)? 7. Haben Sie Markttransparenz, z.b. über Kreditkonditionen? Internet nutzen und Hypothekenbanken anfragen 8. Haben Sie geprüft, ob für Ihr Finanzierungsvorhaben öffentliche Mittel bereitgestellt werden (z.b. Förderdatenbank des Bundes)? 9. Ist die mögliche Innenfinanzierung aus dem Gewinn des Unternehmens mit den Anteilseignern abgestimmt (Grund: geringere Ausschüttung an die Anteilseigner)? 10. Verfolgen bzw. prüfen Sie den Erfolg Ihrer Finanzierungsmaßnahmen, z.b. die Rentabilität einer finanzierten Investition? Ja = o.k. teils = Überprüfung erforderlich nein = Handlungsbedarf Links: Quelle dieser Präsentation:

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